Inhalt
- Was kommt in die Urkorn-Bobbel?
- Zwei Zeitpläne für deinen Tag
- So backst du die Urkorn-Bobbel
- Warum die Einkorn-Brötchen saftig bleiben
- Das Zubehör, das ich für die Urkorn-Bobbel benutze
- Fünf Variationen für die Einkorn-Dinkel-Brötchen
- Wenn die Bobbel nicht so werden wie geplant
- Hydration und Co., für alle, die es genau wissen wollen
- Noch Fragen zu den Urkorn-Bobbel? FAQ
- Hier ist die Rezeptkarte zum Ausdrucken
Meine Oma hat immer Knauzen mitgebracht, wenn sie zu uns gekommen ist. Das ist eine Brötchenspezialität aus Oberschwaben, meist aus Dinkelmehl, mit sehr viel Wasser im Teig und einer Reife über Nacht. Beim Backen bekommen sie dadurch ihre urige, knorrige Form. Heute sind meine Urkorn-Bobbel die Version, die bei mir daraus geworden ist. Es sind Einkorn-Brötchen mit Dinkel, die über Nacht im Kühlschrank reifen.
Ein Bobbel ist bei uns eine kleine runde Kugel, und genau so sehen sie aus. Ich backe sie aus Einkorn und Dinkel, mit einem Poolish fürs Aroma und einem Mehlkochstück, das die Krume saftig hält. Einkorn ist das älteste Getreide, das wir kennen. Es schmeckt intensiv nussig, fast ein bisschen buttrig, und ganz anders als das, was du beim Bäcker bekommst. Wenn du noch nie mit Urgetreide gebacken hast, ist das hier ein guter Einstieg.
Außen knusprig, innen weich und saftig, und am nächsten Tag immer noch. Ein Einsteiger-Rezept ist es trotzdem nicht. Einkorn ist einfach anders als Dinkel und verträgt weniger Wasser, das hab ich aber nicht gewusst, als ich mit Urgetreide angefangen habe. Mein erster Einkorn-Teig war ein klebriges Chaos. Mittlerweile behalte ich einen Teil des Schüttwassers zurück, und wenn ich das Gefühl habe, der Teig ist zu trocken und zu fest, gebe ich davon noch was dazu.
Für die Bobbel brauchst du je nach Zeitplan gut zwanzig bis fünfundzwanzig Stunden, aktiv stehst du davon etwa 35 Minuten in der Küche. Kochstück und Poolish setzt du am Nachmittag an, den Hauptteig knetest du abends, über Nacht bleibt der Teig im Kühlschrank, und am nächsten Morgen backst du.

Backzeiten-Rechner
Wann muss ich anfangen?
Dein Backplan richtet sich nach deinem Tag, nicht umgekehrt. Sag dem Backzeiten-Rechner, wann du fertig sein möchtest, und er rechnet dir jeden Schritt bis zum Start zurück.
Was kommt in die Urkorn-Bobbel?
Für 10 Bobbel, je etwa 100 g. Das Rezept läuft über drei Stufen, die nacheinander drankommen. Wenn du kein Einkornmehl bekommst, steht bei den Variationen, wie du komplett auf Dinkel umstellst.
| Einkornmehl (hell) | 30 g |
| Wasser | 150 g |
| Dinkelmehl Type 630 | 120 g |
| Wasser (lauwarm) | 120 g |
| Frischhefe (Klassisch 0,5 g / Schnell 1,2 g) | 0,5 g |
| Das komplette Mehlkochstück | 180 g |
| Der komplette Poolish | 240 g |
| Buttermilch (kalt) | 180 g |
| Einkornmehl (hell) | 250 g |
| Dinkelmehl Type 630 | 200 g |
| Frischhefe | 2 g |
| Butter (weich) | 20 g |
| Salz | 12 g |
Nimm von den 180 g Buttermilch erst 160 g in den Teig und stell den Rest daneben. Einkorn verträgt weniger Wasser als Dinkel, und wie viel genau, hängt von deinem Mehl ab.
Wenn sich der Teig nach dem Kneten zu fest anfühlt, gibst du den Rest schluckweise dazu.
