Ich habe meinen ersten Sauerteig drei Wochen lang jeden Tag gefüttert. Jeden. Einzelnen. Tag.
Morgens um 6 Uhr hat der Wecker geklingelt. Ich bin in die Küche geschlurft, habe 50g Mehl und 50g Wasser abgewogen, umgerührt, Deckel drauf. Dann ins Büro gefahren. Jeden Tag dieser Rhythmus. Ich habe gedacht, wenn ich auch nur einen Tag auslasse, stirbt mein Starter.
Als ich dann nach drei Wochen mit meiner Freundin Julia übers Wochenende nach Wien gefahren bin, habe ich Robert – so heißt mein Roggenstarter – im Kühlschrank gelassen. Zwei Tage ohne Fütterung. Ich habe mir echt Sorgen gemacht.
Aber als ich zurückgekommen bin und ins Glas geschaut habe … er hat gelebt.
Natürlich hat er gelebt.
Heute füttere ich Robert einmal pro Woche – immer donnerstags, manchmal auch erst am Freitag. Er ist seit 5 Jahren mein treuster Verbündeter beim Brotbacken. Robuster als ich dachte. Viel robuster.
Verwirrend ist aber, dass du überall etwas anderes liest: „Täglich füttern!“ „Nur alle zwei Wochen!“ „Immer 1:1:1!“ „Bloß nicht zu viel Wasser!“ Ich habe am Anfang auch nicht mehr gewusst, was stimmt.
Ich zeige dir heute, wie das Füttern und Pflegen wirklich funktioniert – ohne täglichen Wecker. Einmal pro Woche, fünf Minuten. Am Ende kennst du deinen Starter und weißt, was er braucht.
👋 Meet Robert
Robert ist mein Roggen-Starter und seit 2019 mein Komplize fürs Brotbacken. Er ist ein Freigeist mit klaren Ansichten: er sagt, was funktioniert und was Quatsch ist. Mit ihm habe ich jeden denkbaren Anfängerfehler gemacht. Er hat durchgehalten – und mir beigebracht, dass Sauerteig unkomplizierter ist als gedacht.
Willst du mehr über Robert erfahren? Hier geht’s zu seiner Geschichte.
So fütterst du deinen Starter: Meine Donnerstags-Routine
Donnerstag, nach der Arbeit. Das ist meine Zeit für Robert.
Ich hole das Glas aus dem Kühlschrank, stelle es auf die Arbeitsplatte. Dann mache ich Kaffee. Während die Kaffeemaschine läuft, kommt Robert langsam auf Raumtemperatur. Die Mikroorganismen im Glas wachen auf. Nach etwa einer Stunde – wenn ich meinen Kaffee ausgetrunken habe – fange ich an.
Freitag setze ich dann meinen Vorteig an. Samstag backe ich. So habe ich am Wochenende frisches Brot, ohne dass Robert tagelang bei Raumtemperatur stehen muss.
Das Prinzip bleibt für jeden Starter gleich. Egal ob Roggen, Weizen oder Dinkel – du fütterst immer 1:1:1. Was anders ist: Robert reift in 4-5 Stunden, ein Weizenstarter braucht 6-8 Stunden. Robert bleibt eher so wie Mousse au Chocolat, Weizen wird elastisch und zieht Fäden.
Aber die Schritte sind identisch.
📌 Was du brauchst
- 50g Anstellgut aus Roberts Glas
- 50g Roggenmehl Type 1150
- 50g lauwarmes Wasser (höchstens 30°C)
- Ein sauberes Schraubglas (300ml reichen)
- Löffel, Küchenwaage
Das wars. Fünf Dinge. Fünf Minuten. Jetzt geht’s los.
So sieht Robert nach einer Woche aus
[BILD: Robert im Glas nach 1 Woche Kühlschrank]
Ich öffne das Glas und schaue mir an, was Robert in der letzten Woche gemacht hat. Meistens sieht er aus wie immer – cremig, mit ein paar Blasen. Ab und zu bildet sich eine harte Kruste. Die schiebe ich zur Seite, das flüssige Anstellgut von unten nehme ich. Die Kruste landet im Biomüll.
