Kategorie: Rezepte

Hier findest du alle Brotrezepte von Bine backt – sortiert nach Technik, Mehltyp und Schwierigkeitsgrad. Egal ob du gerade erst anfängst oder schon länger backst: Jedes Rezept ist für normale Küchen geschrieben, ohne teure Ausrüstung und ohne komplizierte Spezialzutaten.

Die Rezepte sind in drei Schwierigkeitsgrade eingeteilt: Anfänger-Brote gelingen auch ohne Backerfahrung, fortgeschrittene Rezepte arbeiten mit Vorteigen und längeren Gärzeiten, Profi-Rezepte fordern Zeit und Präzision. Du kannst nach Technik filtern (Sauerteig, Hefe oder beides), nach Mehltyp (Weizen, Roggen, Dinkel) oder einfach durchstöbern, bis etwas passt.

Alle Rezepte kommen mit detaillierten Schritt-für-Schritt-Anleitungen, Bildern und ehrlichen Hinweisen zu typischen Stolpersteinen. Keine geschönten Instagram-Versionen, sondern Brote, die in echten Küchen funktionieren – mit normalen Backöfen, normalen Zeitplänen und normalen Fehlern.

Falls du neu bist: Starte mit den Anfänger-Rezepten. Die sind dafür gemacht, dass sie gelingen, auch wenn noch nicht alles perfekt läuft.

  • Dinkel-Wegga von der Alb – Dinkel-Vollkornbrötchen mit Sauerteig

    Dinkel-Wegga von der Alb – Dinkel-Vollkornbrötchen mit Sauerteig

    Auf der Schwäbischen Alb, wo der Wind rau und der Dinkel kräftig ist, haben die Menschen schon seit der Eisenzeit Dinkel angebaut. Über 3000 Jahre Tradition stecken in diesem Getreide. Die Alemannen wussten es schon, Dinkel wächst auch da, wo der Weizen aufgibt. Raues Klima und karge Böden machen den Alb-Dinkel robust und aromatisch. Und weil auf der Alb alles seinen eigenen Namen hat, heißen kleine Brötchen hier nicht Brötchen, sondern „Wegga“ oder „Weckle“.

    Meine ersten Vollkorn-Versuche waren ehrlich gesagt eine Katastrophe. Hart wie Steine, trocken wie Pappe. Meine Familie hat höflich probiert und dann doch lieber zum Aufbackbrötchen gegriffen. „Vollkorn ist halt so“, dachte ich. Dabei lag es gar nicht am Vollkorn, sondern daran, dass ich zu ungeduldig war und dem Mehl nicht genug Zeit gegeben habe.

    Diese Dinkel-Wegga sind klein, kernig und trotzdem nicht trocken. Du setzt sie am Abend an und hast am nächsten Tag frische Brötchen, ohne dafür in aller Herrgottsfrühe aufzustehen.

    Insgesamt dauert das rund 21 Stunden, davon sind 16 bis 18 Stunden reine Reifezeit, in der du nichts tust. In der Küche stehst du eine gute halbe Stunde. Am Abend setzt du Sauerteig und Quellstück an, am nächsten Mittag knetest du den Teig, formst die Brötchen und schiebst sie in den Ofen. Wenn ich um 19 Uhr anfange, sind sie am Tag darauf gegen 16 Uhr fertig, also pünktlich zum Kaffee. Wer sie schon zum späten Frühstück auf dem Tisch haben will, findet weiter unten den schnellen Zeitplan.

    Robert sagt

    „Luigi. Der Italiener aus dem oberen Fach. Wenn Bine seinen Deckel aufmacht, riecht es nach Joghurt und frischer Hefe, und alle finden das entzückend. Ich rieche nach Essig, und dann heißt es, ich sei kantig.“

    „Aber ehrlich? Bei diesen Wegga hat er recht. Dinkelvollkorn ist nussig und empfindlich, meine Säure würde da einfach drüberbügeln. Beim Roggen fragt dafür keiner nach Joghurt. Da holt sie mich, und dann ist meine Kante genau das Richtige.“

    Backzeiten-Rechner

    Wann muss ich anfangen?

    Über Nacht klingt entspannt, bis du merkst, dass die Brötchen erst nachmittags fertig sind. Sag dem Backzeiten-Rechner, wann du sie auf dem Tisch haben willst, und er rechnet dir jeden Schritt bis zum Start zurück.

    Zum Rechner springen ↓

    Warum die Dinkel-Wegga so saftig werden

    Vollkornbrötchen haben einen schlechten Ruf. Zu trocken, zu schwer, zu gesund halt. Aber das liegt nicht am Vollkorn, sondern an der Zubereitung. Diese Brötchen werden saftig und aromatisch, weil zwei Dinge zusammenarbeiten, ein Quellstück und ein Sauerteig.

    Das Quellstück – warum Zeit hier alles ist

    Das Quellstück ist der wichtigste Teil dieses Rezepts. Dinkelvollkornmehl enthält viele Ballaststoffe und Randschichten, die Zeit brauchen, um Wasser aufzunehmen. Wenn du das Quellstück weglässt, kann das Mehl beim Kneten nicht genug Wasser binden, und die Brötchen werden später trocken und bröselig.

    Die 12 bis 16 Stunden Quellzeit sorgen dafür, dass das Mehl richtig durchquillt. Die Stärke bindet das Wasser, und Enzyme beginnen, komplexe Kohlenhydrate abzubauen. Das macht die Brötchen saftiger und bekömmlicher. Auch die Phytinsäure wird dabei abgebaut, ein Stoff im Korn, der Mineralien bindet. Vollkorn wird dadurch leichter verdaulich. Das gilt für jeden Vollkornteig, nicht nur für diesen hier.

    Sauerteig für Triebkraft und nussigen Geschmack

    Der Sauerteig gibt den Brötchen ihr nussiges, leicht säuerliches Aroma. Die Milchsäurebakterien produzieren Säuren, die dem Teig Tiefe geben. Gleichzeitig senken sie den pH-Wert, was die Enzyme im Mehl aktiviert und die Krume saftiger macht.

    Bei Vollkornteigen ist der Sauerteig besonders wichtig, weil die Randschichten des Korns das Glutennetz schwächen. Der Sauerteig hilft, den Teig zu stabilisieren. Trotzdem kommt noch Hefe dazu. Vollkornteige sind schwerer als helle Teige, und die Hefe gibt zusätzliche Triebkraft. Das ist bei Vollkorn-Rezepten völlig normal und kein Betrug am Sauerteig.

    Warum Dinkel anders ist als Weizen

    Dinkel hat weniger Gluten als Weizen und bindet Wasser anders. Das macht den Teig klebriger und weicher. Vollkorn-Dinkelteig lässt sich nicht so straff formen wie Weizenteig, das ist eine Eigenschaft des Mehls und kein Fehler. Die Brötchen werden trotzdem locker, haben aber eine dichtere Krume als helle Brötchen. Genau das macht sie so sättigend. Mehr zu den Eigenheiten von Dinkel steht im Artikel Dinkelbrot backen.

    Ein Vorteil bleibt am Ende hängen. Vollkornbrötchen bleiben deutlich länger frisch als helle. Die Ballaststoffe halten die Feuchtigkeit fest, und die Brötchen trocknen nicht so schnell aus.

    Flüssiger Sauerteig oder fester Lievito Madre

    Sauerteig gibt es in zwei Formen, flüssig und fest. Robert, mein Roggen-Starter, ist flüssig. Luigi ist ein Lievito Madre, also ein fester italienischer Weizensauer. Beide arbeiten nach demselben Prinzip, Milchsäurebakterien und Hefen lockern den Teig und machen ihn aromatisch.

    Luigi schmeckt milder, fast milchig, während flüssiger Sauerteig oft säuerlicher ist. Für diese Wegga nehme ich deshalb Luigi, weil der nussige Dinkel damit am besten zur Geltung kommt. Wenn du nur flüssiges Anstellgut hast, funktioniert das mit 10 g auch gut.

    Aufgeschnittene Dinkel-Vollkornbrötchen mit Haferflocken, Detail der saftigen nussigen Krume

    Was kommt in die Dinkel-Wegga?

    Für 10 Brötchen, je ca. 90 g

    Viel ist es nicht. Dinkelvollkornmehl, Wasser, Salz, ein Löffel Öl und dein Sauerteig. Das Öl ist kein Schnickschnack, es macht die Krume weicher und hält sie länger saftig. Die Mengen unten gelten für den klassischen Zeitplan.

    Zutaten für den Sauerteig (am Abend)
    Lievito Madre15 g
    Dinkelvollkornmehl60 g
    Wasser (warm)60 g
    Sauerteig gesamt(135 g)
    Zutaten für das Quellstück (am Abend)
    Dinkelvollkornmehl100 g
    Wasser (kalt)100 g
    Quellstück gesamt(200 g)
    Zutaten für den Hauptteig (am Backtag)
    Reifer Sauerteig(135 g)
    Quellstück(200 g)
    Dinkelvollkornmehl340 g
    Wasser175 g
    Frischhefe10 g
    Salz10 g
    Inaktives Röstmalz (optional)10 g
    Rapsöl20 g
    Optional zum Wälzen
    Sesam, Mohn, Leinsamen oder Haferflockennach Gefühl
    Aktives Malz macht die Krume speckig

    Nimm inaktives Röstmalz, kein aktives Backmalz. Aktives Malz bringt zusätzliche Enzyme mit, und davon hat dieser Teig durch das Vollkorn und die lange Quellzeit schon reichlich. Zu viel davon baut so viel Stärke ab, dass die Krume nach dem Backen speckig bleibt.

    Das Röstmalz sorgt hier nur für Farbe und Röstaroma. Du kannst es auch ganz weglassen, dann werden die Brötchen eine Spur heller.

    Wenn du keinen Lievito Madre hast, nimm 10 g flüssiges Anstellgut und setze den Sauerteig mit 40 g Mehl und 40 g Wasser an. Die fehlenden 20 g Mehl und 20 g Wasser gibst du dann in den Hauptteig.

    Zwei Zeitpläne für deinen Tag

    Es ist immer derselbe Teig. Was du änderst, ist das Fütterungsverhältnis im Sauerteig, und damit bestimmst du, wie lange er zum Reifen braucht. Mehr Anstellgut auf weniger Mehl geht schneller, weniger dauert länger. Die Zeitangaben sind Richtwerte. Reif ist der Sauerteig, wenn er sein Volumen verdoppelt hat. Steht deine Küche kühler als 20 °C, rechne etwa ein Drittel drauf und schau lieber in die Schüssel als auf die Uhr. Woran du das erkennst, steht in Wann ist mein Sauerteig fertig zum Backen?

    Schnell

    Ablauf

    Sauerteig 1:3:3 (ASG:Mehl:Wasser), also 15 g Lievito Madre auf 45 g Mehl und 45 g Wasser. Im Hauptteig dafür 355 g Mehl und 190 g Wasser. Abends um 20 Uhr ansetzen, am nächsten Vormittag kneten.

    Gesamtzeit

    ca. 18 Stunden (aktiv ~35 Minuten). Der Sauerteig ist nach 13 bis 15 Stunden reif.

    Charakter

    Milder, die Säure tritt hinter das Nussige zurück. Bringt dir rund drei Stunden, mehr ist bei diesem Teig nicht drin.

    Empfehlung

    Klassisch

    Ablauf

    Sauerteig 1:4:4 (ASG:Mehl:Wasser), also 15 g Lievito Madre auf 60 g Mehl und 60 g Wasser. Abends um 19 Uhr ansetzen, am nächsten Mittag kneten.

    Gesamtzeit

    ca. 21 Stunden (aktiv ~35 Minuten). Der Sauerteig ist nach 16 bis 18 Stunden reif.

    Charakter

    Volles nussiges Aroma mit milder Säure, saftige Krume. So backe ich sie selbst, und dafür ist das Rezept gemacht.

    So backst du die Dinkel-Wegga

    Sauerteig ansetzen, am Abend

    Zupf den Lievito Madre in kleine Stücke und lös ihn im warmen Wasser auf, bis eine milchige Flüssigkeit entsteht. Erst dann kommt das Mehl dazu. Diese Reihenfolge ist wichtig, ein fester Sauerteig löst sich im Mehlteig sonst nie richtig auf und du hast Klümpchen, die nicht mitarbeiten.

    Alles zu einem Teig verrühren, abdecken und warm bei 20 bis 22 °C stehen lassen. Nach 16 bis 18 Stunden hat er sich verdoppelt, zeigt Blasen an der Oberfläche und riecht angenehm säuerlich. Ich setze ihn meistens abends um 19 Uhr an, dann ist er am nächsten Tag gegen 13 Uhr so weit.

    Quellstück ansetzen, direkt danach

    Mehl und kaltes Wasser in einer zweiten Schüssel verrühren. Die Masse sieht aus wie dicker Brei, das ist richtig so. Abdecken und mindestens 12 Stunden stehen lassen, warm oder kalt im Kühlschrank, beides geht.

    Ich setze das Quellstück immer gleichzeitig mit dem Sauerteig an, dann habe ich am nächsten Tag beides fertig nebeneinander stehen. Ich habe die Brötchen einmal ohne Quellstück gebacken. Nie wieder.

    Beide Schüsseln nebeneinander stellen

    Stell beide Schüsseln nebeneinander an dieselbe Stelle. Klingt banal, aber ich habe schon zweimal das Quellstück in der hintersten Ecke vergessen und erst gefunden, als der Teig längst geknetet war.

    Teig kneten, am Backtag

    Sauerteig und Quellstück kommen in die Schüssel der Küchenmaschine, dazu Wasser, Frischhefe, Salz, Röstmalz und Öl. Das Mehl streust du zum Schluss darüber. Mit dem Wasser gehst du vorsichtig um, gib erst mal 155 g dazu und den Rest nur, wenn der Teig wirklich zu fest wirkt.

    Fünf bis sechs Minuten auf kleiner Stufe mischen, bis alles gleichmäßig verbunden ist. Der Teig ist sehr weich und klebrig, das gehört bei Dinkel-Vollkorn dazu. Dann eine Stufe hochschalten und nur noch ein bis zwei Minuten auskneten.

    Beim Dinkel gibt es einen Punkt ohne Rückweg

    Sobald sich der Teig vom Schüsselrand löst, sofort ausschalten. Dinkel hat einen Punkt, ab dem es kein Zurück gibt. Wird der Teig wieder weich, glänzend und nass, ist das Klebergerüst gerissen und lässt sich nicht mehr reparieren.

    Teigruhe mit einmal Dehnen und Falten

    Den Teig in eine leicht geölte Schüssel geben, abdecken, 40 Minuten warm stehen lassen. Nach 20 Minuten faltest du ihn einmal. Dafür ziehst du den Teig an einer Seite hoch und legst ihn zur Mitte, das machst du von allen vier Seiten. Das ordnet die Struktur, ohne den empfindlichen Dinkelkleber weiter zu strapazieren.

    Brötchen formen

    Arbeitsfläche leicht bemehlen, Teig darauf stürzen und in zehn Stücke zu je etwa 90 g teilen. Wenn du eine Waage hast, wieg sie ab, dann backen alle gleich lang.

    Jedes Stück rundwirken. Zieh den Teig mit der Handkante zu dir, dreh ihn ein Stück weiter und zieh wieder. So entsteht Spannung an der Oberfläche, und genau die brauchen die Brötchen, damit sie im Ofen nach oben gehen statt seitlich aufzureißen. Arbeite mit nassen Händen statt mit Mehl, bei diesem Teig funktioniert das viel besser. Und sei zügig, jedes zusätzliche Gramm Mehl macht die Brötchen trockener.

    Wenn du magst, besprüh die Teiglinge kurz mit Wasser und wälz sie in Saaten. Ich mache meistens die Hälfte mit und die Hälfte ohne, dann hat am Tisch jeder eine Auswahl.

    Stückgare

    Die Teiglinge mit der glatten Seite nach oben auf ein Blech mit Backpapier setzen, genug Abstand lassen. Abdecken und 60 bis 75 Minuten warm gehen lassen, bis sie sichtbar größer geworden sind.

    Der Fingertest sagt dir, wann es so weit ist. Drück leicht mit dem Finger auf einen Teigling. Kommt die Delle langsam zurück, kannst du backen. Federt sie sofort zurück, brauchen sie noch Zeit.

    Backen mit Schwaden

    Heiz den Ofen mit Backstahl oder Backstein in der unteren Hälfte auf 230 °C Ober- und Unterhitze vor, mindestens 30 Minuten. Der Stein muss richtig durchgeheizt sein. Ohne Stein schiebst du ein normales Blech auf mittlere Schiene und heizt es mit auf.

    Brötchen kurz mit Wasser besprühen, aufs heiße Blech setzen und sofort auf 210 °C herunterschalten. Gleichzeitig eine hitzefeste Schale mit etwa 100 ml Wasser auf den Ofenboden stellen. Vorsicht, der Dampf schießt hoch. Nach 10 Minuten öffnest du die Tür kurz und lässt ihn ab, damit die Kruste knusprig wird. Warum das so viel ausmacht, steht im Artikel über Schwaden beim Brotbacken.

    Insgesamt brauchen die Wegga 18 bis 20 Minuten, bis sie dunkelbraun sind. Wenn du unsicher bist, klopf auf die Unterseite. Klingt es hohl, sind sie durch.

    Auskühlen, und zwar wirklich

    Ab aufs Gitter und mindestens 15 bis 20 Minuten liegen lassen. Ich weiß, das ist der schwerste Teil. Aber Vollkornkrume ist direkt aus dem Ofen noch nicht fertig, sie stabilisiert sich erst beim Abkühlen. Schneidest du zu früh, ist sie feucht und klebt am Messer, und du denkst, du hättest etwas falsch gemacht.

    Das Zubehör, das ich für die Dinkel-Wegga benutze

    Küchenwaage zum grammgenauen Abwiegen der Backzutaten
    Küchenwaage (0,1-g-Schritte)*
    Beim Brotbacken wieg ich alles in Gramm ab, auch das Wasser. Meine wiegt sogar in 0,1-Gramm-Schritten, damit kriegst du auch das eine Gramm Hefe genau hin.
    Teigkarte aus Edelstahl zum Portionieren
    Teigkarte aus Edelstahl*
    Die feste Karte nehm ich zum Abstechen und Portionieren. Damit teil ich den Teig sauber, ohne ihn zu quetschen.
    Backstahl für kräftigen Ofentrieb von unten
    Backstahl*
    Speichert mehr Hitze als ein Blech und gibt sie beim Einschießen sofort ab. Genau der Schub, den schwere Vollkornteiglinge von unten brauchen.

