Brotteig zu klebrig, zwei Hände heben den fädenziehenden Teig aus der Schüssel

Brotteig zu klebrig? So rettest du ihn, ohne extra Mehl

Brot-Probleme lösen

Dein Brotteig klebt an allem, und mehr Mehl macht es nur schlimmer? Meist steckt zu viel Wasser, zu wenig Knetzeit oder die Temperatur dahinter. Ich zeige dir, wie du ihn sofort rettest und warum Roggen- und Sauerteig von Natur aus kleben.

Inhalt17 Min. Lesezeit

Der Brotteig klebt an deinen Händen. Du gibst mehr Mehl dazu. Er klebt immer noch. Du knetest weiter, aber er wird nicht fester, sondern weicher. Nach zwanzig Minuten hast du eine klebrige Masse, die du kaum noch bändigen kannst.

Das ist frustrierend. Du hast das Rezept genau befolgt, und trotzdem stimmt etwas nicht. Wenn dein Brotteig zu klebrig ist, hat das aber fast immer eine recht einfache Ursache. Manchmal ist es zu viel Wasser, manchmal zu wenig Knetzeit, ganz oft die Temperatur. Und manchmal ist der Teig genau so, wie er sein soll, und du hältst nur ein Roggen- oder Sauerteigbrot in der Hand, das eben klebt. Ich hab am Anfang bei fast jedem Brot mit klebrigem Teig gekämpft. Das wurde dann von Mal zu Mal besser, weil ich Übung darin bekommen hatte mit einem klebrigen Teig umzugehen. In diesem Artikel zeige ich dir, wie du klebrigen Brotteig in den Griff kriegst, jetzt sofort und beim nächsten Mal.

Ist klebriger Brotteig überhaupt ein Problem?

Nicht jeder klebrige Teig ist ein Fehler. Bevor du irgendwas rettest, lohnt der kurze Blick, ob dein Teig überhaupt gerettet werden muss.

Am Anfang des Knetens klebt jeder Teig. Die Stärke im Mehl bildet mit Wasser einen zähen Film, eine Art natürlichen Kleister, und der pappt an allem. Erst wenn sich das Klebernetz aufbaut, bindet der Teig das Wasser in seiner Struktur und löst sich von deiner Haut. Nach fünf bis acht Minuten sollte sich das geben. Alles bis dahin ist normal.

Auch der Brottyp entscheidet mit. Ein Ciabatta oder eine Focaccia haben siebzig bis fünfundachtzig Prozent Wasseranteil, dieser Teig ist bewusst weich und klebrig und wird über Falten geformt, nicht klassisch geknetet. Roggen- und Sauerteige kleben ebenfalls, und zwar von Natur aus. Klebrige Teige gehören zum Handwerk.

Zum Problem wird es erst, wenn der Teig auch nach ordentlichem Kneten oder Falten noch an allem festpappt, breitläuft und sich nicht formen lässt. Dann steckt eine der Ursachen dahinter, um die es jetzt geht.

Warum dein Brotteig klebt

Wenn die Wassermenge nicht zu deinem Mehl passt

Du hast das Rezept genau befolgt. 500 g Mehl, 350 ml Wasser. Trotzdem ist dein Teig viel zu weich und klebt extrem.

Das liegt oft am Mehl. Jedes Mehl bindet unterschiedlich viel Wasser. Vollkornmehl saugt mehr als helles, Dinkel weniger als Weizen, und sogar zwei Tüten vom gleichen Hersteller können sich unterscheiden, je nach Ernte und Lagerung. Die Wassermenge im Rezept passt nur dann, wenn dein Mehl genauso viel aufnimmt wie das des Rezeptautors.

Gib deshalb erstmal nur achtzig bis neunzig Prozent vom Wasser zum Teig. Bei 350 ml sind das rund 280 bis 315. Den Rest stellst du beiseite. Knete den Teig zunächst mit dieser Menge und schau, wie er sich entwickelt. Liegen noch trockene Mehlreste in der Schüssel? Dann gib nach und nach vom restlichen Wasser dazu, ein bis zwei Esslöffel auf einmal. Diese Technik heißt Bassinage, das schrittweise Zugeben von Wasser während des Knetens. Das Klebernetz sollte schon eine Grundstruktur haben, bevor du das Bassinage-Wasser einarbeitest, also etwa nach drei bis vier Minuten Kneten. Du findest eine Bassinage oft in Rezepten für Ciabatta oder andere Brote mit viel Wasser.

