Inhalt
- Was kommt in den Glemstaler Kornkasten?
- Zwei Zeitpläne für deinen Tag
- So backst du den Glemstaler Kornkasten
- Warum dieses Vollkornbrot saftig bleibt
- Das Zubehör, das ich für den Kornkasten benutze
- Vier Kornkasten-Variationen, die sich lohnen
- Wenn der Kornkasten nicht so wird wie geplant
- Hydration und Co., für alle, die es genau wissen wollen
- Noch Fragen zum Dinkelvollkornbrot mit Sauerteig? FAQ
- Glemstaler Kornkasten – saftiges Dinkelvollkornbrot mit Sauerteig
Die Glems ist ein kleiner Fluss, der durchs Heckengäu fließt, von Weil der Stadt bis zur Enz. Hier wurde schon immer gebacken, mit Dinkel von den Feldern und den Kartoffeln aus den Kellern. Der Kornkasten war früher die Vorratskammer, in der das Korn für den Winter lagerte. Heute ist mein Glemstaler Kornkasten ein Dinkelvollkornbrot mit Sauerteig, das in der Kastenform gebacken wird, mit Dinkel und Kartoffeln von hier und gerösteten Cashews dazu. Auf die Idee gebracht hat mich ein Kartoffelbrot vom Bäcker, das sehr saftig war und mir gut geschmeckt hat. Ich hab mir daraufhin selber ein Rezept ausgedacht und so lange probiert, bis es passte.
Geknetet wird nicht. Du rührst alles mit einem Kochlöffel zusammen, kippst den Teig in die Kastenform und stellst ihn über Nacht weg. Bei Vollkorn ist das sogar besser als Kneten, weil die Schalenteilchen im Mehl das Glutennetz stören und der Dinkelkleber weich ist und langes Kneten übel nimmt. Den Trieb machen Luigi, mein Lievito Madre, und drei Gramm Frischhefe dazu. Luigi allein schafft 500 g Vollkornmehl und 200 g Kartoffeln über Nacht nicht.
Die Kartoffeln machen die Krume weich und fast ein bisschen cremig, die Cashews schmeckt man deutlich raus, und der Sesam, mit dem die Form ausgestreut ist, wird beim Backen goldbraun und kross. Abends stehst du zwanzig Minuten in der Küche, morgens schiebst du die Form in den Ofen. Fünf bis sieben Tage bleibt es weich, ohne Einfrieren und ohne Aufbacken. Am fünften Tag ist das Brot etwas fester, dafür hatten die Zutaten nochmal Zeit durchzuziehen und das Aroma ist dann am vollsten. Ich esse es dann gern mit Frischkäse, oder ich toaste es und streiche Butter drauf.
„Diesmal durfte Luigi ran. Weil er milder sei und besser zum Dinkel passe, hat sie gesagt. Ich hab die Nacht im Kühlschrank verbracht wie immer, und gefragt hat mich keiner. Aber ehrlich? Ein Brot, das man am fünften Tag noch essen kann, macht mir auch keiner nach. Da sind wir uns ähnlich, der Italiener und ich.“
Backzeiten-Rechner
Wann muss ich anfangen?
Dein Backplan richtet sich nach deinem Tag, nicht umgekehrt. Sag dem Backzeiten-Rechner, wann du fertig sein möchtest, und er rechnet dir jeden Schritt bis zum Start zurück.
Was kommt in den Glemstaler Kornkasten?
Für 1 Kastenbrot aus der 30-cm-Form, ca. 1.000 g
| Dinkel-Vollkornmehl | 250 g |
| Weizen-Vollkornmehl | 250 g |
| Kartoffeln, mehlig kochend, gekocht und zerdrückt | 200 g |
| Wasser, kühl (18 bis 20 °C) | 240 g |