    Hier kannst du meine komplette Backausrüstung anschauen.

    Die mit * markierten Links sind Affiliate-Links. Kaufst du darüber etwas, bekomme ich eine kleine Provision. Für dich ändert sich am Preis nichts. Ich empfehle nur Sachen, die ich selbst benutze.

    Drei Wege, die Dinkel-Wegga abzuwandeln

    Halb Vollkorn, halb helles Dinkelmehl

    Wenn dir 100 % Vollkorn zu intensiv ist, ersetze 200 g des Dinkelvollkornmehls im Hauptteig durch Dinkelmehl Type 630 oder 1050. Die Brötchen werden heller, luftiger und milder. Nimm dann etwa 40 bis 50 g weniger Wasser im Hauptteig, also 125 bis 135 g, weil helles Mehl weniger davon aufnimmt. Das Quellstück kannst du bei dieser Variante weglassen, es zahlt sich nur bei reinem Vollkorn wirklich aus.

    Mit Körnermischung

    Für mehr Biss mischst du 50 bis 70 g Körner in den Hauptteig. Ich nehme meistens Sonnenblumenkerne, Kürbiskerne und Sesam. Röste sie vorher kurz in einer trockenen Pfanne an, das holt das Aroma raus. Sie kommen erst nach dem Auskneten dazu, sonst zerschneiden die scharfen Kanten das Klebergerüst. Wichtig ist, dass du das Wasser um 20 bis 30 g erhöhst, Körner saugen sonst dem Teig die Feuchtigkeit weg.

    Mit Nüssen

    Gehackte Walnüsse oder Haselnüsse passen hervorragend zum nussigen Dinkel. Gib 50 bis 80 g in den Teig und erhöh das Wasser um 20 g. Die Nüsse bringen eine buttrige Note mit und machen die Brötchen noch sättigender.

    Meine Lieblingsvariante

    Meine Lieblingsvariante bleibt die klassische mit 100 % Dinkelvollkorn, gewälzt in Sesam und Leinsamen. Der nussige Dinkel kommt so am deutlichsten durch, und die Saaten geben zusätzlichen Biss.

    Dinkel-Vollkornbrötchen mit Haferflocken-Topping auf Metallteller mit blau-weiß gestreiftem Geschirrtuch

    Wenn die Dinkel-Wegga nicht so werden wie geplant

    Ein paar Sachen gehen bei diesen Brötchen häufiger schief. Meistens steckt eine einfache Ursache dahinter, und die kriegst du in den Griff.

    ❌ Der Teig ist extrem klebrig und lässt sich kaum formen

    Der Teig klebt an den Händen, an der Arbeitsfläche, an der Teigkarte, einfach überall. Bei Dinkel-Vollkorn ist ein weicher Teig normal, aber wenn er sich gar nicht mehr bändigen lässt, war entweder zu viel Wasser drin oder du hast zu lange geknetet. Arbeite mit nassen statt mit bemehlten Händen, das funktioniert bei klebrigen Teigen deutlich besser. Beim nächsten Mal startest du mit 155 g Wasser im Hauptteig und gibst den Rest nur nach Bedarf dazu. Und knete nicht länger als ein bis zwei Minuten auf hoher Stufe, sonst wird der Teig schleimig und lässt sich nicht mehr retten.

    ❌ Die Brötchen sind nicht aufgegangen

    Die Teiglinge sind nach der Stückgare kaum größer geworden und bleiben im Ofen flach und dicht. Das liegt meistens an einem zu schwachen Sauerteig, an einer zu kühlen Küche oder an zu kurzer Gare. Vollkornteige brauchen länger als helle, weil die Randschichten des Korns das Glutennetz schwächen. Prüf zuerst deinen Sauerteig, er sollte sich verdoppelt haben, Blasen zeigen und angenehm säuerlich riechen. Die Stückgare braucht mindestens 60 Minuten bei 20 bis 22 °C, eher 75. Ist deine Küche kälter, gib 15 bis 30 Minuten dazu.

    ❌ Die Brötchen sind innen noch feucht und klebrig

    Du schneidest an, und die Krume ist speckig und schmiert am Messer. In den meisten Fällen war es einfach zu früh, Vollkornkrume braucht ihre 15 bis 20 Minuten auf dem Gitter, bevor sie stabil ist. Bleibt es auch nach dem Auskühlen so, verlänger die Backzeit um 3 bis 5 Minuten und klopf zur Kontrolle auf die Unterseite, sie muss hohl klingen. Und wirf einen Blick auf dein Backmalz. Wenn du aktives statt inaktives verwendet hast, bauen dessen Enzyme zusammen mit dem Vollkorn und der langen Quellzeit so viel Stärke ab, dass die Krume das Wasser nicht mehr halten kann. Dann bleibt sie speckig, egal wie lange du sie liegen lässt.

    ❌ Die Brötchen sind nach einem Tag schon trocken

    Am ersten Tag schmecken sie gut, am zweiten sind sie bröselig. Das passiert vor allem, wenn das Quellstück gefehlt hat oder zu kurz gequollen ist. Vollkornmehl braucht mindestens 12 Stunden, um das Wasser wirklich zu binden. Lager die Brötchen in einem Brotbeutel oder einer Brotdose bei Raumtemperatur, auf keinen Fall im Kühlschrank, dort altern sie schneller. Mehr dazu steht in Brot richtig aufbewahren. Wenn du sie länger halten willst, frier sie ein und back sie 5 bis 7 Minuten bei 180 °C auf.

    ❌ Die Brötchen platzen beim Backen unkontrolliert auf

    Sie reißen an den Seiten auf, statt gleichmäßig nach oben zu gehen. Meistens fehlte beim Formen die Spannung, oder die Stückgare war zu kurz. Achte darauf, dass die Oberfläche der Teiglinge beim Rundwirken wirklich straff wird, zieh dafür mit der Handkante zu dir und dreh den Teigling dabei. War die Gare zu kurz, sind die Teiglinge im Ofen noch zu fest und suchen sich beim Trieb den schwächsten Punkt. Verlänger sie um 15 bis 30 Minuten und prüf mit dem Fingertest, die Delle sollte langsam zurückkommen.

    Hydration und Co., für alle, die es genau wissen wollen

    Für die Brötchen brauchst du diese Zahlen nicht. Wer aber gern nachrechnet oder das Rezept umbauen will, findet hier alles auf einen Blick.

    ParameterWert
    Gesamtmehl500 g
    Gesamtwasser335 g
    Hydration67 %
    Teigausbeute (TA)167
    Salz2 %
    Sauerteig (ASG:Mehl:Wasser)1:4:4

    Wie fühlt sich der Teig an?

    Mit 67 % Hydration ist dieser Teig deutlich weicher als ein normaler Brötchenteig. Er klebt und lässt sich nur mit nassen Händen sauber bewegen. Bei reinem Dinkelvollkorn ist das genau richtig, das Mehl schluckt die Feuchtigkeit über Nacht komplett weg. Wenn dein Teig sich anfühlt wie ein fester Weizenteig, hast du zu wenig Wasser drin, und die Brötchen werden trocken.

    Noch Fragen zu den Dinkel-Wegga? FAQ

    Warum brauchen Dinkel-Vollkornbrötchen ein Quellstück?

    Weil Vollkornmehl Zeit braucht, um Wasser zu binden. Die Ballaststoffe und Randschichten nehmen es nur langsam auf. Ohne Quellstück bleibt ein Teil des Wassers ungebunden, verdampft im Ofen, und die Brötchen werden trocken und bröselig. Ich habe es einmal ohne probiert. Nie wieder.

    Kann ich helles Dinkelmehl statt Vollkorn nehmen?

    Ja, aber dann wird es ein anderes Brötchen. Mit Type 630 oder 1050 brauchst du 50 bis 70 g weniger Wasser im Hauptteig. Sie werden heller und luftiger, verlieren dafür den nussigen Vollkorngeschmack. Das Quellstück kannst du dann weglassen.

    Warum ist Hefe in einem Sauerteig-Rezept?

    Weil Vollkornteige schwerer sind als helle. Die Randschichten des Korns schwächen das Glutennetz, und der Teig braucht mehr Schub, um trotzdem locker zu werden. Die Hefe unterstützt hier den Sauerteig, der vor allem für das Aroma zuständig ist. Bei Vollkorn ist diese Kombination völlig normal.

    Kann ich statt Lievito Madre flüssiges Anstellgut nehmen?

    Ja, und zwar egal ob Weizen, Dinkel oder Roggen. Nimm 10 g Anstellgut und setz den Sauerteig mit 40 g Mehl und 40 g Wasser an. Die fehlenden 20 g Mehl und 20 g Wasser wandern in den Hauptteig. Mit Lievito Madre werden die Wegga milder und milchiger, mit flüssigem Anstellgut deutlicher säuerlich. Beides schmeckt, es ist Geschmackssache.

    Brauche ich das Röstmalz?

    Nein, es ist optional. Es gibt der Kruste Farbe und ein bisschen Röstaroma, sonst nichts. Ohne wird die Kruste etwas heller, am Trieb und an der Krume ändert sich nichts. Nimm aber bitte inaktives Röstmalz, kein aktives Backmalz. Aktives Malz bringt Enzyme mit, und die machen die Krume bei diesem Rezept speckig.

    Warum ist mein Dinkelteig so klebrig?

    Das ist normal. Dinkel hat weniger Gluten als Weizen und bindet Wasser anders, und Vollkorn macht den Teig zusätzlich weich. Arbeite mit nassen Händen oder einer Teigkarte, dann kommst du gut zurecht. Gib auf keinen Fall Mehl dazu, das rächt sich später mit trockenen Brötchen.

    Muss ich die Brötchen in Saaten wälzen?

    Nein, das ist reine Deko und Geschmackssache. Wenn du es machst, besprüh die Teiglinge vorher mit Wasser, sonst haften die Saaten nicht. Sesam, Mohn, Leinsamen und Haferflocken funktionieren alle. Ich mache meistens die Hälfte mit und die Hälfte ohne.

    Wie lange halten sich die Brötchen?

    In einem Brotbeutel oder einer Brotdose bei Raumtemperatur bleiben sie drei bis vier Tage saftig, deutlich länger als helle Brötchen. Einfrieren geht auch, dann halten sie mehrere Monate. Zum Auffrischen 5 bis 7 Minuten bei 180 °C aufbacken.

    Frühstücksszenerie mit Dinkel-Vollkornbrötchen mit Haferflocken, aufgeschnitten auf Metallteller mit Keramiktasse im Hintergrund

    Hier ist die Rezeptkarte zum Ausdrucken

    Frühstücksszenerie mit Dinkel-Vollkornbrötchen mit Haferflocken, aufgeschnitten auf Metallteller mit Keramiktasse im Hintergrund

    Dinkel-Wegga von der Alb – Dinkel-Vollkornbrötchen mit Sauerteig

    Vorbereitung 40 Minuten
    Backzeit 20 Minuten
    Ruhezeit 20 Stunden
    Gesamtzeit 21 Stunden
    100% Dinkelvollkorn muss nicht trocken sein. Mit Quellstück und Lievito Madre werden diese Dinkel-Wegga von der Alb richtig saftig. Über Nacht vorbereitet, morgens frisch gebacken.
    10 Brötchen
    brötchen, Sauerteig-Brötchen

    Zutaten

    Festgeführter Sauerteig
    • 60 g Dinkelvollkornmehl
    • 60 g Wasser lauwarm
    • 15 g Lievito Madre fester Weizensauer
    Alternative: Flüssiger Sauerteig (TA 200)
    • 40 g Dinkelvollkornmehl
    • 40 g Wasser lauwarm
    • 10 g flüssiges Anstellgut Roggen, Weizen oder Dinkel
    Quellstück (Am Vorabend)
    • 100 g Dinkelvollkornmehl
    • 100 g Wasser kalt
    Hauptteig (Am Backtag)
    • Sauerteig komplette Menge
    • Quellstück komplette Menge
    • 340 g Dinkelvollkornmehl
    • 175 g Wasser kalt bis lauwarm
    • 10 g Frischhefe
    • 10 g Salz
    • 10 g Inaktives Röstmalz optional, kein aktives Backmalz
    • 20 g Pflanzenöl z.B. Rapsöl
    Optional zum Wälzen
    • – Sesam Mohn, Leinsamen oder Haferflocken

    Kochutensilien

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    Zubereitung

    Klassisch (ca. 21 Stunden) – Empfehlung
    • Sauerteig ansetzen (am Vorabend)
      15 g Lievito Madre in kleine Stücke zupfen, in 60 g warmem Wasser auflösen, dann 60 g Dinkelvollkornmehl einrühren. Verhältnis 1:4:4 (ASG:Mehl:Wasser). Abgedeckt 16 bis 18 Stunden bei 20 bis 22 °C reifen lassen, bis sich das Volumen verdoppelt hat.
    • Alternative mit flüssigem Anstellgut
      10 g flüssiges Anstellgut mit 40 g warmem Wasser verschlemmen, 40 g Dinkelvollkornmehl einrühren. Die fehlenden 20 g Mehl und 20 g Wasser in den Hauptteig geben.
    • Quellstück ansetzen (am Vorabend)
      100 g Dinkelvollkornmehl mit 100 g kaltem Wasser verrühren. Abgedeckt mindestens 12 Stunden quellen lassen.
    • Hauptteig kneten (am Backtag)
      Reifen Sauerteig, Quellstück, 155 g Wasser, 10 g Frischhefe, 10 g Salz, 10 g inaktives Röstmalz und 20 g Rapsöl in die Schüssel geben, 340 g Dinkelvollkornmehl darüber streuen. 5 bis 6 Minuten langsam mischen, dann 1 bis 2 Minuten schnell auskneten. Restliches Wasser bis 175 g nur nach Bedarf zugeben.
    • Teigruhe
      Teig in eine geölte Schüssel geben, abgedeckt 40 Minuten bei 20 bis 22 °C ruhen lassen. Nach 20 Minuten einmal von allen vier Seiten dehnen und falten.
    • Brötchen formen
      Teig in 10 Stücke zu je ca. 90 g teilen. Mit nassen Händen rundwirken. Optional mit Wasser besprühen und in Sesam, Mohn, Leinsamen oder Haferflocken wälzen.
    • Stückgare
      Teiglinge mit Abstand auf ein Blech mit Backpapier setzen, abdecken und 60 bis 75 Minuten bei 20 bis 22 °C gehen lassen.
    • Backen
      Ofen mit Backstahl oder Backstein 30 Minuten auf 230 °C Ober- und Unterhitze vorheizen. Brötchen besprühen, einschießen, sofort auf 210 °C reduzieren und 100 ml Wasser für den Schwaden zugeben. Nach 10 Minuten Dampf ablassen. Gesamt 18 bis 20 Minuten backen, Kerntemperatur ca. 96 °C.
    • Auskühlen
      Brötchen auf einem Rost mindestens 15 bis 20 Minuten auskühlen lassen, erst dann anschneiden.
    Schnell (ca. 18 Stunden)
    • Sauerteig ansetzen (am Vorabend)
      15 g Lievito Madre in kleine Stücke zupfen, in 45 g warmem Wasser auflösen, dann 45 g Dinkelvollkornmehl einrühren. Verhältnis 1:3:3 (ASG:Mehl:Wasser). Abgedeckt 13 bis 15 Stunden bei 20 bis 22 °C reifen lassen, bis sich das Volumen verdoppelt hat.
    • Alternative mit flüssigem Anstellgut
      10 g flüssiges Anstellgut mit 40 g warmem Wasser verschlemmen, 40 g Dinkelvollkornmehl einrühren. Die fehlenden 20 g Mehl und 20 g Wasser in den Hauptteig geben.
    • Quellstück ansetzen (am Vorabend)
      100 g Dinkelvollkornmehl mit 100 g kaltem Wasser verrühren. Abgedeckt mindestens 12 Stunden quellen lassen.
    • Hauptteig kneten (am Backtag)
      Reifen Sauerteig, Quellstück, 170 g Wasser, 10 g Frischhefe, 10 g Salz, 10 g inaktives Röstmalz und 20 g Rapsöl in die Schüssel geben, 355 g Dinkelvollkornmehl darüber streuen. 5 bis 6 Minuten langsam mischen, dann 1 bis 2 Minuten schnell auskneten. Restliches Wasser bis 190 g nur nach Bedarf zugeben.
    • Teigruhe
      Teig in eine geölte Schüssel geben, abgedeckt 40 Minuten bei 20 bis 22 °C ruhen lassen. Nach 20 Minuten einmal von allen vier Seiten dehnen und falten.
    • Brötchen formen
      Teig in 10 Stücke zu je ca. 90 g teilen. Mit nassen Händen rundwirken. Optional mit Wasser besprühen und in Sesam, Mohn, Leinsamen oder Haferflocken wälzen.
    • Stückgare
      Teiglinge mit Abstand auf ein Blech mit Backpapier setzen, abdecken und 60 bis 75 Minuten bei 20 bis 22 °C gehen lassen.
    • Backen
      Ofen mit Backstahl oder Backstein 30 Minuten auf 230 °C Ober- und Unterhitze vorheizen. Brötchen besprühen, einschießen, sofort auf 210 °C reduzieren und 100 ml Wasser für den Schwaden zugeben. Nach 10 Minuten Dampf ablassen. Gesamt 18 bis 20 Minuten backen, Kerntemperatur ca. 96 °C.
    • Auskühlen
      Brötchen auf einem Rost mindestens 15 bis 20 Minuten auskühlen lassen, erst dann anschneiden.

    Notizen

    Zur Wassermenge
    Nicht jedes Dinkelvollkornmehl nimmt gleich viel Wasser auf. Starte mit der angegebenen Startmenge und gib den Rest nur dazu, wenn der Teig zu fest wirkt. Ein etwas festerer Teig lässt sich deutlich leichter formen als ein zu weicher.
    Zum Malz
    Nimm inaktives Röstmalz, kein aktives Backmalz. Aktives Malz bringt Enzyme mit, die zusammen mit dem Vollkorn und der langen Quellzeit zu viel Stärke abbauen, dann bleibt die Krume speckig. Weglassen geht auch, die Kruste wird dann nur etwas heller.
    Zum Backen
    Wenn ich nichts anderes schreibe, backe immer mit Ober- und Unterhitze. Umluft funktioniert auch, aber die Kruste wird schneller zu dunkel.