50g für die nächste Woche
Ich stelle ein neues, sauberes Glas auf die Waage und wiege 50g von meinem Starter ab. Der Rest bleibt erstmal stehen – was ich damit mache, erkläre ich gleich.
Manche Leute verwenden das alte Glas weiter, aber ich nehme lieber jedes Mal ein frisches. Am Glasrand setzen sich Reste ab, die eintrocknen und ein Schimmel-Risiko sind. Mit einem neuen Glas fühle ich mich sicherer.
Jetzt wird’s cremig: Wasser, Mehl, fertig
Ich gebe 50g lauwarmes Wasser zu den 50g Anstellgut. Nicht heiß – maximal 30 Grad. Das fühlt sich an der Hand etwas kühler als deine Körpertemperatur an. Wenn es sich warm anfühlt, ist es oft schon zu heiß! Dann rühre ich gut um.
Manche Bäcker nennen das verschlemmen – ich hab den Begriff erst vor ein paar Jahren gelernt und fand ihn lustig. Das Wasser löst das Anstellgut auf, bevor das Mehl dazukommt. Keine Klumpen, alles schön homogen. Ich rühre so lange, bis die Masse glatt ist wie Pudding.
Dann kommen 50g Mehl dazu. Ich rühre mit einem Esslöffel, bis keine Mehlnester mehr zu sehen sind. Die Konsistenz ist jetzt wie eine dicke Paste oder weicher Magerquark. Er sollte nicht fließen, sondern reißend vom Löffel fallen.
Wenn er wie feste Knete ist, gib noch einen Schluck Wasser dazu. Aber er muss nicht flüssig sein! Eine festere Paste hält sich im Kühlschrank sogar besser.
Jetzt braucht Robert Zeit – und Wärme
Jetzt braucht Robert Wärme, damit die Mikroorganismen richtig loslegen können. Ich lege den Deckel locker auf, ohne ihn festzuschrauben – das Gas muss raus können, sonst baut sich Druck auf. Das Glas stelle ich auf den Küchenschrank, wo es bei mir etwa 25°C hat. Im Winter wandert Robert in den Backofen mit eingeschaltetem Licht, da wird es etwa 27°C warm.
Nach 1-2 Stunden schaue ich nochmal rein. Erste kleine Blasen steigen auf, der Starter nimmt leicht an Volumen zu. Er riecht jetzt intensiver, säuerlich-fruchtig. Das bedeutet: Er ist angesprungen, und ich stelle ihn zurück in den Kühlschrank.
Jetzt macht Robert eine Woche lang sein Ding
Im Kühlschrank bei 5°C reift Robert jetzt langsam weiter. Die Mikroorganismen arbeiten, aber gemächlich. Er schläft nicht, er döst. Bis nächste Woche.
Füttern oder Auffrischen – was ist der Unterschied?
Überall liest du verschiedene Begriffe: Füttern, Auffrischen, Führen. Die werden oft durcheinandergewürfelt – und mich hat das am Anfang total verwirrt. Ich habe gedacht, das wären komplett verschiedene Techniken. Sind sie aber nicht – alle drei beschreiben im Grunde das Gleiche: Du gibst deinem Starter neues Mehl und Wasser.
Die Schritte sind identisch. Was sich unterscheidet, sind Timing und Zweck.
Füttern = Pflege (einmal pro Woche)
Füttern ist die wöchentliche Pflege. Du gibst deinem Starter neues Mehl und Wasser, damit er nicht verhungert. Das machst du einmal pro Woche.
Du nimmst 50g Anstellgut aus dem Kühlschrank, gibst 50g Mehl und 50g Wasser dazu und rührst um. Nach 1-2 Stunden bei Raumtemperatur – wenn erste Blasen kommen – stellst du das Glas zurück in den Kühlschrank. Fertig.
So bleibt dein Starter am Leben. Nicht mehr, nicht weniger.