Zwei Zeitpläne für deinen Tag
Der Teig bleibt bei beiden Plänen derselbe, es ändert sich nur die Hefemenge im Poolish. Weniger Hefe heißt längere Reifezeit, und die bringt mehr Aroma in die Bobbel.
Schnell
Ablauf
1,2 g Frischhefe in den Poolish, reif in etwa 3 Stunden. Poolish am späten Nachmittag ansetzen, abends den Hauptteig kneten, über Nacht in den Kühlschrank, morgens backen.
Gesamtzeit
rund 21 Stunden
Charakter
Mild und deutlich hefig. Das Nussige vom Einkorn steht klar vorne, die Krume wird fein und gleichmäßig.
Klassisch
Ablauf
0,5 g Frischhefe in den Poolish, reif in 5 bis 6 Stunden. Poolish am frühen Nachmittag ansetzen, abends den Hauptteig kneten, über Nacht in den Kühlschrank, morgens backen.
Gesamtzeit
rund 25 Stunden
Charakter
Nussig mit einer leichten Fruchtnote aus dem Poolish. Für mich der ausgewogenste von beiden.
Die Zeitangaben gelten für eine Küche mit 21 bis 22 Grad. Steht deine Schüssel im Sommer bei 26 Grad, ist der Poolish deutlich früher so weit.
Er ist reif, wenn er sein Volumen fast verdoppelt hat und die Oberfläche voller Blasen ist. Sinkt die Mitte schon wieder ein, war er zu lange dran.
So backst du die Urkorn-Bobbel
Schritt 1 – Kochstück und Poolish, beide am Nachmittag
Für das Kochstück kommen 30 g Einkornmehl und 150 g Wasser in einen kleinen Topf. Erhitze die Masse auf mittlerer Stufe und rühre dabei durchgehend weiter. Nach drei bis fünf Minuten zieht sie plötzlich an und wird dick wie Pudding. Genau da nimmst du den Topf runter. Leg die Frischhaltefolie direkt auf die Oberfläche, sonst zieht sie eine Haut. Auf Zimmertemperatur abkühlen lassen, dann in den Kühlschrank.
Den Poolish rührst du in einer Schüssel oder einem großen Glas an. 120 g Dinkelmehl Type 630, 120 g lauwarmes Wasser und die Frischhefe, je nach Zeitplan 0,5 g oder 1,2 g. Das sieht aus wie dicker Pfannkuchenteig. Abgedeckt bei Zimmertemperatur reifen lassen, bis er sein Volumen fast verdoppelt hat und oben voller Blasen ist.
Rühr das Mehl in das kalte Wasser ein, bevor der Topf auf den Herd kommt, und nimm dafür den Schneebesen statt einen Löffel.
Wenn das Mehl in warmes Wasser fällt, verkleistert es sofort an der Oberfläche und schließt trockene Nester ein. Die kriegst du danach nicht mehr raus, die schwimmen dir bis in den fertigen Teig mit.
Schritt 2 – Autolyse, eine Stunde, in der du nichts tust
Gib das Kochstück, den Poolish und 160 g von der kalten Buttermilch in die Schüssel deiner Küchenmaschine. Die restlichen 20 g stellst du daneben. Verrühr alles grob mit einem Löffel, bis sich das Kochstück aufgelöst hat. Dann kommen 250 g Einkornmehl und 200 g Dinkelmehl dazu, und du mischst auf der langsamsten Stufe, bis kein trockenes Mehl mehr zu sehen ist.
Der Teig ist jetzt rau und zottelig, das ist richtig so. Deck die Schüssel ab und lass ihn 60 Minuten ruhen. In dieser Stunde entspannt sich der Dinkel und das Einkorn quillt vor. Danach lässt sich der Teig deutlich leichter kneten. Mehr dazu, was in einer Autolyse passiert, steht im eigenen Artikel.
Schritt 3 – Hauptteig kneten, kurz halten
2 g Frischhefe und die 20 g weiche Butter dazu, dann vier Minuten auf der kleinsten Stufe kneten. Der Teig verbindet sich und wird geschmeidiger. Jetzt kommen die 12 g Salz dazu, und du knetest noch ein bis zwei Minuten, bis sie eingearbeitet sind.