    Hast du das Rezept schon ausprobiert?

    Ich freu mich über einen Kommentar von dir.
  • Sonntagsbrötchen über Nacht – Rezept mit Poolish und zwei Zeitplänen

    Sonntagsbrötchen über Nacht – Rezept mit Poolish und zwei Zeitplänen

    Frische Sonntagsbrötchen, ohne dafür am Sonntag früh aufstehen zu müssen. Das klappt, wenn du die Arbeit auf den Samstag legst und der Teig über Nacht im Kühlschrank für dich weiterarbeitet.

    Das Herzstück ist ein Poolish, ein flüssiger Vorteig aus Mehl, Wasser und einer winzigen Menge Hefe. Er reift am Samstag ein paar Stunden auf der Arbeitsplatte und bringt später das Aroma ins Brötchen. Abends knetest du den Hauptteig, formst die Teiglinge und stellst sie kalt. Am Sonntag musst du sie nur noch in den Ofen schieben.

    Wie viel Hefe in den Poolish kommt, entscheidet, wie lange er reift, und weniger Hefe heißt längere Reife und mehr Aroma. Ich backe die Sonntagsbrötchen je nach Wochenende auf zwei Arten: einmal kurz entschlossen mit etwas mehr Hefe ab Samstagnachmittag, einmal von langer Hand mit weniger Hefe schon ab dem Mittag. Am Ende hast du acht oder neun Brötchen mit knuspriger Kruste und feiner, luftiger Krume, und aktiv stehst du dafür nur rund 40 Minuten in der Küche.

    Sonntagsbrötchen mit goldbrauner Kruste im Teigtuch, aufgeschnittene Brötchenhälften zeigen lockere Krume

    Backzeiten-Rechner

    Wann muss ich anfangen?

    Dein Backplan richtet sich nach deinem Sonntag, nicht umgekehrt. Sag dem Backzeiten-Rechner, wann die Brötchen fertig sein sollen, und er rechnet dir jeden Schritt bis zum Poolish-Start zurück.

    Zum Rechner springen ↓

    Was in deine Sonntagsbrötchen kommt

    Für 8–9 Brötchen, je ca. 100 g

    Poolish
    Weizenmehl Type 550150 g
    Wasser (zimmerwarm, ca. 20 °C)150 g
    Frischhefe (1,5 g für Kurzentschlossene, 0,3 g für Vorausplaner)1,5 / 0,3 g
    Hauptteig
    Reifer Poolish (gesamt)(ca. 300 g)
    Wasser (kalt, aus dem Kühlschrank)175 g
    Weizenmehl Type 550300 g
    Weizen-Vollkornmehl50 g
    Salz10 g
    Frischhefe3 g
    Olivenöl30 g

    Warum ich Type 550 mit einem Schuss Vollkornmehl mische statt reinem Type 405, steht in Welches Mehl zum Brotbacken?. Und warum die 10 g Salz nicht nur fürs Aroma wichtig sind, sondern auch für die Glutenstruktur, liest du in Wieviel Salz gehört ins Brot?.

    Hinweis

    Die Hefemenge im Poolish ist winzig, vor allem die 0,3 g für die Vorausplaner-Variante. Auf einer normalen Küchenwaage siehst du da kaum einen Ausschlag. Eine Feinwaage mit 0,1-g-Schritten wiegt das zuverlässig ab, und für die 0,3 g hilft zusätzlich die Hefewasser-Methode aus Schritt 1.

    Zwei Wege, deinen Samstag zu planen

    Der Teig ist beide Male derselbe. Nur wie viel Hefe im Poolish steckt und wie lange er reift, ist verschieden. Weniger Hefe heißt längere Reife und mehr Aroma, dafür wiegst du etwas sorgfältiger ab. Beide Wege führen zu frischen Brötchen am Sonntagmorgen.

    Für Kurzentschlossene

    Ablauf

    1,5 g Hefe im Poolish, die du direkt abwiegen kannst. Du setzt den Poolish am Samstagnachmittag an, knetest und formst abends und backst am Sonntag in aller Frühe.

    Gesamtzeit

    Rund 15 bis 17 Stunden über Nacht, davon etwa 40 Minuten aktive Arbeit. Der Poolish reift 4 bis 6 Stunden.

    Charakter

    Der unkomplizierte Weg. Du brauchst kein Hefewasser, das Aroma ist mild und sauber.

    Empfehlung

    Für Vorausplaner

    Ablauf

    0,3 g Hefe im Poolish, die du über die Hefewasser-Methode abmisst. Du setzt schon am Samstagmittag an, knetest abends und backst am Sonntag ab acht.

    Gesamtzeit

    Rund 20 bis 21 Stunden über Nacht, davon etwa 40 Minuten aktive Arbeit. Der Poolish reift 8 bis 10 Stunden.

    Charakter

    Der längere Poolish gibt ein tieferes, runderes Aroma. Dafür wiegst du die Hefe etwas sorgfältiger ab.

    Info

    Die Reifezeiten gelten bei 20 bis 21 °C Raumtemperatur. Ist deine Küche im Sommer wärmer (24 bis 25 °C), zieh rund ein Viertel der Zeit ab. Im kühlen Winter (17 bis 18 °C) rechne ein Viertel drauf. Als Faustregel gilt: 10 °C mehr verdoppeln das Tempo der Gärung.

    So backst du deine Sonntagsbrötchen über Nacht

    Schritt 1: Poolish ansetzen

    Löse die Hefe in 150 g zimmerwarmem Wasser auf. Für die Variante Für Kurzentschlossene wiegst du die 1,5 g direkt ab. Für Vorausplaner nimmst du nur 0,3 g, und die misst du am einfachsten über Hefewasser ab. Wie das geht, steht im Tipp unten.

    Dann rührst du 150 g Weizenmehl Type 550 ein, bis ein glatter, zähflüssiger Brei entsteht, etwa so dick wie Pfannkuchenteig. Deck die Schüssel ab und stell sie bei Raumtemperatur beiseite, ideal sind 20 bis 21 °C.

    Nimm dafür kein kaltes Wasser. Es bremst die Hefe gleich am Anfang aus, und dein ganzer Zeitplan verschiebt sich um ein bis zwei Stunden.

    Mein Tipp

    Haushaltswaagen wiegen selten genauer als ein Gramm, und 0,3 g bekommst du damit nicht sauber hin. Löse deshalb 1 g Hefe in 10 g Wasser auf und nimm davon 3 g, das sind rund 0,3 g Hefe. Die 3 g Hefewasser ziehst du von den 150 g Poolish-Wasser wieder ab.

    Schritt 2: Den reifen Poolish erkennen

    Ob der Poolish so weit ist, erkennst du an ein paar Zeichen, egal für welche Variante du dich entschieden hast. Die Oberfläche ist voller Blasen und wölbt sich nach oben, das Volumen hat sich deutlich vergrößert, und in der Mitte beginnt sich eine kleine Delle zu bilden. Jetzt ist er auf dem Hochpunkt und du verarbeitest ihn weiter.

    Riech einmal kurz daran. Er sollte mild riechen, leicht nach Alkohol und ein bisschen nach Joghurt. Riecht er scharf oder essigsauer, ist er schon über den Hochpunkt hinaus.

    Wartest du zu lange, verliert der Poolish an Trieb und bringt Säure mit. Verarbeitest du ihn zu früh, fehlt das Aroma.

    Schritt 3: Hauptteig kneten

    Gib den ganzen reifen Poolish (etwa 300 g) in die Knetmaschine. Dazu kommen 175 g kaltes Wasser aus dem Kühlschrank, 300 g Weizenmehl Type 550, 50 g Weizen-Vollkornmehl, 10 g Salz und 3 g Frischhefe. Das Öl lässt du erst mal weg.

    Misch alles 2 bis 3 Minuten auf niedriger Stufe, bis es sich verbunden hat. Dann schalte hoch und lass die 30 g Olivenöl in einem dünnen Strahl hineinlaufen. Insgesamt knetest du 8 bis 10 Minuten. Der Teig ist fertig, wenn er sich glatt vom Schüsselrand löst und nur noch mit einem feinen Film an den Fingern hängt. Zur Sicherheit machst du den Fenstertest: Zieh ein walnussgroßes Stück zwischen den Fingern auseinander. Lässt es sich so dünn ziehen, dass Licht durchscheint, ohne zu reißen, passt es.

    Das Öl kommt bewusst erst später dazu, nie von Anfang an. Fett legt sich wie ein dünner Film um die Glutenstränge und bremst den Aufbau des Klebergerüsts. Ich hab das am Anfang anders gemacht und mich gewundert, warum meine Brötchen jedes Mal schwerer wurden als gewollt. Seitdem baue ich erst das Gluten auf und gebe das Öl danach dazu.

    Das kalte Schüttwasser hat einen ähnlich praktischen Grund. Poolish und Mehl haben Zimmertemperatur, und die Knetmaschine heizt den Teig zusätzlich auf. Mit kaltem Wasser landest du am Ende bei 23 bis 25 °C Teigtemperatur. Dann arbeitet die Hefe gut, und die Übernacht-Gare läuft nicht zu schnell durch.

    Schritt 4: Stockgare

    Form den Teig zu einer Kugel, leg ihn in eine leicht geölte Schüssel und deck ihn ab. 30 Minuten bei Raumtemperatur, nicht länger.

    Dein Teig hat schon ordentlich Trieb mitbekommen, aus dem Poolish und aus den 3 g Frischhefe. Würdest du ihn jetzt zwei Stunden gehen lassen, wären die Teiglinge am Morgen übergangen, fielen beim Einschneiden zusammen und schmeckten flach. Eine halbe Stunde reicht, damit sich der Teig entspannt, bevor es ans Formen geht.

    Schritt 5: Teiglinge formen

    Stürz den Teig auf eine ganz leicht bemehlte Arbeitsfläche und teil ihn in 8 oder 9 Stücke zu je etwa 100 g. Ich wiege jedes einzeln ab. Das klingt pedantisch, aber gleich große Teiglinge backen gleich schnell und bräunen gleichmäßig.

    Schleif jedes Stück rund: Leg die hohle Hand wie eine Kuppel darüber und kreise mit leichtem Druck, bis sich der Teigling strafft. Arbeite dabei auf unbemehlter Fläche. Die Reibung zwischen Teig und Tisch baut die Spannung auf, die dem Brötchen später im Ofen seine runde Form gibt. Liegt Mehl darunter, rutscht der Teig nur weg und bleibt schlaff.

    Roll jeden Teigling danach leicht länglich und leg ihn mit der Naht nach oben auf ein Bäckerleinen oder ein bemehltes Küchentuch. Zieh das Tuch zwischen den Teiglingen zu einer kleinen Wand hoch, dann behalten sie ihre Form und kleben nicht aneinander.

    Die Naht bleibt oben, weil sich über Nacht an der Oberseite eine leichte Haut bildet. Die stabilisiert den Teigling und macht das Einschneiden am Morgen leichter. Zum Backen drehst du ihn dann um: Naht nach unten, Schnitt nach oben. So öffnet sich der Schnitt im Ofen zum klassischen Bäcker-Ohr.

    Schritt 6: Übernacht-Gare im Kühlschrank

    Deck die Teiglinge locker ab, mit einem zweiten Bäckerleinen oder mit Frischhaltefolie, aber press nichts fest an. Dann stellst du sie in den Kühlschrank, am besten ins untere Fach, hinten an die Wand, dort ist es meist am gleichmäßigsten kühl. Ziel sind 5 bis 6 °C.

    Unter 4 °C schläft die Hefe praktisch ein, und die Brötchen bleiben am Morgen flach, auch wenn der Teig sonst tadellos war. Über 8 °C gehen sie zu schnell, sind früh übergangen und fallen beim Einschneiden zusammen. Bei 5 bis 6 °C arbeitet die Hefe langsam weiter und bildet nebenbei die Aromen, für die du den Aufwand überhaupt betreibst.

    Mein Tipp

    Viele Kühlschränke sind kälter oder wärmer, als die Skala verspricht. Stell einen Teller Wasser für zwei Stunden ins Fach und miss dann mit einem Küchenthermometer nach. Liegt es unter 4 °C, dreh eine Stufe wärmer, über 7 °C eine Stufe kälter.

    Schritt 7: Ofen anheizen und backen

    Heiz den Ofen mindestens 30 Minuten vor: Backstahl oder ein normales Backblech auf die mittlere Schiene, eine leere hitzefeste Schale (eine alte Auflaufform reicht) unten auf den Ofenboden. Beides bei 250 °C Ober-/Unterhitze. Der Stahl muss wirklich durchgeheizt sein, sonst bekommen die Brötchen von unten keine Hitze und der Ofentrieb bleibt aus. Ich war beim ersten Mal zu ungeduldig und hab nur 15 Minuten vorgeheizt, die Brötchen waren unten fast weiß und blieben flacher als erhofft.

    Hol die Teiglinge aus dem Kühlschrank und kipp jeden einzeln mit der Naht nach unten auf ein Stück Backpapier. Schneide sie mit einer scharfen Klinge oder einem spitzen Messer einmal längs ein, flach im 45-Grad-Winkel. Ein senkrechter Schnitt reißt gern unkontrolliert auf, der flache dagegen bildet einen kleinen Deckel, der sich im Ofen aufstellt, das Bäcker-Ohr.

    Zieh die Teiglinge auf dem Papier aufs heiße Blech und gieß sofort 50 bis 100 ml kochendes Wasser in die heiße Schale am Ofenboden. Tür zu, so schnell es geht, und die Temperatur direkt auf 230 °C herunter.

    Hinweis

    Wenn das kochende Wasser auf die heiße Schale trifft, steigt sofort eine Wolke heißen Dampfs auf. Gieß mit seitlich weggestrecktem Arm und halte Gesicht und Hände außerhalb des Ofens. Danach die Tür zügig schließen.

    Nach 10 Minuten öffnest du die Tür einmal kurz und lässt den Schwaden ab. Insgesamt backen die Brötchen 20 bis 25 Minuten, bis sie goldbraun sind.

    Die ersten zehn Minuten entscheiden über die Kruste. Solange der Dampf die Oberfläche feucht hält, kann der Teig noch aufgehen, bevor die Kruste fest wird. Danach muss der Dampf raus, sonst zieht er in die Kruste und macht sie zäh.

    Mein Tipp

    Wenn du mit einer Bäckerklinge oder einem Rasiermesser einschneidest, wisch die Schneide vorher kurz mit etwas Pflanzenöl ab. Dann klebt der Teig nicht und du ziehst sauber durch, in einer Bewegung. Gerade bei kalten Teiglingen direkt aus dem Kühlschrank merkst du den Unterschied.

    Schritt 8: Auskühlen

    Nimm die Brötchen aus dem Ofen und setz sie direkt aufs Gitter. Lass sie nicht auf dem Blech liegen, dort sammelt sich Kondenswasser und die Unterseite wird weich.

    Jetzt heißt es fünfzehn Minuten warten, auch wenn es schwerfällt. Die Krume braucht die Restwärme, um sich zu festigen. Schneidest du zu früh an, ist sie innen klitschig und zieht Fäden. Nach der Wartezeit knackt die Kruste beim Aufreißen, und die Krume ist locker und leicht elastisch.

    Damit du siehst, wie sich die beiden Wege über den Tag verteilen, hier die Zeitpläne nebeneinander, beide mit dem Ziel Sonntag früh:

    Schritt⚡ Für Kurzentschlossene (1,5 g)🕰️ Für Vorausplaner (0,3 g)
    Poolish ansetzenSa 14:00Sa 11:00
    Hauptteig knetenSa 19:00Sa 20:00
    Stockgare + FormenSa 19:10–20:00Sa 20:10–21:00
    Kühlschrank (10 Std.)Sa 20:00 – So 06:00Sa 21:00 – So 07:00
    Ofen vorheizenSo 06:00So 07:00
    BackenSo 06:30–06:55So 07:30–07:55
    FertigSo 07:00So 08:00

    Vier Varianten, die ich selbst regelmäßig backe

    Dinkel statt Weizen

    Magst du lieber Dinkel, tausch die 300 g Weizenmehl Type 550 im Hauptteig gegen 300 g Dinkelmehl Type 630. Die 50 g Vollkornmehl dürfen Dinkel-Vollkorn sein, müssen aber nicht. Dinkel bindet weniger Wasser als Weizen. Reduzier das Schüttwasser deshalb von 175 g auf 150 g und tast dich langsam heran. Den Poolish selbst lasse ich bewusst bei Weizenmehl Type 550, weil sich das Klebergerüst dort stabiler aufbaut. Den Dinkel-Hauptteig knete ich nur 6 Minuten statt 8 bis 10. Wird es länger, klebt er und verliert die Form, das ist mir einmal passiert, seitdem stoppe ich rechtzeitig. Geschmacklich wird das Brötchen nussiger, die Krume etwas dichter und leicht gelblich.

    Roggen-Mischung

    Tausch 100 g vom Weizenmehl Type 550 im Hauptteig gegen 100 g Roggenmehl Type 1150. 30 % Roggen im Hauptmehl bringen ein spürbares Aroma, ohne dass die Brötchen kompakt werden. Roggen zieht mehr Wasser, also erhöh das Schüttwasser von 175 g auf 190 g. Die Stockgare darf 10 Minuten kürzer ausfallen, Roggen ist schneller so weit. Beim Backen gibst du den Brötchen 2 bis 3 Minuten mehr Zeit, die dunklere Mischung braucht länger bis zur goldenen Kruste. Das Ergebnis wird kräftiger und tiefer, und die Brötchen halten einen Tag länger frisch.

    Robert sagt

    „Endlich ein Schuss Roggen. 30 % sind zwar nicht viel, aber immerhin eine Richtung. Wenn du irgendwann richtiges Roggenbrot willst, mit Tiefe und Säure, weißt du ja, wer im Kühlschrank wartet.“

    Mit Körnern und Saaten

    Für mehr Biss knetest du 50 bis 70 g Körner in den Hauptteig. Bei mir sind das meistens Sonnenblumenkerne, Leinsamen und Sesam zu gleichen Teilen. Röste die Körner vorher in einer trockenen Pfanne an, 3 bis 4 Minuten, bis sie duften, und lass sie abkühlen. Lass diesen Schritt nicht weg. Ich hab die Körner einmal ungeröstet untergeknetet, und der Unterschied im Aroma war groß. Die abgekühlten Körner knetest du erst in den letzten Minuten unter, damit sich das Glutennetz vorher in Ruhe aufbauen kann. Körner saugen Flüssigkeit, gib deshalb 20 bis 30 g mehr Schüttwasser dazu.

