Inhalt
- Warum die Dinkel-Wegga so saftig werden
- Was kommt in die Dinkel-Wegga?
- Zwei Zeitpläne für deinen Tag
- So backst du die Dinkel-Wegga
- Das Zubehör, das ich für die Dinkel-Wegga benutze
- Drei Wege, die Dinkel-Wegga abzuwandeln
- Wenn die Dinkel-Wegga nicht so werden wie geplant
- Hydration und Co., für alle, die es genau wissen wollen
- Noch Fragen zu den Dinkel-Wegga? FAQ
- Hier ist die Rezeptkarte zum Ausdrucken
Auf der Schwäbischen Alb, wo der Wind rau und der Dinkel kräftig ist, haben die Menschen schon seit der Eisenzeit Dinkel angebaut. Über 3000 Jahre Tradition stecken in diesem Getreide. Die Alemannen wussten es schon, Dinkel wächst auch da, wo der Weizen aufgibt. Raues Klima und karge Böden machen den Alb-Dinkel robust und aromatisch. Und weil auf der Alb alles seinen eigenen Namen hat, heißen kleine Brötchen hier nicht Brötchen, sondern „Wegga“ oder „Weckle“.
Meine ersten Vollkorn-Versuche waren ehrlich gesagt eine Katastrophe. Hart wie Steine, trocken wie Pappe. Meine Familie hat höflich probiert und dann doch lieber zum Aufbackbrötchen gegriffen. „Vollkorn ist halt so“, dachte ich. Dabei lag es gar nicht am Vollkorn, sondern daran, dass ich zu ungeduldig war und dem Mehl nicht genug Zeit gegeben habe.
Diese Dinkel-Wegga sind klein, kernig und trotzdem nicht trocken. Du setzt sie am Abend an und hast am nächsten Tag frische Brötchen, ohne dafür in aller Herrgottsfrühe aufzustehen.
Insgesamt dauert das rund 21 Stunden, davon sind 16 bis 18 Stunden reine Reifezeit, in der du nichts tust. In der Küche stehst du eine gute halbe Stunde. Am Abend setzt du Sauerteig und Quellstück an, am nächsten Mittag knetest du den Teig, formst die Brötchen und schiebst sie in den Ofen. Wenn ich um 19 Uhr anfange, sind sie am Tag darauf gegen 16 Uhr fertig, also pünktlich zum Kaffee. Wer sie schon zum späten Frühstück auf dem Tisch haben will, findet weiter unten den schnellen Zeitplan.
„Luigi. Der Italiener aus dem oberen Fach. Wenn Bine seinen Deckel aufmacht, riecht es nach Joghurt und frischer Hefe, und alle finden das entzückend. Ich rieche nach Essig, und dann heißt es, ich sei kantig.“
„Aber ehrlich? Bei diesen Wegga hat er recht. Dinkelvollkorn ist nussig und empfindlich, meine Säure würde da einfach drüberbügeln. Beim Roggen fragt dafür keiner nach Joghurt. Da holt sie mich, und dann ist meine Kante genau das Richtige.“
Backzeiten-Rechner
Wann muss ich anfangen?
Über Nacht klingt entspannt, bis du merkst, dass die Brötchen erst nachmittags fertig sind. Sag dem Backzeiten-Rechner, wann du sie auf dem Tisch haben willst, und er rechnet dir jeden Schritt bis zum Start zurück.
Warum die Dinkel-Wegga so saftig werden
Vollkornbrötchen haben einen schlechten Ruf. Zu trocken, zu schwer, zu gesund halt. Aber das liegt nicht am Vollkorn, sondern an der Zubereitung. Diese Brötchen werden saftig und aromatisch, weil zwei Dinge zusammenarbeiten, ein Quellstück und ein Sauerteig.
Das Quellstück – warum Zeit hier alles ist
Das Quellstück ist der wichtigste Teil dieses Rezepts. Dinkelvollkornmehl enthält viele Ballaststoffe und Randschichten, die Zeit brauchen, um Wasser aufzunehmen. Wenn du das Quellstück weglässt, kann das Mehl beim Kneten nicht genug Wasser binden, und die Brötchen werden später trocken und bröselig.