Das ist der Moment für die 20 g Buttermilch, die daneben stehen. Fühlt sich der Teig fest und trocken an, gib sie schluckweise nach. Fühlt er sich gut an, lässt du sie weg.
Der Knettest fällt bei Urgetreide anders aus als bei Weizen. Zieh ein Stück Teig vorsichtig auseinander. Er darf reißen. Einkorn und Dinkel bilden kein Klebergerüst, das eine dünne Haut hält. Der Teig muss nur homogen aussehen und nicht mehr zottelig. Dann hörst du auf.
Schritt 4 – Stockgare mit zweimal Dehnen und Falten
Gib den Teig in eine leicht geölte Wanne oder Schüssel und deck sie luftdicht ab. 75 Minuten bei Zimmertemperatur.
Nach 30 Minuten dehnst und faltest du einmal. Greif mit nassen Händen unter den Teig, zieh ihn an einer Seite hoch und leg ihn zur Mitte. Dann die Schüssel eine Vierteldrehung weiter und das Gleiche nochmal, einmal rundherum. Nach 60 Minuten wiederholst du das. Am Ende sollte der Teig sichtbar aufgegangen sein und Blasen unter der Oberfläche zeigen.
Schritt 5 – Die Nacht im Kühlschrank
Verschließ die Wanne luftdicht und stell sie für 15 bis 18 Stunden in den Kühlschrank. 5 bis 7 Grad sind ideal. Am nächsten Morgen ist der Teig deutlich aufgegangen und hat eine blasige Struktur. Er riecht leicht säuerlich und nussig.
Schritt 6 – Bobbel formen, schnell und ohne Druck
Stürz den kalten Teig vorsichtig auf eine großzügig bemehlte Arbeitsfläche. Nicht drücken, nicht klopfen. Nur kippen und warten, bis er von selbst runtergleitet. Stich mit der Teigkarte Stücke von etwa 100 g ab, einmal und beherzt, ohne zweimal nachzusetzen.
Beim Formen ziehe ich reihum die Ecken nach innen und straffe den Bobbel. Dann drehe ich ihn mit dem Schluss nach unten, forme die Hände wie zum Wasserschöpfen und wirke ihn kurz und schnell noch ein bisschen runder. Schnell ist hier wichtiger als schön. Je länger du an einem Teigling herumdrückst, desto mehr Gärgas geht verloren, und genau das lässt die Bobbel später im Ofen aufgehen.
Leg sie mit dem Schluss nach unten auf ein Blech mit Backpapier, deck sie mit einem Bäckerleinen oder einem leicht bemehlten Tuch ab und gib ihnen 50 bis 60 Minuten bei Zimmertemperatur. Sie gehen in der Zeit noch ein Stück auf und verlieren die Kälte aus dem Kühlschrank.
Schritt 7 – Backen mit ordentlich Dampf
Heiz den Ofen mit Backstahl oder Backblech auf 250 Grad Ober- und Unterhitze vor. Mindestens 30 Minuten, nicht zehn. Die Platte muss wirklich durchgeheizt sein, sonst bleibt die Unterseite blass.
Kurz vor dem Einschießen schneidest du die Bobbel mittig ein, in einer einzigen langen Bewegung, etwa einen Zentimeter tief und schräg geführt. Eine Bäckerklinge gleitet durch den Teig, ein normales Messer drückt ihn eher zusammen.
Schieb die Bobbel auf die heiße Platte und gib sofort Dampf dazu. Nach 8 bis 9 Minuten öffnest du die Ofentür kurz, damit der Schwaden entweicht, senkst auf 210 bis 220 Grad und bäckst noch 7 bis 9 Minuten fertig. Insgesamt sind das 15 bis 18 Minuten.
Fertig sind die Bobbel, wenn sie goldbraun bis dunkelbraun sind und beim Klopfen auf den Boden hohl klingen. Wenn du es genau wissen willst, misst du die Kerntemperatur, die liegt bei etwa 96 Grad.
Lass sie auf einem Gitter auskühlen, mindestens 15 Minuten. Ich weiß, das ist schwer. Direkt aus dem Ofen ist die Krume noch nicht stabil.