    Mit Topping aus Sesam, Mohn oder Haferflocken

    Besprüh die Teiglinge vor dem Einschneiden kurz mit Wasser oder streich sie mit dem Backpinsel ein. Stell eine flache Schale mit Sesam, Mohn oder groben Haferflocken daneben, drück den Teigling mit der feuchten Seite kurz hinein, dreh ihn um und setz ihn aufs Backpapier. Sesam wird beim Backen nussig, Mohn bringt einen leichten Biss, Haferflocken werden außen richtig knusprig. Ich mache meist nur die Hälfte der Teiglinge mit Topping, dann hat am Frühstückstisch jeder die Wahl. Bei Sesam dreh ich nach dem Dampfablassen auf 220 statt 230 °C herunter, sonst wird er dunkel und leicht bitter. Sonst ändert sich an der Backzeit nichts.

    Mein Tipp

    Meine Lieblingsvariante ist die Körner-Version mit Sonnenblumenkernen und Sesam, zusammen mit der langen Führung Für Vorausplaner. Der lange Poolish gibt den Brötchen eine tiefe, fast butterige Note, die von den gerösteten Kernen noch verstärkt wird. Am Sonntagmorgen muss ich nur aufstehen, den Ofen anwerfen und die Teiglinge hineinschieben. So starte ich am liebsten ins Wochenende.

    Das Zubehör, das ich für die Sonntagsbrötchen benutze

    Dänischer Teigbesen zum Verrühren von Brotteig
    Dänischer Teigbesen*
    Zum Anrühren vom Poolish mein liebstes Werkzeug. Damit hast du Mehl und Wasser in Sekunden zu einem glatten Brei verrührt.
    Bäckerleinen für die Stückgare
    Bäckerleinen*
    Darin liegen längliche Teiglinge und Baguettes bei der Gare. Das Leinen hält die Form, damit der Teig nicht breitläuft.
    Teigkarte aus Edelstahl zum Portionieren
    Teigkarte aus Edelstahl*
    Die feste Karte nehm ich zum Abstechen und Portionieren. Damit teil ich den Teig sauber, ohne ihn zu quetschen.

    Hier kannst du meine komplette Backausrüstung anschauen.

    * Affiliate-Link: Kaufst du darüber, bekomme ich eine kleine Provision, für dich bleibt der Preis gleich.

    Wenn deine Sonntagsbrötchen nicht so werden wie geplant

    ❌ Dein Poolish riecht scharf oder essigsauer

    Dann ist er über den Hochpunkt hinaus, entweder stand er zu lange oder er hat zu warm gereift. Der Trieb hat nachgelassen, und Essigsäurebakterien haben übernommen. Verarbeiten kannst du ihn trotzdem noch, aber die Brötchen gehen weniger auf und schmecken flacher. Bei mir passiert das am ehesten im Sommer. Hat deine Küche dauerhaft über 24 °C, halbier die Hefemenge in deiner Variante oder stell den Poolish in den kühlsten Raum der Wohnung. Und plane lieber zu kurz als zu lang: Vier Stunden zu wenig Reife sind allemal besser als vier Stunden zu viel.

    ❌ Dein Poolish ist nach der geplanten Zeit noch flach

    Dann ist meistens eins von beidem schuld: Deine Küche ist kühler, als du denkst, viele liegen eher bei 18 als bei 21 °C, oder deine Hefe ist schon älter. Gib dem Poolish 1 bis 2 Stunden mehr und schau alle 30 Minuten nach den Reifezeichen. Fürs nächste Mal leg ein einfaches Thermometer in die Küche und erhöh bei 18 °C die Hefemenge um rund ein Viertel. Und schau aufs Datum deiner Frischhefe. Nach vier Wochen im Kühlschrank verliert sie merklich an Kraft, und wenn sie bröckelt statt sauber zu brechen und bräunliche Ränder hat, ist sie hin.

    ❌ Die Brötchen sind nach der Übernacht-Gare flach geblieben

    Meistens ist der Kühlschrank zu kalt. Unter 4 °C arbeitet die Hefe kaum noch. Stell einen Teller Wasser hinein und miss nach zwei Stunden mit dem Thermometer nach. Genauso gut kann die Hefe schon schwach gewesen sein, dann hatten die 3 g im Hauptteig nicht genug Kraft für zehn Stunden Kälte. Wenn es schnell gehen muss, hol die Teiglinge vor dem Backen raus und lass sie 30 bis 60 Minuten bei Raumtemperatur stehen. Oft ziehen sie dann noch nach. Sobald sie sichtbar aufgegangen sind, schneidest du ein und backst normal.

    ❌ Die Kruste wird nicht knusprig

    Daran sind fast immer zwei Dinge schuld: zu wenig Dampf und eine zu niedrige Anfangstemperatur. Ohne Schwaden in den ersten 10 Minuten trocknet die Oberfläche zu schnell aus, und du bekommst eine blasse, lederige Haut statt einer dünnen, knackigen Kruste. Gieß deshalb 50 bis 100 ml kochendes Wasser in eine heiße Metallschale am Ofenboden, nicht ins Backblech selbst. Und lass den Dampf nach 10 Minuten ab, Tür kurz auf, ein paar Sekunden genügen. Bleibt er drin, wird die Kruste zäh. Prüf außerdem, ob wirklich Ober-/Unterhitze eingestellt ist und nicht Umluft, denn Umluft trocknet die Brötchen aus, bevor sie richtig aufgehen.

    ❌ Die Brötchen platzen beim Einschneiden wild auf

    Meistens kommt beides zusammen: eine stumpfe Klinge und ein zu kalter Teigling. Eine scharfe Bäckerklinge oder ein Rasiermesser zieht sauber durch, ein Küchenmesser drückt den Teig eher, als dass es schneidet. Nimm also eine frische Klinge oder schleif dein bestes Messer vor dem Backen nach. Und lass die Teiglinge kurz aus der Kälte kommen: Direkt aus dem Kühlschrank sind sie rund 5 °C kalt und die Oberfläche ist spröde. Fünf bis zehn Minuten auf der Arbeitsplatte reichen, dann öffnet sich der Schnitt im Ofen kontrolliert, statt wild aufzureißen.

    Hydration und Co., für alle, die es genau wissen wollen

    Info

    Fürs Backen brauchst du die folgende Tabelle nicht. Sie hilft nur, wenn du das Rezept anpassen oder mit anderen Rezepten vergleichen willst.

    Gesamtmehl500 g
    Gesamtwasser325 g
    Hydration65 %
    Teigausbeute (TA)165
    Poolish-Anteil30 % vom Mehl

    Wie fühlt sich der Teig an?

    Mit 65 % Hydration ist der Teig kompakt, aber geschmeidig. Er klebt leicht an den Fingern, lässt sich aber sauber aus der Schüssel lösen und rund formen. Wirkt dein Teig deutlich weicher, liegt das meist am Mehl, denn verschiedene Type-550-Mehle binden unterschiedlich viel Wasser. Gib dann 10 bis 20 g Mehl dazu und knete eine Minute länger, dann passt es.

    Noch Fragen zu deinen Sonntagsbrötchen mit Poolish? — FAQ

    Kann ich Sonntagsbrötchen auch mit Trockenhefe backen?

    Ja. Frischhefe und Trockenhefe rechnest du im Verhältnis 3:1 um, aus 3 g Frischhefe im Hauptteig werden also rund 1 g Trockenhefe. Für den Poolish wird es knifflig, weil du 0,3 g Trockenhefe kaum genau abwiegen kannst. Bei so kleinen Mengen bleibe ich bei Frischhefe und nutze die Hefewasser-Methode aus Schritt 1.

    Kann ich den Teig länger als eine Nacht im Kühlschrank lassen?

    Bis 18 Stunden geht das gut. Nach 14 Stunden schmeckst du den Unterschied im Aroma kaum noch, und ab 20 Stunden kippt der Teig in die Übergare. Dann sacken die Brötchen beim Einschneiden zusammen und schmecken flach. Wenn du bewusst länger führen willst, nimm im Hauptteig nur 2 statt 3 g Hefe und rechne mit höchstens 18 Stunden.

    Kann ich den Poolish oder die geformten Teiglinge einfrieren?

    Den Poolish besser nicht, die Hefe übersteht das Einfrieren nur teilweise, und auf die Triebkraft nach dem Auftauen kannst du dich nicht verlassen. Geformte Teiglinge funktionieren dagegen: einzeln auf einem Blech vorfrieren, dann in einen Beutel geben. Über Nacht im Kühlschrank auftauen und wie im Rezept weitermachen.

    Warum Olivenöl, geht auch Butter oder neutrales Öl?

    Olivenöl gibt den Brötchen eine leicht fruchtige Note, die gut zum Mehlaroma passt. Neutrales Öl wie Raps oder Sonnenblume funktioniert genauso, nur ohne den mediterranen Akzent. Butter geht auch: Nimm 30 g geschmolzene Butter statt Öl, dann werden die Brötchen etwas weicher und bräunen schneller. Dreh dafür im letzten Drittel der Backzeit von 230 auf 220 °C herunter.

    Wie halbiere ich das Rezept für vier bis fünf Brötchen?

    Teil alle Zutaten durch zwei: 75 g Mehl und 75 g Wasser für den Poolish, 150 g Type 550 plus 25 g Vollkorn im Hauptteig, 5 g Salz, 1,5 g Frischhefe im Hauptteig, 15 g Olivenöl. Die Hefemengen im Poolish werden winzig (0,75 g bzw. 0,15 g), da lohnt sich die Hefewasser-Methode umso mehr. Kleine Teige werden in der Maschine schnell warm, also knete lieber von Hand oder nur kurz.

    Was mache ich, wenn ich keine Knetmaschine habe?

    Von Hand geht es genauso gut, dauert nur etwas länger, 12 bis 15 Minuten statt 8 bis 10 in der Maschine. Am Anfang hast du einen klebrigen Klumpen, der noch nicht nach Teig aussieht. Gib nicht auf und knete kein zusätzliches Mehl ein. Nach ein paar Minuten Dehnen und Falten kommt die Geschmeidigkeit von selbst. Das Olivenöl knetest du auch hier erst in den letzten 5 Minuten unter.

    Wie bewahre ich die Brötchen am besten auf?

    In einem Stoffbeutel oder Brotkasten halten sie 2 bis 3 Tage. Am ersten Tag sind sie am knusprigsten, danach werden sie weicher, schmecken aber weiter gut. Zum Aufbacken kommen sie 3 bis 5 Minuten bei 180 °C in den Ofen, dann ist die Kruste fast wie frisch. Zum Einfrieren lässt du sie ganz auskühlen und frierst sie einzeln ein, morgens legst du sie in den kalten Ofen und lässt sie bei 180 °C mit auftauen, nach 12 bis 15 Minuten sind sie fertig.

    Gestapelte Sonntagsbrötchen mit goldbrauner Kruste, aufgeschnittene Hälften zeigen perfekte luftige Porung

    Sonntagsbrötchen über Nacht – Rezept mit Poolish

    Vorbereitung 40 Minuten
    Backzeit 25 Minuten
    Reifezeit (Poolish + Übernacht-Gare) 19 Stunden 55 Minuten
    Gesamtzeit 21 Stunden
    Sonntagsbrötchen mit Poolish-Vorteig und Übernacht-Gare. Samstags vorbereiten, sonntags frisch backen. Zwei Varianten, je nachdem wann du loslegst: Für Kurzentschlossene oder Für Vorausplaner.
    8 Brötchen
    brötchen, Frühstück, Kleingebäck

    Zutaten

    Poolish
    • 150 g Weizenmehl Type 550
    • 150 g Wasser zimmerwarm, ca. 20 °C
    • 1,5 / 0,3 g Frischhefe 1,5 g Für Kurzentschlossene, 0,3 g Für Vorausplaner
    Hauptteig
    • ca. 300 g reifer Poolish (gesamt)
    • 175 g Wasser kalt, aus dem Kühlschrank
    • 300 g Weizenmehl Type 550
    • 50 g Weizen-Vollkornmehl
    • 10 g Salz
    • 3 g Frischhefe
    • 30 g Olivenöl

    Kochutensilien

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    Zubereitung

    Für Vorausplaner (Empfehlung)
    • 0,3 g Frischhefe über die Hefewasser-Methode abwiegen (1 g Hefe in 10 g Wasser lösen, davon 3 g nehmen) und in 150 g zimmerwarmem Wasser auflösen. 150 g Weizenmehl Type 550 einrühren, bis ein glatter Brei entsteht. Abgedeckt bei 20 bis 21 °C reifen.
    • Poolish 8 bis 10 Stunden reifen lassen, bis die Oberfläche großblasig ist, sich wölbt und in der Mitte eine leichte Delle entsteht.
    • Den ganzen reifen Poolish (ca. 300 g) mit 175 g kaltem Wasser, 300 g Weizenmehl Type 550, 50 g Weizen-Vollkornmehl, 10 g Salz und 3 g Frischhefe in die Knetmaschine geben. 2 bis 3 Minuten auf niedriger Stufe mischen.
    • Hochschalten und 30 g Olivenöl in einem dünnen Strahl zulaufen lassen. Insgesamt 8 bis 10 Minuten kneten, bis der Teig sich glatt vom Schüsselrand löst und den Fenstertest besteht.
    • Teig zu einer Kugel formen, in eine leicht geölte Schüssel legen, abdecken. 30 Minuten Stockgare bei Raumtemperatur.
    • Teig auf leicht bemehlte Fläche stürzen, in 8 bis 9 Stücke zu je ca. 100 g teilen. Auf unbemehlter Fläche rund schleifen, dann leicht länglich rollen. Mit der Naht nach oben aufs Bäckerleinen legen.
    • Teiglinge abgedeckt rund 10 Stunden bei 5 bis 6 °C in den Kühlschrank stellen (Übernacht-Gare).
    • Backstahl oder Backblech und eine leere hitzefeste Schale auf 250 °C Ober-/Unterhitze stellen und mindestens 30 Minuten vorheizen.
    • Teiglinge mit der Naht nach unten auf Backpapier setzen und längs im 45-Grad-Winkel einschneiden.
    • Aufs heiße Blech ziehen, sofort 50 bis 100 ml kochendes Wasser in die heiße Schale gießen, Ofentür schließen, Temperatur auf 230 °C reduzieren. Nach 10 Minuten Dampf ablassen, insgesamt 20 bis 25 Minuten goldbraun backen.
    • Auf einem Gitter mindestens 15 Minuten auskühlen lassen.
    Für Kurzentschlossene
    • 1,5 g Frischhefe direkt abwiegen und in 150 g zimmerwarmem Wasser auflösen. 150 g Weizenmehl Type 550 einrühren, bis ein glatter Brei entsteht. Abgedeckt bei 20 bis 21 °C reifen.
    • Poolish 4 bis 6 Stunden reifen lassen, bis die Oberfläche großblasig ist, sich wölbt und in der Mitte eine leichte Delle entsteht.
    • Den ganzen reifen Poolish (ca. 300 g) mit 175 g kaltem Wasser, 300 g Weizenmehl Type 550, 50 g Weizen-Vollkornmehl, 10 g Salz und 3 g Frischhefe in die Knetmaschine geben. 2 bis 3 Minuten auf niedriger Stufe mischen.
    • Hochschalten und 30 g Olivenöl in einem dünnen Strahl zulaufen lassen. Insgesamt 8 bis 10 Minuten kneten, bis der Teig sich glatt vom Schüsselrand löst und den Fenstertest besteht.
    • Teig zu einer Kugel formen, in eine leicht geölte Schüssel legen, abdecken. 30 Minuten Stockgare bei Raumtemperatur.
    • Teig auf leicht bemehlte Fläche stürzen, in 8 bis 9 Stücke zu je ca. 100 g teilen. Auf unbemehlter Fläche rund schleifen, dann leicht länglich rollen. Mit der Naht nach oben aufs Bäckerleinen legen.
    • Teiglinge abgedeckt rund 10 Stunden bei 5 bis 6 °C in den Kühlschrank stellen (Übernacht-Gare).
    • Backstahl oder Backblech und eine leere hitzefeste Schale auf 250 °C Ober-/Unterhitze stellen und mindestens 30 Minuten vorheizen.
    • Teiglinge mit der Naht nach unten auf Backpapier setzen und längs im 45-Grad-Winkel einschneiden.
    • Aufs heiße Blech ziehen, sofort 50 bis 100 ml kochendes Wasser in die heiße Schale gießen, Ofentür schließen, Temperatur auf 230 °C reduzieren. Nach 10 Minuten Dampf ablassen, insgesamt 20 bis 25 Minuten goldbraun backen.
    • Auf einem Gitter mindestens 15 Minuten auskühlen lassen.

    Notizen

    Zur Wassermenge: Nicht jedes Type-550-Mehl bindet gleich viel Wasser. Wenn du am Anfang stehst, halte 10 bis 20 g Schüttwasser zurück und gib sie erst dazu, wenn der Teig zu fest wirkt. Ein etwas festerer Teig lässt sich leichter formen.
    Zum Backen: Wenn nichts anderes dabeisteht, backe mit Ober- und Unterhitze. Umluft trocknet die Brötchen leichter aus.

    Hast du das Rezept schon ausprobiert?

    Ich freu mich über einen Kommentar von dir.
  • Böblinger Faulpelz – Roggenmischbrot ohne Kneten aus der Kastenform

    Böblinger Faulpelz – Roggenmischbrot ohne Kneten aus der Kastenform

    Manchmal hab ich einfach keine Lust auf Dehnen und Falten, Kneten, Formen und das ganze Programm. Aber auf frisches Brot verzichten? Niemals. Also habe ich so lange herumprobiert, bis der Böblinger Faulpelz entstanden ist, ein einfaches Roggenmischbrot ohne Kneten, das du nur zusammenrührst, in die Kastenform kippst und dann schlafen gehst. Über Nacht geht der Teig direkt in der Form, und am nächsten Morgen schiebst du ihn einfach in den Ofen.

    Damit das fertige Brot gut aus der Kastenform geht, wird diese vorher mit Rapsöl ausgestrichen und mit Sesam bestreut. Das gibt nicht nur einen zusätzlichen Sesam-Twist, sondern der Sesam wirkt auch als natürliche Anti-Haft-Beschichtung. Das Brot löst sich nach dem Backen praktisch von selbst aus der Form. Die Sonnenblumenkerne oben geben dem Ganzen noch einen nussigen Biss.

