Mein erstes Körnerbrot war eine Enttäuschung. Ich hatte eine Handvoll Sonnenblumenkerne trocken in den Teig getan. Beim Anschneiden hab ich mich gewundert, warum die Krume staubtrocken war und die Kerne nur lose drinsteckten wie Fremdkörper. Bei der Bäckerei um die Ecke schmeckte das ganz anders, saftig und nussig, die Kerne fest eingebettet in der Krume.
Ich hab dann nachgefragt. Sie lassen ihre Saaten vorher quellen, manche rösten sie sogar. Heute mache ich das auch so.
Welche Saaten passen in welches Brot?
Sonnenblumenkerne, Leinsamen, Sesam, Mohn, Kürbiskerne, Chiasamen, Haferflocken – die Auswahl im Supermarkt oder Mühlenladen ist groß. Jede Saat schmeckt anders, verhält sich anders im Teig und braucht unterschiedlich viel Vorbereitung.
Sonnenblumenkerne hab ich immer im Haus. Sie sind mild, nussig und passen in fast jedes Brot, egal ob hell oder dunkel. Im Teig bleiben sie schön knackig, auf der Kruste rösten sie goldbraun. Wenn du unsicher bist, womit du anfangen sollst, nimm Sonnenblumenkerne. Damit kannst du nichts falsch machen.
Leinsamen machen jedes Brot saftiger, weil sie viel Wasser binden. Es gibt sie in braun und gold, im Geschmack tun die sich wenig. Ohne Einweichen oder Schroten bringen sie aber nicht viel, weil ganze, trockene Leinsamen fast unverändert durch den Darm wandern. Wie du sie richtig vorbereitest, steht im Abschnitt zum Einweichen.
Sesam schmeckt vor allem auf der Kruste. Wenn er beim Backen leicht anröstet, duftet die ganze Küche nussig. Im Teig selbst nimmst du ihn kaum wahr. Auf Brötchen finde ich ihn am besten, da kommt der nussige Geschmack richtig durch. Einweichen braucht Sesam nicht.
Mohn macht feine dunkle Tupfer im Brot und schmeckt mild, leicht nussig. Ich mag ihn besonders auf hellen Sonntagsbrötchen, wo er optisch richtig was hermacht. Mohn kommt direkt in den Teig oder auf die Kruste, ohne Vorbereitung.
Kürbiskerne haben von allen Saaten am meisten Charakter. Sie schmecken kräftig, fast ein bisschen herb – das passt gut zu Roggen- und Mischbroten. Grob gehackt verteilen sie sich gleichmäßiger in der Krume. Wenn du sie kurz in der Pfanne anröstest, werden sie noch aromatischer.
Chiasamen binden noch mehr Wasser als Leinsamen, etwa das Dreifache ihres Gewichts. Im Geschmack fallen sie kaum auf. Du brauchst nur kleine Mengen, 10 bis 15 g auf 500 g Mehl reichen. Auch sie müssen vorher quellen.
Haferflocken sind eigentlich keine Saaten, gehören aber trotzdem in viele Körnermischungen. Kernige Flocken geben Biss, zarte machen die Krume weicher. Richtig gut sind sie auf der Kruste, wo sie beim Backen knusprig und leicht malzig werden. In meiner Käpseles Körner-Kruste siehst du, wie das aussieht.
| Saat | Geschmack | Textur im Brot | Einweichen nötig? | Passt gut zu |
|---|---|---|---|---|
| Sonnenblumenkerne | Mild, nussig | Knackig | Nein (optional) | Mischbrote, helle Brote |
| Leinsamen | Mild, leicht erdig | Weich, fast unsichtbar (eingeweicht) | Ja | Vollkornbrote, Mischbrote |
| Sesam | Nussig, fein | Knackig | Nein | Helle Brote, Brötchen, Kruste |
| Mohn | Mild-nussig | Fein, kaum spürbar | Nein | Helle Brote, Brötchen |
| Kürbiskerne | Kräftig, herb | Knackig, bissfest | Nein (optional) | Roggenbrote, Mischbrote |
| Chiasamen | Neutral | Gelig (eingeweicht) | Ja | Vollkornbrote, Mischbrote |
| Haferflocken | Mild, getreidig | Weich (im Teig), knusprig (Kruste) | Nein | Alle Brote, Krustendeko |
Ganz, geschrotet oder gemahlen – was passt in welches Brot?
