Dein Sauerteig ist ein bisschen wie ein Haustier – nur pflegeleichter. Er braucht regelmäßig Futter (Mehl und Wasser), aber keine Gassi-Runden. Und wenn du mal einen Tag vergisst zu füttern, verzeiht er dir das. Die meisten Sauerteige sind robuster, als du denkst.
Aber wie oft musst du füttern? Wieviel Mehl und Wasser genau? Und wann ist der richtige Zeitpunkt vor dem Backen? In diesem Artikel zeige ich dir, wie du deinen Sauerteig richtig fütterst – egal, ob du ihn bei Raumtemperatur pflegst oder im Kühlschrank aufbewahrst.
👋 Meet Robert
Robert ist Bines Roggen-Starter. Er lebt seit Januar 2019 im Kühlschrank und hat eine klare Meinung zu Sauerteig-Pflege. Er kommt in diesem Artikel auch zu Wort. Lerne Robert kennen →
Wenn du deinen Sauerteig fütterst, gibst du ihm frisches Mehl und Wasser. Im Mehl steckt Stärke, und die wird durch Enzyme im Sauerteig in Zucker umgewandelt. Diesen Zucker fressen die Hefen und Milchsäurebakterien in deinem Sauerteig. Sie vermehren sich, bleiben aktiv und geben deinem Brot später die Triebkraft. Ohne regelmäßiges Futter werden sie träge – dein Sauerteig wird schwach. Das Brot geht dann schlecht auf oder bleibt flach.
Ich hab am Anfang auch gedacht, Sauerteig wäre kompliziert. Aber ehrlich? Es ist total unkompliziert. Du gibst Mehl und Wasser dazu, rührst um, fertig. Der Sauerteig macht den Rest von alleine.
Füttern, Auffrischen oder Aktivieren – was ist der Unterschied?
Du liest immer wieder von „Füttern“, „Auffrischen“ und „Aktivieren“. Die bedeuten alle dasselbe: Du gibst deinem Sauerteig Mehl und Wasser.
Füttern ist der Oberbegriff für alle Varianten. Du gibst deinem Sauerteig regelmäßig Mehl und Wasser, damit er aktiv bleibt und Triebkraft hat. Auffrischen nutzt du nach einer kürzeren Pause – wenn dein Sauerteig zum Beispiel eine Woche im Kühlschrank stand. Du holst ihn raus, fütterst ihn, und er wird wieder aktiv. Aktivieren brauchst du nach längeren Pausen, wenn dein Sauerteig mehrere Wochen oder Monate im Kühlschrank stand. Dann gibst du ihm mehrere Fütterungen hintereinander, bis er wieder fit ist.
Sauerteig füttern: Die Schritt-für-Schritt-Anleitung
Das Füttern selbst ist wirklich nicht kompliziert. Du brauchst dein Anstellgut, Mehl und Wasser. Dazu eine Schüssel, einen Löffel und bestenfalls eine Waage.
Ich füttere meinen Sauerteig meistens freitagabends, wenn ich am Wochenende backen will. Das dauert keine fünf Minuten. Und so geht’s:
Nimm die Menge aus dem Glas, die du füttern möchtest, und gib sie in eine Schüssel. Bei mir sind das meistens 50 Gramm. Den Rest – alles, was noch im Glas ist – kannst du für Discard-Rezepte verwenden oder zum Kompost geben. Es gibt jede Menge Rezepte für Anstellgut-Reste, von Pancakes bis Crackern.
Gib die gleiche Menge Wasser dazu und verschlämme es mit dem Anstellgut. Also 50 Gramm Wasser zu 50 Gramm Sauerteig. Verrühr beides, bis sich der Sauerteig im Wasser fast auflöst. Das geht schnell und macht die Fütterung einfacher.