    Dieses Brot ist ein echtes Sauerteigbrot mit Anstellgut, und du kannst es auf zwei Arten ansetzen, je nachdem wie fit dein Anstellgut gerade ist. Hast du einen aktiven, kräftigen Starter, backst du ganz ohne Hefe. Ist dein Anstellgut noch jung oder etwas müde, gibst du ein Krümchen Hefe und einen Schuss Apfelessig als Sicherheitsnetz dazu. Beide Varianten ergeben ein saftiges, aromatisches Roggenmischbrot mit dichter Krume, perfekt zum Frühstück oder für herzhaften Belag. Die Kombination aus Roggen, Dinkel und Haferflocken macht es schön saftig und haltbar.

    Insgesamt brauchst du für dieses Brot etwa 11–15 Stunden, davon nur rund 10 Minuten aktive Zeit. Der Rest ist Wartezeit. Die kühle Übernacht-Gare macht die Arbeit für dich. Perfekt, wenn du morgens frisches Brot haben willst, ohne früh aufzustehen.

    Robert sagt

    „Hefe. In meinem Roggenteig. Muss das sein?

    Ja ja, ich weiß schon. Wenn dein Anstellgut noch jung ist, dann ist das eben so. Ich war auch mal jung, 2019, da hätte ich diesen Teig über Nacht auch nicht allein durchgezogen. Hab ich nur keinem erzählt.

    Aber der Essig muss sein, der ist kein Anfängerkram. Der macht die Säure, die ich dir sonst selber mitbringe. Die braucht Roggen, ob’s dir passt oder nicht.“

    Roggenmischbrot hochkant mit Sesam-Kruste und saftiger Krume ohne Kneten gebacken

    Backzeiten-Rechner

    Wann muss ich anfangen?

    Du willst dein Brot morgens um 9 Uhr frisch auf dem Tisch? Sag dem Backzeiten-Rechner, wann es fertig sein soll, und er rechnet dir jeden Schritt bis zum Start zurück. Spart Kopfrechnen.

    Zum Rechner springen ↓
    Die richtige Form-Größe

    Zu viel Teig in der Form ist der häufigste Fehler beim Kastenbrot. Das Brot braucht Platz für den Ofentrieb. Dieses Rezept ergibt etwa 980 g Teig, perfekt für eine 30 cm Kastenform. Wenn du nur eine 25 cm Form hast, nimm vorher 100 g Teig ab und back daraus ein kleines Brötchen. Sonst quillt der Teig über den Rand.

    Was kommt in den Böblinger Faulpelz?

    Der Unterschied zwischen den beiden Varianten liegt nur beim Trieb. Die Variante mit aktivem Anstellgut läuft allein über den Starter, die Variante mit jungem Anstellgut bekommt ein kleines Sicherheitsnetz aus etwas Hefe und Apfelessig. Mehl, Haferflocken, Salz und der Zuckerrübensirup bleiben in beiden Fällen gleich.

    Teig mit aktivem, kräftigem Anstellgut
    Roggenmehl Type 1150300 g
    Dinkelmehl Type 630 (oder 1050)200 g
    Zarte Haferflocken50 g
    Aktives Anstellgut (Roggen, 1:1:1 gepflegt)80 g
    Wasser, kalt420 g
    Zuckerrübensirup20 g (1 EL)
    Salz12 g

    Kein Essig, keine Hefe. Der fitte Starter macht Trieb und Säure ganz allein.

    Teig mit jungem oder schwachem Anstellgut
    Roggenmehl Type 1150300 g
    Dinkelmehl Type 630 (oder 1050)200 g
    Zarte Haferflocken50 g
    Junges Anstellgut (Roggen, 1:1:1 gepflegt)40 g
    Wasser, kalt420 g
    Apfelessig (ca. 1,5 EL)15 g
    Zuckerrübensirup20 g (1 EL)
    Salz12 g
    Frischhefe (kleiner als eine Erbse)2 g

    Der Essig und die kleine Menge Hefe fangen ab, was dem jungen Starter noch an Kraft und Säure fehlt.

    Für die Form (beide Varianten)
    Rapsölzum Ausstreichen
    Sesamreichlich
    Fürs Topping (beide Varianten)
    Sonnenblumenkernenach Belieben
    Welcher Weg ist meiner?

    Verdoppelt sich dein Anstellgut nach dem Füttern zuverlässig in 4–6 Stunden und riecht angenehm säuerlich, ist es fit genug für die Variante ohne Hefe. Bist du dir unsicher, hast deinen Starter gerade erst aufgebaut oder kommt er frisch aus dem Kühlschrank, nimm die Variante mit jungem Anstellgut. Das kleine bisschen Hefe hält das Übernacht-Fenster stabil, der Essig sorgt für die milde Säure.

    Wie lange muss der Teig gehen?

    Warm

    Temperatur

    Um die 20 °C.

    Gehzeit

    Eher 8–10 Stunden.

    Charakter

    Geht schneller. Behalt ihn im Blick, damit er nicht über den Rand quillt, vor allem mit einem fitten Anstellgut.

    Empfehlung

    Kühl

    Temperatur

    16–18 °C.

    Gehzeit

    Über Nacht in 10–14 Stunden.

    Charakter

    Mein Standard für beide Varianten. Entspannt über Nacht, morgens ab in den Ofen.

    So backst du den Böblinger Faulpelz

    Die Form vorbereiten

    Nimm deine Kastenform und pinsel sie innen gründlich mit Rapsöl aus. Boden, Wände, Ecken, überall. Dann eine ordentliche Handvoll Sesam rein und die Form in alle Richtungen kippen und drehen, bis der Sesam überall am Öl klebt. Den Rest kippst du wieder aus.

    Das dauert zwei Minuten und ist der Schritt, an dem sich später entscheidet, ob das Brot von selbst aus der Form fällt oder ob du es mit dem Messer rausschneiden musst. Spar hier nicht am Öl.

    Den Teig zusammenrühren

    Kaltes Wasser in eine große Schüssel, den Zuckerrübensirup einrühren. Backst du mit jungem Anstellgut, löst du hier auch die Frischhefe auf und gibst den Apfelessig dazu. Dann kommt das Anstellgut rein und wird untergerührt, bis nichts mehr klumpt.

    Jetzt erst die trockenen Sachen: Roggenmehl, Dinkelmehl, Haferflocken und Salz. Welche Mehltypen sich wie verhalten, erkläre ich an anderer Stelle ausführlicher. Hier reicht dir, dass Roggen 1150 und Dinkel 630 zusammen die Mischung ergeben, die dieses Brot saftig macht.

    Rühr alles mit einem stabilen Löffel oder der Hand kurz zu einem einheitlichen Teig. Kurz heißt kurz. Sobald kein trockenes Mehl mehr zu sehen ist, hörst du auf. Nicht kneten. Der Teig ist weich und klebt an allem, das gehört so.

    Einfüllen und Kerne drauf

    Füll den Teig sofort in die vorbereitete Form. Sofort deshalb, weil er nach ein paar Minuten schon anfängt zu binden und sich dann schlechter verteilen lässt. Mach deine Hände nass und streich die Oberfläche glatt, drück den Teig dabei auch in die Ecken.

    Dann streust du die Sonnenblumenkerne dicht über die ganze Fläche und drückst sie mit nasser Hand leicht an. Wenn du das Andrücken weglässt, liegen sie nach dem Backen im Brotkorb statt auf dem Brot.

    Die kühle Nacht

    Deck die Form ab. Ich nehme dafür eine Duschhaube oder geölte Folie. Dann stellst du sie an einen kühlen Ort mit 16 bis 18 °C und lässt sie 10 bis 14 Stunden stehen. Bei mir ist das der Kellerabgang, ein kühler Flur tut es genauso.

    Am Morgen sollte der Teig bis knapp unter den Rand gestiegen sein. Nicht darüber. Quillt er über, war es zu warm, und du stellst ihn beim nächsten Mal kühler oder holst ihn früher raus.

    Backen

    Heiz den Ofen auf 240 °C Ober- und Unterhitze vor, nicht Umluft. Die Form kommt auf den Rost ins untere Drittel. Gib einen Schluck Wasser auf den Ofenboden und mach die Tür schnell wieder zu.

    Nach 10 Minuten drehst du auf 200 °C runter und lässt das Brot weitere 45 bis 50 Minuten backen. Werden die Kerne oben zu dunkel, legst du locker ein Stück Alufolie auf.

    Am Ende misst du die Kerntemperatur. 98 °C in der Mitte, dann ist es durch. Ist es noch nicht so weit, gib ihm 5 bis 10 Minuten mehr. Danach stürzt du das Brot aus der Form und klopfst auf den Boden, das sollte hohl klingen.

    Lass es wirklich auskühlen

    Ein Roggenbrot schneidest du nicht warm an. Die Krume ist dann noch nicht fertig, sie wirkt feucht und schmiert am Messer. Gib dem Faulpelz ein paar Stunden auf dem Gitter, besser über Nacht. Das ist der schwerste Teil vom ganzen Rezept.

    Warum dieses Roggenmischbrot ohne Kneten gelingt

    Der Faulpelz ist ein Roggenmischbrot, mehr als die Hälfte vom Mehl ist Roggen. Bei mir 300 Gramm Roggen auf 200 Gramm Dinkel. Und genau daran liegt es, dass du hier nichts kneten musst.

    Normalerweise musst du einen Brotteig kneten, damit sich das Glutennetzwerk entwickelt. Beim Böblinger Faulpelz übernimmt die lange, kühle Gare diese Aufgabe. Der Teig hat 10–14 Stunden Zeit, sich selbst zu strukturieren. Hier sind die wichtigsten Faktoren, die das Rezept so einfach machen:

    Hoher Roggenanteil

    Beim Weizen knetest du, damit sich aus dem Klebereiweiß ein elastisches Netz spannt, das später die Gasblasen hält. Roggen hat auch Klebereiweiß, kommt damit aber nie zu so einem Netz. Dazwischen sitzen die Pentosane, Schleimstoffe aus dem Korn, die sich zwischen die Eiweiße legen.

    Dafür binden diese Pentosane sehr viel Wasser und geben dem Teig ihre eigene Struktur, ganz von allein. Deshalb reicht hier kurzes Verrühren. Der Teig ist klebrig und weich. Bei Roggen ist das normal und genau richtig.

    Säure – ohne die geht’s bei Roggen nicht

    Im Roggen stecken Enzyme, die Amylasen. Die zerlegen im heißen Ofen genau die Stärke wieder, aus der die Krume fest werden soll. Weizen hat davon wenig, Roggen deutlich mehr. Werden sie nicht ausgebremst, bleibt die Krume feucht und klebrig, egal wie lange das Brot im Ofen steht.

    Ausbremsen kann sie nur Säure. Deshalb gehört in ein Roggenbrot immer etwas Saures, und deshalb hat der Faulpelz zwei Wege. Ein aktives Anstellgut bringt die Säure selbst mit. Ist deins noch jung, fehlt ihm genau die, und dann springt der Apfelessig ein. Der ist hier nicht für den Geschmack drin, sondern macht dieselbe Arbeit.

    Lange, kühle Gare

    Durch die niedrige Temperatur (16–18 °C) und die lange Gehzeit entwickeln sich die Aromen langsam. Mit aktivem Anstellgut treibt der Starter den Teig und bringt zugleich die typische, milde Sauerteig-Säure mit. Mit jungem Anstellgut hilft ein Krümchen Hefe beim Trieb, während Anstellgut und Apfelessig für die Säure sorgen. Das Ergebnis ist in beiden Fällen ein intensiver Geschmack, ohne dass du einen Vorteig ansetzen musst.

    Direktes Gären in der Form

    Du musst den Teig nicht formen oder wirken. Er geht direkt in der Form und nimmt ihre Gestalt an. Das spart dir nicht nur Arbeit, sondern gibt dem Brot auch eine schöne, gleichmäßige Kastenform, perfekt zum Schneiden.

    Sesam als Anti-Haft-Schicht

    Der Sesam wirkt wie eine natürliche Trennschicht zwischen Teig und Form. Das Öl verhindert Ankleben, der Sesam gibt zusätzlich Knusprigkeit und Geschmack. Ich habe das mal ohne Sesam probiert. Das Brot ist kleben geblieben und war schwer zu lösen.

    Einfaches Roggenbrot ohne Kneten

    Zusammen ergibt das ein Brot, bei dem du kaum etwas tun musst. Der Teig macht die Arbeit selbst, und du bekommst trotzdem ein saftiges, aromatisches Mischbrot mit kräftiger Kruste. Wenn du das Gleiche lieber rund und rustikal aus dem Topf hättest, ist mein Böblinger Bauernlaib der passende nächste Schritt.

    Mach’s zu deinem Faulpelz – Varianten mit Vollkorn, Weizen oder ganz ohne Anstellgut

    Weizen statt Dinkel

    Ersetze das Dinkelmehl durch Weizenmehl Type 550 oder 1050. Weizen bindet etwas mehr Wasser als Dinkel und ergibt einen neutraleren Geschmack. Du kannst die Wassermenge beibehalten (420 g) oder leicht erhöhen auf 430–440 g, wenn der Teig dir zu fest erscheint. Das Brot wird etwas heller und die Krume feiner.

    Vollkorn-Version

    Verwende statt Type 1150 Roggenvollkornmehl und statt Type 630 Dinkelvollkornmehl. Das Brot wird noch kräftiger im Geschmack und dunkler in der Farbe. Vollkorn bindet mehr Wasser. Erhöhe die Wassermenge auf 440–450 g. Die Gare kann etwas länger dauern, also rechne mit 12–16 Stunden.

    Kürbiskerne statt Sonnenblumenkerne

    Kürbiskerne geben dem Brot eine andere Textur. Sie sind etwas weicher und schmecken nussiger. Du kannst auch eine Mischung aus Sonnenblumenkernen, Kürbiskernen und Leinsamen nehmen. Einfach die Oberfläche damit bedecken und andrücken.

    Ganz ohne Anstellgut

    Du hast (noch) gar kein Anstellgut? Dann lass es weg und nimm stattdessen 5 g Frischhefe plus 1 EL Joghurt oder Buttermilch für die milde Säure. Das ist dann streng genommen kein Sauerteigbrot mehr, schmeckt aber trotzdem gut und ist ein prima Einstieg, bis dein eigener Starter bereit ist. Den Apfelessig kannst du in dieser Variante drinlassen, er unterstützt die Säure.

    Meine Lieblingsvariante

    Ich backe den Böblinger Faulpelz am liebsten mit aktivem Anstellgut und einer Mischung aus Sonnenblumenkernen und geröstetem Sesam oben drauf. Der geröstete Sesam gibt noch mehr Aroma, und die Kombination mit dem Sesam-Mantel in der Form ist unschlagbar.

    Einfaches Roggenbrot ohne Kneten mit Sonnenblumenkernen und saftiger Krume auf Holzbrett

    Meine Empfehlungen fürs Kastenbrot

    Große Teigschüssel zum Anrühren von Brotteig
    Teigschüssel*
    Groß genug, dass ich auch weiche Teige bequem verrühren kann, ohne dass was überschwappt.
    Flexible Teigkarte aus Kunststoff
    Flexible Teigkarte*
    Die biegsame Karte schmiegt sich an die Schüssel. Damit krieg ich auch den letzten weichen Teig restlos raus.
    Einstichthermometer zum Messen der Kerntemperatur
    Einstichthermometer*
    Ab 98 °C Kerntemperatur ist das Brot durch. Damit rät man nicht mehr, ob es fertig ist.

    Hier kannst du meine komplette Backausrüstung anschauen.

    * Affiliate-Link: Kaufst du darüber, bekomme ich eine kleine Provision, für dich bleibt der Preis gleich.

    Wenn der Böblinger Faulpelz nicht so wird wie geplant

    Ein paar Sachen gehen bei diesem Brot häufiger schief. Meistens steckt eine einfache Ursache dahinter, und die kriegst du in den Griff.

    ❌ Der Teig ist über Nacht zu stark aufgegangen

    Der Teig ist über den Rand der Form gequollen und eventuell schon wieder zusammengefallen. Das passiert, wenn die Gare zu warm war oder zu lange gedauert hat. Mit einem sehr fitten Anstellgut geht es besonders schnell. Bei 20 °C oder mehr geht der Teig viel schneller als bei 16–18 °C.

    Beim nächsten Mal stelle die Form an einen kühleren Ort oder verkürze die Garezeit auf 8–10 Stunden. Wenn der Teig schon über den Rand quillt, ist es eigentlich schon zu spät. Backe ihn trotzdem. Das Brot wird etwas flacher und dichter, schmeckt aber meistens noch gut.

    ❌ Das Brot bleibt in der Form kleben

    Das Brot lässt sich nach dem Backen nicht aus der Form lösen, obwohl du Öl und Sesam verwendet hast. Das kann passieren, wenn du zu wenig Öl genommen hast oder den Sesam nicht überall verteilt hast.

    Nimm beim nächsten Mal mehr Rapsöl und achte darauf, dass wirklich alle Ecken und Kanten mit Sesam bedeckt sind. Wenn das Brot trotzdem klebt, lass es 5 Minuten in der Form abkühlen und löse es dann vorsichtig mit einem Messer vom Rand.

    ❌ Die Sonnenblumenkerne werden zu dunkel

    Die Kerne auf der Oberfläche sind schwarz geworden, obwohl das Brot innen noch nicht durchgebacken ist. Das passiert manchmal bei längeren Backzeiten.

    Leg nach 30–40 Minuten Backzeit ein Stück Alufolie locker auf das Brot. Das schützt die Oberfläche, ohne die Hitze im Ofen zu reduzieren. Das Brot backt trotzdem fertig durch.

    ❌ Das Brot ist innen noch klebrig

    Du schneidest das Brot an, und die Krume ist feucht und klebrig, nicht saftig, sondern richtig matschig. Das liegt meistens daran, dass das Brot nicht lange genug gebacken wurde.

    Mach die Klopfprobe am Boden des Brots. Wenn es nicht hohl klingt, backe es weitere 10–15 Minuten bei 180 °C. Du kannst das Brot auch aus der Form nehmen und ohne Form zu Ende backen, dann wird die Kruste rundum knusprig.

    ❌ Der Teig geht kaum auf

    Nach 12 Stunden Gare ist der Teig immer noch klein und kompakt. Das kann passieren, wenn dein Anstellgut nicht fit genug war, die Hefe zu alt war oder die Temperatur zu niedrig lag (unter 15 °C).