Auffrischen = Aktivierung (vor dem Backen)
Auffrischen machst du direkt vor dem Backen. Du holst deinen Starter aus dem Kühlschrank, fütterst ihn und lässt ihn warm stehen, bis er sich deutlich vergrößert hat (bei Roggen oft 50-80%, bei Weizen verdoppelt er sich). Bei Roggen dauert das etwa 4-6 Stunden, bei Weizen 6-8 Stunden. Dann ist er backbereit – voller Blasen, das Volumen hat zugenommen, er riecht intensiv säuerlich. Das ist der Moment, auf den du wartest.
Die Schritte sind die gleichen wie beim Füttern: Anstellgut, Mehl und Wasser zusammengeben. Aber diesmal lässt du ihn nicht nach 2 Stunden in den Kühlschrank wandern. Stattdessen bleibt er bei Raumtemperatur stehen, bis er sein volles Volumen erreicht hat. Du siehst, wie er wächst, wie Blasen aufsteigen, wie sich eine Kuppel bildet.
Jetzt ist dein Starter auf maximaler Aktivität. Die Hefen vermehren sich, produzieren massig CO₂ – und genau dieses Gas lässt dein Brot später aufgehen.
Führen = Profi-Begriff (kontinuierliche Pflege)
„Führen“ ist der Begriff, den professionelle Bäcker verwenden. Er meint die kontinuierliche Pflege eines Starters – egal ob bei Raumtemperatur oder im Kühlschrank. Wenn ein Bäcker sagt „Ich führe meinen Starter im Kühlschrank“, meint er dasselbe wie „Ich füttere meinen Starter einmal pro Woche“.
Der Begriff kommt aus der Bäcker-Fachsprache und beschreibt, dass du deinen Starter „führst“ wie ein Lebewesen, um das du dich kümmerst. Für den Hausgebrauch brauchst du den Begriff nicht – „füttern“ und „auffrischen“ reichen völlig aus.
Warum die Verwirrung?
Viele Bäcker nutzen die Begriffe synonym. Sie sagen „Ich füttere meinen Starter vor dem Backen“ – meinen aber eigentlich „auffrischen“. Das ist okay, solange du weißt, was gemeint ist.
Welches Verhältnis ist richtig beim Füttern?
Das klassische Verhältnis ist 1:1:1 – 1 Teil Anstellgut, 1 Teil Mehl, 1 Teil Wasser. Das ist das, was ich dir gerade gezeigt habe: 50g Anstellgut, 50g Mehl, 50g Wasser.
Das funktioniert gut, weil du deinem Starter genau die richtige Menge Nahrung gibst. Die Mikroorganismen haben Futter für etwa eine Woche. Der Starter bleibt so stabil – nicht zu hungrig, nicht überfüttert. Du kannst zuverlässig mit ihm backen, weil du weißt, wie er sich verhält.
Ob du jede Woche backst oder mehrere Wochen Pause machst – mit 1:1:1 hast du eine sichere Basis.
Andere Verhältnisse: 1:2:2 oder 1:10:10
Wenn du mehrere Wochen nicht backst, kannst du auch 1:2:2 oder 1:10:10 füttern. Also zum Beispiel: 50g Anstellgut, 100g Mehl, 100g Wasser (bei 1:2:2).
Je mehr Nahrung du gibst, desto länger hat dein Starter Futter. Das ist praktisch, wenn du in Urlaub fährst oder länger Pause machst. Ich mache das, wenn ich in Urlaub fahre – Robert bekommt eine Extraportion und hält dann problemlos 2-3 Wochen durch.
Ich nutze das aber nur für längere Pausen. Zum normalen wöchentlichen Füttern bleibe ich bei 1:1:1.
💡 Mein Tipp: Die Faustregel für längere Pausen
Je mehr du fütterst, desto länger hält dein Starter:
- 1:10:10 → bis zu 4 Wochen im Kühlschrank (nur für Urlaub!)
- 1:1:1 → 7-10 Tage im Kühlschrank
- 1:2:2 → 2-3 Wochen im Kühlschrank
Warum funktioniert 1:1:1 am besten (für mich)?