Die 12 bis 16 Stunden Quellzeit sorgen dafür, dass das Mehl richtig durchquillt. Die Stärke bindet das Wasser, und Enzyme beginnen, komplexe Kohlenhydrate abzubauen. Das macht die Brötchen saftiger und bekömmlicher. Auch die Phytinsäure wird dabei abgebaut, ein Stoff im Korn, der Mineralien bindet. Vollkorn wird dadurch leichter verdaulich. Das gilt für jeden Vollkornteig, nicht nur für diesen hier.
Sauerteig für Triebkraft und nussigen Geschmack
Der Sauerteig gibt den Brötchen ihr nussiges, leicht säuerliches Aroma. Die Milchsäurebakterien produzieren Säuren, die dem Teig Tiefe geben. Gleichzeitig senken sie den pH-Wert, was die Enzyme im Mehl aktiviert und die Krume saftiger macht.
Bei Vollkornteigen ist der Sauerteig besonders wichtig, weil die Randschichten des Korns das Glutennetz schwächen. Der Sauerteig hilft, den Teig zu stabilisieren. Trotzdem kommt noch Hefe dazu. Vollkornteige sind schwerer als helle Teige, und die Hefe gibt zusätzliche Triebkraft. Das ist bei Vollkorn-Rezepten völlig normal und kein Betrug am Sauerteig.
Warum Dinkel anders ist als Weizen
Dinkel hat weniger Gluten als Weizen und bindet Wasser anders. Das macht den Teig klebriger und weicher. Vollkorn-Dinkelteig lässt sich nicht so straff formen wie Weizenteig, das ist eine Eigenschaft des Mehls und kein Fehler. Die Brötchen werden trotzdem locker, haben aber eine dichtere Krume als helle Brötchen. Genau das macht sie so sättigend. Mehr zu den Eigenheiten von Dinkel steht im Artikel Dinkelbrot backen.
Ein Vorteil bleibt am Ende hängen. Vollkornbrötchen bleiben deutlich länger frisch als helle. Die Ballaststoffe halten die Feuchtigkeit fest, und die Brötchen trocknen nicht so schnell aus.
Sauerteig gibt es in zwei Formen, flüssig und fest. Robert, mein Roggen-Starter, ist flüssig. Luigi ist ein Lievito Madre, also ein fester italienischer Weizensauer. Beide arbeiten nach demselben Prinzip, Milchsäurebakterien und Hefen lockern den Teig und machen ihn aromatisch.
Luigi schmeckt milder, fast milchig, während flüssiger Sauerteig oft säuerlicher ist. Für diese Wegga nehme ich deshalb Luigi, weil der nussige Dinkel damit am besten zur Geltung kommt. Wenn du nur flüssiges Anstellgut hast, funktioniert das mit 10 g auch gut.

Was kommt in die Dinkel-Wegga?
Für 10 Brötchen, je ca. 90 g
Viel ist es nicht. Dinkelvollkornmehl, Wasser, Salz, ein Löffel Öl und dein Sauerteig. Das Öl ist kein Schnickschnack, es macht die Krume weicher und hält sie länger saftig. Die Mengen unten gelten für den klassischen Zeitplan.
| Lievito Madre | 15 g |
| Dinkelvollkornmehl | 60 g |
| Wasser (warm) | 60 g |
| Sauerteig gesamt | (135 g) |
| Dinkelvollkornmehl | 100 g |
| Wasser (kalt) | 100 g |
| Quellstück gesamt | (200 g) |
| Reifer Sauerteig | (135 g) |
| Quellstück | (200 g) |
| Dinkelvollkornmehl | 340 g |
| Wasser | 175 g |
| Frischhefe | 10 g |
| Salz | 10 g |
| Inaktives Röstmalz (optional) | 10 g |
| Rapsöl | 20 g |
| Sesam, Mohn, Leinsamen oder Haferflocken | nach Gefühl |
Nimm inaktives Röstmalz, kein aktives Backmalz. Aktives Malz bringt zusätzliche Enzyme mit, und davon hat dieser Teig durch das Vollkorn und die lange Quellzeit schon reichlich. Zu viel davon baut so viel Stärke ab, dass die Krume nach dem Backen speckig bleibt.
