Brotteig im Gärkorb während der Stückgare, der zweiten Gärphase nach der Stockgare

Stockgare und Stückgare: wann welche dran ist

Brotback-Techniken

Rezepte schreiben Stockgare und Stückgare hin, als wüsstest du längst, welche dran ist. Ich gehe beide durch, mit Zeiten für Küche und Kühlschrank. Dann drückst du mit dem Finger rein.

Inhalt14 Min. Lesezeit

Jahrelang habe ich nachts den Wecker gestellt, um meinen Teig zu formen. Halb drei aufstehen, Teigling in den Gärkorb, wieder ins Bett. Das mache ich nie wieder.

Angefangen hat das damit, dass ich in Rezepten zwei Wörter gelesen habe, die ich nicht auseinanderhalten konnte. Stockgare und Stückgare stehen dort oft im selben Satz, und keiner schreibt dazu, welche gerade dran ist und was in dieser Phase passieren soll. Also habe ich mich an die Uhrzeiten gehalten und mich gewundert, warum mein Brot mal wild aufreißt und mal flach aus dem Ofen kommt.

Ich gehe hier beide Phasen mit dir durch. Erst die Stockgare in der Schüssel, dann die Stückgare im Gärkorb. Und am Schluss zeige ich dir, wie du dir beide in den Kühlschrank legst, damit du morgens nicht um halb drei in der Küche stehst.

Was ist Stockgare?

Die Stockgare ist die erste Gärphase, gleich nach dem Kneten. Dein Teig liegt als ganzer Klumpen in der Schüssel, noch ungeformt und noch nicht geteilt. Daher kommt auch das Wort: Der Teig ruht am Stück.

In dieser Zeit geht dein Teig nicht nur auf. Die Hefen fangen an zu arbeiten und bilden Kohlendioxid, und der Teig baut dabei seine Struktur auf. Er wird elastischer, geschmeidiger und straffer, und gleichzeitig legt er sich das Gaspolster an, von dem er später in der Stückgare zehrt. Ohne eine gute Stockgare hat die Stückgare nichts, worauf sie aufbauen könnte. Bei Sauerteigbroten arbeiten nebenher die Milchsäurebakterien, und die geben deinem Brot den Geschmack, den ein Hefebrot nicht hat.

Wie lange dauert die Stockgare?

Das hängt von der Temperatur ab und davon, wie du deinen Teig führst. Bei 20 bis 24 Grad in der Küche sind es meistens 3 bis 5 Stunden. Ein Sauerteigbrot darf länger in die Stockgare, da sind 4 bis 8 Stunden normal. Wie warm dein Teig zu Beginn der Stockgare ist, kannst du dir übrigens vorher ausrechnen, dafür gibt es die Formel fürs Schüttwasser.

Stellst du deinen Teig gleich in den Kühlschrank, dehnst du die Stockgare auf 12 bis 24 Stunden. Das ist praktisch, wenn du abends ansetzt und erst am nächsten Tag weitermachen willst. Die Kälte bremst die Hefen aus, der Geschmack entwickelt sich trotzdem weiter, und dein Brot wird dadurch aromatischer.

Zwei Grad wärmer, eine Stunde kürzer

Bei 26 Grad plane ich 4 bis 5 Stunden, bei 28 Grad nur 3 bis 4 Stunden. Diese Zahlen brauche ich, damit ich weiß, wann ich in der Küche sein muss. Wie weit mein Teig dann wirklich ist, sagt mir aber der Teig und nicht mein Zeitplan.

Woran erkennst du, dass die Stockgare fertig ist?

Wie weit dein Teig gehen muss, ist von Teig zu Teig unterschiedlich. Meistens reichen 50 bis 75 Prozent mehr Volumen. Treib ihn in der Stockgare aber nicht bis aufs Doppelte, sonst bleibt dir für die Stückgare keine Reserve mehr. Deshalb schaust du dir an, was dein Teig während der Gare wirklich macht. Die Oberfläche wirkt prall und wölbt sich leicht, und wenn du die Schüssel anstupst, wobbelt der Teig wie Wackelpudding. Dann hat das Gärgas ihn gelockert und du kannst ans Formen gehen.