| Lievito Madre, kalt aus dem Kühlschrank | 100 g |
| Honig | 15 g |
| Frischhefe | 3 g |
| Salz | 12 g |
| Cashewkerne, grob gehackt | 80 g |
| Butter oder Öl zum Ausstreichen | reichlich |
| Sesam | ca. 30 g |
| Sesam | ca. 15 g |
Zwei Zeitpläne für deinen Tag
Gleicher Teig, unterschiedlich viel Hefe. Je weniger du nimmst, desto länger geht der Teig und desto mehr Aroma bekommt er. Ich backe fast immer den klassischen Weg. Wenn ich am Wochenende ausschlafen will, nehme ich nur ein Gramm.
Klassisch
Ablauf
3 g Frischhefe. Abends anrühren, die Form kühl stellen bei 18 bis 19 °C, morgens backen.
Gesamtzeit
ca. 13 bis 15 Stunden
Charakter
Milde Säure vom Lievito Madre, nussig, saftige Krume. So backe ich das Brot meistens.
Lang
Ablauf
Nur 1 g Frischhefe. Abends anrühren, die Form kühler stellen bei 16 bis 18 °C, mittags backen.
Gesamtzeit
ca. 17 bis 19 Stunden
Charakter
Deutlichere Säure, und die Süße der Kartoffeln kommt klarer durch.
Wenn deine Küche im Sommer 22 oder 23 Grad hat, ist der Teig zwei Stunden früher so weit. Schau nach acht Stunden das erste Mal in die Form, statt auf die Uhr zu gucken.
So backst du den Glemstaler Kornkasten
Kartoffeln kochen und zerdrücken
Koche 200 g mehlig kochende Kartoffeln weich, schäle sie und zerdrücke sie mit der Gabel oder der Kartoffelpresse, bis keine Klumpen mehr drin sind. Ich koche sie meistens am Abend vorher gleich mit, wenn ich sowieso am Herd stehe.
Lass sie danach auf Zimmertemperatur abkühlen. Warme Kartoffeln heizen den Teig auf, und dann rennt dir die Gare in den ersten Stunden davon, statt gleichmäßig durchzulaufen.
Die Form vorbereiten
Streich die 30-cm-Kastenform dick mit Butter oder Öl aus, wirklich in jede Ecke. Schütte den Sesam hinein, dreh und kipp die Form in alle Richtungen, bis Boden und Wände überall bedeckt sind, und klopf den Rest wieder raus.
Der Sesam ist nicht nur Geschmack. Er wirkt als Trennschicht, und das Brot löst sich nachher fast von allein aus der Form.
Im Sommer hab ich mal Rapsöl genommen, das sehr dünnflüssig war. Der Sesam hat nicht richtig gehaftet und ist an den Wänden nach unten gerutscht. Das Brot ging erst aus der Form, nachdem ich mit einem stumpfen Messer an den Innenwänden entlanggefahren bin. Seitdem nehme ich weiche Butter und streiche sie mit den Fingern in jede Ecke.
Lievito Madre und die Hefe auflösen
Zupf den Lievito Madre in erbsengroße Stücke. Gib ihn zusammen mit der Frischhefe und dem Honig ins kühle Wasser und rühr mit dem Schneebesen, bis sich alles gelöst hat. Das dauert ein bis zwei Minuten.
Das Wasser soll kühl sein, so wie es aus der Leitung kommt. Warmes Wasser braucht dieser Teig nicht, er hat ja die ganze Nacht Zeit.
Rühr dann die zerdrückten Kartoffeln unter, bis die Masse gleichmäßig ist.
Teig anrühren
Gib beide Vollkornmehle dazu und rühr mit einem stabilen Kochlöffel oder dem Teigbesen etwa zwei Minuten, bis kein trockenes Mehl mehr zu sehen ist. Dann kommen die Cashews und das Salz rein, nochmal eine Minute kräftig durchrühren.