Das Röstmalz sorgt hier nur für Farbe und Röstaroma. Du kannst es auch ganz weglassen, dann werden die Brötchen eine Spur heller.
Wenn du keinen Lievito Madre hast, nimm 10 g flüssiges Anstellgut und setze den Sauerteig mit 40 g Mehl und 40 g Wasser an. Die fehlenden 20 g Mehl und 20 g Wasser gibst du dann in den Hauptteig.
Zwei Zeitpläne für deinen Tag
Es ist immer derselbe Teig. Was du änderst, ist das Fütterungsverhältnis im Sauerteig, und damit bestimmst du, wie lange er zum Reifen braucht. Mehr Anstellgut auf weniger Mehl geht schneller, weniger dauert länger. Die Zeitangaben sind Richtwerte. Reif ist der Sauerteig, wenn er sein Volumen verdoppelt hat. Steht deine Küche kühler als 20 °C, rechne etwa ein Drittel drauf und schau lieber in die Schüssel als auf die Uhr. Woran du das erkennst, steht in Wann ist mein Sauerteig fertig zum Backen?
Schnell
Ablauf
Sauerteig 1:3:3 (ASG:Mehl:Wasser), also 15 g Lievito Madre auf 45 g Mehl und 45 g Wasser. Im Hauptteig dafür 355 g Mehl und 190 g Wasser. Abends um 20 Uhr ansetzen, am nächsten Vormittag kneten.
Gesamtzeit
ca. 18 Stunden (aktiv ~35 Minuten). Der Sauerteig ist nach 13 bis 15 Stunden reif.
Charakter
Milder, die Säure tritt hinter das Nussige zurück. Bringt dir rund drei Stunden, mehr ist bei diesem Teig nicht drin.
Klassisch
Ablauf
Sauerteig 1:4:4 (ASG:Mehl:Wasser), also 15 g Lievito Madre auf 60 g Mehl und 60 g Wasser. Abends um 19 Uhr ansetzen, am nächsten Mittag kneten.
Gesamtzeit
ca. 21 Stunden (aktiv ~35 Minuten). Der Sauerteig ist nach 16 bis 18 Stunden reif.
Charakter
Volles nussiges Aroma mit milder Säure, saftige Krume. So backe ich sie selbst, und dafür ist das Rezept gemacht.
So backst du die Dinkel-Wegga
Sauerteig ansetzen, am Abend
Zupf den Lievito Madre in kleine Stücke und lös ihn im warmen Wasser auf, bis eine milchige Flüssigkeit entsteht. Erst dann kommt das Mehl dazu. Diese Reihenfolge ist wichtig, ein fester Sauerteig löst sich im Mehlteig sonst nie richtig auf und du hast Klümpchen, die nicht mitarbeiten.
Alles zu einem Teig verrühren, abdecken und warm bei 20 bis 22 °C stehen lassen. Nach 16 bis 18 Stunden hat er sich verdoppelt, zeigt Blasen an der Oberfläche und riecht angenehm säuerlich. Ich setze ihn meistens abends um 19 Uhr an, dann ist er am nächsten Tag gegen 13 Uhr so weit.
Quellstück ansetzen, direkt danach
Mehl und kaltes Wasser in einer zweiten Schüssel verrühren. Die Masse sieht aus wie dicker Brei, das ist richtig so. Abdecken und mindestens 12 Stunden stehen lassen, warm oder kalt im Kühlschrank, beides geht.
Ich setze das Quellstück immer gleichzeitig mit dem Sauerteig an, dann habe ich am nächsten Tag beides fertig nebeneinander stehen. Ich habe die Brötchen einmal ohne Quellstück gebacken. Nie wieder.
Stell beide Schüsseln nebeneinander an dieselbe Stelle. Klingt banal, aber ich habe schon zweimal das Quellstück in der hintersten Ecke vergessen und erst gefunden, als der Teig längst geknetet war.
Teig kneten, am Backtag
Sauerteig und Quellstück kommen in die Schüssel der Küchenmaschine, dazu Wasser, Frischhefe, Salz, Röstmalz und Öl. Das Mehl streust du zum Schluss darüber. Mit dem Wasser gehst du vorsichtig um, gib erst mal 155 g dazu und den Rest nur, wenn der Teig wirklich zu fest wirkt.