Was ist Stückgare?

Die Stückgare ist die zweite Gärphase und fängt an, sobald du geformt hast. Ob runder Laib, längliches Brot oder Brötchen, spielt dabei keine Rolle. Dein Teigling hat jetzt die Form, die er nachher auf dem Brett hat, und in dieser Form geht er noch einmal auf.

Die Hefen bauen weiter Kohlendioxid auf, dein Teigling wird luftiger und bekommt Volumen. Das Glutennetz dehnt sich dabei und hält die Gase fest. Ohne Stückgare bekämst du ein dichtes, flaches Brot, selbst wenn die Stockgare gut gelaufen ist.

Wie lange dauert die Stückgare?

In der Küche brauchst du meistens 1 bis 3 Stunden, je nach Rezept und Temperatur. Sauerteigbrote liegen oft am oberen Ende, weil die Hefen im Sauerteig langsamer arbeiten als Backhefe.

Du kannst die Stückgare auch in den Kühlschrank verlegen, dann heißt sie kalte Gare. Dein geformter Teigling steht meist über Nacht in der Kälte, und am Morgen schiebst du ihn direkt in den Ofen. Das bringt dir zweierlei. Dein Brot bekommt mehr Geschmack, und du backst morgens frisch, ohne früh aufstehen zu müssen.

Woran erkennst du, dass die Stückgare fertig ist?

Das ist die wichtigste Frage beim Brotbacken und gleichzeitig die schwierigste. Beendest du die Stückgare zu früh, reißt dein Brot im Ofen unkontrolliert auf. Wartest du zu lang, fällt es zusammen.

Hier hilft dir die Fingerprobe, manche sagen auch Fingertest dazu. Ich habe die Fingerprobe anfangs gehasst, weil ich nie wusste, was „langsam auffüllen“ eigentlich heißen soll. Mit der Zeit bekommst du aber ein Gefühl dafür. Drück vorsichtig einen Zentimeter tief in den Teig hinein. Kommt die Delle langsam zurück und bleibt eine kleine Mulde stehen, ist dein Teigling so weit. Springt sie sofort ganz zurück, braucht er noch. Bleibt die Delle einfach stehen, ist er übergangen.

Delle im Teig nach der Fingerprobe am Ende der Stückgare

Im Kühlschrank ist die Fingerprobe weniger verlässlich, weil sich ein kalter Teig anders anfühlt. Da gehst du eher nach dem Volumen. Dein Teigling sollte sich prall anfühlen und sichtbar größer geworden sein.

Der Unterschied zwischen Stockgare und Stückgare

Beide sind Gärphasen, das stimmt. Nur laufen sie zu verschiedenen Zeitpunkten und haben verschiedene Aufgaben. In der Stockgare entsteht die Teigstruktur und das Aroma, in der Stückgare das Volumen.

StockgareStückgare
ZeitpunktVor dem Formen, der Teig liegt am Stück in der SchüsselNach dem Formen, der Teigling hat seine endgültige Form
AufgabeStruktur und Aroma. Das Glutennetz baut sich auf, der Teig wird geschmeidig und bekommt Spannung. Ohne Stockgare reißt und klebt er beim FormenVolumen. Die Hefen produzieren Gas, der Teigling geht auf und wird luftig. Ohne Stückgare bleibt dein Brot flach und dicht
Dauer in der Küche3 bis 8 Stunden1 bis 3 Stunden
Dauer im Kühlschrank12 bis 24 Stunden8 bis 16 Stunden
Stockgare in der Schüssel und Stückgare im Gärkorb nebeneinander

Und wo bleiben da Untergare, Vollgare und Übergare?

In Rezepten stolperst du früher oder später über noch mehr Gare-Wörter, z. B. über Untergare, Vollgare und Übergare. Diese drei Wörter verwirren, weil sie klingen wie weitere Fachbegriffe neben Stockgare und Stückgare. Es sind aber keine neuen Begriffe, sondern beschreiben einen „Zustand“ innerhalb der Stock- oder Stückgare, quasi beschreibende Unterbegriffe davon.

