Kategorie: Rezepte

Hier findest du alle Brotrezepte von Bine backt – sortiert nach Technik, Mehltyp und Schwierigkeitsgrad. Egal ob du gerade erst anfängst oder schon länger backst: Jedes Rezept ist für normale Küchen geschrieben, ohne teure Ausrüstung und ohne komplizierte Spezialzutaten.

Die Rezepte sind in drei Schwierigkeitsgrade eingeteilt: Anfänger-Brote gelingen auch ohne Backerfahrung, fortgeschrittene Rezepte arbeiten mit Vorteigen und längeren Gärzeiten, Profi-Rezepte fordern Zeit und Präzision. Du kannst nach Technik filtern (Sauerteig, Hefe oder beides), nach Mehltyp (Weizen, Roggen, Dinkel) oder einfach durchstöbern, bis etwas passt.

Alle Rezepte kommen mit detaillierten Schritt-für-Schritt-Anleitungen, Bildern und ehrlichen Hinweisen zu typischen Stolpersteinen. Keine geschönten Instagram-Versionen, sondern Brote, die in echten Küchen funktionieren – mit normalen Backöfen, normalen Zeitplänen und normalen Fehlern.

Falls du neu bist: Starte mit den Anfänger-Rezepten. Die sind dafür gemacht, dass sie gelingen, auch wenn noch nicht alles perfekt läuft.

  • Böblinger Bauernlaib – Dinkel-Roggen-Brot mit Sauerteig

    Böblinger Bauernlaib – Dinkel-Roggen-Brot mit Sauerteig

    Zwischen Sindelfingen und Böblingen herrscht seit fast 750 Jahren dicke Luft. Angefangen hat das 1274: Sindelfingen bekam die Stadtrechte, und den Böblingern passte das gar nicht. Sie sahen ihre Vormachtstellung bedroht und zogen kurzerhand gegen die junge Nachbarstadt zu Felde, noch bevor die neue Stadtmauer überhaupt fertig war. Später ging es dann ums Handfeste, um den Wald am Goldberg, ums Brennholz und ums Weiderecht fürs Vieh. Heute ist eine sportliche Frotzelei daraus geworden. Ich wohne in Sindelfingen und taufe dieses Brot trotzdem ausgerechnet Böblinger Bauernlaib … ich nenn es mein augenzwinkerndes Friedensangebot, ein Dinkel-Roggen-Brot mit Sauerteig, das beide Lager satt macht.

    Das Brot ist ein Mischbrot aus Dinkelmehl 630 und Roggenmehl 1150. Als Triebmittel verwenden wir einen Roggenstarter-Vorteig. Keine Hefe, kein Kneten. Der Teig wird nur zusammengerührt, ein paarmal gefaltet und im gusseisernen Topf gebacken … ganz ohne Einschneiden: Die dicke Roggenmehl-Schicht auf der Oberfläche reißt beim Backen von ganz allein rustikal auf, heller Grund mit dunklen Rissen.

    Geschmacklich bekommst du den nussigen Dinkel und den erdigen Roggen, dazu eine milde Sauerteignote. Die Krume ist fein und gleichmäßig, saftig durch den Roggen, und die Kruste kommt splittrig und kräftig aus dem Topf. Ein bodenständiges Vesperbrot, kein luftiges Weizenporen-Brot.

    Vom Ablauf her ist es entspannt: Vorteig ansetzen, alles verrühren, viermal falten, über Nacht kalt stellen und am nächsten Tag direkt aus der Kälte in den heißen Topf. Aktiv stehst du keine 40 Minuten in der Küche, den Rest macht die Zeit.

    Robert sagt

    „Hefe? Lass mal stecken. Den Trieb mach ich hier allein, dafür bin ich seit 2019 im Geschäft. Ich hab’s nur nicht eilig, das ist der ganze Unterschied.

    Gib mir die kühle Nacht im Kühlschrank, dann reißt die Mehlkruste morgens von ganz allein rustikal auf, ohne dass du das Messer anfassen musst.“

    Dinkel-Roggen-Brot mit Sauerteig neben Gärkorb und Roggenstarter im Glas
    Der Böblinger Bauernlaib mit Robert, meinem Roggenstarter.

    Backzeiten-Rechner

    Wann muss ich anfangen?

    Dein Backplan richtet sich nach deinem Tag, nicht umgekehrt. Sag dem Backzeiten-Rechner, wann du fertig sein möchtest, und er rechnet dir jeden Schritt bis zum Start zurück.

    Zum Rechner springen ↓

    Was kommt in den Böblinger Bauernlaib?

    Für 1 Laib, ca. 900 g Teig, gebacken etwa 800 g.

    Zutaten für den Vorteig (Roggensauerteig)
    Roggen-Anstellgut20 g
    Roggenmehl Type 1150100 g
    Wasser, warm (ca. 30 °C)100 g
    Zutaten für den Hauptteig
    Reifer Vorteig, komplett220 g
    Dinkelmehl Type 630300 g
    Roggenmehl Type 1150100 g
    Wasser200 g + bis zu 30 g Reserve
    Orangensaft, zimmerwarm40 g
    Salz10 g

    Das Verhältnis im Vorteig ist 1:5:5 (ASG:Mehl:Wasser). Mein Robert braucht damit etwa 8 bis 10 Stunden, bis er reif ist.

    Zwei Zeitpläne für deinen Tag

    Es ist derselbe Teig, du entscheidest nur über die Temperatur, wann er in den Ofen kommt. Warm am selben Tag oder kalt über Nacht. Das 1:5:5 im Vorteig bleibt bei beiden Varianten gleich.

    Schnell

    Ablauf

    Alles an einem Tag bei Raumtemperatur. Vorteig über Nacht oder früh am Morgen, dann durchgängig warme Gare bis zum Backen am Abend.

    Gesamtzeit

    Vorteig 8–10 h, danach ca. 7 h vom Mischen bis zum Ofen.

    Charakter

    Milder und unkomplizierter, feine gleichmäßige Krume, dezente Säure. Behalt den Teig bei warmer Küche gut im Blick.

    Empfehlung

    Lang

    Ablauf

    Vorteig und Hauptteig an Tag 1, nur kurze Stockgare, dann geformt über Nacht in den Kühlschrank. An Tag 2 direkt aus der Kälte in den Topf.

    Gesamtzeit

    Über zwei Tage: Tag 1 Vorteig 8–10 h plus ca. 3 h Handling, dann 12–18 h Kühlschrank, am Backtag rund 1 h mit Vorheizen.

    Charakter

    Aromatischer, feine Säurenote, saftige Krume. Der kalte Teig hält die Form besser und reißt sauberer auf. Verzeiht auch mal eine zu lange Gare.

    Bei warmer Küche früher backen

    Bei wärmerer Küche im Sommer geht der Teig schneller, als du denkst. Verkürze dann die Stockgare eher, als sie auszureizen, und verlass dich auf den Fingertest, nicht auf die Uhr.

    So backst du den Böblinger Bauernlaib

    Robert wecken – der Vorteig

    Rühr am Vorabend oder morgens 20 g von deinem Roggen-Anstellgut mit 100 g Roggenmehl 1150 und 100 g warmem Wasser klümpchenfrei zusammen. Deck die Schüssel ab und lass den Vorteig bei Raumtemperatur 8 bis 10 Stunden reifen. Reif ist er, wenn er deutlich aufgegangen ist, sich die Oberfläche wölbt und in der Mitte gerade anfängt einzusinken. Er riecht dann mild-säuerlich, nicht stechend. Den Reifegrad liest du an Robert ab, nicht am Wecker.

    Alles zusammenrühren – kein Kneten

    Gib den reifen Vorteig, das Dinkelmehl 630, das Roggenmehl 1150, 200 g Wasser und den Orangensaft in eine große Schüssel. Verrühr alles grob mit einer Teigkarte oder einem stabilen Löffel, bis kein trockenes Mehl mehr zu sehen ist. Erst dann das Salz dazu und einarbeiten. Wenn der Teig noch trockene Stellen hat, gib von den 30 g Reservewasser schluckweise nach. Bei Roggen 1150 und Dinkel 630 geht die volle Reserve bei mir meistens komplett rein.

    Der Orangensaft steht hier übrigens nicht wegen des Geschmacks drin, sondern wegen des Vitamin C. Das wirkt oxidativ auf den Kleber und macht den weichen Dinkel etwas standfester, damit er weniger breitläuft. Rausschmecken wirst du ihn nicht.

    Nasse Hände statt Mehl

    Der Teig ist von Natur aus ordentlich klebrig, das ist beim hohen Roggenanteil völlig normal und kein Fehler. Mach dir Hände und Teigkarte nass statt bemehlt, dann klebt weniger an dir als am Teig.

    Dehnen und Falten statt Kneten

    In der ersten Stunde faltest du den Teig drei- bis viermal, im Abstand von 20 bis 30 Minuten. Feuchte Hand, den Teig an einer Seite hochziehen, bis er Widerstand gibt, und über die Mitte legen. Schüssel drehen, von der nächsten Seite wiederholen. Das ersetzt das Kneten und baut Spannung auf. Der Roggen bildet kaum Kleber, die Struktur trägt hier allein der Dinkel, deshalb geh sanft vor. Hör auf, sobald sich der Teig deutlich gebläht anfühlt.

    Stockgare – nicht bis zum Anschlag

    Jetzt darf der Teig ruhen. Bei der Schnell-Variante bei Raumtemperatur, bei der langen Variante nur kurz, bis er etwa um die Hälfte zugelegt hat. Zieh die Stockgare bewusst nicht bis zum Maximum aus. Übergare lässt den weichen Dinkelteig später breitlaufen, statt schön aufzugehen.

    Formen – rund und mit Spannung

    Kipp den Teig auf die leicht bemehlte Arbeitsfläche und wirk ihn behutsam rund. Zieh die Unterseite unter leichter Spannung zusammen, ohne den Teig zu entgasen. Den Schluss lässt du locker, nicht festdrücken. Leg den Laib mit dem Schluss nach unten in einen gut bemehlten Gärkorb. Nach dem Stürzen liegt die Naht dann oben und wird zur Stelle, an der die Kruste später aufreißt.

    Stückgare – jung in den Ofen

    Für die lange Variante kommt der geformte Laib jetzt über Nacht in den Kühlschrank, 12 bis 18 Stunden. Bei der Schnell-Variante reicht eine kurze Stückgare bei Raumtemperatur. Verarbeite den Laib bewusst eher jung, wenn er etwa 40 bis 50 Prozent zugelegt hat und noch nicht prall ist. Das gibt dir das schönste Aufreißen. Heiz rechtzeitig den Ofen samt Topf 45 Minuten auf 250 °C vor.

    Backen im Topf – ohne Einschneiden, ohne Schwaden

    Stürz den Laib auf ein Stück Backpapier, Naht nach oben, und bestäub die Oberseite großzügig mit Roggenmehl. Nicht einschneiden. Heb ihn mitsamt Papier in den heißen Topf und setz den Deckel drauf. 25 Minuten bei 250 °C mit geschlossenem Deckel. Dann Deckel ab, runter auf 200 °C und noch etwa 20 Minuten fertigbacken. Schwaden brauchst du nicht, der geschlossene Topf hält die Feuchtigkeit von selbst. Fertig ist der Laib bei 96 bis 98 °C Kerntemperatur.

    Auskühlen – die schwerste Übung

    Lass das Brot auf einem Gitter vollständig auskühlen, bevor du es anschneidest. Ich weiß, das fällt schwer. Aber der Roggenanteil braucht die Zeit, um sich zu setzen. Schneidest du zu früh, ist die Krume innen noch klitschig und klebt am Messer.

    Angeschnittenes Dinkel-Roggen-Brot mit Sauerteig mit offener, saftiger Krume
    Die Krume bleibt mild und saftig.

    Warum der Böblinger Bauernlaib rustikal aufreißt und saftig bleibt

    Fürs Nachbacken brauchst du diesen Teil nicht, den Ablauf hast du oben. Aber wenn du verstehen willst, warum das Brot so wird, wie es aus dem Topf kommt, lohnt sich der kurze Blick dahinter.

    Warum es ohne Messer von selbst aufreißt

    Bemehlte, rustikal aufgerissene Kruste vom Dinkel-Roggen-Brot mit Sauerteig

    Der Laib geht jung in den sehr heißen Topf, und genau dieser Temperatursprung treibt ihn schlagartig nach oben. Diesen Schub nennt man Ofentrieb. Die dicke, trockene Roggenmehl-Schicht auf der Oberseite kann da nicht mitgehen, sie ist unelastisch und reißt an der schwächsten Stelle auf, genau dort, wo vorher die Naht lag. Der geschlossene Topf hält dabei die Feuchtigkeit des Teigs wie eine kleine Dampfkammer fest, deshalb bleibt die Kruste lange geschmeidig genug, um sich zu dehnen, bevor sie fest wird. Ein Einschnitt wäre hier nur Kosmetik, das Brot findet seinen Riss von allein.

    Warum Dinkel und Roggen zusammen mild und saftig werden

    Nahaufnahme der saftigen Krume vom Dinkel-Roggen-Brot mit Sauerteig

    Den größeren Teil macht der Dinkel aus, und er gibt dem Brot die Struktur, den nussigen Ton und die feine Krume. Roggen bildet dagegen fast keinen Kleber, dafür stecken in ihm Schleimstoffe, die viel Wasser binden und nur langsam wieder abgeben. Genau dieser kleinere Roggenanteil macht die Krume saftig und das Aroma erdig, ohne das Brot schwer oder streng werden zu lassen. Deshalb schmeckt der Laib runder und milder als ein reines Roggenbrot und ist trotzdem alles andere als trocken.

    Warum er tagelang frisch bleibt

    Die wasserbindenden Stoffe im Roggen halten die Feuchtigkeit in der Krume fest, auch noch Tage nach dem Backen. Ein reines Weizenbrot ist oft schon am nächsten Tag altbacken, dieser Laib bleibt vier bis fünf Tage saftig. Die milde Säure aus dem Sauerteig hilft zusätzlich, weil sie das Brot länger vor dem Austrocknen und vor Schimmel schützt. Am schönsten hält er sich in ein Geschirrtuch gewickelt oder im Brotkasten, in Scheiben lässt er sich auch gut einfrieren.

    Das Zubehör, das ich für den Böblinger Bauernlaib benutze

    Rundes Gärkörbchen für den Böblinger Bauernlaib
    Runder Gärkorb*
    Gibt dem weichen Teig über Nacht Halt und die schöne Rundung.
    Gusseiserner Brotbacktopf für den Böblinger Bauernlaib
    Gusseiserner Topf*
    Speichert die Hitze und ersetzt den Schwaden. Der Kern dieses Rezepts.
    Runde Backmatte für den gusseisernen Topf
    Backmatte*
    Damit hebst du den weichen Teig sicher in den heißen Topf.

    Hier kannst du meine komplette Backausrüstung anschauen.

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    Böblinger-Bauernlaib-Variationen, die sich lohnen

    Mit hellerer oder dunklerer Roggentype

    Statt Roggen 1150 kannst du auch 997 nehmen, dann wird das Brot etwas heller und milder, und der Teig schluckt ein bisschen weniger Wasser. Nimm in dem Fall zunächst nur 200 g Hauptteigwasser und taste dich mit der Reserve vorsichtiger heran. Mit Roggenvollkorn geht es andersherum: kräftiger im Geschmack, dunkler, und der Teig braucht die volle Reserve und meist noch einen Schluck mehr.

    Ohne Orangensaft

    Wenn du keinen Orangensaft im Haus hast, lass ihn weg und ersetz die 40 g durch Wasser. Der Laib gelingt trotzdem. Nur ist der Dinkel dann eine Spur weicher und läuft leichter breit, also geh mit der Reserve etwas sparsamer um und backe das Brot eher mit knapper Gare.

    Als Kastenbrot statt im Topf

    Kein gusseiserner Topf da? Dann füll den Teig nach dem Formen in eine geölte Kastenform und back ihn dort. Statt des geschlossenen Topfs gibst du beim Einschießen einen Schluck Wasser auf den Ofenboden für etwas Schwaden oder benutze eine Dampfschüssel. Die Kruste wird dann weniger rustikal, das Brot aber genauso saftig.

    Mit ein bisschen Sicherheitshefe

    Wenn dein Anstellgut noch jung oder unsicher ist, gib 1 bis 2 g Frischhefe in den Hauptteig. Dann läuft die Gare schneller und zuverlässiger, und die Zeiten verkürzen sich entsprechend. Ein Sauerteigbrot bleibt es trotzdem.

    Meine Lieblingsvariante

    Für mich ist die lange, kalte Gare über Nacht der beste Weg. Sie verzeiht am meisten. Selbst als der Teig mir im Sommer im Kühlschrank mal ein Stück zu weit gegangen ist, war das Brot am Ende trotzdem richtig lecker. Und morgens einfach den kalten Laib in den heißen Topf zu setzen, ist für mich die entspannteste Art, an ein frisches Brot zu kommen.

    Wenn der Böblinger Bauernlaib nicht so wird wie geplant

    ❌ Der Teig läuft beim Stürzen breit, statt die Form zu halten

    Das liegt fast immer am weichen Dinkel in Kombination mit zu viel Wasser oder zu langer Gare. Dinkel 630 verläuft leicht, wenn du es übertreibst. Nimm beim nächsten Mal nur 200 g Hauptteigwasser und gib die Reserve wirklich nur schluckweise nach. Zieh die Stockgare nicht bis zum Anschlag und verarbeite den Laib jung. Die kalte Gare über Nacht hilft zusätzlich, weil der kalte Teig fester ist und die Form besser hält.

    ❌ Die Kruste bleibt blass und die Mehlschicht reißt kaum auf

    Meistens war der Topf nicht heiß genug oder der Laib schon zu reif im Ofen. Heiz den Topf wirklich die vollen 45 Minuten auf 250 °C durch, lauwarmes Gusseisen bringt dir nicht den Ofentrieb, der die Kruste aufreißt. Und setz den Laib eher jung ein, bei etwa 40 bis 50 Prozent Volumenzuwachs. Ein überreifer Teig hat keine Kraft mehr, sauber aufzureißen, egal wie dick du bestäubst.

    ❌ Die Krume ist innen klitschig und klebt am Messer

    Hier gibt es zwei Ursachen. Entweder war das Brot innen noch nicht durch, dann miss beim nächsten Mal die Kerntemperatur, sie soll 96 bis 98 °C erreichen. Oder du hast zu früh angeschnitten. Roggen speichert viel Feuchtigkeit und braucht das vollständige Auskühlen, damit sich die Krume setzt. Schneide den Laib erst an, wenn er komplett kalt ist, auch wenn es schwerfällt.

    ❌ Das Brot schmeckt mir zu sauer

    Dann war dein Vorteig zu lange oder zu warm unterwegs und hat zu viel Säure gebildet. Setz Robert beim nächsten Mal etwas kühler an oder verarbeite ihn eine Spur früher, sobald er sich gewölbt hat und gerade anfängt einzusinken. Auch eine sehr lange warme Stockgare treibt die Säure hoch. Wenn du es milder magst, halt die warmen Phasen kürzer und gib dem Brot die Reifezeit lieber kalt.

    ❌ Der Teig ist über Nacht im Kühlschrank übergegangen

    Das passiert vor allem im Sommer, wenn der Kühlschrank voll ist und nicht richtig runterkühlt. Bei mir ist das auch schon vorgekommen, und das Brot war trotzdem lecker, nur etwas flacher und dichter. Beim nächsten Mal gib den Laib mit kürzerer Stockgare in die Kälte, also jünger, und stell ihn möglichst weit nach hinten oder unten, wo es am kältesten ist. Und wenn er morgens schon sehr weit ist: trotzdem backen, wegwerfen musst du da nichts.

    Hydration und Co., für alle, die es genau wissen wollen

    Die folgenden Zahlen sind etwas für Tüftler. Sie helfen dir, wenn du das Rezept anpassen oder mit anderen vergleichen willst.

    Gesamtmehl (inkl. Mehl aus dem ASG)510 g
    Gesamtwasser (inkl. Orangensaft und ASG)ca. 380 g
    Hydrationca. 75 %
    Teigausbeute (TA)ca. 175

    Wie fühlt sich der Teig an?

    Mit den vollen 230 g Wasser im Hauptteig ist der Teig weich und klebrig, deutlich weicher als ein reiner Dinkelteig. Das ist bei dem Roggenanteil so gewollt und kein Grund, mehr Mehl nachzuschütten. Nach dem Falten wird er glatter und hält in der Schüssel besser zusammen. Fühlt er sich für dich zu sehr wie Schlamm an, starte beim nächsten Mal mit 200 g und gib die Reserve erst später dazu.

    Noch Fragen zum Böblinger Bauernlaib? FAQ

    Kann ich den Orangensaft weglassen?

    Ja. Er steht nur wegen des Vitamin C drin, das den weichen Dinkel etwas standfester macht, nicht wegen des Geschmacks. Ersetz die 40 g dann durch Wasser und geh mit der Reserve sparsamer um, weil der Teig ohne das Vitamin C leichter breitläuft.

    Warum wird das Brot nicht eingeschnitten?

    Weil es hier bewusst von selbst aufreißen soll. Die dicke Roggenmehl-Schicht auf der Oberseite reißt beim Backen rustikal auf, heller Grund mit dunklen Rissen. Ein Einschnitt würde dieses Bild nur stören.

    Geht das Rezept auch ohne gusseisernen Topf?

    Ja. Back den Laib dann in einer geölten Kastenform und gib beim Einschießen einen Schluck Wasser auf den Ofenboden für etwas Schwaden. Die Kruste wird weniger rustikal, das Brot bleibt aber genauso saftig.

    Kann ich zur Sicherheit etwas Hefe dazugeben?

    Kannst du. 1 bis 2 g Frischhefe im Hauptteig geben dir mehr Sicherheit, wenn dein Anstellgut noch jung ist. Dann laufen die Gärzeiten kürzer, und ein Sauerteigbrot bleibt es trotzdem.

    Kann ich Dinkel 630 durch Type 1050 ersetzen?

    Ja. Mit Dinkel 1050 wird das Brot kräftiger und dunkler, und der Teig nimmt etwas mehr Wasser auf. Gib dann von der Reserve ruhig alles dazu und taste dich bei Bedarf noch einen Schluck weiter vor.

    Wie lange hält sich der Laib?

    Durch den Roggenanteil bleibt er etwa 4 bis 5 Tage frisch. Wickel ihn in ein sauberes Geschirrtuch oder leg ihn in einen Brotkasten. Du kannst ihn auch in Scheiben einfrieren und bei Bedarf auftoasten.

    Der Böblinger Bauernlaib zum Ausdrucken

    Rundes Dinkel-Roggen-Brot mit Sauerteig von oben auf einem Holzbrett, bemehlte aufgerissene Kruste

    Böblinger Bauernlaib – Dinkel-Roggen-Brot mit Sauerteig aus dem Topf

    Vorbereitung 30 Minuten
    Backzeit 45 Minuten
    Reife- und Gehzeit 1 day
    Gesamtzeit 1 day 1 Stunde 15 Minuten
    Rustikales Dinkel-Roggen-Brot mit Sauerteig, ohne Kneten im Topf gebacken. Nussig, saftig, mit splittriger Kruste, wahlweise am selben Tag oder über Nacht.
    1 Laib
    Brot mit Sauerteig

    Zutaten

    Vorteig (Roggensauerteig)
    • 20 g Roggen-Anstellgut Robert
    • 100 g Roggenmehl Type 1150
    • 100 g Wasser warm, ca. 30 °C
    Hauptteig
    • 220 g reifer Vorteig komplett
    • 300 g Dinkelmehl Type 630
    • 100 g Roggenmehl Type 1150
    • 200 g Wasser + bis 30 g Reserve
    • 40 g Orangensaft zimmerwarm
    • 10 g Salz

    Kochutensilien

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    Zubereitung

    Lang (über Nacht, Empfehlung)
    • 20 g Anstellgut mit 100 g Roggenmehl 1150 und 100 g warmem Wasser (ca. 30 °C) verrühren. 8–10 Std. bei Raumtemperatur reifen lassen.
    • Reifen Vorteig, 300 g Dinkelmehl 630, 100 g Roggenmehl 1150, 200 g Wasser und 40 g Orangensaft grob verrühren. 10 g Salz zugeben, Reservewasser (bis 30 g) nach Bedarf. Nicht kneten.
    • In der ersten Stunde 3–4× dehnen und falten, im Abstand von 20–30 Min.
    • Kurze Stockgare bei Raumtemperatur, bis der Teig um ca. die Hälfte zugelegt hat.
    • Rundwirken, mit dem Schluss nach unten in den bemehlten Gärkorb legen.
    • Abgedeckt 12–18 Std. in den Kühlschrank.
    • Ofen mit Topf 45 Min. auf 250 °C vorheizen.
    • Laib auf Backpapier stürzen (Naht oben), Oberseite dick mit Roggenmehl bestäuben. Nicht einschneiden.
    • Mit Papier in den heißen Topf, Deckel zu, 25 Min. bei 250 °C.
    • Deckel ab, auf 200 °C reduzieren, ca. 20 Min. fertigbacken. Kerntemperatur 96–98 °C.
    • Auf einem Gitter vollständig auskühlen lassen.
    Schnell (am selben Tag)
    • 20 g Anstellgut mit 100 g Roggenmehl 1150 und 100 g warmem Wasser (ca. 30 °C) verrühren. 8–10 Std. reifen lassen.
    • Reifen Vorteig, 300 g Dinkelmehl 630, 100 g Roggenmehl 1150, 200 g Wasser und 40 g Orangensaft grob verrühren. 10 g Salz zugeben, Reservewasser (bis 30 g) nach Bedarf. Nicht kneten.
    • In der ersten Stunde 3–4× dehnen und falten, im Abstand von 20–30 Min.
    • Stockgare bei Raumtemperatur, bis der Teig sichtbar gebläht ist. Nicht überreifen lassen.
    • Rundwirken, mit dem Schluss nach unten in den bemehlten Gärkorb legen.
    • Kurze Stückgare bei Raumtemperatur, bis der Laib ca. 40–50 % zugelegt hat.
    • Ofen mit Topf 45 Min. auf 250 °C vorheizen.
    • Laib auf Backpapier stürzen (Naht oben), Oberseite dick mit Roggenmehl bestäuben. Nicht einschneiden.
    • Mit Papier in den heißen Topf, Deckel zu, 25 Min. bei 250 °C.
    • Deckel ab, auf 200 °C reduzieren, ca. 20 Min. fertigbacken. Kerntemperatur 96–98 °C.
    • Auf einem Gitter vollständig auskühlen lassen.

    Notizen

    Die Wassermenge hängt von der Roggentype ab: 997 schluckt weniger, Vollkorn mehr. Starte mit 200 g Hauptteigwasser und gib die Reserve (bis 30 g) schluckweise nach.
    Bei warmer Küche die Gare eher verkürzen und dem Fingertest folgen, nicht der Uhr.
    Immer mit Ober-/Unterhitze backen. Kein Einschneiden, kein Schwaden nötig, der geschlossene Topf hält die Feuchtigkeit.

    Hast du das Rezept schon ausprobiert?

    Ich freu mich über einen Kommentar von dir.
  • Sulzbachtaler Weggla – Brötchenkranz mit Lievito Madre

    Sulzbachtaler Weggla – Brötchenkranz mit Lievito Madre

    Wenn ich Ruhe vom Alltag brauche, steig ich in meinen kleinen Smart und fahr in den Schwarzwald. Am liebsten ins Sulzbachtal. So ein stilles Hochtal, in dem alles ein bisschen langsamer läuft … weite Felder, alte Höfe, und ich lass einfach die Seele baumeln. Diese Ruhe nehm ich mir gern mit nach Hause in die Küche, und genau nach so einem Tag ist das Rezept für diesen Brötchenkranz entstanden.

    Bei uns in Schwaben sagt man zu Brötchen Weggle. Die Weggle im Kranz sind mit Weizenmehl 550 gebacken, dazu kommt etwas Weizen-Vollkorn und ein bisschen Roggen … das gibt der weichen Krume einen rustikalen Biss und eine nussige Note. Ihren Trieb holen sie sich aus Lievito Madre, dem festen, milden Verwandten vom Sauerteig aus Italien. Deshalb sind die Brötchen samtig und gar nicht sauer, wie man von Sauerteig vielleicht denkt. Die Kruste ist goldbraun und knusprig und ganz oben drauf kommen knackige Sonnenblumenkerne und Sesam für noch mehr Geschmack.

    Frische Brötchen am Morgen, ohne im Dunkeln aufstehen zu müssen? Möglich macht das die Aufteilung über zwei Tage. Den Teig machst du am Vortag, formst abends die Weggla und stellst den Brötchenkranz kalt. Über Nacht reift er im Kühlschrank langsam zu Ende, am Morgen werden die Brötchen dann nur noch gebacken.

    Backzeiten-Rechner

    Wann muss ich anfangen?

    Dein Backplan richtet sich nach deinem Tag, nicht umgekehrt. Sag dem Backzeiten-Rechner, wann du fertig sein möchtest, und er rechnet dir jeden Schritt bis zum Start zurück.

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    Broetchenkranz Lievito Madre 14
    Hinweis

    Für den Kranz brauchst du einen aktiven Lievito Madre, der sich nach dem Auffrischen zuverlässig verdoppelt. Du hast noch keinen? Dann setz dir einen an … in meiner Anleitung zum Lievito Madre ansetzen zeig ich dir Schritt für Schritt, wie das geht.

    Was kommt in den Brötchenkranz?

    Gebacken wird über zwei Tage in Etappen. Am Vortag frischst du morgens deinen Lievito Madre auf, am Nachmittag rührst du die Autolyse an und verknetest dann beides mit Salz und Öl zum Hauptteig.

    Zutaten für den Lievito Madre
    Lievito Madre (dein Anstellgut) 20 g
    Wasser, lauwarm 50 g
    Weizenmehl 550 100 g
    Ergibt aktiven Lievito Madre (170 g)
    Zutaten für die Autolyse
    Weizenmehl 550 150 g
    Weizenvollkornmehl 80 g
    Roggenmehl 1150 30 g
    Wasser 180 g
    Zutaten für den Hauptteig
    Gesamte Autolyse (440 g)
    Aktiver Lievito Madre 170 g
    Salz 7 g
    Olivenöl 15 g
    Zutaten zum Wälzen
    Sesam und Sonnenblumenkerne, gemischt ca. 40 g
    Wasser zum Benetzen nach Bedarf

    Zwei Zeitpläne für deinen Backtag

    Beide Varianten starten mit demselben Teig. Der einzige Unterschied ist, wie lange der geformte Kranz danach kalt im Kühlschrank steht, bevor du ihn backst. Über Nacht reicht für milde, leicht süße Weggla. Lässt du ihn einen Tag länger, wird das Aroma tiefer und die feine Säure kommt etwas durch. Je nachdem, was dir besser in den Tag passt, wählst du deinen Weg.

    Bines Empfehlung

    Klassisch

    Ablauf

    Lievito morgens auffrischen, nachmittags Teig machen und 2,5 Stunden mit Dehnen und Falten reifen lassen, abends formen und wälzen. Über Nacht in den Kühlschrank, am Morgen direkt aus der Kälte backen.

    Gesamtzeit

    ca. 24–28 Stunden, verteilt über 2 Tage

    Charakter

    Milde, leicht süße Brötchen mit feiner Säurespur, knuspriger Kruste und leicht offener Krume. Für die meisten Backtage genau richtig.

    Lang

    Ablauf

    Genau wie Klassisch, nur bleibt der Kranz länger im Kühlschrank. Vor dem Backen lässt du ihn eine halbe Stunde bei Raumtemperatur ankommen.

    Gesamtzeit

    ca. 36–48 Stunden, über 2 bis 3 Tage

    Charakter

    Deutlich aromatischer mit komplexerer, spürbarer Säure. Die Krume wird offener, die Kruste zäher und kräftiger gefärbt.

    Mein Tipp

    Die warmen Schritte richten sich nach deiner Küche. Im Sommer ist dein Lievito schneller verdoppelt und die Stockgare kürzer, im kühlen Winter dauert beides länger. Geh nach dem, was du siehst … der Lievito muss sich verdoppelt haben, der Teig nach der Stockgare spürbar aufgegangen sein. Die Uhr ist dabei nur ein grober Anhaltspunkt.

    So backst du den Sulzbachtaler Weggla-Kranz

    Den Lievito auffrischen – am Vortagmorgen

    Am Morgen vor dem Backtag verrührst du 20 g Lievito Madre mit 50 g lauwarmem Wasser und knetest 100 g Weizenmehl 550 unter, bis ein fester, glatter Teig entsteht. Dass er so fest wird, ist gewollt … der Lievito hat nur halb so viel Wasser wie ein normales Anstellgut, und genau das macht ihn milder. Gib ihn in ein enges, hohes Gefäß und deck ihn ab. Bei Raumtemperatur, also um die 22 bis 24 Grad, braucht er etwa vier bis sechs Stunden, bis sich sein Volumen verdoppelt hat. Im schmalen Glas siehst du am besten, wann er oben ist.

    Mein Luigi, mein Lievito, war auch schon mal träge. In der kalten Jahreszeit back ich lieber dunkle, würzige Roggenbrote, und dann ist vor allem Robert dran, mein Roggenstarter. Luigi hatte ich darüber eine Weile vernachlässigt. Als ich ihn wieder brauchte, kam er erst nicht richtig hoch. Ich hab ihn dann über zwei Tage kräftig gefüttert, dreimal im Verhältnis 1:2:1 oder 2:2:1 (Lievito : Mehl : Wasser), schön warm auf seiner Gärmatte … danach war er wieder ganz der Alte.

    Lievito Madre mit Wasser verrühren für den Brötchenkranz mit LIevito Madre
    LM verkneten für den Brötchenkranz mit Lievito Madre
    Broetchenkranz Lievito Madre 2
    Broetchenkranz Lievito Madre 3
    Broetchenkranz Lievito Madre 4
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    Mein Tipp

    Dein Lievito muss sich wirklich verdoppelt haben, bevor du weitermachst. Schafft er das nicht in sechs Stunden, lass ihm einfach mehr Zeit … ein junger oder etwas träger Lievito braucht auch mal acht. Lieber warten als einen Teig ansetzen, dem der Trieb fehlt.

    Mehl und Wasser vorquellen lassen – die Autolyse

    Am späten Nachmittag mischst du die drei Mehle für den Hauptteig, also 150 g Weizenmehl 550, 80 g Vollkorn und 30 g Roggen, mit 180 g Wasser. Rühr so lange, bis kein trockenes Mehl mehr zu sehen ist, dann deck die Schüssel ab und lass sie 30 Minuten stehen. In dieser halben Stunde saugen vor allem die Vollkorn- und Roggenanteile das Wasser auf. Der Teig wird danach geschmeidiger und lässt sich gleich viel leichter kneten.

    Den Hauptteig kneten

    Jetzt kommen der aktive Lievito, 7 g Salz und 15 g Olivenöl zur Autolyse dazu. In der Küchenmaschine auf kleiner Stufe reichen zwei bis drei Minuten, bis sich der Teig von der Schüsselwand löst. Er soll sich am Ende geschmeidig und leicht weich anfühlen, aber nicht an den Fingern kleben.

    Wirkt dir der Teig nach der Autolyse zu fest, gib beim Kneten ruhig noch ein, zwei Schluck Wasser nach. Vollkorn und Roggen saugen je nach Charge unterschiedlich viel, da sind fünf bis zehn Gramm mehr oder weniger ganz normal.

    Stockgare mit Dehnen und Falten

    Den Teig lässt du zugedeckt bei Raumtemperatur gehen. In den ersten anderthalb Stunden dehnst und faltest du ihn dreimal, jeweils im Abstand von etwa einer halben Stunde. Danach darf er noch rund eine Stunde in Ruhe weitergehen … insgesamt sind das ungefähr zweieinhalb Stunden Stockgare. Das Dehnen und Falten baut die Struktur auf, für die man sonst lange kneten müsste. Nach der letzten Runde merkst du, wie der Teig straffer wird und Spannung hält.

    Broetchenkranz Lievito Madre 6
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    8 Brötchen formen und in Saaten wälzen

    Den Teig kippst du auf eine leicht bemehlte Arbeitsfläche und teilst ihn in acht gleich schwere Stücke, also je etwa 80 g. Schleif jedes Stück rund. Dann benetzt du die Oberseite mit etwas Wasser und drückst sie in die Saatenmischung, sodass Sesam und Sonnenblumenkerne gut haften.

    Beim ersten Mal saßen meine Saaten nicht so fest, wie ich wollte … sie fielen nach dem Backen halb ab. Der Grund war einfach, die Brötchen waren zu trocken. Seitdem sprüh ich die Oberseite vorm Wälzen nochmal mit Wasser an und drück die Saaten erst dann fest. So bleiben sie kleben.

    Für den Kranz legst du Backpapier auf einen großen Teller oder einen Pizzaschieber und ordnest die acht Weggla im Kreis an, mit etwa zwei bis drei Zentimetern Abstand zueinander. Dieser Abstand ist wichtiger, als er klingt: Liegen die Teiglinge zu dicht, verkleben sie beim Backen so sehr, dass man sie hinterher nicht mehr einzeln abbrechen kann. Liegen sie zu weit auseinander, reißt der Kranz in der Mitte auseinander und hält nicht zusammen.

    Broetchenkranz Lievito Madre 8
    Broetchenkranz Lievito Madre 9
    Broetchenkranz Lievito Madre 10
    Mein Tipp

    Wenn du die Saaten vorher kurz in einer trockenen Pfanne anröstest, werden Sesam und Sonnenblumenkerne noch nussiger. Eine Sache dabei … lass sie danach vollständig auskühlen. Sind sie noch warm, hält das Wasser auf dem Teigling nicht richtig, und die Saaten bleiben nicht kleben.

    Über Nacht in die Kälte

    Deck den Kranz gut ab, mit Folie oder einem umgedrehten Behälter, damit nichts austrocknet, und stell ihn über Nacht in den Kühlschrank bei 4 bis 6 Grad. Für die klassische Variante bleibt er dort 10 bis 14 Stunden, für die lange 24 bis 36 Stunden. Beim klassischen Weg schiebst du ihn am Morgen direkt aus der Kälte in den Ofen. Lässt du ihn länger gehen, dann gib ihm vor dem Backen eine halbe Stunde bei Raumtemperatur, sonst dauert das Anbacken zu lang und die Brötchen werden trocken.

