Sauerteig-Starter im Glas mit Stoffabdeckung und Haushaltsgummi neben aufgeschnittenem Sauerteigbrot und Mehl auf Holzbrett

Sauerteig ansetzen für Anfänger: Meine Schritt-für-Schritt-Anleitung

Sauerteig-Grundlagen

Mehl, Wasser, eine Woche Zeit – mehr brauchst du nicht. Ich nehme dich mit durch die erste Woche mit deinem Starter und erkläre dir, was wann passiert.

Inhalt15 Min. Lesezeit

Ich backe seit über sieben Jahren jede Woche mit Robert, meinem Roggen-Starter. Und einen neuen Sauerteig anzusetzen finde ich trotzdem jedes Mal wieder spannend.

Am Anfang macht so ein Starter nämlich, was er will. Er riecht zwischendurch seltsam und tut nach ein paar Fütterungen plötzlich gar nichts mehr. Du guckst ins Glas und fragst dich: Lebt da überhaupt noch was? Alles normal.

Zum Ansetzen brauchst du nur Roggenmehl, lauwarmes Wasser und ein sauberes Glas. Hefe keine, die wilden Hefen sitzen schon im Mehl. In ungefähr einer Woche und 5 bis 8 Fütterungen ist dein Starter backbereit.

Was dich in der ersten Woche erwartet

Die erste Woche mit einem neuen Starter fühlt sich an wie eine kleine Achterbahn. Mal passiert viel, mal tagelang scheinbar nichts, und genau in den ruhigen Momenten fangen die meisten an zu zweifeln. Damit du weißt, was auf dich zukommt, hier der ganze Verlauf auf einen Blick, bevor wir in die einzelnen Schritte gehen.

Am Anfang verrührst du nur Mehl und Wasser und wartest. In den ersten ein, zwei Tagen zeigen sich oft erste Bläschen, meist von Bakterien, die noch gar nicht die richtigen sind. Dann kommt fast immer ein Durchhänger, eine ruhige Phase, in der äußerlich wenig passiert, obwohl sich dein Starter innen gerade umbaut. Danach wird es lebendig: ein feines Blasennetz, ein säuerlicher Geruch, manchmal ein scharfer Stoß nach Nagellack, der von allein wieder verschwindet. Und irgendwann verdoppelt sich dein Starter zuverlässig, riecht fruchtig-mild und ist backbereit.

Das Wichtigste vorweg, weil es dir die halbe Unsicherheit nimmt: Du fütterst deinen Starter nicht nach einem starren Tagesplan, sondern immer dann, wenn er sich verdoppelt hat. Nicht der Kalender sagt dir, wann es so weit ist, sondern dein Glas. Ein Haushaltsgummi auf Teighöhe zeigt es dir zuverlässiger als jede Uhr. Deshalb findest du bei mir auch keine Anleitung nach Tag 1, Tag 2, Tag 3. Jeder Starter hat sein eigenes Tempo, und deiner darf sich seine Zeit nehmen.

Insgesamt rechne mit ungefähr einer Woche und fünf bis acht Fütterungen, manchmal sind es auch zehn Tage. In einer kühlen Küche dauert es länger, im warmen Sommer geht es schneller. Wenn bei dir also an Tag vier noch nicht viel los ist, ist das kein schlechtes Zeichen, sondern meistens einfach dein Tempo.

Mehl, Wasser und eine WG voller Mikroorganismen

Stell dir vor, du richtest eine WG ein, nur dass deine Mitbewohner wilde Hefen und Milchsäurebakterien sind. Die sitzen im Mehl und warten im Grunde nur auf Wasser, um loszulegen.

Sobald Mehl und Wasser zusammenkommen, fangen die Hefen an, den Zucker im Mehl zu fressen. Dabei entsteht CO₂, und genau das lässt dein Brot später aufgehen. Die Milchsäurebakterien arbeiten daneben und produzieren Säure. Die gibt dem Brot seinen Geschmack und macht es nebenbei länger haltbar. Ein Sauerteigbrot hält sich locker 5 bis 7 Tage frisch, ein reines Hefebrot nur 2 bis 3.

