Inhalt
- Was kommt in den Martins-Zwirbel?
- Zwei Zeitpläne für deinen Tag
- So backst du das rustikale Wurzelbrot
- Warum dieses Wurzelbrot ohne Kneten gelingt
- Das Zubehör, das ich für das rustikale Wurzelbrot benutze
- Vier Wurzelbrot-Variationen, die sich lohnen
- Wenn der Martins-Zwirbel nicht so wird wie geplant
- Hydration und Co. – für alle, die es genau wissen wollen
- Noch Fragen zum rustikalen Wurzelbrot? FAQ
- Hier ist die Rezeptkarte zum Ausdrucken
Wer schon mal durch den Sindelfinger Stiftsbezirk gelaufen ist, kennt die Martinskirche. Romanisch, fast 1.000 Jahre alt, mit einer Holzdecke aus dem 12. Jahrhundert, die bis heute hält. Draußen stehen alte Linden, deren Wurzeln sich krumm und knorrig durch den Boden arbeiten. Nichts hier ist gerade, nichts poliert. Das hat mich auf die Idee für dieses Brot gebracht.
Der Martins-Zwirbel ist ein gezwirbeltes Wurzelbrot ohne Kneten, aus Einkorn und Weizenmehl Type 1050. Einkorn ist Urgetreide und eines der ältesten kultivierten Körner überhaupt. Es bringt viele Carotinoide mit, natürliche Farbstoffe, die die Krume goldgelb färben. Zusammen mit dem kräftigen 1050er bekommst du ein Brot, das nussig und malzig schmeckt und eine Kruste hat, die beim Reinbeißen hält, was sie verspricht.
Geknetet wird nicht. Der Teig wird in der Schüssel gefaltet und dann gezwirbelt wie ein Handtuch, das man auswringt. In gut fünf Stunden hast du ein rustikales Brot, dass perfekt zum Vesper oder zum Grillen ist.
Backzeiten-Rechner
Wann muss ich anfangen?
Dein Backplan richtet sich nach deinem Tag, nicht umgekehrt. Sag dem Backzeiten-Rechner, wann du fertig sein möchtest, und er rechnet dir jeden Schritt bis zum Start zurück.
Was kommt in den Martins-Zwirbel?
Für 1 Wurzelbrot, ca. 660 g
| Weizenmehl Type 1050 | 260 g |
| Einkornmehl (hell) | 115 g |
| Wasser (lauwarm, ca. 30 °C) | 285 g |
| Wasser (Reserve, nach Bedarf) | bis 15 g |
| Frischhefe (oder 2,5 g Trockenhefe) | 7,5 g |
| Salz | 7,5 g |
| Honig oder Zucker | 4–5 g |

Zwei Zeitpläne für deinen Tag
Der Teig ist in beiden Fällen derselbe. Du entscheidest nur, ob er warm in einem Rutsch durchgeht oder ob er die Nacht im Kühlschrank verbringt.
Klassisch
Ablauf
Morgens anrühren, vier Runden Dehnen und Falten, danach gehen lassen und am Nachmittag backen. Alles an einem Stück.
Gesamtzeit
gut 5 Stunden (aktiv ~20 Minuten)
Charakter
Nussig und malzig, die Krume goldgelb und mittelporig. So schmeckst du das Einkorn am deutlichsten.
Lang
Ablauf
Nach dem letzten Dehnen und Falten zwirbelst du den Teigling, legst ihn aufs Blech und stellst ihn abgedeckt in den Kühlschrank. Morgens 30 Minuten akklimatisieren lassen und backen.
Gesamtzeit
ca. 12–14 Stunden über 2 Tage (aktiv ~20 Minuten)
Charakter
Milder und runder im Aroma, die Porung wird unregelmäßiger. Dafür ist morgens fast nichts mehr zu tun.
So backst du das rustikale Wurzelbrot
Teig anrühren – 10 Minuten echte Arbeit
Löse die Hefe und den Honig im lauwarmen Wasser auf. Rühre kurz um, bis die Hefe sich aufgelöst hat. Gib die beiden Mehlsorten und das Salz in eine große Schüssel und vermische alles kurz mit einem Löffel. Gieße 285 g vom Hefewasser dazu und verrühre alles mit einem stabilen Holzlöffel oder einer Teigkarte, bis kein trockenes Mehl mehr sichtbar ist. Das dauert 2–3 Minuten.