    Bei der langen Gare lohnt ein Blick auf deinen Kühlschrank: Ist er wärmer als 6 Grad oder bleibt der Kranz zu lange drin, kann der Teig übergehen. Du erkennst das daran, dass die Teiglinge sich flachdrücken und nicht mehr stabil zusammenhalten.

    Den Ofen richtig heiß machen

    Am Backtag heizt du den Ofen mit einem Pizzastein auf mittlerer Schiene und einer Schale mit Lavasteinen auf 250 Grad Ober-/Unterhitze vor. Plan dafür mindestens 45 Minuten ein, lieber eine ganze Stunde. Der Stein muss richtig durchgewärmt sein. Ist er das nicht, fehlt unten die Hitze, und die Brötchen reißen schief auf, statt gleichmäßig aufzugehen.

    Anbacken mit viel Dampf, dann fertigbacken

    Zieh den Kranz mitsamt dem Backpapier vorsichtig auf den heißen Stein und stell den Ofen sofort auf 200 Grad zurück. Gleich danach begießt du die Lavasteine mit etwa 50 ml heißem Wasser, sodass es kräftig schwadet. Der Dampf in den ersten Minuten sorgt dafür, dass die Kruste schön aufreißt und glänzt. Nach rund 10 Minuten öffnest du die Ofentür einmal kurz und lässt den Restdampf ab. Insgesamt backen die Weggla bei 200 Grad etwa 25 Minuten, bis sie goldbraun sind und innen eine Kerntemperatur von ungefähr 96 Grad erreicht haben.

    Wenn dein Ofen nur Heißluft kann, geht das auch, aber die Saaten verbrennen damit schneller. Stell dann 10 bis 20 Grad niedriger ein und schau öfter nach.

    Auskühlen lassen – auch wenn’s schwerfällt

    Eine Sache ist mir beim ersten Mal danebengegangen. Frisch aus dem Ofen ist der Kranz noch weich und labil, und ich hab ihn zu ruppig vom Blech gezogen … er ist mir prompt in der Mitte auseinandergebrochen. Heb ihn deshalb vorsichtig an, am besten mitsamt dem Backpapier, und setz ihn auf ein Gitter.

    Dort lässt du ihn komplett abkühlen, bevor du ihn anschneidest oder den ersten Weggla abbrichst. Ich weiß, frisch aus dem Ofen duftet er am verführerischsten … aber die Krume gart innen noch nach, und wenn du zu früh aufbrichst, wird sie klitschig. Die Geduld lohnt sich.

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    Drei Variationen vom Brötchenkranz, die sich lohnen

    Mohn dazu, wenn du es erdiger magst

    Am schnellsten änderst du den Charakter vom Kranz über die Saaten. Zur Mischung aus Sesam und Sonnenblumenkernen gibst du einfach Mohn dazu, der bringt einen leicht erdigen Ton, der die nussige Note der anderen beiden gut abrundet. An der Gesamtmenge ändert sich nichts … du bleibst bei den etwa 40 g zum Wälzen und verschiebst nur das Verhältnis. Wer den Mohn deutlich schmecken will, nimmt rund ein Drittel der Mischung dafür. Hübsch ist es nebenbei auch, weil das dunkle Schwarz zwischen den helleren Kernen sitzt.

    Acht einzelne Brötchen statt Kranz

    Wenn du keinen Kranz brauchst, sondern einzelne Brötchen, ordnest du die acht Teiglinge einfach mit mehr Abstand auf dem Blech an, statt sie zum Kreis zusammenzurücken. Am Teig und an den Mengen ändert sich dabei nichts. Was sich ändert, ist die Kruste. Im Kranz halten sich die Brötchen gegenseitig feucht und bleiben innen saftig, einzeln gebacken bekommt dagegen jedes ringsum eine knusprige Kruste und wird eine Spur trockener. Behalt sie beim Backen etwas genauer im Blick, einzeln werden sie meist etwas schneller fertig als der dichte Kranz … geh da nach der Farbe, nicht nach der Uhr. Praktisch ist das vor allem, wenn du einfrieren willst, einzelne Brötchen lassen sich besser portionieren.

    Rustikaler mit mehr Vollkorn

    Magst du den Weggla noch kräftiger, erhöhst du den Vollkornanteil. Tausch dafür in der Autolyse einen Teil vom Weizenmehl 550 gegen Weizenvollkorn … etwa 30 g mehr Vollkorn, dafür 30 g weniger vom 550er. Die Krume wird dann etwas dichter, der Geschmack kräftiger und nussiger. Weil Vollkorn mehr Wasser zieht als helles Mehl, gibst du beim Kneten noch ein paar Schluck nach, bis sich der Teig wieder geschmeidig anfühlt, genauso wie beim Kneten des Hauptteigs. Geh dabei nach Gefühl statt nach Gramm, denn wie durstig dein Vollkorn ist, hängt von der Mehlcharge ab.

    💡 Meine Lieblingsvariante

    Am liebsten back ich den Brötchenkranz aber so, wie er oben steht … mit Sesam und Sonnenblumenkernen. Beide werden beim Backen schön rustikal und nussig, und genau das mag ich an diesen Brötchen so gern. Ich hab einiges ausprobiert und komm immer wieder zu dieser Mischung zurück.

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    Wenn der Brötchenkranz mit Lievito Madre nicht so wird wie geplant

    Wenn beim Kranz mal was hakt, liegt es fast immer an einer von ein paar Sachen. Hier die häufigsten, jeweils mit dem, was du dagegen tun kannst.

    ❌ Die Brötchen gehen kaum auf und bleiben flach und dicht.

    Das liegt fast immer am Lievito. War er beim Auffrischen nicht richtig in Schwung, fehlt dem Teig später der Trieb, und die Weggla bleiben kompakt statt locker. Der Lievito muss sich nach dem Auffrischen wirklich verdoppelt haben, bevor du ihn in den Hauptteig gibst. Daran hängt beim Kranz am meisten. Schafft er das nicht in sechs Stunden, gib ihm mehr Zeit, ein junger oder etwas träger Lievito braucht auch mal acht. Geht er gar nicht richtig hoch, frisch ihn ein paar Tage hintereinander auf, bevor du backen willst, dann kommt er wieder in Form. Lieber den Backtag verschieben als mit einem müden Lievito starten … im fertigen Teig lässt sich das nicht mehr nachholen.

    ❌ Nach der langen Kältegare sind die Teiglinge flach und halten nicht mehr zusammen.

    Das passiert vor allem bei der langen Variante, wenn der Teig zu lange oder zu warm steht. Dein Kühlschrank sollte für die lange Gare wirklich bei 4 bis 6 Grad liegen. Ist er wärmer, arbeitet der Teig schneller weiter, als dir lieb ist, und irgendwann ist die Spannung raus. Du erkennst es daran, dass die Teiglinge sich flachdrücken und beim Anheben auseinanderlaufen, statt ihre runde Form zu halten. Wenn es so weit ist, lässt sich der einzelne Teigling nicht mehr retten. Back den Kranz dann trotzdem, er wird eben flacher und geht mehr in Richtung Fladenbrot … schmecken tut er immer noch. Fürs nächste Mal stell ein Thermometer in den Kühlschrank und bleib bei den 24 bis 36 Stunden, nicht länger.

    ❌ Die Brötchen lassen sich hinterher nicht einzeln abbrechen, oder der Kranz reißt in der Mitte auseinander.

    Beides hängt am Abstand, den du beim Anordnen lässt. Liegen die Teiglinge zu dicht beieinander, verbacken sie zu einer Platte und lassen sich am Tisch nicht mehr sauber teilen, und der Reiz am Kranz, dass sich jeder sein eigenes Weggla abbricht, ist dann weg. Liegen sie zu weit auseinander, wachsen sie beim Backen nicht zusammen, und der Kreis fällt in einzelne Brötchen auseinander. Die zwei bis drei Zentimeter Abstand sind genau die Mitte. Die Teiglinge berühren sich beim Aufgehen gerade so, dass sie zusammenhalten, aber an der Berührungsstelle eine weiche Naht zum Abbrechen bleibt. Miss das beim ersten Mal ruhig kurz nach, beim Kreis täuscht sich das Auge leicht.

    ❌ Die Brötchen reißen schief auf statt gleichmäßig nach oben.

    Da fehlt dem Stein die Hitze von unten. Ein Pizzastein braucht länger zum Durchwärmen, als man denkt … die 45 Minuten Vorheizen sind das Minimum, mit einer ganzen Stunde bist du sicherer. Ist der Stein nicht richtig durch, bekommt der Kranz von unten zu wenig Schub, und die Brötchen reißen unkontrolliert an der Seite auf, statt oben sauber aufzugehen. Heiz den Ofen mit dem Stein zusammen auf die vollen 250 Grad vor und gib ihm die Zeit, auch wenn’s lang vorkommt. Erst beim Einschießen stellst du dann auf 200 Grad zurück. Der heiße Stein ist beim Kranz mindestens so wichtig wie der Dampf.

    ❌ Die Saaten fallen beim Backen ab, statt auf den Brötchen zu kleben.

    Dann hat die Oberseite zu wenig Wasser abbekommen, oder die Saaten waren noch warm. Damit Sesam und Sonnenblumenkerne haften, muss die Oberfläche des Teiglings richtig feucht sein, bevor du sie eindrückst. Ein trockenes Antippen reicht nicht, streich ruhig etwas Wasser drüber. Und wenn du die Saaten vorher anröstest, was geschmacklich eine schöne Sache ist, lass sie davor vollständig abkühlen. Warme Saaten lassen das Wasser auf dem Teigling sofort verdampfen, und dann fehlt der Klebstoff. Drück die Teiglinge nach dem Wälzen kurz mit der feuchten Hand an, dann sitzt die Saatenschicht fest.

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    Hydration und Co., für alle, die es genau wissen wollen

    Diese Zahlen braucht kein Mensch, um den Kranz zu backen … aber wenn du gern mit Mehl und Wasser rechnest oder das Rezept auf deine eigenen Mengen umstellen willst, findest du hier alles, was du dafür wissen musst.

    Kennzahl Wert
    Gesamtmehl360 g
    Gesamtwasser230 g
    Hydration64 %
    Teigausbeute (TA)164
    Salz (vom Mehl)1,94 %

    Die 64 Prozent Hydration bedeuten, dass auf 100 Gramm Mehl 64 Gramm Wasser kommen. Dein Lievito zählt dabei mit, sein Mehl und sein Wasser stecken in den Gesamtmengen schon drin. Wer lieber in Teigausbeute denkt, landet beim selben Teig … die TA 164 ist nur die andere Schreibweise, bei der das Mehl als 100 gesetzt wird und das Wasser oben draufkommt.

    Den Lievito selbst frischst du übrigens fester auf als ein normales Anstellgut, im Verhältnis 1:5:2,5 (Lievito : Mehl : Wasser). Das sind 50 Prozent Hydration, und genau die machen ihn zu dem festen, milden Teig, der er sein soll.

    Das Salz liegt bei knapp zwei Prozent vom Mehl. Das ist eine klassische Menge, die den Geschmack rund macht, ohne dass du sie extra ausrechnen musst.

    Wie fühlt sich der Teig an?

    Mit 64 Prozent ist der Teig mittelfeucht, also weder eine trockene, feste Kugel noch eine nasse Masse, die dir von den Fingern läuft. Nach dem Kneten löst er sich von der Schüsselwand und fühlt sich geschmeidig und leicht weich an, ohne hängen zu bleiben. Das Olivenöl macht ihn dabei einen Tick geschmeidiger, als du es von einem reinen Wasserteig kennst.

    Fühlt er sich nach der Autolyse noch fest und bockig an, fast wie kalter Ton, fehlt ihm Wasser … dann gibst du beim Kneten schluckweise nach, bis er nachgibt. Wie durstig er ist, hängt von deiner Mehlcharge ab, vor allem Vollkorn und Roggen schwanken da von Sack zu Sack. Geh deshalb nach dem Gefühl unter den Händen, nicht stur nach den 180 Gramm aus der Liste.

    Broetchenkranz Lievito Madre 11

    Noch Fragen zum Brötchenkranz mit Lievito Madre? FAQ

    Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Lievito Madre und normalem Sauerteig?

    Lievito Madre ist auch ein Sauerteig, nur ein italienischer und ein festerer. Dein normales Anstellgut führst du mit gleich viel Mehl und Wasser, der Lievito bekommt nur halb so viel Wasser. Das macht ihn fester, milder und deutlich weniger sauer. Genau deshalb passt er so gut zu hellen, leicht süßlichen Backwaren … und eben zu einem Frühstücksbrötchen.

    Kann ich statt Lievito Madre mein normales Anstellgut nehmen?

    Kommt drauf an, wie dein Brötchen schmecken soll. Gehen tut es, dein Anstellgut treibt den Teig genauso. Aber ein Roggen-Anstellgut bringt mehr Säure und einen kräftigeren Ton mit, während der Lievito die Weggla mild und leicht süß hält. Weil dein Anstellgut weicher ist als der feste Lievito, nimmst du dann etwas weniger Wasser in den Teig und gehst dabei nach Gefühl.

    Gehen die Brötchen auch nur mit Hefe, ohne Lievito Madre?

    Im Prinzip ja, aber dann ist es ein anderes Brötchen. Der Lievito gibt dem Kranz seine milde Süße und die feine Säure, und beides fällt mit Hefe weg. Du bekommst schnellere Brötchen, die schmecken auch gut, nur eben hefig-neutral statt mild-aromatisch. Das Rezept hier ist ganz auf den Lievito gebaut … mit Hefe müsstest du Mengen und Zeiten neu denken.

    Brauche ich unbedingt einen Pizzastein, oder geht auch ein Blech?

    Ein Stein hilft sehr, nötig ist er nicht. Der heiße Stein gibt von unten die Hitze, die den Kranz gleichmäßig nach oben treibt. Hast du keinen, heiz ein stabiles Backblech leer mit auf und zieh den Kranz darauf … das kommt nah ran, nur die Unterhitze ist etwas sanfter. Wichtiger als der Stein ist sowieso der kräftige Dampf in den ersten Minuten.

    Kann ich den Kranz auch abends backen statt morgens?

    Ja, klar. Der Kranz muss nur seine Zeit in der Kälte bekommen, wann die liegt, ist dir überlassen. Setzt du den Teig morgens an und formst am frühen Nachmittag, ist er nach den 10 bis 14 Stunden am Abend backfertig. Achte nur drauf, dass dein Kühlschrank wirklich kühl steht, sonst drückt sich der Kranz flach … egal ob morgens oder abends.

    Lassen sich die Brötchen einfrieren?

    Ja, das geht gut. Lass den Kranz dafür komplett auskühlen und frier ihn dann ein. Praktischer ist es, wenn du die Weggla einzeln backst, so wie in den Variationen beschrieben, dann nimmst du dir einzelne Brötchen raus, statt den ganzen Kranz aufzutauen. Zum Aufbacken kurz in den heißen Ofen, dann sind sie fast wie frisch.

    Woran erkenne ich, dass mein Lievito fit genug ist?

    Daran, dass er sich nach dem Auffrischen verdoppelt hat, das ist das wichtigste Zeichen. Er sollte sich oben wölben, innen von Blasen durchzogen sein und mild-säuerlich riechen, nicht stechend. Schafft er das in vier bis sechs Stunden, ist er bereit. Lässt er sich mehr Zeit, gib sie ihm … aber setz den Teig erst an, wenn er wirklich oben ist.

    Hier die Rezeptkarte zum Ausdrucken

    Kranz aus Brötchen mit Sonnenblumenkernen und Sesam auf einem Holzbrett, ein Brötchen aufgebrochen

    Sulzbachtaler Weggla – Brötchenkranz mit Lievito Madre

    Vorbereitung 40 Minuten
    Backzeit 25 Minuten
    Ruhezeiten 1 day
    Gesamtzeit 1 day 1 Stunde 5 Minuten
    Der Brötchenkranz mit Lievito Madre wird mild und leicht süß, mit knuspriger Saatenkruste. Den Teig machst du am Vortag, am Morgen schiebst du den Kranz nur noch in den Ofen.
    8 Brötchen
    brötchen, Frühstück

    Zutaten

    *Lievito Madre:*
    • 20 g Lievito Madre
    • 50 g Wasser lauwarm
    • 100 g Weizenmehl 550
    *Autolyse:*
    • 150 g Weizenmehl 550
    • 80 g Weizenvollkornmehl
    • 30 g Roggenmehl 1150
    • 180 g Wasser
    *Hauptteig:*
    • 170 g aktiver Lievito Madre
    • 7 g Salz
    • 15 g Olivenöl
    *Zum Wälzen:*
    • ca. 40 g Sesam und Sonnenblumenkerne gemischt
    • Wasser zum Benetzen

    Kochutensilien

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    Zubereitung

    **Lievito auffrischen**
    • 20 g Lievito Madre, 50 g lauwarmes Wasser und 100 g Weizenmehl 550 zu festem Teig verkneten. Abgedeckt bei 22–24 °C 4–6 Stunden reifen, bis verdoppelt.
    **Autolyse**
    • 150 g Weizenmehl 550, 80 g Vollkornmehl und 30 g Roggenmehl 1150 mit 180 g Wasser mischen, bis kein trockenes Mehl mehr sichtbar ist. Abgedeckt 30 Minuten ruhen.
    **Hauptteig kneten**
    • 170 g aktiven Lievito, 7 g Salz und 15 g Olivenöl zugeben. 2–3 Minuten auf kleiner Stufe kneten, bis sich der Teig von der Schüsselwand löst.
    **Stockgare**
    • Zugedeckt bei Raumtemperatur gehen lassen. In den ersten 1,5 Stunden 3× dehnen und falten, Abstand je ca. 30 Minuten. Weitere 1 Stunde ruhen. Gesamt ca. 2,5 Stunden.
    **Formen und wälzen**
    • Teig in 8 Stücke à ca. 80 g teilen, rund schleifen. Oberseite mit Wasser benetzen, in die Saaten drücken.
    **Kranz aufbauen**
    • Weggla auf Backpapier kreisförmig anordnen, 2–3 cm Abstand. Abdecken.
    **Kalte Gare klassische Variante**
    • 10–14 Stunden bei 4–6 °C in den Kühlschrank.
    **Kalte Gare lange Variante**
    • 24–36 Stunden bei 4–6 °C in den Kühlschrank.
    **Vorheizen**
    • Ofen mit Pizzastein und Lavasteinen auf 250 °C Ober-/Unterhitze 45–60 Minuten vorheizen.
    **Anbacken**
    • Kranz mit dem Backpapier auf den Stein ziehen, sofort auf 200 °C reduzieren. Lavasteine mit 50 ml heißem Wasser begießen.
    **Fertigbacken**
    • 25 Minuten bei 200 °C. Nach 10 Minuten Tür kurz öffnen, Dampf ablassen. Kerntemperatur ca. 96 °C.
    **Auskühlen**
    • Auf einem Gitter komplett auskühlen.

    Notizen

    • Ofen: Werte gelten für Ober-/Unterhitze. Bei Heißluft 10–20 °C niedriger einstellen, sonst verbrennen die Saaten.
      • Wassermenge: Vollkorn- und Roggenmehl ziehen je nach Charge unterschiedlich viel Wasser. Wirkt der Teig nach der Autolyse zu fest, beim Kneten 5–10 g Wasser nachgeben.
    • Kein Pizzastein? Ein stabiles Backblech leer mit aufheizen und den Kranz darauf ziehen.

    Hast du das Rezept schon ausprobiert?

    Ich freu mich über einen Kommentar von dir.

    Letzte Änderung 30.05.2026

  • Martins-Zwirbel – rustikales Wurzelbrot mit Einkorn

    Martins-Zwirbel – rustikales Wurzelbrot mit Einkorn

    Wer schon mal durch den Sindelfinger Stiftsbezirk gelaufen ist, kennt die Martinskirche. Romanisch, fast 1.000 Jahre alt, mit einer Holzdecke aus dem 12. Jahrhundert, die bis heute hält. Draußen stehen alte Linden, deren Wurzeln sich krumm und knorrig durch den Boden arbeiten. Nichts hier ist gerade, nichts poliert. Das hat mich auf die Idee für dieses Brot gebracht.

    Der Martins-Zwirbel ist ein gezwirbeltes Wurzelbrot ohne Kneten, aus Einkorn und Weizenmehl Type 1050. Einkorn ist Urgetreide und eines der ältesten kultivierten Körner überhaupt. Es bringt viele Carotinoide mit, natürliche Farbstoffe, die die Krume goldgelb färben. Zusammen mit dem kräftigen 1050er bekommst du ein Brot, das nussig und malzig schmeckt und eine Kruste hat, die beim Reinbeißen hält, was sie verspricht.

    Geknetet wird nicht. Der Teig wird in der Schüssel gefaltet und dann gezwirbelt wie ein Handtuch, das man auswringt. In gut fünf Stunden hast du ein rustikales Brot, dass perfekt zum Vesper oder zum Grillen ist.

    Backzeiten-Rechner

    Wann muss ich anfangen?

    Dein Backplan richtet sich nach deinem Tag, nicht umgekehrt. Sag dem Backzeiten-Rechner, wann du fertig sein möchtest, und er rechnet dir jeden Schritt bis zum Start zurück.

    Zum Rechner springen ↓

    Was kommt in den Martins-Zwirbel?

    Für 1 Wurzelbrot, ca. 660 g

    Zutaten für den Teig
    Weizenmehl Type 1050260 g
    Einkornmehl (hell)115 g
    Wasser (lauwarm, ca. 30 °C)285 g
    Wasser (Reserve, nach Bedarf)bis 15 g
    Frischhefe (oder 2,5 g Trockenhefe)7,5 g
    Salz7,5 g
    Honig oder Zucker4–5 g
    Wurzelbrot ohne Kneten: fertig gebackener Martins-Zwirbel mit knuspriger Kruste auf einem Holzbrett

    Zwei Zeitpläne für deinen Tag

    Der Teig ist in beiden Fällen derselbe. Du entscheidest nur, ob er warm in einem Rutsch durchgeht oder ob er die Nacht im Kühlschrank verbringt.

    Empfehlung

    Klassisch

    Ablauf

    Morgens anrühren, vier Runden Dehnen und Falten, danach gehen lassen und am Nachmittag backen. Alles an einem Stück.

    Gesamtzeit

    gut 5 Stunden (aktiv ~20 Minuten)

    Charakter

    Nussig und malzig, die Krume goldgelb und mittelporig. So schmeckst du das Einkorn am deutlichsten.

    Lang

    Ablauf

    Nach dem letzten Dehnen und Falten zwirbelst du den Teigling, legst ihn aufs Blech und stellst ihn abgedeckt in den Kühlschrank. Morgens 30 Minuten akklimatisieren lassen und backen.

    Gesamtzeit

    ca. 12–14 Stunden über 2 Tage (aktiv ~20 Minuten)

    Charakter

    Milder und runder im Aroma, die Porung wird unregelmäßiger. Dafür ist morgens fast nichts mehr zu tun.

    So backst du das rustikale Wurzelbrot

    Teig anrühren – 10 Minuten echte Arbeit

    Löse die Hefe und den Honig im lauwarmen Wasser auf. Rühre kurz um, bis die Hefe sich aufgelöst hat. Gib die beiden Mehlsorten und das Salz in eine große Schüssel und vermische alles kurz mit einem Löffel. Gieße 285 g vom Hefewasser dazu und verrühre alles mit einem stabilen Holzlöffel oder einer Teigkarte, bis kein trockenes Mehl mehr sichtbar ist. Das dauert 2–3 Minuten.

    Wurzelbrot ohne Kneten: Hefewasser mit Honig und Frischhefe als erster Schritt
    Wurzelbrot ohne Kneten: Teig aus Einkornmehl und Type 1050 wird ohne Kneten angerührt
    Wurzelbrot ohne Kneten: frisch angerührter Einkornteig in der Schüssel vor der Stockgare

    Schau dir den Teig jetzt an. Er soll weich und leicht klebrig sein, aber nicht flüssig. Wenn du trockene Stellen siehst, gib die restlichen 15 g Wasser dazu. Aber vorsichtig. Einkorn nimmt Wasser langsamer auf als moderner Weizen. Bei meinen ersten Versuchen habe ich alles auf einmal reingekippt und hatte eine klebrige Pampe in der Schüssel. Seitdem gieße ich die letzten 15 g immer schluckweise nach.

    Decke die Schüssel mit einem feuchten Tuch oder einem Teller ab.

    Neben den Herd, nicht auf die Heizung

    Ich stelle die Schüssel auf die Arbeitsplatte neben den Herd, nicht in den Backofen oder auf die Heizung. Der Teig braucht 22–25 °C. Wird er wärmer als 30 °C, arbeitet die Hefe zu schnell und der Geschmack bleibt flach.

    Dehnen und Falten statt Kneten

    Nach 30 Minuten Ruhezeit machst du den ersten Satz Stretch & Fold. Feuchte deine Hände an, greife den Teig an einer Seite, ziehe ihn vorsichtig nach oben, bis er Widerstand gibt, und falte ihn zur Mitte. Drehe die Schüssel um 90 Grad und wiederhole das. Insgesamt vier Mal pro Satz, also einmal von jeder Seite.

    Dieses Dehnen und Falten ersetzt das Kneten. Es baut Spannung im Teig auf und stärkt das Klebergerüst, das Netz aus Glutenproteinen, das dem Brot seine Struktur gibt. Bei Einkorn ist das die einzig sinnvolle Methode. Der Kleber von Einkorn ist empfindlich. In der Knetmaschine bricht er zusammen, und du hast einen formlosen, klebrigen Klumpen. Per Hand und mit feuchten Fingern klappt es deutlich besser.

    Vier Sätze im Abstand von je 30 Minuten. Beim ersten Mal fühlt sich der Teig noch schlabbrig an, fast wie dicker Pfannkuchenteig. Lass dich davon nicht irritieren. Nach dem vierten Satz merkst du den Unterschied. Er ist glatter, elastischer und hält seine Form in der Schüssel.

    Stockgare – der Teig arbeitet alleine

    Nach dem letzten Stretch & Fold deckst du die Schüssel wieder ab und lässt den Teig in Ruhe. Er braucht noch 1,5 bis 2 Stunden bei Raumtemperatur. Bäcker nennen diese Phase Stockgare. Die Hefe verdoppelt in dieser Zeit das Teigvolumen, und nebenbei bauen Enzyme im Mehl Stärke zu Zucker ab. Das ist der Grund, warum ein Brot mit langer Gare so viel besser schmeckt als eins, das du in einer Stunde durchpeitschst.

    Woran erkennst du, dass der Teig fertig ist? Er hat sich etwa verdoppelt, und an der Oberfläche siehst du Blasen. Drücke mit dem Finger leicht rein. Kommt die Delle langsam zurück, aber nicht ganz, dann ist er bereit. Kommt sie sofort zurück, braucht er noch 20–30 Minuten. Kommt sie gar nicht zurück, ist er überreif. Dann zügig formen, nicht mehr warten.

    Zwirbeln – so wird aus Teig eine Wurzel

    Jetzt wird’s mehlstaubig. Bestäube deine Arbeitsfläche großzügig mit Mehl. Wirklich großzügig, nicht zaghaft. Beim ersten Mal habe ich gespart und den Teig dann von der Arbeitsplatte kratzen müssen, die ganze Luft war weg. Einkornteig klebt wie verrückt, und beim Formen willst du ihn so wenig wie möglich anfassen.

    Kippe den Teig vorsichtig aus der Schüssel auf die bemehlte Fläche. Nicht kneten, nicht drücken, nicht entgasen. Die Luft im Teig soll drinbleiben, sie macht die Krume später locker und ungleichmäßig. Genau das willst du bei einem Wurzelbrot.

    Forme den Teig vorsichtig zu einem länglichen Strang, etwa 35–40 cm lang. Schneide den Strang der Länge nach mit einer Teigkarte oder einem scharfen Messer in zwei Hälften, aber lass die beiden Stränge an einem Ende verbunden. Dann drehst du die beiden Hälften vorsichtig umeinander, wie ein Seil. Nicht zu fest. Die unregelmäßige, verdrehte Form ist gewollt, das ist die Wurzel. Durch die Drehung baust du Oberflächenspannung auf, und die hält das Brot im Ofen in Form.

    Lege den Teigling auf ein mit Backpapier belegtes Blech, bestäube ihn mit Mehl und decke ihn locker mit einem Tuch ab. 20–30 Minuten ruhen lassen. In der Zeit heizt du den Ofen vor.

    Lieber zu viel Mehl als zu wenig

    Das überschüssige Mehl klopfst du nach dem Zwirbeln einfach ab. Aber einen festgeklebten Teigling kriegst du nicht mehr gerettet.

    Backen mit Dampf für eine krosse Kruste

    Heize den Ofen mindestens 30 Minuten auf 240 °C Ober-/Unterhitze vor. Die leere, ofenfeste Metallschale kommt gleich mit rein, auf den Ofenboden oder die unterste Schiene. Lauwarmes Metall erzeugt später keinen Dampf.

    Schiebe das Blech mit dem Teigling in den Ofen und gieße sofort eine halbe Tasse Wasser (ca. 100 ml) in die heiße Metallschale. Ofentür zu, so schnell es geht. Dann die Temperatur auf 220 °C runterdrehen. Der Dampf hält die Oberfläche in den ersten Minuten feucht, und dadurch kann der Teig noch aufgehen, bevor die Kruste fest wird. Ohne Dampf reißt die Kruste unkontrolliert auf und das Brot bleibt flacher.

    Nach 10 Minuten öffnest du die Ofentür für ein paar Sekunden und lässt den Dampf ab. Drehe die Temperatur auf 200 °C runter. Ab jetzt willst du trockene Hitze, damit die Kruste kross wird. Die Zucker an der Oberfläche karamellisieren, und das Brot bekommt seine goldbraune Farbe.

    Insgesamt 20–25 Minuten backen. Fertig ist das Brot, wenn die Kruste dunkelgoldbraun ist und es beim Klopfen auf die Unterseite hohl klingt. Wer ein Thermometer hat, sticht in die dickste Stelle. Bei 96 °C ist das Brot durch. Bei mir waren es beim ersten Versuch 22 Minuten, aber jeder Ofen ist anders. Schau nach 18 Minuten zum ersten Mal rein.

    Dann auf ein Gitter und mindestens 30 Minuten auskühlen lassen. Ich weiß, das ist schwer. Aber wenn du zu früh reinschneidest, ist die Krume noch feucht und klebrig, weil der Dampf im Inneren nicht entwichen ist. Das Warten lohnt sich.

    Wurzelbrot ohne Kneten: aufgegangener Teig mit Blasen, fertig zum Formen
    Wurzelbrot ohne Kneten: gezwirbelter Teigling auf Backpapier vor dem Backen
    Wurzelbrot ohne Kneten: frisch gebackener Martins-Zwirbel mit Einkornmehl auf dem Abkühlgitter

    Warum dieses Wurzelbrot ohne Kneten gelingt

    Quellzeit statt Knetmaschine

    Ein Klebergerüst entsteht nicht nur durch Kraft, sondern auch durch Zeit. Sobald Mehl und Wasser zusammen sind, quellen die Eiweiße auf und verbinden sich von selbst zu einem Netz. Eine Knetmaschine beschleunigt das nur. Bei diesem Teig übernehmen die vier Runden Dehnen und Falten die Ausrichtung, den Rest macht die Ruhezeit dazwischen. Das ist auch der Grund, warum hier 76 Prozent Wasser im Teig funktionieren, ohne dass du ein Gerät brauchst.

    Einkorn und sein empfindlicher Kleber

    Einkorn hat viel Eiweiß, aber das Netz, das daraus entsteht, ist weich und reißt schnell. In der Maschine wird es überdehnt und fällt zusammen, übrig bleibt eine klebrige Masse. Deshalb sind nur 115 der 375 Gramm Mehl Einkorn, den Rest trägt das Weizenmehl Type 1050. Das 1050er bringt das stabile Gerüst mit, das Einkorn den goldgelben Ton und das nussige Aroma. Wie sich die anderen alten Sorten im Teig verhalten, habe ich beim Brotbacken mit Urgetreide aufgedröselt.

    Der Honig arbeitet doppelt

    Die vier bis fünf Gramm Honig sind zu wenig, um das Brot süß zu machen. Am Anfang sind sie Futter für die Hefe, die dadurch schneller in Gang kommt. Was davon übrig bleibt, karamellisiert später an der Oberfläche und färbt die Kruste dunkler. Ohne Honig wird das Brot nicht schlechter, es bleibt nur blasser.

    Das Zubehör, das ich für das rustikale Wurzelbrot benutze

    Dänischer Teigbesen zum Anrühren vom Wurzelbrot ohne Kneten
    Dänischer Teigbesen*
    Bei einem Teig ohne Kneten mein liebstes Werkzeug. Damit hast du das klebrige Zeug in Sekunden verrührt.
    Teigkarte aus Edelstahl zum Teilen vom Wurzelbrot-Strang
    Teigkarte aus Edelstahl*
    Damit schneide ich den Strang der Länge nach auf, ohne den Teig zu quetschen. Eine weiche Karte reicht dafür nicht.
    Einstichthermometer zum Prüfen der Kerntemperatur beim Wurzelbrot
    Einstichthermometer*
    Bei 96 °C Kerntemperatur ist dieses Brot durch. Damit rät man nicht mehr, ob es fertig ist.

    Hier kannst du meine komplette Backausrüstung anschauen.

    * Affiliate-Link: Kaufst du darüber, bekomme ich eine kleine Provision, für dich bleibt der Preis gleich.
    Wurzelbrot ohne Kneten: angeschnittener Martins-Zwirbel mit rustikaler Kruste und luftiger Krume

    Vier Wurzelbrot-Variationen, die sich lohnen

    Mit Sesam-Kruste

    Wälze den gezwirbelten Teigling vor dem Backen in Sesam. Drücke die Samen leicht an, damit sie halten. Der Sesam röstet im Ofen mit und gibt dem Brot eine nussige, aromatische Schicht. Zum Einkorn passt das richtig gut, weil sich die nussigen Aromen ergänzen. An der Backzeit ändert sich nichts, aber heize den Ofen nur auf 230 °C statt 240 °C vor und drehe auf 200 °C runter, damit der Sesam nicht verbrennt. Ich habe das mal ohne Sesam und mal mit probiert, mit Sesam ist es für mich die klar bessere Variante.

    Dinkel statt Einkorn

    Wenn du kein Einkornmehl bekommst, nimm 115 g Dinkelmehl Type 630. Der Geschmack wird nussiger und etwas kräftiger, die Krume bleibt aber heller als mit Einkorn. Dinkel bindet etwas weniger Wasser als Einkorn, starte deshalb mit 275 g Wasser und taste dich langsam vor. Die Stretch & Folds bleiben gleich, aber sei beim Formen etwas vorsichtiger. Dinkelkleber reißt schneller als Weizenkleber, wenn du zu grob arbeitest. Die Backzeit bleibt bei 20–25 Minuten.

    Ruchmehl-Version

    Von allen Varianten hat mich diese am meisten überrascht. Ruchmehl statt Type 1050, und das Brot schmeckt, als wäre es ein komplett anderes Rezept. Die Kruste wird dunkler und rustikaler, das Aroma intensiver, fast leicht bitter. Ruchmehl hat noch mehr Schalenanteil als Type 1050, deshalb diese Tiefe im Geschmack. Die Wassermenge bleibt gleich, weil Ruchmehl ähnlich viel bindet. Wenn du gerne kräftige Brote magst, probier das unbedingt.

    Mit Walnüssen und Honig

    Gib 50 g grob gehackte Walnüsse nach dem dritten Stretch & Fold zum Teig und arbeite sie mit einem weiteren Faltdurchgang ein. Erhöhe den Honig auf 10 g. Die Walnüsse geben dem Brot Biss und einen herben Kontrast zum süßlichen Einkorn. Der Honig karamellisiert an der Kruste und verstärkt die goldene Farbe. Nicht zu fein hacken, grobe Stücke sind besser, weil sie beim Kauen auffallen.

    Wenn dir das Einkorn schmeckt, magst du vielleicht auch meine Einkorn-Dinkel-Brötchen mit langer Gare.

    Meine Lieblingsvariante

    Die Ruchmehl-Version mit der langen Gare über Nacht. Das Ruchmehl gibt dem Brot eine fast würzige Tiefe, und die kalte Gare im Kühlschrank rundet alles ab. Morgens den Ofen anwerfen, 25 Minuten backen, fertig. So starte ich am liebsten ins Wochenende.

    Wurzelbrot ohne Kneten: Martins-Zwirbel hochkant mit sichtbarer Krume und Scheiben

    Wenn der Martins-Zwirbel nicht so wird wie geplant

    Ein paar Sachen gehen bei diesem Brot häufiger schief. Meistens steckt eine einfache Ursache dahinter, und die kriegst du in den Griff.

    ❌ Der Teig klebt an den Händen und lässt sich nicht formen

    Das passiert fast immer, wenn die Arbeitsfläche zu wenig bemehlt ist. Einkornteig ist von Natur aus klebriger als reiner Weizenteig, weil Einkorn ein schwächeres Klebergerüst hat. Bestäube die Arbeitsfläche wirklich dick mit Mehl, bevor du den Teig darauf gibst. Auch die Teigkarte und deine Hände sollten bemehlt sein. Wenn der Teig trotzdem klebt, hast du möglicherweise zu viel Wasser verwendet. Beim nächsten Mal mit 285 g starten und die 15 g Reserve nur bei Bedarf nachgießen. Feuchte Hände funktionieren beim Stretch & Fold, beim Formen und Zwirbeln ist Mehl die bessere Wahl.

    ❌ Das Brot ist flach geworden und kaum aufgegangen

    Das kann drei Ursachen haben. Erstens war die Stockgare zu kurz und die Hefe hatte nicht genug Zeit. Prüfe, ob sich der Teig mindestens verdoppelt hat, bevor du ihn formst. Zweitens war der Teig überreif. Wenn er beim Eindrücken gar nicht mehr zurückfedert und sich fast flüssig anfühlt, hat die Hefe zu lange gearbeitet und das Klebergerüst ist zusammengefallen. In dem Fall hilft beim nächsten Mal eine kürzere Stockgare oder eine kühlere Umgebung. Drittens wurde beim Formen zu viel gedrückt und geknetet. Das zerstört die Gasstruktur. Kippe den Teig sanft raus, teile ihn und zwirble ihn vorsichtig. Weniger ist mehr.