Eine andere Möglichkeit ist die Autolyse. Dabei vermischst du nur Mehl und Wasser, ohne Salz und Hefe, und lässt den Teig zwanzig bis vierzig Minuten ruhen. In dieser Zeit saugt das Mehl das Wasser in Ruhe auf, das Gluten fängt von allein an, sich zu vernetzen, und der Teig nimmt danach zusätzliches Wasser besser auf. Ich hab mal zwei Vollkornteige parallel angesetzt, einen direkt geknetet, den anderen vorher dreißig Minuten zur Autolyse stehen lassen. Der Unterschied war verblüffend. Der Autolyse-Teig war nach acht Minuten glatt und geschmeidig, der andere klebte nach zwölf Minuten immer noch. Gerade bei Vollkornmehlen lohnt sich die halbe Stunde, weil die Kleie viel Zeit zum Quellen braucht.

Zu weicher Brotteig klebt am Rand der Rührschüssel, weil zu viel Wasser im Teig ist

Zu wenig geknetet

Beim Kneten verbindet sich das Klebereiweiß im Mehl mit Wasser zu einem elastischen Netz. Dieses Netz hält später die Gasbläschen von Hefe oder Sauerteig. Solange es nicht stabil ist, kann der Teig die Flüssigkeit nicht binden und bleibt klebrig.

Die Zeitangaben im Rezept sind dabei nur Richtwerte. Ein Weizenteig verträgt zehn bis fünfzehn Minuten kräftiges Kneten und wird dabei immer straffer. Dinkel ist empfindlicher, da reichen fünf bis acht Minuten mit der Maschine. Roggen wird nur drei bis fünf Minuten gemischt, nicht geknetet, aber dazu unten mehr. Wenn du zu früh aufhörst, klebt der Teig nicht nur, er geht später auch schlechter auf.

Zu warmer Teig

Ab dreißig Grad werden die Hefen überaktiv und das Klebernetz wird labiler. Der Teig verliert Spannung und klebt stärker. Ab fünfunddreißig Grad zerstört die Hitze das Gluten, dann wird er hoffnungslos weich.

Beim Kneten erwärmt sich der Teig durch die Reibung, nach zehn Minuten um fünf bis acht Grad. Wenn du mit warmem Wasser startest, landest du schnell bei zweiunddreißig Grad oder mehr. Nimm deshalb kaltes Wasser zwischen zehn und fünfzehn Grad, wenn du intensiv knetest. Bei No-Knead-Rezepten nimmst du lauwarmes Wasser zwischen fünfundzwanzig und dreißig Grad, weil die Reibungswärme fehlt.

Zieltemperaturen für deinen Teig

Ein Hefeteig entwickelt sich am besten bei 22 bis 25 Grad.

Sauerteig mag es etwas wärmer, ideal sind 26 bis 30 Grad.

Ein Einstichthermometer kostet ein paar Euro und nimmt dir das Rätselraten ab. Dein Gefühl täuscht öfter, als du denkst, ein Teig, der sich kühl anfühlt, hat manchmal schon 28 Grad.

Klebrigen Teig sofort retten

Dein Teig ist sehr klebrig und du kommst beim Formen überhaupt nicht damit klar? Das passiert mir heute noch, besonders bei neuen Rezepten. Klebrigen Teig kriegst du aber fast immer wieder hin, und zwar mit vier Handgriffen.

Nasse Hände statt Mehl. Tunke deine Hände kurz in eine Schüssel mit kaltem Wasser, bevor du den Teig anfasst. Das Wasser wirkt wie eine Trennschicht zwischen Haut und Teig. So kannst du selbst feuchte Teige falten und formen, ohne das Mehl-Wasser-Verhältnis im Rezept durcheinanderzubringen.

Teigkarte verwenden. Eine Teigkarte aus Kunststoff oder Metall löst klebrigen Teig von der Arbeitsfläche und aus der Schüssel, ohne dass du mit den Fingern festhängst. Meine Kunststoff-Teigkarte ist für solche Fälle nicht mehr wegzudenken.

