Sonntagsbrötchen mit Übernacht-Gare in Korb mit Teigtuch, eines aufgeschnitten zeigt luftige Krume
Hefe

Sonntagsbrötchen über Nacht – Rezept mit Poolish und zwei Zeitplänen

Triebmittelwenig
Reifezeitlang
Garekalt

Sonntagsbrötchen mit Poolish-Vorteig und Übernacht-Gare, zwei Zeitpläne je nach deinem Samstag. Knusprig außen, luftig innen, mild im Aroma. Aktive Küchenzeit nur 40 Minuten, morgens frisch aus dem Ofen.

Gesamtzeitca. 21 Std
SchwierigkeitFortgeschritten
Menge8 Brötchen
Inhalt18 Min. Lesezeit

Frische Sonntagsbrötchen, ohne dafür am Sonntag früh aufstehen zu müssen. Das klappt, wenn du die Arbeit auf den Samstag legst und der Teig über Nacht im Kühlschrank für dich weiterarbeitet.

Das Herzstück ist ein Poolish, ein flüssiger Vorteig aus Mehl, Wasser und einer winzigen Menge Hefe. Er reift am Samstag ein paar Stunden auf der Arbeitsplatte und bringt später das Aroma ins Brötchen. Abends knetest du den Hauptteig, formst die Teiglinge und stellst sie kalt. Am Sonntag musst du sie nur noch in den Ofen schieben.

Wie viel Hefe in den Poolish kommt, entscheidet, wie lange er reift, und weniger Hefe heißt längere Reife und mehr Aroma. Ich backe die Sonntagsbrötchen je nach Wochenende auf zwei Arten: einmal kurz entschlossen mit etwas mehr Hefe ab Samstagnachmittag, einmal von langer Hand mit weniger Hefe schon ab dem Mittag. Am Ende hast du acht oder neun Brötchen mit knuspriger Kruste und feiner, luftiger Krume, und aktiv stehst du dafür nur rund 40 Minuten in der Küche.

Sonntagsbrötchen mit goldbrauner Kruste im Teigtuch, aufgeschnittene Brötchenhälften zeigen lockere Krume

Backzeiten-Rechner

Wann muss ich anfangen?

Dein Backplan richtet sich nach deinem Sonntag, nicht umgekehrt. Sag dem Backzeiten-Rechner, wann die Brötchen fertig sein sollen, und er rechnet dir jeden Schritt bis zum Poolish-Start zurück.

Zum Rechner springen ↓

Was in deine Sonntagsbrötchen kommt

Für 8–9 Brötchen, je ca. 100 g

Poolish
Weizenmehl Type 550150 g
Wasser (zimmerwarm, ca. 20 °C)150 g
Frischhefe (1,5 g für Kurzentschlossene, 0,3 g für Vorausplaner)1,5 / 0,3 g
Hauptteig
Reifer Poolish (gesamt)(ca. 300 g)
Wasser (kalt, aus dem Kühlschrank)175 g
Weizenmehl Type 550300 g
Weizen-Vollkornmehl50 g
Salz10 g
Frischhefe3 g
Olivenöl30 g

Warum ich Type 550 mit einem Schuss Vollkornmehl mische statt reinem Type 405, steht in Welches Mehl zum Brotbacken?. Und warum die 10 g Salz nicht nur fürs Aroma wichtig sind, sondern auch für die Glutenstruktur, liest du in Wieviel Salz gehört ins Brot?.

Hinweis

Die Hefemenge im Poolish ist winzig, vor allem die 0,3 g für die Vorausplaner-Variante. Auf einer normalen Küchenwaage siehst du da kaum einen Ausschlag. Eine Feinwaage mit 0,1-g-Schritten wiegt das zuverlässig ab, und für die 0,3 g hilft zusätzlich die Hefewasser-Methode aus Schritt 1.

Zwei Wege, deinen Samstag zu planen

Der Teig ist beide Male derselbe. Nur wie viel Hefe im Poolish steckt und wie lange er reift, ist verschieden. Weniger Hefe heißt längere Reife und mehr Aroma, dafür wiegst du etwas sorgfältiger ab. Beide Wege führen zu frischen Brötchen am Sonntagmorgen.

Für Kurzentschlossene

Ablauf

1,5 g Hefe im Poolish, die du direkt abwiegen kannst. Du setzt den Poolish am Samstagnachmittag an, knetest und formst abends und backst am Sonntag in aller Frühe.

Gesamtzeit

Rund 15 bis 17 Stunden über Nacht, davon etwa 40 Minuten aktive Arbeit. Der Poolish reift 4 bis 6 Stunden.

Charakter

Der unkomplizierte Weg. Du brauchst kein Hefewasser, das Aroma ist mild und sauber.