    ❌ Die Kruste ist blass und weich, nicht kross

    Meistens fehlt der Schwaden. Ohne Dampf in den ersten 10 Minuten trocknet die Oberfläche zu schnell aus und bildet eine blasse, ledrige Kruste. Achte darauf, dass du das Wasser in eine richtig heiße Schale gießt, die mindestens 30 Minuten mit vorgeheizt wurde. Lauwarmes Metall erzeugt keinen Dampf. Als zweite Ursache kommt ein zu kühler Ofen infrage. 240 °C zum Vorheizen sollten es mindestens sein, dann auf 220 °C runterdrehen. Und prüfe, ob du wirklich Ober-/Unterhitze eingestellt hast, nicht Umluft. Umluft trocknet das Brot zu schnell aus, noch bevor es richtig aufgeht.

    ❌ Die Krume ist innen noch klebrig, obwohl die Kruste braun ist

    Länger backen und länger auskühlen. Klopfe auf die Unterseite, es muss hohl klingen. Wer ein Thermometer hat, misst nach, bei 96 °C ist das Brot durch. Und dann mindestens 30 Minuten auf dem Gitter stehen lassen, bevor du anschneidest. Beim Auskühlen zieht der Dampf aus der Krume und die Struktur wird fest.

    ❌ Die Zwirbelform ist beim Backen verschwunden, das Brot ist breit gelaufen

    Der Teig hatte zu wenig Spannung. Beim Zwirbeln muss der Strang unter leichter Spannung stehen, damit die Form im Ofen hält. Wenn du den Teig nur locker zusammenlegst, fließt er auseinander. Drehe die beiden Enden etwas fester gegeneinander, wie ein Handtuch, das du auswringst. Aber nicht reißen lassen. Außerdem hilft eine kürzere Stückgare. Lass den gezwirbelten Teigling nur 15–20 Minuten stehen statt 30, wenn dein Teig sehr weich ist. Je länger der Teigling steht, desto mehr verliert er seine Spannung.

    Hydration und Co. – für alle, die es genau wissen wollen

    Dieser Teil ist für alle, die gern mit Zahlen arbeiten. Fürs Backen selbst brauchst du die Tabelle nicht, aber sie hilft, wenn du das Rezept anpassen oder mit anderen Rezepten vergleichen willst.

    Gesamtmehl375 g
    Gesamtwasser285–300 g
    Hydration76–80 %
    Teigausbeute (TA)176–180
    Salz2,0 %

    Wie fühlt sich der Teig an?

    Mit 285 Gramm Wasser ist der Teig weich und leicht klebrig, lässt sich aber gut greifen. Einkorn macht ihn etwas schlüpfriger als einen reinen Weizenteig. Nach den vier Runden Dehnen und Falten wird er deutlich glatter und hält seine Form in der Schüssel. Wenn du die volle Reserve von 15 Gramm dazugibst, fließt er stärker und die Porung wird offener, dafür ist das Zwirbeln anspruchsvoller. Beim ersten Mal bleib bei 285 Gramm.

    Wurzelbrot ohne Kneten: Nahaufnahme der krossen Kruste und unregelmäßigen Porung

    Noch Fragen zum rustikalen Wurzelbrot? FAQ

    Welches Mehl eignet sich fürs Wurzelbrot?

    Ein kräftiges helles Mehl als Basis und ein aromatisches Mehl obendrauf. Bei mir sind das 260 g Weizenmehl Type 1050 und 115 g Einkorn. Reines 550er geht auch, dann wird das Brot milder und die Krume heller. Vollkornmehl würde ich hier nicht nehmen, das macht den Teig zu schwer zum Zwirbeln.

    Kann ich Trockenhefe statt Frischhefe nehmen?

    Ja. Nimm 2,5 g Trockenhefe statt der 7,5 g Frischhefe, das ist ein Drittel der Menge. Rühre sie direkt ins lauwarme Wasser mit dem Honig und warte fünf Minuten, bis sich Schaum zeigt. Am Zeitplan ändert sich nichts.

    Kann ich den Martins-Zwirbel auch mit Sauerteig statt Hefe backen?

    Ja, aber du musst den Zeitplan anpassen. Ersetze die 7,5 g Frischhefe durch 75 g aktives Weizen-Anstellgut und nimm nur noch etwa 275 g Schüttwasser, weil der Starter selbst rund 37 g Wasser mitbringt. Damit bleibst du bei derselben Teigkonsistenz wie im Grundrezept. Die Stockgare dauert dann 5 bis 7 Stunden statt 3,5 bis 4. Die lange Gare über Nacht funktioniert mit Sauerteig sogar noch besser, weil die kalte Gare die milden Säuren verstärkt, die gut zum nussigen Einkorn passen.

    Funktioniert das Rezept auch im Gusseisentopf?

    Vom Prinzip ja, aber die Wurzelform passt nicht in einen runden Topf. Wenn du im Gusseisentopf backen willst, forme den Teig lieber zu einem runden Laib statt ihn zu zwirbeln. Dann brauchst du auch keinen Schwaden, weil der geschlossene Topf die Feuchtigkeit einschließt. Die Backzeit verlängert sich auf 30 Minuten mit Deckel und 10 bis 15 Minuten ohne.

    Kann ich die Teigmenge verdoppeln, um zwei Brote zu backen?

    Verdoppeln geht, aber back die beiden Brote nicht gleichzeitig auf einem Blech. Zwei Teiglinge nebeneinander stören sich gegenseitig beim Ofentrieb und der Dampf verteilt sich schlechter. Back lieber nacheinander, oder lege das zweite Brot geformt in den Kühlschrank, bis das erste fertig ist. Die kalte Gare tut dem zweiten Brot sogar gut.

    Ist Einkorn für Menschen mit Weizenunverträglichkeit besser verträglich?

    Einkorn enthält Gluten, ist also bei Zöliakie nicht geeignet. Bei einer leichten Weizensensitivität berichten manche, dass sie Einkorn besser vertragen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass Einkorn andere Glutenstrukturen hat als moderner Weizen. Aber das ist keine medizinische Aussage. Wenn du unsicher bist, sprich vorher mit deinem Arzt.

    Wie lange hält sich Einkornmehl, und muss ich es besonders lagern?

    Einkornmehl wird schneller ranzig als normales Weizenmehl, weil es mehr ungesättigte Fettsäuren enthält. Helles Einkornmehl hält sich kühl und trocken gelagert etwa 3 bis 4 Monate, Vollkorn-Einkorn nur 6 bis 8 Wochen. Im Sommer oder bei warmem Lagerort besser im Kühlschrank aufbewahren. Wenn das Mehl bitter riecht, ist es hinüber.

    Mein Brot hat eine tolle Kruste, schmeckt aber fad, woran liegt das?

    Meistens an zu wenig Salz oder zu kurzer Stockgare. Salz unter 1,8 Prozent der Mehlmenge ergibt ein flaches Aroma, egal wie gut die Kruste aussieht. Wiege das Salz mit der Waage ab, nicht mit dem Teelöffel, der schwankt je nach Salzsorte zwischen 5 und 10 g. Der zweite Grund ist die Zeit. Wenn du den Teig nach 2 Stunden schon formst, hatten die Enzyme zu wenig Zeit, Geschmacksstoffe aufzubauen. Lass ihn ruhig die vollen 3,5 bis 4 Stunden stehen, auch wenn er vorher schon verdoppelt aussieht.

    Hier ist die Rezeptkarte zum Ausdrucken

    Wurzelbrot aufgeschnitten Scheibe

    Martins-Zwirbel – rustikales Wurzelbrot mit Einkorn

    Vorbereitung 40 Minuten
    Backzeit 25 Minuten
    Ruhezeiten 3 Stunden 55 Minuten
    Gesamtzeit 5 Stunden
    Wurzelbrot ohne Kneten, gezwirbelt aus Einkorn und Weizenmehl Type 1050. Goldgelbe Krume, krosse Kruste, nussiges Aroma, in gut fünf Stunden fertig.
    1 Brot
    Brot zum Grillen, Mischbrot, Urgetreidebrot, Wurzelbrot

    Zutaten

    Für 1 Wurzelbrot (ca. 660 g)
    • 260 g Weizenmehl Type 1050
    • 115 g Einkornmehl (hell)
    • 285 g Wasser (lauwarm, ca. 30 °C)
    • bis 15 g Wasser (Reserve, nach Bedarf)
    • 7,5 g Frischhefe (oder 2,5 g Trockenhefe)
    • 7,5 g Salz
    • 4-5 g Honig oder Zucker

    Kochutensilien

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    Zubereitung

    Klassisch (gut 5 Stunden)
    • Löse die Hefe und den Honig in 285 g lauwarmem Wasser auf.
    • Vermische 260 g Weizenmehl Type 1050, 115 g Einkornmehl und 7,5 g Salz in einer großen Schüssel.
    • Gieße das Hefewasser dazu und verrühre alles, bis kein trockenes Mehl mehr sichtbar ist. Gib bei trockenen Stellen die 15 g Reserve schluckweise nach.
    • Decke die Schüssel mit einem feuchten Tuch oder einem Teller ab.
    • Mache nach 30 Minuten das erste Stretch & Fold: Ziehe den Teig von jeder Seite nach oben und falte ihn zur Mitte. Wiederhole das insgesamt 4 Mal im Abstand von je 30 Minuten.
    • Lass den Teig danach weitere 1,5 bis 2 Stunden abgedeckt bei 22 bis 25 °C gehen, bis er sich verdoppelt hat.
    • Bemehle die Arbeitsfläche großzügig und kippe den Teig vorsichtig darauf. Forme ihn zu einem Strang von 35 bis 40 cm Länge.
    • Schneide den Strang der Länge nach in zwei Hälften, lass sie aber an einem Ende verbunden. Drehe beide Hälften vorsichtig umeinander, wie ein Seil.
    • Lege den Teigling auf ein mit Backpapier belegtes Blech, bestäube ihn mit Mehl und lass ihn 20 bis 30 Minuten abgedeckt ruhen.
    • Heize den Ofen mindestens 30 Minuten auf 240 °C Ober-/Unterhitze vor, mit einer leeren Metallschale auf dem Ofenboden.
    • Schiebe das Blech in den Ofen, gieße 100 ml Wasser in die heiße Metallschale und schließe die Ofentür sofort. Drehe die Temperatur auf 220 °C runter.
    • Öffne nach 10 Minuten die Ofentür kurz, lass den Dampf ab und drehe die Temperatur auf 200 °C runter.
    • Backe das Brot insgesamt 20 bis 25 Minuten, bis die Kruste dunkelgoldbraun ist und die Kerntemperatur 96 °C erreicht.
    • Lass das Brot auf einem Gitter mindestens 30 Minuten auskühlen, bevor du es anschneidest.
    Lang (über Nacht im Kühlschrank)
    • Löse die Hefe und den Honig in 285 g lauwarmem Wasser auf.
    • Vermische 260 g Weizenmehl Type 1050, 115 g Einkornmehl und 7,5 g Salz in einer großen Schüssel.
    • Gieße das Hefewasser dazu und verrühre alles, bis kein trockenes Mehl mehr sichtbar ist. Gib bei trockenen Stellen die 15 g Reserve schluckweise nach.
    • Decke die Schüssel mit einem feuchten Tuch oder einem Teller ab.
    • Mache nach 30 Minuten das erste Stretch & Fold: Ziehe den Teig von jeder Seite nach oben und falte ihn zur Mitte. Wiederhole das insgesamt 4 Mal im Abstand von je 30 Minuten.
    • Bemehle die Arbeitsfläche großzügig und kippe den Teig direkt nach dem vierten Stretch & Fold darauf. Forme ihn zu einem Strang von 35 bis 40 cm Länge.
    • Schneide den Strang der Länge nach in zwei Hälften, lass sie an einem Ende verbunden und drehe beide Hälften umeinander.
    • Lege den Teigling auf ein mit Backpapier belegtes Blech, bestäube ihn mit Mehl, decke ihn ab und stelle ihn für 8 bis 12 Stunden in den Kühlschrank.
    • Nimm ihn am nächsten Morgen heraus und lass ihn 30 Minuten bei Raumtemperatur akklimatisieren.
    • Heize den Ofen mindestens 30 Minuten auf 240 °C Ober-/Unterhitze vor, mit einer leeren Metallschale auf dem Ofenboden.
    • Schiebe das Blech in den Ofen, gieße 100 ml Wasser in die heiße Metallschale und schließe die Ofentür sofort. Drehe die Temperatur auf 220 °C runter.
    • Öffne nach 10 Minuten die Ofentür kurz, lass den Dampf ab und drehe die Temperatur auf 200 °C runter.
    • Backe das Brot insgesamt 20 bis 25 Minuten, bis die Kruste dunkelgoldbraun ist und die Kerntemperatur 96 °C erreicht.
    • Lass das Brot auf einem Gitter mindestens 30 Minuten auskühlen, bevor du es anschneidest.

    Notizen

    Zur Wassermenge: Einkorn nimmt Wasser langsamer auf als moderner Weizen. Starte mit 285 g und gieße die 15 g Reserve nur nach, wenn du trockene Stellen siehst.
    Zum Backen: Ober-/Unterhitze, keine Umluft. Umluft trocknet das Brot aus, bevor es richtig aufgeht.

    Hast du das Rezept schon ausprobiert?

    Ich freu mich über einen Kommentar von dir.
  • Limpurger Schrotlaib – Rustikales Weizenmisch-Brot mit Röst-Brühstück

    Limpurger Schrotlaib – Rustikales Weizenmisch-Brot mit Röst-Brühstück

    Die Grafschaft Limpurg südlich von Schwäbisch Hall war über Jahrhunderte bäuerlich geprägt. Auf den Hügeln zwischen Kocher und Bühler wuchsen Roggen, Dinkel und Weizen. Holz aus den Limpurger Wäldern wurde auf dem Kocher nach Hall geflößt, wo es die Saline befeuerte, denn Schwäbisch Hall war eine Salzstadt. Die Bauern der Grafschaft lebten bescheiden, aßen, was der Boden hergab, und backten Brote aus grobem Schrot, weil sich feines Mehl kaum einer leisten konnte. Kräftige, dunkle Laibe mit dicker Kruste, Brote, die satt machten und tagelang hielten.

    Mein Limpurger Schrotlaib knüpft an diese Tradition an. Kein feines Weißbrot, sondern ein kräftiger, rustikaler Laib, der seinen Geschmack einem besonderen Schritt verdankt, dem Röst-Brühstück. Roggenschrot wird in einer trockenen Pfanne geröstet, bis er goldbraun ist und nussig-erdig duftet, dann mit kochendem Wasser überbrüht. Das Rösten bringt die nussigen Aromen raus, das Brühen bindet die Feuchtigkeit im Schrot, zusammen macht das die Krume saftig und das Brot haltbar.

    Die Mischung aus Weizenmehl und Dinkelmehl gibt dem Teig Struktur und Leichtigkeit, während der Roggenschrot für den kräftigen Geschmack sorgt. Vor dem Backen wird der Teigling in trockenem Roggenschrot gewälzt, das gibt eine körnige Kruste, die beim Anschneiden richtig schön knuspert.

    Plane für dieses Brot etwa 8–9 Stunden ein, davon stehst du nur 35 Minuten aktiv in der Küche. Den Rest erledigen das Brühstück und der Teig von alleine.

    Rustikaler Schrotlaib mit bemehlter Kruste auf Holzbrett – Weizenmischbrot backen mit Röst-Brühstück

    Backzeiten-Rechner

    Wann muss ich anfangen?

    Du willst den Schrotlaib zu einer bestimmten Uhrzeit aus dem Ofen holen? Sag dem Backzeiten-Rechner, wann du fertig sein möchtest, und er rechnet dir jeden Schritt bis zum Rösten des Schrots zurück.

    Zum Rechner springen ↓

    Die Zutaten – das ist drin im Weizenmischbrot

    Röst-Brühstück
    Roggen-Vollkorn-Schrot (grob)100 g
    Wasser (kochend)150 g
    Hauptteig
    Das komplette Röst-Brühstück (kalt)(250 g)
    Weizenmehl Type 550300 g
    Dinkelmehl Type 630100 g
    Anstellgut (frisch gefüttert)50 g
    Frischhefe3 g
    Honig10 g
    Röstmalzmehl (inaktiv)5 g
    Salz11 g
    Olivenöl20 g
    Wasser (kalt)200 g
    Wasser (Bassinage, bei Bedarf)20–30 g
    Zum Wälzen
    Trockener Roggen-Vollkorn-Schrot3–4 EL

    Warum Sauerteig und Hefe zusammen in den Teig kommen

    In diesem Teig arbeiten zwei Triebmittel nebeneinander, 50 g Anstellgut und 3 g Frischhefe. Das irritiert viele. Es klingt, als würde man dem Sauerteig nicht zutrauen, was er eigentlich kann.

    Die beiden machen aber nicht dasselbe.

    Der Sauerteig ist für den Geschmack zuständig. In den vier Stunden Stockgare legen die Milchsäurebakterien die leicht säuerliche Tiefe an, die zum gerösteten Roggenschrot passt. Ohne ihn schmeckt der Laib flach, ganz egal wie schön er aufgeht.

    Die Hefe ist für den Trieb zuständig. Ein Teig mit 100 g Roggenschrot ist schwerer, als er aussieht. Die Schalenteilchen im Schrot stören das Klebernetz aus Weizen und Dinkel, und je nachdem, wie fit dein Anstellgut gerade ist, reicht seine Kraft für dieses Gewicht in vier Stunden nicht sicher aus. Die 3 g Hefe sind gut ein halbes Prozent vom Mehl, also so wenig, dass du sie im Geschmack nicht wiederfindest, und genug, damit der Laib verlässlich hochkommt.

    Ich habe die Hefe von Anfang an mit reingenommen, weil es für Brotback-Neulinge sicherer ist. Wenn du noch nicht einschätzen kannst, ob dein Starter gerade fit genug ist, nimmt dir die Hefe genau diese Frage ab.

    Wenn dein Anstellgut sehr aktiv ist und du Zeit mitbringst, kannst du die Hefe auch weglassen. Wie das geht, steht weiter unten bei den Varianten.

    Robert sagt

    „Drei Gramm Hefe. Und wegen drei Gramm rege ich mich jetzt auf, ja.

    Dann hab ich mir das Ganze in Ruhe angeschaut. Sie treibt. Mehr macht sie nicht. Sie geht rein, sie bläst den Teig auf, und dann ist sie wieder weg. Kein Aroma, keine Säure, nichts, woran sich am nächsten Tag noch jemand erinnert.

    Der Geschmack in dieser Krume ist von mir. Da kommt sie nicht ran, und das weiß sie auch.“

    Zwei Zeitpläne für deinen Tag

    Der Teig ist beide Male der gleiche. Ob du alles an einem Tag machst oder die Gare über Nacht in den Kühlschrank verlegst, bestimmst du nach deinem Tag. Die kühle Variante bringt dir dazu noch etwas mehr Aroma.

    Empfehlung

    Klassisch

    Ablauf

    Morgens das Brühstück rösten und ansetzen, nach dem Quellen den Hauptteig kneten. Dann Stockgare, formen, kurze Stückgare und ab in den heißen Topf. Alles an einem Tag.

    Gesamtzeit

    ca. 8–9 Stunden an einem Tag (aktiv ~35 Minuten)

    Charakter

    Mild und nussig, unkompliziert. Wer morgens anfängt, hat am Nachmittag frisches Brot.

    Lang

    Ablauf

    Brühstück und Hauptteig am ersten Tag, dann wandert der geformte Teigling über Nacht in den Kühlschrank (5–7 °C). Am nächsten Morgen backst du ihn direkt aus der Kälte.

    Gesamtzeit

    ca. 18–20 Stunden über 2 Tage (aktiv ~35 Minuten)

    Charakter

    Kräftiger und einen Tick säuerlicher durch die lange kühle Gare. Und du entscheidest am Backtag frei, wann der Ofen angeht.

    Limpurger Schrotlaib halbiert mit Brotscheiben im Hintergrund, rustikales Brot selber backen

    So backst du den Limpurger Schrotlaib

    Schritt 1: Röst-Brühstück ansetzen

    1. Roggenschrot in einer trockenen Pfanne bei mittlerer Hitze 3–4 Minuten rösten, bis er goldbraun ist und nussig duftet. Regelmäßig umrühren. Durch die Hitze bricht die Stärke im Schrot auf, das setzt Röstaromen frei, die du mit rohem Schrot nie bekommst.
    2. Den gerösteten Schrot mit dem kochenden Wasser übergießen und gut umrühren. Das kochende Wasser hat zwei Aufgaben. Es quillt den Schrot auf und bindet die Feuchtigkeit, die später in der Krume bleibt. Abdecken und mindestens 3 Stunden quellen lassen, oder über Nacht im Kühlschrank.
    Wie dunkel darf der Schrot werden?

    Röste den Schrot goldbraun, nicht dunkelbraun. Zu stark gerösteter Schrot schmeckt bitter. Wenn es anfängt zu rauchen, runter mit der Hitze.

    Schritt 2: Hauptteig kneten

    1. Wasser, Anstellgut, Frischhefe und Honig in die Knetschüssel geben. Wenn du dein Anstellgut vorher auffrischst, sollte es innerhalb von 4–6 Stunden Blasen werfen und sich sichtbar vergrößern.
    2. Weizenmehl und Dinkelmehl dazu, 3 Minuten auf langsamster Stufe ankneten. Brühstück und Olivenöl kommen noch nicht rein, die Mehle brauchen erst Zeit, das Wasser aufzunehmen und ein Glutennetz aufzubauen.
    3. Jetzt das abgekühlte Brühstück, Olivenöl, Röstmalzmehl und Salz dazu. Auf zweiter Stufe 5–8 Minuten kneten, bis sich der Teig vom Schüsselrand löst. Die Oberfläche bleibt durch die Schrotstücke etwas rau, das ist normal und gewollt.
    4. Bei Bedarf 20–30 g Wasser als Bassinage tröpfchenweise zugeben. Nicht alles auf einmal, gib dem Teig 1–2 Minuten, bis er das Wasser aufgenommen hat, bevor du mehr hinzufügst.
    Überkneten vermeiden

    Durch den Dinkelanteil ist der Teig empfindlicher als reiner Weizenteig. Sobald er sich vom Schüsselrand löst und glatt aussieht, hör auf. Überkneten macht ihn klebrig und schlapp, dann hilft auch kein Mehl mehr.

    Schritt 3: Stockgare

    1. Teig in eine leicht geölte Schüssel geben, abdecken. 4 Stunden bei Raumtemperatur (22–24 °C) gehen lassen. In dieser Zeit fermentiert der Sauerteig den Teig und baut Aroma auf. Ich nutze die Wartezeit meistens, um die Küche aufzuräumen und das Brühstück-Geschirr zu spülen, danach ist bis zum Dehnen und Falten nichts zu tun.
    2. Nach 45 und 90 Minuten dehnen und falten. Dazu den Teig mit nassen Händen von allen vier Seiten hochziehen und zur Mitte falten. Das Dehnen und Falten ersetzt an dieser Stelle weiteres Kneten, es baut Spannung im Teig auf und verteilt die Gärgase gleichmäßig, ohne die Schrotstücke aus dem Brühstück zu beschädigen. Du wirst merken, wie der Teig nach jedem Durchgang fester und geschmeidiger wird. Nach der zweiten Runde fühlt er sich deutlich anders an als direkt nach dem Kneten, straffer, glatter, mit mehr Widerstand.

    Schritt 4: Formen und in Schrot wälzen

    1. Teig auf eine leicht bemehlte Arbeitsfläche kippen und zu einer straffen Kugel formen. Straff formen heißt, die Teigoberfläche nach unten zu ziehen und dabei zu drehen, bis eine glatte Spannung an der Oberfläche entsteht. Je straffer du formst, desto besser hält das Brot seine Form im Ofen.
    2. Den Verschluss (die Naht) mit Wasser befeuchten und in trockenem Roggenschrot wälzen. Der Verschluss muss richtig nass sein, nicht nur leicht angefeuchtet, sonst fällt der Schrot nach dem Backen ab.
    3. Teigling mit der Schrotseite nach unten in ein bemehltes Gärkörbchen legen. Beim Stürzen zeigt die Schrotseite dann nach oben.

    Schritt 5: Stückgare

    1. Gärkörbchen abdecken, 45–60 Minuten bei Raumtemperatur gehen lassen. Der Teigling sollte sichtbar aufgegangen sein, aber noch Spannung haben. Drücke leicht mit dem Finger rein, wenn die Delle sich langsam zurückbildet, ist er bereit. Bei Übernacht-Gare kommt er jetzt abgedeckt in den Kühlschrank (5–7 °C).
    2. Backofen mit Gusseisentopf auf 250 °C Ober-/Unterhitze vorheizen, mindestens 45 Minuten. Der Topf muss durchgeheizt sein, sonst fehlt dem Brot der Ofentrieb.
    Backpapier als Tragehilfe

    Schneide das Backpapier in einen breiten Streifen und leg es unter den Teigling, bevor du ihn stürzt. Mit den Enden hebst du ihn sicher in den heißen Topf und wieder heraus, ohne dir die Finger zu verbrennen.

    Schritt 6: Backen

    1. Teigling auf Backpapier stürzen (Schrot zeigt nach oben) und mit einer Bäckerklinge einschneiden, etwa 1 cm tief, im 45-Grad-Winkel. Der Einschnitt gibt dem Brot eine kontrollierte Stelle, an der es beim Backen aufreißen kann.
    2. Backpapier in den heißen Topf heben, Deckel drauf. 40 Minuten bei 230 °C backen. Der geschlossene Deckel fängt den Dampf ein, den der Teig abgibt, das sorgt für eine dünne, knusprige Kruste.
    3. Deckel abnehmen, auf 210 °C reduzieren, 10–15 Minuten offen fertig backen, bis die Kruste dunkelbraun ist. Wenn du ein Einstichthermometer hast, ist der Laib bei 96 bis 98 °C Kerntemperatur fertig.
    4. Auf einem Rost mindestens 2 Stunden auskühlen lassen. Nicht zu früh anschneiden, das Brot backt auf dem Rost noch nach, und die Krume stabilisiert sich erst beim Abkühlen.
    Vorsicht

    Der Gusseisentopf hat 45 Minuten bei 250 °C im Ofen gestanden. Nimm dicke Ofenhandschuhe beim Öffnen des Deckels und beim Heben des Topfes. Verbrennungsgefahr!

    Mein Zubehör, das ich verwende

    Runde Backmatte für den gusseisernen Topf
    Runde Backmatte*
    Die kommt bei mir unter den Teig, zum Formen und zum Backen. Da klebt nichts an und das Saubermachen ist schnell erledigt.
    Einstichthermometer zum Messen der Kerntemperatur
    Einstichthermometer*
    Ab 98 °C Kerntemperatur ist das Brot durch. Damit rät man nicht mehr, ob es fertig ist.
    Teigkarte aus Edelstahl zum Portionieren
    Teigkarte aus Edelstahl*
    Die feste Karte nehm ich zum Abstechen und Portionieren. Damit teil ich den Teig sauber, ohne ihn zu quetschen.

    Hier kannst du meine komplette Backausrüstung anschauen.

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    Dein Schrotlaib, deine Regeln – 6 Varianten zum Ausprobieren

    Mehr Roggen, mehr Charakter

    Ersetze 100 g des Weizenmehls Type 550 durch 100 g Roggenmehl Type 1150. Das verschiebt den Geschmack deutlich in Richtung kräftig-herzhaft, und die Krume wird dichter und feuchter. Roggenmehl bindet mehr Wasser als Weizen, deshalb brauchst du wahrscheinlich keine Bassinage, die 200 g Wasser im Hauptteig reichen aus. Der Teig wird klebriger als in der Grundversion. Bemehle deine Hände und die Arbeitsfläche beim Formen großzügig mit Roggenmehl. Die Stockgare bleibt gleich, die Stückgare verkürzt sich um etwa 10 Minuten, weil Roggen schneller fermentiert.

    Ohne Sauerteig – nur mit Hefe

    Lass das Anstellgut weg und erhöhe die Frischhefe auf 8 g. Das Brot schmeckt dann milder und weniger komplex, weil die Milchsäure aus dem Sauerteig fehlt. Die Stockgare verkürzt sich auf etwa 2 Stunden, die Stückgare auf 30–40 Minuten. Der Teig geht schneller auf, ist aber auch empfindlicher gegenüber Übergare, behalte ihn im Blick. Wenn du den leicht säuerlichen Geschmack trotzdem haben willst, gib 1 EL Apfelessig zum Hauptteig. Diese Variante eignet sich, wenn dein Sauerteig gerade nicht fit ist oder du spontan backen willst.

    In der Kastenform – einfacher zu formen

    Backe das Brot in einer gefetteten Kastenform (25 cm). Die Kastenform gibt dem Teig Halt, deshalb musst du beim Formen weniger Spannung aufbauen, den Teig einfach reinlegen und leicht andrücken. Die Stückgare dauert 60–75 Minuten, bis der Teig etwa 1 cm über den Formrand steht. Backe bei 220 °C Ober-/Unterhitze für 50–55 Minuten ohne Deckel. Du brauchst keinen Gusseisentopf und kein Backpapier als Schlinge. Die Kruste wird dünner als im Topf, dafür bekommst du gleichmäßige Scheiben. Ich nutze die Kastenform, wenn das Brot hauptsächlich als Sandwichbrot dienen soll.

    Mit Körnern und Saaten für mehr Biss

    Mische 50–70 g Saaten nach dem Kneten auf niedrigster Stufe in den Teig. Sonnenblumenkerne, Leinsamen oder Sesam funktionieren alle, auch gemischt. Röste die Saaten vorher 2–3 Minuten in einer trockenen Pfanne an, das bringt nussige Aromen raus, die sich mit dem gerösteten Schrot ergänzen. Die Saaten brauchen Wasser, deshalb gib die volle Bassinage (30 g) dazu, damit die Krume nicht austrocknet. Die Stockgare bleibt gleich. Das Brot wird kerniger und sättigender, hält sich aber genauso lange frisch wie die Grundversion.

    Ohne Röstmalz – milder und süßer

    Lass das Röstmalzmehl weg und erhöhe den Honig auf 15 g. Das Brot wird milder im Geschmack, die Kruste etwas heller und weniger kräftig gebräunt. Die Röstaromen aus dem Brühstück tragen das Brot trotzdem, es schmeckt nur weniger malzig und einen Tick süßer. Die Backzeit bleibt gleich, aber prüfe die Kruste gegen Ende genauer, weil sie ohne Malz weniger stark nachdunkelt. Diese Variante eignet sich, wenn du Röstmalzmehl nicht zur Hand hast oder ein Brot bevorzugst, das auch zu mildem Belag passt.

    Nur mit Sauerteig, ohne Hefe

    Wenn dein Anstellgut zuverlässig arbeitet und du weißt, wie lange es bei dir bis zum Höhepunkt braucht, lass die 3 g Hefe einfach weg. Ich habe den Laib selbst noch nicht ohne gebacken, deshalb bekommst du von mir keine Stundenzahl, die nur geraten wäre. Plane deutlich mehr Zeit für die Stockgare ein. Der Teig sagt dir, wann er so weit ist. Er hat dann sichtbar an Volumen zugelegt und fühlt sich beim Anheben der Schüssel weich und luftig an. Etwas mehr Anstellgut, also 75 g statt 50 g, hilft zusätzlich.

    Meine Lieblingsvariante

    Das klassische Rezept, genau so wie es hier steht. Die Kombination aus geröstetem Schrot, Röstmalz, Honig und Olivenöl gibt dem Limpurger Schrotlaib genau die richtige Balance, kräftig und nussig, aber trotzdem saftig und nicht zu schwer.

    Aufgeschnittener Limpurger Schrotlaib auf Schneidebrett, Krume und Kruste von oben fotografiert

    Wenn dein Schrotlaib nicht so wird wie geplant

    Ein paar Sachen gehen beim Schrotlaib häufiger schief. Meistens steckt eine einfache Ursache dahinter, und die kriegst du beim nächsten Mal in den Griff.

    ❌ Das Brühstück ist zu nass und matschig

    Das Brühstück sieht aus wie Brei und hat keine Struktur mehr. Das passiert fast immer, wenn du feinen Schrot statt grob geschroteten Vollkornschrot verwendest. Feiner Schrot saugt das Wasser sofort komplett auf und wird matschig, grober Schrot behält seine Körnung und Textur. Wenn das Brühstück trotz grobem Schrot zu nass ist, gieß die überschüssige Flüssigkeit vorsichtig ab, bevor du es in den Teig gibst. Beim nächsten Mal reduzierst du das Wasser im Brühstück um 10–20 g. Das fertige Brühstück sollte feucht sein, aber nicht tropfen.

    ❌ Der Teig ist zu klebrig und lässt sich nicht formen

    Der Teig bleibt an Händen und Arbeitsfläche haften und du bekommst keine Kugel geformt. Das liegt meistens an zu viel Bassinage oder daran, dass der Teig zu warm geworden ist, über 26 °C wird es schwierig. Bemehle Hände und Arbeitsfläche großzügig mit Weizenmehl und arbeite zügig. Je länger du den Teig bearbeitest, desto klebriger wird er. Wenn gar nichts mehr geht, stell den Teig 10–15 Minuten in den Kühlschrank. Die Kälte macht ihn fester und deutlich einfacher zu formen. Beim nächsten Mal gibst du weniger oder keine Bassinage dazu.

    ❌ Das Brot geht nicht richtig auf

    Das Brot bleibt nach dem Backen flach und kompakt, die Krume ist dicht und schwer. Die häufigste Ursache ist ein schwaches oder inaktives Anstellgut. Prüfe vor dem Backen, ob dein Anstellgut innerhalb von 4–6 Stunden nach dem Füttern Blasen wirft und sich sichtbar vergrößert. Wenn deine Küche kühler als 22 °C ist, braucht der Teig mehr Zeit, verlängere die Stockgare um 30–60 Minuten. Achte darauf, dass die Stückgare nicht über 60 Minuten hinausgeht, sonst verliert der Teig seine Spannung und sackt im Ofen zusammen. Wenn du auf Nummer sicher gehen willst, erhöhe die Frischhefe auf 8 g.

    ❌ Die Krume ist zu dicht und kompakt

    Die Krume hat kaum sichtbare Poren und sieht massiv aus. Das liegt fast immer an zu wenig Teigentwicklung, also zu kurz geknetet oder das Dehnen und Falten ausgelassen. Knete den Teig die vollen 5–8 Minuten auf Stufe 2, bis er sich sauber vom Schüsselrand löst. Die Oberfläche bleibt durch den Schrot etwas rau, aber der Teig sollte trotzdem elastisch sein und sich ziehen lassen. Dehnen und Falten nach 45 und 90 Minuten ist kein optionaler Schritt, es baut genau die Struktur auf, die das Brot für eine lockere Krume braucht. Wenn du von Hand knetest statt mit der Maschine, plane 12–15 Minuten ein.

    ❌ Der Schrot fällt nach dem Backen von der Kruste

    Nach dem Backen liegt der Roggenschrot auf dem Backpapier statt auf dem Brot. Das passiert, wenn die Oberfläche des Teiglings beim Wälzen nicht feucht genug war. Befeuchte den Verschluss (die Naht) großzügig mit Wasser, er muss richtig nass sein, nicht nur leicht angefeuchtet. Drücke den Teigling dann mit sanftem, gleichmäßigem Druck in den trockenen Roggenschrot und achte darauf, dass der Schrot die gesamte Oberfläche bedeckt. Wenn du auf Nummer sicher gehen willst, besprüh den ganzen Teigling mit einer Sprühflasche, bevor du ihn in den Schrot legst.

    Detailaufnahme der aufgerissenen Kruste vom Limpurger Schrotlaib mit Röstaromen aus dem Brühstück

    Hydration und Co. – für alle, die es genau wissen wollen

    Kurz zur Einordnung, dieser Teil ist für alle, die gern mit Zahlen arbeiten. Fürs Backen selbst brauchst du die Tabelle nicht, aber sie hilft, wenn du das Rezept anpassen oder mit anderen Rezepten vergleichen willst.

    Gesamtmehl500 g
    Gesamtwasser350 g
    Hydration70 %
    Teigausbeute (TA)170
    Salz2,2 %

    Wie fühlt sich der Teig an?

    Mit 70 % Hydration und dem Brühstück im Teig ist er weicher als ein Standard-Brotteig, aber gut zu verarbeiten. Die Schrotstücke machen die Oberfläche etwas rau, das ist gewollt. Nach der Stockgare mit Dehnen und Falten wird er fester und lässt sich gut formen. Mit voller Bassinage (bis 30 g) steigt die effektive Hydration auf etwa 76 %.

    Querschnitt durch den Limpurger Schrotlaib mit saftiger Krume und körniger Kruste

    Noch Fragen zum Limpurger Schrotlaib? – FAQ

    Warum ist im Rezept Hefe UND Sauerteig?

    Der Sauerteig bringt Geschmack und Säure, die Hefe sorgt für zuverlässigen Trieb. Mit 50 g Anstellgut auf 500 g Mehl und Schrot reicht die Kraft des Sauerteigs allein nicht sicher aus, um den Teig in vier Stunden Stockgare aufgehen zu lassen. Die 3 g Frischhefe geben ihm diese Sicherheit, ohne beim Geschmack mitzureden. Wenn dein Anstellgut sehr aktiv ist, kannst du die Hefe weglassen und dem Teig deutlich mehr Zeit geben. Ausführlich steht das weiter oben im Abschnitt darüber, warum beide Triebmittel im Teig sind.

    Welchen Schrot nehme ich – grob oder fein?

    Grob geschrotet. Feiner Schrot saugt das Wasser im Brühstück zu schnell auf und wird matschig. Grober Schrot behält seine Struktur, gibt dem Brot Biss und sorgt für die körnige Textur in der Krume. Im Bioladen oder in der Mühle findest du ihn meistens als „Roggen-Vollkorn-Schrot grob“. Wenn du nur feinen Schrot bekommst, reduziere das Wasser im Brühstück um 20–30 g.

    Kann ich statt Roggenschrot auch Weizen- oder Dinkelschrot verwenden?

    Ja, aber das Ergebnis verändert sich. Weizenschrot schmeckt milder und weniger kräftig, die Röstaromen kommen nicht so intensiv durch. Dinkelschrot bringt eine leicht nussige Note mit, ist aber empfindlicher beim Rösten und verbrennt schneller. Roggenschrot ist hier die beste Wahl, weil er die Röstaromen am intensivsten entwickelt und dem Brot seinen kräftigen Charakter gibt.

    Was ist Röstmalzmehl und wo bekomme ich es?