Fünf bis sechs Minuten auf kleiner Stufe mischen, bis alles gleichmäßig verbunden ist. Der Teig ist sehr weich und klebrig, das gehört bei Dinkel-Vollkorn dazu. Dann eine Stufe hochschalten und nur noch ein bis zwei Minuten auskneten.
Sobald sich der Teig vom Schüsselrand löst, sofort ausschalten. Dinkel hat einen Punkt, ab dem es kein Zurück gibt. Wird der Teig wieder weich, glänzend und nass, ist das Klebergerüst gerissen und lässt sich nicht mehr reparieren.
Teigruhe mit einmal Dehnen und Falten
Den Teig in eine leicht geölte Schüssel geben, abdecken, 40 Minuten warm stehen lassen. Nach 20 Minuten faltest du ihn einmal. Dafür ziehst du den Teig an einer Seite hoch und legst ihn zur Mitte, das machst du von allen vier Seiten. Das ordnet die Struktur, ohne den empfindlichen Dinkelkleber weiter zu strapazieren.
Brötchen formen
Arbeitsfläche leicht bemehlen, Teig darauf stürzen und in zehn Stücke zu je etwa 90 g teilen. Wenn du eine Waage hast, wieg sie ab, dann backen alle gleich lang.
Jedes Stück rundwirken. Zieh den Teig mit der Handkante zu dir, dreh ihn ein Stück weiter und zieh wieder. So entsteht Spannung an der Oberfläche, und genau die brauchen die Brötchen, damit sie im Ofen nach oben gehen statt seitlich aufzureißen. Arbeite mit nassen Händen statt mit Mehl, bei diesem Teig funktioniert das viel besser. Und sei zügig, jedes zusätzliche Gramm Mehl macht die Brötchen trockener.
Wenn du magst, besprüh die Teiglinge kurz mit Wasser und wälz sie in Saaten. Ich mache meistens die Hälfte mit und die Hälfte ohne, dann hat am Tisch jeder eine Auswahl.
Stückgare
Die Teiglinge mit der glatten Seite nach oben auf ein Blech mit Backpapier setzen, genug Abstand lassen. Abdecken und 60 bis 75 Minuten warm gehen lassen, bis sie sichtbar größer geworden sind.
Der Fingertest sagt dir, wann es so weit ist. Drück leicht mit dem Finger auf einen Teigling. Kommt die Delle langsam zurück, kannst du backen. Federt sie sofort zurück, brauchen sie noch Zeit.
Backen mit Schwaden
Heiz den Ofen mit Backstahl oder Backstein in der unteren Hälfte auf 230 °C Ober- und Unterhitze vor, mindestens 30 Minuten. Der Stein muss richtig durchgeheizt sein. Ohne Stein schiebst du ein normales Blech auf mittlere Schiene und heizt es mit auf.
Brötchen kurz mit Wasser besprühen, aufs heiße Blech setzen und sofort auf 210 °C herunterschalten. Gleichzeitig eine hitzefeste Schale mit etwa 100 ml Wasser auf den Ofenboden stellen. Vorsicht, der Dampf schießt hoch. Nach 10 Minuten öffnest du die Tür kurz und lässt ihn ab, damit die Kruste knusprig wird. Warum das so viel ausmacht, steht im Artikel über Schwaden beim Brotbacken.
Insgesamt brauchen die Wegga 18 bis 20 Minuten, bis sie dunkelbraun sind. Wenn du unsicher bist, klopf auf die Unterseite. Klingt es hohl, sind sie durch.
Auskühlen, und zwar wirklich
Ab aufs Gitter und mindestens 15 bis 20 Minuten liegen lassen. Ich weiß, das ist der schwerste Teil. Aber Vollkornkrume ist direkt aus dem Ofen noch nicht fertig, sie stabilisiert sich erst beim Abkühlen. Schneidest du zu früh, ist sie feucht und klebt am Messer, und du denkst, du hättest etwas falsch gemacht.