Am Anfang habe ich immer nur Wasser auf den Ofenboden geschüttet. Das ist insgesamt nicht so toll, der Dampf ist sofort da und genauso schnell wieder weg.
Seitdem nehme ich eine Dampfschale mit Lavasteinen* und heize sie gleich mit dem Ofen auf. (Affiliate-Link) Die Steine speichern die Hitze und geben den Dampf über die ersten Minuten ab, also genau dann, wenn die Bobbel noch aufgehen.

Warum die Einkorn-Brötchen saftig bleiben
Das Kochstück – Wasser, das im Brot bleibt
Wenn du Mehl und Wasser zusammen aufkochst, verkleistert die Stärke. Sie bindet das Wasser dauerhaft, und beim Backen entweicht es nicht mehr. Das ist der Grund, warum die Bobbel auch am nächsten Tag noch saftig sind. Bei Einkorn zählt das doppelt, weil das schwache Klebergerüst allein kaum Feuchtigkeit hält.
Buttermilch – Säure, die dem Einkorn hilft
Buttermilch bringt Milchsäure in den Teig, und die tut dem Einkorn gut. Das schwache Klebergerüst wird stabiler, der Teig lässt sich besser formen. Dazu kommt eine zarte, leicht gelbliche Krume und ein milder, leicht säuerlicher Geschmack, den Wasser allein nicht hinbekommt. Bei mir war das ursprünglich Zufall, ich hatte einen Rest im Kühlschrank.
Poolish und kalte Nacht – zwei Sorten Aroma
Der Poolish entwickelt in seinen Stunden bei Zimmertemperatur Hefearomen und leichte Fruchtnoten, die im Hauptteig so nicht entstehen würden. Man schmeckt das. Die Bobbel schmecken tiefer und nach mehr als nur Mehl und Hefe, und du brauchst dafür weder Sauerteig noch eine mehrtägige Vorbereitung. Nach demselben Muster funktionieren übrigens auch meine Sonntagsbrötchen über Nacht.
Die Nacht im Kühlschrank legt eine zweite Schicht darüber. Der Teig reift langsam weiter, die Enzyme im Mehl bauen Kohlenhydrate ab, die sonst schwerer verdaulich sind, und der Geschmack wird nussiger und würziger. Nebenbei schläfst du durch, ohne dass der Teig übergärt.

Das Zubehör, das ich für die Urkorn-Bobbel benutze
Beim Brotbacken wieg ich alles in Gramm ab, auch das Wasser. Meine wiegt sogar in 0,1-Gramm-Schritten, damit kriegst du auch das eine Gramm Hefe genau hin.
Die feste Karte nehm ich zum Abstechen und Portionieren. Damit teil ich den Teig sauber, ohne ihn zu quetschen.
Meine Klinge zum Einschneiden. Kurz vorm Backen ritz ich den Teig ein, damit er kontrolliert aufreißt und nicht wild aufplatzt.
Hier kannst du meine komplette Backausrüstung anschauen.
Fünf Variationen für die Einkorn-Dinkel-Brötchen
Komplett aus Dinkel, ohne Einkorn
Wenn du kein Einkornmehl bekommst, backst du die Bobbel komplett aus Dinkel. Das Kochstück machst du dann aus 30 g Dinkelmehl Type 630, und im Hauptteig ersetzt du die 250 g Einkorn und die 200 g Dinkel durch 450 g Dinkelmehl Type 630. Alles andere bleibt gleich, auch die Wassermenge. Dinkel bindet mehr Wasser als Einkorn, der Teig fühlt sich also fester und williger an als das Original. Kneten musst du trotzdem kürzer, drei Minuten statt vier, sonst wird der Teig fließend und die Bobbel laufen im Ofen breit. Im Geschmack fehlt das Nussige vom Einkorn, sie werden milder und feinporiger.
Mit Sesam oder Mohn
Bestreu die geformten Bobbel vor dem Backen mit Sesam oder Mohn. Besprüh sie kurz mit Wasser und drück die Körner leicht an, sonst fallen sie im Ofen wieder ab. Sesam passt besonders gut zum nussigen Einkorn, die beiden Aromen laufen in dieselbe Richtung. Mohn setzt einen dunkleren, herberen Kontrast dazu. Am einfachsten geht es, wenn du die Körner auf einen flachen Teller schüttest und den feuchten Bobbel kurz hineinsetzt.