Der Teig ist schwer, klebrig und zäh. Genau so soll er sein.
Meine ersten Vollkornbrote wurden steinhart mit einer Krume wie aus Beton, weil ich unterschätzt hatte, wieviel Wasser Vollkornmehl tatsächlich zieht. Beim Dinkel war ich genauso ahnungslos. Seitdem achte ich auf eine ausreichende Wassermenge und halte mir immer ein bisschen Reservewasser zurück. Von den 240 g behalte ich die letzten 20 g in der Tasse und gebe sie vorsichtig nach, wenn der Teig zu fest wirkt. Vollkornmehl ist nicht gleich Vollkornmehl, und deins zieht vielleicht anders als meins.
Mit dem Kochlöffel geht es auch, aber bei diesem zähen Teig hängt man sich ordentlich rein. Der dänische Teigbesen zieht das klebrige Zeug in Sekunden durch, ohne dass sich alles drum herum aufwickelt.
Ab in die Form
Füll den Teig direkt in die vorbereitete Form und streich die Oberfläche mit nasser Hand glatt, bis er gleichmäßig verteilt ist. Streu den restlichen Sesam darüber.
Deck die Form ab. Ich nehme eine Duschhaube oder stülpe eine große Tüte drüber. Wichtig ist nur, dass der Teig nicht austrocknet.
Über Nacht gehen lassen
Stell die Form an einen kühlen Ort mit 18 bis 19 Grad und lass sie zehn bis zwölf Stunden stehen. Bei mir steht sie meistens im Treppenhaus am Fenster. Im Winter geht das Schlafzimmer, und wenn es im Sommer richtig heiß ist, sogar der Vorratskeller.
Morgens ist der Teig bis etwa einen Zentimeter unter den Formrand aufgegangen, und wenn du die Haube abnimmst, riecht er nussig, erdig und hefig. Ich verlass mich sowieso nicht auf die Zeiten im Rezept, ich schau mir meinen Teig an und entscheide dann. Am Formrand siehst du besser als an jeder Uhrzeit, ob er so weit ist. Falls er noch deutlich tiefer steht, gib ihm eine Stunde mehr.
Backen
Heiz den Ofen auf 230 °C Ober-/Unterhitze vor, das dauert etwa zwanzig Minuten. Einen Stein brauchst du nicht, die Form reicht.
Schneide das Brot einmal längs und mittig etwa einen Zentimeter tief ein. Schieb die Form in den Ofen und gieß eine Tasse Wasser, etwa 100 ml, in eine hitzefeste Schale am Ofenboden. Pass auf den heißen Dampf auf.
Nach fünfzehn Minuten machst du die Tür kurz auf, lässt den Schwaden raus und drehst auf 200 °C runter. Dann backt das Brot noch vierzig bis fünfundvierzig Minuten weiter, bis die Kruste dunkelbraun ist.
Die Klopfprobe führt dich beim Kastenbrot in die Irre, weil der Boden aus der Form weich rauskommt und deshalb dumpf klingt, auch wenn das Brot längst durch ist. Miss lieber die Kerntemperatur. Bei 96 bis 98 Grad ist es fertig.
Auskühlen
Löse das Brot aus der Form und lass es noch fünf Minuten bei ausgeschaltetem Ofen auf dem Rost stehen, dann wird die Kruste rundum kross.
Danach mindestens vier Stunden auskühlen lassen, besser über Nacht. Vollkornbrot mit Kartoffeln braucht diese Zeit, damit die Krume fest wird. Schneidest du zu früh an, klebt alles am Messer, und du denkst, das Brot sei nicht durch.