Empfehlung

Für Vorausplaner

Ablauf

0,3 g Hefe im Poolish, die du über die Hefewasser-Methode abmisst. Du setzt schon am Samstagmittag an, knetest abends und backst am Sonntag ab acht.

Gesamtzeit

Rund 20 bis 21 Stunden über Nacht, davon etwa 40 Minuten aktive Arbeit. Der Poolish reift 8 bis 10 Stunden.

Charakter

Der längere Poolish gibt ein tieferes, runderes Aroma. Dafür wiegst du die Hefe etwas sorgfältiger ab.

Info

Die Reifezeiten gelten bei 20 bis 21 °C Raumtemperatur. Ist deine Küche im Sommer wärmer (24 bis 25 °C), zieh rund ein Viertel der Zeit ab. Im kühlen Winter (17 bis 18 °C) rechne ein Viertel drauf. Als Faustregel gilt: 10 °C mehr verdoppeln das Tempo der Gärung.

So backst du deine Sonntagsbrötchen über Nacht

Schritt 1: Poolish ansetzen

Löse die Hefe in 150 g zimmerwarmem Wasser auf. Für die Variante Für Kurzentschlossene wiegst du die 1,5 g direkt ab. Für Vorausplaner nimmst du nur 0,3 g, und die misst du am einfachsten über Hefewasser ab. Wie das geht, steht im Tipp unten.

Dann rührst du 150 g Weizenmehl Type 550 ein, bis ein glatter, zähflüssiger Brei entsteht, etwa so dick wie Pfannkuchenteig. Deck die Schüssel ab und stell sie bei Raumtemperatur beiseite, ideal sind 20 bis 21 °C.

Nimm dafür kein kaltes Wasser. Es bremst die Hefe gleich am Anfang aus, und dein ganzer Zeitplan verschiebt sich um ein bis zwei Stunden.

Mein Tipp

Haushaltswaagen wiegen selten genauer als ein Gramm, und 0,3 g bekommst du damit nicht sauber hin. Löse deshalb 1 g Hefe in 10 g Wasser auf und nimm davon 3 g, das sind rund 0,3 g Hefe. Die 3 g Hefewasser ziehst du von den 150 g Poolish-Wasser wieder ab.

Schritt 2: Den reifen Poolish erkennen

Ob der Poolish so weit ist, erkennst du an ein paar Zeichen, egal für welche Variante du dich entschieden hast. Die Oberfläche ist voller Blasen und wölbt sich nach oben, das Volumen hat sich deutlich vergrößert, und in der Mitte beginnt sich eine kleine Delle zu bilden. Jetzt ist er auf dem Hochpunkt und du verarbeitest ihn weiter.

Riech einmal kurz daran. Er sollte mild riechen, leicht nach Alkohol und ein bisschen nach Joghurt. Riecht er scharf oder essigsauer, ist er schon über den Hochpunkt hinaus.

Wartest du zu lange, verliert der Poolish an Trieb und bringt Säure mit. Verarbeitest du ihn zu früh, fehlt das Aroma.

Schritt 3: Hauptteig kneten

Gib den ganzen reifen Poolish (etwa 300 g) in die Knetmaschine. Dazu kommen 175 g kaltes Wasser aus dem Kühlschrank, 300 g Weizenmehl Type 550, 50 g Weizen-Vollkornmehl, 10 g Salz und 3 g Frischhefe. Das Öl lässt du erst mal weg.

Misch alles 2 bis 3 Minuten auf niedriger Stufe, bis es sich verbunden hat. Dann schalte hoch und lass die 30 g Olivenöl in einem dünnen Strahl hineinlaufen. Insgesamt knetest du 8 bis 10 Minuten. Der Teig ist fertig, wenn er sich glatt vom Schüsselrand löst und nur noch mit einem feinen Film an den Fingern hängt. Zur Sicherheit machst du den Fenstertest: Zieh ein walnussgroßes Stück zwischen den Fingern auseinander. Lässt es sich so dünn ziehen, dass Licht durchscheint, ohne zu reißen, passt es.

Das Öl kommt bewusst erst später dazu, nie von Anfang an. Fett legt sich wie ein dünner Film um die Glutenstränge und bremst den Aufbau des Klebergerüsts. Ich hab das am Anfang anders gemacht und mich gewundert, warum meine Brötchen jedes Mal schwerer wurden als gewollt. Seitdem baue ich erst das Gluten auf und gebe das Öl danach dazu.

Das kalte Schüttwasser hat einen ähnlich praktischen Grund. Poolish und Mehl haben Zimmertemperatur, und die Knetmaschine heizt den Teig zusätzlich auf. Mit kaltem Wasser landest du am Ende bei 23 bis 25 °C Teigtemperatur. Dann arbeitet die Hefe gut, und die Übernacht-Gare läuft nicht zu schnell durch.