Jetzt kommt das Mehl dazu. Wieder die gleiche Menge – 50 Gramm Mehl. Verrühr alles gut, bis du keine Mehlklumpen mehr siehst. Dauert höchstens eine Minute. Die Masse sieht dann glatt aus, wie ein dicker Pfannkuchenteig. Das ist das klassische 1:1:1-Verhältnis.
Füll den Sauerteig in ein sauberes Glas und deck es ab. Aber nicht luftdicht. Dein Sauerteig muss atmen können. Ich leg den Deckel locker drauf, ohne ihn festzuschrauben. Ein Küchentuch mit Gummiband geht auch. Hauptsache, kein Staub kommt rein, aber Luft schon.
Und dann heißt es warten. Wie lange, hängt davon ab, was du vorhast:
Wenn du bald backen möchtest, lass den Sauerteig 4 bis 6 Stunden bei Raumtemperatur stehen, bis er sich verdoppelt hat und Blasen an der Oberfläche zeigt. Dann ist er backfertig.
Wenn du ihn im Kühlschrank lagern willst, warte nur 1 bis 2 Stunden, bis er „angesprungen“ ist (etwa 20 bis 30 Prozent Volumenzunahme, erste Bläschen). Dann ab in den Kühlschrank. Dort hat er genug Futter für die nächste Woche.
Wieviel Mehl und Wasser? Das richtige Fütter-Verhältnis
Das Verhältnis beim Füttern bestimmt, wie aktiv dein Sauerteig wird und welche Gesamtmenge du am Ende hast. Wenn du von Verhältnissen wie 1:1:1 oder 1:5:5 liest, beziehen sich die Zahlen immer auf das Verhältnis von Starter zu Mehl zu Wasser.
Du musst nicht jedes Mal neu rechnen. Die meisten HobbybäckerInnen kommen mit 1:1:1 wunderbar klar. Aber es gibt Situationen, da ist ein anderes Fütter-Verhältnis besser.
Welches Verhältnis wann?
| Verhältnis | Wann du es verwendest | Was es bringt | |
|---|---|---|---|
| 1:1:1 | Wöchentliche Routine-Fütterung im Kühlschrank, normale Pflege | Hält deinen Sauerteig fit und aktiv | |
| 1:2:2 | Vor dem Backen, wenn du extra Triebkraft willst | Macht deinen Sauerteig richtig aktiv | |
| 1:5:5 | Nach langer Pause, wenn dein Sauerteig träge ist | Gibt den Hefen viel Nahrung zum Vermehren |
1:1:1 – Die Alltagsfütterung für jede Woche
Das ist die Faustregel für die normale, regelmäßige Pflege. Du gibst gleiche Teile Sauerteig, Mehl und Wasser zusammen.
Ein Beispiel: 50 g Sauerteig + 50 g Mehl + 50 g Wasser = 150 g Sauerteig
Das Verhältnis von Mehl zu Wasser nennt man Hydration. Bei 1:1 (50 g Mehl + 50 g Wasser) hast du 100 Prozent Hydration. Dein Sauerteig hat dann die Konsistenz von einem dicken Pfannkuchenteig – nicht zu fest, nicht zu flüssig.
Ich füttere meinen Starter so. Das funktioniert für alle meine Brote.
Extra Triebkraft: Wann 1:2:2 oder 1:5:5 besser sind
Manchmal brauchst du mehr Power für dein Anstellgut. Dann gibst du mehr Mehl und Wasser dazu, aber weniger Starter.
1:2:2 vor dem Backen
50 g Sauerteig + 100 g Mehl + 100 g Wasser = 250 g Sauerteig
Ich nutze das vor dem Backen, wenn ich meinen Sauerteig aus dem Kühlschrank hole und er richtig aktiv sein soll. Nach so einer Fütterung ist er extrem triebkräftig.
1:5:5 nach längerer Pause
50 g Sauerteig + 250 g Mehl + 250 g Wasser = 550 g Sauerteig
Das brauchst du, wenn dein Sauerteig länger nicht gefüttert wurde oder träge ist. Die Hefen bekommen viel Nahrung und können sich stark vermehren.