Bis sich dieses kleine Ökosystem in deinem Glas eingespielt hat, dauert es ungefähr eine Woche. Manchmal zehn Tage. Danach hast du einen Starter, den du jahrelang pflegen und immer wieder zum Backen verwenden kannst. Robert ist mittlerweile über sieben Jahre alt, und er wird von Jahr zu Jahr besser.

Begriffe kurz erklärt

Sauerteig-Starter (Anstellgut) ist deine Stammkultur im Glas. Sie lebt im Kühlschrank und wird regelmäßig gefüttert, aber nie komplett verbacken.

Vorteig (Levain) ist der Ansatz aus Starter + Mehl + Wasser, den du vor dem Backen herstellst und komplett ins Brot gibst.

Sauerteig ist der Oberbegriff für das gesamte System.

Mehl, Wasser und ein Glas, mehr brauchst du nicht

Welches Mehl zum Sauerteig ansetzen?

Kurz gesagt: Roggen-Vollkornmehl. Für einen ersten Starter ist das die sicherste Wahl, und gleich erkläre ich dir, warum.

Die Mikroorganismen, die deinen Starter lebendig machen, sitzen auf der Schale des Getreidekorns. Je mehr Schale im Mehl, desto mehr wilde Hefen und Bakterien stecken drin. Deshalb funktioniert Vollkornmehl am besten, und deshalb passiert mit Type 405 fast nichts. Da ist die Schale komplett weg.

Ich nehme für einen neuen Starter immer Roggen-Vollkornmehl. Roggen bringt von Natur aus mehr Enzyme und Mikroorganismen mit als Weizen oder Dinkel, und der Starter kommt dadurch deutlich schneller in Gang. Bei mir sind es 5 bis 8 Fütterungen, bis er aktiv ist. Wenn du kein Vollkorn im Haus hast, funktioniert Roggenmehl Type 1150 fast genauso gut. Die Details zu den anderen Mehlsorten findest du weiter unten im Abschnitt zu Weizen- und Dinkel-Startern.

MehlDauer bis backbereitAktivitätEmpfehlung
Roggen-Vollkorn5–8 FütterungenHoch, viele natürliche HefenMeine erste Wahl für Einsteiger
Roggen Type 11506–8 FütterungenGut, etwas weniger SchalenanteileFunktioniert fast genauso
Weizen-Vollkorn8–10 FütterungenMittel, weniger Hefen als RoggenFür mildere Brote
Dinkel-Vollkorn8–10 FütterungenMittel, ähnlich wie WeizenLeicht nussiges Aroma
Type 405 / 550Kaum möglichSehr gering, Schale fehltNicht geeignet

Welches Wasser ist das beste für meinen ersten Starter?

Normales Leitungswasser reicht aus. Ich teste mit dem Finger, ob es sich handwarm anfühlt, ungefähr 30 °C. Wenn es angenehm warm ist, ohne zu brennen, stimmt die Temperatur. Wer es genauer haben will, nimmt ein Laserthermometer*.

Auf die Temperatur lohnt es sich zu achten. Zu heißes Wasser tötet die Hefen ab, zu kaltes bremst sie so weit aus, dass tagelang nichts passiert.

Das richtige Glas für deinen Starter

Dein Starter wird sein Volumen verdoppeln, manchmal sogar mehr als das. Er braucht also Platz. Ich nehme Weckgläser mit 850 ml oder 1 Liter*, alte Marmeladengläser mit 500 ml gehen aber auch. Den Deckel legst du nur locker auf, nie zuschrauben, weil das CO₂ raus muss.

Der Trick mit dem Haushaltsgummi

Ich ziehe ein Haushaltsgummi ums Glas auf die Höhe, wo der Teig gerade steht. So sehe ich sofort, ob er gewachsen ist. Kein Raten, kein Vergleichen aus der Erinnerung.