Mit Kräutern im Teig
Gib beim letzten Knetschritt ein bis zwei Teelöffel getrockneten Rosmarin oder Thymian dazu. Mehr nicht, Urgetreide nimmt Kräuteraroma stark auf und kippt schnell ins Parfümige. Frischer Rosmarin geht auch, dann nimmst du einen Teelöffel fein gehackt. Die Bobbel werden damit deutlich herzhafter und passen eher zum Abendbrot als zum Frühstück.
Mit Dinkelvollkorn statt hellem Dinkel
Ersetz das Dinkelmehl Type 630 durch Dinkelvollkorn. Die Bobbel werden etwas dichter und noch nussiger, die Krume dunkler. Erhöh das Wasser um 20 bis 30 g, weil Vollkorn mehr Flüssigkeit braucht. Nimm das aus dem Reservewasser, das du sowieso danebenstehen hast. Die Knetzeit bleibt gleich.
Ohne Buttermilch
Wenn du keine Buttermilch hast, ersetzt du sie durch 150 g Vollmilch und 30 g Naturjoghurt. Der Joghurt bringt die Säure, auf die das Einkorn angewiesen ist. Der Geschmack wird minimal anders, die Saftigkeit bleibt. Rein pflanzlich funktioniert es auch, dann nimmst du eine ungesüßte Pflanzenmilch mit einem Esslöffel Zitronensaft und lässt sie zehn Minuten stehen, bevor sie in den Teig kommt.
Meine Lieblingsvariante ist das Grundrezept. Einkorn und Dinkel zusammen schmecken so intensiv nussig, dass ich meistens nichts dazu brauche.
Wenn du experimentieren willst, fang mit Sesam an. Der passt wirklich gut.

Wenn die Bobbel nicht so werden wie geplant
Ein paar Sachen gehen bei diesem Rezept häufiger schief als bei einem Weizenbrötchen. Meistens steckt eine einfache Ursache dahinter.
❌ Der Teig lässt sich überhaupt nicht formen, er rinnt auseinander
Der Teig ist so weich, dass er beim Formen sofort auseinanderläuft und an allem klebt. Meistens war die Autolyse zu kurz oder ist ganz ausgefallen, und ohne die Stunde Quellzeit hat das Einkorn sein Wasser nicht aufgenommen. Genauso häufig ist der Teig einfach zu warm geworden. Mehl deine Hände und die Arbeitsfläche großzügiger, als du es von Weizen gewohnt bist. Arbeite zügig, solange der Teig noch die Kälte aus dem Kühlschrank hat, denn kalt ist er deutlich stabiler. Wenn er trotzdem nicht hält, form keine Kugeln, sondern setz grobe Klumpen aufs Blech und back sie so. Die Optik leidet, der Geschmack nicht.
❌ Die Bobbel sind nach dem Backen flach und nicht aufgegangen
Die Brötchen sind kaum gewachsen, die Krume ist kompakt und dicht. Entweder war der Poolish noch nicht reif genug, oder du hast beim Formen zu viel Gärgas herausgedrückt. Der Poolish muss wirklich blasig sein und sein Volumen fast verdoppelt haben, bevor er in den Hauptteig kommt. Beim Formen gilt sanft ziehen statt drücken und kneten. Wenn du merkst, dass du an einem Teigling länger als eine halbe Minute herumarbeitest, hör auf und nimm ihn so, wie er ist.
❌ Die Kruste ist weich statt knusprig
Die Bobbel kommen mit einer weichen, fast ledrigen Kruste aus dem Ofen. Meistens ist der Schwaden zu lange drin geblieben, oder der Ofen war nicht heiß genug. Heiz wirklich 30 Minuten vor, nicht zehn und nicht fünfzehn, das macht mehr aus als du denkst. Nach dem Anbacken, also nach 8 bis 9 Minuten, öffnest du die Ofentür für ein paar Sekunden, damit der Dampf raus kann. Die trockene Hitze danach macht die Kruste knusprig. Wenn sie beim Abkühlen trotzdem weich wird, back die nächste Fuhre ein paar Minuten länger ohne Dampf fertig.