Stockgare und Stückgare sagen dir, wann dein Teig gärt, also vor oder nach dem Formen. Untergare, Vollgare und Übergare sagen dir, wie weit er dabei gekommen ist. Diese drei Zustände begegnen dir in beiden Phasen, in der Stockgare genauso wie in der Stückgare.

Untergare heißt, dein Teigling ist noch zu jung. Die Hefen haben noch nicht genug Gas gebildet, damit sich das Teigerüst richtig aufdehnt. Vollgare heißt, er ist so weit. Er ist aufgegangen und hält trotzdem noch seine Form. Und Übergare heißt, er ist über die Vollgare hinaus. Die Hefen haben ihre Nahrung aufgebraucht, das Gerüst gibt nach, und der Laib fällt dir im Ofen zusammen. Gerade im Sommer kippt ein Teig schnell in die Übergare, und dann hilft dir meine Anleitung für die Teigführung bei Hitze.

Zwischen Untergare und Vollgare liegt noch die Dreiviertelgare, die du manchmal auch als knappe Gare liest. Das ist eine leichte Untergare, und die ist gewollt. In diesem Zustand lässt sich ein Teigling nämlich am besten aus dem Gärkorb stürzen und einschneiden, ohne dass er dir zusammensackt.

Und dann gibt es noch die Zwischengare, die dir in Bäckerrezepten begegnet. Die liegt zwischen Stockgare und Stückgare. Nach dem Teilen und Rundwirken ruht der Teig ein paar Minuten, damit er sich entspannt, bevor er seine endgültige Form bekommt. Bei einem einzelnen Laib zu Hause fällt diese Pause meistens weg.

Stockgare im Kühlschrank

Die kalte Stockgare lohnt sich, wenn du tagsüber aus dem Haus bist oder wenn du morgens backen willst, ohne früh aufzustehen.

Du knetest deinen Teig wie immer, gibst ihn in die Schüssel, deckst ihn ab und stellst ihn sofort kalt, ohne ihn vorher in der Küche gehen zu lassen. Nach 12 bis 24 Stunden holst du ihn raus und lässt ihn eine halbe bis ganze Stunde akklimatisieren, bevor du formst. Vollkornteige brauchen eher die ganze Stunde. Ist dein Teig zu kalt, reißt er dir beim Formen auf.

Im Kühlschrank geht dein Teig deutlich langsamer. Nach 12 Stunden hat er sich meistens um die Hälfte vergrößert, und weiter soll er auch gar nicht. Die Kälte bremst die Hefen aus, aber der Geschmack entwickelt sich weiter, und dein Brot schmeckt hinterher kräftiger.

Stückgare im Kühlschrank, die Übernachtgare

Die kalte Stückgare ist meine Lieblingsmethode. Ich arbeite Vollzeit, und morgens bleibt bei mir keine Zeit für stundenlange Teigpflege. Also forme ich abends, wenn ich sowieso in der Küche stehe, stelle den Gärkorb in den Kühlschrank und backe am nächsten Morgen direkt. Kein früher Wecker, und trotzdem frisches Brot zum Frühstück.

Du machst die Stockgare in der Küche wie gewohnt, formst deinen Teigling und legst ihn in den Gärkorb. Abgedeckt kommt er für 8 bis 16 Stunden in den Kühlschrank. Am Morgen backst du direkt aus der Kälte, ohne Aufwärmen.

Duschhaube über den Gärkorb

Im Kühlschrank trocknet die Oberfläche deines Teiglings aus, wenn du ihn nicht abdeckst, und dann bildet sich eine feste Haut. Ich nehme dafür Einweg-Duschhauben, die sind günstig und verhindern, dass die Teigoberfläche austrocknet.

Abgedeckter Gärkorb für die kalte Stückgare nach der Stockgare

Dein Teigling geht in der Kälte langsam weiter auf. Die Hefen arbeiten viel gemütlicher. Er entwickelt dabei mehr Geschmack als bei einer schnellen Gare in der warmen Küche und bleibt gleichzeitig stabiler, rutscht also nicht so schnell in eine Übergare.