    Stell die Form an einen wärmeren Ort (ca. 20 °C) und warte weitere 2–4 Stunden. Wenn auch das nicht hilft, backe ihn trotzdem. Das Brot wird dichter, ist aber meistens noch genießbar. Füttere dein Anstellgut beim nächsten Mal vorher noch einmal auf, damit es richtig aktiv ist, oder nimm die Variante mit dem kleinen Hefe-Sicherheitsnetz.

    roggenmischbrot sonnenblumenkerne ganz scheiben

    Hydration & Co.

    Weil sich die beiden Wege in der Anstellgut-Menge leicht unterscheiden, hier die Kennzahlen für beide getrennt. Was Hydration und Teigausbeute genau bedeuten und wie du sie selbst ausrechnest, steht im eigenen Artikel dazu.

    Mit aktivem Anstellgut

    Gesamtmehl (inkl. Haferflocken + ASG)590 g
    Gesamtwasser (inkl. ASG)460 g
    Hydrationca. 78 %
    Teigausbeute (TA)178
    Salz (vom Gesamtmehl)2,0 %

    Mit jungem Anstellgut und Hefe

    Gesamtmehl (inkl. Haferflocken + ASG)570 g
    Gesamtwasser (inkl. Essig + ASG)455 g
    Hydrationca. 80 %
    Teigausbeute (TA)180
    Salz (vom Gesamtmehl)2,1 %

    Wie wird das berechnet? Haferflocken zählen zur „Mehl-Seite“, da sie wie Mehl Wasser binden. Das Anstellgut ist 1:1:1 gepflegt, besteht also je zur Hälfte aus Mehl und Wasser (mit aktivem Anstellgut 40 g / 40 g, mit jungem Anstellgut 20 g / 20 g). Bei der Variante mit jungem Anstellgut zählt der Apfelessig zur Flüssigkeit. Den Zuckerrübensirup rechnen wir wie im Ausgangsrezept nicht zur Flüssigkeit.

    Der Teig ist mit rund 78–80 % Hydration sehr weich und klebrig. Das ist bei Roggenmischbroten normal. Roggen kann viel Wasser binden, und die Haferflocken saugen auch ordentlich auf. Der Teig lässt sich nicht formen wie ein Dinkelteig, aber genau das ist gewollt. In der Form geht er trotzdem schön auf und behält seine Struktur.

    Saftige poröse Krume vom Roggenmischbrot ohne Kneten – Nahaufnahme

    Noch Fragen zum Roggenbrot ohne Kneten? – FAQ

    Was ist der Unterschied zwischen den beiden Varianten?

    Beide ergeben dasselbe Brot, nur der Trieb kommt aus einer anderen Quelle. Die Variante mit aktivem Anstellgut läuft allein über den Starter, ganz ohne Hefe und Essig, und wird dadurch etwas säuerlicher und aromatischer. Die Variante mit jungem Anstellgut bekommt ein Krümchen Hefe für zuverlässigen Trieb und einen Schuss Apfelessig für die milde Säure. Sie ist berechenbarer, die andere geschmacklich intensiver.

    Brauche ich für dieses Brot einen aktiven Sauerteig?

    Für die Variante ohne Hefe ja, da braucht dein Anstellgut Triebkraft. Für die Variante mit jungem Anstellgut reicht auch ein etwas müder Starter, weil die kleine Menge Hefe den Trieb absichert. Und wenn du gar kein Anstellgut hast, kannst du es ganz weglassen und stattdessen 5 g Frischhefe und 1 EL Joghurt für die Säure nehmen. Das ist dann kein Sauerteigbrot mehr, funktioniert aber als Einstieg. Wenn du ganz vorne anfangen willst, führt dich mein Sauerteigbrot für Anfänger Schritt für Schritt durch das erste eigene Brot.

    Warum wird meine Roggenkrume klebrig?

    Meistens fehlt Säure, nicht Backzeit. Roggen bringt viele Amylasen mit, und die bauen im Ofen die Stärke ab, die die Krume fest machen soll. Säure bremst sie aus. Wenn du also mit einem jungen Anstellgut backst und den Apfelessig weglässt, kann dir das passieren, selbst wenn das Brot seine 98 °C Kerntemperatur hatte. Der zweite Grund ist zu frühes Anschneiden. Ein Roggenbrot muss richtig durchkühlen, sonst wirkt die Krume feucht, obwohl sie es gar nicht mehr ist.

    Wie lange muss der Teig über Nacht gehen?

    Bei 16–18 °C sind das etwa 10–14 Stunden. Aber die Zeit ist nur ein Richtwert. Wann der Teig fertig ist, entscheidet sein Reifegrad, nicht die Uhr. Er sollte in der Kastenform fast bis knapp unter den Rand aufgehen. Ist deine Küche wärmer, geht er schneller, bei kühler entsprechend langsamer. Gerade mit einem fitten Anstellgut kann es deutlich schneller gehen.

    Warum nur 2 g Hefe?

    Bei langen Garezeiten brauchst du nur sehr wenig Hefe. Sie hat ja 10–14 Stunden Zeit zu arbeiten, da reicht eine winzige Menge, zumal das junge Anstellgut schon etwas Eigentrieb mitbringt. Nimmst du mehr Hefe, geht der Teig zu schnell und kann übergären. Ich habe das mal mit 10 g Hefe probiert. Nach 6 Stunden war der Teig schon über den Rand gequollen und zusammengefallen.

    Kann ich auch Trockenhefe nehmen?

    Ja. Statt 2 g Frischhefe nimmst du etwa 0,7 g Trockenhefe, ungefähr eine kleine Messerspitze. Du löst sie genauso im Wasser auf. Mit aktivem Anstellgut brauchst du gar keine Hefe, da stellt sich die Frage nicht. Die Garezeit bleibt in beiden Fällen gleich.

    Warum Apfelessig bei jungem Anstellgut?

    Ein junges Anstellgut ist für den kräftigen Roggen oft noch zu mild. Der Apfelessig bringt die milde Säure, die sonst fehlen würde, hilft dem Teig ein bisschen zu Struktur und verlängert die Haltbarkeit. Bei einem aktiven Anstellgut brauchst du ihn nicht, weil der Starter seine Säure selbst mitbringt. Statt Apfelessig geht auch weißer Essig oder ein Spritzer Zitronensaft.

    Welche Kastenform brauche ich?

    Ich benutze eine klassische Kastenform mit 30 cm Länge (Volumen ca. 2,5 Liter). Das kann eine Metallform oder eine Keramikform sein, beides funktioniert. Wichtig ist nur, dass die Form nicht zu klein ist. Wenn der Teig keinen Platz hat, quillt er über den Rand.

    Wie lange ist das No-Knead Roggenbrot haltbar?

    Das Brot bleibt durch den hohen Roggenanteil und die Haferflocken etwa 5–7 Tage frisch. Ich bewahre es in einem Brotkasten auf oder wickle es in ein sauberes Geschirrtuch. Nach 2–3 Tagen wird die Kruste weicher, das ist bei Roggenbroten normal. Du kannst das Brot auch einfrieren und später aufbacken.

    Kann ich den Sesam weglassen?

    Ja, du kannst die Form auch nur mit Öl ausstreichen, ohne Sesam. Das Brot geht trotzdem aus der Form, wenn du genug Öl nimmst. Allerdings fehlt dann die knusprige Sesam-Kruste, und das Brot klebt eher. Ich würde den Sesam nicht weglassen. Er macht einfach den besonderen Charakter dieses Brots aus.

    Muss ich wirklich schwaden?

    Schwaden hilft, ist hier aber kein Muss. Beim freigeschobenen Laib hält der Dampf die Oberfläche elastisch, damit sie nicht zu früh aufreißt. Dein Faulpelz sitzt in der Form und hat oben eine dichte Decke aus Sonnenblumenkernen, da gibt es kaum eine Stelle, die reißen könnte. Ich gebe trotzdem einen Schluck Wasser auf den Ofenboden, weil die Kruste damit einen Tick besser wird. Wenn du es vergisst, ist das kein Drama.

    Warum 98 °C Kerntemperatur? Reicht die Backzeit nicht?

    Die Backzeit ist ein guter Richtwert, aber bei Roggenbroten mit Haferflocken ist die Kerntemperatur viel zuverlässiger. Roggen und Haferflocken speichern sehr viel Feuchtigkeit. Wenn das Brot innen keine 98 °C erreicht, bleibt die Krume klebrig und schneidet sich schlecht. Ab 96 °C ist es „durch“, aber ich empfehle dir die vollen 98 °C. Ein Einstichthermometer* nimmt dir jede Unsicherheit beim Backen.

    Roggenmischbrot aus Kastenform angeschnitten mit gleichmäßigen Scheiben und Sonnenblumenkernen

    Hier ist die Rezeptkarte zum Ausdrucken

    Roggenmischbrot aus Kastenform angeschnitten mit gleichmäßigen Scheiben und Sonnenblumenkernen

    Böblinger Faulpelz – Roggenmischbrot ohne Kneten aus der Kastenform

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    Vorbereitung 10 Minuten
    Backzeit 50 Minuten
    Ruhezeit 12 Stunden
    Gesamtzeit 13 Stunden
    Ein unkompliziertes Roggenmischbrot, das über Nacht in der Form geht, ohne Kneten und ohne Aufwand. Die Sesam-Kruste macht's besonders knusprig, und morgens schiebst du es einfach in den Ofen.
    1 Brot
    No-Knead-Brot

    Zutaten

    Teig mit aktivem, kräftigem Anstellgut
    • 300 g Roggenmehl Type 1150
    • 200 g Dinkelmehl Type 630 oder 1050
    • 50 g Zarte Haferflocken
    • 80 g Aktives Anstellgut Roggen, 1:1:1 gepflegt
    • 420 g Wasser kalt
    • 20 g Zuckerrübensirup 1 EL
    • 12 g Salz
    Teig mit jungem oder schwachem Anstellgut
    • 300 g Roggenmehl Type 1150
    • 200 g Dinkelmehl Type 630 oder 1050
    • 50 g Zarte Haferflocken
    • 40 g Junges Anstellgut Roggen, 1:1:1 gepflegt
    • 420 g Wasser kalt
    • 15 g Apfelessig ca. 1,5 EL
    • 20 g Zuckerrübensirup 1 EL
    • 12 g Salz
    • 2 g Frischhefe kleiner als eine Erbse
    Für die Form (beide Varianten)
    • Rapsöl zum Ausstreichen
    • Sesam reichlich, zum Ausstreuen
    Fürs Topping (beide Varianten)
    • Sonnenblumenkerne nach Belieben

    Kochutensilien

    Hinter diesen Artikeln steckt ein Affiliate-Link. Kaufst du darüber ein, bekomme ich eine kleine Provision, für dich bleibt der Preis gleich. So kannst du bine backt! ganz nebenbei unterstützen.

    Zubereitung

    Schritt 1: Die Form vorbereiten
    • Nimm deine Kastenform (30 cm Länge) und pinsel sie innen gründlich mit Rapsöl aus, Boden und alle Wände.
    • Schütte eine ordentliche Handvoll Sesam in die Form.
    • Dreh und kippe die Form in alle Richtungen, bis der Sesam überall am Öl klebt. Kipp den überschüssigen Sesam wieder aus.
    • Jetzt hast du eine perfekte Anti-Haft-Schicht aus Sesam. Das Brot wird sich später fast von selbst aus der Form lösen.
      Kastenform mit Sesam beschichten für Roggenmischbrot aus der Form
    Schritt 2: Teig mischen mit aktivem Anstellgut
    • Gib das kalte Wasser in eine große Schüssel und rühre den Zuckerrübensirup ein.
    • Rühre das aktive Anstellgut ein, bis es gleichmäßig verteilt ist.
      Sauerteig-Anstellgut in Wassermischung einrühren für Roggenmischbrot ohne Kneten
    • Gib alle Mehle, die Haferflocken und das Salz dazu.
      Roggenmehl, Dinkelmehl und Haferflocken für No-Knead Roggenmischbrot mischen
    • Verrühre alles kurz mit einem stabilen Löffel oder der Hand zu einem klebrigen, einheitlichen Teig. Nicht kneten! Der Teig ist sehr weich und klebrig, das ist genau richtig.
      Roggenmischbrot-Teig mit Holzlöffel zusammenrühren ohne Kneten
    Schritt 2: Teig mischen mit jungem Anstellgut und Hefe
    • Gib das kalte Wasser in eine große Schüssel. Löse die Frischhefe und den Zuckerrübensirup darin auf.
      Hefe und Zuckerrübensirup in warmem Wasser auflösen für einfaches Roggenbrot ohne Kneten
    • Rühre das junge Anstellgut und den Apfelessig ein.
      Sauerteig-Anstellgut in Wassermischung einrühren für Roggenmischbrot ohne Kneten
    • Gib alle Mehle, die Haferflocken und das Salz dazu.
      Roggenmehl, Dinkelmehl und Haferflocken für No-Knead Roggenmischbrot mischen
    • Verrühre alles kurz zu einem klebrigen, einheitlichen Teig. Nicht kneten! Der Teig ist sehr weich und klebrig, das ist genau richtig.
      Roggenmischbrot-Teig mit Holzlöffel zusammenrühren ohne Kneten
    Schritt 3: Teig einfüllen und Topping
    • Fülle den Teig sofort in die vorbereitete Sesam-Form.
      Weichen Roggenbrot-Teig ohne Kneten in Kastenform füllen
    • Mach deine Hände nass und streiche die Oberfläche glatt. Drück den Teig dabei auch schön in die Ecken der Form.
      Roggenmischbrot-Teig mit nassen Händen in Kastenform glatt streichen
    • Bestreue die Oberfläche dicht mit Sonnenblumenkernen.
      Sonnenblumenkerne auf Roggenmischbrot-Teig in Kastenform verteilen
    • Drück die Kerne mit nasser Hand leicht an, damit sie nach dem Backen nicht abfallen.
    Schritt 4: Kühle Übernacht-Gare
    • Deck die Form ab. Ich benutze eine Duschhaube oder geölte Folie.
    • Stell die Form an einen kühlen Ort (16–18 °C), zum Beispiel auf den Kellerabgang, in einen kühlen Flur oder ins Schlafzimmer. Lass sie dort 10–14 Stunden stehen (über Nacht).
    • Der Teig sollte bis knapp unter den Rand aufgehen. Wenn du morgens siehst, dass er schon über den Rand quillt, ist es zu warm. Stell sie beim nächsten Mal kühler.
    Schritt 5: Backen
    • Heiz den Ofen auf 240 °C Ober-/Unterhitze vor.
    • Stell die Form auf den Rost im unteren Drittel des Ofens.
    • Gib einen Schluck Wasser (ca. 50 ml) auf den Ofenboden, um Schwaden zu erzeugen. Schließ die Ofentür schnell.
    • Backe das Brot 10 Minuten bei 240 °C.
    • Schalte die Temperatur auf 200 °C runter und backe weitere 45–50 Minuten.
    • Wenn die Sonnenblumenkerne zu dunkel werden, leg ein Stück Alufolie locker auf das Brot.
    • Nach der Backzeit prüfe die Kerntemperatur mit einem Einstichthermometer. Stich in die Mitte des Brotes, es sollte 98 °C haben. Wenn es noch nicht so weit ist, backe weitere 5–10 Minuten.
    • Stürze das Brot aus der Form. Es sollte dank der Sesam-Öl-Schicht von selbst herausfallen. Klopf auf den Boden, er sollte hohl klingen.

    Notizen

    Welche Variante passt zu deinem Anstellgut? Mit einem aktiven, kräftigen Anstellgut backst du ohne Hefe und ohne Essig, das Brot wird aromatischer und leicht säuerlich. Bei einem jungen oder schwachen Anstellgut geben die kleine Menge Hefe und der Apfelessig Sicherheit und halten das Übernacht-Fenster stabil. Beide Varianten laufen als kühle Übernacht-Gare bei 16–18 °C.
    Zur Wassermenge: Nicht jedes Mehl saugt gleich. Wenn dein Mehl mehr aufnimmt, gib schluckweise Wasser nach; ist der Teig zu weich, halte 20–30 g zurück. Beide Varianten sind bewusst weiche, klebrige Roggenteige (rund 78–80 %).
    Zum Backen: Immer mit Ober-/Unterhitze, nicht mit Umluft (sonst wird die Kruste zu dunkel und das Brot trocken). Die Kerntemperatur von 98 °C bei Roggen mit Haferflocken zwingend messen, die Backzeit ist nur ein Richtwert.

    Hast du das Rezept schon ausprobiert?

    Ich freu mich über einen Kommentar von dir.
  • Sauerteigbrot für Anfänger backen – einfaches Rezept ohne Hefe

    Sauerteigbrot für Anfänger backen – einfaches Rezept ohne Hefe

    Bei uns daheim hat Oma immer gesagt “Ein gutes Brot braucht Zeit und Geduld – und sonst nix.“ Genau das ist die beste Voraussetzung fürs erste eigene Brot, denn beim Sauerteigbrot für Anfänger ist das Schwierigste nicht das Backen, sondern das “Loslassen”.

    Du musst nichts können, was du nicht eh schon kannst. Kein Kneten, keine Maschine, kein Schwaden. Du rührst Mehl, Wasser, Salz und deinen Sauerteig zusammen, stellst die Schüssel über Nacht kühl, und am nächsten Tag backst du. Die Kälte baut in der Zeit das Aroma auf, das Sauerteigbrot so besonders macht, und sie verzeiht dir, wenn du mal eine Stunde zu spät dran bist.

    Dein erstes Brot sieht vielleicht nicht aus wie aus der Bäckerei … hat meins auch nicht. Aber den Moment, wenn du den Topfdeckel abnimmst und die ganze Küche nach frischem Brot duftet, bekommst du sonst nirgends. Es ist dein Brot, du hast es gebacken … nur mit Sauerteig, ohne ein Gramm Hefe.

    Du hast noch keinen Sauerteig-Starter? Hier zeige ich dir, wie du in 7 Schritten deinen eigenen ansetzt.

    Robert sagt

    „Du lässt den Teig in Ruhe, ich erledige den Rest. Faulenzen und trotzdem die Hauptrolle spielen, das kann nicht jeder.“

    Backzeiten-Rechner

    Wann muss ich anfangen?

    Dein Backplan richtet sich nach deinem Tag, nicht umgekehrt. Sag dem Backzeiten-Rechner, wann du fertig sein möchtest, und er rechnet dir jeden Schritt bis zum Start zurück.

