Inhalt
- Was kommt in dein Dinkelbrot ohne Kneten?
- Zwei Zeitpläne für deinen Tag
- Was dieses Dinkelbrot so saftig macht
- So backst du dein Dinkelbrot ohne Kneten
- Das Zubehör, das ich für dieses Brot benutze
- Vom Sesambrot bis zum Vollkorn: Variationen
- Wenn dein Dinkelbrot nicht so wird wie geplant
- Hydration und Co., für alle, die es genau wissen wollen
- Noch Fragen zum faulen Schwob? FAQ
- Hier ist die Rezeptkarte zum Ausdrucken
Schwaben und Brotbacken … das gehört zusammen wie Spätzle und Soß‘. Aber wer hat nach einem langen Tag noch Lust, ewig Teig zu kneten? Genau dafür ist d’r faule Schwob da … mein Dinkelbrot ohne Kneten für alle, die lieber warten statt kneten. Wir Schwaben sind ja für unseren Fleiß bekannt, aber bei diesem Brot darfst du ausnahmsweise richtig faul sein. Daher der Name.
Du rührst abends alle Zutaten zusammen, lässt den Teig über Nacht in der Form gehen und schiebst ihn morgens in den Ofen. Heraus kommt ein saftiges Dinkelbrot mit knuspriger Kruste und gerösteten Sonnenblumenkernen. Das Saftige kommt von einem kleinen Trick, dem Brühstück … dazu gleich mehr. Warum Dinkel überhaupt anders tickt als Weizen, hab ich dir im Ratgeber zum Dinkelbrot backen aufgeschrieben.
Von Anfang bis Ende dauert’s etwa 17 Stunden, aber nur 15 Minuten davon stehst du wirklich in der Küche. Den Rest macht die Zeit für dich. So hast du morgens frisches Brot, ohne abends lang zu ackern.
Backzeiten-Rechner
Wann muss ich anfangen?
Abends anrühren, morgens backen … aber wann genau? Sag dem Backzeiten-Rechner, wann dein Brot fertig sein soll, und er rechnet dir jeden Schritt bis zum Start zurück.
Was kommt in dein Dinkelbrot ohne Kneten?
Für 1 Kastenbrot in der 30-cm-Form
Viel braucht dieses Brot nicht: Dinkelmehl, geröstete Sonnenblumenkerne, Wasser und Salz. Das Herzstück ist das Brühstück, das du am Vorabend ansetzt … es macht das Brot saftig und hält es tagelang frisch.
| Sonnenblumenkerne (geröstet) | 150 g |
| Wasser (kochend) | 150 g |
| Salz | 11 g |
| Gesamtes Brühstück | (311 g) |
| Dinkelmehl Type 630 | 500 g |
| Wasser (kalt) | 250 g |
| Frischhefe | 3 g |
Du kannst das Brot mit Hefe oder mit Sauerteig backen … beides klappt gut. Mit Hefe: 3 g Frischhefe (oder 1 g Trockenhefe) und 250 g kaltes Wasser. Mit Sauerteig: 50 g Roggen-Anstellgut direkt aus dem Kühlschrank und nur 245 g kaltes Wasser. Wie du dein Anstellgut fütterst und fit hältst, liest du im Ratgeber. Ich beschreibe unten den Hefe-Weg, der Sauerteig-Weg läuft genauso ab. Wie du generell Hefe durch Sauerteig ersetzt, steht im Spickzettel.
Zwei Zeitpläne für deinen Tag
Der Teig ist beide Male derselbe. Wie schnell er reif wird, bestimmst du über die Triebmenge … also wie viel Hefe du nimmst. Wenig Hefe reift über Nacht und schmeckt milder, mehr Hefe bringt dich am selben Tag zum Brot. Der Sauerteig-Weg gehört dabei immer zur ruhigen Übernacht-Variante … schneller wird es nur über mehr Hefe, nicht über Sauerteig.
Schnell
Ablauf
Gleicher Teig, nur mit mehr Hefe (5 bis 7 g). Morgens angerührt, backst du am selben Nachmittag.
Gesamtzeit
ca. 7 bis 8 Stunden (aktiv ~15 Minuten)
Charakter
Fertig am selben Tag. Schmeckt etwas hefiger und weniger komplex … der schnelle Weg, wenn’s mal pressiert.
Klassisch
Ablauf
3 g Frischhefe oder 50 g Roggen-Anstellgut, abends angerührt, über Nacht 12 bis 14 Stunden in der Form. Morgens backen.