Am nächsten Morgen kommt noch ein Vorteil dazu, den ich nicht mehr missen möchte. Ein kalter Teigling lässt sich viel besser einschneiden. Er hält die Form, die Schnitte werden sauber und reißen nicht ein. Bei warmem Teig klebt dir die Klinge gerne fest, bei kaltem ziehst du sie glatt durch.

Besonders gut vertragen Sauerteigbrote die Übernachtgare. Die Säure hält die Struktur zusammen, und 12 bis 16 Stunden sind für so einen Teigling kein Problem.

Besonderheiten bei Sauerteig

Ein Sauerteigbrot reagiert anders auf beide Gärphasen als ein reiner Hefeteig. Das liegt an der Säure und an den langsameren Hefen. Was in so einem Sauerteig überhaupt arbeitet, kannst du in meiner Einführung zum Sauerteig nachlesen.

Die Stockgare dauert länger

Sauerteighefen sind gemütlicher unterwegs als Backhefe, deshalb liegt die Stockgare in der Küche bei 4 bis 8 Stunden. Im Kühlschrank sind 16 bis 24 Stunden normal.

Das ist kein Nachteil, sondern der Grund, warum ein Sauerteigbrot schmeckt, wie es schmeckt. In der langen Stockgare baut sich das Aroma auf. Dein Brot wird nussig und leicht säuerlich und bekommt eine Tiefe, an die ein Hefebrot nicht herankommt.

Die Säure stabilisiert den Teig

Die Säure macht deinen Teig stabiler und elastischer, und deshalb verträgt ein Sauerteigbrot längere Garzeiten, ohne überzugehen. Ein Hefeteig, der 12 Stunden warm steht, ist meistens hinüber. Ein Sauerteig hält das locker aus.

Die kalte Stückgare passt besonders gut

Sauerteigbrote sind wie gemacht für die Stückgare im Kühlschrank. Die Säure hält den Teigling stabil, und die lange kalte Gare macht dein Brot noch aromatischer. Nach 12 bis 16 Stunden steht die Form immer noch, und im Ofen geht er trotzdem gut auf.

Robert sagt

„Ja, ich brauche länger als so ein Würfel Hefe. Das höre ich oft, meistens von Leuten, die um sechs Uhr abends noch Brot für den nächsten Morgen wollen. Nur arbeite ich nicht auf Zuruf. Ich brauche meine Stunden, und dafür schmeckt das Brot hinterher auch nach mehr als nur nach Mehl. Und in meinem Alter ist sowieso niemand mehr der Schnellste.“

Was kann bei der Gare schiefgehen?

Die Gare ist der heikelste Teil beim Brotbacken. Zu kurz, und dein Brot reißt wild auf. Zu lang, und es fällt in sich zusammen. Was sonst noch schiefgehen kann, findest du in der Sammlung der typischen Brotfehler.

Der Teig reißt beim Formen, Stockgare zu kurz

Brichst du die Stockgare ab, bevor dein Teig fertig ist, merkst du das sofort beim Formen. Er ist störrisch, reißt beim Dehnen und lässt sich nicht spannen, weil die Struktur eben noch nicht fertig ist. Formst du ihn trotzdem, bleibt die Krume hinterher dicht und ungleichmäßig, weil dein Teig die Gase nicht halten kann. Im Ofen reißt so ein Brot dann unkontrolliert auf, nicht am Schnitt, sondern seitlich oder unten. Und schmecken tut es flach, nach Mehl und Hefe, ohne Tiefe.

Der Teig ist weich und klebrig, Stockgare zu lang

Eine zu lange Stockgare passiert seltener als eine zu kurze, aber sie kommt vor. Meistens im Sommer, oder wenn du zu viel Hefe genommen hast.

Ein übergangener Teig fällt in sich zusammen, weil die Hefen allen Zucker aufgebraucht haben und die Struktur nicht mehr trägt. Er wird weich und klebrig, lässt sich nicht mehr spannen und läuft dir auseinander. Im Ofen geht er kaum noch auf, dein Brot bleibt flach, die Krume wird dicht und gummiartig, und schmecken tut es säuerlich bis leicht alkoholisch.