Schau dir den Teig jetzt an. Er soll weich und leicht klebrig sein, aber nicht flüssig. Wenn du trockene Stellen siehst, gib die restlichen 15 g Wasser dazu. Aber vorsichtig. Einkorn nimmt Wasser langsamer auf als moderner Weizen. Bei meinen ersten Versuchen habe ich alles auf einmal reingekippt und hatte eine klebrige Pampe in der Schüssel. Seitdem gieße ich die letzten 15 g immer schluckweise nach.
Decke die Schüssel mit einem feuchten Tuch oder einem Teller ab.
Ich stelle die Schüssel auf die Arbeitsplatte neben den Herd, nicht in den Backofen oder auf die Heizung. Der Teig braucht 22–25 °C. Wird er wärmer als 30 °C, arbeitet die Hefe zu schnell und der Geschmack bleibt flach.
Dehnen und Falten statt Kneten
Nach 30 Minuten Ruhezeit machst du den ersten Satz Stretch & Fold. Feuchte deine Hände an, greife den Teig an einer Seite, ziehe ihn vorsichtig nach oben, bis er Widerstand gibt, und falte ihn zur Mitte. Drehe die Schüssel um 90 Grad und wiederhole das. Insgesamt vier Mal pro Satz, also einmal von jeder Seite.
Dieses Dehnen und Falten ersetzt das Kneten. Es baut Spannung im Teig auf und stärkt das Klebergerüst, das Netz aus Glutenproteinen, das dem Brot seine Struktur gibt. Bei Einkorn ist das die einzig sinnvolle Methode. Der Kleber von Einkorn ist empfindlich. In der Knetmaschine bricht er zusammen, und du hast einen formlosen, klebrigen Klumpen. Per Hand und mit feuchten Fingern klappt es deutlich besser.
Vier Sätze im Abstand von je 30 Minuten. Beim ersten Mal fühlt sich der Teig noch schlabbrig an, fast wie dicker Pfannkuchenteig. Lass dich davon nicht irritieren. Nach dem vierten Satz merkst du den Unterschied. Er ist glatter, elastischer und hält seine Form in der Schüssel.
Stockgare – der Teig arbeitet alleine
Nach dem letzten Stretch & Fold deckst du die Schüssel wieder ab und lässt den Teig in Ruhe. Er braucht noch 1,5 bis 2 Stunden bei Raumtemperatur. Bäcker nennen diese Phase Stockgare. Die Hefe verdoppelt in dieser Zeit das Teigvolumen, und nebenbei bauen Enzyme im Mehl Stärke zu Zucker ab. Das ist der Grund, warum ein Brot mit langer Gare so viel besser schmeckt als eins, das du in einer Stunde durchpeitschst.
Woran erkennst du, dass der Teig fertig ist? Er hat sich etwa verdoppelt, und an der Oberfläche siehst du Blasen. Drücke mit dem Finger leicht rein. Kommt die Delle langsam zurück, aber nicht ganz, dann ist er bereit. Kommt sie sofort zurück, braucht er noch 20–30 Minuten. Kommt sie gar nicht zurück, ist er überreif. Dann zügig formen, nicht mehr warten.
Zwirbeln – so wird aus Teig eine Wurzel
Jetzt wird’s mehlstaubig. Bestäube deine Arbeitsfläche großzügig mit Mehl. Wirklich großzügig, nicht zaghaft. Beim ersten Mal habe ich gespart und den Teig dann von der Arbeitsplatte kratzen müssen, die ganze Luft war weg. Einkornteig klebt wie verrückt, und beim Formen willst du ihn so wenig wie möglich anfassen.
Kippe den Teig vorsichtig aus der Schüssel auf die bemehlte Fläche. Nicht kneten, nicht drücken, nicht entgasen. Die Luft im Teig soll drinbleiben, sie macht die Krume später locker und ungleichmäßig. Genau das willst du bei einem Wurzelbrot.
Forme den Teig vorsichtig zu einem länglichen Strang, etwa 35–40 cm lang. Schneide den Strang der Länge nach mit einer Teigkarte oder einem scharfen Messer in zwei Hälften, aber lass die beiden Stränge an einem Ende verbunden. Dann drehst du die beiden Hälften vorsichtig umeinander, wie ein Seil. Nicht zu fest. Die unregelmäßige, verdrehte Form ist gewollt, das ist die Wurzel. Durch die Drehung baust du Oberflächenspannung auf, und die hält das Brot im Ofen in Form.