Schritt 4: Stockgare

Form den Teig zu einer Kugel, leg ihn in eine leicht geölte Schüssel und deck ihn ab. 30 Minuten bei Raumtemperatur, nicht länger.

Dein Teig hat schon ordentlich Trieb mitbekommen, aus dem Poolish und aus den 3 g Frischhefe. Würdest du ihn jetzt zwei Stunden gehen lassen, wären die Teiglinge am Morgen übergangen, fielen beim Einschneiden zusammen und schmeckten flach. Eine halbe Stunde reicht, damit sich der Teig entspannt, bevor es ans Formen geht.

Schritt 5: Teiglinge formen

Stürz den Teig auf eine ganz leicht bemehlte Arbeitsfläche und teil ihn in 8 oder 9 Stücke zu je etwa 100 g. Ich wiege jedes einzeln ab. Das klingt pedantisch, aber gleich große Teiglinge backen gleich schnell und bräunen gleichmäßig.

Schleif jedes Stück rund: Leg die hohle Hand wie eine Kuppel darüber und kreise mit leichtem Druck, bis sich der Teigling strafft. Arbeite dabei auf unbemehlter Fläche. Die Reibung zwischen Teig und Tisch baut die Spannung auf, die dem Brötchen später im Ofen seine runde Form gibt. Liegt Mehl darunter, rutscht der Teig nur weg und bleibt schlaff.

Roll jeden Teigling danach leicht länglich und leg ihn mit der Naht nach oben auf ein Bäckerleinen oder ein bemehltes Küchentuch. Zieh das Tuch zwischen den Teiglingen zu einer kleinen Wand hoch, dann behalten sie ihre Form und kleben nicht aneinander.

Die Naht bleibt oben, weil sich über Nacht an der Oberseite eine leichte Haut bildet. Die stabilisiert den Teigling und macht das Einschneiden am Morgen leichter. Zum Backen drehst du ihn dann um: Naht nach unten, Schnitt nach oben. So öffnet sich der Schnitt im Ofen zum klassischen Bäcker-Ohr.

Schritt 6: Übernacht-Gare im Kühlschrank

Deck die Teiglinge locker ab, mit einem zweiten Bäckerleinen oder mit Frischhaltefolie, aber press nichts fest an. Dann stellst du sie in den Kühlschrank, am besten ins untere Fach, hinten an die Wand, dort ist es meist am gleichmäßigsten kühl. Ziel sind 5 bis 6 °C.

Unter 4 °C schläft die Hefe praktisch ein, und die Brötchen bleiben am Morgen flach, auch wenn der Teig sonst tadellos war. Über 8 °C gehen sie zu schnell, sind früh übergangen und fallen beim Einschneiden zusammen. Bei 5 bis 6 °C arbeitet die Hefe langsam weiter und bildet nebenbei die Aromen, für die du den Aufwand überhaupt betreibst.

Mein Tipp

Viele Kühlschränke sind kälter oder wärmer, als die Skala verspricht. Stell einen Teller Wasser für zwei Stunden ins Fach und miss dann mit einem Küchenthermometer nach. Liegt es unter 4 °C, dreh eine Stufe wärmer, über 7 °C eine Stufe kälter.

Schritt 7: Ofen anheizen und backen

Heiz den Ofen mindestens 30 Minuten vor: Backstahl oder ein normales Backblech auf die mittlere Schiene, eine leere hitzefeste Schale (eine alte Auflaufform reicht) unten auf den Ofenboden. Beides bei 250 °C Ober-/Unterhitze. Der Stahl muss wirklich durchgeheizt sein, sonst bekommen die Brötchen von unten keine Hitze und der Ofentrieb bleibt aus. Ich war beim ersten Mal zu ungeduldig und hab nur 15 Minuten vorgeheizt, die Brötchen waren unten fast weiß und blieben flacher als erhofft.

Hol die Teiglinge aus dem Kühlschrank und kipp jeden einzeln mit der Naht nach unten auf ein Stück Backpapier. Schneide sie mit einer scharfen Klinge oder einem spitzen Messer einmal längs ein, flach im 45-Grad-Winkel. Ein senkrechter Schnitt reißt gern unkontrolliert auf, der flache dagegen bildet einen kleinen Deckel, der sich im Ofen aufstellt, das Bäcker-Ohr.

Zieh die Teiglinge auf dem Papier aufs heiße Blech und gieß sofort 50 bis 100 ml kochendes Wasser in die heiße Schale am Ofenboden. Tür zu, so schnell es geht, und die Temperatur direkt auf 230 °C herunter.

Hinweis

Wenn das kochende Wasser auf die heiße Schale trifft, steigt sofort eine Wolke heißen Dampfs auf. Gieß mit seitlich weggestrecktem Arm und halte Gesicht und Hände außerhalb des Ofens. Danach die Tür zügig schließen.