Ganze Körner bleiben beim Backen knackig und geben dem Brot Biss. Sonnenblumenkerne, Kürbiskerne und Sesam kommen bei mir fast immer ganz in den Teig. Du siehst und spürst sie beim Kauen, und genau das macht für mich ein gutes Körnerbrot aus.
Geschrotete Körner sind grob zerkleinert und nehmen mehr Wasser auf als ganze. Sie verbinden sich besser mit dem Teig und machen die Krume saftiger. Leinsamen nehme ich meistens geschrotet, weil er so mehr Feuchtigkeit ins Brot bringt.
Gemahlene Saaten verschwinden fast komplett im Teig. Du siehst sie nicht mehr, aber du merkst sie. Gemahlener Leinsamen zum Beispiel macht den Teig spürbar dichter und feuchter. Wenn du gerade erst anfängst, bleib bei ganzen oder geschroteten Körnern. So verändert sich der Teig nicht so stark, und du hast mehr Kontrolle.
| Form | Wirkung im Brot | Wasseraufnahme | Gut für |
|---|---|---|---|
| Ganz | Knackig, sichtbar, Biss | Gering | Mischbrote, Kruste, Dekoration |
| Geschrotet | Verbindet sich mit der Krume, saftiger | Mittel bis hoch | Vollkornbrote, kräftige Brote |
| Gemahlen | Unsichtbar, verändert Teigstruktur | Hoch | Dichtere Brote, Teig-Bindung |
Warum du Saaten vorher quellen lassen solltest
Trockene Körner im Teig klauen ihm das Wasser. Die Krume wird trocken und fest, obwohl du eigentlich genug Wasser im Rezept hattest. Eingeweichte Saaten bringen ihr eigenes Wasser mit und machen das Brot sogar saftiger als ohne Körner.
Trockene Leinsamen oder geschrotete Körner haben außerdem scharfe Kanten. Die können die Glutenstränge im Teig aufreißen. Sind sie eingeweicht, passiert das nicht. Der Teig bleibt elastisch und lässt sich gut formen.
In Saaten stecken Eisen, Zink und Magnesium. Aber die Phytinsäure in den Körnern hält diese Mineralien fest. Das ist die Energiereserve für den Keimling. Unser Körper kommt da im Rohzustand kaum ran. Beim Einweichen löst sich das. Das Wasser aktiviert ein Enzym (Phytase), das die Phytinsäure abbaut und die Mineralien freisetzt. Quellen lassen macht dein Brot also nicht nur saftiger, sondern sorgt dafür, dass die guten Sachen in den Körnern nicht einfach durchrutschen.
Welche Saat du einweichen musst und welche nicht, hängt davon ab, wie viel Wasser sie aufnimmt und wie sie sich im Teig verhält. Leinsamen und Chiasamen musst du auf jeden Fall einweichen. Beide haben eine Schale, die in Wasser eine gelartige Hülle bildet. Genau diese Hülle hält dein Brot saftig. Trocken in den Teig bringen sie kaum was. Bei Sonnenblumenkernen, Kürbiskernen und Haferflocken ist das Quellen optional. Sie nehmen weniger Wasser auf und bleiben auch trocken bissfest, aber im Quellstück werden sie weicher und verteilen sich besser in der Krume. Sesam und Mohn brauchen kein Quellstück, die kommen direkt in den Teig oder auf die Kruste.
Ich lege die Saaten abends in Wasser ein und gebe sie am nächsten Morgen zum Teig. Zwei Minuten Aufwand, die aber einen großen Unterschied machen.
Quellstück fürs Brot ansetzen – Schritt für Schritt
Wenn ich samstags backen will, setze ich das Quellstück freitagabends an. Das dauert keine zwei Minuten. Du wiegst die Saaten ab und gibst die gleiche Menge kaltes Wasser dazu, also 1:1. Bei 80 g Saaten nehme ich 80 g Wasser. Dann rührst du kurz um, deckst die Schüssel ab und das war’s.
Am nächsten Morgen sind die Saaten weich und vollgesogen. Ich gebe alles in den Teig, auch die restliche Flüssigkeit. Falls noch Wasser in der Schüssel steht, zieh diese Menge von der Wassermenge im Rezept ab. Leinsamen und Chiasamen saugen fast alles auf. Bei Sonnenblumenkernen bleibt manchmal ein kleiner Rest, den kannst du mit in den Teig geben.