Lege den Teigling auf ein mit Backpapier belegtes Blech, bestäube ihn mit Mehl und decke ihn locker mit einem Tuch ab. 20–30 Minuten ruhen lassen. In der Zeit heizt du den Ofen vor.
Das überschüssige Mehl klopfst du nach dem Zwirbeln einfach ab. Aber einen festgeklebten Teigling kriegst du nicht mehr gerettet.
Backen mit Dampf für eine krosse Kruste
Heize den Ofen mindestens 30 Minuten auf 240 °C Ober-/Unterhitze vor. Die leere, ofenfeste Metallschale kommt gleich mit rein, auf den Ofenboden oder die unterste Schiene. Lauwarmes Metall erzeugt später keinen Dampf.
Schiebe das Blech mit dem Teigling in den Ofen und gieße sofort eine halbe Tasse Wasser (ca. 100 ml) in die heiße Metallschale. Ofentür zu, so schnell es geht. Dann die Temperatur auf 220 °C runterdrehen. Der Dampf hält die Oberfläche in den ersten Minuten feucht, und dadurch kann der Teig noch aufgehen, bevor die Kruste fest wird. Ohne Dampf reißt die Kruste unkontrolliert auf und das Brot bleibt flacher.
Nach 10 Minuten öffnest du die Ofentür für ein paar Sekunden und lässt den Dampf ab. Drehe die Temperatur auf 200 °C runter. Ab jetzt willst du trockene Hitze, damit die Kruste kross wird. Die Zucker an der Oberfläche karamellisieren, und das Brot bekommt seine goldbraune Farbe.
Insgesamt 20–25 Minuten backen. Fertig ist das Brot, wenn die Kruste dunkelgoldbraun ist und es beim Klopfen auf die Unterseite hohl klingt. Wer ein Thermometer hat, sticht in die dickste Stelle. Bei 96 °C ist das Brot durch. Bei mir waren es beim ersten Versuch 22 Minuten, aber jeder Ofen ist anders. Schau nach 18 Minuten zum ersten Mal rein.
Dann auf ein Gitter und mindestens 30 Minuten auskühlen lassen. Ich weiß, das ist schwer. Aber wenn du zu früh reinschneidest, ist die Krume noch feucht und klebrig, weil der Dampf im Inneren nicht entwichen ist. Das Warten lohnt sich.



Warum dieses Wurzelbrot ohne Kneten gelingt
Quellzeit statt Knetmaschine
Ein Klebergerüst entsteht nicht nur durch Kraft, sondern auch durch Zeit. Sobald Mehl und Wasser zusammen sind, quellen die Eiweiße auf und verbinden sich von selbst zu einem Netz. Eine Knetmaschine beschleunigt das nur. Bei diesem Teig übernehmen die vier Runden Dehnen und Falten die Ausrichtung, den Rest macht die Ruhezeit dazwischen. Das ist auch der Grund, warum hier 76 Prozent Wasser im Teig funktionieren, ohne dass du ein Gerät brauchst.
Einkorn und sein empfindlicher Kleber
Einkorn hat viel Eiweiß, aber das Netz, das daraus entsteht, ist weich und reißt schnell. In der Maschine wird es überdehnt und fällt zusammen, übrig bleibt eine klebrige Masse. Deshalb sind nur 115 der 375 Gramm Mehl Einkorn, den Rest trägt das Weizenmehl Type 1050. Das 1050er bringt das stabile Gerüst mit, das Einkorn den goldgelben Ton und das nussige Aroma. Wie sich die anderen alten Sorten im Teig verhalten, habe ich beim Brotbacken mit Urgetreide aufgedröselt.
Der Honig arbeitet doppelt
Die vier bis fünf Gramm Honig sind zu wenig, um das Brot süß zu machen. Am Anfang sind sie Futter für die Hefe, die dadurch schneller in Gang kommt. Was davon übrig bleibt, karamellisiert später an der Oberfläche und färbt die Kruste dunkler. Ohne Honig wird das Brot nicht schlechter, es bleibt nur blasser.
Das Zubehör, das ich für das rustikale Wurzelbrot benutze
Bei einem Teig ohne Kneten mein liebstes Werkzeug. Damit hast du das klebrige Zeug in Sekunden verrührt.