Weniger Reste: So sparst du Mehl beim Füttern
Wenn du weniger Anstellgut-Reste haben willst, reduziere einfach die Menge des Starters, den du behältst. Das Verhältnis bleibt 1:1:1.
Beispiel: 10 g Anstellgut + 10 g Mehl + 10 g Wasser = 30 g Sauerteig
So sparst du Mehl und hast weniger Reste, ohne dass dein Sauerteig übersäuert. Ich hab das mal gemacht, als ich wochenlang nicht gebacken hab. Ich hab einfach nur 10 Gramm Anstellgut behalten und den Rest zu Crackern gebacken. Nach der Fütterung hatte ich 30 Gramm Sauerteig – perfekt für die nächste Woche.
Wie oft Sauerteig füttern? Kühlschrank vs. Raumtemperatur
Wie oft du deinen Sauerteig füttern musst, hängt davon ab, wo dein Sauerteig wohnt. Bei Zimmertemperatur brauchst du täglich Zeit zum Füttern. Im Kühlschrank reicht einmal pro Woche. Die meisten HobbybäckerInnen lagern ihren Sauerteig im Kühlschrank, weil das im Alltag einfach praktischer ist.
Bei Raumtemperatur: Täglich füttern
Bei Zimmertemperatur musst du alle 12 bis 24 Stunden füttern. Die Hefen sind bei Wärme sehr aktiv und verbrauchen schnell ihr Futter. Ohne regelmäßige Fütterung wird dein Sauerteig unangenehm sauer, die Hefen werden träge.
Ich hab das am Anfang versucht. Es nervt. Jeden Tag dran denken, jeden Tag Anstellgut-Reste. Wenn du nicht täglich backst, ist das eher unpraktisch.
Im Kühlschrank: Einmal pro Woche
Bei einer Lagerung im Kühlschrank reicht es, wenn du deinen Starter einmal pro Woche fütterst. Die Kälte verlangsamt die Aktivität der Hefen und Milchsäurebakterien. Dein Sauerteig braucht dann weniger Aufmerksamkeit, und ich lagere meinen auch so. Manche lassen ihren Sauerteig sogar mal zehn Tage oder zwei Wochen stehen, kein Problem. Sauerteig ist da sehr robust.
Robert sagt: Die Kühlschrank-Position macht den Unterschied
Ich steh ganz hinten im Kühlschrank. Nicht in der Tür. Da ist es zu warm – 10 bis 12 Grad. Hinten sind es 4 bis 6 Grad. Bei der Temperatur arbeite ich langsam genug, um eine Woche durchzuhalten. In der Tür wäre ich nach drei Tagen schon wieder hungrig. Kleiner Unterschied, große Wirkung.
Die Raumtemperatur macht einen Unterschied
Bei 25 Grad geht dein Sauerteig deutlich schneller auf als bei 18 Grad. Im Sommer ist er schneller hungrig, im Winter braucht er länger. Bei 30 Grad kann er schon nach 3 bis 4 Stunden fertig sein. Bei 18 Grad dauert es eher 8 bis 10 Stunden.
Deshalb bringt es nichts, sich an feste Zeiten zu klammern. Schau auf deinen Sauerteig, nicht auf die Uhr. Wenn er sich verdoppelt hat und Blasen an der Oberfläche zeigt, ist er bereit.
Wann vor dem Backen füttern? Das richtige Timing
Wenn du backen willst, braucht dein Sauerteig ein paar Stunden Vorlauf, um nach dem Füttern richtig aktiv zu werden. Wie viele genau hängt von der Raumtemperatur ab.
Die Faustregel fürs Timing
Füttere deinen Sauerteig 6 bis 12 Stunden vor dem Backen.