Nach 10 Minuten öffnest du die Tür einmal kurz und lässt den Schwaden ab. Insgesamt backen die Brötchen 20 bis 25 Minuten, bis sie goldbraun sind.

Die ersten zehn Minuten entscheiden über die Kruste. Solange der Dampf die Oberfläche feucht hält, kann der Teig noch aufgehen, bevor die Kruste fest wird. Danach muss der Dampf raus, sonst zieht er in die Kruste und macht sie zäh.

Mein Tipp

Wenn du mit einer Bäckerklinge oder einem Rasiermesser einschneidest, wisch die Schneide vorher kurz mit etwas Pflanzenöl ab. Dann klebt der Teig nicht und du ziehst sauber durch, in einer Bewegung. Gerade bei kalten Teiglingen direkt aus dem Kühlschrank merkst du den Unterschied.

Schritt 8: Auskühlen

Nimm die Brötchen aus dem Ofen und setz sie direkt aufs Gitter. Lass sie nicht auf dem Blech liegen, dort sammelt sich Kondenswasser und die Unterseite wird weich.

Jetzt heißt es fünfzehn Minuten warten, auch wenn es schwerfällt. Die Krume braucht die Restwärme, um sich zu festigen. Schneidest du zu früh an, ist sie innen klitschig und zieht Fäden. Nach der Wartezeit knackt die Kruste beim Aufreißen, und die Krume ist locker und leicht elastisch.

Damit du siehst, wie sich die beiden Wege über den Tag verteilen, hier die Zeitpläne nebeneinander, beide mit dem Ziel Sonntag früh:

Schritt⚡ Für Kurzentschlossene (1,5 g)️ Für Vorausplaner (0,3 g)
Poolish ansetzenSa 14:00Sa 11:00
Hauptteig knetenSa 19:00Sa 20:00
Stockgare + FormenSa 19:10–20:00Sa 20:10–21:00
Kühlschrank (10 Std.)Sa 20:00 – So 06:00Sa 21:00 – So 07:00
Ofen vorheizenSo 06:00So 07:00
BackenSo 06:30–06:55So 07:30–07:55
FertigSo 07:00So 08:00

Vier Varianten, die ich selbst regelmäßig backe

Dinkel statt Weizen

Magst du lieber Dinkel, tausch die 300 g Weizenmehl Type 550 im Hauptteig gegen 300 g Dinkelmehl Type 630. Die 50 g Vollkornmehl dürfen Dinkel-Vollkorn sein, müssen aber nicht. Dinkel bindet weniger Wasser als Weizen. Reduzier das Schüttwasser deshalb von 175 g auf 150 g und tast dich langsam heran. Den Poolish selbst lasse ich bewusst bei Weizenmehl Type 550, weil sich das Klebergerüst dort stabiler aufbaut. Den Dinkel-Hauptteig knete ich nur 6 Minuten statt 8 bis 10. Wird es länger, klebt er und verliert die Form, das ist mir einmal passiert, seitdem stoppe ich rechtzeitig. Geschmacklich wird das Brötchen nussiger, die Krume etwas dichter und leicht gelblich.

Roggen-Mischung

Tausch 100 g vom Weizenmehl Type 550 im Hauptteig gegen 100 g Roggenmehl Type 1150. 30 % Roggen im Hauptmehl bringen ein spürbares Aroma, ohne dass die Brötchen kompakt werden. Roggen zieht mehr Wasser, also erhöh das Schüttwasser von 175 g auf 190 g. Die Stockgare darf 10 Minuten kürzer ausfallen, Roggen ist schneller so weit. Beim Backen gibst du den Brötchen 2 bis 3 Minuten mehr Zeit, die dunklere Mischung braucht länger bis zur goldenen Kruste. Das Ergebnis wird kräftiger und tiefer, und die Brötchen halten einen Tag länger frisch.

Robert sagt

„Endlich ein Schuss Roggen. 30 % sind zwar nicht viel, aber immerhin eine Richtung. Wenn du irgendwann richtiges Roggenbrot willst, mit Tiefe und Säure, weißt du ja, wer im Kühlschrank wartet.“

Mit Körnern und Saaten

Für mehr Biss knetest du 50 bis 70 g Körner in den Hauptteig. Bei mir sind das meistens Sonnenblumenkerne, Leinsamen und Sesam zu gleichen Teilen. Röste die Körner vorher in einer trockenen Pfanne an, 3 bis 4 Minuten, bis sie duften, und lass sie abkühlen. Lass diesen Schritt nicht weg. Ich hab die Körner einmal ungeröstet untergeknetet, und der Unterschied im Aroma war groß. Die abgekühlten Körner knetest du erst in den letzten Minuten unter, damit sich das Glutennetz vorher in Ruhe aufbauen kann. Körner saugen Flüssigkeit, gib deshalb 20 bis 30 g mehr Schüttwasser dazu.