Damit schneide ich den Strang der Länge nach auf, ohne den Teig zu quetschen. Eine weiche Karte reicht dafür nicht.
Bei 96 °C Kerntemperatur ist dieses Brot durch. Damit rät man nicht mehr, ob es fertig ist.
Hier kannst du meine komplette Backausrüstung anschauen.

Vier Wurzelbrot-Variationen, die sich lohnen
Mit Sesam-Kruste
Wälze den gezwirbelten Teigling vor dem Backen in Sesam. Drücke die Samen leicht an, damit sie halten. Der Sesam röstet im Ofen mit und gibt dem Brot eine nussige, aromatische Schicht. Zum Einkorn passt das richtig gut, weil sich die nussigen Aromen ergänzen. An der Backzeit ändert sich nichts, aber heize den Ofen nur auf 230 °C statt 240 °C vor und drehe auf 200 °C runter, damit der Sesam nicht verbrennt. Ich habe das mal ohne Sesam und mal mit probiert, mit Sesam ist es für mich die klar bessere Variante.
Dinkel statt Einkorn
Wenn du kein Einkornmehl bekommst, nimm 115 g Dinkelmehl Type 630. Der Geschmack wird nussiger und etwas kräftiger, die Krume bleibt aber heller als mit Einkorn. Dinkel bindet etwas weniger Wasser als Einkorn, starte deshalb mit 275 g Wasser und taste dich langsam vor. Die Stretch & Folds bleiben gleich, aber sei beim Formen etwas vorsichtiger. Dinkelkleber reißt schneller als Weizenkleber, wenn du zu grob arbeitest. Die Backzeit bleibt bei 20–25 Minuten.
Ruchmehl-Version
Von allen Varianten hat mich diese am meisten überrascht. Ruchmehl statt Type 1050, und das Brot schmeckt, als wäre es ein komplett anderes Rezept. Die Kruste wird dunkler und rustikaler, das Aroma intensiver, fast leicht bitter. Ruchmehl hat noch mehr Schalenanteil als Type 1050, deshalb diese Tiefe im Geschmack. Die Wassermenge bleibt gleich, weil Ruchmehl ähnlich viel bindet. Wenn du gerne kräftige Brote magst, probier das unbedingt.
Mit Walnüssen und Honig
Gib 50 g grob gehackte Walnüsse nach dem dritten Stretch & Fold zum Teig und arbeite sie mit einem weiteren Faltdurchgang ein. Erhöhe den Honig auf 10 g. Die Walnüsse geben dem Brot Biss und einen herben Kontrast zum süßlichen Einkorn. Der Honig karamellisiert an der Kruste und verstärkt die goldene Farbe. Nicht zu fein hacken, grobe Stücke sind besser, weil sie beim Kauen auffallen.
Wenn dir das Einkorn schmeckt, magst du vielleicht auch meine Einkorn-Dinkel-Brötchen mit langer Gare.
Die Ruchmehl-Version mit der langen Gare über Nacht. Das Ruchmehl gibt dem Brot eine fast würzige Tiefe, und die kalte Gare im Kühlschrank rundet alles ab. Morgens den Ofen anwerfen, 25 Minuten backen, fertig. So starte ich am liebsten ins Wochenende.

Wenn der Martins-Zwirbel nicht so wird wie geplant
Ein paar Sachen gehen bei diesem Brot häufiger schief. Meistens steckt eine einfache Ursache dahinter, und die kriegst du in den Griff.
❌ Der Teig klebt an den Händen und lässt sich nicht formen
Das passiert fast immer, wenn die Arbeitsfläche zu wenig bemehlt ist. Einkornteig ist von Natur aus klebriger als reiner Weizenteig, weil Einkorn ein schwächeres Klebergerüst hat. Bestäube die Arbeitsfläche wirklich dick mit Mehl, bevor du den Teig darauf gibst. Auch die Teigkarte und deine Hände sollten bemehlt sein. Wenn der Teig trotzdem klebt, hast du möglicherweise zu viel Wasser verwendet. Beim nächsten Mal mit 285 g starten und die 15 g Reserve nur bei Bedarf nachgießen. Feuchte Hände funktionieren beim Stretch & Fold, beim Formen und Zwirbeln ist Mehl die bessere Wahl.