- Bei 25 Grad: 6 bis 8 Stunden
- Bei 20 Grad: 8 bis 10 Stunden
- Bei 18 Grad: 10 bis 12 Stunden
Das sind Richtwerte. Schau auf deinen Sauerteig, nicht auf die Uhr. Wenn er sich verdoppelt hat und Blasen an der Oberfläche zeigt, ist er bereit.
Woran erkennst du, dass dein Starter backbereit ist?
Es gibt drei klare Zeichen, an denen du es erkennst:
1. Die Wölbung (der Dom): Schau dir die Oberfläche im Glas an. Wenn sie nach oben gewölbt ist wie eine Kuppel, ist dein Sauerteig bereit. Die Oberfläche sieht straff aus und hat ordentlich Druck. Wird die Oberfläche flach oder sinkt in der Mitte ein, hast du den besten Zeitpunkt verpasst.
2. Die Netzstruktur (durchs Glas geschaut): Schau von der Seite durchs Glas. Dein Sauerteig ist fertig, wenn du eine gleichmäßige, fein- bis grobporige Schwammstruktur siehst, wie bei einem Badeschwamm. Die Bläschen sind stabil und gleichmäßig verteilt. Kollabieren die Poren oder laufen „Tränen“ am Glas herunter, ist er drüber.
3. Das Aroma: Ein fertiger Sauerteig riecht angenehm säuerlich – nach reifer Ananas, Apfel oder mildem Joghurt. Der Geruch ist fruchtig und einladend. Riecht er stechend nach Essig oder Nagellackentferner, ist er überreif.
Robert sagt wie’s ist – Warum ich den Schwimmtest hasse!
Der Schwimmtest – jeder schwört drauf. Ich bin in sechs Jahren kein einziges Mal geschwommen. Die Brote waren trotzdem großartig. Warum? Weil der Test nur zeigt, ob genug Luftblasen da sind. Aber nicht, ob ich überreif bin. Schau lieber auf drei Dinge: Ist meine Oberfläche gewölbt wie eine Kuppel? Sehe ich durchs Glas eine Schwammstruktur? Rieche ich fruchtig-säuerlich? Dann bin ich bereit. Test überflüssig.
Was passiert, wenn das Timing nicht stimmt?
Verwendest du deinen Sauerteig zu früh oder zu spät, bleibt dein Brot flach. Beide Extreme haben den gleichen Effekt, aber aus unterschiedlichen Gründen.
Wenn du zu früh backst, ist dein Sauerteig noch nicht aktiv genug. Die Hefen haben sich noch nicht richtig vermehrt. Das Brot geht schlecht auf, bleibt flach und bekommt eine dichte Krume.
Backst du zu spät, hat dein Sauerteig seinen Höhepunkt überschritten. Die Hefen haben alles aufgefressen und verlieren an Kraft. Der Teig fällt vielleicht sogar schon wieder zusammen. Das Brot wird ebenfalls flach.
Der richtige Moment ist dann, wenn dein Sauerteig gerade seinen Höhepunkt erreicht hat. Er hat sich verdoppelt, sieht straff aus und ist voll aktiv.
Ich hab am Anfang oft zu spät gebacken. Mein Sauerteig stand über Nacht, war morgens riesig, und ich dachte, das wäre perfekt. Aber das Brot blieb flach. Mit der Zeit hab ich gelernt, den richtigen Moment zu erkennen.
So mache ich es: Mein Wochenplan mit Robert
Ich backe meistens samstags, und Robert bekommt seinen festen Freitags-Rhythmus. Das hier ist mein persönlicher Zeitplan – deiner kann ganz anders aussehen. Vielleicht backst du lieber sonntags, oder du willst schon donnerstagabends anfangen. Kein Problem. Pass die Zeiten einfach an deinen Alltag an.