Das Zubehör, das ich für die Dinkel-Wegga benutze
Beim Brotbacken wieg ich alles in Gramm ab, auch das Wasser. Meine wiegt sogar in 0,1-Gramm-Schritten, damit kriegst du auch das eine Gramm Hefe genau hin.
Die feste Karte nehm ich zum Abstechen und Portionieren. Damit teil ich den Teig sauber, ohne ihn zu quetschen.
Speichert mehr Hitze als ein Blech und gibt sie beim Einschießen sofort ab. Genau der Schub, den schwere Vollkornteiglinge von unten brauchen.
Hier kannst du meine komplette Backausrüstung anschauen.
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Drei Wege, die Dinkel-Wegga abzuwandeln
Halb Vollkorn, halb helles Dinkelmehl
Wenn dir 100 % Vollkorn zu intensiv ist, ersetze 200 g des Dinkelvollkornmehls im Hauptteig durch Dinkelmehl Type 630 oder 1050. Die Brötchen werden heller, luftiger und milder. Nimm dann etwa 40 bis 50 g weniger Wasser im Hauptteig, also 125 bis 135 g, weil helles Mehl weniger davon aufnimmt. Das Quellstück kannst du bei dieser Variante weglassen, es zahlt sich nur bei reinem Vollkorn wirklich aus.
Mit Körnermischung
Für mehr Biss mischst du 50 bis 70 g Körner in den Hauptteig. Ich nehme meistens Sonnenblumenkerne, Kürbiskerne und Sesam. Röste sie vorher kurz in einer trockenen Pfanne an, das holt das Aroma raus. Sie kommen erst nach dem Auskneten dazu, sonst zerschneiden die scharfen Kanten das Klebergerüst. Wichtig ist, dass du das Wasser um 20 bis 30 g erhöhst, Körner saugen sonst dem Teig die Feuchtigkeit weg.
Mit Nüssen
Gehackte Walnüsse oder Haselnüsse passen hervorragend zum nussigen Dinkel. Gib 50 bis 80 g in den Teig und erhöh das Wasser um 20 g. Die Nüsse bringen eine buttrige Note mit und machen die Brötchen noch sättigender.
Meine Lieblingsvariante bleibt die klassische mit 100 % Dinkelvollkorn, gewälzt in Sesam und Leinsamen. Der nussige Dinkel kommt so am deutlichsten durch, und die Saaten geben zusätzlichen Biss.

Wenn die Dinkel-Wegga nicht so werden wie geplant
Ein paar Sachen gehen bei diesen Brötchen häufiger schief. Meistens steckt eine einfache Ursache dahinter, und die kriegst du in den Griff.
❌ Der Teig ist extrem klebrig und lässt sich kaum formen
Der Teig klebt an den Händen, an der Arbeitsfläche, an der Teigkarte, einfach überall. Bei Dinkel-Vollkorn ist ein weicher Teig normal, aber wenn er sich gar nicht mehr bändigen lässt, war entweder zu viel Wasser drin oder du hast zu lange geknetet. Arbeite mit nassen statt mit bemehlten Händen, das funktioniert bei klebrigen Teigen deutlich besser. Beim nächsten Mal startest du mit 155 g Wasser im Hauptteig und gibst den Rest nur nach Bedarf dazu. Und knete nicht länger als ein bis zwei Minuten auf hoher Stufe, sonst wird der Teig schleimig und lässt sich nicht mehr retten.
❌ Die Brötchen sind nicht aufgegangen
Die Teiglinge sind nach der Stückgare kaum größer geworden und bleiben im Ofen flach und dicht. Das liegt meistens an einem zu schwachen Sauerteig, an einer zu kühlen Küche oder an zu kurzer Gare. Vollkornteige brauchen länger als helle, weil die Randschichten des Korns das Glutennetz schwächen. Prüf zuerst deinen Sauerteig, er sollte sich verdoppelt haben, Blasen zeigen und angenehm säuerlich riechen. Die Stückgare braucht mindestens 60 Minuten bei 20 bis 22 °C, eher 75. Ist deine Küche kälter, gib 15 bis 30 Minuten dazu.