Bei Sauerteigbroten hast du hier mehr Luft, weil die Säure den Teig stabilisiert. Trotzdem solltest du ihn im Auge behalten.

Das Brot platzt im Ofen auf, Stückgare zu kurz

Beendest du die Stückgare zu früh, fehlt deinem Teigling Volumen. Im Ofen wird der Druck von innen dann zu groß, und dein Brot reißt an den Seiten oder am Boden auf, statt am Schnitt. Bäcker nennen das wilden Ofentrieb. Die Hefe hat einfach noch zu viel Kraft und sprengt die Kruste. Die Gase entweichen dabei schlagartig, und die Krume wird ungleichmäßig, mit großen Löchern an der einen Stelle und dichter Struktur an der anderen.

Reißt dein Brot immer wieder wild auf, war die Stückgare wahrscheinlich zu kurz. Gib deinem Teigling beim nächsten Mal eine halbe bis ganze Stunde mehr.

Das Brot geht nicht mehr auf, Stückgare zu lang

War die Stückgare zu lang, fällt dein Teigling im Ofen zusammen, weil die Hefen ihre Kraft verbraucht haben. Oft merkst du das schon beim Einschneiden, weil er weich ist und die Form nicht mehr hält. Im Ofen bekommt er kaum Volumen, manchmal sackt er richtig ein. Die Krume wird kompakt und gummiartig, manchmal klebrig, und dein Brot schmeckt fad oder leicht säuerlich.

Mit einer langen kalten Stückgare ist das Risiko kleiner, weil die Kälte die Hefen ausbremst. Eine Grenze gibt es trotzdem. Nach 16 bis 18 Stunden im Kühlschrank hat auch ein Sauerteigbrot seinen besten Punkt hinter sich. Bleibt dein Laib trotz allem flach, liegt es an etwas anderem. Dafür gibt es sieben häufige Gründe beim Sauerteigbrot.

Sonntagsbrötchen mit Übernacht-Gare, eines aufgeschnitten mit luftiger Krume Zum Weiterbacken Sonntagsbrötchen über Nacht Hier machst du die kalte Stückgare einmal selbst mit. Abends formen, morgens backen, mit zwei Zeitplänen je nach Samstag. über NachtPoolish Zum Rezept

Häufige Fragen zu Stockgare und Stückgare

Wie lange kann ich den Teig maximal im Kühlschrank lassen?

Bei einem Sauerteigbrot sind bis zu 24 Stunden Stockgare kein Problem, die Säure hält den Teig stabil. Bei Hefeteigen würde ich nach 24 Stunden Schluss machen, danach haben die Hefen meistens keine Kraft mehr. Für die Stückgare sind 16 bis 18 Stunden das Maximum. Brauchst du mehr Zeit, friere deinen Teig nach der Stockgare ein.

Muss ich den Teig nach der Kühlschrank-Gare aufwärmen?

Das kommt darauf an, welche Phase du kalt gemacht hast. Nach der Stockgare lässt du deinen Teig eine halbe bis ganze Stunde akklimatisieren, bevor du formst, sonst ist er zu steif und reißt dir auf. Nach der Stückgare backst du direkt aus der Kälte, da lässt sich der Teigling sogar besser einschneiden.

Was ist besser, Stockgare oder Stückgare im Kühlschrank?

Beides hat seine Vorteile, und die Wahl hängt von deinem Tagesablauf ab. Die kalte Stockgare gibt dir Luft beim Timing und baut mehr Aroma auf. Die kalte Stückgare spart dir Zeit am Backtag, weil du abends formst und morgens direkt bäckst. Ich mache meist die Stockgare in der Küche und die Stückgare im Kühlschrank.

Geht die Gare im Sommer schneller als im Winter?

Ja, und der Unterschied ist groß. Bei 26 Grad im Sommer kann die Stockgare schon nach 2 bis 3 Stunden durch sein, im Winter bei 18 Grad brauchst du auch mal 6 bis 8 Stunden. Im Sommer schaust du deshalb öfter nach und formst lieber früher. Im Winter stellst du deinen Teig einfach an einen wärmeren Platz.