Mit Topping aus Sesam, Mohn oder Haferflocken

Besprüh die Teiglinge vor dem Einschneiden kurz mit Wasser oder streich sie mit dem Backpinsel ein. Stell eine flache Schale mit Sesam, Mohn oder groben Haferflocken daneben, drück den Teigling mit der feuchten Seite kurz hinein, dreh ihn um und setz ihn aufs Backpapier. Sesam wird beim Backen nussig, Mohn bringt einen leichten Biss, Haferflocken werden außen richtig knusprig. Ich mache meist nur die Hälfte der Teiglinge mit Topping, dann hat am Frühstückstisch jeder die Wahl. Bei Sesam dreh ich nach dem Dampfablassen auf 220 statt 230 °C herunter, sonst wird er dunkel und leicht bitter. Sonst ändert sich an der Backzeit nichts.

Mein Tipp

Meine Lieblingsvariante ist die Körner-Version mit Sonnenblumenkernen und Sesam, zusammen mit der langen Führung Für Vorausplaner. Der lange Poolish gibt den Brötchen eine tiefe, fast butterige Note, die von den gerösteten Kernen noch verstärkt wird. Am Sonntagmorgen muss ich nur aufstehen, den Ofen anwerfen und die Teiglinge hineinschieben. So starte ich am liebsten ins Wochenende.

Das Zubehör, das ich für die Sonntagsbrötchen benutze

Dänischer Teigbesen zum Verrühren von Brotteig
Dänischer Teigbesen*
Zum Anrühren vom Poolish mein liebstes Werkzeug. Damit hast du Mehl und Wasser in Sekunden zu einem glatten Brei verrührt.
Bäckerleinen für die Stückgare
Bäckerleinen*
Darin liegen längliche Teiglinge und Baguettes bei der Gare. Das Leinen hält die Form, damit der Teig nicht breitläuft.
Teigkarte aus Edelstahl zum Portionieren
Teigkarte aus Edelstahl*
Die feste Karte nehm ich zum Abstechen und Portionieren. Damit teil ich den Teig sauber, ohne ihn zu quetschen.

Hier kannst du meine komplette Backausrüstung anschauen.

* Affiliate-Link: Kaufst du darüber, bekomme ich eine kleine Provision, für dich bleibt der Preis gleich.

Wenn deine Sonntagsbrötchen nicht so werden wie geplant

❌ Dein Poolish riecht scharf oder essigsauer

Dann ist er über den Hochpunkt hinaus, entweder stand er zu lange oder er hat zu warm gereift. Der Trieb hat nachgelassen, und Essigsäurebakterien haben übernommen. Verarbeiten kannst du ihn trotzdem noch, aber die Brötchen gehen weniger auf und schmecken flacher. Bei mir passiert das am ehesten im Sommer. Hat deine Küche dauerhaft über 24 °C, halbier die Hefemenge in deiner Variante oder stell den Poolish in den kühlsten Raum der Wohnung. Und plane lieber zu kurz als zu lang: Vier Stunden zu wenig Reife sind allemal besser als vier Stunden zu viel.

❌ Dein Poolish ist nach der geplanten Zeit noch flach

Dann ist meistens eins von beidem schuld: Deine Küche ist kühler, als du denkst, viele liegen eher bei 18 als bei 21 °C, oder deine Hefe ist schon älter. Gib dem Poolish 1 bis 2 Stunden mehr und schau alle 30 Minuten nach den Reifezeichen. Fürs nächste Mal leg ein einfaches Thermometer in die Küche und erhöh bei 18 °C die Hefemenge um rund ein Viertel. Und schau aufs Datum deiner Frischhefe. Nach vier Wochen im Kühlschrank verliert sie merklich an Kraft, und wenn sie bröckelt statt sauber zu brechen und bräunliche Ränder hat, ist sie hin.

❌ Die Brötchen sind nach der Übernacht-Gare flach geblieben

Meistens ist der Kühlschrank zu kalt. Unter 4 °C arbeitet die Hefe kaum noch. Stell einen Teller Wasser hinein und miss nach zwei Stunden mit dem Thermometer nach. Genauso gut kann die Hefe schon schwach gewesen sein, dann hatten die 3 g im Hauptteig nicht genug Kraft für zehn Stunden Kälte. Wenn es schnell gehen muss, hol die Teiglinge vor dem Backen raus und lass sie 30 bis 60 Minuten bei Raumtemperatur stehen. Oft ziehen sie dann noch nach. Sobald sie sichtbar aufgegangen sind, schneidest du ein und backst normal.

