Als ich mit dem Brotbacken angefangen hab, war ich jedes Mal unsicher, welches Mehl ich nehmen soll. Type 405, 550, 1050 – die Zahlen haben mir erst mal gar nichts gesagt. Ich hab dann einfach genommen, was gerade da war, und mich gewundert, warum manche Brote besser wurden als andere.
Dabei ist die Typenzahl kein Geheimcode. Sie zeigt, wie viel vom ganzen Korn noch im Mehl steckt. Type 405 ist hell und fein, Type 1150 ist dunkler und kräftiger. Die Frage welches Mehl zum Brotbacken am besten passt, lässt sich nicht pauschal beantworten.
Ich zeig dir, welches Mehl zu welchem Brot passt, wie sich Weizen, Roggen und Dinkel unterscheiden und worauf du beim Einkauf achten solltest.
Was dir die Typenzahl über dein Mehl verrät
Die Zahl steht für den Mineralstoffgehalt. Bei Type 550 bleiben 550 Milligramm Asche übrig, wenn du 100 Gramm Mehl verbrennst. Die Asche besteht aus Mineralstoffen, die nicht verbrennen können. Type 405 ist fast nur der innere Mehlkörper hell ausgemahlen. Type 1050 enthält deutlich mehr Randschichten vom Korn und ist somit dunkler und nährstoffreicher. Je höher die Zahl, desto mehr vom ganzen Korn steckt im Mehl.
Höhere Typen brauchen mehr Wasser, weil die Schalenteile Flüssigkeit aufsaugen. Der Geschmack wird kräftiger, die Krume dunkler. Mit Type 405 kriegst du luftige, helle Brötchen. Mit Type 1150 wird dein Brot kernig.
Weizen, Roggen, Dinkel – So unterscheiden sich die Mehle beim Backen
Der einfachste Einstieg in die Brotbäckerei ist Weizenmehl. Es enthält viel Gluten und bildet beim Kneten ein stabiles Teignetz. Der Teig geht schön auf und wird luftig. Weizen schmeckt mild und neutral, perfekt für helles Brot und Brötchen. Wenn du zum ersten Mal Brot backst, fang mit Weizen an.
Roggenmehl funktioniert anders. Es hat weniger Gluten und bildet kein stabiles Glutennetz wie Weizen. Stattdessen halten Roggenbrote ihre Struktur durch Pentosane – das sind Schleimstoffe im Mehl, die beim Backen aufquellen und zusammen mit der verkleisterten Stärke das Brot stabilisieren. Roggen enthält aber Enzyme, die diese Struktur ohne Säure wieder abbauen und den Teig matschig machen. Deshalb brauchst du für Roggen fast immer Sauerteig. Die Säure stoppt die Enzyme und hält den Teig stabil. Roggen schmeckt kräftiger und herzhafter als Weizen und wird für klassische deutsche Brote verwendet.
Dinkelmehl liegt zwischen Weizen und Roggen, von der Handhabung her näher bei Weizen. Es hat auch Gluten, das Netz ist aber empfindlicher. Beim Kneten richtet sich das Glutennetz aus und wird stabil. Bei Dinkel passiert das schneller als bei Weizen, aber wenn du zu lange weiterknetest, überdehnt sich das Netz und bricht zusammen. Der Teig wird dann klebrig und lässt sich nicht mehr formen. Deshalb nur so lange kneten, bis der Teig glatt ist und zusammenhält. Dafür bringt Dinkel eine leicht nussige Note mit, die vielen besser schmeckt als neutraler Weizen.
Neben diesen drei gibt es noch Urgetreide wie Emmer, Einkorn oder Kamut. Die schmecken intensiver und brauchen etwas mehr Fingerspitzengefühl beim Backen.
Weizenmehl Type 405, 550 oder 1050 – Welches brauchst du fürs Brotbacken?
Bei Weizenmehl entscheidet die Typenzahl, was du damit backen kannst.