Gesamtzeit
ca. 17 Stunden über Nacht (aktiv ~15 Minuten)
Charakter
Mild, saftig, mit dem vollen Dinkelaroma aus der langen Gare. Dafür ist dieses Brot gemacht.
Was dieses Dinkelbrot so saftig macht
Das Brühstück hält dein Brot saftig
Sonnenblumenkerne sind ziemlich durstig. Wenn du sie einfach so in den Teig gibst, ziehen sie beim Backen die Feuchtigkeit raus … und dein Brot wird trocken. Ich mach’s deshalb anders: Ich gieße die gerösteten Kerne mit kochendem Wasser auf und lass sie richtig vollsaugen. Wenn sie dann in den Teig kommen, geben sie die Feuchtigkeit wieder ab. Das Brot bleibt dadurch saftig, auch noch am nächsten Tag.
Das Salz im Brühstück ist wichtig, damit die Kerne während der langen Quellzeit nicht anfangen zu gären. Ohne Salz würde das nach ein paar Stunden leicht säuerlich riechen.
Geröstete Sonnenblumenkerne, der Geschmacks-Turbo
Das Rösten dauert nur 3 bis 4 Minuten, aber es macht geschmacklich einen riesigen Unterschied. Die Hitze in der Pfanne holt die Öle aus den Kernen und entwickelt diese nussigen Röstaromen. Ohne Rösten schmecken die Kerne ziemlich flach … geröstet bringen sie richtig Tiefe ins Brot.
So entwickelt sich der Teig ganz ohne Kneten
Beim normalen Brotbacken knetest du, damit sich das Klebergerüst aufbaut … das gibt dem Brot seine Struktur. Aber das passiert auch von alleine, wenn du dem Teig genug Zeit gibst. Während der 12 bis 14 Stunden verbinden sich die Proteine im Mehl mit dem Wasser und bauen sich zu einem stabilen Netzwerk auf. Die Zeit macht die Arbeit, nicht die Knetmaschine.
Gerade für Dinkel passt das gut. Dinkel ist empfindlicher als Weizen, zu viel Kneten macht den Teig schwach und klebrig. Wenn du gar nicht knetest, kann dir das auch nicht passieren. Beim langen Stehen ist Dinkel dafür heikler als Weizen, deshalb bleibt es bei 12 bis 14 Stunden und nicht länger. Wenn du lieber ein einfaches No-Knead-Brot für Anfänger im Topf backen willst, findest du hier den Einstieg.
Warum dein Dinkelbrot über Nacht geht
Die 12 bis 14 Stunden über Nacht sind der Grund, warum das Brot „D’r faule Schwob“ heißt. Die Arbeit, die sonst eine Knetmaschine macht, erledigt hier die Zeit. Du rührst abends zusammen, gehst ins Bett, und am nächsten Morgen ist der Teig aufgegangen und kann in den Ofen.
Beim Geschmack ist es dasselbe. Ein Teig, der sich die ganze Nacht Zeit lassen darf, schmeckt runder und deutlich mehr nach Dinkel als einer, den du in zwei Stunden durchziehst.
Was du im Blick behalten solltest, ist deine Küchentemperatur. Bei 18 bis 20 Grad passt das Zeitfenster genau. Ist es wärmer, ist der Teig früher fertig, und Dinkel nimmt einem zu viel Zeit ziemlich übel. Er sackt dann eher zusammen, statt im Ofen noch mal aufzugehen. Wie du Übergare bei Hitze vermeidest, liest du hier. Guck morgens also lieber in die Form als auf die Uhr. Der Teig soll sich etwa verdoppelt haben, und wenn du ihn vorsichtig antippst, soll er langsam zurückfedern.
Warum 3 g Hefe für die lange Gare reichen
Bei 12 bis 14 Stunden Gare reicht wirklich eine winzige Menge Hefe. Sie vermehrt sich über Nacht und treibt den Teig langsam und gleichmäßig. Mehr Hefe würde ihn zu schnell aufgehen lassen … er würde überreif werden und zusammenfallen. Mit nur 3 g bleibt der Geschmack mild, nicht hefig.

So backst du dein Dinkelbrot ohne Kneten
Sonnenblumenkerne rösten und Brühstück ansetzen (abends)
Röste die Sonnenblumenkerne in einer trockenen Pfanne bei mittlerer Hitze etwa 3 bis 4 Minuten, bis sie duften und leicht Farbe bekommen. Rühr dabei ständig um, damit nichts anbrennt. Gib die heißen Kerne in eine hitzebeständige Schüssel, übergieß sie mit 150 g kochendem Wasser und rühr das Salz unter. Schüssel abdecken und das Brühstück mindestens 2 Stunden quellen lassen, besser 3 bis 4 Stunden, bis die Kerne das Wasser komplett aufgenommen haben.