Weil es einfach ist. Ich wiege immer die gleichen Mengen ab – 50g, 50g, 50g. Mein Gehirn muss nicht rechnen. Robert bekommt jede Woche das Gleiche und ist so am zuverlässigsten. Ich weiß genau, wie lange er braucht, wie er riecht, wie er aussieht. Diese Konstanz gibt mir Sicherheit.
Kann ich auch weniger nehmen? (1:0,5:0,5)
Theoretisch ja. Wenn du mit 50g Anstellgut, 25g Mehl und 25g Wasser fütterst, hast du weniger übrigen Starter zum Wegwerfen. Das spart Mehl.
Aber der Starter hat dann weniger Futter und wird schneller sauer. Für die wöchentliche Kühlschrank-Pflege ist das zu knapp – er könnte überreif werden. Ich habe das mal probiert, und Robert ist mir zu sauer geworden. Deshalb bleibe ich bei 1:1:1.
Wenn du vor dem Backen auffrischst: 1:5:5 oder mehr
Wenn du deinen Starter direkt vor dem Backen auffrischst und viel davon brauchst (z.B. für mehrere Brote), kannst du auch 1:5:5 oder 1:10:10 füttern.
Zum Beispiel: 20g Anstellgut, 100g Mehl, 100g Wasser. Nach 6-8 Stunden hast du 220g aktiven Starter – genug für ein oder zwei Brote.
Das mache ich, wenn ich am Wochenende gleich mehrere Brote backen will. Ich nehme nur 20g von Robert, füttere mit 100g Mehl und 100g Wasser – und habe am nächsten Tag richtig viel aktiven Starter. Ich muss dann auch weniger vom übrigen Anstellgut wegwerfen, weil ich nur einen kleinen Teil von Robert entnommen habe.
Wann auffrischen vor dem Backen?
Am Anfang habe ich gedacht, ich muss meinen Starter immer füttern, bis er sich verdoppelt hat – und dann sofort damit backen. So steht es in vielen Anleitungen.
Aber ich mache das nicht. Ich füttere Robert donnerstags und lasse ihn 1-2 Stunden draußen stehen, bis erste Blasen kommen. Dann geht er zurück in den Kühlschrank. Am Freitag – etwa 24 Stunden später – hole ich ihn direkt aus dem Kühlschrank und setze meinen Vorteig an. Der reift dann 12 Stunden bei Raumtemperatur. Samstag backe ich.
Robert im Glas ist zu diesem Zeitpunkt nicht verdoppelt. Er ist kalt aus dem Kühlschrank, hat Blasen, ist aktiv – aber weit entfernt von „perfekt“. Der Vorteig, den ich damit ansetze, bekommt die 12 Stunden, um zu reifen. DER muss backbereit sein. Nicht Robert im Glas.
Ausnahme: Sehr junge oder lange nicht gefütterte Starter
Wenn dein Starter sehr jung ist (unter 4 Wochen) oder wenn er länger nicht gefüttert wurde, frische ihn einen Tag vorher richtig auf: Füttere 1:1:1, lass ihn bei Raumtemperatur stehen, bis er sich verdoppelt hat. Dann ist er stark genug für dein Brot.
Welches Mehl verwendest du zum Füttern?
Ich füttere meinen Starter immer mit dem gleichen Mehl, mit dem ich ihn angesetzt habe: Roggenmehl Type 1150. Seit fünf Jahren das gleiche Mehl, aus der gleichen Mühle. Robert liebt Konstanz.
Aber ich habe auch schon experimentiert. Mal Type 1370 genommen, mal Roggenschrot. Das funktioniert. Aber jedes Mal, wenn ich das Mehl wechsle, braucht der Starter 2-3 Fütterungen, bis er sich daran gewöhnt hat. Er wird träger, riecht anders, braucht länger zum Reifen.
Bleib am besten bei einem Mehl.
Roggen, Weizen oder Dinkel?
Das hängt davon ab, mit welchem Mehl du deinen Starter angesetzt hast. Wenn du einen Roggenstarter hast, füttere mit Roggen. Wenn du einen Weizenstarter hast, füttere mit Weizen.