    Röstmalzmehl ist geröstetes, enzymatisch inaktives Gerstenmalz. Es gibt dem Brot eine dunklere Krume, eine kräftigere Kruste und einen malzigen Geschmack. Du findest es in Biomärkten, Mühlenläden oder online, achte darauf, dass „inaktiv“ auf der Packung steht. Aktives Malz hat eine andere Wirkung und macht den Teig klebrig.

    Kann ich den Schrotlaib auch ohne Gusseisentopf backen?

    Ja. Backe das Brot auf einem Backstein oder Backstahl bei 250 °C und bedampfe kräftig. Dazu gießt du 100–150 ml Wasser in eine heiße Schale am Ofenboden. Nach 15 Minuten den Dampf ablassen und bei 210 °C fertig backen, insgesamt 45–50 Minuten. Die Kruste wird anders, weniger gleichmäßig knusprig als im Topf, aber trotzdem gut.

    Kann ich das Rezept auf 2 Brote verdoppeln?

    Ja, verdopple alle Zutaten. Die Knetzeit verlängert sich um etwa 2 Minuten, weil die Maschine mehr Masse bewegen muss. Stockgare und Stückgare bleiben gleich. Beim Backen musst du die Brote nacheinander in den Topf geben oder zwei Töpfe gleichzeitig verwenden. Wenn du nur einen Topf hast, lass den zweiten Teigling im Kühlschrank warten, bis der erste fertig ist.

    Wie lange ist der Limpurger Schrotlaib haltbar?

    Durch das Brühstück, den Sauerteig und das Olivenöl hält sich das Brot 5–7 Tage bei Raumtemperatur in einem Brotbeutel oder einer Brotdose. Im Kühlschrank wird es schneller trocken. Eingefroren hält es sich mehrere Monate, ich schneide es vorher in Scheiben, dann kann ich einzelne Scheiben direkt im Toaster aufbacken.

    Muss ich das Brot einschneiden?

    Nicht zwingend, aber es hilft. Der Einschnitt gibt dem Brot eine kontrollierte Stelle, an der es beim Backen aufreißen kann. Ohne Schnitt reißt die Kruste unkontrolliert auf, das sieht wild aus, schmeckt aber genauso gut. Beim Limpurger Schrotlaib mit der Schrotdekoration reißt das Brot ohnehin etwas rustikaler auf.

    Die Rezeptkarte fürs Weizenmischbrot zum Ausdrucken

    Angeschnittener Limpurger Schrotlaib mit zwei Scheiben, saftige Krume mit feiner Porung sichtbar

    Limpurger Schrotlaib – Rustikales Weizenmisch-Brot mit Röst-Brühstück

    Vorbereitung 30 Minuten
    Backzeit 55 Minuten
    Ruhezeiten 8 Stunden
    Gesamtzeit 9 Stunden 25 Minuten
    Rustikales Weizenmischbrot aus der Limpurger Gegend. Gerösteter Roggenschrot wird zum Brühstück, Weizen und Dinkel geben Struktur. Nussig, saftig, mit körniger Kruste aus Roggenschrot.
    1 Brot
    Bauernbrot, Mischbrot

    Zutaten

    Röst-Brühstück
    • 100 g Roggen-Vollkorn-Schrot grob
    • 150 g Wasser kochend
    Hauptteig
    • Das kalte Röst-Brühstück komplett
    • 300 g Weizenmehl Type 550
    • 100 g Dinkelmehl Type 630
    • 50 g aktiver Sauerteig Anstellgut, frisch gefüttert
    • 3 g Frischhefe
    • 10 g Honig
    • 5 g Röst-Malz inaktiv
    • 11 g Salz
    • 20 g Olivenöl
    • 200 g Wasser kalt
    • 20-30 g Wasser extra Bassinage, bei Bedarf
    Zum Wälzen
    • 3-4 EL trockener Roggen-Vollkorn-Schrot

    Kochutensilien

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    Zubereitung

    Schritt 1: Röst-Brühstück
    • Du röstest 100 g Roggenschrot in einer trockenen Pfanne bei mittlerer Hitze 3–4 Minuten, bis er goldbraun ist. Dann übergießt du ihn mit 150 g kochendem Wasser, deckst die Schüssel ab und lässt das Brühstück mindestens 3 Stunden quellen.
    Schritt 2: Mehl und Wasser ankneten
    • Gib 200 g kaltes Wasser, 50 g Anstellgut, 3 g Frischhefe und 10 g Honig in die Knetschüssel. Füge 300 g Weizenmehl Type 550 und 100 g Dinkelmehl Type 630 hinzu und knete alles 3 Minuten auf Stufe 1 an.
    Schritt 3: Hauptteig kneten
    • Jetzt gibst du das abgekühlte Brühstück, 20 g Olivenöl, 5 g Röstmalzmehl und 11 g Salz dazu. Du knetest den Teig 5–8 Minuten auf Stufe 2, bis er sich vom Schüsselrand löst. Bei Bedarf arbeitest du 20–30 g Wasser als Bassinage tröpfchenweise ein.
    Schritt 4: Stockgare mit Dehnen und Falten
    • Den Teig gibst du in eine leicht geölte Schüssel und deckst sie ab. Er geht 4 Stunden bei 22–24 °C. Nach 45 und 90 Minuten dehnst und faltest du ihn jeweils einmal.
    Schritt 5: Formen und in Schrot wälzen
    • Du formst den Teig zu einer straffen Kugel und befeuchtest den Verschluss mit Wasser. Dann wälzt du ihn in trockenem Roggenschrot und legst ihn mit der Schrotseite nach unten in ein bemehltes Gärkörbchen.
    Schritt 6: Stückgare und Ofen vorheizen
    • Das Gärkörbchen deckst du ab und lässt den Teigling 45–60 Minuten gehen. In der Zwischenzeit heizt du den Backofen mit dem Gusseisentopf auf 250 °C Ober-/Unterhitze vor – mindestens 45 Minuten.
    Schritt 7: Einschneiden und Backen
    • Du stürzt den Teigling auf ein Backpapier und schneidest ihn etwa 1 cm tief ein. Dann hebst du ihn in den heißen Topf, setzt den Deckel auf und backst 40 Minuten bei 230 °C.
    Schritt 8: Fertig backen und Auskühlen
    • Nach 40 Minuten nimmst du den Deckel ab, reduzierst auf 210 °C und backst das Brot 10–15 Minuten offen fertig, bis es eine Kerntemperatur von 96 bis 98 °C hat. Danach lässt du es auf einem Rost mindestens 2 Stunden auskühlen.

    Hast du das Rezept schon ausprobiert?

    Ich freu mich über einen Kommentar von dir.
  • Urkorn-Bobbel – Einkorn-Brötchen mit Poolish und langer Gare

    Urkorn-Bobbel – Einkorn-Brötchen mit Poolish und langer Gare

    Meine Oma hat immer Knauzen mitgebracht, wenn sie zu uns gekommen ist. Das ist eine Brötchenspezialität aus Oberschwaben, meist aus Dinkelmehl, mit sehr viel Wasser im Teig und einer Reife über Nacht. Beim Backen bekommen sie dadurch ihre urige, knorrige Form. Heute sind meine Urkorn-Bobbel die Version, die bei mir daraus geworden ist. Es sind Einkorn-Brötchen mit Dinkel, die über Nacht im Kühlschrank reifen.

    Ein Bobbel ist bei uns eine kleine runde Kugel, und genau so sehen sie aus. Ich backe sie aus Einkorn und Dinkel, mit einem Poolish fürs Aroma und einem Mehlkochstück, das die Krume saftig hält. Einkorn ist das älteste Getreide, das wir kennen. Es schmeckt intensiv nussig, fast ein bisschen buttrig, und ganz anders als das, was du beim Bäcker bekommst. Wenn du noch nie mit Urgetreide gebacken hast, ist das hier ein guter Einstieg.

    Außen knusprig, innen weich und saftig, und am nächsten Tag immer noch. Ein Einsteiger-Rezept ist es trotzdem nicht. Einkorn ist einfach anders als Dinkel und verträgt weniger Wasser, das hab ich aber nicht gewusst, als ich mit Urgetreide angefangen habe. Mein erster Einkorn-Teig war ein klebriges Chaos. Mittlerweile behalte ich einen Teil des Schüttwassers zurück, und wenn ich das Gefühl habe, der Teig ist zu trocken und zu fest, gebe ich davon noch was dazu.

    Für die Bobbel brauchst du je nach Zeitplan gut zwanzig bis fünfundzwanzig Stunden, aktiv stehst du davon etwa 35 Minuten in der Küche. Kochstück und Poolish setzt du am Nachmittag an, den Hauptteig knetest du abends, über Nacht bleibt der Teig im Kühlschrank, und am nächsten Morgen backst du.

    Frisch gebackene Einkorn-Brötchen auf einem Küchentuch, eines aufgeschnitten mit saftiger Krume

    Backzeiten-Rechner

    Wann muss ich anfangen?

    Dein Backplan richtet sich nach deinem Tag, nicht umgekehrt. Sag dem Backzeiten-Rechner, wann du fertig sein möchtest, und er rechnet dir jeden Schritt bis zum Start zurück.

    Zum Rechner springen ↓

    Was kommt in die Urkorn-Bobbel?

    Für 10 Bobbel, je etwa 100 g. Das Rezept läuft über drei Stufen, die nacheinander drankommen. Wenn du kein Einkornmehl bekommst, steht bei den Variationen, wie du komplett auf Dinkel umstellst.

    Zutaten für das Mehlkochstück
    Einkornmehl (hell)30 g
    Wasser150 g
    Zutaten für den Poolish
    Dinkelmehl Type 630120 g
    Wasser (lauwarm)120 g
    Frischhefe (Klassisch 0,5 g / Schnell 1,2 g)0,5 g
    Zutaten für den Hauptteig
    Das komplette Mehlkochstück180 g
    Der komplette Poolish240 g
    Buttermilch (kalt)180 g
    Einkornmehl (hell)250 g
    Dinkelmehl Type 630200 g
    Frischhefe2 g
    Butter (weich)20 g
    Salz12 g
    Behalte 20 g von der Buttermilch zurück

    Nimm von den 180 g Buttermilch erst 160 g in den Teig und stell den Rest daneben. Einkorn verträgt weniger Wasser als Dinkel, und wie viel genau, hängt von deinem Mehl ab.

    Wenn sich der Teig nach dem Kneten zu fest anfühlt, gibst du den Rest schluckweise dazu.

    Zwei Zeitpläne für deinen Tag

    Der Teig bleibt bei beiden Plänen derselbe, es ändert sich nur die Hefemenge im Poolish. Weniger Hefe heißt längere Reifezeit, und die bringt mehr Aroma in die Bobbel.

    Schnell

    Ablauf

    1,2 g Frischhefe in den Poolish, reif in etwa 3 Stunden. Poolish am späten Nachmittag ansetzen, abends den Hauptteig kneten, über Nacht in den Kühlschrank, morgens backen.

    Gesamtzeit

    rund 21 Stunden

    Charakter

    Mild und deutlich hefig. Das Nussige vom Einkorn steht klar vorne, die Krume wird fein und gleichmäßig.

    Bines Empfehlung

    Klassisch

    Ablauf

    0,5 g Frischhefe in den Poolish, reif in 5 bis 6 Stunden. Poolish am frühen Nachmittag ansetzen, abends den Hauptteig kneten, über Nacht in den Kühlschrank, morgens backen.

    Gesamtzeit

    rund 25 Stunden

    Charakter

    Nussig mit einer leichten Fruchtnote aus dem Poolish. Für mich der ausgewogenste von beiden.

    Bei warmer Küche schaust du auf den Poolish, nicht auf die Uhr

    Die Zeitangaben gelten für eine Küche mit 21 bis 22 Grad. Steht deine Schüssel im Sommer bei 26 Grad, ist der Poolish deutlich früher so weit.

    Er ist reif, wenn er sein Volumen fast verdoppelt hat und die Oberfläche voller Blasen ist. Sinkt die Mitte schon wieder ein, war er zu lange dran.

    So backst du die Urkorn-Bobbel

    Schritt 1 – Kochstück und Poolish, beide am Nachmittag

    Für das Kochstück kommen 30 g Einkornmehl und 150 g Wasser in einen kleinen Topf. Erhitze die Masse auf mittlerer Stufe und rühre dabei durchgehend weiter. Nach drei bis fünf Minuten zieht sie plötzlich an und wird dick wie Pudding. Genau da nimmst du den Topf runter. Leg die Frischhaltefolie direkt auf die Oberfläche, sonst zieht sie eine Haut. Auf Zimmertemperatur abkühlen lassen, dann in den Kühlschrank.

    Den Poolish rührst du in einer Schüssel oder einem großen Glas an. 120 g Dinkelmehl Type 630, 120 g lauwarmes Wasser und die Frischhefe, je nach Zeitplan 0,5 g oder 1,2 g. Das sieht aus wie dicker Pfannkuchenteig. Abgedeckt bei Zimmertemperatur reifen lassen, bis er sein Volumen fast verdoppelt hat und oben voller Blasen ist.

    Kaltes Wasser und ein Schneebesen, sonst gibt es Klümpchen

    Rühr das Mehl in das kalte Wasser ein, bevor der Topf auf den Herd kommt, und nimm dafür den Schneebesen statt einen Löffel.

    Wenn das Mehl in warmes Wasser fällt, verkleistert es sofort an der Oberfläche und schließt trockene Nester ein. Die kriegst du danach nicht mehr raus, die schwimmen dir bis in den fertigen Teig mit.

    Schritt 2 – Autolyse, eine Stunde, in der du nichts tust

    Gib das Kochstück, den Poolish und 160 g von der kalten Buttermilch in die Schüssel deiner Küchenmaschine. Die restlichen 20 g stellst du daneben. Verrühr alles grob mit einem Löffel, bis sich das Kochstück aufgelöst hat. Dann kommen 250 g Einkornmehl und 200 g Dinkelmehl dazu, und du mischst auf der langsamsten Stufe, bis kein trockenes Mehl mehr zu sehen ist.

    Der Teig ist jetzt rau und zottelig, das ist richtig so. Deck die Schüssel ab und lass ihn 60 Minuten ruhen. In dieser Stunde entspannt sich der Dinkel und das Einkorn quillt vor. Danach lässt sich der Teig deutlich leichter kneten. Mehr dazu, was in einer Autolyse passiert, steht im eigenen Artikel.

    Schritt 3 – Hauptteig kneten, kurz halten

    2 g Frischhefe und die 20 g weiche Butter dazu, dann vier Minuten auf der kleinsten Stufe kneten. Der Teig verbindet sich und wird geschmeidiger. Jetzt kommen die 12 g Salz dazu, und du knetest noch ein bis zwei Minuten, bis sie eingearbeitet sind.

    Das ist der Moment für die 20 g Buttermilch, die daneben stehen. Fühlt sich der Teig fest und trocken an, gib sie schluckweise nach. Fühlt er sich gut an, lässt du sie weg.

    Der Knettest fällt bei Urgetreide anders aus als bei Weizen. Zieh ein Stück Teig vorsichtig auseinander. Er darf reißen. Einkorn und Dinkel bilden kein Klebergerüst, das eine dünne Haut hält. Der Teig muss nur homogen aussehen und nicht mehr zottelig. Dann hörst du auf.

    Schritt 4 – Stockgare mit zweimal Dehnen und Falten

    Gib den Teig in eine leicht geölte Wanne oder Schüssel und deck sie luftdicht ab. 75 Minuten bei Zimmertemperatur.

    Nach 30 Minuten dehnst und faltest du einmal. Greif mit nassen Händen unter den Teig, zieh ihn an einer Seite hoch und leg ihn zur Mitte. Dann die Schüssel eine Vierteldrehung weiter und das Gleiche nochmal, einmal rundherum. Nach 60 Minuten wiederholst du das. Am Ende sollte der Teig sichtbar aufgegangen sein und Blasen unter der Oberfläche zeigen.

    Schritt 5 – Die Nacht im Kühlschrank

    Verschließ die Wanne luftdicht und stell sie für 15 bis 18 Stunden in den Kühlschrank. 5 bis 7 Grad sind ideal. Am nächsten Morgen ist der Teig deutlich aufgegangen und hat eine blasige Struktur. Er riecht leicht säuerlich und nussig.

    Schritt 6 – Bobbel formen, schnell und ohne Druck

    Stürz den kalten Teig vorsichtig auf eine großzügig bemehlte Arbeitsfläche. Nicht drücken, nicht klopfen. Nur kippen und warten, bis er von selbst runtergleitet. Stich mit der Teigkarte Stücke von etwa 100 g ab, einmal und beherzt, ohne zweimal nachzusetzen.

    Beim Formen ziehe ich reihum die Ecken nach innen und straffe den Bobbel. Dann drehe ich ihn mit dem Schluss nach unten, forme die Hände wie zum Wasserschöpfen und wirke ihn kurz und schnell noch ein bisschen runder. Schnell ist hier wichtiger als schön. Je länger du an einem Teigling herumdrückst, desto mehr Gärgas geht verloren, und genau das lässt die Bobbel später im Ofen aufgehen.

    Leg sie mit dem Schluss nach unten auf ein Blech mit Backpapier, deck sie mit einem Bäckerleinen oder einem leicht bemehlten Tuch ab und gib ihnen 50 bis 60 Minuten bei Zimmertemperatur. Sie gehen in der Zeit noch ein Stück auf und verlieren die Kälte aus dem Kühlschrank.

    Schritt 7 – Backen mit ordentlich Dampf

    Heiz den Ofen mit Backstahl oder Backblech auf 250 Grad Ober- und Unterhitze vor. Mindestens 30 Minuten, nicht zehn. Die Platte muss wirklich durchgeheizt sein, sonst bleibt die Unterseite blass.

    Kurz vor dem Einschießen schneidest du die Bobbel mittig ein, in einer einzigen langen Bewegung, etwa einen Zentimeter tief und schräg geführt. Eine Bäckerklinge gleitet durch den Teig, ein normales Messer drückt ihn eher zusammen.

    Schieb die Bobbel auf die heiße Platte und gib sofort Dampf dazu. Nach 8 bis 9 Minuten öffnest du die Ofentür kurz, damit der Schwaden entweicht, senkst auf 210 bis 220 Grad und bäckst noch 7 bis 9 Minuten fertig. Insgesamt sind das 15 bis 18 Minuten.

    Fertig sind die Bobbel, wenn sie goldbraun bis dunkelbraun sind und beim Klopfen auf den Boden hohl klingen. Wenn du es genau wissen willst, misst du die Kerntemperatur, die liegt bei etwa 96 Grad.

    Lass sie auf einem Gitter auskühlen, mindestens 15 Minuten. Ich weiß, das ist schwer. Direkt aus dem Ofen ist die Krume noch nicht stabil.

    Eine Schale mit Lavasteinen bringt mehr als Wasser auf dem Ofenboden

    Am Anfang habe ich immer nur Wasser auf den Ofenboden geschüttet. Das ist insgesamt nicht so toll, der Dampf ist sofort da und genauso schnell wieder weg.

    Seitdem nehme ich eine Dampfschale mit Lavasteinen (Affiliate-Link) und heize sie gleich mit dem Ofen auf. Die Steine speichern die Hitze und geben den Dampf über die ersten Minuten ab, also genau dann, wenn die Bobbel noch aufgehen.

    Einkorn-Brötchen mit kräftigem Ausbund, daneben zwei aufgeschnittene Hälften

    Warum die Einkorn-Brötchen saftig bleiben

    Das Kochstück – Wasser, das im Brot bleibt

    Wenn du Mehl und Wasser zusammen aufkochst, verkleistert die Stärke. Sie bindet das Wasser dauerhaft, und beim Backen entweicht es nicht mehr. Das ist der Grund, warum die Bobbel auch am nächsten Tag noch saftig sind. Bei Einkorn zählt das doppelt, weil das schwache Klebergerüst allein kaum Feuchtigkeit hält.

    Buttermilch – Säure, die dem Einkorn hilft

    Buttermilch bringt Milchsäure in den Teig, und die tut dem Einkorn gut. Das schwache Klebergerüst wird stabiler, der Teig lässt sich besser formen. Dazu kommt eine zarte, leicht gelbliche Krume und ein milder, leicht säuerlicher Geschmack, den Wasser allein nicht hinbekommt. Bei mir war das ursprünglich Zufall, ich hatte einen Rest im Kühlschrank.

    Poolish und kalte Nacht – zwei Sorten Aroma

    Der Poolish entwickelt in seinen Stunden bei Zimmertemperatur Hefearomen und leichte Fruchtnoten, die im Hauptteig so nicht entstehen würden. Man schmeckt das. Die Bobbel schmecken tiefer und nach mehr als nur Mehl und Hefe, und du brauchst dafür weder Sauerteig noch eine mehrtägige Vorbereitung. Nach demselben Muster funktionieren übrigens auch meine Sonntagsbrötchen über Nacht.

    Die Nacht im Kühlschrank legt eine zweite Schicht darüber. Der Teig reift langsam weiter, die Enzyme im Mehl bauen Kohlenhydrate ab, die sonst schwerer verdaulich sind, und der Geschmack wird nussiger und würziger. Nebenbei schläfst du durch, ohne dass der Teig übergärt.

    Zwei aufgeschnittene Einkorn-Brötchen im Vergleich, feine und offenere Porung nebeneinander

    Das Zubehör, das ich für die Urkorn-Bobbel benutze

    Küchenwaage zum grammgenauen Abwiegen der Hefe für Einkorn-Brötchen
    Küchenwaage (0,1-g-Schritte)*
    Beim Brotbacken wieg ich alles in Gramm ab, auch das Wasser. Meine wiegt sogar in 0,1-Gramm-Schritten, damit kriegst du auch das eine Gramm Hefe genau hin.
    Teigkarte aus Edelstahl zum Abstechen der Teiglinge für Einkorn-Brötchen
    Teigkarte aus Edelstahl*
    Die feste Karte nehm ich zum Abstechen und Portionieren. Damit teil ich den Teig sauber, ohne ihn zu quetschen.
    Skalpell zum Einschneiden der Einkorn-Brötchen vor dem Backen
    Skalpell zum Einschneiden*
    Meine Klinge zum Einschneiden. Kurz vorm Backen ritz ich den Teig ein, damit er kontrolliert aufreißt und nicht wild aufplatzt.

    Hier kannst du meine komplette Backausrüstung anschauen.

    * Affiliate-Link: Kaufst du darüber, bekomme ich eine kleine Provision, für dich bleibt der Preis gleich.

    Fünf Variationen für die Einkorn-Dinkel-Brötchen

    Komplett aus Dinkel, ohne Einkorn

    Wenn du kein Einkornmehl bekommst, backst du die Bobbel komplett aus Dinkel. Das Kochstück machst du dann aus 30 g Dinkelmehl Type 630, und im Hauptteig ersetzt du die 250 g Einkorn und die 200 g Dinkel durch 450 g Dinkelmehl Type 630. Alles andere bleibt gleich, auch die Wassermenge. Dinkel bindet mehr Wasser als Einkorn, der Teig fühlt sich also fester und williger an als das Original. Kneten musst du trotzdem kürzer, drei Minuten statt vier, sonst wird der Teig fließend und die Bobbel laufen im Ofen breit. Im Geschmack fehlt das Nussige vom Einkorn, sie werden milder und feinporiger.

    Mit Sesam oder Mohn

    Bestreu die geformten Bobbel vor dem Backen mit Sesam oder Mohn. Besprüh sie kurz mit Wasser und drück die Körner leicht an, sonst fallen sie im Ofen wieder ab. Sesam passt besonders gut zum nussigen Einkorn, die beiden Aromen laufen in dieselbe Richtung. Mohn setzt einen dunkleren, herberen Kontrast dazu. Am einfachsten geht es, wenn du die Körner auf einen flachen Teller schüttest und den feuchten Bobbel kurz hineinsetzt.

    Mit Kräutern im Teig

    Gib beim letzten Knetschritt ein bis zwei Teelöffel getrockneten Rosmarin oder Thymian dazu. Mehr nicht, Urgetreide nimmt Kräuteraroma stark auf und kippt schnell ins Parfümige. Frischer Rosmarin geht auch, dann nimmst du einen Teelöffel fein gehackt. Die Bobbel werden damit deutlich herzhafter und passen eher zum Abendbrot als zum Frühstück.

    Mit Dinkelvollkorn statt hellem Dinkel

    Ersetz das Dinkelmehl Type 630 durch Dinkelvollkorn. Die Bobbel werden etwas dichter und noch nussiger, die Krume dunkler. Erhöh das Wasser um 20 bis 30 g, weil Vollkorn mehr Flüssigkeit braucht. Nimm das aus dem Reservewasser, das du sowieso danebenstehen hast. Die Knetzeit bleibt gleich.

    Ohne Buttermilch

    Wenn du keine Buttermilch hast, ersetzt du sie durch 150 g Vollmilch und 30 g Naturjoghurt. Der Joghurt bringt die Säure, auf die das Einkorn angewiesen ist. Der Geschmack wird minimal anders, die Saftigkeit bleibt. Rein pflanzlich funktioniert es auch, dann nimmst du eine ungesüßte Pflanzenmilch mit einem Esslöffel Zitronensaft und lässt sie zehn Minuten stehen, bevor sie in den Teig kommt.

    Meine Lieblingsvariante

    Meine Lieblingsvariante ist das Grundrezept. Einkorn und Dinkel zusammen schmecken so intensiv nussig, dass ich meistens nichts dazu brauche.

    Wenn du experimentieren willst, fang mit Sesam an. Der passt wirklich gut.

    Aufgeschnittene Einkorn-Brötchen auf einem Küchentuch, luftige Krume mit unregelmäßiger Porung

    Wenn die Bobbel nicht so werden wie geplant

    Ein paar Sachen gehen bei diesem Rezept häufiger schief als bei einem Weizenbrötchen. Meistens steckt eine einfache Ursache dahinter.

    ❌ Der Teig lässt sich überhaupt nicht formen, er rinnt auseinander

    Der Teig ist so weich, dass er beim Formen sofort auseinanderläuft und an allem klebt. Meistens war die Autolyse zu kurz oder ist ganz ausgefallen, und ohne die Stunde Quellzeit hat das Einkorn sein Wasser nicht aufgenommen. Genauso häufig ist der Teig einfach zu warm geworden. Mehl deine Hände und die Arbeitsfläche großzügiger, als du es von Weizen gewohnt bist. Arbeite zügig, solange der Teig noch die Kälte aus dem Kühlschrank hat, denn kalt ist er deutlich stabiler. Wenn er trotzdem nicht hält, form keine Kugeln, sondern setz grobe Klumpen aufs Blech und back sie so. Die Optik leidet, der Geschmack nicht.

    ❌ Die Bobbel sind nach dem Backen flach und nicht aufgegangen

    Die Brötchen sind kaum gewachsen, die Krume ist kompakt und dicht. Entweder war der Poolish noch nicht reif genug, oder du hast beim Formen zu viel Gärgas herausgedrückt. Der Poolish muss wirklich blasig sein und sein Volumen fast verdoppelt haben, bevor er in den Hauptteig kommt. Beim Formen gilt sanft ziehen statt drücken und kneten. Wenn du merkst, dass du an einem Teigling länger als eine halbe Minute herumarbeitest, hör auf und nimm ihn so, wie er ist.

    ❌ Die Kruste ist weich statt knusprig

    Die Bobbel kommen mit einer weichen, fast ledrigen Kruste aus dem Ofen. Meistens ist der Schwaden zu lange drin geblieben, oder der Ofen war nicht heiß genug. Heiz wirklich 30 Minuten vor, nicht zehn und nicht fünfzehn, das macht mehr aus als du denkst. Nach dem Anbacken, also nach 8 bis 9 Minuten, öffnest du die Ofentür für ein paar Sekunden, damit der Dampf raus kann. Die trockene Hitze danach macht die Kruste knusprig. Wenn sie beim Abkühlen trotzdem weich wird, back die nächste Fuhre ein paar Minuten länger ohne Dampf fertig.

    ❌ Die Bobbel reißen beim Einschneiden unkontrolliert auf

    Statt eines sauberen Ausbunds reißt die Oberfläche wild und ungleichmäßig auf, oder der Einschnitt schließt sich sofort wieder. Meistens liegt es an einer stumpfen Klinge oder daran, dass du beim Schnitt zögerst. Ein normales Messer drückt den weichen Teigling eher zusammen, als dass es ihn öffnet, eine dünne Bäckerklinge gleitet durch. Führ den Schnitt in einer einzigen langen Bewegung, ohne zu sägen und ohne nachzusetzen. Wenn die Bobbel schon vor dem Einschneiden wild aufreißen, standen sie zu lange bei Zimmertemperatur. Dann geh beim nächsten Mal auf 45 Minuten runter statt der vollen Stunde.

    ❌ Der Teig ist nach der kalten Gare zusammengefallen

    Der Teig ist am nächsten Morgen flach und klebrig, kaum aufgegangen, ohne Blasen. Meistens ist der Kühlschrank zu kalt. Unter 4 Grad arbeiten die Hefen kaum noch, während die Enzyme weiter abbauen, und der Teig verliert Stabilität, ohne aufzugehen. Genauso häufig war die Stockgare zu kurz und der Teig hatte noch keine richtige Aktivität, bevor er in die Kälte kam. Schau nach, ob dein Kühlschrank wirklich 5 bis 7 Grad hat. Und lass den Teig vorher sichtbar aufgehen und blasig werden, bevor er reinkommt. Zeigt er morgens kaum Leben, gib ihm 30 bis 60 Minuten bei Zimmertemperatur und back dann.

    Nahaufnahme der goldbraunen Kruste von Einkorn-Brötchen mit aufgerissenem Ausbund

    Hydration und Co., für alle, die es genau wissen wollen

    Wenn du mit Zahlen rechnest statt mit Gefühl, hier die Werte für dieses Rezept. Was Hydration und Teigausbeute genau bedeuten, steht im eigenen Artikel.

    Gesamtmehl600 g
    Gesamtflüssigkeit450 g
    davon reines Wasser (Buttermilch zu ca. 90 %)432 g
    Hydrationca. 72 %
    Teigausbeute (TA)ca. 172

    Wie fühlt sich der Teig an?

    Mit 72 Prozent ist dieser Teig deutlich weicher als ein normaler Brötchenteig, und durch das schwache Klebergerüst vom Einkorn klebt er aggressiver, als du es gewohnt bist. Nach der Autolyse und dem Dehnen und Falten wird er fester und strukturierter, aber weich bleibt er. Das ist so gewollt. Arbeite deshalb mit bemehlten Händen, schnell und ohne Druck.

    Rechnerisch nasser, in der Hand fester

    Das Kochstück bindet sein Wasser dauerhaft in der verkleisterten Stärke. Rechnerisch steigt die Hydration dadurch, in der Hand fühlt sich der Teig aber fester an als ein Teig mit derselben Zahl ohne Kochstück.

    Genau das macht es bei Urgetreide so nützlich.

    Noch Fragen zu den Urkorn-Bobbel? FAQ

    Was ist der Unterschied zwischen Einkorn und normalem Weizen?

    Einkorn hat weniger Gluten und schmeckt intensiver. Moderner Weizen wurde auf Ertrag und Stabilität gezüchtet, nicht auf Geschmack. Einkorn ist seit 10.000 Jahren kaum verändert und schmeckt nussig, fast ein bisschen buttrig. Das schwache Klebergerüst macht den Teig klebriger und weniger verzeihend, dafür lohnt sich der Geschmack.

    Wo bekomme ich helles Einkornmehl?

    In Biomärkten, Reformhäusern und bei Online-Mühlen. Einkorn ist in den letzten Jahren deutlich leichter zu finden. Schau auch nach regionalen Mühlen in deiner Nähe. Die mahlen frisch, kennen ihr Getreide und haben oft Sorten, die im Supermarkt nicht stehen.

    Kann ich den Poolish weglassen?

    Ja, aber der Geschmack wird flacher. Ersetz den Poolish durch 120 g Dinkelmehl und 120 g Wasser, gib beides direkt in den Hauptteig und erhöh die Frischhefe dort auf 5 g. Die Bobbel funktionieren auch so. Das nussig-fruchtige Aroma aus dem gereiften Poolish fehlt dann allerdings.

    Kann ich Trockenhefe statt Frischhefe verwenden?

    Im Hauptteig ja, im Poolish wird es schwierig. 1 g Frischhefe entspricht etwa 0,33 g Trockenhefe, für die 2 g im Hauptteig sind das rund 0,7 g. Die 0,5 g Frischhefe im Poolish werden dagegen zu 0,17 g Trockenhefe, und das wiegt keine Waage. Nimm für den Poolish lieber Frischhefe.

    Wie lange darf der Teig im Kühlschrank bleiben?

    15 bis 18 Stunden sind der ideale Bereich. Bis 24 Stunden geht auch noch, dann werden die Bobbel säuerlicher und die Krume etwas gröber. Ab etwa 30 Stunden baut das schwache Klebergerüst vom Einkorn so weit ab, dass der Teig zusammenfällt und sich nicht mehr formen lässt.

    Wie lange sind die Brötchen haltbar?

    Deutlich länger als normale Brötchen, gute zwei bis drei Tage im Brotbeutel. Dafür sorgen das Kochstück und die Buttermilch. Zum Aufbacken reichen 5 bis 7 Minuten bei 180 Grad. Einfrieren klappt auch gut, dann vollständig auskühlen lassen und direkt aus dem Gefrierfach 10 bis 12 Minuten bei 180 Grad aufbacken. Im Gefrierfach halten sie zwei bis drei Monate.

    Was mache ich, wenn ich keinen Backstein habe?

    Ein normales Backblech funktioniert gut. Voraussetzung ist, dass du es wirklich 30 Minuten bei 250 Grad auf der untersten Schiene mit vorheizt. Die Unterseite wird nicht ganz so knusprig, der Unterschied ist aber kleiner als gedacht. Schwaden und Temperatur machen am Ende mehr aus als das Backwerkzeug.

    Kann ich den Teig auch von Hand kneten?

    Ja, und bei diesem Teig ist das sogar entspannter als mit der Maschine. Rechne mit acht bis zehn Minuten statt vier, und arbeite mit feuchten statt bemehlten Händen. Weil Einkorn und Dinkel ohnehin kein starkes Klebergerüst aufbauen, kannst du von Hand kaum überkneten. Das ist der einzige Schritt, bei dem Handarbeit hier im Vorteil ist.

    Hier ist die Rezeptkarte zum Ausdrucken

    einkorn dinkel broetchen rezept uebersicht

    Urkorn-Bobbel – Einkorn-Brötchen mit Poolish und langer Gare

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    Vorbereitung 35 Minuten
    Backzeit 18 Minuten
    Ruhezeiten 1 day 7 Minuten
    Gesamtzeit 1 day 1 Stunde
    10 Bobbel
    brötchen, Urgetreidebrot

    Zutaten

    Mehlkochstück (am Vortag)
    • 30 g Einkornmehl hell
    • 150 g Wasser kalt
    Poolish (am Vortag)
    • 120 g Dinkelmehl Type 630
    • 120 g Wasser lauwarm
    • 0,5 g Frischhefe für Klassisch; für Schnell 1,2 g
    Hauptteig
    • Das komplette Mehlkochstück 180 g
    • Der komplette Poolish 240 g
    • 180 g Buttermilch kalt, davon 20 g als Reserve zurückbehalten
    • 250 g Einkornmehl hell
    • 200 g Dinkelmehl Type 630
    • 2 g Frischhefe
    • 20 g Butter weich
    • 12 g Salz

    Kochutensilien

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    Zubereitung

    Schnell (rund 21 Stunden)
    • Kochstück: 30 g Einkornmehl mit 150 g kaltem Wasser mit dem Schneebesen klumpenfrei verrühren. Unter ständigem Rühren auf mittlerer Stufe 3 bis 5 Minuten erhitzen, bis die Masse puddingartig andickt. Frischhaltefolie direkt auf die Oberfläche legen, auf Zimmertemperatur abkühlen lassen, dann kalt stellen.
    • Poolish: 120 g Dinkelmehl, 120 g lauwarmes Wasser und 1,2 g Frischhefe verrühren. Abgedeckt 3 Stunden bei 21 bis 22 °C reifen lassen, bis der Poolish blasig ist und sein Volumen fast verdoppelt hat.
    • Autolyse: Kochstück, Poolish und 160 g kalte Buttermilch verrühren. 250 g Einkornmehl und 200 g Dinkelmehl zugeben und auf langsamster Stufe mischen, bis kein trockenes Mehl mehr sichtbar ist. Abgedeckt 60 Minuten ruhen lassen.
    • Kneten: 2 g Frischhefe und 20 g weiche Butter zugeben, 4 Minuten auf kleinster Stufe kneten. 12 g Salz zugeben und 1 bis 2 Minuten weiterkneten. Bei festem Teig die restlichen 20 g Buttermilch schluckweise zugeben.
    • Stockgare: 75 Minuten bei 21 bis 22 °C. Nach 30 und nach 60 Minuten je einmal rundherum dehnen und falten.
    • Kalte Gare: Teigwanne luftdicht verschließen und 15 bis 18 Stunden bei 5 bis 7 °C in den Kühlschrank stellen.
    • Formen: Teig auf eine bemehlte Arbeitsfläche stürzen, Stücke von je etwa 100 g abstechen und rund wirken. Mit dem Schluss nach unten auf ein Blech mit Backpapier setzen, abdecken und 50 bis 60 Minuten bei Zimmertemperatur akklimatisieren.
    • Backen: Ofen mit Backstahl oder Blech 30 Minuten auf 250 °C Ober-/Unterhitze vorheizen. Bobbel 1 cm tief schräg einschneiden, einschießen und sofort schwaden. 8 bis 9 Minuten bei 250 °C backen, Ofentür kurz öffnen, auf 210 bis 220 °C senken und 7 bis 9 Minuten fertig backen. Kerntemperatur etwa 96 °C. Auf einem Gitter mindestens 15 Minuten auskühlen lassen.
    Klassisch (rund 25 Stunden)
    • Kochstück: 30 g Einkornmehl mit 150 g kaltem Wasser mit dem Schneebesen klumpenfrei verrühren. Unter ständigem Rühren auf mittlerer Stufe 3 bis 5 Minuten erhitzen, bis die Masse puddingartig andickt. Frischhaltefolie direkt auf die Oberfläche legen, auf Zimmertemperatur abkühlen lassen, dann kalt stellen.
    • Poolish: 120 g Dinkelmehl, 120 g lauwarmes Wasser und 0,5 g Frischhefe verrühren. Abgedeckt 5 bis 6 Stunden bei 21 bis 22 °C reifen lassen, bis der Poolish blasig ist und sein Volumen fast verdoppelt hat.
    • Autolyse: Kochstück, Poolish und 160 g kalte Buttermilch verrühren. 250 g Einkornmehl und 200 g Dinkelmehl zugeben und auf langsamster Stufe mischen, bis kein trockenes Mehl mehr sichtbar ist. Abgedeckt 60 Minuten ruhen lassen.
    • Kneten: 2 g Frischhefe und 20 g weiche Butter zugeben, 4 Minuten auf kleinster Stufe kneten. 12 g Salz zugeben und 1 bis 2 Minuten weiterkneten. Bei festem Teig die restlichen 20 g Buttermilch schluckweise zugeben.
    • Stockgare: 75 Minuten bei 21 bis 22 °C. Nach 30 und nach 60 Minuten je einmal rundherum dehnen und falten.
    • Kalte Gare: Teigwanne luftdicht verschließen und 15 bis 18 Stunden bei 5 bis 7 °C in den Kühlschrank stellen.
    • Formen: Teig auf eine bemehlte Arbeitsfläche stürzen, Stücke von je etwa 100 g abstechen und rund wirken. Mit dem Schluss nach unten auf ein Blech mit Backpapier setzen, abdecken und 50 bis 60 Minuten bei Zimmertemperatur akklimatisieren.
    • Backen: Ofen mit Backstahl oder Blech 30 Minuten auf 250 °C Ober-/Unterhitze vorheizen. Bobbel 1 cm tief schräg einschneiden, einschießen und sofort schwaden. 8 bis 9 Minuten bei 250 °C backen, Ofentür kurz öffnen, auf 210 bis 220 °C senken und 7 bis 9 Minuten fertig backen. Kerntemperatur etwa 96 °C. Auf einem Gitter mindestens 15 Minuten auskühlen lassen.