Wie ein Quellstück in einem echten Rezept aussieht, siehst du bei meinen Dinkel-Vollkornbrötchen mit Sauerteig.
Beim Quellstück nimmst du kaltes Wasser. Für ein Brühstück übergießt du die Saaten mit kochendem Wasser. Das kochende Wasser verkleistert die Stärke, dadurch hält das Korn die Feuchtigkeit noch fester. Ein Brühstück passt besonders gut zu geschrotetem Getreide wie Roggenschrot. Für die meisten Saaten und Kerne reicht ein Quellstück. Mehr zu diesen Begriffen findest du im Brotback-Lexikon.
| Saat/Korn | Einweichen nötig? | Quelldauer | Wasser (pro 100 g Saaten) |
|---|---|---|---|
| Sonnenblumenkerne | Optional | 2–4 Stunden | 80–100 g |
| Kürbiskerne | Optional | 2–4 Stunden | 80–100 g |
| Leinsamen (ganz) | Ja | 4–8 Stunden (über Nacht) | 150–200 g |
| Leinsamen (geschrotet) | Ja | 2–4 Stunden | 150–200 g |
| Chiasamen | Ja | 30 Min.–2 Stunden | 300 g |
| Sesam | Nein | – | – |
| Mohn | Nein | – | – |
| Haferflocken (kernig) | Optional | 1–2 Stunden | 100 g |
Wenn es in der Küche warm wird, kippt mein Quellstück gerne mal um. Es fängt an zu gären, riecht säuerlich oder leicht alkoholisch und ist nicht mehr zu gebrauchen. In der warmen Jahreszeit gebe ich deshalb etwas Salz mit ins Einweichwasser. Das hemmt die Gärung, und das Quellstück bleibt über Nacht stabil. Als Faustregel kommen 1 bis 2 Prozent Salz aufs Gewicht des Quellstücks. Bei 80 g Saaten plus 80 g Wasser sind das also 1,5 bis 3 g Salz. Das Salz vom Quellstück gehört zur Gesamtsalzmenge des Rezepts, du gibst es also nicht zusätzlich, sondern ziehst die Menge im Hauptteig entsprechend ab.
Körnermischung fürs Brot – so stellst du sie zusammen
Welche Körner ins Brot kommen, ist am Ende Geschmackssache. Ich hab einiges ausprobiert, bis ich bei meinen drei Favoriten gelandet bin. Zwei bis vier verschiedene Saaten reichen für eine gute Mischung. Mehr würde ich nicht nehmen, weil sich die Aromen sonst gegenseitig verdrängen und der Teig schwerer zu handhaben wird.
Als Faustregel rechne ich mit 10 bis 20 Prozent Saaten, bezogen aufs Mehlgewicht. Bei 500 g Mehl sind das 50 bis 100 g Körnermischung. Darüber wird der Teig instabil, geht schlechter auf und kann beim Formen auseinanderfallen.
Bei meinen ersten Backversuchen, lange vor dem Sauerteig, hab ich mal ein Hefe-Kastenbrot mit Backsaaten gebacken. Der Teig war wohl zu weich, und nach dem Anschneiden lagen alle Körner unten am Boden, die obere Hälfte vom Brot war pure Krume. Hat mich damals echt geärgert. Mittlerweile weiß ich, woran das lag: In einem zu weichen Teig fallen schwere Saaten wie Sonnenblumen- und Kürbiskerne einfach durch, weil das Glutennetz sie nicht halten kann. Bleib lieber im unteren Bereich der Faustregel, wenn du noch unsicher bist.
Kombinierst du eine wasserbindende Saat mit knackigen, bekommst du beides – Saftigkeit und Biss. Leinsamen oder Chiasamen für die Feuchtigkeit, Sonnenblumen- oder Kürbiskerne für den Biss. So baue ich meine Mischungen auf.
Wenn du zum ersten Mal mit Körnern bäckst, fang mit der Einsteiger-Mischung an. Die ist mild und verzeiht viel.
Einsteiger-Mischung (für 500 g Mehl)
30 g Sonnenblumenkerne, 20 g Leinsamen (geschrotet) und 10 g Sesam. Mit der hab ich angefangen, sie ist mild genug für helles Brot, macht sich aber auch in Mischbrot gut.