❌ Die Bobbel reißen beim Einschneiden unkontrolliert auf
Statt eines sauberen Ausbunds reißt die Oberfläche wild und ungleichmäßig auf, oder der Einschnitt schließt sich sofort wieder. Meistens liegt es an einer stumpfen Klinge oder daran, dass du beim Schnitt zögerst. Ein normales Messer drückt den weichen Teigling eher zusammen, als dass es ihn öffnet, eine dünne Bäckerklinge gleitet durch. Führ den Schnitt in einer einzigen langen Bewegung, ohne zu sägen und ohne nachzusetzen. Wenn die Bobbel schon vor dem Einschneiden wild aufreißen, standen sie zu lange bei Zimmertemperatur. Dann geh beim nächsten Mal auf 45 Minuten runter statt der vollen Stunde.
❌ Der Teig ist nach der kalten Gare zusammengefallen
Der Teig ist am nächsten Morgen flach und klebrig, kaum aufgegangen, ohne Blasen. Meistens ist der Kühlschrank zu kalt. Unter 4 Grad arbeiten die Hefen kaum noch, während die Enzyme weiter abbauen, und der Teig verliert Stabilität, ohne aufzugehen. Genauso häufig war die Stockgare zu kurz und der Teig hatte noch keine richtige Aktivität, bevor er in die Kälte kam. Schau nach, ob dein Kühlschrank wirklich 5 bis 7 Grad hat. Und lass den Teig vorher sichtbar aufgehen und blasig werden, bevor er reinkommt. Zeigt er morgens kaum Leben, gib ihm 30 bis 60 Minuten bei Zimmertemperatur und back dann.

Hydration und Co., für alle, die es genau wissen wollen
Wenn du mit Zahlen rechnest statt mit Gefühl, hier die Werte für dieses Rezept. Was Hydration und Teigausbeute genau bedeuten, steht im eigenen Artikel.
| Gesamtmehl | 600 g |
| Gesamtflüssigkeit | 450 g |
| davon reines Wasser (Buttermilch zu ca. 90 %) | 432 g |
| Hydration | ca. 72 % |
| Teigausbeute (TA) | ca. 172 |
Wie fühlt sich der Teig an?
Mit 72 Prozent ist dieser Teig deutlich weicher als ein normaler Brötchenteig, und durch das schwache Klebergerüst vom Einkorn klebt er aggressiver, als du es gewohnt bist. Nach der Autolyse und dem Dehnen und Falten wird er fester und strukturierter, aber weich bleibt er. Das ist so gewollt. Arbeite deshalb mit bemehlten Händen, schnell und ohne Druck.
Das Kochstück bindet sein Wasser dauerhaft in der verkleisterten Stärke. Rechnerisch steigt die Hydration dadurch, in der Hand fühlt sich der Teig aber fester an als ein Teig mit derselben Zahl ohne Kochstück.
Genau das macht es bei Urgetreide so nützlich.
Noch Fragen zu den Urkorn-Bobbel? FAQ
Was ist der Unterschied zwischen Einkorn und normalem Weizen?
Einkorn hat weniger Gluten und schmeckt intensiver. Moderner Weizen wurde auf Ertrag und Stabilität gezüchtet, nicht auf Geschmack. Einkorn ist seit 10.000 Jahren kaum verändert und schmeckt nussig, fast ein bisschen buttrig. Das schwache Klebergerüst macht den Teig klebriger und weniger verzeihend, dafür lohnt sich der Geschmack.
Wo bekomme ich helles Einkornmehl?
In Biomärkten, Reformhäusern und bei Online-Mühlen. Einkorn ist in den letzten Jahren deutlich leichter zu finden. Schau auch nach regionalen Mühlen in deiner Nähe. Die mahlen frisch, kennen ihr Getreide und haben oft Sorten, die im Supermarkt nicht stehen.
Kann ich den Poolish weglassen?
Ja, aber der Geschmack wird flacher. Ersetz den Poolish durch 120 g Dinkelmehl und 120 g Wasser, gib beides direkt in den Hauptteig und erhöh die Frischhefe dort auf 5 g. Die Bobbel funktionieren auch so. Das nussig-fruchtige Aroma aus dem gereiften Poolish fehlt dann allerdings.