❌ Die Brötchen sind innen noch feucht und klebrig
Du schneidest an, und die Krume ist speckig und schmiert am Messer. In den meisten Fällen war es einfach zu früh, Vollkornkrume braucht ihre 15 bis 20 Minuten auf dem Gitter, bevor sie stabil ist. Bleibt es auch nach dem Auskühlen so, verlänger die Backzeit um 3 bis 5 Minuten und klopf zur Kontrolle auf die Unterseite, sie muss hohl klingen. Und wirf einen Blick auf dein Backmalz. Wenn du aktives statt inaktives verwendet hast, bauen dessen Enzyme zusammen mit dem Vollkorn und der langen Quellzeit so viel Stärke ab, dass die Krume das Wasser nicht mehr halten kann. Dann bleibt sie speckig, egal wie lange du sie liegen lässt.
❌ Die Brötchen sind nach einem Tag schon trocken
Am ersten Tag schmecken sie gut, am zweiten sind sie bröselig. Das passiert vor allem, wenn das Quellstück gefehlt hat oder zu kurz gequollen ist. Vollkornmehl braucht mindestens 12 Stunden, um das Wasser wirklich zu binden. Lager die Brötchen in einem Brotbeutel oder einer Brotdose bei Raumtemperatur, auf keinen Fall im Kühlschrank, dort altern sie schneller. Mehr dazu steht in Brot richtig aufbewahren. Wenn du sie länger halten willst, frier sie ein und back sie 5 bis 7 Minuten bei 180 °C auf.
❌ Die Brötchen platzen beim Backen unkontrolliert auf
Sie reißen an den Seiten auf, statt gleichmäßig nach oben zu gehen. Meistens fehlte beim Formen die Spannung, oder die Stückgare war zu kurz. Achte darauf, dass die Oberfläche der Teiglinge beim Rundwirken wirklich straff wird, zieh dafür mit der Handkante zu dir und dreh den Teigling dabei. War die Gare zu kurz, sind die Teiglinge im Ofen noch zu fest und suchen sich beim Trieb den schwächsten Punkt. Verlänger sie um 15 bis 30 Minuten und prüf mit dem Fingertest, die Delle sollte langsam zurückkommen.
Hydration und Co., für alle, die es genau wissen wollen
Für die Brötchen brauchst du diese Zahlen nicht. Wer aber gern nachrechnet oder das Rezept umbauen will, findet hier alles auf einen Blick.
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Gesamtmehl | 500 g |
| Gesamtwasser | 335 g |
| Hydration | 67 % |
| Teigausbeute (TA) | 167 |
| Salz | 2 % |
| Sauerteig (ASG:Mehl:Wasser) | 1:4:4 |
Wie fühlt sich der Teig an?
Mit 67 % Hydration ist dieser Teig deutlich weicher als ein normaler Brötchenteig. Er klebt und lässt sich nur mit nassen Händen sauber bewegen. Bei reinem Dinkelvollkorn ist das genau richtig, das Mehl schluckt die Feuchtigkeit über Nacht komplett weg. Wenn dein Teig sich anfühlt wie ein fester Weizenteig, hast du zu wenig Wasser drin, und die Brötchen werden trocken.
Noch Fragen zu den Dinkel-Wegga? FAQ
Warum brauchen Dinkel-Vollkornbrötchen ein Quellstück?
Weil Vollkornmehl Zeit braucht, um Wasser zu binden. Die Ballaststoffe und Randschichten nehmen es nur langsam auf. Ohne Quellstück bleibt ein Teil des Wassers ungebunden, verdampft im Ofen, und die Brötchen werden trocken und bröselig. Ich habe es einmal ohne probiert. Nie wieder.
Kann ich helles Dinkelmehl statt Vollkorn nehmen?
Ja, aber dann wird es ein anderes Brötchen. Mit Type 630 oder 1050 brauchst du 50 bis 70 g weniger Wasser im Hauptteig. Sie werden heller und luftiger, verlieren dafür den nussigen Vollkorngeschmack. Das Quellstück kannst du dann weglassen.
Warum ist Hefe in einem Sauerteig-Rezept?
Weil Vollkornteige schwerer sind als helle. Die Randschichten des Korns schwächen das Glutennetz, und der Teig braucht mehr Schub, um trotzdem locker zu werden. Die Hefe unterstützt hier den Sauerteig, der vor allem für das Aroma zuständig ist. Bei Vollkorn ist diese Kombination völlig normal.