    Notizen

    Zur Wassermenge: Nicht jedes Mehl nimmt gleich viel Wasser auf, und Einkorn verträgt weniger als Dinkel. Deshalb gehen erst 160 g Buttermilch in den Teig und 20 g bleiben daneben stehen. Fühlt sich der Teig nach dem Kneten fest und trocken an, gibst du sie schluckweise nach.
    Zum Backen: Wenn nichts anderes dabei steht, backe immer mit Ober- und Unterhitze. Umluft funktioniert auch, dann wird die Kruste aber leicht zu dunkel und das Gebäck trocken.

    Hast du das Rezept schon ausprobiert?

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  • Schwäbisches Saatenbrot – Urgetreide trifft knackige Körner-Kruste

    Schwäbisches Saatenbrot – Urgetreide trifft knackige Körner-Kruste

    Manche Rezepte entstehen einfach so beim Backen. Mein Saatenbrot hier war so ein Fall. Ich hatte noch helles Emmermehl, eine Tüte Kamut-Vollkorn aus einem Experiment und eine Saaten-Mischung, die schon zu lange im Schrank stand. Daraus ist ein Brot geworden, das ich seitdem regelmäßig backe – kräftig, saftig, mit Kruste und Charakter. Echt schwäbisch eben.

    Emmer und Kamut sind Urgetreide. Kamut – der gelbliche Cousin des Weizens – bringt eine schöne Farbe und einen butterartigen, nussigen Geschmack. Emmer steuert das Aroma bei. Weizenmehl Type 1050 gibt dem Teig Kraft und Stand. Und die Saaten sorgen dafür, dass das Brot am zweiten und dritten Tag noch genauso saftig schmeckt wie am ersten.

    Das Besondere an diesem Rezept sind das Brühstück und die Autolyse. Klingt nach Bäcker-Latein, ist aber einfacher als du denkst. Das Brühstück bereitest du in 5 Minuten vor, die Autolyse ist eine 60-minütige Pause für den Teig. Den Rest macht der Kühlschrank. Die lange, kalte Reifezeit heißt hier: Das Brot baut in aller Ruhe Aroma auf, während du andere Dinge tun kannst.

    Plane etwa 54-58 Stunden Gesamtzeit ein, das klingt mächtig lang, aber nur 50 Minuten davon stehst du aktiv in der Küche. Das Ergebnis sind 3 Laibe mit einer Kruste, die beim Anschneiden knistert, und einer Krume, die saftig bleibt.

    Mein Tipp – Nutze den Backzeitenrechner

    Du willst das Brot zum Sonntagsfrühstück um 10 Uhr? Scroll runter zum Backzeitenrechner am Ende – der sagt dir genau, wann du anfangen musst. Spart Kopfrechnen!

    Saatenbrot Anschnitt – feinporige Krume mit Emmer und Kamut, Saatenkruste

    Schwäbisches Saatenbrot mit Urgetreide

    Vorbereitung 40 Minuten
    Backzeit 50 Minuten
    Ruhezeiten 2 Tage 2 Stunden
    3 Brote
    Körnerbrot, Saatenbrot, Urgetreidebrot

    Zutaten

    ##Zutaten für 3 Brote (je ca. 650 g)
    Das Brühstück
    • 170 g Saaten-Mischung Sesam, Leinsamen, Sonnenblumenkerne
    • 50 g Haferflocken zart oder grob
    • 220 g Wasser kochend
    • 5 g Salz
    Der Hauptteig
    • 400 g Weizenmehl Type 1050
    • 300 g Emmermehl hell Type 630 oder 700
    • 200 g Weizenmehl Type 550
    • 100 g Kamut-Vollkornmehl
    • 480 g Wasser lauwarm, ca. 30 °C
    • 50 g Wasser als Reserve Bassinage
    • 70 g Naturjoghurt Zimmertemperatur
    • 50 g Sauerteig-Anstellgut aktiv/frisch
    • 2 g Frischhefe optional, bei schwachem Anstellgut
    • 20 g Salz
    • das gesamte Brühstück abgekühlt

    Kochutensilien

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    Zubereitung

    Schritt 1: Das Brühstück ansetzen
    • Wiege alle Brühstück-Zutaten in eine hitzebeständige Schüssel: Saaten-Mischung, Haferflocken und 5 g Salz.
    • Gieß das kochende Wasser direkt darüber und rühre alles gut durch. Das Salz verteilt sich gleichmäßig und die Saaten quellen direkt auf.
    • Decke die Schüssel mit einem Teller oder Frischhaltefolie ab. Lass das Brühstück mindestens 2 Stunden abkühlen – am besten über Nacht bei Raumtemperatur. Es sollte beim Einarbeiten komplett kalt sein.
    Schritt 2: Die Autolyse
    • Gib alle vier Mehle (Weizenmehl 1050, Emmermehl, Weizenmehl 550 und Kamut-Vollkornmehl) in die Schüssel deiner Küchenmaschine. Kurz mit einem Löffel vermischen.
    • Füge den Joghurt und die 480 g lauwarmes Wasser dazu. Rühre auf kleiner Stufe nur so lange, bis kein trockenes Mehl mehr sichtbar ist. Das dauert etwa 1-2 Minuten – nicht länger.
    • Decke die Schüssel ab und lass den Teig 60 Minuten ruhen. In dieser Zeit bildet sich das Klebergerüst ganz von allein. Das Kamut-Vollkornmehl weicht auf und der Teig wird dadurch später viel einfacher zu kneten.
    Schritt 3: Kneten
    • Gib das Anstellgut – und falls dein Anstellgut eher schwach ist, die 2 g Frischhefe – zum Autolyse-Teig. Knete alles auf kleinster Stufe für 5 Minuten.
    • Füge das Salz dazu und erhöhe die Stufe minimal. Knete weitere 5 Minuten. Der Teig sollte sich jetzt vom Schüsselrand lösen und glatt aussehen.
    • Prüfe die Konsistenz: Ist der Teig noch fest und bröselig? Dann gibst du die 50 g Reserve-Wasser (Bassinage) schluckweise, esslöffelweise dazu. Nicht alles auf einmal – gib dem Teig 1-2 Minuten, bis er das Wasser aufgenommen hat, bevor du mehr hinzufügst.
    • Wenn der Teig glatt ist und gut klebt, gibst du das komplette Brühstück dazu. Lass es auf kleinster Stufe nur 1-2 Minuten unterlaufen – nicht länger. Die Saaten sollen sich verteilen, das Klebergerüst aber nicht zerstören. Stopp, sobald das Brühstück eingearbeitet ist.
    Schritt 4: Stockgare mit Dehnen & Falten
    • Fette eine Teigwanne oder große Schüssel leicht ein und gib den Teig hinein. Decke sie ab.
    • Lass den Teig 90 Minuten bei Raumtemperatur (ca. 22-24 °C) ruhen. Nach 30, 60 und 90 Minuten dehnst und faltest du den Teig: Ziehe ihn mit nassen Händen von einer Seite hoch, falte ihn zur Mitte – einmal rundherum. Du wirst merken, wie der Teig nach jedem Durchgang fester und dehnfähiger wird. Das Weizenmehl Type 1050 macht ihn richtig kräftig.
    Schritt 5: Lange Kühlschrankruhe
    • Decke die Wanne luftdicht ab – mit einem Gärfolie, einem Müllbeutel oder einem Gärsack.
    • Stell sie für 48 Stunden in den Kühlschrank (ca. 5-6 °C). Der Teig geht langsam auf und entwickelt sein volles Aroma. Das ist ganz normal: Nach der Ruhezeit ist der Teig deutlich aufgegangen und hat kleine Bläschen.
    Schritt 6: Formen
    • Hole den Teig 60 Minuten vor dem Backen aus dem Kühlschrank. Lass ihn in der Wanne akklimatisieren – er soll leicht temperiert sein, nicht eiskalt.
    • Kippe den Teig auf eine leicht bemehlte Arbeitsfläche und teile ihn mit einer Teigkarte in 3 gleich große Stücke (je ca. 590-600 g Rohteig).
    • Wirke jeden Teigling rund: Ziehe die Teigoberfläche nach unten und drehe ihn dabei. Lass die 3 Teiglinge 40 Minuten mit einem Teigtuch abgedeckt entspannen. Das Gluten muss sich nach dem Aufteilen erst erholen.
    • Rolle nun jeden Teigling straff zu einer länglichen Form aus. Befeuchte die Oberfläche leicht mit Wasser und wälze jeden Laib in der Saaten-Mischung. Die Saaten haften besser auf einem leicht feuchten Teig.
    • Lege die geformten Teiglinge mit dem Schluss nach oben in ein gut bemehltes Gärkörbchen oder Gärtuch. Lass sie 30 Minuten ruhen.
    Schritt 7: Backen
    • Heize den Ofen mit einem Backstahl oder Backstein auf 250 °C Ober-/Unterhitze vor. Mindestens 30-45 Minuten vorheizen.
    • Stürze die Teiglinge auf Backpapier. Schneide jeden Laib mit einer scharfen Bäckerklinge kräftig S-förmig ein. Der Schnitt führt das Brot beim Aufgehen – mach ihn beherzt und in einem Zug.
    • Schiebe die Brote in den Ofen und bedampfe kräftig: Gib 100-150 ml Wasser in eine hitzebeständige Schale am Ofenboden. Vorsicht vor dem heißen Dampf!
    • Senke die Temperatur sofort auf 210-220 °C. Nach 20 Minuten öffnest du kurz die Ofentür, damit der Dampf entweichen kann.
    • Backe die Brote insgesamt 45-50 Minuten, bis die Kruste dunkelbraun ist. Klopf auf den Boden – klingt es hohl? Dann sind sie fertig. Lass die Brote auf einem Rost mindestens 3 Stunden, besser über Nacht auskühlen, bevor du anschneidest.

    Hast du das Rezept schon ausprobiert?

    Ich freu mich über einen Kommentar von dir.
    Lange Gare bei Urgetreide-Teigen

    Emmer und Kamut fermentieren schneller als reines Weizenmehl – das hängt von deiner Kühlschranktemperatur und der Aktivität deines Anstellguts ab. Es lohnt sich, nach 24-30 Stunden kurz nachzuschauen: Hat sich der Teig deutlich vergrößert und zeigt viele Bläschen an der Oberfläche? Dann ist er bereit – auch wenn die 48 Stunden noch nicht rum sind. Bei mir hat die Gare manchmal schon nach 30 Stunden ihr Ziel erreicht.

    saatenbrot angeschnitten holzbrett weizenaehren

    Warum dieses Brot innen so schön saftig bleibt

    Das Brühstück hält die Feuchtigkeit im Brot

    Saaten und Haferflocken saugen im Teig enorm viel Wasser. Wenn du sie roh hinzufügst, stehlen sie der Krume die Feuchtigkeit – das Ergebnis ist eine trockene, krümelige Textur. Das Brühstück löst genau dieses Problem. Du übergießt die Saaten mit kochendem Wasser, bevor sie in den Teig kommen. Sie saugen sich voll und geben diese Feuchtigkeit beim Backen langsam wieder ab. Die Krume bleibt dadurch über Tage saftig.

    Autolyse macht den Teig geschmeidig und stabil

    Autolyse bedeutet: Mehl und Wasser kurz vermischen, dann ruhen lassen. In dieser Pause quellen die Mehlpartikel auf und beginnen, ein Klebergerüst zu bilden – ganz von allein, ohne Kneten. Besonders Kamut-Vollkorn profitiert davon: Das Vollkornmehl braucht länger zum Aufweichen. Nach 60 Minuten Autolyse ist der Teig spürbar glatter und lässt sich viel einfacher kneten. Du sparst Knetzeit und schonst gleichzeitig den empfindlicheren Emmer-Kleber.

    Die lange Kühlschrankgare sorgt für Aroma und Frischhaltung

    48 Stunden im Kühlschrank klingt viel. Aber genau diese lange, kalte Gare sorgt dafür, dass das Brot mehr Tiefe bekommt und länger saftig bleibt. Im Teig passiert in dieser Zeit eine Menge, auch ohne dass du etwas tun musst. Das Aroma wird runder und vielschichtiger, und das Brot schmeckt am Ende nicht säuerlich, sondern einfach voll und ausgewogen.

    Kamut bringt Farbe und einen nussigen Geschmack

    Kamut (auch Khorasan-Weizen genannt) ist ein Urgetreide, das von Natur aus eher proteinreich ist. In Vollkornform bringt es eine leicht goldgelbe Farbe ins Brot und einen butterartigen, nussigen Geschmack, der ganz unverwechselbar ist. Mit 100 g auf 900 g Gesamtmehl bleibt der Anteil klein – aber er reicht, um dem Brot Charakter zu geben.

    saatenbrot angeschnitten krume gestapelt

    Hydration & Co. – für alle, die es genau wissen wollen

    Kurz zur Einordnung: Dieser Teil ist für alle, die gern mit Zahlen arbeiten. Fürs Backen selbst ist vor allem eins wichtig: Der Teig wirkt durch Saaten und Brühstück weicher, lässt sich aber durch das gebundene Wasser trotzdem gut handeln.

    ParameterWert
    Gesamtmehl1.000 g
    Gesamtwasser (Schüttung + Reserve)530 g
    Wasser aus Brühstück220 g
    Gesamtwasser effektivbis 750 g
    Hydration (nur Schüttwasser, ohne Brühstück-Wasser)53 %
    Hydration (mit Brühstück-Wasser)75 %
    Teigausbeute (TA, effektiv)175

    Wie fühlt sich der Teig an?

    Direkt nach dem Kneten ist der Teig weich, aber nicht klebrig. Er gibt bei Druck leicht nach. Nach der Autolyse und dem Kneten löst er sich vom Schüsselrand. Wenn das Brühstück eingearbeitet ist, wirkt der Teig etwas klebriger – das ist normal, die Saaten und Haferflocken geben noch Feuchtigkeit ab. Nach der Stockgare mit dem Dehnen und Falten ist der Teig spürbar stabiler und lässt sich gut formen.

    Die effektive Hydration von 75 % klingt hoch – aber durch das Weizenmehl Type 1050 und das Brühstück, das das Wasser bindet, ist der Teig gut handhabbar. Wenn du dich an einen weichen Teig erst gewöhnen musst, nimm bei der Bassinage ruhig erstmal weniger Reserve-Wasser und taste dich ran.

    saatenbrot krume nahaufnahme porung saaten

    Von klassisch bis vollkornig – andere Varianten ausprobieren

    Ohne Kamut – 100% Emmer und Weizen

    Wenn du kein Kamut-Vollkornmehl bekommst, ersetzt du es durch weitere 100 g Emmermehl hell. Das Brot wird etwas milder im Geschmack und etwas heller in der Farbe. Die Hydration bleibt gleich. Der Teig lässt sich geringfügig einfacher formen, weil weniger Vollkorn drin ist.

    Mit Roggenvollkorn statt Kamut

    Roggen gibt dem Brot eine kräftigere Säure und eine dunklere Krume. Ersetze die 100 g Kamut-Vollkorn durch 100 g Roggenvollkornmehl. Erhöhe das Wasser um 20 g – Roggen bindet sehr viel Wasser. Achtung: Roggenvollkorn macht den Teig klebriger. Forme mit gut bemehlten Händen.

    Vollkorn-Variante

    Für ein noch kräftigeres Brot: Ersetze das Weizenmehl Type 550 durch Weizenvollkornmehl. Das Brot wird dichter, dunkler und nussiger. Erhöhe das Wasser um 30-40 g – Vollkorn braucht mehr Flüssigkeit. Die Backzeit verlängert sich um etwa 5-10 Minuten.

    Mit Kürbiskernen und Leinsamen

    Tausche die Saaten-Mischung nach Belieben aus. Ich mag Kürbiskerne, Leinsamen und Sesam 50/30/20 – das gibt einem besonders nussigen Biss und eine schöne Optik. Röste die Kerne vorher kurz in einer trockenen Pfanne an. Dann ins Brühstück geben und wie gewohnt übergießen.

    💡 Meine Lieblingsvariante

    Das klassische Rezept mit der Sesam-Lein-Sonnenblumen-Mischung und allen vier Mehlen. Die Kombination aus Emmer, Kamut und Weizenmehl 1050 ist für mich perfekt ausbalanciert. Emmer bringt das Aroma, Kamut die Farbe und den Biss, 1050er den Stand. Wenn ich einen einzigen Laib davon auf den Tisch stelle, ist er meistens innerhalb eines Tages weg.

    saatenbrot seitenansicht saatenkruste sonnenblumenkerne sesam

    Was tun, wenn’s nicht klappt?

    ❌ Der Teig ist nach 48 Stunden kaum aufgegangen

    Der Teigling ist im Kühlschrank fast unverändert geblieben und hat kaum Blasen.

    Das liegt meistens an einem zu schwachen oder inaktiven Anstellgut. Prüf, ob dein Anstellgut innerhalb von 8-12 Stunden nach dem Füttern Blasen wirft und sich deutlich vergrößert. Wenn nicht, füttere es 1-2 Tage täglich auf, bevor du bäckst.

    Erhöhe die Hefe beim nächsten Backen auf 4-5 g – dann hast du mehr Sicherheit.

    Alternativ dazu kannst du den Teig auch 12 Stunden länger im Kühlschrank lassen oder 1-2 Stunden bei Raumtemperatur anspringen lassen.

    ❌ Das Brühstück klebt beim Unterkneten zusammen

    Das Brühstück bildet beim Unterkneten klumpige Nester im Teig und verteilt sich nicht gleichmäßig.

    Das Brühstück war zu kalt (direkt aus dem Kühlschrank) oder der Teig zu fest. Nimm das Brühstück etwa 30 Minuten vor dem Kneten aus dem Kühlschrank, damit es Zimmertemperatur annimmt. Und wirklich: Nur 1-2 Minuten unterlaufen lassen – dann verteilt es sich gut, ohne das Klebergerüst zu zerstören.

    ❌ Die Brote laufen beim Formen auseinander

    Die Teiglinge halten ihre Form nicht und fließen flach auseinander.

    Der Teig hat nach der langen Kühlschrankruhe zu wenig Spannung. Das passiert, wenn das Glutennetz zu schwach ist – entweder zu kurz geknetet oder zu wenig Dehnen & Falten während der Stockgare. Beim nächsten Mal: Knete den Teig nach dem Salz-Zusatz länger (bis zu 10 Minuten Stufe 2) und füge beim Formen mehr Spannung durch straffes Aufrollen ein. Auch eine kürzere Bassinage (weniger Reserve-Wasser) hilft.

    ❌ Die Kruste reißt beim Einschneiden unkontrolliert auf

    Du schneidest die Teiglinge ein und die Oberfläche reißt neben dem Schnitt auf.

    Entweder ist die Klinge nicht scharf genug, oder du schneidest zu zögerlich. Eine scharfe Bäckerklinge ist Pflicht. Führe den Schnitt schnell und in einem einzigen Zug. Der S-förmige Schnitt braucht etwas Übung – probier ihn beim ersten Laib einmal gerade, dann einmal geschwungen. Wenn der Teig direkt aus dem Kühlschrank kommt, lässt er sich übrigens am besten schneiden – also nicht zu lange akklimatisieren lassen vor dem Einschneiden.

    ❌ Die Krume ist feucht und klebrig beim Anschnitt

    Du schneidest das Brot an und die Krume zieht Fäden, klebt am Messer und wirkt halb roh.

    Zu früh angeschnitten. Bei diesem Brot ist die Wartezeit nach dem Backen besonders wichtig: Kamut-Vollkorn und Saaten halten die Feuchtigkeit extrem gut. Mindestens 3 Stunden auskühlen lassen – besser über Nacht. Wenn das Problem weiterhin auftritt, verlängere die Backzeit um 5-10 Minuten oder senke die Temperatur nach den 20 Minuten Dampf-Ablassen auf 200 °C.

    saatenbrot kruste nahaufnahme sesam leinsamen sonnenblumenkerne

    Noch Fragen zum Saatenbrot? – FAQ

    Was ist Kamut-Vollkornmehl und wo bekomme ich es?

    Kamut (offiziell: Khorasan-Weizen) ist ein Urgetreide mit einem butterartigen, nussigen Geschmack und einer goldgelben Farbe. Es enthält deutlich mehr Protein als moderner Weizen. Kamutmehl findest du in deiner Mühle, Biomärkten, Reformhäusern oder online. Wenn du es nicht bekommst, kannst du es durch Emmervollkorn oder Weizenvollkornmehl ersetzen.

    Was bedeutet „Bassinage“ beim Kneten?

    Bassinage bedeutet, dass du einen Teil des Wassers zurückbehältst und erst nach dem Kneten schluckweise einarbeitest. So kannst du die Teigkonsistenz anpassen. Ist der Teig zu fest? Gibt Bassinage dazu. Ist er schon genau richtig? Lass das Reserve-Wasser weg. Für Einsteiger empfehle ich, erstmal mit den 480 g Schüttwasser zu kneten und die Konsistenz nach dem Salz-Kneten zu beurteilen.

    Was ist eine Autolyse und muss ich die machen?

    Die Autolyse ist eine Ruhepause von Mehl und Wasser vor dem eigentlichen Kneten. In dieser Zeit bildet sich das Klebergerüst von allein – ohne mechanische Energie. Das macht den Teig geschmeidiger und schont den empfindlicheren Emmer-Kleber. Streng genommen ist die Autolyse optional, aber ich empfehle sie sehr. Der Teig lässt sich danach spürbar leichter kneten und verarbeiten.

    Kann ich die lange Kühlschrankgare auf 24 Stunden verkürzen?

    Ja, das funktioniert. Das Brot ist nach 24 Stunden schon gut und lecker. Der Unterschied liegt im Aroma und in der Frischhaltung: Mit mehr Zeit wird der Geschmack runder. Wenn du es eilig hast, reichen 24 Stunden. Wenn du einen guten Mittelweg willst, plane 36 Stunden ein.

    Kann ich das Anstellgut durch mehr Hefe ersetzen?

    Ja. Ersetze das Anstellgut durch 5-7 g Frischhefe und lasse die beiden kleinen Mengen Hefe im Rezept weg. Das Brot wird milder im Geschmack, weil die Milchsäurebakterien des Sauerteigs fehlen. Die Stockgare verkürzt sich auf etwa 60-75 Minuten. Die Kühlschrank-Ruhe kannst du auf 12-24 Stunden reduzieren.

    Warum kommt Joghurt in den Teig?

    Der Joghurt gibt der Krume eine leicht cremige Textur und bringt Milchsäure in den Teig. Das macht ihn stabiler und verlängert die Frischhaltung. Außerdem gibt Joghurt eine ganz dezente Säure, die gut zum Emmer-Aroma passt. Du kannst ihn durch 70 g lauwarmes Wasser ersetzen – das Brot schmeckt dann etwas weniger komplex, aber trotzdem gut.

    Wie lange ist das Saatenbrot haltbar?

    In einem Brotbeutel oder einer Brotdose hält es sich 5-7 Tage frisch. Das Brühstück und der hohe Saaten-Anteil halten die Feuchtigkeit lang im Brot. Einfrieren geht prima: In Scheiben schneiden, einfrieren und einzelne Scheiben direkt im Toaster aufbacken.

    Wann ist dein Schwäbisches Saatenbrot fertig? – Dein Backzeiten-Rechner

    Insgesamt brauchst du für dieses Saatenbrot etwa 54-58 Stunden – die meiste Zeit davon ist Kühlschrank-Ruhe. Mit diesem Rechner kannst du genau planen, wann du das Brühstück ansetzen musst und wann deine Brote fertig sind. Beachte, dass die Zeiten je nach Raumtemperatur und Anstellgut-Aktivität leicht variieren können. Die lange Kühlschrankgare hat ein Fenster von etwa 12 Stunden – du kannst die Brote zwischen Stunde 36 und 60 im Kühlschrank problemlos backen, ohne Qualitätsverlust.

  • Gmünder Bursche – Roggenmischbrot mit Sauerteig und Röstmalz

    Gmünder Bursche – Roggenmischbrot mit Sauerteig und Röstmalz

    Schwäbisch Gmünd verarbeitet Gold und Silber seit 1372, urkundlich belegt. Über fünfzig Goldschmiede, Schmuckgestalter und Manufakturen arbeiten dort bis heute. Was ich selber wirklich toll gefunden habe, ist die Altstadt mit ihren kleinen Ateliers … das ist Heimat. Handwerk klingt nach Handwerksbursche, und genau so ist dieses Brot … bodenständig, robust und rustikal.

    Der Gmünder Bursche ist ein Roggenmischbrot mit Sauerteig, halb Roggenmehl Type 1150, halb Weizenmehl Type 812. Der Roggensauer wird zweistufig geführt. Abends setzt du ihn an, morgens fütterst du ihn noch einmal nach, und erst dann kommt er in den Hauptteig. Die zweite Runde macht ihn wach, ohne dass er scharf wird. Dazu kommen 5 g Röstmalz, geröstetes Gerstenmalz, das die Krume dunkel färbt und malzig-röstig schmeckt.

    Das Brot bekommt eine Kruste, die beim Aufschneiden knackt. Die Krume ist mitteldicht und bleibt saftig, weil Roggen Wasser festhält wie kaum ein anderes Mehl. Geschmacklich liegt es zwischen malzig und leicht säuerlich, aber die Säure steht nicht vorne. Der halbe Anteil Weizen macht es milder als ein reines Roggenbrot, und frisch bleibt es trotzdem fünf bis sieben Tage.

    Rund 19 bis 21 Stunden dauert das Ganze, in der Küche stehst du davon nur eine gute halbe Stunde. Den Rest arbeitet der Sauerteig. Bei uns ist es das Alltagsbrot, mit Butter und Salz genauso gut wie mit kräftigem Käse.

    Robert sagt

    „Zweimal holt sie mich für dieses Brot aus dem Kühlschrank. Erst darf ich abends ran, und wenn ich morgens gerade schön aufgegangen bin, kippt sie noch mal Mehl und Wasser drauf und ich fang von vorne an. Andere kommen mit einer Runde aus. Aber ehrlich? Nach der zweiten bin ich so wach wie lange nicht … ein bisschen Nachlegen hat noch keinem geschadet, mir schon gar nicht.“

    Backzeiten-Rechner

    Wann muss ich anfangen?

    Dein Backplan richtet sich nach deinem Tag, nicht umgekehrt. Sag dem Backzeiten-Rechner, wann du fertig sein möchtest, und er rechnet dir jeden Schritt bis zum Start zurück.

    Zum Rechner springen ↓
    Rustikale Kruste vom Roggenmischbrot mit Sauerteig – dunkel durch Röstmalz, bemehlt und aromatisch
    Krumen-Nahaufnahme von saftigem Roggenmischbrot mit Sauerteig – porige Struktur durch lange Teigführung

    Was kommt in den Gmünder Bursche?

    Für 1 Brot, ungefähr 790 g.

    Zutaten für den Grundsauer (1. Stufe)
    Roggen-Anstellgut, aktiv25 g
    Roggenmehl Type 1150125 g
    Wasser, ca. 30 °C125 g
    Grundsauer gesamt275 g
    Zutaten für den Vollsauer (2. Stufe)
    Grundsauer, komplett275 g
    Roggenmehl Type 115050 g
    Wasser, ca. 30 °C50 g
    Vollsauer gesamt375 g
    Zutaten für den Hauptteig
    Vollsauer, komplett375 g
    Roggenmehl Type 115075 g
    Weizenmehl Type 812 (oder 550)250 g
    Röstmalz5 g
    Salz11 g
    Frischhefe4 g
    Wasser, davon 35 g zurückhalten185 g
    Die Mengen im Sauerteig hängen vom Zeitplan ab

    Oben stehen die Mengen für den klassischen Zeitplan. Wenn du den schnellen nimmst, verschieben sich 50 g Mehl und 50 g Wasser von der ersten in die zweite Stufe. Die Gesamtmenge bleibt gleich, und am Hauptteig ändert sich gar nichts.

    Zwei Zeitpläne für deinen Tag

    Der Unterschied liegt allein darin, wie stark du den Grundsauer verdünnst. Wenig Anstellgut auf viel Mehl heißt lange Reife und mehr Aroma, mehr Anstellgut auf wenig Mehl heißt kurze Reife und ein milderes Brot. Der Hauptteig ist bei beiden identisch. Alle Verhältnisse sind als Anstellgut zu Mehl zu Wasser geschrieben.

    Schnell

    Ablauf

    Grundsauer im Verhältnis 1:3:3, also 25 g Anstellgut auf 75 g Mehl und 75 g Wasser. Reif nach 5 bis 6 Stunden. Dann kommen 100 g Mehl und 100 g Wasser dazu, nach weiteren 3 bis 4 Stunden geht es an den Hauptteig.

    Gesamtzeit

    ca. 12 bis 13 Stunden

    Charakter

    Milder und heller. Die Säure bleibt im Hintergrund, die Krume wird eine Spur feiner. Der Zeitplan für alle, die morgens ansetzen und abends Brot haben wollen.

    Bines Empfehlung

    Klassisch

    Ablauf

    Grundsauer im Verhältnis 1:5:5, also 25 g Anstellgut auf 125 g Mehl und 125 g Wasser. Der steht über Nacht 12 bis 14 Stunden. Morgens kommen 50 g Mehl und 50 g Wasser dazu, nach 3 bis 4 Stunden geht es an den Hauptteig.

    Gesamtzeit

    ca. 19 bis 21 Stunden

    Charakter

    Voller und würziger. Malz und milde Säure kommen zusammen, die Krume bleibt länger saftig. Abends ansetzen, am nächsten Nachmittag backen.

    Miss deine Küche nach, bevor du dich auf die Stunden verlässt

    Die Zeiten gelten für 20 bis 22 Grad. Steht dein Sauerteig kühler, im Keller oder im Hausflur bei 16 bis 18 Grad, rechne rund ein Drittel länger. Steht er wärmer, geht es entsprechend schneller.

    Ich stelle mir seit Jahren ein Gummiband um das Glas, an der Höhe beim Ansetzen. Verdoppelt heißt fertig, und das siehst du schneller als du rechnest.

    So backst du den Gmünder Bursche

    Grundsauer ansetzen – fünf Minuten am Abend

    Wiege 125 g Wasser mit etwa 30 Grad in eine Schüssel und gib die 25 g Anstellgut dazu. Rühre beides mit einem Schneebesen glatt, bis keine Klumpen mehr schwimmen. Das nennt sich aufschlämmen und ist kein Zierschritt. Roggen-Anstellgut ist zäh, und wenn du es direkt ins Mehl gibst, bleiben Klümpchen, in denen nichts arbeitet.

    Dann rührst du die 125 g Roggenmehl ein. Der Grundsauer ist jetzt ein zäher, klebriger Brei, ungefähr wie dicker Pfannkuchenteig. Deckel drauf und bei 20 bis 22 Grad stehen lassen.

    Nach 12 bis 14 Stunden hat er sich sichtbar gewölbt, riecht säuerlich-fruchtig und die Oberfläche ist von kleinen Löchern durchzogen. Wenn du unsicher bist, woran du die Reife erkennst, schau dir das Volumen an und nicht die Uhr. Ist er in der Mitte schon wieder eingefallen, war er zu warm oder zu lange dran. Backen kannst du trotzdem, das Brot wird nur säuerlicher.

    Vollsauer – die zweite Fütterung am Morgen

    Am Morgen rührst du 50 g Wasser und 50 g Roggenmehl unter den Grundsauer. Mehr passiert hier nicht.

    Der Vollsauer braucht dann 3 bis 4 Stunden bei 20 bis 22 Grad. Er geht deutlich schneller auf als der Grundsauer über Nacht, weil jetzt sehr viele aktive Hefen auf sehr wenig frisches Mehl treffen. Wenn er sich gewölbt hat und blubbert, kann er in den Hauptteig.

    Hauptteig kneten – neun Minuten in der Maschine

    Gib den kompletten Vollsauer in die Küchenmaschine. Dazu kommen 75 g Roggenmehl, 250 g Weizenmehl, 5 g Röstmalz, 11 g Salz, 4 g Frischhefe und 150 g Wasser. Die restlichen 35 g Wasser bleiben erst mal im Becher stehen.

    Knete 6 Minuten auf der langsamen Stufe, dann 3 Minuten auf der mittleren. In den letzten zwei Minuten gibst du das Restwasser schluckweise dazu, so viel wie der Teig annimmt.

    Länger kneten bringt hier nichts. Bei der Hälfte Roggen gibt es nur begrenzt Klebergerüst aufzubauen, und was du über neun Minuten hinaus machst, schadet eher. Der fertige Teig ist weich, leicht klebrig und glänzt matt. Er löst sich nicht sauber vom Schüsselrand wie ein reiner Weizenteig, und das soll er auch nicht.

    Das Restwasser gehört nicht ins Rezept, sondern in deine Hand

    Jedes Mehl saugt anders. Ein frisch gemahlenes Roggenmehl nimmt mehr Wasser als eines, das seit einem halben Jahr in der Tüte liegt. Deshalb steht das Restwasser separat.

    Wenn der Teig nach 150 g schon weich genug aussieht, lass die 35 g weg. Zu wenig Wasser kannst du nachgeben, zu viel kriegst du nicht mehr raus.

    Stockgare – der Teig arbeitet alleine

    Deck die Schüssel ab und lass den Teig 75 Minuten bei 20 bis 22 Grad stehen. Falten, dehnen oder umschlagen musst du nicht.

    Am Ende ist er sichtbar größer, aber nicht verdoppelt. Roggenteig geht anders auf als Weizenteig, er wird eher voluminöser als höher, und die Oberfläche bekommt kleine Risse. Verlass dich hier ruhig auf die Uhr, der Fingertest funktioniert bei so viel Roggen nur bedingt.

    Schleifen und ab in den Gärkorb

    Bemehle deine Arbeitsfläche gut und kipp den Teig darauf. Schleifen heißt, dass du ihn mit den Handkanten mehrmals zu dir ziehst und dabei leicht drehst, so dass die Naht unten zusammengeht und die Oberfläche sich spannt. Nach ein paar Runden liegt eine glatte, straffe Kugel vor dir.

    Der Gärkorb muss großzügig bemehlt sein, wirklich großzügig. Roggenteig klebt fest, wenn du sparst, und aus einem angeklebten Teigling wird kein rundes Brot mehr. Leg die Kugel mit der Naht nach unten hinein, deck sie ab und lass sie 60 Minuten stehen.

    Backen mit Schwaden

    Heize den Ofen mit dem Backstahl in der unteren Hälfte auf 250 Grad Ober- und Unterhitze vor. Der Stahl braucht mindestens 45 Minuten, bis er wirklich durchgeheizt ist, dafür gibt er die Hitze dann auf einen Schlag an den Teigling ab. Wenn du keinen hast, nimm ein umgedrehtes Backblech. Das speichert weniger, funktioniert aber.

    Stürze den Teigling auf eine bemehlte Brotschaufel. Die Naht liegt jetzt oben und reißt beim Backen von selbst auf, du musst nicht einschneiden. Schieb ihn auf den Stahl und gieß sofort 50 bis 100 ml Wasser in eine hitzefeste Schale am Ofenboden. Tür zu, so schnell es geht.

    Nach 10 Minuten machst du die Tür kurz auf, lässt den Dampf ab und drehst auf 210 Grad runter. Ab jetzt braucht das Brot trockene Hitze für die Kruste.

    Insgesamt 55 bis 60 Minuten. Die Kruste soll richtig dunkelbraun werden, heller sieht hübscher aus, schmeckt aber nach nichts. Wenn du ein Einstichthermometer hast, stich in die Mitte: 97 Grad heißt fertig.

    Schwaden gleich beim Einschießen, nicht später

    Der Dampf hat genau ein Zeitfenster, nämlich die ersten Minuten, in denen der Teigling noch aufgeht. Er hält die Oberfläche weich, damit sie mitwachsen kann. Wartest du fünf Minuten, ist sie schon fest, und der Dampf bringt nur noch Feuchtigkeit ohne Nutzen.

    Auskühlen

    Nimm das Brot vom Stahl und leg es auf ein Gitter. Mindestens zwei Stunden, besser länger.

    Beim Auskühlen wandert die restliche Feuchtigkeit aus der Krume nach außen und die Stärke wird fest. Roggenbrote brauchen dafür deutlich länger als Weizenbrote. Schneidest du zu früh, ist die Krume klebrig und schmiert am Messer, und daran ist dann nicht das Rezept schuld, sondern die Ungeduld. Ich kenne das gut genug, um es hinzuschreiben.

    Warum dieses Roggenmischbrot saftig bleibt und nicht sauer schmeckt

    Zwei Stufen statt einer

    Der Grundsauer steht lange und wird stark verdünnt. In so einem Ansatz haben die Milchsäurebakterien die Oberhand, sie bauen über die Nacht Säure und Aromastoffe auf. Die Hefen kommen dabei allerdings an ihre Grenzen, weil ihnen irgendwann das Futter ausgeht.