Kann ich Trockenhefe statt Frischhefe verwenden?
Im Hauptteig ja, im Poolish wird es schwierig. 1 g Frischhefe entspricht etwa 0,33 g Trockenhefe, für die 2 g im Hauptteig sind das rund 0,7 g. Die 0,5 g Frischhefe im Poolish werden dagegen zu 0,17 g Trockenhefe, und das wiegt keine Waage. Nimm für den Poolish lieber Frischhefe.
Wie lange darf der Teig im Kühlschrank bleiben?
15 bis 18 Stunden sind der ideale Bereich. Bis 24 Stunden geht auch noch, dann werden die Bobbel säuerlicher und die Krume etwas gröber. Ab etwa 30 Stunden baut das schwache Klebergerüst vom Einkorn so weit ab, dass der Teig zusammenfällt und sich nicht mehr formen lässt.
Wie lange sind die Brötchen haltbar?
Deutlich länger als normale Brötchen, gute zwei bis drei Tage im Brotbeutel. Dafür sorgen das Kochstück und die Buttermilch. Zum Aufbacken reichen 5 bis 7 Minuten bei 180 Grad. Einfrieren klappt auch gut, dann vollständig auskühlen lassen und direkt aus dem Gefrierfach 10 bis 12 Minuten bei 180 Grad aufbacken. Im Gefrierfach halten sie zwei bis drei Monate.
Was mache ich, wenn ich keinen Backstein habe?
Ein normales Backblech funktioniert gut. Voraussetzung ist, dass du es wirklich 30 Minuten bei 250 Grad auf der untersten Schiene mit vorheizt. Die Unterseite wird nicht ganz so knusprig, der Unterschied ist aber kleiner als gedacht. Schwaden und Temperatur machen am Ende mehr aus als das Backwerkzeug.
Kann ich den Teig auch von Hand kneten?
Ja, und bei diesem Teig ist das sogar entspannter als mit der Maschine. Rechne mit acht bis zehn Minuten statt vier, und arbeite mit feuchten statt bemehlten Händen. Weil Einkorn und Dinkel ohnehin kein starkes Klebergerüst aufbauen, kannst du von Hand kaum überkneten. Das ist der einzige Schritt, bei dem Handarbeit hier im Vorteil ist.
Dein Backzeiten-Rechner
Hier ist die Rezeptkarte zum Ausdrucken

Urkorn-Bobbel – Einkorn-Brötchen mit Poolish und langer Gare
Zutaten
- 30 g Einkornmehl hell
- 150 g Wasser kalt
- 120 g Dinkelmehl Type 630
- 120 g Wasser lauwarm
- 0,5 g Frischhefe für Klassisch; für Schnell 1,2 g
- Das komplette Mehlkochstück 180 g
- Der komplette Poolish 240 g
- 180 g Buttermilch kalt, davon 20 g als Reserve zurückbehalten
- 250 g Einkornmehl hell
- 200 g Dinkelmehl Type 630
- 2 g Frischhefe
- 20 g Butter weich
- 12 g Salz
Kochutensilien
Zubereitung
- Kochstück: 30 g Einkornmehl mit 150 g kaltem Wasser mit dem Schneebesen klumpenfrei verrühren. Unter ständigem Rühren auf mittlerer Stufe 3 bis 5 Minuten erhitzen, bis die Masse puddingartig andickt. Frischhaltefolie direkt auf die Oberfläche legen, auf Zimmertemperatur abkühlen lassen, dann kalt stellen.
- Poolish: 120 g Dinkelmehl, 120 g lauwarmes Wasser und 1,2 g Frischhefe verrühren. Abgedeckt 3 Stunden bei 21 bis 22 °C reifen lassen, bis der Poolish blasig ist und sein Volumen fast verdoppelt hat.
- Autolyse: Kochstück, Poolish und 160 g kalte Buttermilch verrühren. 250 g Einkornmehl und 200 g Dinkelmehl zugeben und auf langsamster Stufe mischen, bis kein trockenes Mehl mehr sichtbar ist. Abgedeckt 60 Minuten ruhen lassen.