Sauerteig ansetzen

Sauerteig ansetzen Schritt für Schritt

Ab jetzt füttere ich immer dann, wenn sich der Starter verdoppelt hat. Am Anfang dauert das ungefähr 24 Stunden, mit jeder Fütterung wird er schneller. Das Gummiband am Glas zeigt dir zuverlässig, wann es so weit ist.

Schritt 1: Mehl und Wasser mischen

Ich gebe 50 g Roggen-Vollkornmehl und 50 g lauwarmes Wasser (ca. 30 °C) in ein sauberes Glas und verrühre alles gut, bis keine trockenen Stellen mehr da sind. Die Konsistenz ist ungefähr wie dicker Pfannkuchenteig. Wenn es zu fest wirkt, kommt noch ein kleiner Schluck Wasser dazu.

Den Deckel lege ich locker auf. Dann ziehe ich das Gummiband auf Teighöhe und stelle das Glas an einen warmen Ort. 24 bis 28 °C sind ideal. Ich stelle meins auf den Kühlschrank, da oben ist es immer ein paar Grad wärmer als auf der Arbeitsfläche.

In den ersten Stunden passiert noch nichts Sichtbares. Das Mehl-Wasser-Gemisch sieht genauso aus wie vorher, aber unter der Oberfläche fangen die Mikroorganismen bereits an, sich einzurichten.

Schritt 2: Das erste Füttern

Nach ungefähr 24 Stunden riecht es vielleicht leicht säuerlich oder alkoholisch. Das ist gut. Die Mikroorganismen fangen gerade an zu arbeiten.

Jetzt kommt das erste Füttern, und ab hier läuft jedes Füttern gleich ab. Ich wiege 50 g von meinem Starter ab und werfe den Rest weg (oder auf den Kompost). Den entnommenen Starter verrühre ich zuerst mit 50 g lauwarmem Wasser, dann gebe ich 50 g frisches Roggen-Vollkornmehl dazu und verrühre alles gut. Das Ganze kommt in ein frisches, sauberes Glas. Gummiband auf die neue Teighöhe, Deckel locker drauf, fertig.

Das frische Glas ist übrigens kein Perfektionismus. Teigreste, die an der Innenwand eintrocknen, sind eine häufige Schimmelquelle. Ein sauberer Rand ist die beste Versicherung dagegen.

Warum du beim Füttern immer etwas wegwirfst

Wenn du den gesamten Starter jedes Mal weiterfüttern würdest, hättest du nach einer Woche einen Eimer voll und bräuchtest kiloweise Mehl. Was ich mache, nennt sich 1:1:1-Führung. Ein Teil Starter, ein Teil Mehl, ein Teil Wasser. So bleibt die Menge konstant, und die Mikroorganismen bekommen immer frisches Futter. Mehr dazu im Artikel Sauerteig füttern & pflegen.

Schritt 3: Weiterfüttern, erste Bläschen zeigen sich

Ich füttere wieder genauso wie beim letzten Mal. 50 g Starter abwiegen, mit 50 g Wasser verrühren, 50 g Mehl dazu, frisches Glas. Bei mir haben sich beim dritten Füttern die ersten winzigen Bläschen gezeigt. Wenn bei dir noch nichts zu sehen ist, lass dich nicht verunsichern. Manche Starter brauchen einfach länger, bis sie loslegen.

Schritt 4: Hab Geduld mit deinem Starter

Ich füttere wieder wie gehabt. Beim vierten Füttern hat mein Starter wieder ruhiger ausgesehen als vorher. Keine neuen Blasen, kaum Volumen, fast wie am Anfang. Das hat mich kurz verunsichert, aber genau so soll es sein. Die Blasen davor kamen von Bakterien, die zwar CO₂ produzieren, aber nichts mit echtem Sauerteig zu tun haben. Die entstehende Säure verdrängt sie jetzt, und die richtigen Milchsäurebakterien und wilden Hefen können sich ansiedeln. Der Starter baut sich gerade von innen um, auch wenn äußerlich wenig passiert. Füttere einfach weiter.