Du kannst theoretisch auch wechseln. Aber dann musst du geduldig sein. Wenn du deinen Roggenstarter auf Weizen umstellen willst, füttere fünf Mal hintereinander mit Weizen (alle 12 Stunden). Nach dem fünften Mal hat sich die Mikroorganismen-Zusammensetzung angepasst.
Ich habe das mal gemacht. Hat funktioniert. Aber der Starter war zwei Wochen lang träge. Ich habe inzwischen zwei Starter: einen Roggenstarter für Roggenbrote, einen Weizenstarter für Weizenbrote. Zwei Gläser im Kühlschrank. Weniger Stress.
→ Was Robert über Weizenmehl denkt
Type 550, Type 1050 oder Vollkorn?
Je höher die Zahl, desto dunkler das Mehl. Type 550 ist hell, Type 1150 dunkler, Vollkorn hat die ganzen Kornschalen drin.
Mit Vollkorn geht dein Starter schneller. Er blubbert früher, verdoppelt sich schneller. Das liegt daran, dass an den Kornschalen noch mehr Hefen und gute Bakterien sitzen – sozusagen eine Extraportion Startkultur bei jeder Fütterung.
Ich füttere Robert trotzdem mit Type 1150. Vollkorn macht ihn mir zu aktiv und manchmal zu sauer. Mit 1150 bleibt er stabil – nicht zu langsam, nicht zu wild. Für mich der beste Mittelweg.
Wie oft musst du füttern?
Im Kühlschrank reicht einmal pro Woche – so wie ich das mit Robert mache. Bei Raumtemperatur oder mit jungen Startern sieht das anders aus.
Bei Raumtemperatur: Täglich
Wenn dein Starter bei Raumtemperatur steht (20-25°C), musst du täglich füttern. Die Mikroorganismen arbeiten schnell, fressen schnell, verhungern schnell. Bäckereien machen das so, weil sie täglich backen. Für Hobbybäcker ist das meist zu aufwendig.
Wenn dein Starter jung ist (unter 4 Wochen)
Junge Starter sind empfindlicher. Die ersten zwei Wochen füttere ich täglich – auch wenn der Starter im Kühlschrank steht. Nach zwei Wochen kannst du auf wöchentlich umstellen.
💡 Mein Tipp – Nicht in die Kühlschranktür
Stell deinen Starter nicht in die Kühlschranktür. Da ist es zu warm (10-12°C). Ich stelle Robert ganz hinten in den Kühlschrank – da ist es am kältesten (4-6°C), und da hält er am längsten.
Übrigen Sauerteig verwerten statt wegwerfen
Beim Füttern bleibt immer etwas übrig. Du nimmst 50g von deinem Starter, der Rest landet… ja, wo eigentlich?
Ich habe am Anfang nichts weggeworfen. Jede Woche habe ich gedacht: „Wegwerfen ist doch Verschwendung!“ Also habe ich einfach den ganzen Starter gefüttert – 1:1:1. Aus 50g wurden 150g. Nächste Woche 450g. Dann 1,35 Kilo. Die Mathematik ist gnadenlos: Bei 1:1:1 verdreifacht sich die Menge jede Woche.
Nach einem Monat hatte ich drei große Weck-Gläser voll Starter im Kühlschrank. Ich habe gemerkt: Das kann so nicht weitergehen.
Der Rest kommt bei mir heute auf den Kompost. Die Mikroorganismen beschleunigen die Kompostierung – aus Verschwendung wird Kreislauf. Wenn ich Zeit habe, backe ich auch Pfannkuchen oder Cracker daraus. Die schmecken gut und fühlen sich weniger nach Wegwerfen an.
⚠️ WICHTIG: Nicht in den Abfluss!
Sauerteig verklebt Rohre. Schütte deinen Rest niemals in den Abfluss – das kann teuer werden. Biomüll oder Kompost sind die besseren Optionen.
→ Hier findest du 12 Rezepte für übrigen Sauerteig – von Pfannkuchen bis Pizza. Damit wird aus „Rest“ richtig gutes Essen. (erscheint demnächst)
Häufige Fragen zum Sauerteig füttern
Wie oft muss ich meinen Sauerteig füttern?