Kann ich statt Lievito Madre flüssiges Anstellgut nehmen?
Ja, und zwar egal ob Weizen, Dinkel oder Roggen. Nimm 10 g Anstellgut und setz den Sauerteig mit 40 g Mehl und 40 g Wasser an. Die fehlenden 20 g Mehl und 20 g Wasser wandern in den Hauptteig. Mit Lievito Madre werden die Wegga milder und milchiger, mit flüssigem Anstellgut deutlicher säuerlich. Beides schmeckt, es ist Geschmackssache.
Brauche ich das Röstmalz?
Nein, es ist optional. Es gibt der Kruste Farbe und ein bisschen Röstaroma, sonst nichts. Ohne wird die Kruste etwas heller, am Trieb und an der Krume ändert sich nichts. Nimm aber bitte inaktives Röstmalz, kein aktives Backmalz. Aktives Malz bringt Enzyme mit, und die machen die Krume bei diesem Rezept speckig.
Warum ist mein Dinkelteig so klebrig?
Das ist normal. Dinkel hat weniger Gluten als Weizen und bindet Wasser anders, und Vollkorn macht den Teig zusätzlich weich. Arbeite mit nassen Händen oder einer Teigkarte, dann kommst du gut zurecht. Gib auf keinen Fall Mehl dazu, das rächt sich später mit trockenen Brötchen.
Muss ich die Brötchen in Saaten wälzen?
Nein, das ist reine Deko und Geschmackssache. Wenn du es machst, besprüh die Teiglinge vorher mit Wasser, sonst haften die Saaten nicht. Sesam, Mohn, Leinsamen und Haferflocken funktionieren alle. Ich mache meistens die Hälfte mit und die Hälfte ohne.
Wie lange halten sich die Brötchen?
In einem Brotbeutel oder einer Brotdose bei Raumtemperatur bleiben sie drei bis vier Tage saftig, deutlich länger als helle Brötchen. Einfrieren geht auch, dann halten sie mehrere Monate. Zum Auffrischen 5 bis 7 Minuten bei 180 °C aufbacken.

Dein Backzeiten-Rechner
Hier ist die Rezeptkarte zum Ausdrucken

Dinkel-Wegga von der Alb – Dinkel-Vollkornbrötchen mit Sauerteig
Zutaten
- 60 g Dinkelvollkornmehl
- 60 g Wasser lauwarm
- 15 g Lievito Madre fester Weizensauer
- 40 g Dinkelvollkornmehl
- 40 g Wasser lauwarm
- 10 g flüssiges Anstellgut Roggen, Weizen oder Dinkel
- 100 g Dinkelvollkornmehl
- 100 g Wasser kalt
- Sauerteig komplette Menge
- Quellstück komplette Menge
- 340 g Dinkelvollkornmehl
- 175 g Wasser kalt bis lauwarm
- 10 g Frischhefe
- 10 g Salz
- 10 g Inaktives Röstmalz optional, kein aktives Backmalz
- 20 g Pflanzenöl z.B. Rapsöl
- – Sesam Mohn, Leinsamen oder Haferflocken
Kochutensilien
Zubereitung
- Sauerteig ansetzen (am Vorabend)
15 g Lievito Madre in kleine Stücke zupfen, in 60 g warmem Wasser auflösen, dann 60 g Dinkelvollkornmehl einrühren. Verhältnis 1:4:4 (ASG:Mehl:Wasser). Abgedeckt 16 bis 18 Stunden bei 20 bis 22 °C reifen lassen, bis sich das Volumen verdoppelt hat. - Alternative mit flüssigem Anstellgut
10 g flüssiges Anstellgut mit 40 g warmem Wasser verschlemmen, 40 g Dinkelvollkornmehl einrühren. Die fehlenden 20 g Mehl und 20 g Wasser in den Hauptteig geben. - Quellstück ansetzen (am Vorabend)
100 g Dinkelvollkornmehl mit 100 g kaltem Wasser verrühren. Abgedeckt mindestens 12 Stunden quellen lassen. - Hauptteig kneten (am Backtag)