Falten statt weiterkneten. Wenn der Teig nach dem Kneten noch klebt, lass ihn zwanzig bis dreißig Minuten ruhen. Dann zieh ihn von allen vier Seiten zur Mitte hin. Das gibt ihm Struktur, ohne ihn weiter zu strapazieren. Wiederhole es alle dreißig Minuten, zwei bis drei Mal reicht oft.

Ab in den Kühlschrank. Ein warmer, klebriger Teig wird durch fünfzehn bis zwanzig Minuten im Kühlschrank fester und lässt sich besser formen. Die Kälte strafft das Gluten und bremst die Hefen. Bei Dinkelteigen mach ich das fast immer.

Eine Teigkarte hebt klebrigen Brotteig von der Marmor-Arbeitsfläche, ohne extra Mehl

Klebrigen Teig ohne extra Mehl in den Griff bekommen

Wenn der Teig zu klebrig ist, greifen die meisten zum Mehl. Verständlich, aber meistens die schlechtere Wahl. Nachträglich eingearbeitetes Mehl bringt neue Stärke in den Teig, die erst wieder Wasser aufnehmen muss, und die Konsistenz wird unberechenbar. Außerdem stimmen dann die Mengen von Salz, Hefe und Sauerteig im Verhältnis zum Mehl nicht mehr. Das Brot schmeckt am Ende fad oder geht schlecht auf.

Wasser ist das bessere Werkzeug. Es verteilt sich gleichmäßig und lässt sich viel genauer dosieren. Über die Bassinage steuerst du die Konsistenz, ohne die Rezeptur zu verändern. Und die vier Handgriffe von oben, nasse Hände, Teigkarte, Falten, Kühlschrank, funktionieren alle ganz ohne zusätzliches Mehl.

Nur wenn du beim Abmessen wirklich zu wenig Mehl oder zu viel Wasser erwischt hast und der Teig fast flüssig ist, darfst du esslöffelweise Mehl nachgeben und gründlich einarbeiten. Bei allen anderen Formen von Klebrigkeit lohnt es sich, erst die mehlfreien Wege zu probieren.

Extra Mehl verschiebt die Rezeptur

Jedes Gramm Mehl, das du nachträglich in den Teig gibst, verschiebt das Verhältnis von Salz, Hefe und Sauerteig zum Mehl. Bei 50 g zusätzlichem Mehl auf 500 g fehlen dir plötzlich 10 Prozent Salz und Triebmittel. Das Brot schmeckt fader und geht schlechter auf. Wenn du korrigieren musst, bleib bei Wasser und den vier Handgriffen.

Sauerteig und Roggenteig kleben oft, obwohl alles stimmt

Mein erstes richtig klebriges Teig-Drama war ein Roggen-Weizen-Brot, halbe-halbe, nach einem Rezept aus einem Forum. Der Teig klebte entsetzlich, schmierte an der Schüssel, an den Fingern, am Löffel. Ich hab zuerst an mir gezweifelt, dann am Rezept, und war kurz davor, eine Handvoll Mehl reinzukippen.

Was wirklich „falsch“ ist, habe ich erst später erfahren, im Backhaus im Nachbarort. Ich habe die lieben Menschen dort gefragt, was ich falsch mache. Nichts, war die Antwort. Roggen ist einfach so.

Dicker, pastöser Roggensauerteig mit Blasen im Glas, von Natur aus klebrig

Der Grund steckt im Korn. Roggen bildet kein stabiles Klebernetz wie Weizen. Nicht, weil ihm das Klebereiweiß fehlt, sondern weil er viele Schleimstoffe enthält, die dazwischenfunken. Diese Schleimstoffe binden ein Vielfaches ihres Gewichts an Wasser und halten es fest. Dasselbe Wasser, das einen Weizenteig geschmeidig macht, wird beim Roggen weggebunden, und übrig bleibt eine dichte, klebrige, fast kittige Masse. Vollkornroggen ist noch klebriger als helleres Roggenmehl, weil mehr Schale mehr Schleimstoffe bedeutet. Bei einem reinen Roggen- oder einem Roggenmischbrot ist ein klebriger Teig also der Normalzustand, kein Grund, Mehl nachzuwerfen.