Hier die wichtigsten Weizenmehl-Typen
Type 405 ist für krustiges Brot ungeeignet. Das Mehl entwickelt keine stabile Struktur, weil es zu wenig Mineralstoffe hat. Für Brioche, süße Hefezöpfe, Kuchen, Kekse oder Pfannkuchen funktioniert es gut, aber für Brot brauchst du Type 550.
Type 550 ist dein Standard-Mehl für helles Brot, Brötchen oder Baguette. Es hat genug Gluten für gute Stabilität und wird schön luftig. Wenn du zum ersten Mal Brot backst, fang mit Type 550 an. Das verzeiht Fehler beim Kneten und bei der Wassermenge.
Type 1050 schmeckt kräftiger als Type 550 und ergibt eine dunklere Krume. Gut für Mischbrote oder wenn du mehr Geschmack willst. Du kannst Type 550 und 1050 mischen. Je mehr 1050 du nimmst, desto kräftiger wird das Brot.
Weizenvollkornmehl enthält das ganze Korn, inklusive Randschichten und Keimling. Es braucht deutlich mehr Wasser und mindestens 30 Minuten Quellzeit. Vollkornbrote werden fester, bleiben dafür länger frisch. Für den Einstieg misch 30 Prozent Vollkorn mit 70 Prozent Type 550. So bleibt das Brot luftig und wird nicht zu kompakt.
Warum Roggenmehl ohne Sauerteig nicht funktioniert
Roggen braucht Sauerteig. Das Mehl enthält Enzyme, die den Teig ohne Säure matschig machen. Der Sauerteig senkt den pH-Wert, stoppt die Enzyme und macht den Teig stabil. Ohne Sauerteig wird Roggenbrot nichts.
Wenn du dich fragst, welches Mehl für Sauerteigbrot am besten ist: Roggenmehl Type 1150 ist die sicherste Wahl. Es hat die perfekte Balance aus Geschmack, Stabilität und Verarbeitbarkeit.
Hier die wichtigsten Roggenmehl-Typen
Roggenmehl Type 1150 ist dein Standard-Mehl für Sauerteigbrot. Es hat genug Geschmack und Stabilität, ist aber nicht zu dunkel. Die Krume wird fest und saftig, das Brot hält sich gut eine Woche. Wenn du deinen ersten Sauerteig ansetzt oder dein erstes Roggenbrot backst, nimm Type 1150. Das ist der sichere Einstieg.
Type 997 ist heller und milder als Type 1150, funktioniert aber ähnlich. Gute Wahl für hellere Roggenbrote oder Mischbrote, wenn du den Roggengeschmack abmildern willst. Auch für Anfänger geeignet, die erst mal vorsichtig mit Roggen starten wollen.
Roggenvollkornmehl ist sehr dunkel und intensiv im Geschmack. Es braucht deutlich mehr Wasser als Type 1150 und mindestens 30 Minuten Quellzeit, besser länger. Die Säuerung muss kräftig sein, sonst wird das Brot zu kompakt. Für kernige Sauerteigbrote mit viel Biss. Fang mit 30 Prozent Vollkorn und 70 Prozent Type 1150 an, dann wird das Brot nicht zu fest.
Ab etwa 20 Prozent Roggenanteil im Teig brauchst du Sauerteig. Bei weniger geht es auch ohne, aber das Brot wird mit Sauerteig besser. Wenn dein Rezept Roggenmehl enthält, rechne mit Sauerteig.
Dinkel Type 630 oder 1050? So backst du mit Dinkelmehl
Dinkel schmeckt leicht nussig und wird oft als verträglicher als Weizen empfunden, auch wenn das nicht für alle gilt. Beim Backen verhält sich Dinkel ähnlich wie Weizen, aber das Glutennetz ist empfindlicher. Zu langes Kneten macht den Teig klebrig.
Hier die wichtigsten Dinkel-Typen
Dinkelmehl Type 630 entspricht etwa Weizenmehl Type 550. Nimm es für helle Dinkelbrote, Brötchen oder Baguette. Das Mehl wird schön luftig und hat genug Stabilität für gute Kruste. Du kannst Type 630 in den meisten Rezepten gegen Weizenmehl Type 550 austauschen, aber knete kürzer. Wenn du Dinkel magst, aber keine Erfahrung damit hast, fang mit Type 630 an.