Freitagnachmittag (ca. 14 Uhr):
Ich hole Robert aus dem Kühlschrank. Er sieht meistens etwas schläfrig aus nach seiner Woche in der Kälte, aber das ändert sich gleich. Ich füttere ihn 1:1:1 – zum Beispiel 50 g Anstellgut + 50 g Mehl + 50 g Wasser. Das ergibt 150 g aktiven Sauerteig.
Freitagabend (ca. 18-20 Uhr):
Nach 4 bis 6 Stunden ist Robert richtig wach. Er hat sich fast verdoppelt, zeigt Blasen an der Oberfläche und riecht angenehm säuerlich. Jetzt teile ich ihn:
- Einen Teil brauche ich für meinen Brotteig. Wie viel genau, hängt vom Rezept ab. Ich mische den Sauerteig mit Mehl, Wasser und Salz zum Hauptteig und schicke ihn in die Stockgare – je nach Rezept bei Raumtemperatur oder über Nacht im Kühlschrank.
- Den Rest füttere ich nochmal frisch: 50 g Anstellgut + 50 g Mehl + 50 g Wasser (1:1:1). Das ist Roberts Futter für die nächste Woche.
Etwa 1 bis 2 Stunden später:
Robert zeigt erste Bläschen und hat schon wieder an Volumen zugelegt – etwa 20 bis 30 Prozent. Perfekt. Ich stelle ihn zurück in den Kühlschrank. Da hat er jetzt genug Reserven für die kommenden Tage.
Samstagmorgen:
Mein Brotteig ist fertig gegangen und bereit. Ich forme ihn zu einem Laib, lasse ihn nochmal kurz gehen (Stückgare) und schiebe ihn in den Ofen. Robert schläft derweil satt und zufrieden im Kühlschrank und träumt wahrscheinlich schon vom nächsten Backtag.
Nächsten Freitag: Und nächste Woche geht’s von vorne los. Bei mir ist das zur Routine geworden – einfach, entspannt und ohne viel Aufwand.
Welches Mehl zum Füttern? Roggen, Weizen oder Dinkel
Du kannst prinzipiell jedes Mehl verwenden: Roggen, Weizen, Dinkel. Die einfachste Regel: Füttere mit dem gleichen Mehl, mit dem du deinen Sauerteig angesetzt hast.
Roggensauerteig bekommt Roggenmehl. Weizensauerteig bekommt Weizenmehl. Dinkelsauerteig bekommt Dinkelmehl. So bleibt dein Sauerteig stabil.
Kann ich verschiedene Mehlsorten verwenden?
Ja. Wenn du dauerhaft mit einer anderen Mehlsorte fütterst, passt sich dein Sauerteig an. Ich hab meinen Roggensauerteig mal nach und nach auf Weizen umgestellt. Nach drei, vier Fütterungen hatte er sich komplett angepasst. Die Konsistenz war anders, die Aktivität auch, aber er hat funktioniert.
Wenn du umstellst, bleib dann aber bei der neuen Sorte. Ständiges Hin- und Herwechseln zwischen Roggen und Weizen verwirrt deinen Sauerteig. Die Mikroorganismen müssen sich jedes Mal neu anpassen. Lieber einmal umstellen und dann dabei bleiben.
Vollkorn oder helles Mehl?
Beides funktioniert. Vollkornmehl bringt mehr Nährstoffe mit, vor allem die Randschichten des Korns mit Mineralien und Vitaminen. Dein Sauerteig wird damit etwas aktiver und geht schneller auf.
Helle Mehle wie Type 550 oder 1050 sind milder. Dein Sauerteig braucht mit hellem Mehl etwas länger, bis er richtig aktiv wird, aber für die meisten Brote reicht das völlig.
Ich verwende für Robert Roggenmehl Type 1050, weil ich ihn als Roggenstarter führe. Nimm einfach das Mehl, das du sowieso zu Hause hast. Wenn du immer mit dem gleichen Mehl fütterst, gewöhnt sich dein Sauerteig daran und wird mit der Zeit stabiler.