Wenn dein Starter im Kühlschrank steht, füttere einmal pro Woche. Ich mache das donnerstags, nach der Arbeit. Bei 5°C arbeiten die Mikroorganismen so langsam, dass sie mit einer Fütterung eine Woche auskommen.
Bei Raumtemperatur sieht das anders aus. Da musst du täglich füttern – die Mikroorganismen arbeiten schnell, fressen schnell, verhungern schnell. Bäckereien machen das so, weil sie täglich backen. Für mich wäre das zu viel Arbeit.
Ich habe Robert auch schon mal zwei Wochen im Kühlschrank vergessen. Er hat überlebt. Aber ich füttere lieber wöchentlich – dann bleibt er aktiv und triebstark.
Muss ich bei jedem Füttern ein neues Glas nehmen?
Ich nehme jedes Mal ein frisches Glas. Die Reste am Glasrand trocknen ein und sind ein perfekter Nährboden für Schimmel. Deshalb lieber ein sauberes Glas nehmen – spart dir später Ärger.
Wenn du das alte Glas weiterverwenden willst, spül es mit kochendem Wasser aus. Nicht nur warm, sondern richtig heiß – das tötet Schimmelsporen ab. Ich verwende kein Spülmittel für Starter-Gläser, das hinterlässt Rückstände.
Ich habe immer drei saubere Gläser im Schrank stehen. So kann ich eins benutzen, während die anderen in der Spülmaschine sind. Das funktioniert gut.
Was passiert, wenn ich 1-2 Tage zu spät füttere?
Wenn dein Starter im Kühlschrank steht und schon ein paar Wochen alt ist? Nichts Schlimmes. Ich füttere manchmal erst nach 10 Tagen statt nach 7. Er riecht dann etwas säuerlicher, hat vielleicht Fusel obendrauf – aber nach einmal Füttern ist er wieder fit.
Bei Raumtemperatur ist es kritischer. Wenn du 2 Tage zu spät bist, füttere zweimal hintereinander – alle 12 Stunden. Der Starter braucht dann ein bisschen Zeit, um wieder auf Touren zu kommen.
Wenn dein Starter sehr jung ist (unter 4 Wochen), würde ich pünktlicher sein. Junge Starter sind empfindlicher und brauchen regelmäßige Fütterungen, um stabil zu werden.
Kann ich verschiedene Mehlsorten zum Füttern verwenden?
Du kannst, aber ich würde bei einem Mehl bleiben. Robert liebt Konstanz. Ich füttere ihn seit 5 Jahren mit dem gleichen Roggenmehl Type 1150, aus der gleichen Mühle.
Jedes Mal, wenn ich das Mehl gewechselt habe, hat Robert 2-3 Fütterungen gebraucht, um sich daran zu gewöhnen. Er wurde träger, hat anders gerochen, brauchte länger zum Reifen. Das nervt.
Wenn du deinen Roggenstarter auf Weizen umstellen willst, geht das – aber mit Geduld. Füttere fünf Mal hintereinander mit Weizen, alle 12 Stunden. Nach dem fünften Mal hat sich die Mikroorganismen-Zusammensetzung angepasst. Ich habe das mal gemacht. Hat funktioniert, aber Robert war zwei Wochen lang träge.
Wie erkenne ich, ob mein Starter noch gut ist?
Ein gesunder Starter riecht fruchtig-säuerlich, hat Blasen und wächst nach dem Füttern deutlich (bei Roggen oft 50-80% Volumenzunahme, bei Weizen verdoppelt er sich). Das dauert etwa 4-8 Stunden. Ich habe ein Haushaltsgummi am Glas – das zeigt mir die Zunahme. Das ist der einzige Indikator, auf den ich mich wirklich verlasse.
Wenn Robert nach Nagellackentferner riecht, ist er überreif. Die Hefen haben den ganzen Zucker aufgefressen und produzieren jetzt Alkohol. Ich füttere dann zweimal hintereinander – alle 12 Stunden. Nach dem zweiten Mal riecht er wieder fruchtig.