❌ Die Kruste wird nicht knusprig

Daran sind fast immer zwei Dinge schuld: zu wenig Dampf und eine zu niedrige Anfangstemperatur. Ohne Schwaden in den ersten 10 Minuten trocknet die Oberfläche zu schnell aus, und du bekommst eine blasse, lederige Haut statt einer dünnen, knackigen Kruste. Gieß deshalb 50 bis 100 ml kochendes Wasser in eine heiße Metallschale am Ofenboden, nicht ins Backblech selbst. Und lass den Dampf nach 10 Minuten ab, Tür kurz auf, ein paar Sekunden genügen. Bleibt er drin, wird die Kruste zäh. Prüf außerdem, ob wirklich Ober-/Unterhitze eingestellt ist und nicht Umluft, denn Umluft trocknet die Brötchen aus, bevor sie richtig aufgehen.

❌ Die Brötchen platzen beim Einschneiden wild auf

Meistens kommt beides zusammen: eine stumpfe Klinge und ein zu kalter Teigling. Eine scharfe Bäckerklinge oder ein Rasiermesser zieht sauber durch, ein Küchenmesser drückt den Teig eher, als dass es schneidet. Nimm also eine frische Klinge oder schleif dein bestes Messer vor dem Backen nach. Und lass die Teiglinge kurz aus der Kälte kommen: Direkt aus dem Kühlschrank sind sie rund 5 °C kalt und die Oberfläche ist spröde. Fünf bis zehn Minuten auf der Arbeitsplatte reichen, dann öffnet sich der Schnitt im Ofen kontrolliert, statt wild aufzureißen.

Hydration und Co., für alle, die es genau wissen wollen

Info

Fürs Backen brauchst du die folgende Tabelle nicht. Sie hilft nur, wenn du das Rezept anpassen oder mit anderen Rezepten vergleichen willst.

Gesamtmehl500 g
Gesamtwasser325 g
Hydration65 %
Teigausbeute (TA)165
Poolish-Anteil30 % vom Mehl

Wie fühlt sich der Teig an?

Mit 65 % Hydration ist der Teig kompakt, aber geschmeidig. Er klebt leicht an den Fingern, lässt sich aber sauber aus der Schüssel lösen und rund formen. Wirkt dein Teig deutlich weicher, liegt das meist am Mehl, denn verschiedene Type-550-Mehle binden unterschiedlich viel Wasser. Gib dann 10 bis 20 g Mehl dazu und knete eine Minute länger, dann passt es.

Noch Fragen zu deinen Sonntagsbrötchen mit Poolish? — FAQ

Kann ich Sonntagsbrötchen auch mit Trockenhefe backen?

Ja. Frischhefe und Trockenhefe rechnest du im Verhältnis 3:1 um, aus 3 g Frischhefe im Hauptteig werden also rund 1 g Trockenhefe. Für den Poolish wird es knifflig, weil du 0,3 g Trockenhefe kaum genau abwiegen kannst. Bei so kleinen Mengen bleibe ich bei Frischhefe und nutze die Hefewasser-Methode aus Schritt 1.

Kann ich den Teig länger als eine Nacht im Kühlschrank lassen?

Bis 18 Stunden geht das gut. Nach 14 Stunden schmeckst du den Unterschied im Aroma kaum noch, und ab 20 Stunden kippt der Teig in die Übergare. Dann sacken die Brötchen beim Einschneiden zusammen und schmecken flach. Wenn du bewusst länger führen willst, nimm im Hauptteig nur 2 statt 3 g Hefe und rechne mit höchstens 18 Stunden.

Kann ich den Poolish oder die geformten Teiglinge einfrieren?

Den Poolish besser nicht, die Hefe übersteht das Einfrieren nur teilweise, und auf die Triebkraft nach dem Auftauen kannst du dich nicht verlassen. Geformte Teiglinge funktionieren dagegen: einzeln auf einem Blech vorfrieren, dann in einen Beutel geben. Über Nacht im Kühlschrank auftauen und wie im Rezept weitermachen.

Warum Olivenöl, geht auch Butter oder neutrales Öl?

Olivenöl gibt den Brötchen eine leicht fruchtige Note, die gut zum Mehlaroma passt. Neutrales Öl wie Raps oder Sonnenblume funktioniert genauso, nur ohne den mediterranen Akzent. Butter geht auch: Nimm 30 g geschmolzene Butter statt Öl, dann werden die Brötchen etwas weicher und bräunen schneller. Dreh dafür im letzten Drittel der Backzeit von 230 auf 220 °C herunter.

Wie halbiere ich das Rezept für vier bis fünf Brötchen?