Die Form vorbereiten
Fette eine Kastenform (ca. 30 cm) großzügig mit Rapsöl ein, lieber zu viel als zu wenig. Streu die gefettete Form mit Haferflocken aus. Die bleiben am Öl hängen, bilden eine knusprige Trennschicht und verhindern, dass das Brot später festklebt.
Die Haferflocken-Schicht ist mein liebster Trick gegen festklebende Brote. Sie sieht auf der Kruste auch noch schön aus … also ruhig großzügig sein.
Hauptteig anrühren, nur verrühren statt kneten
Gib das komplette abgekühlte Brühstück in eine große Schüssel. Dazu das Dinkelmehl, 250 g kaltes Wasser und die winzige Menge Hefe (oder 245 g Wasser und 50 g Anstellgut). Rühr alles mit einem stabilen Löffel oder Teigschaber nur so lange, bis kein trockenes Mehl mehr zu sehen ist. Nicht kneten. Der Teig ist weich und klebrig, genau richtig.
Gib den Teig direkt in die vorbereitete Form und streich die Oberfläche mit einem nassen Löffel oder nassen Händen glatt. Er sollte die Form etwa zu zwei Dritteln füllen. Zum Schluss mit ein paar Haferflocken und Sonnenblumenkernen bestreuen und leicht andrücken, dann luftdicht abdecken.
Lass dich von dem weichen Teig nicht verunsichern und gib bloß kein Mehl dazu. Er soll klebrig sein … mit nassen Händen oder dem Teigschaber hast du ihn im Griff.
Über Nacht gehen lassen
Lass den Teig in der Form bei 18 bis 20 °C für 12 bis 14 Stunden stehen, am besten über Nacht. In dieser Zeit quellen die Klebereiweiße im Wasser und vernetzen sich von selbst zu einem stabilen Gerüst, ganz ohne Kneten. Am Ende sollte sich der Teig etwa verdoppelt haben und die Form fast bis zum Rand füllen. Ist deine Küche wärmer als 22 °C, verkürzt sich die Gare auf 10 bis 12 Stunden, ist es kühler, kann’s auch 16 Stunden dauern. Er ist fertig, wenn er beim vorsichtigen Antippen langsam zurückfedert.
Backen mit Schwaden
Heiz den Ofen rechtzeitig auf 230 °C Ober-/Unterhitze vor und stell ein tiefes Blech auf den Ofenboden. Den Teig kannst du optional längs 1 cm tief einschneiden, nötig ist das bei Kastenbrot nicht. Schieb die Form in die mittlere Schiene und gib sofort eine Tasse Wasser (100 bis 150 ml) auf das heiße Blech. Vorsicht vor dem Dampf, dann die Tür schnell schließen. Nach 15 Minuten die Tür kurz öffnen, damit der Schwaden abzieht, und auf 200 °C reduzieren. Insgesamt 45 bis 50 Minuten backen, bis das Brot goldbraun ist und beim Klopfen auf den Boden hohl klingt.
Auskühlen und warten
Stürz das Brot sofort aus der Form und lass es auf einem Gitter vollständig auskühlen, mindestens 2 Stunden. Ich weiß, frisch und warm ist die Versuchung groß, aber ein Dinkelbrot mit so viel Wasser braucht die Zeit. Wer zu früh anschneidet, hat eine klitschige Mitte.
Das Zubehör, das ich für dieses Brot benutze
Bei einem No-Knead-Teig mein liebstes Werkzeug. Damit hast du das klebrige Zeug in Sekunden verrührt, ganz ohne Kneten.
Die biegsame Karte schmiegt sich an die Schüssel. Damit krieg ich auch den letzten weichen Teig restlos raus.
Ab 96 °C Kerntemperatur ist das Brot durch. Damit rät man nicht mehr, ob es fertig ist.
Hier kannst du meine komplette Backausrüstung anschauen.
Vom Sesambrot bis zum Vollkorn: Variationen
Sesam-Dinkelbrot, milder und süßlicher
Ich mach das Brot manchmal mit Sesam statt Sonnenblumenkernen, dann wird’s milder und leicht süßlicher. Die kleineren Sesamkörner geben dem Brot eine feinere Textur, und die Kruste wird richtig aromatisch. Röste den Sesam nur 2 bis 3 Minuten, der brennt schneller an als Sonnenblumenkerne.