Schritt 5: Blasen, Geruch, Volumen, jetzt geht es los

Ab dem fünften Füttern war bei mir auf einmal richtig was los. Überall kleine Blasen im Teig, die Oberfläche hat sich nach oben gewölbt, und der Geruch wurde deutlich säuerlicher als vorher. Durchs Glas war ein feines Blasennetz zu sehen, fast wie ein Schwamm. Die richtigen Hefen haben angefangen zu arbeiten. Nach der ruhigen Phase davor war das fast ein bisschen überwältigend.

Schritt 6: Wenn dein Starter nach Nagellack riecht

Mein Starter hat beim sechsten Füttern plötzlich seltsam scharf gerochen, fast wie Nagellackentferner. Ich hab kurz gedacht, da stimmt was nicht. Aber der Geruch gehört in dieser Phase einfach dazu. Manche Bakterien produzieren Essigsäure oder Aceton, bevor die Milchsäurebakterien endgültig die Oberhand gewinnen. Nach ein, zwei weiteren Fütterungen geht der Geruch von alleine wieder weg.

Ab jetzt geht es meistens spürbar schneller. Ich füttere alle 12 bis 24 Stunden, immer dann, wenn das Gummiband zeigt, dass sich der Starter verdoppelt hat. Die Menge bleibt dieselbe, also 50 g Starter, 50 g Wasser und 50 g Mehl, wieder in ein frisches Glas.

Schritt 7: Wölbung, Blasennetz, fruchtiger Geruch, dein Starter ist backbereit

Nach dem achten Füttern war es bei mir so weit. Ich hatte das Gummiband gesetzt, war kurz weg, und als ich zurückkam, stand der Teig fast doppelt so hoch. Durchs Glas sah ich ein gleichmäßiges Blasennetz, und der Geruch war fruchtig-mild statt stechend. Nach dem ganzen Reingucken und Zweifeln war das ein richtig guter Moment.

Woran ich gemerkt habe, dass Robert wirklich backbereit war? Er hat sich innerhalb von 6 bis 8 Stunden nach dem Füttern zuverlässig verdoppelt, angenehm säuerlich gerochen und die Oberfläche hat eine schöne Wölbung gebildet. Und das nicht nur einmal, sondern zwei, drei Mal hintereinander.

Falls es bei dir länger dauert, ist das normal. Manche Starter brauchen zehn oder mehr Fütterungen, besonders bei kühler Raumtemperatur. Füttere einfach weiter.

Rezept

Sauerteig-Starter ansetzen

Zutaten
  • 50 g Roggen-Vollkornmehl (plus Nachschub zum Füttern)
  • 50 g lauwarmes Wasser, ungefähr 30 °C
  • 1 sauberes Glas mit 850 ml bis 1 l, Deckel und ein Haushaltsgummi
Zubereitung
  1. Mehl und Wasser im Glas glatt verrühren. Gummiband auf Teighöhe ziehen, Deckel locker auflegen, warm stellen (24 bis 28 °C).
  2. Nach etwa 24 Stunden das erste Mal füttern: 50 g vom Ansatz abnehmen, mit 50 g Wasser verrühren, 50 g frisches Mehl dazu, alles in ein frisches Glas. Das ist die 1:1:1-Führung.
  3. Immer im gleichen Takt weiterfüttern, sobald sich der Starter verdoppelt hat, jedes Mal in ein sauberes Glas.
  4. Zwischendurch kommen oft ein Durchhänger und ein Nagellack-Geruch. Beides gehört dazu, einfach weiterfüttern.
  5. Nach fünf bis acht Fütterungen wird er lebendig: Blasennetz im Glas, säuerlicher Geruch, Wölbung an der Oberfläche.
  6. Backbereit ist er, wenn er sich in sechs bis acht Stunden zuverlässig verdoppelt und fruchtig-mild riecht, und das zwei, drei Mal hintereinander.
  7. Dann kommt er in den Kühlschrank. Ab jetzt reicht einmal pro Woche füttern.