Kräftige Mischung (für 500 g Mehl) – meine Lieblings-Mischung
30 g Kürbiskerne, 20 g Sonnenblumenkerne, 15 g Leinsamen (geschrotet) und 10 g kernige Haferflocken. Die backe ich mittlerweile am häufigsten. Sie passt richtig gut zu einem kräftigen Roggenmischbrot, weil die Kürbiskerne den herb-nussigen Ton vom Roggen noch verstärken.
Schwäbische Mischung (für 500 g Mehl)
25 g Sonnenblumenkerne, 25 g Kürbiskerne, 15 g Leinsamen (geschrotet) und 10 g Sesam. Die nenne ich schwäbisch, weil ich die Zutaten am liebsten samstags auf dem Bauernmarkt in Herrenberg kaufe, wo es lose Kerne in richtig guter Qualität gibt. Daraus wird ein sättigendes, aromatisches Brot, das auch nach zwei Tagen noch saftig schmeckt. Das liegt am Quellstück, die eingeweichten Saaten geben ihre Feuchtigkeit nur langsam ab und bremsen so das Austrocknen.
In der Praxis mache ich es so. Am Vorabend kommen die Saaten, die quellen müssen, mit der passenden Menge Wasser in eine Schüssel – also Leinsamen, Chiasamen und je nach Mischung auch Sonnenblumen- und Kürbiskerne. Sesam und Mohn gebe ich erst beim Kneten oder Falten dazu.
Bis 10 Prozent vom Mehlgewicht ist unkritisch, du merkst kaum einen Unterschied in der Teigstruktur. 10 bis 15 Prozent ist der übliche Bereich für Körnerbrote. Der Teig wird etwas weicher und braucht vielleicht eine Runde mehr Dehnen und Falten. 15 bis 20 Prozent ist für erfahrene Bäcker, der Teig wird deutlich schwerer und braucht ein stabiles Mehl wie Type 550 oder 812. Über 20 Prozent wird es kritisch, der Teig verliert Struktur und geht schlecht auf.
Körner rösten vor dem Backen – lohnt sich das?
Auf jeden Fall. Sonnenblumenkerne, Kürbiskerne und Sesam schmecken geröstet komplett anders als roh. Aus mild-nussig wird richtig kräftig, weil die Hitze Zucker und Eiweiße in den Kernen miteinander reagieren lässt. Das ist die Maillard-Reaktion, die auch deiner Brotkruste Farbe und Duft gibt. Ich hab mal zwei Scheiben Brot nebeneinander probiert, eine mit gerösteten, eine mit rohen Kernen. Der Unterschied war so groß, dass ich seitdem fast immer röste.
Gib die Kerne ohne Fett in eine Pfanne und erhitze sie bei mittlerer Hitze. Rühre regelmäßig um, damit nichts anbrennt. Nach 3 bis 5 Minuten duften sie nussig und sind leicht gebräunt. Nimm sie sofort aus der Pfanne, sonst rösten sie in der Resthitze weiter und werden bitter.
Ich röste die Kerne meistens auf Vorrat – gleich 200 bis 300 g auf einmal. Die lasse ich auskühlen und fülle sie in ein Schraubglas. So hab ich immer geröstete Kerne griffbereit, wenn ich Brot backe. Im verschlossenen Glas halten sie sich zwei bis drei Wochen.
Nicht jede Saat eignet sich zum Rösten. Leinsamen und Chiasamen lass lieber weg, sie verbrennen schnell und werden bitter. Mohn kannst du rösten, aber nur mit voller Aufmerksamkeit – er wechselt in Sekunden von fertig zu verbrannt. Haferflocken kannst du gut in der Pfanne toasten, dann bekommen sie ein malziges Aroma.
Auch geröstete Kerne solltest du einweichen, auch wenn das erst widersprüchlich klingt. Geröstete Saaten sind besonders durstig und ziehen sich im Teig sofort das Wasser. Die Krume wird trocken, das Brot altert schneller, und der Teig wird während der Gare weniger geschmeidig.
Deshalb mache ich ein Röst-Quellstück. Röste die Kerne in der Pfanne an und übergieß sie danach noch warm mit Wasser im Verhältnis 1:1. Mit heißem Wasser wird daraus ein Brühstück, das die Röstaromen noch besser einschließt.