Teil alle Zutaten durch zwei: 75 g Mehl und 75 g Wasser für den Poolish, 150 g Type 550 plus 25 g Vollkorn im Hauptteig, 5 g Salz, 1,5 g Frischhefe im Hauptteig, 15 g Olivenöl. Die Hefemengen im Poolish werden winzig (0,75 g bzw. 0,15 g), da lohnt sich die Hefewasser-Methode umso mehr. Kleine Teige werden in der Maschine schnell warm, also knete lieber von Hand oder nur kurz.

Was mache ich, wenn ich keine Knetmaschine habe?

Von Hand geht es genauso gut, dauert nur etwas länger, 12 bis 15 Minuten statt 8 bis 10 in der Maschine. Am Anfang hast du einen klebrigen Klumpen, der noch nicht nach Teig aussieht. Gib nicht auf und knete kein zusätzliches Mehl ein. Nach ein paar Minuten Dehnen und Falten kommt die Geschmeidigkeit von selbst. Das Olivenöl knetest du auch hier erst in den letzten 5 Minuten unter.

Wie bewahre ich die Brötchen am besten auf?

In einem Stoffbeutel oder Brotkasten halten sie 2 bis 3 Tage. Am ersten Tag sind sie am knusprigsten, danach werden sie weicher, schmecken aber weiter gut. Zum Aufbacken kommen sie 3 bis 5 Minuten bei 180 °C in den Ofen, dann ist die Kruste fast wie frisch. Zum Einfrieren lässt du sie ganz auskühlen und frierst sie einzeln ein, morgens legst du sie in den kalten Ofen und lässt sie bei 180 °C mit auftauen, nach 12 bis 15 Minuten sind sie fertig.

Dein Backzeiten-Rechner

Gestapelte Sonntagsbrötchen mit goldbrauner Kruste, aufgeschnittene Hälften zeigen perfekte luftige Porung

Sonntagsbrötchen über Nacht – Rezept mit Poolish

Vorbereitung 40 Minuten
Backzeit 25 Minuten
Reifezeit (Poolish + Übernacht-Gare) 19 Stunden 55 Minuten
Gesamtzeit 21 Stunden
Sonntagsbrötchen mit Poolish-Vorteig und Übernacht-Gare. Samstags vorbereiten, sonntags frisch backen. Zwei Varianten, je nachdem wann du loslegst: Für Kurzentschlossene oder Für Vorausplaner.
8 Brötchen
brötchen, Frühstück, Kleingebäck

Zutaten

Poolish
  • 150 g Weizenmehl Type 550
  • 150 g Wasser zimmerwarm, ca. 20 °C
  • 1,5 / 0,3 g Frischhefe 1,5 g Für Kurzentschlossene, 0,3 g Für Vorausplaner
Hauptteig
  • ca. 300 g reifer Poolish (gesamt)
  • 175 g Wasser kalt, aus dem Kühlschrank
  • 300 g Weizenmehl Type 550
  • 50 g Weizen-Vollkornmehl
  • 10 g Salz
  • 3 g Frischhefe
  • 30 g Olivenöl

Kochutensilien

Hinter diesen Artikeln steckt ein Affiliate-Link. Kaufst du darüber ein, bekomme ich eine kleine Provision, für dich bleibt der Preis gleich. So kannst du bine backt! ganz nebenbei unterstützen.