Warum dieses Vollkornbrot saftig bleibt
Kartoffeln bremsen das Altbackenwerden
Beim Kochen quillt die Kartoffelstärke auf und schließt Wasser ein. Das nennt sich Verkleisterung, und dieses eingeschlossene Wasser gibt die Kartoffel langsam an den Teig ab.
Interessanter ist aber, was danach passiert. Altbackenwerden ist nichts anderes als Stärke, die zurückkristallisiert. Und verkleisterte Kartoffelstärke kristallisiert deutlich langsamer zurück als Getreidestärke. Deshalb ist das Brot am fünften Tag zwar etwas fester, aber immer noch weich, während ein reines Vollkornbrot da längst krümelt.
Warum du diesen Teig nicht knetest
Dafür gibt es zwei Gründe, und sie haben nichts miteinander zu tun.
Vollkornmehl bringt die Randschichten des Korns mit, und diese Kleieteilchen sind scharfkantig. Sie stören das Klebergerüst allein dadurch, dass sie im Teig sitzen. Das passiert auch ohne Kneten.
Dinkel dagegen hat zwar Kleber, aber einen weichen. Er reißt schneller als Weizenkleber, wenn man ihn zu lange bearbeitet. Was Dinkel sonst noch von Weizen unterscheidet, steht im Ratgeber.
Beides zusammen heißt, dass Kneten hier mehr kaputt macht als es aufbaut. Die zehn bis zwölf Stunden Gare erledigen die Arbeit stattdessen. Der Teig bleibt danach trotzdem weich und nachgiebig, er wird nicht straff wie ein Weizenteig. Das gehört so, und weil er ohnehin in der Form gebacken wird, braucht er keine eigene Standfestigkeit.
Luigi und die kleine Hefe
Der Lievito Madre bringt Aroma und eine milde Säure mit. Er ist fest geführt und schmeckt deshalb runder als ein flüssiges Anstellgut, das passt gut zum Dinkel. Wie ich Luigi angesetzt habe und wie ich ihn pflege.
Für den Trieb allein reicht er hier aber nicht. 100 g Lievito Madre sollen 500 g Vollkornmehl und 200 g Kartoffeln über Nacht hochbringen, und das ist ihm eine Nummer zu groß. Deshalb kommen drei Gramm Frischhefe dazu.
Ich weiß, dass viele Sauerteigbrote ausdrücklich ohne Hefe backen. Für mich ist die kleine Menge Hefe kein Makel, sondern der Grund, warum das Brot morgens verlässlich in der Form steht statt auf gut Glück.
Das Zubehör, das ich für den Kornkasten benutze
Beim Brotbacken wieg ich alles in Gramm ab, auch das Wasser. Meine wiegt sogar in 0,1-Gramm-Schritten, damit kriegst du auch das eine Gramm Hefe genau hin.
Gerade bei No-Knead-Teigen mein liebstes Werkzeug. Damit hast du das klebrige Zeug in Sekunden verrührt, ganz ohne Kneten.
Gibt weichen Teigen die Form, die sie von selbst nicht hätten. Meine ist eine klassische 30er, die passt für die meisten meiner Kastenbrote.
Hier kannst du meine komplette Backausrüstung anschauen.
Vier Kornkasten-Variationen, die sich lohnen
Nur Dinkel, ohne Weizen
Wenn du kein Weizen-Vollkornmehl hast, nimm 500 g Dinkel-Vollkornmehl. Das Brot wird nussiger und eine Spur süßlicher. Dinkel bindet etwas weniger Wasser als Weizen, geh deshalb auf 220 g runter und halt davon wieder die letzten 20 g zurück. Wenn der Teig zu fest wirkt, gib sie nach.
Mit Roggen wird es kräftiger
Ersetz 100 g vom Dinkel-Vollkornmehl durch Roggen-Vollkornmehl. Das Brot wird dunkler, herzhafter und dichter. Roggen zieht mehr Flüssigkeit, erhöh das Wasser deshalb auf 250 g, und rechne mit fünf bis zehn Minuten mehr Backzeit. Mehr als 100 g würde ich nicht nehmen, weil der Lievito Madre mild geführt ist und für einen höheren Roggenanteil zu wenig Säure mitbringt.
Ohne Kartoffeln
Geht, kostet dich aber genau das, wofür das Brot gemacht ist. Die 200 g Kartoffeln bringen rund 156 g Wasser mit, ersetz sie also durch 150 g zusätzliches Wasser. Das Brot fällt etwas kleiner aus, die Krume wird fester und es trocknet schneller. Nach drei Tagen merkst du den Unterschied deutlich.
Körner statt Cashews
Für ein kerniges Brot tauschst du die 80 g Cashews gegen 50 g Sonnenblumenkerne, 20 g Leinsamen und 10 g Sesam. Das gibt mehr Biss. Körner saugen anders als Nüsse, erhöh das Wasser deshalb auf 260 g. Wer lieber bei Nüssen bleibt, kann auch Walnüsse, Haselnüsse oder Mandeln nehmen. Walnüsse hab ich auch schon probiert, die gehen genauso gut. Entschieden hab ich mich trotzdem für Cashews, weil es Tausende Rezepte mit Walnüssen gibt. Haselnüsse sind milder. Röste sie vorher kurz in der Pfanne an, das macht deutlich mehr aus, als man denkt.
Das Rezept so, wie es dasteht, mit Dinkel und Weizen, Kartoffeln, Cashews und Sesam. Ich back den Kornkasten mindestens einmal die Woche, und die Kombination aus den nussigen Cashews und dem krossen Sesam ist für mich bisher durch nichts zu ersetzen.