Ähnlich ist es beim Sauerteig-Ansatz selbst. Wenn du deinen Roggen-Starter mit gleich viel Mehl und Wasser fütterst, wird er dick und pastös statt flüssig. Ob er fit ist, siehst du nicht daran, wie er fließt, sondern daran, dass er sich etwa verdoppelt und Blasen zieht.

Beim Dehnen und Falten eines klebrigen Sauerteigs reichen mir im Normalfall nasse Hände. Nur wenn ein Teig gar nicht will, ein weicher Dinkelteig zum Beispiel, nehme ich die Teigkarte dazu und hebe ihn damit an, statt ihn zu greifen. So bleibt die Struktur heil und meine Finger einigermaßen sauber.

Und Roggen heute? Ein gut geführter Roggenteig fühlt sich für mich weich an, fast samtig. Er klebt, ja, aber anders als der Problem-Teig von damals. Er läuft nicht breit, er hält seine Form, und wenn ich ihn mit nassen Händen anfasse, löst er sich sauber. Das ist der Unterschied zwischen normal-klebrig und wirklich zu klebrig.

Robert sagt

„Immer ich. Klebt der Teig, war bestimmt wieder der Roggen-Robert schuld, so ungefähr denkt sie am Anfang. Dabei mach ich nur, was Roggen halt macht, viel Wasser schlucken und pappig werden. Kein Weizen der Welt bleibt so schön dick wie ich. Aber ich geb’s zu, wenn Bine mich nicht mit Mehl zuschüttet, sondern einfach die Hände nass macht, dann arbeiten wir zwei ganz gut zusammen.“

Warum Teig an Händen und Schüssel klebt

Dass dein Brotteig an den Händen klebt, ist am Anfang völlig normal. Die Stärke bildet mit Wasser diesen klebrigen Film, und erst wenn sich das Klebernetz aufbaut, bindet der Teig das Wasser in sich und lässt deine Haut los. Nach fünf bis acht Minuten Kneten sollte das nachlassen. Wenn er danach noch extrem an den Fingern klebt, liegt es meist an zu viel Wasser oder an der Temperatur.

Wasser auf den Händen funktioniert als Trennschicht besser als Mehl, und der Grund ist einfach. Wasser unterbricht den klebrigen Stärkefilm zwischen Teig und Haut, ohne neue trockene Bestandteile einzubringen. Mehl dagegen bildet an der Kontaktstelle sofort frischen Kleister und macht das Problem oft schlimmer. Tunke deine Hände also lieber kurz ins kalte Wasser, bevor du den Teig anpackst.

Auf der Arbeitsfläche hilft eine hauchzarte Mehlschicht, gerade genug, damit nichts festklebt, aber nicht so viel, dass trockene Stellen entstehen. Klebt der Teig in der Schüssel, hilft ein dünner Ölfilm. Den Teig einmal wenden, damit er rundum bedeckt ist, dann löst er sich nach der Gare sauber heraus.

Brotteig richtig kneten, wie lange und wie fest?

Wie lange du knetest, hängt vom Mehl ab. Weizen, Dinkel und Roggen verhalten sich beim Kneten völlig unterschiedlich, weil ihr Klebereiweiß verschieden stark ist.

Weizen hat viel Klebereiweiß und verträgt langes, intensives Kneten. Zehn bis fünfzehn Minuten mit der Küchenmaschine sind kein Problem, und je länger du knetest, desto straffer und elastischer wird der Teig.

Dinkel hat ein schwächeres Gerüst. Zu langes oder zu intensives Kneten macht ihn weich und klebrig, weil das Netz instabil wird. Fünf bis acht Minuten mit der Maschine oder acht bis zwölf von Hand reichen.

Roggen bildet kein stabiles Klebernetz, dafür sorgen die Schleimstoffe, die das Wasser anders binden. Reiner Roggenteig wird nicht geknetet, sondern nur drei bis fünf Minuten gemischt. Länger mischen macht ihn schmierig.

Welches Mehl sich wofür eignet und was die Typenzahlen auf der Packung bedeuten, steht im Mehltypen-Artikel.