Zubereitung

Für Vorausplaner (Empfehlung)
  • 0,3 g Frischhefe über die Hefewasser-Methode abwiegen (1 g Hefe in 10 g Wasser lösen, davon 3 g nehmen) und in 150 g zimmerwarmem Wasser auflösen. 150 g Weizenmehl Type 550 einrühren, bis ein glatter Brei entsteht. Abgedeckt bei 20 bis 21 °C reifen.
  • Poolish 8 bis 10 Stunden reifen lassen, bis die Oberfläche großblasig ist, sich wölbt und in der Mitte eine leichte Delle entsteht.
  • Den ganzen reifen Poolish (ca. 300 g) mit 175 g kaltem Wasser, 300 g Weizenmehl Type 550, 50 g Weizen-Vollkornmehl, 10 g Salz und 3 g Frischhefe in die Knetmaschine geben. 2 bis 3 Minuten auf niedriger Stufe mischen.
  • Hochschalten und 30 g Olivenöl in einem dünnen Strahl zulaufen lassen. Insgesamt 8 bis 10 Minuten kneten, bis der Teig sich glatt vom Schüsselrand löst und den Fenstertest besteht.
  • Teig zu einer Kugel formen, in eine leicht geölte Schüssel legen, abdecken. 30 Minuten Stockgare bei Raumtemperatur.
  • Teig auf leicht bemehlte Fläche stürzen, in 8 bis 9 Stücke zu je ca. 100 g teilen. Auf unbemehlter Fläche rund schleifen, dann leicht länglich rollen. Mit der Naht nach oben aufs Bäckerleinen legen.
  • Teiglinge abgedeckt rund 10 Stunden bei 5 bis 6 °C in den Kühlschrank stellen (Übernacht-Gare).
  • Backstahl oder Backblech und eine leere hitzefeste Schale auf 250 °C Ober-/Unterhitze stellen und mindestens 30 Minuten vorheizen.
  • Teiglinge mit der Naht nach unten auf Backpapier setzen und längs im 45-Grad-Winkel einschneiden.
  • Aufs heiße Blech ziehen, sofort 50 bis 100 ml kochendes Wasser in die heiße Schale gießen, Ofentür schließen, Temperatur auf 230 °C reduzieren. Nach 10 Minuten Dampf ablassen, insgesamt 20 bis 25 Minuten goldbraun backen.
  • Auf einem Gitter mindestens 15 Minuten auskühlen lassen.
Für Kurzentschlossene
  • 1,5 g Frischhefe direkt abwiegen und in 150 g zimmerwarmem Wasser auflösen. 150 g Weizenmehl Type 550 einrühren, bis ein glatter Brei entsteht. Abgedeckt bei 20 bis 21 °C reifen.
  • Poolish 4 bis 6 Stunden reifen lassen, bis die Oberfläche großblasig ist, sich wölbt und in der Mitte eine leichte Delle entsteht.
  • Den ganzen reifen Poolish (ca. 300 g) mit 175 g kaltem Wasser, 300 g Weizenmehl Type 550, 50 g Weizen-Vollkornmehl, 10 g Salz und 3 g Frischhefe in die Knetmaschine geben. 2 bis 3 Minuten auf niedriger Stufe mischen.
  • Hochschalten und 30 g Olivenöl in einem dünnen Strahl zulaufen lassen. Insgesamt 8 bis 10 Minuten kneten, bis der Teig sich glatt vom Schüsselrand löst und den Fenstertest besteht.
  • Teig zu einer Kugel formen, in eine leicht geölte Schüssel legen, abdecken. 30 Minuten Stockgare bei Raumtemperatur.
  • Teig auf leicht bemehlte Fläche stürzen, in 8 bis 9 Stücke zu je ca. 100 g teilen. Auf unbemehlter Fläche rund schleifen, dann leicht länglich rollen. Mit der Naht nach oben aufs Bäckerleinen legen.
  • Teiglinge abgedeckt rund 10 Stunden bei 5 bis 6 °C in den Kühlschrank stellen (Übernacht-Gare).
  • Backstahl oder Backblech und eine leere hitzefeste Schale auf 250 °C Ober-/Unterhitze stellen und mindestens 30 Minuten vorheizen.
  • Teiglinge mit der Naht nach unten auf Backpapier setzen und längs im 45-Grad-Winkel einschneiden.
  • Aufs heiße Blech ziehen, sofort 50 bis 100 ml kochendes Wasser in die heiße Schale gießen, Ofentür schließen, Temperatur auf 230 °C reduzieren. Nach 10 Minuten Dampf ablassen, insgesamt 20 bis 25 Minuten goldbraun backen.
  • Auf einem Gitter mindestens 15 Minuten auskühlen lassen.

Notizen

Zur Wassermenge: Nicht jedes Type-550-Mehl bindet gleich viel Wasser. Wenn du am Anfang stehst, halte 10 bis 20 g Schüttwasser zurück und gib sie erst dazu, wenn der Teig zu fest wirkt. Ein etwas festerer Teig lässt sich leichter formen.
Zum Backen: Wenn nichts anderes dabeisteht, backe mit Ober- und Unterhitze. Umluft trocknet die Brötchen leichter aus.

Hast du das Rezept schon ausprobiert?

Ich freu mich über einen Kommentar von dir.
Diesen Beitrag teilen WhatsApp E-Mail
Zwei Scheiben Sauerteigbrot mit Butter auf einem Teller, daneben eine Tasse Kaffee, eine Leinenserviette und Weizenähren am Fenster

Aus meiner Backstube

Brot & Buttermein Newsletter

Hier teile ich persönlich mit dir, was ich sonst nirgends erzähle: Roberts Launen, meine Küchen-Pannen und Backtipps, die ich gerade teste.

Kein Rezept-Spam. 1-2x im Monat.

Du bekommst eine kurze Bestätigungsmail (Double-Opt-in). Kein Spam, jederzeit abbestellbar.

Bine, Hobbybäckerin und Brotback-Mentorin

Über die Autorin

Hallo, ich bin Bine

Bei mir lernst du Brotbacken so, dass du es wirklich verstehst – mit Blick fürs Warum hinter dem Wie. Seit Jahren backe ich in meiner eigenen Küche, teste Rezepte und halte fest, was sich bewährt.

Hast du’s nachgebacken?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Rezept Bewertung