Dauer: rund eine Woche und 5 bis 8 Fütterungen. Ergebnis: ein backfertiger Roggen-Starter, den du jahrelang behalten kannst.

Normal oder Alarm? Dein Starter im Schnellcheck

Beim Ansetzen riecht und sieht dein Starter ständig anders aus, und fast alles davon ist harmlos. Damit du in dem Moment, in dem du unsicher vor dem Glas stehst, schnell weißt, woran du bist, hier die kurze Einordnung.

Was du siehst oder riechstWas es bedeutetWas tun
Kaum Blasen, Durchhänger nach ein paar Tagennormale Umbauphaseweiterfüttern
Geruch nach Nagellack, Aceton oder EssigHunger, beim Ansetzen völlig normalweiterfüttern
Graue Flüssigkeit oben (Hooch)war kurz zu lange ohne Futterunterrühren, dann füttern
Flacher, glatter weißer Filmmeist harmlose Kahmhefevorsichtig abheben, weiterfüttern
Pelzige, erhabene Flecken in Grün, Schwarz, Rosa oder OrangeSchimmelkomplett wegwerfen, Glas und Löffel heiß spülen
Rosa oder oranger, schmieriger BelagFehlbakterienwegwerfen

Die einfachste Faustregel: flach und glatt ist fast immer harmlos, pelzig und erhaben ist Schimmel.

Wenn dein Starter partout nicht in Gang kommt, nimmt dich mein Artikel Sauerteig-Starter geht nicht auf an die Hand. Und welcher Geruch genau was bedeutet, habe ich ausführlich in Sauerteig riecht nach Aceton aufgeschrieben.

Roggen, Weizen oder Dinkel als Starter?

Du kannst deinen Starter mit Roggen, Weizen oder Dinkel aufbauen. Die Unterschiede liegen im Geschmack, in der Aktivität und darin, wie pflegeleicht der Starter im Alltag ist.

Vor ein paar Jahren hab ich mal einen Weizen-Starter parallel zu Robert aufgebaut. Er war wunderbar, milder, weniger säuerlich, das Brot fast schon elegant. Aber auch launischer. Wenn ich ihn ein paar Tage zu lang im Kühlschrank vergessen hatte, brauchte er deutlich länger, um wieder anzuspringen. Wer es ausprobieren möchte, nimmt am besten Weizenmehl Type 1050 oder Vollkornweizen.

Mit Dinkel hab ich ähnliche Erfahrungen gemacht. Vollkorndinkel funktioniert am besten für den Aufbau, und der Starter gibt dem Brot eine leicht nussige Note. Allerdings ist Dinkel genauso empfindlich wie Weizen, manchmal sogar ein bisschen mehr.

RoggenWeizenDinkel
Bestes MehlVollkorn oder Type 1150Type 1050 oder VollkornVollkorn
GeschmackKräftig, säuerlichMild, wenig SäureMild, leicht nussig
AktivitätHoch, springt schnell anMittel, braucht längerMittel, ähnlich wie Weizen
PflegeGutmütig, verzeiht vielLaunischer, braucht RegelmäßigkeitEmpfindlich, ähnlich wie Weizen
Für Einsteiger?Ja, meine EmpfehlungMöglich, aber anspruchsvollerMöglich, aber anspruchsvoller

Einen eigenen Starter für jede Mehlsorte brauchst du aber nicht. Robert ist ein reiner Roggen-Starter, und ich backe damit genauso gut Weizen- und Dinkelbrote. Ein Starter reicht.

Robert sagt

„Ich bin jetzt seit über sieben Jahren in dieser Küche. Ich hab Umzüge überlebt, Urlaubsvertretungen und den einen Winter, als die Heizung drei Tage ausgefallen ist. Wenn ich das kann, schafft dein Starter die erste Woche auch.“

Ab in den Kühlschrank, und dann?