Füttern vergessen? So rettest du deinen Sauerteig
Wenn du mal ein paar Tage oder auch Wochen vergisst zu füttern, ist dein Sauerteig nicht gleich tot. Er ist nur hungrig und träge. Die Hefen und Bakterien schalten in den Energiesparmodus, aber sie sterben nicht sofort.
Die Rettung in 3 Schritten
Schütte die dunkle Flüssigkeit oben ab. Das ist sogenannter Fusel, eine Mischung aus Wasser und Alkohol. Fusel riecht streng, ist aber kein Zeichen für Verderb.
Nimm einen Löffel vom Sauerteig unter der Flüssigkeit. Dieser Teil ist noch aktiv.
Jetzt fütterst du ihn mehrmals hintereinander, am besten zwei bis drei Mal im Abstand von 12 bis 24 Stunden. Nach jeder Fütterung wird er aktiver. Beim ersten Mal passiert vielleicht noch nicht viel. Beim zweiten siehst du schon Blasen. Beim dritten sollte er sich wieder verdoppeln.
Ich erzähl dir ehrlich: Ich hab Robert auch schon mal vier Wochen im Kühlschrank vergessen. Als ich ihn wiedergefunden hab, war oben eine dicke Schicht dunkler Flüssigkeit, und mein erster Gedanke war: Oh nein, das war’s. Aber dann hab ich ihn trotzdem gefüttert. Einmal, zweimal, dreimal. Und beim dritten Mal blubberte er wieder wie früher. Diese kleinen Zählinge sind unglaublich zäh.
Wenn dein Sauerteig richtig lange vernachlässigt wurde oder nach Aceton riecht, hab ich einen eigenen Artikel dazu geschrieben: Sauerteig riecht nach Aceton.
Wann du neu ansetzen musst
Nur wenn du Schimmel siehst. Grün, rosa, schwarz, pelzig sind klare Zeichen. Dann musst du ihn wegwerfen und neu ansetzen.
Alles andere ist meistens rettbar: saurer Geruch, dunkle Flüssigkeit, wenig Aktivität, Aceton-Geruch. Schimmel nicht.
Die 7 häufigsten Fragen zum Sauerteig-Füttern
Muss ich das Glas jedes Mal wechseln, wenn ich füttere?
Nein, musst du nicht. Ich mach es trotzdem jedes Mal, einfach weil ich es so mag. Aber notwendig ist es nicht. Du kannst das Glas ruhig ein paar Wochen lang verwenden und zwischendurch einfach die Reste am Rand mit einem feuchten Küchentuch abwischen. Erst wenn es wirklich dreckig ist oder Reste angetrocknet sind, solltest du es gründlich auswaschen.
Was mache ich mit dem Rest-Anstellgut, das ich nicht füttere?
Du hast drei Möglichkeiten: Wegwerfen, kompostieren oder verwerten. Ich werfe ungefütterten Sauerteig-Rest nur ungern weg, deshalb backe ich daraus oft Pancakes, Cracker oder Waffeln. Es gibt unzählige Discard-Rezepte, bei denen du das Anstellgut direkt aus dem Kühlschrank verwenden kannst, ohne es vorher zu füttern. Das spart Mehl und schmeckt richtig gut.
Mein Sauerteig riecht sehr sauer oder nach Essig. Ist er schlecht?
Nein, das ist nicht schlimm. Sauerteig riecht sauer, wenn er hungrig ist oder länger nicht gefüttert wurde. Der Essiggeruch kommt von Essigsäure, die entsteht, wenn die Hefen lange nichts zu fressen haben. Füttere ihn einfach zwei bis drei Mal hintereinander, dann normalisiert sich der Geruch wieder. Schlecht ist dein Sauerteig nur, wenn du Schimmel siehst.