❌ Das Brot ist flach geworden und kaum aufgegangen
Das kann drei Ursachen haben. Erstens war die Stockgare zu kurz und die Hefe hatte nicht genug Zeit. Prüfe, ob sich der Teig mindestens verdoppelt hat, bevor du ihn formst. Zweitens war der Teig überreif. Wenn er beim Eindrücken gar nicht mehr zurückfedert und sich fast flüssig anfühlt, hat die Hefe zu lange gearbeitet und das Klebergerüst ist zusammengefallen. In dem Fall hilft beim nächsten Mal eine kürzere Stockgare oder eine kühlere Umgebung. Drittens wurde beim Formen zu viel gedrückt und geknetet. Das zerstört die Gasstruktur. Kippe den Teig sanft raus, teile ihn und zwirble ihn vorsichtig. Weniger ist mehr.
❌ Die Kruste ist blass und weich, nicht kross
Meistens fehlt der Schwaden. Ohne Dampf in den ersten 10 Minuten trocknet die Oberfläche zu schnell aus und bildet eine blasse, ledrige Kruste. Achte darauf, dass du das Wasser in eine richtig heiße Schale gießt, die mindestens 30 Minuten mit vorgeheizt wurde. Lauwarmes Metall erzeugt keinen Dampf. Als zweite Ursache kommt ein zu kühler Ofen infrage. 240 °C zum Vorheizen sollten es mindestens sein, dann auf 220 °C runterdrehen. Und prüfe, ob du wirklich Ober-/Unterhitze eingestellt hast, nicht Umluft. Umluft trocknet das Brot zu schnell aus, noch bevor es richtig aufgeht.
❌ Die Krume ist innen noch klebrig, obwohl die Kruste braun ist
Länger backen und länger auskühlen. Klopfe auf die Unterseite, es muss hohl klingen. Wer ein Thermometer hat, misst nach, bei 96 °C ist das Brot durch. Und dann mindestens 30 Minuten auf dem Gitter stehen lassen, bevor du anschneidest. Beim Auskühlen zieht der Dampf aus der Krume und die Struktur wird fest.
❌ Die Zwirbelform ist beim Backen verschwunden, das Brot ist breit gelaufen
Der Teig hatte zu wenig Spannung. Beim Zwirbeln muss der Strang unter leichter Spannung stehen, damit die Form im Ofen hält. Wenn du den Teig nur locker zusammenlegst, fließt er auseinander. Drehe die beiden Enden etwas fester gegeneinander, wie ein Handtuch, das du auswringst. Aber nicht reißen lassen. Außerdem hilft eine kürzere Stückgare. Lass den gezwirbelten Teigling nur 15–20 Minuten stehen statt 30, wenn dein Teig sehr weich ist. Je länger der Teigling steht, desto mehr verliert er seine Spannung.
Hydration und Co. – für alle, die es genau wissen wollen
Dieser Teil ist für alle, die gern mit Zahlen arbeiten. Fürs Backen selbst brauchst du die Tabelle nicht, aber sie hilft, wenn du das Rezept anpassen oder mit anderen Rezepten vergleichen willst.
| Gesamtmehl | 375 g |
| Gesamtwasser | 285–300 g |
| Hydration | 76–80 % |
| Teigausbeute (TA) | 176–180 |
| Salz | 2,0 % |
Wie fühlt sich der Teig an?
Mit 285 Gramm Wasser ist der Teig weich und leicht klebrig, lässt sich aber gut greifen. Einkorn macht ihn etwas schlüpfriger als einen reinen Weizenteig. Nach den vier Runden Dehnen und Falten wird er deutlich glatter und hält seine Form in der Schüssel. Wenn du die volle Reserve von 15 Gramm dazugibst, fließt er stärker und die Porung wird offener, dafür ist das Zwirbeln anspruchsvoller. Beim ersten Mal bleib bei 285 Gramm.

Noch Fragen zum rustikalen Wurzelbrot? FAQ
Welches Mehl eignet sich fürs Wurzelbrot?
Ein kräftiges helles Mehl als Basis und ein aromatisches Mehl obendrauf. Bei mir sind das 260 g Weizenmehl Type 1050 und 115 g Einkorn. Reines 550er geht auch, dann wird das Brot milder und die Krume heller. Vollkornmehl würde ich hier nicht nehmen, das macht den Teig zu schwer zum Zwirbeln.
Kann ich Trockenhefe statt Frischhefe nehmen?