Das Röstaroma geht dabei übrigens nicht verloren. Es sitzt im Fett der Kerne, das Wasser wäscht da nichts raus. Die Kerne werden auch nicht matschig, sondern bleiben angenehm bissfest. Und dein Brot bleibt tagelang saftig, weil die Saaten gesättigt sind und dem Teig kein Wasser mehr stehlen. Seit ich das so mache, kommen bei mir keine trockenen Kerne mehr direkt in den Teig. Der Unterschied in der Krume ist zu groß.
| Saat | Rösten sinnvoll? | Röstdauer (trockene Pfanne) | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| Sonnenblumenkerne | Ja | 3–5 Minuten | Intensiv nussig, knackiger |
| Kürbiskerne | Ja | 3–5 Minuten | Kräftiger, herb-nussig |
| Sesam | Ja | 2–3 Minuten | Stark nussig, goldbraun |
| Haferflocken | Ja | 3–4 Minuten | Malzig, karamellig |
| Leinsamen | Nein | – | Verbrennt leicht, wird bitter |
| Chiasamen | Nein | – | Verbrennt leicht, wird bitter |
| Mohn | Möglich, aber heikel | 1–2 Minuten | Leicht nussig, schnell verbrannt |
Eure häufigsten Fragen zu Körnern im Brot
Kann mein Quellstück schlecht werden?
Ja, wenn es zu lange bei Raumtemperatur steht. Nach etwa 24 Stunden fängt das Einweichwasser an leicht zu gären, besonders im Sommer. Das Quellstück riecht dann säuerlich oder leicht alkoholisch. Im Kühlschrank hält es sich zwei bis drei Tage ohne Probleme. Wenn du unsicher bist, rieche dran. Frisch und neutral ist gut, säuerlich und gärig bedeutet neu ansetzen.
Kann ich Körner fürs Brot in ein Rezept einbauen, das keine vorsieht?
Ja. Bereite die Körner als Quellstück vor und zieh das Quellwasser von der Wassermenge im Rezept ab. Bei 60 g Saaten mit 60 g Wasser nimmst du im Rezept ungefähr 30 bis 40 g weniger Wasser, weil ein Teil in den Saaten gebunden bleibt. Schau beim Falten etwas genauer hin. Wenn der Teig weicher ist als gewohnt, bau eine Runde Dehnen und Falten mehr ein.
Warum sinken meine Körner im Brot immer nach unten?
Meistens ist der Teig zu weich, oder du hast die Körner zu früh dazugegeben. Schwere Saaten wie Kürbiskerne und Sonnenblumenkerne sacken in einem sehr weichen Teig einfach ab. Gib die Körner nicht beim ersten Mischen dazu, sondern erst beim letzten Dehnen und Falten. Dann hat der Teig schon Struktur und kann die Körner besser halten. Bei Kastenbroten ist das Problem seltener, weil die Form das Gewicht verteilt.
Kann ich fürs Brot Nüsse statt Saaten nehmen?
Ja, aber Nüsse verhalten sich etwas anders. Walnüsse und Haselnüsse sind fettreicher und werden beim Backen schneller bitter, wenn sie zu dunkel geröstet werden. Grob gehackt passen sie gut in Misch- und Vollkornbrote. Du brauchst sie nicht einzuweichen, aber ein kurzes Anrösten von 2 bis 3 Minuten bringt mehr Aroma. Die Gesamtmenge an Körnern und Nüssen zusammen sollte trotzdem unter 20 Prozent vom Mehlgewicht bleiben.
Kann ich ein Quellstück auf Vorrat vorbereiten und einfrieren?
Ja, mache ich selbst regelmäßig. Ich setze eine größere Menge an, portioniere sie in kleine Dosen oder Gefrierbeutel und friere alles ein. Hält sich problemlos mehrere Wochen. Am Vorabend stelle ich eine Portion in den Kühlschrank, und am nächsten Tag ist sie bereit für den Teig. Genau wie frisch angesetzt.
Mein Körnerbrot krümelt stark. Woran liegt das?
Fast immer fehlt gebundenes Wasser. Entweder die Körner kamen trocken in den Teig und haben der Krume die Feuchtigkeit gestohlen. Oder das Brot war zu kurz im Ofen und die Stärke konnte nicht richtig verkleistern. Beim nächsten Mal bereitest du die Saaten als Quellstück vor und misst beim Backen die Kerntemperatur. 96 bis 98 °C in der Mitte sind das Ziel. Und lass es danach mindestens eine Stunde auf dem Gitter auskühlen, bevor du reinschneidest.