    Zum Rechner springen ↓

    Sauerteigbrot backen – kein Kneten, lange Gare und wenig Aufwand

    28 bis 34 Stunden steht im Rezept, und das klingt nach einem Riesenprojekt, aber es klingt eben ur so. Von der ganzen Zeit hast du vielleicht eine halbe Stunde wirklich was zu tun, den Rest macht der Teig von allein, ganz ohne dich.

    Am Vormittag rühre ich den Vorteig an, ein Löffel Anstellgut, etwas Roggenmehl, Wasser. Der steht dann acht bis zwölf Stunden und blubbert vor sich hin. Abends kommt der Hauptteig dazu, eine Stunde darf er anspringen, dann wandert die ganze Schüssel über Nacht in den Kühlschrank.

    In der Kälte legen sich die Hefen im Teig fast schlafen. Er gärt kaum weiter, baut aber über Nacht das Aroma auf, das wir am Sauerteigbrot so mögen. Und dieser Teig ist wirklich geduldig. Ob du am nächsten Tag um neun backst oder erst um eins, ist ihm ziemlich egal. Du formst ihn zum Laib, gibst ihm noch zwei bis vier Stunden bei Raumtemperatur, und dann ab in den Topf

    18 °C oder 26 °C? So passt du die Zeiten an

    Alle Zeiten gelten für ungefähr 22 °C in der Küche. Ist es wärmer, geht alles schneller, ist es kälter, dauert es länger. Als Faustregel verschieben fünf Grad mehr oder weniger die Gärzeit um etwa ein Drittel. Schau weniger auf die Uhr und mehr auf den Teig, der zeigt dir, wann er so weit ist.

    Diese Zutaten brauchst du für dein erstes Sauerteigbrot

    Zutaten für den Vorteig (Roggensauerteig)
    Roggen-Anstellgut (ASG) 15 g
    Wasser 25 g
    Roggenvollkornmehl (oder Roggen 1150) 25 g
    = Vorteig gesamt ca. 65 g
    Zutaten für den Hauptteig
    Reifer Vorteig 65 g
    Wasser (davon ca. 30 g zurückhalten) 330 g
    Roggenmehl Typ 1150 200 g
    Weizenmehl Typ 1050 300 g
    Salz 13 g
    Wert Menge
    Hydration ca. 68 %
    Teiggewicht ca. 910 g

    Anstellgut, Starter, ASG. Die drei Wörter meinen dasselbe: deinen Sauerteig aus dem Kühlschrank, von dem du etwas abnimmst, fütterst und reifen lässt. Für dieses Brot brauchst du ein Roggen-Anstellgut, keinen Weizenstarter. Wenn du also einen Roggen-Starter hast, geht’s direkt los. Dein Starter sollte fit sein, darauf kommt es am meisten an. Wenn du dir unsicher bist ob dein Starter reif genug ist, füttere ihn vorher einmal frisch und warte, bis er Blasen zeigt. Ein träges ASG ist der häufigste Grund, warum das erste Brot flach bleibt.

    Beim Salz bin ich mit 13 g bewusst einen Tick über dem Üblichen. Beim Roggen hilft das, es bremst die Enzyme, die sonst die Krume klitschig machen, und gibt Würze. Magst du es milder, nimm 11 g.

    Das Roggenvollkorn im Vorteig lässt sich durch Roggen 1150 ersetzen, kostet nur ein bisschen Aroma. Und beim Wasser halte ich anfangs rund 30 g zurück. Roggen bindet viel davon, aber jede Tüte Mehl ist ein bisschen anders, also kommt der Rest erst dazu, wenn der Teig zu fest wirkt.

    Angeschnittenes Roggen-Weizen-Sauerteigbrot mit Scheiben auf einem Holzbrett

    Sauerteigbrot ohne Kneten backen – Schritt für Schritt

    Ein Brot ohne Kneten? Das fühlt sich beim ersten Mal komisch an. Mir ging’s genauso. Ich hab den Teig bei meinem ersten Brot komplett mit der Hand durchgeknetet, weil ich nicht glauben konnte, dass es ohne geht. Beim zweiten Mal hab ich mich getraut, einmal gefaltet und sonst die Zeit arbeiten lassen. Seitdem backe ich am liebsten ohne Kneten. Der viele Roggen im Teig hält auch ohne langes Kneten zusammen, die Stunden im Kühlschrank erledigen den Rest.

    Schritt 1: Vorteig ansetzen (Tag 1, z. B. vormittags)

    Gib 15 g Roggen-Anstellgut in eine Schüssel, rühr 25 g Wasser ein, bis sich das ASG aufgelöst hat, und misch dann 25 g Roggenvollkornmehl (oder Roggen 1150) unter, bis keine trockenen Stellen mehr da sind. Füll die Masse in ein sauberes Glas, streich die Oberfläche glatt und markier die Starthöhe mit einem Haushaltsgummi. Deckel locker auflegen, nicht zuschrauben, der Vorteig muss atmen. Dann 8 bis 12 Stunden bei Raumtemperatur reifen lassen, bis er deutlich aufgegangen ist und Blasen zeigt.

    Roggen-Anstellgut in einer weißen Schale, der erste Schritt für den Vorteig
    Anstellgut mit Wasser glattgerührt in der Schale
    Fertig angerührter Roggen-Vorteig fürs Sauerteigbrot, vor dem Reifen
    Angerührter Roggen-Vorteig in ein sauberes Glas gefüllt
    Vorteig im Glas mit Gummiband an der Starthöhe markiert, Deckel locker aufgelegt
    Reifer Roggen-Vorteig im Glas, über die Markierung aufgegangen und voller Blasen

    Schritt 2: Hauptteig mischen (Tag 1, z. B. abends)

    Gib den reifen Vorteig in eine große Schüssel und verrühr ihn mit etwa 300 g Wasser. Die restlichen 30 g hältst du erst mal zurück. Dann kommen 200 g Roggenmehl 1150 und 300 g Weizenmehl 1050 dazu, grob verrühren, und zum Schluss die 13 g Salz einarbeiten. Mehr als ein gleichmäßiger, weicher Teig muss daraus nicht werden, kneten ist nicht nötig. Wirkt er zu fest, gib das zurückgehaltene Wasser dazu. Er soll weich und gerade noch verrührbar sein, nicht suppig.

    Schritt 3: Anspringen lassen und einmal falten

    Deck die Schüssel ab und lass den Teig 1 bis 2 Stunden bei Raumtemperatur anspringen. In der ersten Stunde machst du die Hände nass und faltest ihn einmal rundum: eine Seite hochziehen, zur Mitte legen, Schüssel drehen, bis du einmal herum bist. Dieser eine Handgriff gibt dem Teig etwas mehr Stand, ganz ohne Kneten.

    Schritt 4: Kalte Stockgare über Nacht

    Stell die abgedeckte Schüssel über Nacht in den Kühlschrank, etwa 12 bis 16 Stunden. Bis ungefähr 20 Stunden ist unkritisch, falls du am nächsten Tag später dran bist. Hier musst du nichts tun, die Kälte und die Zeit machen die Arbeit.

    Schritt 5: Formen (Tag 2)

    Bestäub ein Gärkörbchen (für etwa 1 kg) kräftig mit Roggenmehl, das haftet besser als Weizenmehl und klebt weniger. Stürz den Teig auf eine bemehlte Arbeitsfläche und wirk ihn rund: von außen immer wieder zur Mitte einklappen, einmal rundum, bis eine straffe Kugel entsteht. Leg sie mit dem Schluss nach unten ins Körbchen.

    Teig auf bemehlter Fläche von außen zur Mitte eingeklappt
    Rundgewirkter Teigling mit glatter, straffer Oberfläche
    Geformter Teigling im bemehlten Gärkörbchen vor der Stückgare

    Schritt 6: Stückgare und Fingertest

    Deck das Körbchen ab und gib dem Teigling 2 bis 4 Stunden bei Raumtemperatur. Geh hier nach Augenschein, nicht nach der Uhr. So weit ist er, wenn er sichtbar aufgegangen ist und feine Risse an der Oberfläche zeigt. Zur Sicherheit der Fingertest: drück mit einem nassen Finger leicht in den Teig. Federt die Delle langsam zurück und bleibt ganz leicht sichtbar, kann er in den Ofen. Springt sie sofort komplett zurück, braucht er noch Zeit. Bleibt sie ganz stehen und füllt sich gar nicht, war er schon einen Tick zu lang.

    Schritt 7: Ofen und Topf vorheizen

    Stell den gusseisernen Topf mit Deckel auf die unterste Schiene und heiz den Ofen auf 250 °C Ober-/Unterhitze. Der Topf heizt mindestens 30 Minuten mit. Er muss richtig heiß sein, sonst fehlt dem Brot in den ersten Minuten der Schub.

    Schritt 8: Backen

    Einschneiden musst du dieses Brot nicht. Die raue Schluss-Seite, die im Körbchen unten lag, zeigt beim Stürzen nach oben, und genau dort reißt das Brot im Ofen von allein auf. Das gibt ihm das rustikale Aussehen, für das man bei feineren Broten extra zum Messer greift.

    Stürz den Teigling aus dem Körbchen vorsichtig auf ein Stück Backpapier. Heb das Papier an den Ecken an und senk das Brot damit in den heißen Topf, so bleibst du mit den Händen weg vom Rand und der Laib sitzt mittig. Deckel drauf und 20 Minuten bei 230 °C anbacken, ohne Schwaden, der geschlossene Deckel hält die Feuchtigkeit im Topf. Dann den Deckel abnehmen, auf 200 °C reduzieren und weitere 25 bis 30 Minuten rösch fertigbacken, bis die Kruste dunkelbraun ist. Wer sichergehen will, misst nach: Bei 96 bis 98 °C Kerntemperatur ist das Brot durch.

    Vorsicht, Verbrennungsgefahr

    Der Topf hat nach dem Vorheizen weit über 200 °C. Trag beim Anfassen immer dicke Backhandschuhe, auch beim Deckel abnehmen und beim Herausheben des Brots. Normale Topflappen sind zu dünn. Ich hab mir einmal ohne Handschuhe am Deckelgriff die Finger verbrannt. Das passiert dir echt nur einmal.

    Schritt 9: Auskühlen

    Nimm das Brot aus dem Topf und lass es auf einem Gitter vollständig auskühlen, bevor du anschneidest. Beim Roggenanteil ist das Pflicht, keine Kür. Schneidest du zu früh, ist die Krume innen noch klitschig, weil sich die Feuchtigkeit noch nicht gleichmäßig verteilt hat.

    Dein Backzeiten-Rechner

    Fertig gebackenes Sauerteigbrot für Anfänger im gusseisernen Topf, rustikal aufgerissene Kruste

    Worin backst du dein Sauerteigbrot?

    Im gusseisernen Topf, dem Dutch Oven. So backe ich fast alle meine Brote, und es ist auch die Methode dieses Rezepts. Der geschlossene Deckel fängt den Dampf auf, den der Teig in den ersten Minuten abgibt. Dieser Dampf hält die Oberfläche geschmeidig, sodass das Brot voll aufgehen kann, bevor sich die Kruste bildet. Im Profi-Steinbackofen macht ein Schwadensystem genau das, im Topf passiert es von allein.

    Am besten passt ein Topf mit 24 bis 26 cm Durchmesser, ofenfest bis 250 °C, mit Deckel. Gusseisen ist ideal, aber auch eine Cocotte, ein Römertopf oder ein schwerer Bräter mit Deckel tun es, solange sie die Hitze aushalten. Nimm ihn nicht zu groß, sonst läuft der Teig flach, statt nach oben zu gehen. Bei dieser Menge soll der Laib den heißen Topf etwa zur Hälfte füllen.

    Ein Backblech ohne Abdeckung funktioniert nicht. Ohne Dampf bekommt das Brot eine blasse, ledrige Kruste und geht deutlich weniger auf. Wenn du ohne Topf backen willst, brauchst du eine andere Methode, um Dampf in den Ofen zu bringen, dazu unten in den häufigen Fragen mehr.

    Was du an Ausstattung brauchst

    Viel ist es nicht. Eine große Schüssel, eine Küchenwaage (ohne geht es beim Brotbacken nicht), ein Gärkörbchen oder ersatzweise eine Schüssel mit einem gut bemehlten Geschirrtuch, und einen gusseisernen Topf mit Deckel, 24 bis 26 cm. Dazu ein Stück Backpapier, mit dem du den Laib in den heißen Topf senkst.

    Mein Zubehör, das ich benutze

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    Flach, blass oder zu sauer? Beim nächsten Mal wird’s besser

    Beim ersten Brot läuft selten alles rund, und das ist völlig normal. Damit du beim nächsten Mal weißt, woran es lag, hier die vier häufigsten Stolperstellen.

    ❌ Das Brot bleibt flach oder geht kaum auf

    Meistens lag es am Vorteig. War er noch nicht reif, als er in den Teig kam, fehlt schlicht der Trieb, der das Brot nach oben drückt. Schau ihn dir beim nächsten Mal genau an, bevor er reinkommt: deutlich aufgegangen und viele Blasen, dann passt es. Wenn nicht, gib ihm noch Zeit oder setz einen frischen an. Die zweite Stelle ist die Stückgare am Tag 2. Bleibt die Delle beim Fingertest komplett stehen und füllt sich gar nicht, ist der Teig zu lang gegangen und hält die Gase nicht mehr. Beim nächsten Mal etwas früher backen. Woran es sonst noch liegen kann, hab ich dir in zehn Ursachen, warum dein Brot nicht aufgeht zusammengetragen.

    ❌ Die Kruste ist blass und nicht knusprig

    Für eine dunkle, knusprige Kruste braucht das Brot in den ersten Minuten viel Hitze und Dampf. Beides liefert der geschlossene Topf, aber nur, wenn er vorher richtig durchgeheizt ist. Mindestens 30 Minuten bei 250 °C, lieber etwas länger. War der Topf zu kalt, fehlt der Anfangsschub und die Kruste bleibt blass. Und nimm den Deckel nicht zu früh ab, solange er drauf ist, hält der Dampf die Oberfläche geschmeidig. Trau dich am Ende auch bei der Farbe. Ein gutes Sauerteigbrot ist dunkelbraun, nicht goldgelb. Die Röstaromen entstehen erst in den letzten Minuten.

    ❌ Die Krume ist klitschig und feucht

    Fast immer wurde das Brot zu früh angeschnitten. Auch wenn die Kruste schon fest ist, arbeitet es innen weiter. Direkt nach dem Backen sitzt die Feuchte ungleich im Laib, innen feuchter als außen. In den ein bis zwei Stunden auf dem Gitter gleicht sich das aus, die Krume setzt sich und wird elastisch. Beim Roggenanteil ist das Pflicht, keine Kür. Schneidest du zu früh, ist innen alles feucht und gummig. Wenn du unsicher bist, ob das Brot überhaupt durch war, hilft beim nächsten Mal das Thermometer. Bei 96 bis 98 °C Kerntemperatur ist es fertig.

    Ich schneide grundsätzlich erst an, wenn das Brot komplett ausgekühlt ist. Wenn du unsicher bist, ob es überhaupt durch ist, hilft ein Einstichthermometer. Bei 95 bis 96 °C Kerntemperatur ist ein Weizenbrot fertig.

    ❌ Das Brot schmeckt zu sauer

    Ein bisschen Säure gehört dazu, dieses Brot ist von sich aus mild-säuerlich, nicht spitz. Wird es dir trotzdem zu sauer, hat meist die kalte Gare zu lang gedauert. Bleibt die Schüssel deutlich länger als die 12 bis 16 Stunden im Kühlschrank, bauen die Bakterien auch in der Kälte langsam weiter Säure auf. Halt dich beim nächsten Mal eher ans untere Ende. Die zweite Quelle ist ein überreifer Vorteig. Setz ihn ein, wenn er gerade gut aufgegangen ist, nicht Stunden später, wenn er schon wieder zusammenfällt.

    Mein Tipp

    Die eine Sache, die fürs Gelingen den größten Unterschied macht, ist ein munteres Anstellgut. Setz den Vorteig erst an, wenn dein ASG frisch gefüttert ist, sich zuverlässig verdoppelt und blubbert. Den Rest verzeiht dir die kalte Gare.

    Krume des Sauerteigbrots in Nahaufnahme, locker mit feinen und groben Poren

    So wandelst du dein Sauerteigbrot ab

    Wenn das erste Brot sitzt, kannst du am Mehl drehen. Zwei Richtungen bieten sich an.

    Mit Dinkel statt Weizen

    Tausch das Weizenmehl 1050 gegen Dinkel, dann wird das Brot nussiger im Geschmack. Dinkel hat ein empfindlicheres Klebergerüst als Weizen, das größte Anfänger-Risiko dabei ist sonst das Überkneten. Bei diesem Rezept fällt genau das weg, weil du ohnehin nicht knetest, deshalb ist der Dinkel-Tausch hier einfacher als in vielen anderen Rezepten. Geh nur mit dem Wasser etwas vorsichtiger um und taste dich heran, Dinkelteig mag es nicht zu nass.

    Kräftiger oder milder über den Roggenanteil

    Das Brot lebt vom Verhältnis Roggen zu Weizen. Mehr Roggen macht es kräftiger, dunkler und saftiger, dafür klebriger im Teig und dichter in der Krume. Weniger Roggen macht es milder und lockerer. Für dein erstes Brot bleib beim Rezept, danach verschiebst du das Verhältnis in kleinen Schritten, bis dir Geschmack und Krume gefallen. Wie sich die Mehltypen unterscheiden, hab ich dir in welches Mehl zum Brotbacken passt aufgeschrieben.

    Rundes Sauerteigbrot ohne Hefe mit bemehlter, aufgerissener Kruste und angeschnittener Krume

    Sauerteigbrot selber backen – häufige Fragen

    Geht Sauerteigbrot wirklich ohne Hefe?

    Ja, dieses Brot kommt komplett ohne zugesetzte Backhefe aus. Den Trieb liefern allein die wilden Hefen und Milchsäurebakterien in deinem Sauerteig. Das dauert länger als mit Backhefe, dafür bekommst du das typische Aroma und ein Brot, das tagelang frisch und gut verträglich bleibt.

    Funktioniert Sauerteigbrot wirklich ohne Kneten?

    Ja. Der hohe Roggenanteil braucht kein langes Knetwerk, um zusammenzuhalten, und die lange kalte Gare übernimmt die Arbeit, die sonst das Kneten macht. Eine einzige Faltrunde in der ersten Stunde reicht, damit der Teig genug Stand für den Topf bekommt.