Ja. Nimm 2,5 g Trockenhefe statt der 7,5 g Frischhefe, das ist ein Drittel der Menge. Rühre sie direkt ins lauwarme Wasser mit dem Honig und warte fünf Minuten, bis sich Schaum zeigt. Am Zeitplan ändert sich nichts.
Kann ich den Martins-Zwirbel auch mit Sauerteig statt Hefe backen?
Ja, aber du musst den Zeitplan anpassen. Ersetze die 7,5 g Frischhefe durch 75 g aktives Weizen-Anstellgut und nimm nur noch etwa 275 g Schüttwasser, weil der Starter selbst rund 37 g Wasser mitbringt. Damit bleibst du bei derselben Teigkonsistenz wie im Grundrezept. Die Stockgare dauert dann 5 bis 7 Stunden statt 3,5 bis 4. Die lange Gare über Nacht funktioniert mit Sauerteig sogar noch besser, weil die kalte Gare die milden Säuren verstärkt, die gut zum nussigen Einkorn passen.
Funktioniert das Rezept auch im Gusseisentopf?
Vom Prinzip ja, aber die Wurzelform passt nicht in einen runden Topf. Wenn du im Gusseisentopf backen willst, forme den Teig lieber zu einem runden Laib statt ihn zu zwirbeln. Dann brauchst du auch keinen Schwaden, weil der geschlossene Topf die Feuchtigkeit einschließt. Die Backzeit verlängert sich auf 30 Minuten mit Deckel und 10 bis 15 Minuten ohne.
Kann ich die Teigmenge verdoppeln, um zwei Brote zu backen?
Verdoppeln geht, aber back die beiden Brote nicht gleichzeitig auf einem Blech. Zwei Teiglinge nebeneinander stören sich gegenseitig beim Ofentrieb und der Dampf verteilt sich schlechter. Back lieber nacheinander, oder lege das zweite Brot geformt in den Kühlschrank, bis das erste fertig ist. Die kalte Gare tut dem zweiten Brot sogar gut.
Ist Einkorn für Menschen mit Weizenunverträglichkeit besser verträglich?
Einkorn enthält Gluten, ist also bei Zöliakie nicht geeignet. Bei einer leichten Weizensensitivität berichten manche, dass sie Einkorn besser vertragen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass Einkorn andere Glutenstrukturen hat als moderner Weizen. Aber das ist keine medizinische Aussage. Wenn du unsicher bist, sprich vorher mit deinem Arzt.
Wie lange hält sich Einkornmehl, und muss ich es besonders lagern?
Einkornmehl wird schneller ranzig als normales Weizenmehl, weil es mehr ungesättigte Fettsäuren enthält. Helles Einkornmehl hält sich kühl und trocken gelagert etwa 3 bis 4 Monate, Vollkorn-Einkorn nur 6 bis 8 Wochen. Im Sommer oder bei warmem Lagerort besser im Kühlschrank aufbewahren. Wenn das Mehl bitter riecht, ist es hinüber.
Mein Brot hat eine tolle Kruste, schmeckt aber fad, woran liegt das?
Meistens an zu wenig Salz oder zu kurzer Stockgare. Salz unter 1,8 Prozent der Mehlmenge ergibt ein flaches Aroma, egal wie gut die Kruste aussieht. Wiege das Salz mit der Waage ab, nicht mit dem Teelöffel, der schwankt je nach Salzsorte zwischen 5 und 10 g. Der zweite Grund ist die Zeit. Wenn du den Teig nach 2 Stunden schon formst, hatten die Enzyme zu wenig Zeit, Geschmacksstoffe aufzubauen. Lass ihn ruhig die vollen 3,5 bis 4 Stunden stehen, auch wenn er vorher schon verdoppelt aussieht.
Dein Backzeiten-Rechner
Hier ist die Rezeptkarte zum Ausdrucken

Martins-Zwirbel – rustikales Wurzelbrot mit Einkorn
Zutaten
- 260 g Weizenmehl Type 1050
- 115 g Einkornmehl (hell)
- 285 g Wasser (lauwarm, ca. 30 °C)
- bis 15 g Wasser (Reserve, nach Bedarf)
- 7,5 g Frischhefe (oder 2,5 g Trockenhefe)
- 7,5 g Salz
- 4-5 g Honig oder Zucker
Kochutensilien
Zubereitung
- Löse die Hefe und den Honig in 285 g lauwarmem Wasser auf.