Wenn der Kornkasten nicht so wird wie geplant
Ein paar Sachen gehen bei diesem Brot häufiger schief. Meistens steckt eine einfache Ursache dahinter, und die kriegst du in den Griff.
❌ Der Teig ist so nass, dass er sich nicht glattstreichen lässt
Statt eines schweren, klebrigen Teigs hast du etwas, das eher an Pfannkuchenteig erinnert und in der Form auseinanderläuft. Fast immer liegt das an den Kartoffeln. Festkochende Sorten enthalten mehr Wasser und weniger Stärke, und dieses Wasser landet komplett im Teig. Nimm mehlig kochende Kartoffeln, zum Beispiel Agria oder Aula. Wenn es beim nächsten Mal wieder passiert, geh mit dem Schüttwasser um 20 bis 30 g runter. Der Teig darf schwer und klebrig sein, fließen darf er nicht.
❌ Das Brot ist innen feucht und klebt am Messer
Du schneidest an, und die Krume schmiert. In den allermeisten Fällen war das Brot einfach noch zu warm. Vollkorn mit Kartoffeln braucht mindestens vier Stunden zum Auskühlen, über Nacht ist besser. Wenn das Brot komplett kalt war und trotzdem schmiert, hat die Backzeit gefehlt. Miss beim nächsten Mal die Kerntemperatur und geh auf 98 Grad, statt auf die Uhr zu schauen.
❌ Der Teig ist über Nacht kaum aufgegangen
Morgens steht der Teig noch fast so tief in der Form wie am Abend. Entweder war der Lievito Madre nicht fit genug, oder es war zu kalt. Unter 15 Grad passiert kaum noch etwas. Prüf, ob Luigi sich nach dem Füttern innerhalb von vier bis sechs Stunden verdoppelt. Tut er das nicht, füttere ihn ein paar Tage hintereinander, bevor du wieder backst. Und stell die Form etwas wärmer, 20 bis 22 Grad reichen völlig. Backen kannst du den Teig trotzdem, das Brot wird nur dichter.
❌ Der Teig ist über den Formrand gequollen
Das Gegenteil, und es passiert im Sommer schnell. Bei 23 Grad in der Küche ist der Teig nach acht Stunden fertig, nicht nach zwölf. Wenn er schon übergelaufen ist, back ihn trotzdem, das Brot wird flacher und etwas dichter, schmeckt aber. Beim nächsten Mal stell die Form kühler oder nimm nur 1 g Hefe statt 3 g, dann hast du wieder Luft.
❌ Das Brot geht nicht aus der Form
Du stürzt die Form und das Brot bleibt drin sitzen oder reißt beim Rausnehmen ein. Fast immer fehlt Fett, oder es war zu dünnflüssig und ist mit dem Sesam an den Wänden nach unten gelaufen. Dann fehlt genau dort die Trennschicht. Wenn es schon passiert ist, lass das Brot fünf Minuten in der Form stehen und fahr dann mit einem stumpfen Messer an den Innenwänden entlang. So löst es sich, ohne dass die Kruste abreißt.
Hydration und Co., für alle, die es genau wissen wollen
Fürs Backen brauchst du diese Tabelle nicht. Sie hilft, wenn du das Rezept anpassen oder mit anderen vergleichen willst. Der Lievito Madre ist dabei mitgerechnet, weil er selbst aus Mehl und Wasser besteht.
| Gesamtmehl (inkl. 67 g aus dem Lievito Madre) | 567 g |
| Gesamtwasser (inkl. 33 g aus dem LM und 156 g aus den Kartoffeln) | 429 g |
| Effektive Hydration | ca. 76 % |
| Hydration ohne das Kartoffelwasser | ca. 48 % |
| Teigausbeute (TA) | 176 |
| Salz | 2,1 % |
Der Lievito Madre ist mit 50 % Hydration geführt, die 100 g bestehen also aus 67 g Mehl und 33 g Wasser. Bei den gekochten Kartoffeln rechne ich mit 78 % Wasseranteil.
Wie fühlt sich der Teig an?