Sonnenblumen-Kürbiskern-Mix für mehr Aroma
Wenn ich Abwechslung will, nehm ich halb Sonnenblumenkerne, halb Kürbiskerne und röste beide zusammen in der Pfanne. Die Kombination aus mild und herzhaft macht das Brot geschmacklich interessanter. Welche Backsaaten sonst noch ins Brot passen, habe ich dir extra zusammengestellt.
Leinsamen-Variante, extra saftig
Du kannst 30 g der Sonnenblumenkerne durch geschrotete Leinsamen ersetzen. Das Brot wird dann noch ein bisschen gesünder und noch saftiger. Nimm dann 20 g mehr Wasser im Brühstück (also 170 g), weil Leinsamen richtig viel Flüssigkeit binden. Die Leinsamen werden nicht geröstet, gib sie einfach mit den gerösteten Sonnenblumenkernen ins Brühstück.
Vollkorn-Dinkelbrot mit mehr Biss
Wenn du’s kräftiger magst, ersetze 200 g vom hellen Dinkelmehl durch Dinkelvollkorn. Das Brot wird dunkler und hat mehr Biss. Nimm 30 g mehr Wasser im Hauptteig (also 280 g), weil Vollkorn mehr Flüssigkeit braucht, und rechne mit 5 bis 10 Minuten längerer Backzeit.
Honig-Dinkelbrot, leicht süß und dunkler
Ein Esslöffel Honig im Hauptteig gibt dem Brot eine ganz leichte Süße und macht die Kruste etwas dunkler. Der Honig beschleunigt die Gare ein bisschen … schau nach dem Teig und schieb ihn in den Ofen, wenn er schön aufgegangen ist, auch wenn die Zeit noch nicht ganz um ist.
Das klassische Rezept mit gerösteten Sonnenblumenkernen. Die nussigen Röstaromen passen perfekt zum milden Dinkel, und die Einfachheit macht dieses Brot zu meinem Go-to, wenn’s schnell gehen soll und ich trotzdem ein gutes Brot will.

Wenn dein Dinkelbrot nicht so wird wie geplant
Ein paar Sachen gehen bei diesem Brot häufiger schief. Meistens steckt eine einfache Ursache dahinter, und die kriegst du in den Griff.
❌ Der Teig ist nach der Gare nicht aufgegangen
Du schaust morgens nach und der Teig liegt immer noch flach in der Form? Das passiert, wenn die Hefe zu alt war oder deine Küche zu kalt ist. Nimm frische Hefe und achte darauf, dass die Küche mindestens 18 °C hat. Ist es kälter, lass den Teig 16 bis 18 Stunden gehen oder stell die Form an einen wärmeren Ort, zum Beispiel in den Ofen mit eingeschaltetem Licht.
❌ Das Brot ist innen noch feucht und klebrig
Du schneidest an und die Krume ist matschig? Meistens wurde das Brot zu früh angeschnitten. Lass es komplett auskühlen, mindestens 2 Stunden, besser über Nacht. Wenn’s wieder passiert, back 5 bis 10 Minuten länger. Sicher gehst du mit dem Einstichthermometer, bei 96 bis 98 °C Kerntemperatur ist das Brot durch.
❌ Der Teig klebt in der Form fest
Das Brot will einfach nicht aus der Form? Dann war sie nicht gut genug eingefettet. Fette großzügig mit Rapsöl und streu die Form mit Haferflocken aus, die bilden eine Trennschicht. Klebt es trotzdem, lass das Brot 5 Minuten in der Form abkühlen, dann löst es sich leichter.
❌ Die Kruste ist zu hart
Die Kruste ist so hart, dass du sie kaum schneiden kannst? Dann war das Brot zu lange im Ofen oder du hattest zu wenig Schwaden. Back beim nächsten Mal 5 Minuten kürzer und gib ordentlich Wasser auf das Blech, mindestens 100 bis 150 ml. Du kannst das Brot nach dem Backen auch mit einem feuchten Tuch abdecken, während es abkühlt.
❌ Der Teig ist übergelaufen
Der Teig ist über den Rand der Form gelaufen? Dann war die Gare zu lang oder die Form zu klein. Achte darauf, dass der Teig zu Beginn nur zwei Drittel der Form füllt. Reicht er nach 10 bis 12 Stunden schon fast bis zum Rand, schieb ihn in den Ofen, auch wenn die Gare eigentlich länger dauern sollte. Lieber etwas früher backen als eine Sauerei riskieren.