Dinkelmehl Type 1050 schmeckt kräftiger und nussiger als Type 630, bleibt aber milder als Roggen. Die Krume wird dunkler, das Brot hält sich länger frisch. Gute Wahl für Mischbrote oder wenn du mehr Biss willst, ohne gleich zu Vollkorn zu greifen. Du kannst Type 630 und 1050 mischen, je nachdem wie kräftig du das Brot haben willst.
Dinkelvollkornmehl funktioniert wie Weizenvollkorn: mehr Wasser, längere Quellzeit, festere Krume. Rechne mit 10 bis 20 Prozent mehr Wasser und lass den Teig mindestens 30 Minuten quellen. Bei Dinkel schmeckt Vollkorn besonders gut, weil die nussige Note zur Geltung kommt. Für den Einstieg misch 30 Prozent Vollkorn mit 70 Prozent Type 630. So bleibt das Brot luftig und wird nicht zu kompakt.
Knete Dinkelteig nur so lange, bis er zusammenhält und glatt wird. Überkneteter Dinkelteig wird klebrig und lässt sich nicht mehr formen.
Mit Vollkornmehl backen – Diese 3 Dinge ändern sich im Teig
Bei Vollkorn wird das ganze Korn vermahlen, inklusive Randschichten und Keimling. Das bringt mehr Ballaststoffe, Vitamine und Mineralstoffe, aber auch andere Backeigenschaften.
Das ändert sich beim Backen mit Vollkornmehl
Wassermenge und Quellzeit – Vollkornmehl saugt deutlich mehr Wasser auf als helles Mehl. Wenn du ein Rezept 1:1 auf Vollkorn umstellst, wird der Teig zu trocken. Rechne mit 10 bis 20 Prozent mehr Wasser und lass den Teig mindestens 30 Minuten quellen. Die Schalenteile brauchen Zeit.
Mahlgrad – Kauf Vollkornmehl fein gemahlen. Zu grober Schrot zerschneidet das Glutennetz der anderen Mehle im Mischteig wie kleine Messer.
Ergebnis – Vollkornbrote werden fester und kompakter als helle Brote. Dafür halten sie länger frisch und machen länger satt.
Fang mit Mischbroten an: 30 bis 50 Prozent Vollkorn, der Rest helles Mehl. So gewinnst du Sicherheit beim Backen, ohne dass das Brot zu kompakt wird. Mit der Zeit kannst du den Vollkornanteil steigern.
Von Weißbrot bis Vollkorn – Die Mehl-Übersicht fürs Brotbacken
| Brottyp | Empfohlenes Mehl |
|---|---|
| Weißbrot / helles Brot | Weizenmehl Type 550 |
| Brötchen | Weizenmehl Type 550 oder Dinkelmehl Type 630 |
| Baguette | Weizenmehl Type 550 |
| Mischbrot hell | Weizen Type 550 + Roggen Type 1150 (ca. 70:30) |
| Mischbrot dunkel | Weizen Type 1050 + Roggen Type 1150 (ca. 50:50) |
| Roggenbrot | Roggenmehl Type 1150 (mit Sauerteig!) |
| Dinkelbrot hell | Dinkelmehl Type 630 |
| Dinkelbrot dunkel | Dinkelmehl Type 1050 |
| Vollkornbrot | Vollkornmehl (Weizen, Dinkel oder Roggen) |
| Roggen-Sauerteigbrot | Roggenmehl Type 1150 (mit Sauerteig!) |
Mehltypen im Ausland – So heißt deutsches Mehl in anderen Ländern
Die deutschen Typenzahlen gelten nur für Mehl aus Deutschland. Wenn du im Ausland einkaufst oder ein ausländisches Rezept nachbacken willst, brauchst du die passende Entsprechung.