Die beiden Hydrationswerte sehen wild unterschiedlich aus, und beide stimmen. Aus Mehl und Wasser allein wären es nur 48 %, das wäre ein fester Teig. Weil die Kartoffeln ihr Wasser aber nach und nach abgeben, verhält sich der Teig wie einer mit 76 %, also weich und deutlich klebrig.
Formen kannst du ihn nicht, und das sollst du auch nicht. Er kommt direkt aus der Schüssel in die Form. Über Nacht wird er etwas fester, weil das Vollkorn nachquillt, bleibt aber weich. Das Salz liegt mit 2,1 % bewusst am oberen Rand, denn Vollkorn schmeckt sonst flach.
Noch Fragen zum Dinkelvollkornbrot mit Sauerteig? FAQ
Warum geht mein Dinkelvollkornbrot nicht auf?
Meistens fehlt Wasser. Vollkornmehl zieht deutlich mehr als helles Mehl, und ein zu trockener Teig hat nicht genug Dehnbarkeit, um Gas zu halten. Der zweite häufige Grund ist ein Starter, der nicht richtig fit ist. Er sollte sich nach dem Füttern in vier bis sechs Stunden verdoppeln. Und der dritte ist zu viel Kneten, gerade bei Dinkel.
Kann man mit Dinkelvollkornmehl Sauerteig machen?
Ja, das funktioniert sogar sehr gut. Dinkelvollkornmehl bringt viele wilde Hefen und Nährstoffe aus den Randschichten mit, deshalb springt so ein Ansatz meist zügig an. Er reift allerdings schneller als ein heller Ansatz, du musst also etwas genauer hinschauen, wann er auf dem Hochpunkt ist. Welches Mehl sich für welchen Starter eignet.
Welches Dinkelmehl ist am besten für Sauerteigbrot?
Kommt darauf an, was du backen willst. Für den Starter selbst nimm Dinkelvollkorn, da ist am meisten Nahrung drin. Für den Brotteig ist Type 630 das mildeste und hellste, Type 1050 kräftiger, und Vollkorn gibt den vollsten Geschmack, macht die Krume aber dichter. In diesem Rezept steckt reines Dinkelvollkorn, und die Kartoffeln gleichen die Dichte wieder aus.
Ist Dinkelvollkornbrot mit Sauerteig gesund?
Vollkorn liefert mehr Ballaststoffe, Mineralstoffe und B-Vitamine als helles Mehl, und die lange Sauerteiggare baut einen Teil der Phytinsäure ab, die sonst die Aufnahme von Eisen und Zink bremst. Dazu hält so ein Brot länger satt. Was es nicht ist: glutenfrei. Dinkel enthält Gluten, bei Zöliakie ist es also nichts.
Was sind mehlig kochende Kartoffeln und warum sind sie wichtig?
Mehlig kochende Sorten haben viel Stärke und wenig Wasser, sie zerfallen beim Kochen. Agria, Aula oder Afra funktionieren gut. Festkochende Sorten wie Linda oder Annabelle bringen zu viel Wasser mit, der Teig wird dann zu nass und das Brot schwer.
Kann ich das Brot auch ohne Lievito Madre backen?
Ja, dann arbeitest du nur mit Hefe. Nimm insgesamt 4 bis 5 g Frischhefe und lass den Teig sechs bis acht Stunden bei Raumtemperatur gehen. Nimm nicht mehr, sonst ist der Teig schon nach zwei Stunden fertig und fällt dir bis zum Morgen wieder zusammen. Das Brot schmeckt milder und hält sich nicht ganz so lange frisch.
Warum kommt Honig in den Teig?
Der Honig ist vor allem Futter für die Hefe beim Anspringen, und er bräunt die Kruste, weil Zucker beim Backen karamellisiert. Eine große Rolle spielt er bei 15 g auf 567 g Mehl nicht, du schmeckst ihn kaum heraus. Du kannst genauso gut 15 g Zucker nehmen.
Wie lange hält sich das Vollkornbrot?
Fünf bis sieben Tage bei Raumtemperatur, im Brotkasten oder in einem Geschirrtuch. In den Kühlschrank gehört es nicht, dort wird es schneller trocken. Einfrieren geht gut. Ich schneide es vorher in Scheiben, dann kann ich einzelne direkt in den Toaster stecken.