MehlsorteKnetzeit MaschineKnetzeit von HandBesonderheit
Weizen10–15 Min.15–20 Min.Robust, verträgt intensives Kneten
Dinkel5–8 Min.8–12 Min.Schonend kneten, sonst wird er weich
Roggen3–5 Min. (nur mischen)3–5 Min. (nur mischen)Kein stabiles Klebernetz
Vollkorn (Weizen/Dinkel)8–12 Min.12–15 Min.Braucht länger durch die Kleie

Woran du merkst, dass dein Teig ausgeknetet ist

Der Fenstertest funktioniert bei Weizen und Dinkel gut. Nimm ein walnussgroßes Stück Teig, benetze deine Finger mit etwas Wasser und zieh es vorsichtig auseinander. Wenn du durchschauen kannst, ohne dass es reißt, ist das Klebernetz fertig. Der Teig dehnt sich wie ein Luftballon, bleibt aber heil. Beim ersten Mal hab ich zu fest gezogen und der Teig ist sofort gerissen. Der Trick ist, langsam und gleichmäßig zu ziehen, fast so, als würdest du einen nassen Kaugummi auseinanderziehen.

Bei Roggen funktioniert der Test nicht, weil sich kein solches Netz bildet. Bei Vollkornteigen ist er unzuverlässig, die groben Schalenteilchen reißen das Netz, auch wenn es eigentlich schon stabil ist.

Deine Sinne verraten dir oft genauso viel. Bei weichen Teigen hörst du es, der Teig schlägt gegen den Rand der Knetschüssel und löst sich mit einem satten Geräusch. Bei festeren spürst du den Widerstand. Er wird straffer, glatt, nicht mehr klebrig. Und wenn du von Hand knetest, merkst du es an den Fingern, am Anfang klebt der Teig überall, am Ende bleibt kaum noch was haften.

Teig überknetet, das kannst du tun

Wenn dein Teig nach fünfzehn Minuten Kneten plötzlich wieder weicher und sehr klebrig wird, hast du ihn vermutlich überknetet. Das Klebernetz ist zusammengebrochen.

Die Glutenstränge sind über feine chemische Bindungen miteinander verknüpft, so etwas wie kleine Brücken zwischen den Eiweißmolekülen. Bei zu langer Belastung brechen diese Brücken auf. Das Netz verliert seine Struktur, kann kein Wasser mehr halten, und der Teig wird schlaff und klebrig. Du erkennst es daran, dass er glänzend und fast schleimig aussieht statt glatt und elastisch.

Bei Weizen passiert das selten, weil sein Gluten besonders stabile Bindungen hat und viel aushält. Bei Dinkel ist die Grenze schneller erreicht, das Gerüst ist schwächer und der Teig kippt früher. Roggen kannst du gar nicht überkneten, weil er kein solches Netz aufbaut.

Aber auch einen überkneteten Teig kannst du retten. Forme den Teig trotzdem und backe ihn. Ein überkneteter Teig geht weniger auf und wird kompakter, aber er ist nicht verloren. Mir ist das mal mit einem Dinkelteig passiert. Ich hatte die Maschine laufen lassen und war kurz aus der Küche, und als ich zurückkam, hing der Teig am Knethaken wie ein nasser Lappen. Ich hab ihn trotzdem geformt und gebacken. Das Brot war flacher als geplant, aber es hat gut geschmeckt. Seitdem bleibe ich bei Dinkel in der Küche und fasse den Teig alle zwei bis drei Minuten kurz an. Sobald er glatt ist und sich vom Rand löst, stelle ich die Maschine aus.

Zu weich, zu feucht oder zu flüssig?

Klebriger Teig ist nicht gleich klebriger Teig. Die Ursache bestimmt, was hilft.

Zu feucht heißt, du hast mehr Wasser zugegeben, als dein Mehl aufnehmen kann. Der Teig ist nass und lässt sich kaum greifen. Beim nächsten Mal weniger Wasser, jetzt mit Falttechnik arbeiten.

Zu weich kann auch bei richtiger Wassermenge passieren. Wenn das Mehl wenig Klebereiweiß hat, der Teig zu warm ist oder das Netz noch nicht fertig entwickelt, fühlt er sich schlapp an, obwohl er nicht tropfnass ist. Weiterkneten, falten oder kühler stellen sind die drei besten Wege.