Kann ich meinen Sauerteig direkt aus dem Kühlschrank zum Backen verwenden?
echnisch ja, praktisch würde ich es nicht empfehlen. Dein Sauerteig ist nach einer Woche im Kühlschrank träge und schwach. Das Brot geht dann nur langsam auf und die Krume wird oft dichter. Besser: Hol ihn raus, füttere ihn und lass ihn 6 bis 12 Stunden bei Raumtemperatur aktiv werden. Dann hat er die volle Triebkraft.
Ich habe viel zu viel Sauerteig. Kann ich die Menge reduzieren?
Ja, kein Problem. Du kannst die Menge, die du behältst, einfach verkleinern. Nimm zum Beispiel nur 10 g Anstellgut und füttere es mit 10 g Mehl und 10 g Wasser. Das Verhältnis bleibt 1:1:1, aber du hast am Ende nur 30 g Sauerteig statt 150 g. So sparst du Mehl und musst weniger Reste entsorgen.
Kann ich beim Füttern verschiedene Mehlsorten mischen?
Kannst du machen, aber ich würde es nicht dauerhaft empfehlen. Wenn du zum Beispiel Roggen und Weizen mischst, weiß dein Sauerteig nicht so richtig, worauf er sich einstellen soll. Besser: Entscheide dich für eine Sorte und bleib dabei. Wenn du umstellen willst, mach es komplett – füttere drei bis vier Mal hintereinander mit der neuen Sorte, dann hat sich dein Sauerteig angepasst.
Wie lange hält sich Sauerteig im Kühlschrank?
Wenn du ihn regelmäßig fütterst (einmal pro Woche), praktisch unbegrenzt. Meiner lebt seit Januar 2019 im Kühlschrank. Selbst wenn du ihn mal zwei, drei Wochen vergisst, ist das meistens kein Problem. Gieß die dunkle Flüssigkeit oben ab, füttere ihn ein paar Mal, und er wird wieder fit. Nur wenn Schimmel dran ist, musst du ihn wegwerfen.
Wenn du tiefer einsteigen willst:
Mehltypen verstehen: Welches Mehl für welches Brot? – Type 405, 550 oder 1150 – welche Typenzahl brauchst du fürs Brotbacken? Ich zeige dir, was die Zahlen bedeuten und wie sich Roggen-, Weizen- und Dinkelmehl beim Füttern unterscheiden.
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Wie lange hält Sauerteig im Kühlschrank? – Du willst nicht jede Woche backen, aber dein Starter soll trotzdem backbereit bleiben? Der Kühlschrank ist hier dein bester Freund. Ich zeige dir, wie du deinen Starter dort lagerst, fütterst und pflegst.
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Letzte Aktualisierung: 09.02.2026
4 Kommentare
Super Beschreibung, wirklich toll und verständlich. Ich habe ein erstes Mal unter Anleitung einer Freundin ein Brot gebacken, die Erklärungen helfen mir wirklich, danke!!!
Hallo Sarah,
vielen Dank für deinen lieben Kommentar.
Ich freu mich immer, wenn meine Beschreibungen und Erklärungen weiterhelfen 🙂
Und herzlichen Glückwunsch zum Premieren-Brot … das war auch für mich etwas ganz Besonderes.
Guten Appetit und viel Freude weiterhin beim Brotbacken.
Liebe Grüße von der Bine
Gibt es Video von ihnen wie manbrote backt im u Tube ?
Hallo Christa,
(leider) nein, ich mein Blog ist erst ein paar Monate alt und ich konzentriere mich vorerst auf geschriebenen Inhalte.
Ich plane zwar einen Youtube-Channel, aber da ich vollzeit berufstätig bin fehlt mir dazu einfach im Moment die Zeit.
Ich kann dir aber den Youtube-Kanal von Marcel Paa empfehlen. Ich habe schon mehrere Backkurse bei ihm belegt, er erklärt alles wirklich super und er ist als Bäcker- und Konditormeister vom Fach.
Hier findest du seinen YT-Kanal: https://www.youtube.com/@marcelpaa
Liebe Grüße von der Bine