❌ Die Sonnenblumenkerne sind verbrannt
Die Kerne schmecken bitter und sind dunkelbraun? Dann waren sie zu heiß oder zu lange in der Pfanne. Röste bei mittlerer Hitze und rühr ständig um. Nach 3 bis 4 Minuten sollten sie duften und leicht Farbe haben, nicht dunkelbraun werden. Im Zweifel lieber kürzer rösten.

Hydration und Co., für alle, die es genau wissen wollen
Wenn du gern mit Zahlen arbeitest oder das Rezept umrechnen willst, hier die Eckdaten.
| Gesamtmehl | 500 g |
| Gesamtwasser | 400 g |
| Hydration | 80 % |
| Teigausbeute (TA) | 180 |
| Salz | 2,2 % |
Die 400 g Gesamtwasser sind die 150 g im Brühstück plus 250 g im Teig. Ein guter Teil davon steckt am Ende in den Sonnenblumenkernen, die es beim Quellen aufsaugen, und nicht frei im Teig. Die Teigausbeute beschreibt das Verhältnis von Mehl und Wasser: 100 Teile Mehl, 80 Teile Wasser, macht 180. Je höher die Zahl, desto weicher der Teig.
Wie fühlt sich der Teig an?
Dieser Teig ist sehr weich und klebrig, das ist gewollt. Weich ist er dabei nicht allein wegen der Wassermenge, sondern vor allem, weil er nicht geknetet wird. Ohne Kneten fehlt ihm das Klebergerüst, das ihn zusammenhalten würde, und er fließt. Du kannst ihn nicht von Hand kneten oder formen wie einen festen Brotteig, deshalb kommt er direkt in die Kastenform. Die Form gibt ihm die Struktur, die er von selbst nicht hätte. Lass dich von der weichen Konsistenz nicht verunsichern und arbeite mit nassen Händen oder einem Teigschaber.

Noch Fragen zum faulen Schwob? FAQ
Kann ich Trockenhefe statt Frischhefe nehmen?
Ja. Das Rezept ist mit 3 g Frischhefe gerechnet, davon brauchst du nur etwa ein Drittel, also 1 g Trockenhefe. Trockenhefe ist konzentrierter. Achte darauf, dass die Hefe frisch ist, alte Hefe treibt nicht mehr richtig.
Wie lange ist das Dinkelbrot haltbar?
Bei Raumtemperatur in einem Brotbeutel oder einer Brotdose bleibt’s 5 bis 7 Tage saftig. Das Brühstück und die hohe Hydration halten das Brot lange frisch. Im Kühlschrank wird’s schneller trocken, deshalb lagere ich’s lieber bei Raumtemperatur. Einfrieren geht auch, dann hält es mehrere Monate.
Kann ich eine andere Kastenformgröße verwenden?
Ja. Das Rezept ist für eine 30-cm-Form ausgelegt. Für eine kleinere 20-cm-Form halbierst du alle Zutaten und backst etwa 35 bis 40 Minuten. Für eine größere 35- bis 40-cm-Form erhöhst du das Rezept um 50 % und backst etwa 55 bis 60 Minuten.
Kann ich das Rezept auch mit Weizenmehl backen?
Ja, ersetz das Dinkelmehl durch Weizenmehl Type 550. Der Teig wird elastischer und lässt sich sogar etwas leichter handhaben. Reduzier das Wasser im Hauptteig um 30 g (also auf 220 g), weil Weizen weniger Wasser braucht als Dinkel.
Kann ich die Gare verkürzen?
Ja. Mit 5 bis 7 g Hefe statt 3 g verkürzt sich die Gare auf 4 bis 6 Stunden … das ist der Weg „Schnell“ aus den Zeitplänen oben. Das Brot schmeckt dann etwas hefiger und weniger komplex. Die lange, langsame Gare entwickelt mehr Geschmack, aber wenn’s eilig ist, geht die kurze Variante gut.
Warum geht der Teig direkt in der Form?
Das spart Zeit und einen Arbeitsschritt. Bei so einem weichen Teig (80 % Hydration) ist es sowieso schwierig, ihn separat gehen zu lassen und dann umzufüllen. Geht er direkt in der Form, bleibt die Struktur erhalten und der Teig fällt beim Umfüllen nicht zusammen.