    Genau das repariert die zweite Stufe. Frisches Mehl und Wasser bringen den Ansatz noch einmal in Fahrt, und nach drei bis vier Stunden sind die Hefen wieder auf ihrem Höhepunkt. Du bekommst also das Aroma aus der langen ersten Stufe und den Trieb aus der kurzen zweiten. Einstufig geführt musst du dich zwischen beidem entscheiden.

    Säure statt Kleber

    Roggen bildet kaum Gluten. Was er stattdessen mitbringt, sind Pentosane, Schleimstoffe aus der Schale, die das Vielfache ihres Gewichts an Wasser binden und den Teig zusammenhalten. Deshalb ist ein Roggenteig klebrig und weich statt elastisch, und deshalb bringt langes Kneten nichts.

    Dazu kommt ein zweites Problem. Roggenstärke wird schon bei niedrigen Temperaturen von den mehleigenen Enzymen abgebaut, den Amylasen. Ohne Gegenmaßnahme zersetzen die im Ofen genau die Stärke, die die Krume tragen soll, und du schneidest ein Brot an, das innen speckig und klitschig ist.

    Die Säure aus dem Sauerteig bremst diese Enzyme. Sauerteig ist bei Roggen deshalb keine Geschmacksfrage, sondern die Voraussetzung dafür, dass das Brot überhaupt eine schnittfeste Krume bekommt. Beim halben Weizenanteil hier ist das Risiko kleiner als bei einem reinen Roggenbrot, aber es bleibt der Grund, warum in diesem Rezept 36 Prozent des Mehls versäuert werden.

    Röstmalz – Farbe und Aroma ohne Backmittel

    Röstmalz ist gekeimtes und dann dunkel geröstetes Gerstenmalz. Beim Rösten sind die Enzyme abgestorben, es kann im Teig also nichts mehr in Gang setzen. Was übrig bleibt, sind die Röststoffe, die beim Rösten entstanden sind, und die bringen die dunkle Farbe und den malzigen Ton mit.

    Das ist der Unterschied zu aktivem Backmalz, das genau umgekehrt wirkt und über seine Enzyme Stärke aufschließt. Wer die beiden verwechselt, bekommt bei Roggen eine speckige Krume. Fünf Gramm Röstmalz auf 500 Gramm Mehl reichen für Farbe und Aroma und sind zu wenig, um am Teig sonst irgendetwas zu ändern.

    Das Zubehör, das ich für den Gmünder Bursche benutze

    Gärkorb aus Peddigrohr für Roggenmischbrot mit Sauerteig
    Gärkorb aus Peddigrohr, 25 cm*
    Der Teig ist weich, ohne Korb läuft er auf dem Blech breit. Peddigrohr saugt außerdem Feuchtigkeit von der Oberfläche, dadurch löst sich der Teigling leichter und die Kruste wird rustikaler.
    Backstahl zum Backen von Roggenmischbrot mit Sauerteig
    Backstahl*
    Er speichert deutlich mehr Hitze als ein Blech und gibt sie beim Einschießen sofort an den Teigling ab. Genau dieser Hitzestoß von unten treibt das Brot in den ersten Minuten hoch.
    Einstichthermometer zum Messen der Kerntemperatur beim Roggenmischbrot
    Einstichthermometer*
    Bei einem Roggenmischbrot ist die Klopfprobe unzuverlässig, weil die Krume so viel Wasser hält. 97 Grad in der Mitte sagen dir sicher, dass es durch ist.

    Hier kannst du bald meine komplette Backausrüstung anschauen.

    * Affiliate-Link: Kaufst du darüber, bekomme ich eine kleine Provision, für dich bleibt der Preis gleich.

    Sechs Varianten vom Gmünder Bursche

    Roggenmischbrot mit Sauerteig und mehr Hefe – gelingsicher für Einsteiger

    Wenn du beim ersten Mal auf Nummer sicher gehen willst, nimm 8 g Frischhefe statt 4 g. Die Vorteige bleiben gleich, nur der Hauptteig geht schneller. Die Stockgare verkürzt sich auf etwa 45 Minuten, die Stückgare auf 40. Die Krume wird eine Spur lockerer und das Brot milder, weil der Teig weniger Zeit hat, Säure aufzunehmen. Behalte den Teigling im Gärkorb im Blick, mit der doppelten Hefe ist er schneller so weit, als du denkst.

    70 % Roggen – kräftiger und länger haltbar

    Für ein kräftigeres Brot nimmst du 350 g Roggenmehl und 150 g Weizenmehl. Verschieb die zusätzlichen 100 g Roggen in den Hauptteig, der Sauerteig bleibt wie er ist. Roggen bindet mehr Wasser als Weizen, gib deshalb 20 g Wasser mehr dazu. Die Krume wird dichter und kompakter, der Geschmack deutlich kräftiger. Dafür hält sich das Brot noch länger frisch.

    Dinkel statt Weizen – für einen nussigeren Geschmack

    Ersetze das Weizenmehl durch Dinkelmehl Type 630. Das Brot bekommt einen leicht nussigen Ton. Dinkel bindet weniger Wasser als Weizen, reduziere das Hauptteigwasser deshalb auf 160 g. Und knete kürzer, vier Minuten langsam und zwei mittel reichen. Dinkelkleber hat einen Punkt, ab dem er reißt, und zurück kommt er nicht mehr.

    Mit Roggenvollkorn – rustikaler und nahrhaft

    Ersetze das Roggenmehl Type 1150 durch Roggenvollkornmehl, im Sauerteig und im Hauptteig. Das Brot wird dunkler und kräftiger. Vollkorn saugt mehr Wasser, erhöhe das Hauptteigwasser auf 215 g. Die Backzeit verlängert sich um etwa 10 Minuten, und die 97 Grad Kerntemperatur sind hier besonders wichtig.

    Mit Körnern für mehr Biss

    Für mehr Biss kannst du 50 bis 70 g Körner oder Saaten in den Teig geben. Ich mag Sonnenblumenkerne, Leinsamen oder Sesam. Röste sie vorher kurz in einer trockenen Pfanne an, das macht sie aromatischer. Wichtig ist, dass du sie danach in gleich viel Wasser einweichst, sonst ziehen sie das Wasser aus dem Teig und die Krume wird trocken. Untergeknetet werden sie in den letzten zwei Minuten.

    Ohne Röstmalz wird’s heller und milder

    Wenn du kein Röstmalz hast, lass es einfach weg. Das Brot wird heller und milder, die Kruste nicht ganz so dunkel. Alternativ gibst du 1 bis 2 TL dunklen Zuckerrübensirup in den Hauptteig, der bringt auch Farbe und etwas Süße mit. Der Rest des Rezepts bleibt unverändert.

    Roggenmischbrot mit Sauerteig – rundes Brot mit rustikaler Kruste auf Holzbrett
    Meine Lieblingsvariante

    Das klassische 50/50 mit Röstmalz. Diese Mischung ist ausbalanciert, kräftig, aber nicht zu schwer, und das Röstmalz gibt genau die richtige Würze, ohne zu dominant zu sein.

    Ich backe dieses Brot mindestens einmal pro Woche. Bei uns ist es das Alltagsbrot, das zu allem passt.

    Wenn das Roggenmischbrot nicht so wird wie geplant

    Ein paar Sachen gehen bei diesem Brot häufiger schief. Meistens steckt eine einfache Ursache dahinter, und die kriegst du in den Griff.

    ❌ Der Grundsauer sieht am Morgen aus wie am Abend

    Nach 14 Stunden hat sich nichts getan, keine Wölbung, keine Blasen, kaum Geruch. Fast immer war das Anstellgut nicht aktiv genug oder die Küche zu kühl. Ein Anstellgut, das drei Wochen ungefüttert im Kühlschrank stand, springt nicht sofort an. Füttere es ein bis zwei Tage vor dem Backen einmal frisch und lass es bei Raumtemperatur hochkommen, bevor du damit ansetzt. Steht deine Küche unter 18 Grad, verlängere die Reifezeit um 2 bis 4 Stunden oder such einen wärmeren Platz, ideal sind 20 bis 22 Grad. Und wenn er am Morgen erst halb da ist, gib ihm einfach noch Zeit, bevor du die zweite Stufe ansetzt.

    ❌ Der Teig klebt so sehr, dass sich nichts formen lässt

    Mit 72 Prozent Hydration ist der Teig weich und klebt an den Händen, das ist bei diesem Brot normal. Wenn er sich aber gar nicht mehr schleifen lässt und über die Arbeitsplatte läuft, ist zu viel Wasser drin. Bemehle die Fläche und deine Hände wirklich großzügig und arbeite zügig, je länger du drückst und schiebst, desto klebriger wird es. Beim nächsten Mal lässt du die 35 g Restwasser einfach weg und startest mit 150 g. Ein etwas festerer Teig lässt sich viel leichter formen als ein zu weicher, und das Brot wird trotzdem gut.

    ❌ Die Krume ist dicht und schwer

    Das Brot ist aufgegangen, aber innen kompakt und fest. Meistens war einer der beiden Sauerteige nicht auf der Höhe. Prüf beim nächsten Mal, ob der Vollsauer wirklich gewölbt ist und blubbert, bevor du ihn in den Hauptteig gibst. Zweite Möglichkeit ist eine zu kurze Stückgare. Der Teigling soll im Gärkorb sichtbar größer geworden sein, bevor er in den Ofen geht. Und wenn deine Küche kühl ist, brauchen beide Garezeiten länger als die 75 und 60 Minuten im Rezept.

    ❌ Das Brot schmeckt zu sauer

    Die Säure steht vorne und drängt sich vor das Malz. Der häufigste Grund ist eine zu warme oder zu lange erste Stufe. Über 26 Grad bilden sich schnell Essigsäuren, und die schmecken deutlich schärfer als Milchsäure. Setz den Grundsauer an einem kühleren Platz an und verkürze die Reifezeit um 2 bis 3 Stunden. Wenn dir das Brot grundsätzlich zu sauer ist, nimm den schnellen Zeitplan mit dem Verhältnis 1:3:3, der wird milder. Und ein eingefallener Grundsauer war schon zu weit, dann schmeckst du das im fertigen Brot.

    ❌ Die Kruste ist steinhart

    Die Kruste lässt sich kaum schneiden. Bei 250 Grad Anbacktemperatur und einem Backstahl geht das schnell, wenn du das Runterschalten auf 210 Grad vergisst oder das Brot fünf Minuten zu lang drin lässt. Nimm es beim nächsten Mal nach 55 Minuten raus, sobald es 97 Grad hat. Wenn sie schon zu hart ist, leg für die erste halbe Stunde des Auskühlens ein feuchtes Tuch über das Brot, dann zieht Feuchtigkeit von innen nach und die Kruste wird weicher. Und die Kruste eines dunkel ausgebackenen Roggenmischbrots darf kräftig sein, nur eben nicht so, dass du das Messer verbiegst.

    Hydration und Co., für alle, die es genau wissen wollen

    Fürs Backen brauchst du diese Zahlen nicht. Sie helfen aber, wenn du das Rezept anpassen oder mit anderen vergleichen willst.

    Gesamtmehl (inkl. Anstellgut und Röstmalz)518 g
    Gesamtwasser (inkl. Anstellgut)373 g
    Hydrationca. 72 %
    Teigausbeute (TA)ca. 172
    Salz2,2 % vom Mehl
    Versäuertes Mehl188 g, ca. 36 %

    Das Anstellgut zählt mit. 25 g bei einer Teigausbeute von 200 bestehen aus 12,5 g Mehl und 12,5 g Wasser, deshalb taucht es auf beiden Seiten auf. Röstmalz rechnet auf der Mehlseite mit.

    Wie fühlt sich der Teig an?

    Mit 72 Prozent ist der Teig weich, klebt leicht und hängt beim Herausnehmen ein bisschen an der Hand. Er ist nicht glatt und elastisch wie ein Weizenteig, sondern eher zäh und nachgiebig, das macht der Roggenanteil. Auf der bemehlten Fläche lässt er sich trotzdem sauber zu einer Kugel schleifen und behält die Form.

    Wenn er dir beim Schleifen davonläuft, war zu viel Wasser drin. Wenn er sich fest anfühlt und beim Kneten hart am Haken hängt, war es zu wenig. Das sind die 35 g Restwasser, mit denen du das steuerst.

    Aufgeschnittenes Roggenmischbrot mit Sauerteig – saftige Krume und dunkle Kruste

    Noch Fragen zum Roggenmischbrot mit Sauerteig?

    Wie viel Sauerteig braucht man für 500 g Mehl?

    Bei diesem Brot sind es 375 g fertiger Sauerteig, in dem 175 g Mehl stecken. Rechnet man das Anstellgut mit, sind rund 36 Prozent des Gesamtmehls versäuert. Für Roggenmischbrote ist das ein guter Bereich. Unter 30 Prozent wird die Krume leicht klitschig, über 45 Prozent schmeckt das Brot deutlich säuerlich.

    Warum geht mein Roggenmischbrot mit Sauerteig nicht auf?

    Meistens war der Sauerteig noch nicht so weit. Er muss sichtbar gewölbt sein und blubbern, wenn er in den Hauptteig kommt, nicht nur ein bisschen anders aussehen als beim Ansetzen. Zweiter häufiger Grund ist ein Anstellgut, das lange ungefüttert im Kühlschrank stand. Frisch das ein bis zwei Tage vorher auf. Und rechne damit, dass ein Roggenmischbrot ohnehin nicht so hoch aufgeht wie ein Weizenbrot, es wird breiter statt höher.

    Warum kommt Frischhefe in den Teig, wenn ich schon Sauerteig habe?

    Weil die 4 g den Hauptteig zuverlässig durchtreiben, ohne dass das Brot dafür länger stehen und mehr Säure aufnehmen muss. Der Sauerteig liefert Aroma und die Säure, die die Roggenstärke schützt, die Hefe liefert Tempo. Wenn du ganz ohne Hefe backen willst, geht das, dann verlängern sich Stock- und Stückgare auf jeweils zwei bis drei Stunden und das Brot wird säuerlicher.

    Warum muss ich zwei Vorteige ansetzen?

    Musst du nicht, aber es macht das Brot besser. Die lange erste Stufe baut Aroma und Säure auf, die kurze zweite bringt die Hefen zurück auf Kraft. Einstufig geführt bekommst du entweder ein mildes Brot mit wenig Tiefe oder ein aromatisches, das säuerlich schmeckt. Der Aufwand für die zweite Stufe sind fünf Minuten Rühren.

    Was ist Röstmalz und wo kriege ich es?

    Röstmalz ist gekeimtes und dunkel geröstetes Gerstenmalz, es schmeckt malzig-röstig und ist dunkelbraun. Es gibt das in Bioläden, Reformhäusern und online. Ich kaufe meins meistens in meiner Hausmühle in Aidlingen. Achte darauf, dass es wirklich Röstmalz ist und kein aktives Backmalz. Backmalz ist viel heller, schmeckt süßer und wirkt über Enzyme, das ist etwas ganz anderes.

    Kann ich den Grundsauer im Kühlschrank gehen lassen?

    Ja. Lass ihn 2 bis 3 Stunden bei Raumtemperatur anspringen und stell ihn dann für 12 bis 14 Stunden kalt. Am nächsten Tag holst du ihn raus, gibst ihm eine Stunde zum Aufwärmen und setzt dann die zweite Stufe an. Die kalte Gare macht das Aroma milder und runder, weil bei niedrigen Temperaturen weniger Essigsäure entsteht.

    Was bedeutet „den Teig schleifen“?

    Du ziehst den Teig mit sanftem Druck über die bemehlte Arbeitsfläche zu dir und drehst ihn dabei leicht. Dadurch schließt sich die Naht auf der Unterseite und die Oberfläche spannt sich. Das machst du ein paar Mal rundherum, bis eine glatte, straffe Kugel vor dir liegt. Diese Spannung hält das Brot im Ofen in Form.

    Wie lange ist der Gmünder Bursche haltbar?

    Fünf bis sieben Tage. Der hohe Roggenanteil bindet viel Wasser und gibt es nur langsam wieder ab. Bewahre das Brot bei Raumtemperatur in einem Brotkasten oder einem Leinenbeutel auf, mit der Schnittfläche nach unten. In den Kühlschrank gehört es nicht, dort wird es schneller trocken als auf der Arbeitsplatte. Einfrieren geht gut, am besten in Scheiben.

    Hier ist die Rezeptkarte zum Ausdrucken

    Anschnitt vom einfachen Roggenmischbrot mit Sauerteig Rezept – porige Krume und rustikale Kruste

    Gmünder Bursche – Roggenmischbrot mit Sauerteig und Röstmalz

    Vorbereitung 30 Minuten
    Backzeit 1 Stunde
    Ruhezeiten 18 Stunden
    Gesamtzeit 19 Stunden 30 Minuten
    Ein kräftiges Roggenmischbrot mit zweistufig geführtem Sauerteig und Röstmalz. Halb Roggen, halb Weizen, dunkle Kruste und eine Krume, die tagelang saftig bleibt.
    1 Brot
    Bauernbrot, Roggenbrot, Roggenmischbrot

    Zutaten

    Sauerteig, 1. Stufe (Grundsauer)
    • 25 g Roggen-Anstellgut aktiv
    • 125 g Roggenmehl Type 1150
    • 125 g Wasser ca. 30 °C
    Sauerteig, 2. Stufe (Vollsauer)
    • 275 g Grundsauer kompletter Sauerteig aus der 1. Stufe
    • 50 g Roggenmehl Type 1150
    • 50 g Wasser ca. 30 °C
    Hauptteig
    • 375 g Vollsauer kompletter Sauerteig aus der 2. Stufe
    • 75 g Roggenmehl Type 1150
    • 250 g Weizenmehl Type 812 oder Type 550
    • 5 g Röstmalz
    • 11 g Salz
    • 4 g Frischhefe
    • 185 g Wasser davon 35 g als Bassinage zurückhalten

    Kochutensilien

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    Zubereitung

    Klassisch (ca. 19–21 Stunden)
    • Grundsauer ansetzen, abends. Schlämme 25 g Anstellgut in 125 g Wasser (ca. 30 °C) auf, bis keine Klumpen mehr da sind. Rühre 125 g Roggenmehl Type 1150 ein.
    • Decke den Grundsauer ab und lass ihn 12 bis 14 Stunden bei 20 bis 22 °C reifen, bis er sich gewölbt hat und säuerlich-fruchtig riecht.
    • Vollsauer ansetzen, morgens. Rühre 50 g Wasser und 50 g Roggenmehl unter den Grundsauer. Decke ihn ab und lass ihn 3 bis 4 Stunden bei 20 bis 22 °C reifen, bis er gewölbt ist und blubbert.
    • Hauptteig kneten. Gib den kompletten Vollsauer mit 75 g Roggenmehl, 250 g Weizenmehl, 5 g Röstmalz, 11 g Salz, 4 g Frischhefe und 150 g Wasser in die Küchenmaschine. Knete 6 Minuten langsam, dann 3 Minuten auf mittlerer Stufe. Gib die restlichen 35 g Wasser in den letzten zwei Minuten schluckweise dazu.
    • Stockgare. Decke den Teig ab und lass ihn 75 Minuten bei 20 bis 22 °C stehen.
    • Formen. Kippe den Teig auf eine gut bemehlte Arbeitsfläche und schleife ihn rund, bis die Oberfläche glatt und gespannt ist. Lege ihn mit der Naht nach unten in einen großzügig bemehlten Gärkorb (25 cm).
    • Stückgare. Decke den Teigling ab und lass ihn 60 Minuten bei 20 bis 22 °C gehen.
    • Ofen vorheizen. Heize den Backstahl in der unteren Ofenhälfte 45 Minuten bei 250 °C Ober-/Unterhitze vor.
    • Backen. Stürze den Teigling auf eine bemehlte Brotschaufel, die Naht liegt oben. Schieße ihn auf den Stahl ein und gieße sofort 50 bis 100 ml Wasser in eine hitzefeste Schale am Ofenboden. Schließe die Tür zügig.
    • Öffne nach 10 Minuten die Tür kurz, lass den Dampf ab und schalte auf 210 °C runter. Backe das Brot insgesamt 55 bis 60 Minuten, bis die Kruste dunkelbraun ist und die Kerntemperatur 97 °C erreicht.
    • Auskühlen. Lass das Brot auf einem Gitter mindestens 2 Stunden auskühlen, bevor du es anschneidest.
    Schnell (ca. 12–13 Stunden)
    • Grundsauer ansetzen, morgens. Schlämme 25 g Anstellgut in 75 g Wasser (ca. 30 °C) auf. Rühre 75 g Roggenmehl Type 1150 ein.
    • Decke den Grundsauer ab und lass ihn 5 bis 6 Stunden bei 20 bis 22 °C reifen, bis er sich gewölbt hat.
    • Vollsauer ansetzen. Rühre 100 g Wasser und 100 g Roggenmehl unter den Grundsauer. Decke ihn ab und lass ihn 3 bis 4 Stunden bei 20 bis 22 °C reifen, bis er gewölbt ist und blubbert.
    • Hauptteig kneten. Gib den kompletten Vollsauer mit 75 g Roggenmehl, 250 g Weizenmehl, 5 g Röstmalz, 11 g Salz, 4 g Frischhefe und 150 g Wasser in die Küchenmaschine. Knete 6 Minuten langsam, dann 3 Minuten auf mittlerer Stufe. Gib die restlichen 35 g Wasser in den letzten zwei Minuten schluckweise dazu.
    • Stockgare. Decke den Teig ab und lass ihn 75 Minuten bei 20 bis 22 °C stehen.
    • Formen. Kippe den Teig auf eine gut bemehlte Arbeitsfläche und schleife ihn rund, bis die Oberfläche glatt und gespannt ist. Lege ihn mit der Naht nach unten in einen großzügig bemehlten Gärkorb (25 cm).
    • Stückgare. Decke den Teigling ab und lass ihn 60 Minuten bei 20 bis 22 °C gehen.
    • Ofen vorheizen. Heize den Backstahl in der unteren Ofenhälfte 45 Minuten bei 250 °C Ober-/Unterhitze vor.
    • Backen. Stürze den Teigling auf eine bemehlte Brotschaufel, die Naht liegt oben. Schieße ihn auf den Stahl ein und gieße sofort 50 bis 100 ml Wasser in eine hitzefeste Schale am Ofenboden. Schließe die Tür zügig.
    • Öffne nach 10 Minuten die Tür kurz, lass den Dampf ab und schalte auf 210 °C runter. Backe das Brot insgesamt 55 bis 60 Minuten, bis die Kruste dunkelbraun ist und die Kerntemperatur 97 °C erreicht.
    • Auskühlen. Lass das Brot auf einem Gitter mindestens 2 Stunden auskühlen, bevor du es anschneidest.

    Notizen

    Zur Wassermenge: Nicht jedes Mehl nimmt gleich viel Wasser auf. Halte die letzten 35 g im Hauptteig zurück und gib sie in den letzten zwei Knetminuten schluckweise dazu, so viel wie der Teig annimmt. Zu wenig Wasser kannst du nachgeben, zu viel kriegst du nicht mehr raus.
    Zum Backen: Immer mit Ober- und Unterhitze backen. Umluft trocknet die Kruste zu schnell aus. Geschwadet wird sofort beim Einschießen, nicht später.
    Zur Kerntemperatur: Bei Roggenmischbrot ist die Klopfprobe unzuverlässig. 97 °C in der Mitte heißt sicher durchgebacken.

    Hast du das Rezept schon ausprobiert?

    Ich freu mich über einen Kommentar von dir.
  • Glemstaler Kornkasten – saftiges Dinkelvollkornbrot mit Sauerteig

    Glemstaler Kornkasten – saftiges Dinkelvollkornbrot mit Sauerteig

    Die Glems ist ein kleiner Fluss, der durchs Heckengäu fließt, von Weil der Stadt bis zur Enz. Hier wurde schon immer gebacken, mit Dinkel von den Feldern und den Kartoffeln aus den Kellern. Der Kornkasten war früher die Vorratskammer, in der das Korn für den Winter lagerte. Heute ist mein Glemstaler Kornkasten ein Dinkelvollkornbrot mit Sauerteig, das in der Kastenform gebacken wird, mit Dinkel und Kartoffeln von hier und gerösteten Cashews dazu. Auf die Idee gebracht hat mich ein Kartoffelbrot vom Bäcker, das sehr saftig war und mir gut geschmeckt hat. Ich hab mir daraufhin selber ein Rezept ausgedacht und so lange probiert, bis es passte.

    Geknetet wird nicht. Du rührst alles mit einem Kochlöffel zusammen, kippst den Teig in die Kastenform und stellst ihn über Nacht weg. Bei Vollkorn ist das sogar besser als Kneten, weil die Schalenteilchen im Mehl das Glutennetz stören und der Dinkelkleber weich ist und langes Kneten übel nimmt. Den Trieb machen Luigi, mein Lievito Madre, und drei Gramm Frischhefe dazu. Luigi allein schafft 500 g Vollkornmehl und 200 g Kartoffeln über Nacht nicht.

    Die Kartoffeln machen die Krume weich und fast ein bisschen cremig, die Cashews schmeckt man deutlich raus, und der Sesam, mit dem die Form ausgestreut ist, wird beim Backen goldbraun und kross. Abends stehst du zwanzig Minuten in der Küche, morgens schiebst du die Form in den Ofen. Fünf bis sieben Tage bleibt es weich, ohne Einfrieren und ohne Aufbacken. Am fünften Tag ist das Brot etwas fester, dafür hatten die Zutaten nochmal Zeit durchzuziehen und das Aroma ist dann am vollsten. Ich esse es dann gern mit Frischkäse, oder ich toaste es und streiche Butter drauf.

    Robert sagt

    „Diesmal durfte Luigi ran. Weil er milder sei und besser zum Dinkel passe, hat sie gesagt. Ich hab die Nacht im Kühlschrank verbracht wie immer, und gefragt hat mich keiner. Aber ehrlich? Ein Brot, das man am fünften Tag noch essen kann, macht mir auch keiner nach. Da sind wir uns ähnlich, der Italiener und ich.“

    Backzeiten-Rechner

    Wann muss ich anfangen?

    Dein Backplan richtet sich nach deinem Tag, nicht umgekehrt. Sag dem Backzeiten-Rechner, wann du fertig sein möchtest, und er rechnet dir jeden Schritt bis zum Start zurück.

    Zum Rechner springen ↓

    Was kommt in den Glemstaler Kornkasten?

    Für 1 Kastenbrot aus der 30-cm-Form, ca. 1.000 g

    Zutaten für den Teig
    Dinkel-Vollkornmehl250 g
    Weizen-Vollkornmehl250 g
    Kartoffeln, mehlig kochend, gekocht und zerdrückt200 g
    Wasser, kühl (18 bis 20 °C)240 g
    Lievito Madre, kalt aus dem Kühlschrank100 g
    Honig15 g
    Frischhefe3 g
    Salz12 g
    Cashewkerne, grob gehackt80 g
    Zutaten für die Form
    Butter oder Öl zum Ausstreichenreichlich
    Sesamca. 30 g
    Zutaten für obendrauf
    Sesamca. 15 g

    Zwei Zeitpläne für deinen Tag

    Gleicher Teig, unterschiedlich viel Hefe. Je weniger du nimmst, desto länger geht der Teig und desto mehr Aroma bekommt er. Ich backe fast immer den klassischen Weg. Wenn ich am Wochenende ausschlafen will, nehme ich nur ein Gramm.

    Empfehlung

    Klassisch

    Ablauf

    3 g Frischhefe. Abends anrühren, die Form kühl stellen bei 18 bis 19 °C, morgens backen.

    Gesamtzeit

    ca. 13 bis 15 Stunden

    Charakter

    Milde Säure vom Lievito Madre, nussig, saftige Krume. So backe ich das Brot meistens.

    Lang

    Ablauf

    Nur 1 g Frischhefe. Abends anrühren, die Form kühler stellen bei 16 bis 18 °C, mittags backen.

    Gesamtzeit

    ca. 17 bis 19 Stunden

    Charakter

    Deutlichere Säure, und die Süße der Kartoffeln kommt klarer durch.

    Warme Küche heißt kürzere Gare

    Wenn deine Küche im Sommer 22 oder 23 Grad hat, ist der Teig zwei Stunden früher so weit. Schau nach acht Stunden das erste Mal in die Form, statt auf die Uhr zu gucken.

    So backst du den Glemstaler Kornkasten

    Kartoffeln kochen und zerdrücken

    Koche 200 g mehlig kochende Kartoffeln weich, schäle sie und zerdrücke sie mit der Gabel oder der Kartoffelpresse, bis keine Klumpen mehr drin sind. Ich koche sie meistens am Abend vorher gleich mit, wenn ich sowieso am Herd stehe.

    Lass sie danach auf Zimmertemperatur abkühlen. Warme Kartoffeln heizen den Teig auf, und dann rennt dir die Gare in den ersten Stunden davon, statt gleichmäßig durchzulaufen.

    Die Form vorbereiten

    Streich die 30-cm-Kastenform dick mit Butter oder Öl aus, wirklich in jede Ecke. Schütte den Sesam hinein, dreh und kipp die Form in alle Richtungen, bis Boden und Wände überall bedeckt sind, und klopf den Rest wieder raus.

    Der Sesam ist nicht nur Geschmack. Er wirkt als Trennschicht, und das Brot löst sich nachher fast von allein aus der Form.

    Im Sommer hab ich mal Rapsöl genommen, das sehr dünnflüssig war. Der Sesam hat nicht richtig gehaftet und ist an den Wänden nach unten gerutscht. Das Brot ging erst aus der Form, nachdem ich mit einem stumpfen Messer an den Innenwänden entlanggefahren bin. Seitdem nehme ich weiche Butter und streiche sie mit den Fingern in jede Ecke.

    Lievito Madre und die Hefe auflösen

    Zupf den Lievito Madre in erbsengroße Stücke. Gib ihn zusammen mit der Frischhefe und dem Honig ins kühle Wasser und rühr mit dem Schneebesen, bis sich alles gelöst hat. Das dauert ein bis zwei Minuten.

    Das Wasser soll kühl sein, so wie es aus der Leitung kommt. Warmes Wasser braucht dieser Teig nicht, er hat ja die ganze Nacht Zeit.

    Rühr dann die zerdrückten Kartoffeln unter, bis die Masse gleichmäßig ist.

    Teig anrühren

    Gib beide Vollkornmehle dazu und rühr mit einem stabilen Kochlöffel oder dem Teigbesen etwa zwei Minuten, bis kein trockenes Mehl mehr zu sehen ist. Dann kommen die Cashews und das Salz rein, nochmal eine Minute kräftig durchrühren.

    Der Teig ist schwer, klebrig und zäh. Genau so soll er sein.

    Meine ersten Vollkornbrote wurden steinhart mit einer Krume wie aus Beton, weil ich unterschätzt hatte, wieviel Wasser Vollkornmehl tatsächlich zieht. Beim Dinkel war ich genauso ahnungslos. Seitdem achte ich auf eine ausreichende Wassermenge und halte mir immer ein bisschen Reservewasser zurück. Von den 240 g behalte ich die letzten 20 g in der Tasse und gebe sie vorsichtig nach, wenn der Teig zu fest wirkt. Vollkornmehl ist nicht gleich Vollkornmehl, und deins zieht vielleicht anders als meins.

    Der dänische Teigbesen spart die halbe Arbeit

    Mit dem Kochlöffel geht es auch, aber bei diesem zähen Teig hängt man sich ordentlich rein. Der dänische Teigbesen zieht das klebrige Zeug in Sekunden durch, ohne dass sich alles drum herum aufwickelt.

    Ab in die Form

    Füll den Teig direkt in die vorbereitete Form und streich die Oberfläche mit nasser Hand glatt, bis er gleichmäßig verteilt ist. Streu den restlichen Sesam darüber.

    Deck die Form ab. Ich nehme eine Duschhaube oder stülpe eine große Tüte drüber. Wichtig ist nur, dass der Teig nicht austrocknet.

    Über Nacht gehen lassen

    Stell die Form an einen kühlen Ort mit 18 bis 19 Grad und lass sie zehn bis zwölf Stunden stehen. Bei mir steht sie meistens im Treppenhaus am Fenster. Im Winter geht das Schlafzimmer, und wenn es im Sommer richtig heiß ist, sogar der Vorratskeller.

    Morgens ist der Teig bis etwa einen Zentimeter unter den Formrand aufgegangen, und wenn du die Haube abnimmst, riecht er nussig, erdig und hefig. Ich verlass mich sowieso nicht auf die Zeiten im Rezept, ich schau mir meinen Teig an und entscheide dann. Am Formrand siehst du besser als an jeder Uhrzeit, ob er so weit ist. Falls er noch deutlich tiefer steht, gib ihm eine Stunde mehr.

    Backen

    Heiz den Ofen auf 230 °C Ober-/Unterhitze vor, das dauert etwa zwanzig Minuten. Einen Stein brauchst du nicht, die Form reicht.

    Schneide das Brot einmal längs und mittig etwa einen Zentimeter tief ein. Schieb die Form in den Ofen und gieß eine Tasse Wasser, etwa 100 ml, in eine hitzefeste Schale am Ofenboden. Pass auf den heißen Dampf auf.

    Nach fünfzehn Minuten machst du die Tür kurz auf, lässt den Schwaden raus und drehst auf 200 °C runter. Dann backt das Brot noch vierzig bis fünfundvierzig Minuten weiter, bis die Kruste dunkelbraun ist.

    Der Boden klingt bei diesem Brot immer dumpf

    Die Klopfprobe führt dich beim Kastenbrot in die Irre, weil der Boden aus der Form weich rauskommt und deshalb dumpf klingt, auch wenn das Brot längst durch ist. Miss lieber die Kerntemperatur. Bei 96 bis 98 Grad ist es fertig.

    Auskühlen

    Löse das Brot aus der Form und lass es noch fünf Minuten bei ausgeschaltetem Ofen auf dem Rost stehen, dann wird die Kruste rundum kross.

    Danach mindestens vier Stunden auskühlen lassen, besser über Nacht. Vollkornbrot mit Kartoffeln braucht diese Zeit, damit die Krume fest wird. Schneidest du zu früh an, klebt alles am Messer, und du denkst, das Brot sei nicht durch.

    Dinkelvollkornbrot mit Sauerteig im Anschnitt mit weicher, feinporiger Krume

    Warum dieses Vollkornbrot saftig bleibt

    Kartoffeln bremsen das Altbackenwerden

    Beim Kochen quillt die Kartoffelstärke auf und schließt Wasser ein. Das nennt sich Verkleisterung, und dieses eingeschlossene Wasser gibt die Kartoffel langsam an den Teig ab.

    Interessanter ist aber, was danach passiert. Altbackenwerden ist nichts anderes als Stärke, die zurückkristallisiert. Und verkleisterte Kartoffelstärke kristallisiert deutlich langsamer zurück als Getreidestärke. Deshalb ist das Brot am fünften Tag zwar etwas fester, aber immer noch weich, während ein reines Vollkornbrot da längst krümelt.

    Warum du diesen Teig nicht knetest

    Dafür gibt es zwei Gründe, und sie haben nichts miteinander zu tun.

    Vollkornmehl bringt die Randschichten des Korns mit, und diese Kleieteilchen sind scharfkantig. Sie stören das Klebergerüst allein dadurch, dass sie im Teig sitzen. Das passiert auch ohne Kneten.

    Dinkel dagegen hat zwar Kleber, aber einen weichen. Er reißt schneller als Weizenkleber, wenn man ihn zu lange bearbeitet. Was Dinkel sonst noch von Weizen unterscheidet, steht im Ratgeber.

    Beides zusammen heißt, dass Kneten hier mehr kaputt macht als es aufbaut. Die zehn bis zwölf Stunden Gare erledigen die Arbeit stattdessen. Der Teig bleibt danach trotzdem weich und nachgiebig, er wird nicht straff wie ein Weizenteig. Das gehört so, und weil er ohnehin in der Form gebacken wird, braucht er keine eigene Standfestigkeit.

    Luigi und die kleine Hefe

    Der Lievito Madre bringt Aroma und eine milde Säure mit. Er ist fest geführt und schmeckt deshalb runder als ein flüssiges Anstellgut, das passt gut zum Dinkel. Wie ich Luigi angesetzt habe und wie ich ihn pflege.

    Für den Trieb allein reicht er hier aber nicht. 100 g Lievito Madre sollen 500 g Vollkornmehl und 200 g Kartoffeln über Nacht hochbringen, und das ist ihm eine Nummer zu groß. Deshalb kommen drei Gramm Frischhefe dazu.

    Ich weiß, dass viele Sauerteigbrote ausdrücklich ohne Hefe backen. Für mich ist die kleine Menge Hefe kein Makel, sondern der Grund, warum das Brot morgens verlässlich in der Form steht statt auf gut Glück.

    Das Zubehör, das ich für den Kornkasten benutze

    Küchenwaage zum grammgenauen Abwiegen der Zutaten für Dinkelvollkornbrot mit Sauerteig
    Küchenwaage (0,1-g-Schritte)*
    Beim Brotbacken wieg ich alles in Gramm ab, auch das Wasser. Meine wiegt sogar in 0,1-Gramm-Schritten, damit kriegst du auch das eine Gramm Hefe genau hin.
    Dänischer Teigbesen zum Verrühren des Teigs für Dinkelvollkornbrot mit Sauerteig
    Dänischer Teigbesen*
    Gerade bei No-Knead-Teigen mein liebstes Werkzeug. Damit hast du das klebrige Zeug in Sekunden verrührt, ganz ohne Kneten.
    Kastenform 30 cm zum Backen von saftigem Dinkelvollkornbrot mit Sauerteig
    Kastenform 30 cm*
    Gibt weichen Teigen die Form, die sie von selbst nicht hätten. Meine ist eine klassische 30er, die passt für die meisten meiner Kastenbrote.

    Hier kannst du meine komplette Backausrüstung anschauen.

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    Vier Kornkasten-Variationen, die sich lohnen

    Nur Dinkel, ohne Weizen

    Wenn du kein Weizen-Vollkornmehl hast, nimm 500 g Dinkel-Vollkornmehl. Das Brot wird nussiger und eine Spur süßlicher. Dinkel bindet etwas weniger Wasser als Weizen, geh deshalb auf 220 g runter und halt davon wieder die letzten 20 g zurück. Wenn der Teig zu fest wirkt, gib sie nach.