Was mache ich, wenn ich die Zeit falsch eingeschätzt habe?

Ist dein Teig nach der Stockgare noch nicht so weit, lass ihn einfach weitergehen und schau ihn dir an. Ist er schon übergangen, faltest du ihn vorsichtig zusammen und gibst ihm nochmal eine halbe Stunde, das holt die Struktur teilweise zurück. Bei der Stückgare hast du weniger Spielraum. Zu früh heißt warten, übergangen heißt trotzdem backen.

Kann ich den Teig im Ofen gehen lassen?

Viele stellen ihren Teig bei 40 bis 50 Grad in den Ofen. Ab etwa 45 Grad stirbt Hefe ab, und am Rand wird es schneller warm als in der Mitte. Dazu kommt, dass dein Teig in der Wärme so schnell geht, dass er dir leicht übergeht. Für den Geschmack ist Zimmertemperatur sowieso besser. Willst du nachhelfen, stell deinen Teig neben die Heizung, aber nicht in den Ofen.

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Zwei Scheiben Sauerteigbrot mit Butter auf einem Teller, daneben eine Tasse Kaffee, eine Leinenserviette und Weizenähren am Fenster

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2 Kommentare

  1. Uwe Bergholter

    Hallo Bine,
    da sind viele gute Hinweise drin! Das Herausrechnen der Mehl- und Wassermengen vom ASG habe ich bisher nicht berücksichtigt, andererseits backe ich fast ausschließlichmit selbst gemahlenem Vollkornmehl (Mockmill 100), das ja eher etwas mehr Wasser braucht. Über die Auswirkung der verschiedenen Mehlsorten auf Gärzeiten würde ich gern mehr wissen. Hast Du da Erfahrung sammeln können? (Vielleicht habe ich noch nicht genug auf Deiner Website gestöbert?)
    Herzlichen Gruß!
    Uwe

    1. Grüß dich Uwe,
      danke für deinen netten Kommentar.
      Uuhhh … selbstgemahlenes Vollkornmehl ist ja schon fast die Königsklasse … Respekt! 🙂

      Eine spannende Frage hast du mir gestellt … und du hast recht, auf die Auswirkung der verschiedenen Mehlsorten auf die Gärzeiten bin ich in dem Artikel nicht eingegangen. Ich nehm das aber auf jeden Fall auf, das ist ein Superthema und auch wirklich wichtig.

      Ich versuche deine Frage diesbezüglich mal in Kürze zu beantworten:

      Stockgare → Tempo (Enzyme & Type)
      Je höher die Type / je mehr Vollkorn, desto mehr Enzyme und Mineralstoffe → mehr Futter für die Mikroben → schnellere Gare. Helles Weizenmehl (405/550) ist träge, Vollkorn und vor allem Roggen sind sehr schnell. Faustregel: dunkler = schneller.
      Stückgare → Stabilität (Gluten)
      Hier zählt nicht das Tempo, sondern wie lange die Teigstruktur hält, bevor sie übergart. Und da gibt’s große Unterschiede:

      Weizen hell (405/550): stabiles, elastisches Gluten → breites, verzeihendes Fenster. Der Klassiker für Einsteiger.
      Weizen Vollkorn / hohe Type: schneller, engeres Fenster.
      Dinkel: dehnbar, aber instabil — kippt in der Stückgare schnell von „noch nicht“ zu „übergart“. Hier besonders aufpassen.
      Emmer/Einkorn: sehr schwaches Gluten, sehr kurze Gare.
      Roggen: enzymstark, klebrig, kein echtes Glutennetz → kurze Stückgare, lebt von der Säuerung.

      Ich denke ich werde demnächst einen eigenen Artikel dazu herausbringen, das ist bestimmt ein Thema, das man ausführlicher behandeln kann und auch sollte 😉

      Ich hoffe ich konnte dir in aller Kürze deine Frage beantworten?

      Ganz liebe Grüße von der Bine

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