Reifen Sauerteig, Quellstück, 155 g Wasser, 10 g Frischhefe, 10 g Salz, 10 g inaktives Röstmalz und 20 g Rapsöl in die Schüssel geben, 340 g Dinkelvollkornmehl darüber streuen. 5 bis 6 Minuten langsam mischen, dann 1 bis 2 Minuten schnell auskneten. Restliches Wasser bis 175 g nur nach Bedarf zugeben. - Teigruhe
Teig in eine geölte Schüssel geben, abgedeckt 40 Minuten bei 20 bis 22 °C ruhen lassen. Nach 20 Minuten einmal von allen vier Seiten dehnen und falten. - Brötchen formen
Teig in 10 Stücke zu je ca. 90 g teilen. Mit nassen Händen rundwirken. Optional mit Wasser besprühen und in Sesam, Mohn, Leinsamen oder Haferflocken wälzen. - Stückgare
Teiglinge mit Abstand auf ein Blech mit Backpapier setzen, abdecken und 60 bis 75 Minuten bei 20 bis 22 °C gehen lassen. - Backen
Ofen mit Backstahl oder Backstein 30 Minuten auf 230 °C Ober- und Unterhitze vorheizen. Brötchen besprühen, einschießen, sofort auf 210 °C reduzieren und 100 ml Wasser für den Schwaden zugeben. Nach 10 Minuten Dampf ablassen. Gesamt 18 bis 20 Minuten backen, Kerntemperatur ca. 96 °C. - Auskühlen
Brötchen auf einem Rost mindestens 15 bis 20 Minuten auskühlen lassen, erst dann anschneiden.
- Sauerteig ansetzen (am Vorabend)
15 g Lievito Madre in kleine Stücke zupfen, in 45 g warmem Wasser auflösen, dann 45 g Dinkelvollkornmehl einrühren. Verhältnis 1:3:3 (ASG:Mehl:Wasser). Abgedeckt 13 bis 15 Stunden bei 20 bis 22 °C reifen lassen, bis sich das Volumen verdoppelt hat. - Alternative mit flüssigem Anstellgut
10 g flüssiges Anstellgut mit 40 g warmem Wasser verschlemmen, 40 g Dinkelvollkornmehl einrühren. Die fehlenden 20 g Mehl und 20 g Wasser in den Hauptteig geben. - Quellstück ansetzen (am Vorabend)
100 g Dinkelvollkornmehl mit 100 g kaltem Wasser verrühren. Abgedeckt mindestens 12 Stunden quellen lassen. - Hauptteig kneten (am Backtag)
Reifen Sauerteig, Quellstück, 170 g Wasser, 10 g Frischhefe, 10 g Salz, 10 g inaktives Röstmalz und 20 g Rapsöl in die Schüssel geben, 355 g Dinkelvollkornmehl darüber streuen. 5 bis 6 Minuten langsam mischen, dann 1 bis 2 Minuten schnell auskneten. Restliches Wasser bis 190 g nur nach Bedarf zugeben. - Teigruhe
Teig in eine geölte Schüssel geben, abgedeckt 40 Minuten bei 20 bis 22 °C ruhen lassen. Nach 20 Minuten einmal von allen vier Seiten dehnen und falten. - Brötchen formen
Teig in 10 Stücke zu je ca. 90 g teilen. Mit nassen Händen rundwirken. Optional mit Wasser besprühen und in Sesam, Mohn, Leinsamen oder Haferflocken wälzen. - Stückgare
Teiglinge mit Abstand auf ein Blech mit Backpapier setzen, abdecken und 60 bis 75 Minuten bei 20 bis 22 °C gehen lassen. - Backen
Ofen mit Backstahl oder Backstein 30 Minuten auf 230 °C Ober- und Unterhitze vorheizen. Brötchen besprühen, einschießen, sofort auf 210 °C reduzieren und 100 ml Wasser für den Schwaden zugeben. Nach 10 Minuten Dampf ablassen. Gesamt 18 bis 20 Minuten backen, Kerntemperatur ca. 96 °C. - Auskühlen
Brötchen auf einem Rost mindestens 15 bis 20 Minuten auskühlen lassen, erst dann anschneiden.







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