    Mit Roggen wird es kräftiger

    Ersetz 100 g vom Dinkel-Vollkornmehl durch Roggen-Vollkornmehl. Das Brot wird dunkler, herzhafter und dichter. Roggen zieht mehr Flüssigkeit, erhöh das Wasser deshalb auf 250 g, und rechne mit fünf bis zehn Minuten mehr Backzeit. Mehr als 100 g würde ich nicht nehmen, weil der Lievito Madre mild geführt ist und für einen höheren Roggenanteil zu wenig Säure mitbringt.

    Ohne Kartoffeln

    Geht, kostet dich aber genau das, wofür das Brot gemacht ist. Die 200 g Kartoffeln bringen rund 156 g Wasser mit, ersetz sie also durch 150 g zusätzliches Wasser. Das Brot fällt etwas kleiner aus, die Krume wird fester und es trocknet schneller. Nach drei Tagen merkst du den Unterschied deutlich.

    Körner statt Cashews

    Für ein kerniges Brot tauschst du die 80 g Cashews gegen 50 g Sonnenblumenkerne, 20 g Leinsamen und 10 g Sesam. Das gibt mehr Biss. Körner saugen anders als Nüsse, erhöh das Wasser deshalb auf 260 g. Wer lieber bei Nüssen bleibt, kann auch Walnüsse, Haselnüsse oder Mandeln nehmen. Walnüsse hab ich auch schon probiert, die gehen genauso gut. Entschieden hab ich mich trotzdem für Cashews, weil es Tausende Rezepte mit Walnüssen gibt. Haselnüsse sind milder. Röste sie vorher kurz in der Pfanne an, das macht deutlich mehr aus, als man denkt.

    Meine Lieblingsvariante

    Das Rezept so, wie es dasteht, mit Dinkel und Weizen, Kartoffeln, Cashews und Sesam. Ich back den Kornkasten mindestens einmal die Woche, und die Kombination aus den nussigen Cashews und dem krossen Sesam ist für mich bisher durch nichts zu ersetzen.

    Krume vom Dinkelvollkornbrot mit Sauerteig, weich und saftig durch die Kartoffeln

    Wenn der Kornkasten nicht so wird wie geplant

    Ein paar Sachen gehen bei diesem Brot häufiger schief. Meistens steckt eine einfache Ursache dahinter, und die kriegst du in den Griff.

    ❌ Der Teig ist so nass, dass er sich nicht glattstreichen lässt

    Statt eines schweren, klebrigen Teigs hast du etwas, das eher an Pfannkuchenteig erinnert und in der Form auseinanderläuft. Fast immer liegt das an den Kartoffeln. Festkochende Sorten enthalten mehr Wasser und weniger Stärke, und dieses Wasser landet komplett im Teig. Nimm mehlig kochende Kartoffeln, zum Beispiel Agria oder Aula. Wenn es beim nächsten Mal wieder passiert, geh mit dem Schüttwasser um 20 bis 30 g runter. Der Teig darf schwer und klebrig sein, fließen darf er nicht.

    ❌ Das Brot ist innen feucht und klebt am Messer

    Du schneidest an, und die Krume schmiert. In den allermeisten Fällen war das Brot einfach noch zu warm. Vollkorn mit Kartoffeln braucht mindestens vier Stunden zum Auskühlen, über Nacht ist besser. Wenn das Brot komplett kalt war und trotzdem schmiert, hat die Backzeit gefehlt. Miss beim nächsten Mal die Kerntemperatur und geh auf 98 Grad, statt auf die Uhr zu schauen.

    ❌ Der Teig ist über Nacht kaum aufgegangen

    Morgens steht der Teig noch fast so tief in der Form wie am Abend. Entweder war der Lievito Madre nicht fit genug, oder es war zu kalt. Unter 15 Grad passiert kaum noch etwas. Prüf, ob Luigi sich nach dem Füttern innerhalb von vier bis sechs Stunden verdoppelt. Tut er das nicht, füttere ihn ein paar Tage hintereinander, bevor du wieder backst. Und stell die Form etwas wärmer, 20 bis 22 Grad reichen völlig. Backen kannst du den Teig trotzdem, das Brot wird nur dichter.

    ❌ Der Teig ist über den Formrand gequollen

    Das Gegenteil, und es passiert im Sommer schnell. Bei 23 Grad in der Küche ist der Teig nach acht Stunden fertig, nicht nach zwölf. Wenn er schon übergelaufen ist, back ihn trotzdem, das Brot wird flacher und etwas dichter, schmeckt aber. Beim nächsten Mal stell die Form kühler oder nimm nur 1 g Hefe statt 3 g, dann hast du wieder Luft.

    ❌ Das Brot geht nicht aus der Form

    Du stürzt die Form und das Brot bleibt drin sitzen oder reißt beim Rausnehmen ein. Fast immer fehlt Fett, oder es war zu dünnflüssig und ist mit dem Sesam an den Wänden nach unten gelaufen. Dann fehlt genau dort die Trennschicht. Wenn es schon passiert ist, lass das Brot fünf Minuten in der Form stehen und fahr dann mit einem stumpfen Messer an den Innenwänden entlang. So löst es sich, ohne dass die Kruste abreißt.

    Hydration und Co., für alle, die es genau wissen wollen

    Fürs Backen brauchst du diese Tabelle nicht. Sie hilft, wenn du das Rezept anpassen oder mit anderen vergleichen willst. Der Lievito Madre ist dabei mitgerechnet, weil er selbst aus Mehl und Wasser besteht.

    Gesamtmehl (inkl. 67 g aus dem Lievito Madre)567 g
    Gesamtwasser (inkl. 33 g aus dem LM und 156 g aus den Kartoffeln)429 g
    Effektive Hydrationca. 76 %
    Hydration ohne das Kartoffelwasserca. 48 %
    Teigausbeute (TA)176
    Salz2,1 %

    Der Lievito Madre ist mit 50 % Hydration geführt, die 100 g bestehen also aus 67 g Mehl und 33 g Wasser. Bei den gekochten Kartoffeln rechne ich mit 78 % Wasseranteil.

    Wie fühlt sich der Teig an?

    Die beiden Hydrationswerte sehen wild unterschiedlich aus, und beide stimmen. Aus Mehl und Wasser allein wären es nur 48 %, das wäre ein fester Teig. Weil die Kartoffeln ihr Wasser aber nach und nach abgeben, verhält sich der Teig wie einer mit 76 %, also weich und deutlich klebrig.

    Formen kannst du ihn nicht, und das sollst du auch nicht. Er kommt direkt aus der Schüssel in die Form. Über Nacht wird er etwas fester, weil das Vollkorn nachquillt, bleibt aber weich. Das Salz liegt mit 2,1 % bewusst am oberen Rand, denn Vollkorn schmeckt sonst flach.

    Noch Fragen zum Dinkelvollkornbrot mit Sauerteig? FAQ

    Warum geht mein Dinkelvollkornbrot nicht auf?

    Meistens fehlt Wasser. Vollkornmehl zieht deutlich mehr als helles Mehl, und ein zu trockener Teig hat nicht genug Dehnbarkeit, um Gas zu halten. Der zweite häufige Grund ist ein Starter, der nicht richtig fit ist. Er sollte sich nach dem Füttern in vier bis sechs Stunden verdoppeln. Und der dritte ist zu viel Kneten, gerade bei Dinkel.

    Kann man mit Dinkelvollkornmehl Sauerteig machen?

    Ja, das funktioniert sogar sehr gut. Dinkelvollkornmehl bringt viele wilde Hefen und Nährstoffe aus den Randschichten mit, deshalb springt so ein Ansatz meist zügig an. Er reift allerdings schneller als ein heller Ansatz, du musst also etwas genauer hinschauen, wann er auf dem Hochpunkt ist. Welches Mehl sich für welchen Starter eignet.

    Welches Dinkelmehl ist am besten für Sauerteigbrot?

    Kommt darauf an, was du backen willst. Für den Starter selbst nimm Dinkelvollkorn, da ist am meisten Nahrung drin. Für den Brotteig ist Type 630 das mildeste und hellste, Type 1050 kräftiger, und Vollkorn gibt den vollsten Geschmack, macht die Krume aber dichter. In diesem Rezept steckt reines Dinkelvollkorn, und die Kartoffeln gleichen die Dichte wieder aus.

    Ist Dinkelvollkornbrot mit Sauerteig gesund?

    Vollkorn liefert mehr Ballaststoffe, Mineralstoffe und B-Vitamine als helles Mehl, und die lange Sauerteiggare baut einen Teil der Phytinsäure ab, die sonst die Aufnahme von Eisen und Zink bremst. Dazu hält so ein Brot länger satt. Was es nicht ist: glutenfrei. Dinkel enthält Gluten, bei Zöliakie ist es also nichts.

    Was sind mehlig kochende Kartoffeln und warum sind sie wichtig?

    Mehlig kochende Sorten haben viel Stärke und wenig Wasser, sie zerfallen beim Kochen. Agria, Aula oder Afra funktionieren gut. Festkochende Sorten wie Linda oder Annabelle bringen zu viel Wasser mit, der Teig wird dann zu nass und das Brot schwer.

    Kann ich das Brot auch ohne Lievito Madre backen?

    Ja, dann arbeitest du nur mit Hefe. Nimm insgesamt 4 bis 5 g Frischhefe und lass den Teig sechs bis acht Stunden bei Raumtemperatur gehen. Nimm nicht mehr, sonst ist der Teig schon nach zwei Stunden fertig und fällt dir bis zum Morgen wieder zusammen. Das Brot schmeckt milder und hält sich nicht ganz so lange frisch.

    Warum kommt Honig in den Teig?

    Der Honig ist vor allem Futter für die Hefe beim Anspringen, und er bräunt die Kruste, weil Zucker beim Backen karamellisiert. Eine große Rolle spielt er bei 15 g auf 567 g Mehl nicht, du schmeckst ihn kaum heraus. Du kannst genauso gut 15 g Zucker nehmen.

    Wie lange hält sich das Vollkornbrot?

    Fünf bis sieben Tage bei Raumtemperatur, im Brotkasten oder in einem Geschirrtuch. In den Kühlschrank gehört es nicht, dort wird es schneller trocken. Einfrieren geht gut. Ich schneide es vorher in Scheiben, dann kann ich einzelne direkt in den Toaster stecken.

    Dinkelvollkornbrot mit Sauerteig und Sesamkruste, aufgeschnitten auf dem Brett
    Saftiges Dinkelvollkornbrot mit Sauerteig aufgeschnitten mit Kartoffelstücken in der Krume

    Glemstaler Kornkasten – saftiges Dinkelvollkornbrot mit Sauerteig

    Vorbereitung 30 Minuten
    Backzeit 1 Stunde
    Übernachtgare 12 Stunden
    Gesamtzeit 13 Stunden 30 Minuten
    Ein Dinkelvollkornbrot mit Sauerteig und Kartoffeln aus dem Heckengäu. Abends anrühren, über Nacht in der Kastenform gehen lassen, morgens backen. Bleibt fünf bis sieben Tage saftig.
    1 Brot
    Dinkelbrot

    Zutaten

    Für den Teig
    • 250 g Dinkel-Vollkornmehl
    • 250 g Weizen-Vollkornmehl
    • 200 g Kartoffeln mehlig kochend, gekocht und fein zerdrückt
    • 240 g Wasser kühl, 18 bis 20 °C
    • 100 g Lievito Madre kalt aus dem Kühlschrank
    • 15 g Honig
    • 3 g Frischhefe für die Variante Lang nur 1 g
    • 12 g Salz
    • 80 g Cashewkerne grob gehackt
    Für die Form
    • Weiche Butter zum Ausstreichen
    • 30 g Sesam
    Für obendrauf
    • 15 g Sesam

    Kochutensilien

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    Zubereitung

    Klassisch (ca. 13 bis 15 Stunden)
    • Koche 200 g mehlig kochende Kartoffeln weich, schäle sie und zerdrücke sie fein. Lass sie auf Zimmertemperatur abkühlen.
      Zerdrückte Kartoffeln für saftiges Dinkelvollkornbrot mit Sauerteig
    • Fette eine 30 cm Kastenform dick mit weicher Butter ein und streiche sie mit den Fingern in jede Ecke, gib 30 g Sesam hinein und drehe die Form, bis Boden und Wände bedeckt sind. Klopfe den Überschuss aus.
      dinkelvollkornbrot teigling kastenform vor sesam
    • Zupfe 100 g Lievito Madre in erbsengroße Stücke. Löse ihn zusammen mit 3 g Frischhefe und 15 g Honig in 220 g Wasser (18 bis 20 °C) auf. Behalte 20 g Wasser zurück.
      Honig-Wasser-Mischung für saftiges Dinkelvollkornbrot mit Sauerteig
    • Rühre die zerdrückten Kartoffeln unter, bis die Masse gleichmäßig ist.
      Aktive Hefe-Sauerteig-Mischung für saftiges Dinkelvollkornbrot mit Sauerteig
    • Gib 250 g Dinkel-Vollkornmehl und 250 g Weizen-Vollkornmehl dazu und rühre etwa 2 Minuten, bis kein trockenes Mehl mehr sichtbar ist. Gib das restliche Wasser nur nach, wenn der Teig zu fest wirkt.
      Mehlmischung aus Dinkelvollkornmehl für saftiges Dinkelvollkornbrot mit Sauerteig
    • Gib 80 g grob gehackte Cashewkerne und 12 g Salz dazu und rühre 1 Minute kräftig durch. Nicht kneten.
      Teigling für saftiges Dinkelvollkornbrot mit Sauerteig in Kastenform vor dem Bestreuen
    • Fülle den Teig in die Form und streiche die Oberfläche mit nasser Hand glatt.
      Teigling für saftiges Dinkelvollkornbrot mit Sauerteig in Kastenform vor dem Bestreuen
    • Streue 15 g Sesam gleichmäßig darüber.
      Saftiges Dinkelvollkornbrot mit Sauerteig in Kastenform mit Sesam vor dem Backen
    • Decke die Form ab und stelle sie an einen Ort mit 18 bis 19 °C. Lass den Teig 10 bis 12 Stunden gehen, bis er etwa 1 cm unter dem Formrand steht.
    • Heize den Ofen auf 230 °C Ober-/Unterhitze vor.
    • Schneide das Brot einmal längs und mittig etwa 1 cm tief ein.
    • Schiebe die Form in den Ofen und gieße 100 ml Wasser in eine hitzefeste Schale am Ofenboden.
    • Backe das Brot 15 Minuten bei 230 °C. Öffne dann die Tür kurz, lass den Schwaden ab und reduziere auf 200 °C.
    • Backe weitere 40 bis 45 Minuten, bis die Kerntemperatur 96 bis 98 °C erreicht. Die Klopfprobe ist bei diesem Brot unzuverlässig.
    • Löse das Brot aus der Form und lass es 5 Minuten bei ausgeschaltetem Ofen auf dem Rost nachkrusten.
    • Lass das Brot mindestens 4 Stunden auskühlen, besser über Nacht.
    Lang (ca. 17 bis 19 Stunden)
    • Koche 200 g mehlig kochende Kartoffeln weich, schäle sie und zerdrücke sie fein. Lass sie auf Zimmertemperatur abkühlen.
    • Fette eine 30 cm Kastenform dick mit weicher Butter ein und streiche sie mit den Fingern in jede Ecke, gib 30 g Sesam hinein und drehe die Form, bis Boden und Wände bedeckt sind. Klopfe den Überschuss aus.
    • Zupfe 100 g Lievito Madre in erbsengroße Stücke. Löse ihn zusammen mit 1 g Frischhefe und 15 g Honig in 220 g Wasser (18 bis 20 °C) auf. Behalte 20 g Wasser zurück.
    • Rühre die zerdrückten Kartoffeln unter, bis die Masse gleichmäßig ist.
    • Gib 250 g Dinkel-Vollkornmehl und 250 g Weizen-Vollkornmehl dazu und rühre etwa 2 Minuten, bis kein trockenes Mehl mehr sichtbar ist. Gib das restliche Wasser nur nach, wenn der Teig zu fest wirkt.
    • Gib 80 g grob gehackte Cashewkerne und 12 g Salz dazu und rühre 1 Minute kräftig durch. Nicht kneten.
    • Fülle den Teig in die Form und streiche die Oberfläche mit nasser Hand glatt.
    • Streue 15 g Sesam gleichmäßig darüber.
    • Decke die Form ab und stelle sie an einen Ort mit 16 bis 18 °C. Lass den Teig 14 bis 16 Stunden gehen, bis er etwa 1 cm unter dem Formrand steht.
    • Heize den Ofen auf 230 °C Ober-/Unterhitze vor.
    • Schneide das Brot einmal längs und mittig etwa 1 cm tief ein.
    • Schiebe die Form in den Ofen und gieße 100 ml Wasser in eine hitzefeste Schale am Ofenboden.
    • Backe das Brot 15 Minuten bei 230 °C. Öffne dann die Tür kurz, lass den Schwaden ab und reduziere auf 200 °C.
    • Backe weitere 40 bis 45 Minuten, bis die Kerntemperatur 96 bis 98 °C erreicht. Die Klopfprobe ist bei diesem Brot unzuverlässig.
    • Löse das Brot aus der Form und lass es 5 Minuten bei ausgeschaltetem Ofen auf dem Rost nachkrusten.
    • Lass das Brot mindestens 4 Stunden auskühlen, besser über Nacht.

    Notizen

    Zur Wassermenge: Vollkornmehl ist nicht gleich Vollkornmehl. Halte von den 240 g die letzten 20 g zurück und gib sie nur nach, wenn der Teig zu fest wirkt.
    Zur Form: Der Teig wiegt rund 1.150 g und braucht eine 30-cm-Kastenform. In einer 25-cm-Form quillt er über. Nimm dort vorher etwa 250 g Teig ab.
    Zum Backen: Immer mit Ober-/Unterhitze backen. Umluft trocknet das Brot aus.

    Hast du das Rezept schon ausprobiert?

    Ich freu mich über einen Kommentar von dir.
  • D’r faule Schwob – einfaches Dinkelbrot ohne Kneten aus der Kastenform

    D’r faule Schwob – einfaches Dinkelbrot ohne Kneten aus der Kastenform

    Schwaben und Brotbacken … das gehört zusammen wie Spätzle und Soß‘. Aber wer hat nach einem langen Tag noch Lust, ewig Teig zu kneten? Genau dafür ist d’r faule Schwob da … mein Dinkelbrot ohne Kneten für alle, die lieber warten statt kneten. Wir Schwaben sind ja für unseren Fleiß bekannt, aber bei diesem Brot darfst du ausnahmsweise richtig faul sein. Daher der Name.

    Du rührst abends alle Zutaten zusammen, lässt den Teig über Nacht in der Form gehen und schiebst ihn morgens in den Ofen. Heraus kommt ein saftiges Dinkelbrot mit knuspriger Kruste und gerösteten Sonnenblumenkernen. Das Saftige kommt von einem kleinen Trick, dem Brühstück … dazu gleich mehr. Warum Dinkel überhaupt anders tickt als Weizen, hab ich dir im Ratgeber zum Dinkelbrot backen aufgeschrieben.

    Von Anfang bis Ende dauert’s etwa 17 Stunden, aber nur 15 Minuten davon stehst du wirklich in der Küche. Den Rest macht die Zeit für dich. So hast du morgens frisches Brot, ohne abends lang zu ackern.

    Backzeiten-Rechner

    Wann muss ich anfangen?

    Abends anrühren, morgens backen … aber wann genau? Sag dem Backzeiten-Rechner, wann dein Brot fertig sein soll, und er rechnet dir jeden Schritt bis zum Start zurück.

    Zum Rechner springen ↓

    Was kommt in dein Dinkelbrot ohne Kneten?

    Für 1 Kastenbrot in der 30-cm-Form

    Viel braucht dieses Brot nicht: Dinkelmehl, geröstete Sonnenblumenkerne, Wasser und Salz. Das Herzstück ist das Brühstück, das du am Vorabend ansetzt … es macht das Brot saftig und hält es tagelang frisch.

    Zutaten für das Brühstück (am Vorabend)
    Sonnenblumenkerne (geröstet)150 g
    Wasser (kochend)150 g
    Salz11 g
    Zutaten für den Hauptteig
    Gesamtes Brühstück(311 g)
    Dinkelmehl Type 630500 g
    Wasser (kalt)250 g
    Frischhefe3 g
    Zwei Wege zum Trieb

    Du kannst das Brot mit Hefe oder mit Sauerteig backen … beides klappt gut. Mit Hefe: 3 g Frischhefe (oder 1 g Trockenhefe) und 250 g kaltes Wasser. Mit Sauerteig: 50 g Roggen-Anstellgut direkt aus dem Kühlschrank und nur 245 g kaltes Wasser. Wie du dein Anstellgut fütterst und fit hältst, liest du im Ratgeber. Ich beschreibe unten den Hefe-Weg, der Sauerteig-Weg läuft genauso ab. Wie du generell Hefe durch Sauerteig ersetzt, steht im Spickzettel.

    Zwei Zeitpläne für deinen Tag

    Der Teig ist beide Male derselbe. Wie schnell er reif wird, bestimmst du über die Triebmenge … also wie viel Hefe du nimmst. Wenig Hefe reift über Nacht und schmeckt milder, mehr Hefe bringt dich am selben Tag zum Brot. Der Sauerteig-Weg gehört dabei immer zur ruhigen Übernacht-Variante … schneller wird es nur über mehr Hefe, nicht über Sauerteig.

    Schnell

    Ablauf

    Gleicher Teig, nur mit mehr Hefe (5 bis 7 g). Morgens angerührt, backst du am selben Nachmittag.

    Gesamtzeit

    ca. 7 bis 8 Stunden (aktiv ~15 Minuten)

    Charakter

    Fertig am selben Tag. Schmeckt etwas hefiger und weniger komplex … der schnelle Weg, wenn’s mal pressiert.

    Empfehlung

    Klassisch

    Ablauf

    3 g Frischhefe oder 50 g Roggen-Anstellgut, abends angerührt, über Nacht 12 bis 14 Stunden in der Form. Morgens backen.

    Gesamtzeit

    ca. 17 Stunden über Nacht (aktiv ~15 Minuten)

    Charakter

    Mild, saftig, mit dem vollen Dinkelaroma aus der langen Gare. Dafür ist dieses Brot gemacht.

    Was dieses Dinkelbrot so saftig macht

    Das Brühstück hält dein Brot saftig

    Sonnenblumenkerne sind ziemlich durstig. Wenn du sie einfach so in den Teig gibst, ziehen sie beim Backen die Feuchtigkeit raus … und dein Brot wird trocken. Ich mach’s deshalb anders: Ich gieße die gerösteten Kerne mit kochendem Wasser auf und lass sie richtig vollsaugen. Wenn sie dann in den Teig kommen, geben sie die Feuchtigkeit wieder ab. Das Brot bleibt dadurch saftig, auch noch am nächsten Tag.

    Das Salz im Brühstück ist wichtig, damit die Kerne während der langen Quellzeit nicht anfangen zu gären. Ohne Salz würde das nach ein paar Stunden leicht säuerlich riechen.

    Geröstete Sonnenblumenkerne, der Geschmacks-Turbo

    Das Rösten dauert nur 3 bis 4 Minuten, aber es macht geschmacklich einen riesigen Unterschied. Die Hitze in der Pfanne holt die Öle aus den Kernen und entwickelt diese nussigen Röstaromen. Ohne Rösten schmecken die Kerne ziemlich flach … geröstet bringen sie richtig Tiefe ins Brot.

    So entwickelt sich der Teig ganz ohne Kneten

    Beim normalen Brotbacken knetest du, damit sich das Klebergerüst aufbaut … das gibt dem Brot seine Struktur. Aber das passiert auch von alleine, wenn du dem Teig genug Zeit gibst. Während der 12 bis 14 Stunden verbinden sich die Proteine im Mehl mit dem Wasser und bauen sich zu einem stabilen Netzwerk auf. Die Zeit macht die Arbeit, nicht die Knetmaschine.

    Gerade für Dinkel passt das gut. Dinkel ist empfindlicher als Weizen, zu viel Kneten macht den Teig schwach und klebrig. Wenn du gar nicht knetest, kann dir das auch nicht passieren. Beim langen Stehen ist Dinkel dafür heikler als Weizen, deshalb bleibt es bei 12 bis 14 Stunden und nicht länger. Wenn du lieber ein einfaches No-Knead-Brot für Anfänger im Topf backen willst, findest du hier den Einstieg.

    Warum dein Dinkelbrot über Nacht geht

    Die 12 bis 14 Stunden über Nacht sind der Grund, warum das Brot „D’r faule Schwob“ heißt. Die Arbeit, die sonst eine Knetmaschine macht, erledigt hier die Zeit. Du rührst abends zusammen, gehst ins Bett, und am nächsten Morgen ist der Teig aufgegangen und kann in den Ofen.

    Beim Geschmack ist es dasselbe. Ein Teig, der sich die ganze Nacht Zeit lassen darf, schmeckt runder und deutlich mehr nach Dinkel als einer, den du in zwei Stunden durchziehst.

    Was du im Blick behalten solltest, ist deine Küchentemperatur. Bei 18 bis 20 Grad passt das Zeitfenster genau. Ist es wärmer, ist der Teig früher fertig, und Dinkel nimmt einem zu viel Zeit ziemlich übel. Er sackt dann eher zusammen, statt im Ofen noch mal aufzugehen. Wie du Übergare bei Hitze vermeidest, liest du hier. Guck morgens also lieber in die Form als auf die Uhr. Der Teig soll sich etwa verdoppelt haben, und wenn du ihn vorsichtig antippst, soll er langsam zurückfedern.

    Warum 3 g Hefe für die lange Gare reichen

    Bei 12 bis 14 Stunden Gare reicht wirklich eine winzige Menge Hefe. Sie vermehrt sich über Nacht und treibt den Teig langsam und gleichmäßig. Mehr Hefe würde ihn zu schnell aufgehen lassen … er würde überreif werden und zusammenfallen. Mit nur 3 g bleibt der Geschmack mild, nicht hefig.

    Dinkelbrot ohne Kneten angeschnitten mit saftiger Krume und Sonnenblumenkernen

    So backst du dein Dinkelbrot ohne Kneten

    Sonnenblumenkerne rösten und Brühstück ansetzen (abends)

    Röste die Sonnenblumenkerne in einer trockenen Pfanne bei mittlerer Hitze etwa 3 bis 4 Minuten, bis sie duften und leicht Farbe bekommen. Rühr dabei ständig um, damit nichts anbrennt. Gib die heißen Kerne in eine hitzebeständige Schüssel, übergieß sie mit 150 g kochendem Wasser und rühr das Salz unter. Schüssel abdecken und das Brühstück mindestens 2 Stunden quellen lassen, besser 3 bis 4 Stunden, bis die Kerne das Wasser komplett aufgenommen haben.

    Die Form vorbereiten

    Fette eine Kastenform (ca. 30 cm) großzügig mit Rapsöl ein, lieber zu viel als zu wenig. Streu die gefettete Form mit Haferflocken aus. Die bleiben am Öl hängen, bilden eine knusprige Trennschicht und verhindern, dass das Brot später festklebt.

    Mein Tipp

    Die Haferflocken-Schicht ist mein liebster Trick gegen festklebende Brote. Sie sieht auf der Kruste auch noch schön aus … also ruhig großzügig sein.

    Hauptteig anrühren, nur verrühren statt kneten

    Gib das komplette abgekühlte Brühstück in eine große Schüssel. Dazu das Dinkelmehl, 250 g kaltes Wasser und die winzige Menge Hefe (oder 245 g Wasser und 50 g Anstellgut). Rühr alles mit einem stabilen Löffel oder Teigschaber nur so lange, bis kein trockenes Mehl mehr zu sehen ist. Nicht kneten. Der Teig ist weich und klebrig, genau richtig.

    Gib den Teig direkt in die vorbereitete Form und streich die Oberfläche mit einem nassen Löffel oder nassen Händen glatt. Er sollte die Form etwa zu zwei Dritteln füllen. Zum Schluss mit ein paar Haferflocken und Sonnenblumenkernen bestreuen und leicht andrücken, dann luftdicht abdecken.

    Mein Tipp

    Lass dich von dem weichen Teig nicht verunsichern und gib bloß kein Mehl dazu. Er soll klebrig sein … mit nassen Händen oder dem Teigschaber hast du ihn im Griff.

    Über Nacht gehen lassen

    Lass den Teig in der Form bei 18 bis 20 °C für 12 bis 14 Stunden stehen, am besten über Nacht. In dieser Zeit quellen die Klebereiweiße im Wasser und vernetzen sich von selbst zu einem stabilen Gerüst, ganz ohne Kneten. Am Ende sollte sich der Teig etwa verdoppelt haben und die Form fast bis zum Rand füllen. Ist deine Küche wärmer als 22 °C, verkürzt sich die Gare auf 10 bis 12 Stunden, ist es kühler, kann’s auch 16 Stunden dauern. Er ist fertig, wenn er beim vorsichtigen Antippen langsam zurückfedert.

    Backen mit Schwaden

    Heiz den Ofen rechtzeitig auf 230 °C Ober-/Unterhitze vor und stell ein tiefes Blech auf den Ofenboden. Den Teig kannst du optional längs 1 cm tief einschneiden, nötig ist das bei Kastenbrot nicht. Schieb die Form in die mittlere Schiene und gib sofort eine Tasse Wasser (100 bis 150 ml) auf das heiße Blech. Vorsicht vor dem Dampf, dann die Tür schnell schließen. Nach 15 Minuten die Tür kurz öffnen, damit der Schwaden abzieht, und auf 200 °C reduzieren. Insgesamt 45 bis 50 Minuten backen, bis das Brot goldbraun ist und beim Klopfen auf den Boden hohl klingt.

    Auskühlen und warten

    Stürz das Brot sofort aus der Form und lass es auf einem Gitter vollständig auskühlen, mindestens 2 Stunden. Ich weiß, frisch und warm ist die Versuchung groß, aber ein Dinkelbrot mit so viel Wasser braucht die Zeit. Wer zu früh anschneidet, hat eine klitschige Mitte.

    Das Zubehör, das ich für dieses Brot benutze

    Dänischer Teigbesen zum Verrühren von Brotteig
    Dänischer Teigbesen*
    Bei einem No-Knead-Teig mein liebstes Werkzeug. Damit hast du das klebrige Zeug in Sekunden verrührt, ganz ohne Kneten.
    Flexible Teigkarte aus Kunststoff
    Flexible Teigkarte*
    Die biegsame Karte schmiegt sich an die Schüssel. Damit krieg ich auch den letzten weichen Teig restlos raus.
    Einstichthermometer zum Messen der Kerntemperatur
    Einstichthermometer*
    Ab 96 °C Kerntemperatur ist das Brot durch. Damit rät man nicht mehr, ob es fertig ist.

    Hier kannst du meine komplette Backausrüstung anschauen.

    * Affiliate-Link: Kaufst du darüber, bekomme ich eine kleine Provision, für dich bleibt der Preis gleich.

    Vom Sesambrot bis zum Vollkorn: Variationen

    Sesam-Dinkelbrot, milder und süßlicher

    Ich mach das Brot manchmal mit Sesam statt Sonnenblumenkernen, dann wird’s milder und leicht süßlicher. Die kleineren Sesamkörner geben dem Brot eine feinere Textur, und die Kruste wird richtig aromatisch. Röste den Sesam nur 2 bis 3 Minuten, der brennt schneller an als Sonnenblumenkerne.

    Sonnenblumen-Kürbiskern-Mix für mehr Aroma

    Wenn ich Abwechslung will, nehm ich halb Sonnenblumenkerne, halb Kürbiskerne und röste beide zusammen in der Pfanne. Die Kombination aus mild und herzhaft macht das Brot geschmacklich interessanter. Welche Backsaaten sonst noch ins Brot passen, habe ich dir extra zusammengestellt.

    Leinsamen-Variante, extra saftig

    Du kannst 30 g der Sonnenblumenkerne durch geschrotete Leinsamen ersetzen. Das Brot wird dann noch ein bisschen gesünder und noch saftiger. Nimm dann 20 g mehr Wasser im Brühstück (also 170 g), weil Leinsamen richtig viel Flüssigkeit binden. Die Leinsamen werden nicht geröstet, gib sie einfach mit den gerösteten Sonnenblumenkernen ins Brühstück.

    Vollkorn-Dinkelbrot mit mehr Biss

    Wenn du’s kräftiger magst, ersetze 200 g vom hellen Dinkelmehl durch Dinkelvollkorn. Das Brot wird dunkler und hat mehr Biss. Nimm 30 g mehr Wasser im Hauptteig (also 280 g), weil Vollkorn mehr Flüssigkeit braucht, und rechne mit 5 bis 10 Minuten längerer Backzeit.

    Honig-Dinkelbrot, leicht süß und dunkler

    Ein Esslöffel Honig im Hauptteig gibt dem Brot eine ganz leichte Süße und macht die Kruste etwas dunkler. Der Honig beschleunigt die Gare ein bisschen … schau nach dem Teig und schieb ihn in den Ofen, wenn er schön aufgegangen ist, auch wenn die Zeit noch nicht ganz um ist.

    Meine Lieblingsvariante

    Das klassische Rezept mit gerösteten Sonnenblumenkernen. Die nussigen Röstaromen passen perfekt zum milden Dinkel, und die Einfachheit macht dieses Brot zu meinem Go-to, wenn’s schnell gehen soll und ich trotzdem ein gutes Brot will.

    Dinkelbrot ohne Kneten aus der Kastenform mit Körner-Topping

    Wenn dein Dinkelbrot nicht so wird wie geplant

    Ein paar Sachen gehen bei diesem Brot häufiger schief. Meistens steckt eine einfache Ursache dahinter, und die kriegst du in den Griff.

    ❌ Der Teig ist nach der Gare nicht aufgegangen

    Du schaust morgens nach und der Teig liegt immer noch flach in der Form? Das passiert, wenn die Hefe zu alt war oder deine Küche zu kalt ist. Nimm frische Hefe und achte darauf, dass die Küche mindestens 18 °C hat. Ist es kälter, lass den Teig 16 bis 18 Stunden gehen oder stell die Form an einen wärmeren Ort, zum Beispiel in den Ofen mit eingeschaltetem Licht.

    ❌ Das Brot ist innen noch feucht und klebrig

    Du schneidest an und die Krume ist matschig? Meistens wurde das Brot zu früh angeschnitten. Lass es komplett auskühlen, mindestens 2 Stunden, besser über Nacht. Wenn’s wieder passiert, back 5 bis 10 Minuten länger. Sicher gehst du mit dem Einstichthermometer, bei 96 bis 98 °C Kerntemperatur ist das Brot durch.

    ❌ Der Teig klebt in der Form fest

    Das Brot will einfach nicht aus der Form? Dann war sie nicht gut genug eingefettet. Fette großzügig mit Rapsöl und streu die Form mit Haferflocken aus, die bilden eine Trennschicht. Klebt es trotzdem, lass das Brot 5 Minuten in der Form abkühlen, dann löst es sich leichter.

    ❌ Die Kruste ist zu hart

    Die Kruste ist so hart, dass du sie kaum schneiden kannst? Dann war das Brot zu lange im Ofen oder du hattest zu wenig Schwaden. Back beim nächsten Mal 5 Minuten kürzer und gib ordentlich Wasser auf das Blech, mindestens 100 bis 150 ml. Du kannst das Brot nach dem Backen auch mit einem feuchten Tuch abdecken, während es abkühlt.

    ❌ Der Teig ist übergelaufen

    Der Teig ist über den Rand der Form gelaufen? Dann war die Gare zu lang oder die Form zu klein. Achte darauf, dass der Teig zu Beginn nur zwei Drittel der Form füllt. Reicht er nach 10 bis 12 Stunden schon fast bis zum Rand, schieb ihn in den Ofen, auch wenn die Gare eigentlich länger dauern sollte. Lieber etwas früher backen als eine Sauerei riskieren.

    ❌ Die Sonnenblumenkerne sind verbrannt

    Die Kerne schmecken bitter und sind dunkelbraun? Dann waren sie zu heiß oder zu lange in der Pfanne. Röste bei mittlerer Hitze und rühr ständig um. Nach 3 bis 4 Minuten sollten sie duften und leicht Farbe haben, nicht dunkelbraun werden. Im Zweifel lieber kürzer rösten.

    Dinkelbrot ohne Kneten angeschnitten auf dem Holzbrett

    Hydration und Co., für alle, die es genau wissen wollen

    Wenn du gern mit Zahlen arbeitest oder das Rezept umrechnen willst, hier die Eckdaten.

    Gesamtmehl500 g
    Gesamtwasser400 g
    Hydration80 %
    Teigausbeute (TA)180
    Salz2,2 %

    Die 400 g Gesamtwasser sind die 150 g im Brühstück plus 250 g im Teig. Ein guter Teil davon steckt am Ende in den Sonnenblumenkernen, die es beim Quellen aufsaugen, und nicht frei im Teig. Die Teigausbeute beschreibt das Verhältnis von Mehl und Wasser: 100 Teile Mehl, 80 Teile Wasser, macht 180. Je höher die Zahl, desto weicher der Teig.

    Wie fühlt sich der Teig an?

    Dieser Teig ist sehr weich und klebrig, das ist gewollt. Weich ist er dabei nicht allein wegen der Wassermenge, sondern vor allem, weil er nicht geknetet wird. Ohne Kneten fehlt ihm das Klebergerüst, das ihn zusammenhalten würde, und er fließt. Du kannst ihn nicht von Hand kneten oder formen wie einen festen Brotteig, deshalb kommt er direkt in die Kastenform. Die Form gibt ihm die Struktur, die er von selbst nicht hätte. Lass dich von der weichen Konsistenz nicht verunsichern und arbeite mit nassen Händen oder einem Teigschaber.

    Krume des Dinkelbrots ohne Kneten im Detail mit lockerer Struktur

    Noch Fragen zum faulen Schwob? FAQ

    Kann ich Trockenhefe statt Frischhefe nehmen?

    Ja. Das Rezept ist mit 3 g Frischhefe gerechnet, davon brauchst du nur etwa ein Drittel, also 1 g Trockenhefe. Trockenhefe ist konzentrierter. Achte darauf, dass die Hefe frisch ist, alte Hefe treibt nicht mehr richtig.

    Wie lange ist das Dinkelbrot haltbar?