Zu flüssig deutet auf ein echtes Mengenproblem hin. Entweder zu viel Wasser abgemessen oder zu wenig Mehl. Hier hilft tatsächlich vorsichtiges Nachgeben von Mehl, esslöffelweise und gut eingearbeitet.

ProblemUrsacheSo fühlt sich der Teig anWas hilft
Zu feuchtZu viel Wasser für dieses MehlNass, kaum greifbarFalttechnik, beim nächsten Mal Bassinage
Zu weichZu warm, zu kurz geknetet oder schwaches MehlSchlapp, aber nicht tropfnassWeiterkneten, kühlen oder falten
Zu flüssigFalsch abgemessenFließt fast, keine FormVorsichtig Mehl nachgeben
Zu trockenZu wenig Wasser oder stark saugendes MehlRissig, bröckeligEsslöffelweise Wasser einkneten

Der zu trockene Teig ist das Gegenteil vom klebrigen Problem, aber genauso ärgerlich. Er fühlt sich rissig an, lässt sich schlecht formen und reißt beim Dehnen sofort. Wenn du das merkst, gib esslöffelweise Wasser dazu und knete es gründlich ein. Vollkornmehle und frisch gemahlene Mehle brauchen oft mehr Wasser als im Rezept steht, weil die Kleie so viel aufsaugt.

So fühlt sich fertiger Teig an

Ein fertiger Teig fühlt sich glatt an und lässt sich dehnen, ohne sofort zu reißen. Er darf leicht an den Fingern kleben, aber nicht wie Kaugummi daran haften. Legst du ihn auf die Arbeitsfläche, hält er seine Form und läuft nicht breit.

Die Konsistenz hängt vom Brottyp ab. Ein Ciabatta-Teig ist bewusst weich und klebrig, ein Bauernbrot aus Roggen fühlt sich eher zäh und kompakt an. Das Rezept gibt dir den Rahmen, deine Hände und Augen zeigen dir, ob es soweit ist. Am Anfang traust du dem noch nicht, aber mit jedem Brot wirst du sicherer.

Fertig gebackenes rustikales Brot mit glatter, goldener Kruste als Ergebnis
Glas mit blubberndem Sauerteig-Starter auf Marmor

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Häufige Fragen zu klebrigem Brotteig

Kann ich Brotteig auch ohne Küchenmaschine richtig kneten?

Ja. Von Hand dauert es länger, weil du nicht so intensiv arbeitest wie eine Maschine, rechne bei Weizen mit fünfzehn bis zwanzig Minuten. Du kannst die Zeit verkürzen, indem du Faltschritte einbaust: fünf Minuten kneten, zwanzig Minuten ruhen, dann von allen Seiten zur Mitte falten. No-Knead-Rezepte funktionieren komplett so und kommen ganz ohne klassisches Kneten aus.

Mein Roggensauerteig ist gleichzeitig klebrig und dickflüssig, stimmt was nicht?

Nein, das ist bei Roggen genau richtig. Roggen bindet viel mehr Wasser als Weizen, deshalb wird dein Ansatz bei gleicher Menge Mehl und Wasser dick und pastös statt flüssig. Ob er fit ist, siehst du nicht am Fließen, sondern daran, dass er sich verdoppelt und Blasen zieht.

Macht es einen Unterschied, wann ich das Salz zugebe?

Ja. Salz bremst die Glutenbildung am Anfang, viele geben es deshalb erst nach drei bis vier Minuten Kneten dazu, wenn das Netz sich schon aufbaut. Außerdem entzieht Salz der Hefe Wasser, gib beides also nie gleichzeitig an dieselbe Stelle in der Schüssel. Mehr dazu, wie Salz im Brotteig wirkt, steht im Salz-Artikel.

Muss ich die Teigtemperatur wirklich messen?

Musst du nicht, aber es hilft enorm. Ein Teig kann sich kühl anfühlen und trotzdem 28 Grad haben. Mit einem Einstichthermometer (Affiliate Link) weißt du genau, wo du stehst, und kannst die Gare besser einschätzen. Bei mir hat ein Thermometer mehr verändert als jedes neue Rezept.

Mein Teig klebt nach der Gare wieder, ist das normal?