- Vermische 260 g Weizenmehl Type 1050, 115 g Einkornmehl und 7,5 g Salz in einer großen Schüssel.
- Gieße das Hefewasser dazu und verrühre alles, bis kein trockenes Mehl mehr sichtbar ist. Gib bei trockenen Stellen die 15 g Reserve schluckweise nach.
- Decke die Schüssel mit einem feuchten Tuch oder einem Teller ab.
- Mache nach 30 Minuten das erste Stretch & Fold: Ziehe den Teig von jeder Seite nach oben und falte ihn zur Mitte. Wiederhole das insgesamt 4 Mal im Abstand von je 30 Minuten.
- Lass den Teig danach weitere 1,5 bis 2 Stunden abgedeckt bei 22 bis 25 °C gehen, bis er sich verdoppelt hat.
- Bemehle die Arbeitsfläche großzügig und kippe den Teig vorsichtig darauf. Forme ihn zu einem Strang von 35 bis 40 cm Länge.
- Schneide den Strang der Länge nach in zwei Hälften, lass sie aber an einem Ende verbunden. Drehe beide Hälften vorsichtig umeinander, wie ein Seil.
- Lege den Teigling auf ein mit Backpapier belegtes Blech, bestäube ihn mit Mehl und lass ihn 20 bis 30 Minuten abgedeckt ruhen.
- Heize den Ofen mindestens 30 Minuten auf 240 °C Ober-/Unterhitze vor, mit einer leeren Metallschale auf dem Ofenboden.
- Schiebe das Blech in den Ofen, gieße 100 ml Wasser in die heiße Metallschale und schließe die Ofentür sofort. Drehe die Temperatur auf 220 °C runter.
- Öffne nach 10 Minuten die Ofentür kurz, lass den Dampf ab und drehe die Temperatur auf 200 °C runter.
- Backe das Brot insgesamt 20 bis 25 Minuten, bis die Kruste dunkelgoldbraun ist und die Kerntemperatur 96 °C erreicht.
- Lass das Brot auf einem Gitter mindestens 30 Minuten auskühlen, bevor du es anschneidest.
- Löse die Hefe und den Honig in 285 g lauwarmem Wasser auf.
- Vermische 260 g Weizenmehl Type 1050, 115 g Einkornmehl und 7,5 g Salz in einer großen Schüssel.
- Gieße das Hefewasser dazu und verrühre alles, bis kein trockenes Mehl mehr sichtbar ist. Gib bei trockenen Stellen die 15 g Reserve schluckweise nach.
- Decke die Schüssel mit einem feuchten Tuch oder einem Teller ab.
- Mache nach 30 Minuten das erste Stretch & Fold: Ziehe den Teig von jeder Seite nach oben und falte ihn zur Mitte. Wiederhole das insgesamt 4 Mal im Abstand von je 30 Minuten.
- Bemehle die Arbeitsfläche großzügig und kippe den Teig direkt nach dem vierten Stretch & Fold darauf. Forme ihn zu einem Strang von 35 bis 40 cm Länge.
- Schneide den Strang der Länge nach in zwei Hälften, lass sie an einem Ende verbunden und drehe beide Hälften umeinander.
- Lege den Teigling auf ein mit Backpapier belegtes Blech, bestäube ihn mit Mehl, decke ihn ab und stelle ihn für 8 bis 12 Stunden in den Kühlschrank.
- Nimm ihn am nächsten Morgen heraus und lass ihn 30 Minuten bei Raumtemperatur akklimatisieren.
- Heize den Ofen mindestens 30 Minuten auf 240 °C Ober-/Unterhitze vor, mit einer leeren Metallschale auf dem Ofenboden.
- Schiebe das Blech in den Ofen, gieße 100 ml Wasser in die heiße Metallschale und schließe die Ofentür sofort. Drehe die Temperatur auf 220 °C runter.
- Öffne nach 10 Minuten die Ofentür kurz, lass den Dampf ab und drehe die Temperatur auf 200 °C runter.
- Backe das Brot insgesamt 20 bis 25 Minuten, bis die Kruste dunkelgoldbraun ist und die Kerntemperatur 96 °C erreicht.
- Lass das Brot auf einem Gitter mindestens 30 Minuten auskühlen, bevor du es anschneidest.






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