    Bei Raumtemperatur in einem Brotbeutel oder einer Brotdose bleibt’s 5 bis 7 Tage saftig. Das Brühstück und die hohe Hydration halten das Brot lange frisch. Im Kühlschrank wird’s schneller trocken, deshalb lagere ich’s lieber bei Raumtemperatur. Einfrieren geht auch, dann hält es mehrere Monate.

    Kann ich eine andere Kastenformgröße verwenden?

    Ja. Das Rezept ist für eine 30-cm-Form ausgelegt. Für eine kleinere 20-cm-Form halbierst du alle Zutaten und backst etwa 35 bis 40 Minuten. Für eine größere 35- bis 40-cm-Form erhöhst du das Rezept um 50 % und backst etwa 55 bis 60 Minuten.

    Kann ich das Rezept auch mit Weizenmehl backen?

    Ja, ersetz das Dinkelmehl durch Weizenmehl Type 550. Der Teig wird elastischer und lässt sich sogar etwas leichter handhaben. Reduzier das Wasser im Hauptteig um 30 g (also auf 220 g), weil Weizen weniger Wasser braucht als Dinkel.

    Kann ich die Gare verkürzen?

    Ja. Mit 5 bis 7 g Hefe statt 3 g verkürzt sich die Gare auf 4 bis 6 Stunden … das ist der Weg „Schnell“ aus den Zeitplänen oben. Das Brot schmeckt dann etwas hefiger und weniger komplex. Die lange, langsame Gare entwickelt mehr Geschmack, aber wenn’s eilig ist, geht die kurze Variante gut.

    Warum geht der Teig direkt in der Form?

    Das spart Zeit und einen Arbeitsschritt. Bei so einem weichen Teig (80 % Hydration) ist es sowieso schwierig, ihn separat gehen zu lassen und dann umzufüllen. Geht er direkt in der Form, bleibt die Struktur erhalten und der Teig fällt beim Umfüllen nicht zusammen.

    Hier ist die Rezeptkarte zum Ausdrucken

    No-Knead Dinkelbrot aus der Kastenform mit Körner-Kruste

    D’r faule Schwob – No-Knead Dinkelbrot aus der Kastenform

    Vorbereitung 20 Minuten
    Backzeit 50 Minuten
    Ruhezeit 17 Stunden
    Abends zusammenrühren, über Nacht in der Form gehen lassen, morgens frisch gebacken – und das alles ohne zu kneten. Das Brühstück mit gerösteten Sonnenblumenkernen macht dieses Dinkelbrot herrlich saftig und aromatisch. Perfekt fürs entspannte Sonntagsfrühstück.
    1 Brot
    Dinkelbrot

    Zutaten

    Das Brühstück
    • 150 g Sonnenblumenkerne geröstet
    • 150 g Wasser kochend
    • 11 g Salz ca. 2 gestrichene Teelöffel
    Der Hauptteig
    • Das komplette Brühstück
    • 500 g Dinkelmehl Type 630
    Variante 1 mit Hefe
    • 3 g Frischhefe oder 1 g Trockenhefe
    • 250 g Wasser, kalt
    Variante 2 mit Sauerteig
    • 245 g Wasser, kalt
    • 50 g Roggen-ASG direkt aus dem Kühlschrank, ein bis zwei Tage vorher gefüttert

    Kochutensilien

    Hinter diesen Artikeln steckt ein Affiliate-Link. Kaufst du darüber ein, bekomme ich eine kleine Provision, für dich bleibt der Preis gleich. So kannst du bine backt! ganz nebenbei unterstützen.

    Zubereitung

    Schritt 1: Sonnenblumenkerne rösten und Brühstück ansetzen (abends)
    • Röste die Sonnenblumenkerne in einer trockenen Pfanne bei mittlerer Hitze etwa 3-4 Minuten, bis sie duften und leicht Farbe bekommen. Rühre dabei ständig um, damit sie nicht anbrennen.
    • Gib die heißen Kerne in eine hitzebeständige Schüssel.
    • Bringe 150 g Wasser zum Kochen und gieße es über die Kerne. Rühre kurz um.
    • Gib das Salz dazu und rühre nochmal. Das Salz verhindert, dass die Kerne während der langen Quellzeit zu gären beginnen.
    • Decke die Schüssel ab und lass das Brühstück mindestens 2 Stunden quellen. Besser: 3-4 Stunden, damit die Kerne das Wasser komplett aufnehmen.
    Schritt 2: Hauptteig anrühren und direkt in die Form geben (abends)
    • Fette eine Kastenform (ca. 30 cm Länge) großzügig mit Rapsöl ein – lieber zu viel als zu wenig. Streue die gefettete Form mit Haferflocken aus – die bleiben am Öl hängen, bilden eine knusprige Kruste und verhindern Ankleben.
    • Gib das komplette abgekühlte Brühstück in eine große Schüssel.
    Mit Hefe
    • Füge das Dinkelmehl, 250 g kaltes Wasser und die winzige Menge Hefe hinzu.
    Mit Sauerteig
    • Füge das Dinkelmehl, 245 g kaltes Wasser und das Anstellgut hinzu.
    • Rühre alles mit einem stabilen Löffel oder Teigschaber nur so lange, bis kein trockenes Mehl mehr zu sehen ist. Nicht kneten! Der Teig ist weich und klebrig – genau richtig.
    • Gib den Teig direkt in die vorbereitete Form. Streiche die Oberfläche mit einem nassen Löffel oder nassen Händen glatt. Der Teig sollte etwa zu zwei Dritteln die Form füllen.
    • Bestreue die Oberfläche mit Haferflocken und Sonnenblumenkernen und drücke sie mit dem Löffel leicht an.
    • Decke die Form luftdicht ab (mit Frischhaltefolie, Gärfolie oder einem feuchten Tuch).
    Schritt 3: Gare über Nacht
    • Lass den Teig in der Form bei einer Temperatur von 18-20 °C für 12-14 Stunden stehen. Idealerweise über Nacht. In dieser Zeit quellen die Klebereiweiße im Wasser und vernetzen sich von selbst zu einem stabilen Gerüst, ganz ohne Kneten.
    • Der Teig sollte sich am Ende etwa verdoppelt haben und die Form fast bis zum Rand gefüllt haben. Wenn deine Küche wärmer ist (über 22 °C), verkürzt sich die Gare auf 10-12 Stunden. Wenn’s kälter ist, kann’s auch 16 Stunden dauern.
    • Der Teig ist fertig, wenn er beim vorsichtigen Antippen langsam zurückfedert.
    Schritt 4: Backen
    • Heize den Backofen rechtzeitig auf 230 °C Ober-/Unterhitze vor. Stelle ein tiefes Backblech oder eine feuerfeste Schale auf den Ofenboden – das brauchst du gleich für den Schwaden.
    • Schneide den Teig optional mit einem scharfen Messer längs ein (1 cm tief). Das ist bei Kastenbrot nicht zwingend nötig, sieht aber schön aus.
    • Schiebe die Form in die mittlere Schiene. Gib sofort eine Tasse (ca. 100-150 ml) Wasser auf das heiße Blech am Ofenboden. Vorsicht vor heißem Dampf! Schließe die Ofentür schnell.
    • Nach 15 Minuten öffne kurz die Ofentür, damit der Schwaden entweichen kann. Reduziere die Temperatur auf 200 °C.
    • Backe das Brot insgesamt 45-50 Minuten, bis es goldbraun ist. Das Brot ist fertig, wenn es beim Klopfen auf den Boden hohl klingt. Die Kerntemperatur liegt dann bei 96 bis 98 °C, gemessen in der Mitte auf halber Höhe.
    • Stürze das Brot sofort aus der Form und lass es auf einem Gitter vollständig auskühlen – mindestens 2 Stunden.

    Notizen

    Zur Wassermenge: Mehle nehmen unterschiedlich viel Wasser auf, auch wenn sie die gleiche Typenbezeichnung haben. Wenn dein Teig nach dem Zusammenrühren zu fest wirkt, gib noch 20-30 ml Wasser dazu. Wirkt er zu flüssig? Beim nächsten Mal 20 ml weniger nehmen. Die angegebene Menge ist ein guter Ausgangspunkt – kleine Anpassungen sind völlig normal.
    Zum Backen: Wenn ich nichts anderes schreibe, backe immer mit Ober- und Unterhitze. Umluft funktioniert auch, aber die Kruste wird manchmal zu dunkel und das Brot trocken.

    Hast du das Rezept schon ausprobiert?

    Ich freu mich über einen Kommentar von dir.
  • Bottwartaler Frühlingsbrot – Emmer-Dinkel-Brot mit Karotten

    Bottwartaler Frühlingsbrot – Emmer-Dinkel-Brot mit Karotten

    Im Bottwartal zwischen Stuttgart und Heilbronn wächst nicht nur exzellenter Wein. Die Leute hier wissen auch, was gutes Brot ausmacht: Urgetreide wie Emmer und Dinkel, frische Kräuter aus dem Garten, Gemüse aus eigenem Anbau. Genau diese Zutaten stecken in meinem Bottwartaler Frühlingsbrot, einem Brot mit Karotten, Emmer und Dinkel, das den Frühling ins Haus bringt.

    Das Brot lebt von zwei Sachen, die man nicht sofort zusammendenkt. Emmer bringt einen nussigen, leicht süßlichen Ton mit und eine goldgelbe Farbe, die kein Weizenmehl hinkriegt. Dazu kommen 100 Gramm fein geriebene Karotte und ein bisschen frischer Thymian. Die Karotte macht die Krume saftig und färbt sie ins Orangegelbe, der Thymian legt eine würzige Note darüber, die man erst beim zweiten Bissen richtig einordnet. Wie sich Emmer im Teig verhält und warum er andere Regeln braucht als Weizen, habe ich in Brotbacken mit Urgetreide auseinandergedröselt.

    Brot mit Karotten, Emmer und Dinkel als runder Laib mit Thymian auf einem Holzbrett

    Die Kruste wird dunkel und splittrig, die Krume mittelporig und feucht, ohne zu kleben. Am zweiten Tag schmeckt das Brot fast noch besser, weil sich die Süße der Karotte dann deutlicher durchsetzt. Mit Butter und Salz ist es ein Abendessen für sich, es passt aber genauso zu Frischkäse oder einem kräftigen Bergkäse.

    Der Ablauf ist überschaubar. Du rührst den Teig an, lässt ihn gut drei Stunden bei Raumtemperatur arbeiten, formst ihn und stellst ihn über Nacht in den Kühlschrank. Am nächsten Morgen kommt er direkt aus der Kälte in den heißen Topf. Von der ersten bis zur letzten Handbewegung sind das rund 30 Minuten echte Arbeit, den Rest macht die Zeit.

    Robert sagt

    „Ich soll bitte was? Ein Dinkel-Emmer-Brot mit Karotte backen? So ein Frühlingsfummel. Und dann auch noch zusammen mit Hefe.“

    „Gut, ich geb’s zu, das Zeug schmeckt. Und dass einer mal Unterstützung braucht, kenn ich selber. Wenn ich zu lang im Kühlschrank stand, bin ich auch nicht der Schnellste.“

    Backzeiten-Rechner

    Wann muss ich anfangen?

    Dein Backplan richtet sich nach deinem Tag, nicht umgekehrt. Sag dem Backzeiten-Rechner, wann du fertig sein möchtest, und er rechnet dir jeden Schritt bis zum Start zurück.

    Zum Rechner springen ↓

    Was kommt in das Brot mit Karotten?

    Für 1 Laib, ca. 950 g

    Zutaten für den Hauptteig
    Emmermehl hell (Type 630 oder 700)400 g
    Dinkelvollkornmehl100 g
    Wasser (ca. 30 °C)320 g
    Roggen-Anstellgut, aktiv20 g
    Frischhefe1 g
    Karotte, fein gerieben100 g
    Frischer Thymian1 bis 2 Zweige
    Salz11 g

    Die Karotte wiegst du gerieben ab, bevor du sie ausdrückst. So kommst du auf dieselbe Menge wie ich, egal wie kräftig du presst.

    Warum Emmer und Dinkel zusammen?

    Emmer ist eines der ältesten Getreide der Welt. Schon vor über 10.000 Jahren haben Menschen in Mesopotamien Emmer angebaut. Anders als moderner Weizen ist er nicht hochgezüchtet, sondern noch nah an seiner ursprünglichen Form. Das macht ihn robust und geschmacksintensiv.

    Er hat allerdings weniger Klebereiweiß als Weizen oder Dinkel, sein Teig wird also nicht so elastisch und stabil. Deshalb kombiniere ich ihn mit Dinkelvollkorn. Der Dinkel gibt dem Teig Struktur und Standfestigkeit. Ohne ihn bliebe das Brot flacher. Bei 80 Prozent Emmer und 20 Prozent Dinkel kriegst du den nussigen Geschmack und trotzdem einen Laib, der schön aufgeht.

    Ich nehme helles Emmermehl, Type 630 oder 700. Das hat die goldgelbe Farbe und schmeckt milder als Vollkorn. Welche Mehltype was macht, steht ausführlich im Mehl-Artikel.

    Wo kriegst du Emmermehl?

    Ich kaufe alle meine Mehle in einer kleinen regionalen Mühle, der Oberen Mühle in Aidlingen. Die haben leider keine Webseite und keinen Onlineshop, aber wenn du in der Nähe bist, lohnt sich ein Abstecher. Wer keine Mühle vor der Haustür hat, findet helles Emmermehl auch online* (Affiliate-Link). In Biomärkten und Reformhäusern steht es inzwischen auch oft im Regal. Wenn du gar keins findest, kannst du Einkorn nehmen. Das schmeckt ähnlich nussig, hat aber noch weniger Klebereiweiß als Emmer.

    Karotte, Thymian und das Anstellgut

    Die geriebenen Karotten machen das Brot saftig und geben ihm die orangegelbe Krume. Sie enthalten natürlichen Zucker, der beim Backen karamellisiert und für eine dezente Süße sorgt. Wichtig ist, dass du sie gut ausdrückst, sonst wird der Teig zu nass. Ich nehme immer ein sauberes Küchentuch und presse die geriebene Karotte darin aus.

    Frischer Thymian passt zu Emmer und Karotte, weil er eine würzige Note dagegensetzt, ohne die Süße zu überdecken. Ich verwende nur die Blättchen, die Stängel sind zu holzig. Getrockneter Thymian geht auch, davon reicht dann ein Teelöffel.

    Das Roggen-Anstellgut bringt die leicht säuerliche Note und hält das Brot länger frisch. Die 20 Gramm reichen nicht, um den Laib alleine zu treiben, deshalb kommt noch ein Gramm Frischhefe dazu. Über die lange kalte Gare entwickeln die beiden zusammen ein volles, rundes Aroma.

    Zwei Zeitpläne für deinen Tag

    Der Teig ist bei beiden Plänen derselbe. Der Unterschied ist nur, wie lange der geformte Laib im Kühlschrank steht. Je länger er dort liegt, desto kräftiger wird das Aroma.

    Empfehlung

    Klassisch

    Ablauf

    Abends Teig ansetzen, gut drei Stunden Stockgare, formen und über Nacht in den Kühlschrank. Am nächsten Morgen direkt aus der Kälte backen.

    Gesamtzeit

    ca. 16 Stunden

    Charakter

    Mild und ausgewogen. Die Karotte schmeckt deutlich durch, die Säure bleibt im Hintergrund.

    Lang

    Ablauf

    Wie oben, nur bleibt der geformte Laib volle 24 Stunden im Kühlschrank. Du setzt den Teig also am Vormittag an und backst am nächsten Morgen.

    Gesamtzeit

    ca. 28 Stunden

    Charakter

    Kräftiger und aromatischer, mit einer feinen Säurespur. So backe ich das Brot am liebsten.

    Nicht länger als 24 Stunden

    Länger als 24 Stunden solltest du bei Emmer nicht gehen. Das Klebergerüst ist schwächer als bei Weizen und baut irgendwann ab, der Laib läuft dann im Ofen breit.

    So backst du das Bottwartaler Frühlingsbrot

    Karotte reiben und ausdrücken

    Reibe 100 Gramm Karotte fein und wieg sie ab, bevor du sie ausdrückst. Dann kommt sie in ein sauberes Küchentuch und du presst sie kräftig aus. Es soll wirklich Saft rauskommen. Was übrig bleibt, ist immer noch feucht genug, um dem Teig Farbe und Saftigkeit zu geben, aber es verwässert ihn nicht mehr.

    Teig anrühren

    Gib 320 Gramm Wasser in die Knetschüssel. Es soll handwarm sein, ungefähr 30 Grad. Heißer nicht, sonst kommt der Teig auf über 28 Grad und wird schmierig. Rühr das Anstellgut mit einem Schneebesen ein, bis das Wasser milchig-trüb ist, und löse die eine Gramm Frischhefe mit auf. Dann kommt die ausgedrückte Karotte dazu und obendrauf die beiden Mehle. Salz und Thymian noch nicht.

    Kneten, Salz und Thymian zum Schluss

    Lass die Maschine sieben Minuten auf der langsamsten Stufe laufen. Der Teig verbindet sich, sieht aber noch zottelig aus, das ist normal. Jetzt kommen Salz und Thymian dazu. Das Salz erst hier, weil es die Kleberstruktur beeinflusst und den Teig fester macht. Ich zupfe die Thymian-Blättchen immer frisch vom Stängel, getrocknet schmeckt es nicht so intensiv.

    Dann eine Stufe höher und nur noch zwei bis drei Minuten. Sobald sich der Teig vom Schüsselboden löst und glatt aussieht, ist Schluss. Wenn du länger knetest, wird der Dinkel überarbeitet und der Teig kippt zurück in klebrig und nass.

    Teigtemperatur im Blick behalten

    Wenn dein Teig nach dem Kneten deutlich über 26 Grad hat, war das Wasser zu warm oder die Maschine zu lange dran. Dann verkürzt sich die Stockgare, schau ab der zweiten Stunde regelmäßig rein.

    Stockgare mit Dehnen und Falten

    Der Teig kommt in eine leicht geölte Wanne. Ich nehme dafür ein bisschen Rapsöl, damit nichts anklebt. Abdecken und bei Raumtemperatur stehen lassen, also so 22 bis 23 Grad. Nach drei bis dreieinhalb Stunden sollte er sich verdoppelt haben. Weil aktives Anstellgut drin ist, schau schon nach zweieinhalb Stunden das erste Mal rein.

    Nach 30, 60 und 90 Minuten dehnst und faltest du. Ich ziehe den Teig mit nassen Händen von einer Seite hoch und falte ihn zur Mitte, einmal rundherum, fertig. Das gibt ihm Standfestigkeit, damit er später nicht breitläuft. Was in dieser Zeit im Teig passiert, steht im Artikel über Stockgare und Stückgare.

    Keine Panik bei weichem Teig

    Emmer und Dinkel binden viel Wasser. Der Teig fühlt sich weicher an als ein Weizenteig und das ist gewollt. Lass dich nicht verunsichern und füge kein zusätzliches Mehl hinzu, der Teig zieht während der Stockgare noch an.

    Formen und ab in den Kühlschrank

    Kipp den Teig auf eine leicht bemehlte Arbeitsfläche. Er ist jetzt weich und luftig. Form ihn vorsichtig rund oder länglich, wie du magst. Drück nicht zu fest zu, sonst geht die Luft raus, die du dir gerade erarbeitet hast.

    Der Teigling kommt mit dem Schluss nach oben ins Gärkörbchen, und zwar großzügig bemehlt. Lieber zu viel als zu wenig, sonst klebt er später fest. Ich nehme dafür Roggenmehl, das klebt weniger als Weizenmehl. Dann das Körbchen luftdicht verpacken, ein Müllbeutel tut es, und ab in den Kühlschrank bei etwa 5 Grad. Dort bleibt er 12 oder 24 Stunden, je nachdem, welchen Zeitplan du gewählt hast.

    Einschneiden und backen

    Heiz den Ofen mit dem gusseisernen Topf darin auf 250 Grad Ober- und Unterhitze vor, mindestens 45 Minuten. Der Topf muss richtig durchgeglüht sein, sonst wird die Kruste nichts.

    Hol den Teigling aus dem Kühlschrank und stürz ihn auf ein Stück Backpapier. Jetzt der Schnitt. Bei meinen ersten Broten habe ich gesägt statt beherzt einen Schnitt zu setzen, und dann sieht das hinterher aus wie ausgefranst. Seitdem ziehe ich die Klinge in einem einzigen Zug durch, im 45-Grad-Winkel, ungefähr einen Zentimeter tief, und rühre danach nicht mehr dran. Kalter Teig lässt sich dafür übrigens am besten schneiden, das ist der Vorteil, wenn er direkt aus dem Kühlschrank kommt.

    Backpapier samt Teigling in den heißen Topf heben, Deckel sofort drauf. Dicke Ofenhandschuhe, der Topf ist wirklich heiß. Zehn Minuten bei 250 Grad backen, dann auf 200 Grad runter. Nach insgesamt 30 Minuten nimmst du den Deckel ab und bäckst noch 15 bis 20 Minuten offen fertig, bis die Kruste dunkelbraun ist.

    Kerntemperatur statt Klopfprobe

    Bei einem Brot mit Karotte klingt der Boden auch dann hohl, wenn die Krume innen noch feucht ist. Verlass dich lieber auf ein Einstichthermometer. Zwischen 96 und 98 Grad im Kern ist das Brot durch.

    Auskühlen lassen

    Nimm das Brot aus dem Topf und stell es auf ein Rost. Mindestens zwei Stunden, besser über Nacht. Die Krume ist direkt nach dem Backen noch nicht fertig, sie stabilisiert sich erst beim Auskühlen. Wer zu früh schneidet, hat eine feuchte, schmierige Schnittfläche und wundert sich.

    Krume vom Brot mit Karotten in Nahaufnahme, mit unregelmäßigen Poren und Karottenstückchen

    Das Zubehör, das ich für das Frühlingsbrot benutze

    Gusseiserner Brotbacktopf für das Brot mit Karotten
    Brotbacktopf*
    Hält die Hitze und macht im geschlossenen Zustand den Schwaden für die splittrige Kruste.
    Gärkörbchen für den Teigling vom Brot mit Karotten
    Ovales Gärkörbchen*
    Gibt dem Laib während der Stückgare Form und Halt.
    Skalpell zum Einschneiden vom Brot mit Karotten
    Skalpell zum Einschneiden*
    Meine Klinge zum Einschneiden. Kurz vorm Backen ritz ich den Teig ein, damit er kontrolliert aufreißt und nicht wild aufplatzt.

    Hier kannst du bald meine komplette Backausrüstung anschauen.

    Mit * markierte Links sind Affiliate-Links. Kaufst du darüber, bekomme ich eine kleine Provision, für dich bleibt der Preis gleich.

    Vier Varianten, die sich lohnen

    100 Prozent Emmer

    Ersetz das Dinkelvollkorn durch weitere 100 Gramm Emmermehl. Das Brot wird intensiver im Geschmack, bleibt aber flacher und dichter, weil das stabilisierende Klebereiweiß aus dem Dinkel fehlt. Nimm 20 Gramm weniger Wasser, also 300 Gramm, weil helles Emmermehl weniger bindet als Dinkelvollkorn. Die Backzeit bleibt gleich.

    Mit Weizen statt Emmer

    Wenn du kein Emmermehl hast, geht auch Weizenmehl Type 1050. Das Brot schmeckt milder und weniger nussig, der Teig wird elastischer und lässt sich leichter formen. Weizen nimmt etwas mehr Wasser auf, gib also 20 Gramm dazu, insgesamt 340 Gramm. Und knete zwei bis drei Minuten länger, damit sich das Klebergerüst aufbaut.

    Vollkorn-Variante

    Für ein kräftigeres Brot nimmst du Emmervollkornmehl statt des hellen. Der Laib wird dunkler, dichter und nussiger. Vollkorn braucht mehr Flüssigkeit, erhöhe das Wasser um 40 Gramm auf 360 Gramm. Die Backzeit verlängert sich um etwa 10 Minuten.

    Mit Körnern und Saaten

    Für mehr Biss kommen 50 bis 70 Gramm Körner in den Teig. Ich mag Sonnenblumenkerne, Leinsamen oder Sesam. Röste sie vorher kurz in einer trockenen Pfanne an, das macht sie aromatischer. Nach dem Kneten unterheben und 20 bis 30 Gramm mehr Wasser einplanen, weil die Körner Flüssigkeit ziehen. Wenn dir diese Richtung gefällt, schau dir mein Schwäbisches Saatenbrot mit Emmer und Kamut an.

    💡 Meine Lieblingsvariante

    Das klassische Rezept mit Emmer und Dinkel, Karotten und Thymian. Die Kombination aus nussigem Emmer, süßen Karotten und würzigem Thymian ist unschlagbar. Ich backe dieses Frühlingsbrot mindestens zweimal im Monat, besonders im Frühling und Frühsommer, wenn die ersten frischen Kräuter aus dem Garten kommen.

    Brot mit Karotten in Scheiben geschnitten, saftige Krume mit Karottenstückchen

    Wenn das Frühlingsbrot nicht so wird wie geplant

    Ein paar Sachen gehen bei diesem Brot häufiger schief. Meistens steckt eine einfache Ursache dahinter, und die kriegst du in den Griff.

    ❌ Der Teig ist zu klebrig und lässt sich nicht formen

    Der Teig klebt an den Händen und läuft auf der Arbeitsfläche auseinander. Ein Emmer-Dinkel-Teig ist von Natur aus weicher als ein Weizenteig, bis zu einem gewissen Grad gehört das dazu. Wenn er sich wirklich gar nicht formen lässt, war meistens die Karotte nicht gut genug ausgedrückt oder das Schüttwasser zu warm. Bemehl Hände und Arbeitsfläche großzügig und arbeite zügig, je länger du am Teig herumdrückst, desto klebriger wird er. Beim nächsten Mal presst du die Karotte kräftiger aus und startest mit 300 Gramm Wasser, den Rest gibst du beim Kneten schluckweise dazu.

    ❌ Das Brot ist innen noch feucht und klebrig

    Du schneidest an und die Krume schmiert am Messer. Entweder war die Backzeit zu kurz oder das Brot wurde zu früh angeschnitten. Bei einem Brot mit Karotte ist die Klopfprobe unzuverlässig, es klingt auch hohl, wenn innen noch Feuchtigkeit sitzt. Miss die Kerntemperatur, unter 96 Grad muss es zurück in den Ofen. Und lass es danach wirklich zwei Stunden auskühlen, besser über Nacht.

    ❌ Das Brot ist flach geblieben

    Der Laib hat kaum Volumen und ist im Ofen breitgelaufen. Meistens war das Anstellgut nicht aktiv genug oder die Stockgare zu kurz. Prüf, ob sich dein Anstellgut nach dem Füttern innerhalb von acht bis zwölf Stunden verdoppelt und Blasen wirft. Wenn nicht, füttere es ein paar Tage lang häufiger, bevor du backst. Wie das geht, steht bei Sauerteig füttern. Verlängere die Stockgare notfalls um 30 bis 60 Minuten und achte darauf, dass der Teig wirklich bei Raumtemperatur steht.

    ❌ Die Kruste ist steinhart

    Knusprig ist gewollt, aber schneiden solltest du das Brot noch können. Zu hart wird sie, wenn das Brot zu lange offen gebacken hat oder der Ofen nach dem Anbacken zu heiß blieb. Nimm beim nächsten Mal fünf Minuten von der offenen Backzeit weg und geh nach dem Anbacken auf 190 statt 200 Grad runter. Wenn es schon passiert ist, deck das Brot beim Auskühlen mit einem feuchten Tuch ab, dann zieht die Kruste etwas nach.

    ❌ Der Schnitt reißt unkontrolliert auf

    Statt einer sauberen Naht franst die Oberfläche aus. Das liegt an einer stumpfen Klinge oder daran, dass du sägst statt zu ziehen. Nimm eine frische Bäckerklinge oder ein Skalpell und führe es in einem einzigen, entschlossenen Zug durch den Teigling, im 45-Grad-Winkel. Nicht hin und her, nicht nachbessern. Kalter Teig direkt aus dem Kühlschrank hilft dir dabei, der ist fest genug, dass die Klinge sauber durchgeht.

    Hydration und Co., für alle, die es genau wissen wollen

    Diesen Teil brauchst du fürs Backen nicht. Er hilft nur, wenn du das Rezept anpassen oder mit anderen vergleichen willst.

    Gesamtmehl (inkl. Mehl aus dem Anstellgut)510 g
    Gesamtwasser (inkl. Wasser aus dem Anstellgut)330 g
    Hydrationca. 65 %
    Teigausbeute (TA)ca. 165

    Wie fühlt sich der Teig an?

    Die 65 Prozent beziehen sich nur auf das Schüttwasser. Die 100 Gramm Karotte bringen weitere Feuchtigkeit mit, die sich während der langen kalten Gare löst. Deshalb fühlt sich der Teig weicher an, als die Zahl vermuten lässt, ungefähr wie ein Weizenteig mit 70 Prozent. Wenn du die Karotte weglassen oder halbieren willst, gib die fehlende Feuchtigkeit als Wasser dazu, sonst wird der Teig zu fest.

    Nach dem Kneten ist der Teig weich und leicht klebrig. Nach dem Dehnen und Falten wird er merklich fester und formbarer. Wenn er sich zu diesem Zeitpunkt immer noch wie Schlamm anfühlt, war die Karotte zu nass.

    Noch Fragen zum Bottwartaler Frühlingsbrot?

    Was ist Emmermehl und wo kriege ich es?

    Emmer ist ein Urgetreide und gehört zu den ältesten Getreidesorten der Welt. Es schmeckt nussig, leicht süßlich und hat eine goldgelbe Farbe. Ich kaufe alle meine Mehle in einer kleinen regionalen Mühle, der Oberen Mühle in Aidlingen. Die haben leider keine Webseite. Sonst findest du Emmermehl in Biomärkten, Reformhäusern oder online.

    Kann ich das Brot auch ohne Anstellgut backen?

    Ja. Lass Anstellgut und Frischhefe weg und nimm stattdessen 3 Gramm Frischhefe. Das Brot wird milder und die Krume etwas lockerer. Die Stockgare verkürzt sich auf ungefähr zwei Stunden. Bleib in dem Fall bei 12 Stunden im Kühlschrank und geh nicht auf 24, sonst gärt der Teig über.

    Warum kommen Karotten ins Brot?

    Sie machen die Krume saftig, färben sie orangegelb und bringen eine dezente Süße mit. Ihr natürlicher Zucker karamellisiert beim Backen und färbt auch die Kruste. Wichtig ist, dass du sie gut ausdrückst, sonst wird der Teig zu nass.

    Kann ich das Brot ohne Gusseisentopf backen?

    Ja, aber du brauchst Ersatz für den Dampf. Jeder backofenfeste Topf mit Deckel tut es, auch aus Keramik, Hauptsache er kann 45 Minuten mitheizen. Ohne Topf backst du auf einem Blech und schiebst eine feuerfeste Schale mit heißem Wasser mit rein. Die Kruste wird dann etwas weniger splittrig.

    Wie lange hält sich das Brot?

    In einem Brotbeutel oder einer Brotdose bei Raumtemperatur bleibt es fünf bis sieben Tage saftig, deutlich länger als ein Weißbrot. Im Kühlschrank trocknet es schneller aus, dort lagere ich es nicht. Einfrieren geht gut, ich schneide es vorher in Scheiben und hole mir einzelne raus.

    Kann ich statt frischem Thymian getrockneten nehmen?

    Ja, aber weniger. Getrockneter Thymian ist intensiver. Nimm einen Teelöffel statt der ein bis zwei frischen Zweige. Mir schmeckt der frische besser, der wirkt nicht so staubig.

    Warum muss der Teig so lange in den Kühlschrank?

    Die Kälte bremst die Gärung, so dass der Teig Zeit hat, Aroma zu entwickeln, ohne dabei überzugehen. Gleichzeitig arbeiten die Enzyme im Mehl weiter und machen das Brot bekömmlicher. Nach 24 Stunden schmeckt es am kräftigsten. Länger solltest du bei Emmer nicht warten, dann wird der Teig instabil.

    Kann ich das Rezept verdoppeln?

    Ja, ohne Anpassung. Du brauchst dann allerdings zwei Töpfe oder zwei Durchgänge im Ofen. Die doppelte Teigmenge passt auch in eine große Kastenform mit 30 Zentimetern, dann wird das Brot rechteckig statt rund.

    Emmer-Dinkel-Karotten-Brot in Scheiben – saftige Krume mit Karottenstückchen

    Bottwartaler Frühlingsbrot – Emmer-Dinkel-Brot mit Karotten und Thymian

    Vorbereitung 30 Minuten
    Backzeit 50 Minuten
    Teigruhe 15 Stunden 30 Minuten
    Gesamtzeit 16 Stunden 50 Minuten
    Brot mit Karotten, Emmer und Dinkel, wie es im Bottwartal auf den Tisch kommt. Nussig, saftig, mit goldgelber Krume und frischem Thymian. Der Kühlschrank macht die Arbeit über Nacht.
    1 Brot
    Emmer-Brot

    Zutaten

    • 400 g Emmermehl hell Type 630 oder Type 700
    • 100 g Dinkelvollkornmehl
    • 320 g Wasser ca. 30 °C warm
    • 20 g Roggen-Anstellgut aktiv und frisch gefüttert
    • 1 g Frischhefe erbsengroß
    • 100 g Karotte fein gerieben, vor dem Ausdrücken gewogen
    • 1-2 Zweige frischer Thymian nur die Blättchen
    • 11 g Salz

    Kochutensilien

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    Zubereitung

    Klassisch (ca. 16 Stunden)
    • 100 g Karotte fein reiben, abwiegen und in einem sauberen Küchentuch kräftig ausdrücken.
    • 320 g Wasser mit ca. 30 °C in die Knetschüssel geben. 20 g Anstellgut mit dem Schneebesen einrühren, 1 g Frischhefe darin auflösen.
    • Ausgedrückte Karotte zugeben. 400 g Emmermehl und 100 g Dinkelvollkornmehl darauf geben. Salz und Thymian noch nicht.
    • 7 Minuten auf der langsamsten Stufe kneten.
    • 11 g Salz und die Thymian-Blättchen zugeben. 2 bis 3 Minuten auf der zweiten Stufe kneten, bis sich der Teig vom Schüsselboden löst. Teigtemperatur ca. 26 °C.
    • Teig in eine leicht geölte Wanne geben und abdecken. Stockgare 3 bis 3,5 Stunden bei 22 bis 23 °C, bis der Teig sich verdoppelt hat.
    • Nach 30, 60 und 90 Minuten den Teig mit nassen Händen von allen Seiten dehnen und zur Mitte falten.
    • Teig auf eine leicht bemehlte Arbeitsfläche kippen und vorsichtig rund oder länglich formen.
    • Mit dem Schluss nach oben in ein großzügig mit Roggenmehl bemehltes Gärkörbchen legen.
    • Körbchen luftdicht verpacken und 12 Stunden bei ca. 5 °C in den Kühlschrank stellen.
    • Backofen mit gusseisernem Topf mindestens 45 Minuten auf 250 °C Ober- und Unterhitze vorheizen.
    • Teigling auf ein Stück Backpapier stürzen und in einem einzigen Zug ca. 1 cm tief im 45-Grad-Winkel einschneiden.
    • Mit dem Backpapier in den heißen Topf setzen, Deckel sofort schließen. 10 Minuten bei 250 °C backen.
    • Auf 200 °C senken. Nach insgesamt 30 Minuten den Deckel abnehmen und 15 bis 20 Minuten offen fertig backen. Kerntemperatur 96 bis 98 °C.
    • Auf einem Rost mindestens 2 Stunden auskühlen lassen, besser über Nacht.
    Lang (ca. 28 Stunden)
    • 100 g Karotte fein reiben, abwiegen und in einem sauberen Küchentuch kräftig ausdrücken.
    • 320 g Wasser mit ca. 30 °C in die Knetschüssel geben. 20 g Anstellgut mit dem Schneebesen einrühren, 1 g Frischhefe darin auflösen.
    • Ausgedrückte Karotte zugeben. 400 g Emmermehl und 100 g Dinkelvollkornmehl darauf geben. Salz und Thymian noch nicht.
    • 7 Minuten auf der langsamsten Stufe kneten.
    • 11 g Salz und die Thymian-Blättchen zugeben. 2 bis 3 Minuten auf der zweiten Stufe kneten, bis sich der Teig vom Schüsselboden löst. Teigtemperatur ca. 26 °C.
    • Teig in eine leicht geölte Wanne geben und abdecken. Stockgare 3 bis 3,5 Stunden bei 22 bis 23 °C, bis der Teig sich verdoppelt hat.
    • Nach 30, 60 und 90 Minuten den Teig mit nassen Händen von allen Seiten dehnen und zur Mitte falten.
    • Teig auf eine leicht bemehlte Arbeitsfläche kippen und vorsichtig rund oder länglich formen.
    • Mit dem Schluss nach oben in ein großzügig mit Roggenmehl bemehltes Gärkörbchen legen.
    • Körbchen luftdicht verpacken und 24 Stunden bei ca. 5 °C in den Kühlschrank stellen. Länger nicht, sonst wird der Teig instabil.
    • Backofen mit gusseisernem Topf mindestens 45 Minuten auf 250 °C Ober- und Unterhitze vorheizen.
    • Teigling auf ein Stück Backpapier stürzen und in einem einzigen Zug ca. 1 cm tief im 45-Grad-Winkel einschneiden.
    • Mit dem Backpapier in den heißen Topf setzen, Deckel sofort schließen. 10 Minuten bei 250 °C backen.
    • Auf 200 °C senken. Nach insgesamt 30 Minuten den Deckel abnehmen und 15 bis 20 Minuten offen fertig backen. Kerntemperatur 96 bis 98 °C.
    • Auf einem Rost mindestens 2 Stunden auskühlen lassen, besser über Nacht.

    Notizen

    Zur Karotte: Wieg die geriebene Karotte ab, bevor du sie ausdrückst. Wie viel Saft rauskommt, hängt davon ab, wie kräftig du presst. So kommt ihr trotzdem auf dieselbe Menge.
    Zur Wassermenge: Emmermehl schwankt stärker als Weizen, jede Mühle mahlt ein bisschen anders. Wenn du unsicher bist, starte mit 300 g Wasser und gib die letzten 20 g beim Kneten schluckweise dazu.
    Zum Backen: Wenn ich nichts anderes schreibe, backe immer mit Ober- und Unterhitze. Umluft funktioniert auch, aber die Kruste wird manchmal zu dunkel und das Brot trocken.

    Hast du das Rezept schon ausprobiert?

    Ich freu mich über einen Kommentar von dir.