Kommt drauf an. Während der Gare produzieren Hefen und Bakterien Gas und Stoffwechselprodukte, die den Teig weicher machen. Ein leicht klebrigerer Teig nach der Stockgare ist deshalb normal. Fällt er aber völlig zusammen und wird schmierig, ist er übergar. Dann hat die Gärung zu lange gedauert und das Klebernetz ist abgebaut. Verkürze beim nächsten Mal die Gare oder stell den Teig kühler.

Hilft Öl auf den Händen gegen klebrigen Teig?

Kommt drauf an. Öl verhindert das Kleben, verändert aber die Teigoberfläche leicht. Beim Formen ist das meist kein Problem, beim Kneten nehme ich lieber nasse Hände, weil Wasser sich besser verteilt und die Struktur nicht beeinflusst.

Ist Dinkelteig immer klebriger als Weizenteig?

Nicht unbedingt, aber Dinkel verhält sich anders. Sein Gluten nimmt Wasser schneller auf, gibt es aber auch schneller wieder ab, deshalb fühlt sich der Teig oft klebriger an, obwohl die Wassermenge stimmt. Wenn du Dinkel backst, hilft es, fünf bis zehn Prozent weniger Wasser zu nehmen als bei einem vergleichbaren Weizenrezept und kürzer und schonender zu kneten.

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Zwei Scheiben Sauerteigbrot mit Butter auf einem Teller, daneben eine Tasse Kaffee, eine Leinenserviette und Weizenähren am Fenster

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Bine, Hobbybäckerin und Brotback-Mentorin

Über die Autorin

Hallo, ich bin Bine

Bei mir lernst du Brotbacken so, dass du es wirklich verstehst – mit Blick fürs Warum hinter dem Wie. Seit Jahren backe ich in meiner eigenen Küche, teste Rezepte und halte fest, was sich bewährt.

Hast du noch Fragen?

2 Kommentare

  1. Avatar von Wild, Lothar
    Wild, Lothar

    Ich backe erst seit Kurzem. Mein italienisches Holzofenbrot (im Backofen in der Casserole) riecht gut, schmeckt auch gut und hat eine schöne Kruste.
    Frage: Wie bekomme ich die Luftblasenlöcher in das Brot, Idealbild wäre „Di Genaro“? Bei mir hat das Brot im Inneren eine kompakte Form.
    Rezept: 300g 550er, 200g Semola, 10g Salz, 3g Frischhefe, 10 Min kneten, 2 Std Stockgare, dehnen+falten, über Nacht im Kühli, in der Casserole bei 250° mit Deckel 30 Min, ohne Deckel weitere 20 Min
    Danke für Tipps

    1. Avatar von Bine

      Hallo Lothar,

      kann es sein, dass du keine Angaben zum Wasser gemacht hast? 😉

      Zunächst einmal Respekt, dass du dich als als Backneuling an ein solches Brot traust.

      Hier ein paar Tipps für große Löcher:

      Hier sind meine Tipps für die ‚großen Löcher‘:

      Versuch es mal mit ca. 350 ml bis 370 ml Wasser auf deine 500 g Mehl. Ein feuchter Teig ist die Grundvoraussetzung für grobe Poren.
      Vermisch Mehl und Wasser erst mal grob und lass es 30–60 Minuten stehen, bevor du Hefe und Salz zugibst. Das stärkt das Klebergerüst, damit es die großen Blasen auch halten kann.
      Lass dem Teig bei Raumtemperatur mehr Zeit. Er sollte sein Volumen fast verdoppeln, bevor du ihn faltest und in den Kühlschrank stellst. Die 2 Stunden sind oft zu kurz, damit die Hefe genug Gas für große Löcher produzieren kann.
      Wenn du das Brot nach der Nacht im Kühlschrank formst, sei ganz vorsichtig. Drück die entstandenen Luftblasen nicht wieder raus. Wir nennen das ’schonendes Wirken‘.

      Noch ein kleiner Tipp zum Schluss .. schau mal ob auf deinem Semola „rimacinata“ steht, das ist feiner gemahlen.

      Nicht aufgeben, so ein Pane di Altamura braucht Übung und du wirst sehen, die Löcher in einem Brot werden jedes Mal besser

      Liebe Grü0ße von der Bine

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