    Kann ich Sauerteigbrot ohne Topf backen?

    Drück mit einem nassen Finger leicht in den Teig. Federt er langsam zurück und die Delle bleibt ganz leicht sichtbar, ist er fertig. Federt er sofort komplett zurück, braucht er noch Zeit. Bleibt die Delle komplett stehen und füllt sich gar nicht, ist der Teig schon übergärt. Zusätzlich sollte er sich deutlich vergrößert haben und Blasen an der Oberfläche zeigen.

    Mein Brot reißt an der Seite auf statt am Einschnitt – warum?

    Nur mit einem Trick. Der geschlossene Topf hält den Dampf im Brot, ohne ihn wird die Kruste blass und ledrig und das Brot geht weniger auf. Ohne Topf brauchst du eine andere Dampfquelle im Ofen, etwa eine Schale mit heißem Wasser. Wie das zuverlässig klappt, zeige ich dir unter u003ca href=u0022https://bine-backt.de/schwaden-beim-brotbacken/u0022u003eSchwaden beim Brotbackenu003c/au003e.

    Welches Mehl eignet sich, Roggen, Dinkel oder Weizen?

    Für dieses Brot die Mischung aus Roggen 1150 und Weizen 1050, sie macht es saftig und gut verträglich für Anfänger. Reiner Weizen wird heller und lockerer, mehr Roggen kräftiger und dichter, Dinkel nussiger. Bleib fürs erste Brot beim Rezept und tausch das Mehl erst, wenn du den Ablauf sicher kannst.

    Bei wie viel Grad und wie lange backe ich das Brot?

    Den Ofen mit Topf auf 250° vorheizen, dann bei 230 °C anbacken, 20 Minuten mit geschlossenem Deckel. Danach Deckel ab, auf 200 °C reduzieren und 20 bis 25 Minuten rösch fertigbacken, bis die Kruste dunkelbraun ist. Den Topf vorher mindestens 30 Minuten mitheizen, sonst fehlt der Anfangsschub. Sicher durch ist das Brot bei 96 bis 98 °C Kerntemperatur.

    Brauche ich Anstellgut oder reicht ein Starter?

    Das ist dasselbe. Anstellgut, ASG und Starter sind drei Wörter für deinen Sauerteig aus dem Kühlschrank. Für dieses Rezept nimmst du ein Roggen-Anstellgut, keinen Weizenstarter. Wichtig ist nur, dass es munter ist und sich nach dem Füttern zuverlässig verdoppelt, dann geht dein Brot auch richtig auf.

    Brauche ich unbedingt ein Gärkörbchen?

    Nein. Eine Schüssel mit einem sauberen, gut mit Roggenmehl bestäubten Geschirrtuch tut es genauso. Das Gärkörbchen hat zwei Vorteile, das Mehl haftet besser und es gibt dem Brot das typische Ringmuster. Backst du öfter, lohnt sich eins ab etwa acht Euro. Fürs erste Brot reicht die Schüssel.

    Warum muss ich das Brot so lange auskühlen lassen?

    Weil die Krume sich erst beim Abkühlen setzt. Frisch aus dem Ofen sitzt die Feuchte ungleich im Laib, innen feuchter als außen. In den ein bis zwei Stunden auf dem Gitter gleicht sich das aus und die Krume wird elastisch. Beim Roggenanteil gilt das besonders, sonst ist innen alles klitschig und gummig.

    Rezeptkarte für dein erstes Sauerteigbrot zum Ausdrucken

    Sauerteigbrot für Anfänger in Scheiben, dahinter der Laib im Gärkörbchen

    Sauerteigbrot backen für Anfänger – dein erstes Brot mit Sauerteig

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    Vorbereitung 30 Minuten
    Backzeit 50 Minuten
    Gesamtzeit 1 day
    Sauerteigbrot backen für Anfänger: einfaches Rezept im Topf, komplett ohne Hefe. Schritt für Schritt erklärt – gelingt auch beim ersten Mal.
    1 Brot
    Roggenmischbrot, Sauerteigbrot

    Zutaten

    Für den Vorteig
    • 15 g Roggen-Anstellgut aus dem Kühlschrank
    • 25 g Roggenvollkornmehl (oder Roggen 1150)
    • 25 g Wasser Raumtemperatur
    Für den Hauptteig
    • 65 g Reifer Vorteig
    • 330 g Wasser davon ca. 30g zurückhalten
    • 200 g Roggenmehl Type 1150
    • 300 g Weizenmehl Type 1050
    • 13 g Salz

    Kochutensilien

    Hinter diesen Artikeln steckt ein Affiliate-Link. Kaufst du darüber ein, bekomme ich eine kleine Provision, für dich bleibt der Preis gleich. So kannst du bine backt! ganz nebenbei unterstützen.

    Zubereitung

    Schritt 1 – Vorteig ansetzen (Tag 1, vormittags, 8–12 Std. Reifezeit)
    • 15 g Roggen-ASG mit 25 g Wasser glattrühren, 25 g Roggenvollkornmehl einrühren. In ein Glas füllen, Oberfläche glatt streichen, Starthöhe mit Haushaltsgummi markieren, Deckel locker auflegen. 8 bis 12 Stunden bei Raumtemperatur reifen, bis deutlich aufgegangen und blasig.
    Schritt 2 – Hauptteig mischen (Tag 1, abends)
    • Reifen Vorteig mit ca. 300 g Wasser verrühren (30 g zurückhalten). 200 g Roggen 1150 und 300 g Weizen 1050 zugeben, grob verrühren, 13 g Salz einarbeiten. Kein Kneten. Bei Bedarf das Restwasser ergänzen, bis ein weicher, gerade verrührbarer Teig entsteht.
    Schritt 3 – Anspringen + einmal falten (1–2 Std.)
    • Abgedeckt 1 bis 2 Stunden bei Raumtemperatur anspringen lassen. In der ersten Stunde mit nassen Händen einmal rundum falten.
    Schritt 4 – Kalte Stockgare über Nacht (12–16 Std.)
    • Abgedeckte Schüssel über Nacht in den Kühlschrank, ca. 12 bis 16 Stunden (bis ~20 Stunden unkritisch).
    Schritt 5 – Formen (Tag 2)
    • Gärkörbchen kräftig mit Roggenmehl bestäuben. Teig auf bemehlte Fläche stürzen, rundwirken, mit dem Schluss nach unten ins Körbchen legen.
    Schritt 6 – Stückgare + Fingertest (2–4 Std.)
    • Abgedeckt 2 bis 4 Stunden bei Raumtemperatur, nach Augenschein. Fertig, wenn sichtbar aufgegangen, feine Risse zeigt und die Delle beim Fingertest langsam zurückfedert.
    Schritt 7 – Ofen und Topf vorheizen (30–40 Min.)
    • Gusseisernen Topf mit Deckel auf unterster Schiene, 30 Minuten auf 250 °C Ober-/Unterhitze vorheizen. Dicke Backhandschuhe bereithalten.
    Schritt 8 – Backen (ca. 50 Min.)
    • Teigling auf Backpapier stürzen (nicht einschneiden) und am Papier in den heißen Topf senken. Deckel drauf, 40 Minuten bei 250 °C. Deckel ab, auf 200 °C reduzieren, 5 bis 10 Minuten rösch fertigbacken, bis die Kruste dunkelbraun ist. Kerntemperatur 96 bis 98 °C.
    Schritt 9 – Auskühlen lassen (1–2 Std.)
    • Brot aus dem Topf nehmen und auf einem Gitter vollständig auskühlen lassen. Nicht vorher anschneiden.

    Nährwerte

    Serving800g

    Notizen

    Wassermenge anpassen. Roggen 1150 bindet je Mehlcharge unterschiedlich viel. Erst ca. 300 g Wasser einrühren, die letzten 30 g nach Gefühl ergänzen, wenn der Teig zu fest wirkt. Lieber etwas fester als suppig.
    Topfgröße. 24 bis 26 cm ist ideal. Größer wird das Brot flach. Der Laib soll den heißen Topf etwa zur Hälfte füllen.
    Immer mit Ober-/Unterhitze backen. Umluft funktioniert auch, aber die Kruste wird manchmal zu dunkel und das Brot zu trocken.
     

    Hast du das Rezept schon ausprobiert?

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    Noch mehr Backwissen?

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    Letzte Änderung 07.06.2026

  • Fluffige Erdbeerschnecken aus Hefeteig (Das beste Sommer-Rezept)

    Fluffige Erdbeerschnecken aus Hefeteig (Das beste Sommer-Rezept)

    Erdbeeren und Hefeteig – das ist Sommer, eingerollt in kleinen Schnecken.
    Gibt es etwas, das intensiver nach Sommer duftet als frische Erdbeeren? Vielleicht nur, wenn dieser Duft sich mit warmer, frischer Hefe vermischt und durch die ganze Küche zieht. In diesem Rezept gibt es beides. Das sind nicht einfach nur Zimtschnecken mit Obst – das sind meine fluffigen Erdbeerschnecken aus Hefeteig, und sie sind eine kleine, ehrliche Liebeserklärung an die Erdbeersaison.

    Sie sind so wunderbar weich, saftig durch die Füllung aus einem Klecks Marmelade und frischen Früchten und bekommen durch den zartrosa Guss den letzten Schliff. Ein Teller davon auf dem Tisch, und der Sommer ist offiziell eingezogen. Meistens allerdings nicht für lange – die sind irgendwie immer schneller weg, als man „Hefeteig“ sagen kann.

    Vom weichen Hefeteig zur saftigen Schnecke – so geht’s

    Jetzt geht es an den Hefeteig – für mich das Fundament für alles Weiche und Fluffige. Ich setze ihn an und lasse ihn dann in Ruhe unter einem Geschirrtuch arbeiten. Es ist einfach ein gutes Gefühl zu sehen, wie er langsam aufgeht und sich verwandelt. Er soll sich am Ende weich und elastisch anfühlen, aber nicht mehr an den Fingern kleben. Gib ihm einfach seine Zeit – ein guter Hefeteig lässt sich nicht hetzen.

    Bines persönlicher Tipp zu Hefe

    Ich nehme am liebsten frische Hefe. Falls du Trockenhefe nutzt, achte darauf, dass die Milch wirklich nur lauwarm ist, nicht heiß! Hefe ist eine kleine Diva – bei zu viel Hitze stellt sie beleidigt die Arbeit ein.

    Während der Teig ruht, kümmere ich mich um das Herzstück: die Füllung. Die frischen Erdbeeren werden klein geschnippelt. Zusammen mit einem Klecks guter Erdbeermarmelade wird daraus eine herrlich fruchtige Masse.

    Ist der Teig schön aufgegangen, wird er zu einem großen Rechteck ausgerollt. Darauf verteile ich die Füllung – hier darf es ruhig ein bisschen mehr sein. Jetzt kommt das Aufrollen. Und wenn beim Schneiden der einzelnen Schnecken ein bisschen Füllung an der Seite herausquillt: Das ist kein Malheur, das sind nur die Vorboten dafür, wie saftig es gleich wird.

    Ab aufs Blech und rein in den Ofen. Und dann heißt es warten und tief einatmen. Dieser Duft von gebackenem Hefeteig und heißen Erdbeeren, der durchs Haus zieht – das ist für mich der Inbegriff von Sommer.

    erdbeerschnecke mit zuckerguss nahaufnahme
    erdbeerschnecke mit zuckerguss nahaufnahme

    Pimp your Schnecke: Einfache Varianten & Tricks

    Kleine Abkürzungen und geniale Upgrades

    Manchmal muss es schnell gehen, oder man hat einfach Lust auf eine kleine Abwandlung. Hier sind ein paar Ideen, wie du die Schnecken anpassen kannst:

    • Erdbeerschnecken mit Vanillepudding: Für alle, die es noch cremiger mögen. Du kannst statt der Marmelade eine dünne Schicht kalten Vanillepudding auf den Teig streichen, bevor die frischen Erdbeeren darauf kommen. Das macht sie noch saftiger und gibt ein wunderbares Vanille-Aroma.
    • Die ganz schnelle Nummer (bitte nicht weitersagen): Wenn es wirklich, wirklich eilt, funktioniert das Ganze notfalls auch mit einem guten, fertigen Hefeteig aus dem Kühlregal. Das ist geschmacklich natürlich nicht ganz dasselbe wie selbstgemacht, aber für den akuten Schnecken-Notfall eine legitime Abkürzung.
    • Der „Über-Nacht-Trick“: Wenn du morgens frische Schnecken möchtest, kannst du den Hefeteig über Nacht gehen lassen – und zwar im Kühlschrank. Entweder als Teigkugel oder schon als fertig geschnittene Schnecken auf dem Blech (gut abgedeckt). Das macht ihn oft sogar noch aromatischer. Nimm sie etwa 30 Minuten vor dem Backen aus der Kälte, damit sie Zimmertemperatur annehmen können.
    • Vegane Erdbeerschnecken: Das klappt super! Ersetze die Milch einfach durch einen Pflanzendrink (Hafer- oder Mandelmilch funktionieren prima) und die Butter durch eine vegane Butter-Alternative oder Margarine. Die Füllung ist ja ohnehin schon fast vegan.
    Bines persönlicher Tipp gegen Durchweichen

    Damit die Schnecken unten nicht durchweichen, falls deine Erdbeeren besonders saftig sind, streue ich manchmal einen Esslöffel gemahlene Mandeln oder Haselnüsse auf die Marmelade, bevor die frischen Früchte draufkommen. Das bindet die Flüssigkeit, ohne den Geschmack groß zu verändern.

    Erdbeerschnecken
    erdbeerschnecken mit erdbeeren im holztablett

    Erdbeerschnecken aufbewahren & vorbereiten

    So bleiben sie frisch oder lassen sich einfrieren

    Ganz ehrlich: Meistens bleibt hier nichts übrig. Hefeteig schmeckt einfach am allerbesten, wenn er frisch aus dem Ofen kommt und noch leicht warm ist. Falls du aber doch mal welche übrig hast oder vorausschauend gebacken hast, bewahre die Erdbeerschnecken luftdicht auf – am besten in einer Blechdose oder einem Behälter mit Deckel bei Zimmertemperatur. So bleiben sie ein bis zwei Tage weich.

    Du kannst die fertig gebackenen, aber unglasierten Schnecken auch prima einfrieren. Lass sie komplett auskühlen, pack sie luftdicht ein und friere sie ein. Zum Auftauen einfach bei Zimmertemperatur liegen lassen und dann kurz im Ofen erwärmen, falls du magst. Den Guss machst du dann frisch drauf.

    erdbeerschnecken von oben mit zuckerguss und erdbeeren
    erdbeerschnecken von oben mit zuckerguss und erdbeeren

    Zeit zu genießen – der Sommer ist serviert

    Und jetzt? Schnapp dir eine, solange sie noch lauwarm sind – so schmecken sie einfach am allerbesten. Das ist Sommer zum Reinbeißen, ein kleiner Glücksmoment auf dem Teller, der nach Sonne und frischen Erdbeeren schmeckt. Viel Spaß beim Nachbacken und Genießen! Und wenn am Ende ein bisschen rosa Zuckerguss auf der Nase landet – das ist der offizielle Beweis, dass sie geschmeckt haben.

    Handschriftliche Unterschrift von Bine
    erdbeerschnecken mit frischen erdbeeren hero

    Fluffige Erdbeerschnecken aus Hefeteig

    Vorbereitung 30 Minuten
    Backzeit 25 Minuten
    Teigruhe 1 Stunde
    Gesamtzeit 1 Stunde 55 Minuten
    Ein wunderbar weiches Hefegebäck mit einer saftigen Füllung aus frischen Erdbeeren – perfekt für die Kaffeetafel im Sommer.
    16 Stück
    Kleinbebäck
    International

    Zutaten

    **Für den Hefeteig:**
    • 500 g Mehl Type 550
    • ½ Würfel Frischhefe
    • 250 ml lauwarme Milch
    • 80 g Zucker
    • 80 g Butter zimmerwarm
    • 1 Ei
    • 1 Prise Salz
    **Für die Füllung:**
    • 300 g frische Erdbeeren
    • 3 EL Erdbeermus aus frischen Erdbeeren
    • 1 EL Zucker
    • 1 EL Speisestärke
    • 1 TL Zitronensaft
    • Vanille nach Geschmack
    **Für den Guss:**
    • Puderzucker
    • Zitronensaft oder Milch
    • 1 EL zermahlene getrocknete Erdbeeren

    Kochutensilien

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    Hast du das Rezept schon ausprobiert?

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    FAQ – häufige Fragen rund um die fluffigen Erdbeerschnecken

    ❓Kann ich die Erdbeerschnecken auch mit gefrorenen Erdbeeren backen?

    Das würde ich nicht empfehlen. Gefrorene Erdbeeren ziehen beim Auftauen sehr viel Wasser und würden den Hefeteig schnell matschig machen. Für dieses Rezept brauchst du wirklich die frischen Früchte für das beste Ergebnis.

    ❓Mein Hefeteig geht nicht richtig auf, was kann ich tun?

    Das kann passieren! Prüfe, ob die Milch zu heiß war – das mag die Hefe gar nicht. Manchmal ist auch der Raum zu kühl. Stell die Schüssel (gut abgedeckt) an einen wärmeren Ort, zum Beispiel in den leicht geöffneten, nur von der Lampe beleuchteten Backofen. Manchmal braucht er auch einfach 15 Minuten länger Geduld.

    ❓Wie lange halten sich die fluffigen Erdbeerschnecken frisch?

    Wie jedes Hefegebäck schmecken sie ganz frisch am allerbesten. Du kannst sie aber in einer luftdichten Dose bei Zimmertemperatur ein bis zwei Tage aufbewahren. Sie werden dann natürlich etwas fester als direkt nach dem Backen.

    ❓Kann ich auch eine andere Marmelade für die Füllung nehmen?

    Klar, das geht! Erdbeermarmelade unterstützt das frische Aroma natürlich am besten. Aber eine gute Himbeer- oder Johannisbeermarmelade gibt einen spannenden, leicht säuerlichen Kontrast zu den süßen Schnecken.

    ❓Was mache ich, wenn die Füllung zu flüssig wirkt?

    Wenn deine Erdbeeren extrem saftig sind, kann das passieren. Wie im Tipp oben erwähnt: Streue einfach ein bis zwei Esslöffel gemahlene Mandeln oder Haselnüsse auf die Marmelade, bevor die frischen Früchte darauf kommen. Die Nüsse binden die Flüssigkeit super.