In der Schweiz heißt Type 550 „Weiß“, Type 1050 wird „Ruchmehl“ genannt. In Österreich findest du statt Type 405 die Bezeichnung W480, oft mit Zusätzen wie „glatt“ oder „griffig“, die die Feinheit angeben. Italien arbeitet mit Type 00 (sehr fein) bis Type 2 (dunkel). In den USA wird Mehl nach Proteingehalt klassifiziert: All-purpose Flour entspricht etwa Type 550, Bread Flour liegt näher an Type 812.
| Deutschland | Schweiz | Österreich | Italien | USA |
|---|---|---|---|---|
| Type 405 | Spezial (400) | W480 (glatt) | Type 00 | Pastry / Cake Flour |
| Type 550 | Weiß (550) | W480 (griffig) | Type 0 | All-purpose Flour |
| Type 812 | Halbweiß (720) | W700 | Type 1 | Bread Flour |
| Type 1050 | Ruchmehl (1100) | W1600 | Type 2 | First Clear Flour |
| Vollkorn (1600/1700) | Vollkorn (1900) | W1800 Vollkorn | Farina integrale | Whole Wheat Flour |
Die Entsprechungen sind Annäherungen, keine exakten Übereinstimmungen. Mehl aus verschiedenen Ländern verhält sich unterschiedlich, weil Getreidesorten, Mahlverfahren und Proteingehalt variieren. Für italienische Rezepte mit Type 00 nimm Type 405. Für amerikanische Rezepte mit All-purpose Flour passt Type 550.
Das wirst du oft gefragt – Antworten zu Mehltypen
Kann ich Type 405 durch 550 ersetzen?
Ja, problemlos. Sogar besser fürs Brotbacken. Type 550 hat mehr Mineralstoffe und entwickelt ein stabileres Glutennetz. Dein Teig wird etwas fester, aber das Ergebnis wird besser. Für Kuchen macht der Unterschied kaum was aus, fürs Brot schon.
Andersherum funktioniert es nicht: Type 550 durch Type 405 im Brotteig geht nicht, weil die Stabilität fehlt.
Ist Ausmahlgrad dasselbe wie Typenzahl?
Der Ausmahlgrad gibt an, wie viel vom ganzen Korn im Mehl steckt. Vollkornmehl hat 100 Prozent, Type 405 liegt bei 40 bis 50 Prozent. Die Typenzahl zeigt nur den Mineralstoffgehalt. Der hängt eng mit dem Ausmahlgrad zusammen, ist aber nicht dasselbe.
Muss ich Roggen immer mit Sauerteig backen?
Fast immer. Roggen hat Enzyme, die den Teig ohne Säure instabil machen. Ab etwa 20 Prozent Roggenanteil brauchst du Sauerteig, sonst wird das Brot matschig. Bei weniger, zum Beispiel 10 Prozent im Mischbrot, geht es auch ohne. Aber mit Sauerteig wird das Brot besser, weil der Geschmack komplexer wird und die Haltbarkeit länger ist.
Welches Mehl hält sich am längsten?
Type 405 und Type 550 halten sich am längsten, weil sie kaum Fett enthalten. Die kannst du locker ein Jahr lagern, wenn sie trocken und kühl stehen. Vollkornmehl enthält den Keimling mit Fett und wird schneller ranzig. Lagere Vollkornmehl kühl und dunkel und verbrauche es innerhalb von drei bis vier Monaten. Wenn es muffig riecht, ist es nicht mehr gut.
Kann ich Dinkel und Weizen 1:1 austauschen?
Ja, meistens. Du musst nur beim Kneten vorsichtiger sein, weil Dinkel weniger Belastung verträgt. Also kürzer kneten. Nimm die entsprechende Dinkel-Type: Type 630 statt Weizenmehl Type 550, Dinkel Type 1050 statt Weizen Type 1050. Die Wassermenge kannst du meistens übernehmen.
Ist Vollkornmehl wirklich gesünder?
Ja. Vollkorn enthält mehr Ballaststoffe, Vitamine und Mineralstoffe als helles Mehl, weil alle Teile des Korns verarbeitet werden. Ballaststoffe stabilisieren den Blutzucker, halten länger satt und sind gut für die Verdauung. Vollkornbrot ist gesundheitlich im Vorteil, aber helles Brot ist deswegen nicht ungesund.
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Letzte Aktualisierung: 03.02.2026