Dein Backzeiten-Rechner
Hier ist die Rezeptkarte zum Ausdrucken

D’r faule Schwob – No-Knead Dinkelbrot aus der Kastenform
Zutaten
- 150 g Sonnenblumenkerne geröstet
- 150 g Wasser kochend
- 11 g Salz ca. 2 gestrichene Teelöffel
- Das komplette Brühstück
- 500 g Dinkelmehl Type 630
- 3 g Frischhefe oder 1 g Trockenhefe
- 250 g Wasser, kalt
- 245 g Wasser, kalt
- 50 g Roggen-ASG direkt aus dem Kühlschrank, ein bis zwei Tage vorher gefüttert
Kochutensilien
Zubereitung
- Röste die Sonnenblumenkerne in einer trockenen Pfanne bei mittlerer Hitze etwa 3-4 Minuten, bis sie duften und leicht Farbe bekommen. Rühre dabei ständig um, damit sie nicht anbrennen.
- Gib die heißen Kerne in eine hitzebeständige Schüssel.
- Bringe 150 g Wasser zum Kochen und gieße es über die Kerne. Rühre kurz um.
- Gib das Salz dazu und rühre nochmal. Das Salz verhindert, dass die Kerne während der langen Quellzeit zu gären beginnen.
- Decke die Schüssel ab und lass das Brühstück mindestens 2 Stunden quellen. Besser: 3-4 Stunden, damit die Kerne das Wasser komplett aufnehmen.
- Fette eine Kastenform (ca. 30 cm Länge) großzügig mit Rapsöl ein – lieber zu viel als zu wenig. Streue die gefettete Form mit Haferflocken aus – die bleiben am Öl hängen, bilden eine knusprige Kruste und verhindern Ankleben.
- Gib das komplette abgekühlte Brühstück in eine große Schüssel.
- Füge das Dinkelmehl, 250 g kaltes Wasser und die winzige Menge Hefe hinzu.
- Füge das Dinkelmehl, 245 g kaltes Wasser und das Anstellgut hinzu.
- Rühre alles mit einem stabilen Löffel oder Teigschaber nur so lange, bis kein trockenes Mehl mehr zu sehen ist. Nicht kneten! Der Teig ist weich und klebrig – genau richtig.
- Gib den Teig direkt in die vorbereitete Form. Streiche die Oberfläche mit einem nassen Löffel oder nassen Händen glatt. Der Teig sollte etwa zu zwei Dritteln die Form füllen.
- Bestreue die Oberfläche mit Haferflocken und Sonnenblumenkernen und drücke sie mit dem Löffel leicht an.
- Decke die Form luftdicht ab (mit Frischhaltefolie, Gärfolie oder einem feuchten Tuch).
- Lass den Teig in der Form bei einer Temperatur von 18-20 °C für 12-14 Stunden stehen. Idealerweise über Nacht. In dieser Zeit quellen die Klebereiweiße im Wasser und vernetzen sich von selbst zu einem stabilen Gerüst, ganz ohne Kneten.
- Der Teig sollte sich am Ende etwa verdoppelt haben und die Form fast bis zum Rand gefüllt haben. Wenn deine Küche wärmer ist (über 22 °C), verkürzt sich die Gare auf 10-12 Stunden. Wenn’s kälter ist, kann’s auch 16 Stunden dauern.
- Der Teig ist fertig, wenn er beim vorsichtigen Antippen langsam zurückfedert.
- Heize den Backofen rechtzeitig auf 230 °C Ober-/Unterhitze vor. Stelle ein tiefes Backblech oder eine feuerfeste Schale auf den Ofenboden – das brauchst du gleich für den Schwaden.
- Schneide den Teig optional mit einem scharfen Messer längs ein (1 cm tief). Das ist bei Kastenbrot nicht zwingend nötig, sieht aber schön aus.
- Schiebe die Form in die mittlere Schiene. Gib sofort eine Tasse (ca. 100-150 ml) Wasser auf das heiße Blech am Ofenboden. Vorsicht vor heißem Dampf! Schließe die Ofentür schnell.
- Nach 15 Minuten öffne kurz die Ofentür, damit der Schwaden entweichen kann. Reduziere die Temperatur auf 200 °C.
- Backe das Brot insgesamt 45-50 Minuten, bis es goldbraun ist. Das Brot ist fertig, wenn es beim Klopfen auf den Boden hohl klingt. Die Kerntemperatur liegt dann bei 96 bis 98 °C, gemessen in der Mitte auf halber Höhe.
- Stürze das Brot sofort aus der Form und lass es auf einem Gitter vollständig auskühlen – mindestens 2 Stunden.







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