Wenn du Schimmel siehst – grün, schwarz, pelzige Flecken – wirf den Starter komplett weg. Kein Abkratzen, kein „vielleicht geht’s noch“. Schimmel dringt tief ins Anstellgut rein, auch wenn du nur oben was siehst. Fusel obendrauf ist dagegen okay – einfach abgießen und weiterfüttern.
Kann ich meinen Starter einfrieren oder trocknen?
Trocknen funktioniert besser als Einfrieren. Ich streiche meinen Starter dünn auf Backpapier, lasse ihn an der Luft trocknen, breche ihn in Stücke und bewahre ihn im Glas auf. Hält jahrelang.
Zum Reaktivieren gebe ich die Stücke mit Mehl und Wasser zusammen – nach 2-3 Fütterungen ist er wieder einsatzbereit. Das dauert 2-3 Tage, aber es funktioniert zuverlässig. Ich mache das immer, bevor ich in Urlaub fahre – als Backup.
Beim Einfrieren werden viele Mikroorganismen kaputt. Das Reaktivieren dauert Wochen. Ich habe das einmal probiert – hat nicht gut funktioniert. Seitdem trockne ich nur noch.
→ Hier findest du die drei Methoden zur Aufbewahrung
Du musst nicht perfekt sein
Drei Wochen lang habe ich jeden Morgen um 6 Uhr den Wecker gestellt. Habe mir Sorgen gemacht, wenn ich mal ein Wochenende weggefahren bin. Habe gedacht, ich muss perfekt sein – sonst stirbt Robert.
Aber Sauerteig-Starter sind viel robuster, als die meisten Anleitungen dir weismachen wollen.
Bei mir war es ein Donnerstagabend, als ich genug hatte von den täglichen Weckern. Ich habe gegoogelt: „Sauerteig nur einmal pro Woche füttern“. Und siehe da – es geht. Ich habe Robert gefüttert, zwei Stunden stehen lassen, zurück in den Kühlschrank gestellt. Eine Woche später das Gleiche. Er hat funktioniert. Zuverlässig.
Robert steht seit über 5 Jahren in meinem Kühlschrank. Ich füttere ihn donnerstags, manchmal erst nach zehn Tagen. Er macht das schon. Du wirst deinen eigenen Rhythmus finden – vielleicht fütterst du montags, vielleicht sonntags. Dein Starter verzeiht dir mehr, als du denkst.

Wenn du tiefer einsteigen willst:
Sauerteig füttern: Routinen für jeden Alltag – Du weißt jetzt, wann dein Starter fertig ist. Aber wie fütterst du ihn regelmäßig? Welcher Rhythmus passt zu deinem Alltag? Ich zeige dir drei Routinen, die funktionieren.
Brot-Zutaten: Was ist eigentlich drin im Brot – Mehl, Wasser, Salz, Sauerteig – mehr brauchst du nicht. Ich erkläre dir, was jede Zutat macht und wie du typische Zutatenfehler vermeidest.
Dein Sauerteig-Starter geht nicht auf? So rettest du ihn – Dein Starter blubbert nicht mehr und du denkst ans Wegwerfen? Warte. Meistens steckt er nur in einer schwachen Phase. Ich zeige dir, wie du ihn in zwei Tagen wieder aufweckst.
Wie lange hält Sauerteig im Kühlschrank? – Du willst nicht jede Woche backen, aber dein Starter soll trotzdem backbereit bleiben? Der Kühlschrank ist hier dein bester Freund. Ich zeige dir, wie du deinen Starter dort lagerst, fütterst und pflegst.
Sauerteig aufbewahren und auffrischen: 4 Methoden für deine Backpause – Du bist länger als drei Wochen weg? Hier erfährst du, wie du deinen Starter verkrümelst, trocknest oder einfrierst – und wie du ihn danach wieder aktivierst.
Robert hat mir gezeigt, dass Sauerteig-Starter viel entspannter sind als die meisten Anleitungen behaupten. Wie ist das bei dir – hast du auch schon auf wöchentlich umgestellt oder fütterst du noch öfter? Schreib es mir gerne in die Kommentare.
Letzte Aktualisierung: 1.1.2026
Liste der Begriffe
- Sauerteig
- Anstellgut
- Auffrischen