Wenn du tiefer einsteigen willst:
- Saatenbrot mit Emmer & Kamut – Mein Saatenbrot mit Urgetreide und einer kräftigen Körnermischung. Hier siehst du, wie das Quellstück und die Saaten auf der Kruste in einem fertigen Rezept zusammenspielen.
- Kürbiskernbrot mit Sauerteig – Kürbiskerne stehen hier im Mittelpunkt. Mit gerösteten Kernen im Teig und auf der Kruste, ein gutes Beispiel dafür, wie viel Charakter eine einzige Saat einem Brot geben kann.
- Schwaden beim Brotbacken – was Dampf im Ofen wirklich bringt – Dein Körnerbrot ist fertig geformt, aber die Kruste wird blass und matt? Dampf in den ersten Backminuten macht den Unterschied. Wie du ihn zu Hause erzeugst und warum er für den Ofentrieb so wichtig ist.
- Brotbacken mit Urgetreide – so klappt’s mit Emmer, Einkorn & Co – Urgetreide verhält sich anders als Weizen. Worauf du bei Wassermenge, Knetzeit und Gare achten musst, damit dein erstes Urgetreide-Brot gelingt.
- Urgetreide: Was Emmer, Einkorn & Kamut wirklich können – Natürlicher, ursprünglicher, gesünder? Nicht automatisch. Was Urgetreide wirklich mitbringt, wo die Mythen liegen und für wen es sich lohnt.
Letzte Aktualisierung: 01.05.2026
4 Kommentare
Hallo Biene
Ich habe durch eine Frage an den PC dein Brotback-wissen gefunden. Ich backe seit ca.3Jahren unser Brot selbst. Vollkorn-Körnerbrot lieben wir am meisten. Aber ich habe beim lesen soviel gelernt. Das was uns in letzter Zeit gestört hat am Brot war Wirkung
des falschen Umgangs mit den Körnern. Röstung und Einweichen und Mengenverhältnis zum Mehl .Ich danke dir sehr .BIGGI
Liebe Biggi,
vielen Dank für deinen netten Kommentar.
Ich freu mir immer ein Loch in die Mütze, wenn meine Besucher etwas von meinem Blog für sich mitnehmen können. 🙂
Und du hast recht, es geht nichts über ein gutes Vollkorn-Körnerbrot.
Hab einen schönen Abend und genieß dein „neues“ Brot 😉
alles Liebe von der Bine
Hallo Bine,
ich habe bisher zweimal ein einfaches Sauerteigbrot nach Deiner Anleitung gebacken. Erstaunlicherweise ist es das eine Mal im Ofen aufgegangen, obwohl es vorher gar nicht so viel mehr geworden ist.
Lustigerweise habe ich gerade überlegt, eines mit Körnern zu machen. Ich möchte mir aber für den ersten Versuch nicht gleich so viele verschiedene Körner kaufen, deshalb habe ich mir eine Saatenbrotmischung ohne Hefe gekauft und dachte, ich tue einfach einen Teil davon rein. Was würdest Du dazu sagen?
Liebe Grüße
Andrea
Hi Andrea,
lieben Dank für deinen netten Kommentar.
kleine Rückfrage zur Sicherheit: Eine Saatenbrotmischung ist meistens schon ein komplettes Brot-Rezept inklusive Mehl, Saaten und Salz – du gibst nur Wasser und Triebmittel dazu.
Wenn du davon nur einen Teil in dein normales Sauerteigrezept gibst, weißt du am Ende nicht, wieviel Salz drin ist und wieviel Wasser deine Saaten ziehen – das wird Kraut und Rüben.
Ich würde dir vorschlagen: Mach die Mischung beim ersten Mal pur, aber mit deinem Sauerteig statt Hefe.
Faustregel: Pro 500 g Mischung 100 g aktives Anstellgut (oder besser ein Vorteig draus), und zieh ungefähr 50 g vom Anrührwasser ab, weil dein Sauerteig ja schon Wasser mitbringt.
Gehzeit ist mit Sauerteig länger – plane 4–8 Stunden ein. Beobachte deinen Teig und verlass dich nicht auf die Uhr, sondern schau auf einen Teig.
Wenn du dann beim nächsten Mal eigene Saaten ins Brot tun willst, zeig ich dir gerne, wie das geht.
Liebe Grü0e von der Bine