Dein Backzeiten-Rechner

Glemstaler Kornkasten – saftiges Dinkelvollkornbrot mit Sauerteig
Zutaten
- 250 g Dinkel-Vollkornmehl
- 250 g Weizen-Vollkornmehl
- 200 g Kartoffeln mehlig kochend, gekocht und fein zerdrückt
- 240 g Wasser kühl, 18 bis 20 °C
- 100 g Lievito Madre kalt aus dem Kühlschrank
- 15 g Honig
- 3 g Frischhefe für die Variante Lang nur 1 g
- 12 g Salz
- 80 g Cashewkerne grob gehackt
- Weiche Butter zum Ausstreichen
- 30 g Sesam
- 15 g Sesam
Kochutensilien
Zubereitung
- Koche 200 g mehlig kochende Kartoffeln weich, schäle sie und zerdrücke sie fein. Lass sie auf Zimmertemperatur abkühlen.

- Fette eine 30 cm Kastenform dick mit weicher Butter ein und streiche sie mit den Fingern in jede Ecke, gib 30 g Sesam hinein und drehe die Form, bis Boden und Wände bedeckt sind. Klopfe den Überschuss aus.

- Zupfe 100 g Lievito Madre in erbsengroße Stücke. Löse ihn zusammen mit 3 g Frischhefe und 15 g Honig in 220 g Wasser (18 bis 20 °C) auf. Behalte 20 g Wasser zurück.

- Rühre die zerdrückten Kartoffeln unter, bis die Masse gleichmäßig ist.

- Gib 250 g Dinkel-Vollkornmehl und 250 g Weizen-Vollkornmehl dazu und rühre etwa 2 Minuten, bis kein trockenes Mehl mehr sichtbar ist. Gib das restliche Wasser nur nach, wenn der Teig zu fest wirkt.

- Gib 80 g grob gehackte Cashewkerne und 12 g Salz dazu und rühre 1 Minute kräftig durch. Nicht kneten.

- Fülle den Teig in die Form und streiche die Oberfläche mit nasser Hand glatt.

- Streue 15 g Sesam gleichmäßig darüber.

- Decke die Form ab und stelle sie an einen Ort mit 18 bis 19 °C. Lass den Teig 10 bis 12 Stunden gehen, bis er etwa 1 cm unter dem Formrand steht.
- Heize den Ofen auf 230 °C Ober-/Unterhitze vor.
- Schneide das Brot einmal längs und mittig etwa 1 cm tief ein.
- Schiebe die Form in den Ofen und gieße 100 ml Wasser in eine hitzefeste Schale am Ofenboden.
- Backe das Brot 15 Minuten bei 230 °C. Öffne dann die Tür kurz, lass den Schwaden ab und reduziere auf 200 °C.
- Backe weitere 40 bis 45 Minuten, bis die Kerntemperatur 96 bis 98 °C erreicht. Die Klopfprobe ist bei diesem Brot unzuverlässig.
- Löse das Brot aus der Form und lass es 5 Minuten bei ausgeschaltetem Ofen auf dem Rost nachkrusten.
- Lass das Brot mindestens 4 Stunden auskühlen, besser über Nacht.
- Koche 200 g mehlig kochende Kartoffeln weich, schäle sie und zerdrücke sie fein. Lass sie auf Zimmertemperatur abkühlen.
- Fette eine 30 cm Kastenform dick mit weicher Butter ein und streiche sie mit den Fingern in jede Ecke, gib 30 g Sesam hinein und drehe die Form, bis Boden und Wände bedeckt sind. Klopfe den Überschuss aus.
- Zupfe 100 g Lievito Madre in erbsengroße Stücke. Löse ihn zusammen mit 1 g Frischhefe und 15 g Honig in 220 g Wasser (18 bis 20 °C) auf. Behalte 20 g Wasser zurück.
- Rühre die zerdrückten Kartoffeln unter, bis die Masse gleichmäßig ist.
- Gib 250 g Dinkel-Vollkornmehl und 250 g Weizen-Vollkornmehl dazu und rühre etwa 2 Minuten, bis kein trockenes Mehl mehr sichtbar ist. Gib das restliche Wasser nur nach, wenn der Teig zu fest wirkt.
- Gib 80 g grob gehackte Cashewkerne und 12 g Salz dazu und rühre 1 Minute kräftig durch. Nicht kneten.
- Fülle den Teig in die Form und streiche die Oberfläche mit nasser Hand glatt.
- Streue 15 g Sesam gleichmäßig darüber.
- Decke die Form ab und stelle sie an einen Ort mit 16 bis 18 °C. Lass den Teig 14 bis 16 Stunden gehen, bis er etwa 1 cm unter dem Formrand steht.
- Heize den Ofen auf 230 °C Ober-/Unterhitze vor.
- Schneide das Brot einmal längs und mittig etwa 1 cm tief ein.
- Schiebe die Form in den Ofen und gieße 100 ml Wasser in eine hitzefeste Schale am Ofenboden.
- Backe das Brot 15 Minuten bei 230 °C. Öffne dann die Tür kurz, lass den Schwaden ab und reduziere auf 200 °C.
- Backe weitere 40 bis 45 Minuten, bis die Kerntemperatur 96 bis 98 °C erreicht. Die Klopfprobe ist bei diesem Brot unzuverlässig.
- Löse das Brot aus der Form und lass es 5 Minuten bei ausgeschaltetem Ofen auf dem Rost nachkrusten.
- Lass das Brot mindestens 4 Stunden auskühlen, besser über Nacht.






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