- Kneten: 2 g Frischhefe und 20 g weiche Butter zugeben, 4 Minuten auf kleinster Stufe kneten. 12 g Salz zugeben und 1 bis 2 Minuten weiterkneten. Bei festem Teig die restlichen 20 g Buttermilch schluckweise zugeben.
- Stockgare: 75 Minuten bei 21 bis 22 °C. Nach 30 und nach 60 Minuten je einmal rundherum dehnen und falten.
- Kalte Gare: Teigwanne luftdicht verschließen und 15 bis 18 Stunden bei 5 bis 7 °C in den Kühlschrank stellen.
- Formen: Teig auf eine bemehlte Arbeitsfläche stürzen, Stücke von je etwa 100 g abstechen und rund wirken. Mit dem Schluss nach unten auf ein Blech mit Backpapier setzen, abdecken und 50 bis 60 Minuten bei Zimmertemperatur akklimatisieren.
- Backen: Ofen mit Backstahl oder Blech 30 Minuten auf 250 °C Ober-/Unterhitze vorheizen. Bobbel 1 cm tief schräg einschneiden, einschießen und sofort schwaden. 8 bis 9 Minuten bei 250 °C backen, Ofentür kurz öffnen, auf 210 bis 220 °C senken und 7 bis 9 Minuten fertig backen. Kerntemperatur etwa 96 °C. Auf einem Gitter mindestens 15 Minuten auskühlen lassen.
- Kochstück: 30 g Einkornmehl mit 150 g kaltem Wasser mit dem Schneebesen klumpenfrei verrühren. Unter ständigem Rühren auf mittlerer Stufe 3 bis 5 Minuten erhitzen, bis die Masse puddingartig andickt. Frischhaltefolie direkt auf die Oberfläche legen, auf Zimmertemperatur abkühlen lassen, dann kalt stellen.
- Poolish: 120 g Dinkelmehl, 120 g lauwarmes Wasser und 0,5 g Frischhefe verrühren. Abgedeckt 5 bis 6 Stunden bei 21 bis 22 °C reifen lassen, bis der Poolish blasig ist und sein Volumen fast verdoppelt hat.
- Autolyse: Kochstück, Poolish und 160 g kalte Buttermilch verrühren. 250 g Einkornmehl und 200 g Dinkelmehl zugeben und auf langsamster Stufe mischen, bis kein trockenes Mehl mehr sichtbar ist. Abgedeckt 60 Minuten ruhen lassen.
- Kneten: 2 g Frischhefe und 20 g weiche Butter zugeben, 4 Minuten auf kleinster Stufe kneten. 12 g Salz zugeben und 1 bis 2 Minuten weiterkneten. Bei festem Teig die restlichen 20 g Buttermilch schluckweise zugeben.
- Stockgare: 75 Minuten bei 21 bis 22 °C. Nach 30 und nach 60 Minuten je einmal rundherum dehnen und falten.
- Kalte Gare: Teigwanne luftdicht verschließen und 15 bis 18 Stunden bei 5 bis 7 °C in den Kühlschrank stellen.
- Formen: Teig auf eine bemehlte Arbeitsfläche stürzen, Stücke von je etwa 100 g abstechen und rund wirken. Mit dem Schluss nach unten auf ein Blech mit Backpapier setzen, abdecken und 50 bis 60 Minuten bei Zimmertemperatur akklimatisieren.
- Backen: Ofen mit Backstahl oder Blech 30 Minuten auf 250 °C Ober-/Unterhitze vorheizen. Bobbel 1 cm tief schräg einschneiden, einschießen und sofort schwaden. 8 bis 9 Minuten bei 250 °C backen, Ofentür kurz öffnen, auf 210 bis 220 °C senken und 7 bis 9 Minuten fertig backen. Kerntemperatur etwa 96 °C. Auf einem Gitter mindestens 15 Minuten auskühlen lassen.
Notizen
Hast du das Rezept schon ausprobiert?
Ich freu mich über einen Kommentar von dir.Die Links mit * sind Affiliate-Links. Das heißt: Wenn du über diese Links einkaufst, bekomme ich eine kleine Provision – du zahlst aber keinen Cent mehr. Mehr dazu kannst du hier nachlesen.






Schreibe einen Kommentar