Sobald sich dein Starter zuverlässig verdoppelt und fruchtig riecht, kommt er in den Kühlschrank. Dort fährt er seine Aktivität runter und braucht nur noch einmal pro Woche Futter. Ich füttere Robert mittwochs mit 1:1:1 (50 g Starter + 50 g Roggenmehl Type 1150 + 50 g Wasser). Freitagabend setze ich dann einen Vorteig an, und samstags wird gebacken.

Wie du deinen Starter langfristig pflegst, erkläre ich in Sauerteig füttern: Verhältnis, Rhythmus und Pflege. Wenn du mal länger nicht backst, übersteht dein Starter die Pause locker, so bewahrst du ihn auf. Und vielleicht gibst du ihm ja auch einen Namen, so wie ich meinem Robert, Ideen dafür findest du hier.

Dein Starter lebt. Und jetzt?

Sobald er sich zuverlässig verdoppelt und fruchtig-mild riecht, ist er bereit für seinen ersten großen Auftritt. Das erste eigene Sauerteigbrot ist ein besonderer Moment, und einfacher, als du gerade vielleicht denkst. Zum einfachen Sauerteigbrot für Anfänger →

Häufige Fragen zum Sauerteig ansetzen

Wie lange dauert es, einen Sauerteig anzusetzen?

Ungefähr eine Woche und fünf bis acht Fütterungen. Bei kühler Küche kann es zehn Tage werden, im warmen Sommer geht es schneller. Verlass dich dabei nicht aufs Datum, sondern darauf, ob dein Starter sich zuverlässig verdoppelt und fruchtig-mild riecht.

Mein Starter ist aufgegangen und dann zusammengefallen. Ist das schlimm?

Nein, das ist sogar ein gutes Zeichen. Er hat seinen Höhepunkt erreicht, den sogenannten Peak, und ist danach wieder abgesunken. Die Hefen haben so viel CO₂ produziert, dass der Teig sein Volumen nicht halten konnte. Fürs spätere Backen nimmst du den Starter am besten genau am Peak, wenn er am höchsten steht.

Oben auf meinem Starter schwimmt eine graue Flüssigkeit. Muss ich ihn wegwerfen?

Nein. Das ist sogenannter Hooch, eine dünne Schicht aus Alkohol und Wasser. Sie bildet sich, wenn der Starter zu lange nicht gefüttert wurde. Grau oder leicht bräunlich ist er noch völlig in Ordnung. Einfach einrühren und zwei bis drei Mal hintereinander füttern, dann erholt er sich. Robert hat mir das schon ein paarmal bewiesen.

Was mache ich mit dem Rest, den ich beim Füttern wegwerfe?

Während du deinen Starter aufbaust, kommt der Rest in den Müll oder auf den Kompost. Die Kultur ist in dieser Phase noch nicht stabil, und der Überschuss taugt weder geschmacklich noch von der Zusammensetzung her zum Verbacken. Sauerteig-Reste aber bitte niemals in den Ausguss kippen, die können im Rohr aufquellen und es verstopfen. Sobald dein Starter fertig ist und regelmäßig gefüttert wird, sieht das anders aus. Dann sammle ich den Überschuss, auch Discard genannt, in einem Glas im Kühlschrank und verbacke ihn in Pfannkuchen, Waffeln oder Crackern. Frischer Discard, also maximal zwei bis drei Tage alt, eignet sich am besten.

Wie viel Sauerteig-Starter brauche ich später für ein Brot?

Kommt drauf an. Ich backe fast immer über einen Vorteig, für den ich nur 10 bis 20 g Starter brauche. Ohne Vorteig sind es 50 bis 80 g. Die meisten meiner Rezepte verwenden 100 bis 200 g Vorteig auf 500 g Mehl im Hauptteig. Wie das mit dem Vorteig funktioniert, erkläre ich in Sauerteig-Vorteig ansetzen: Ja oder nein?

Spielt es eine Rolle, ob ich im Sommer oder Winter anfange?

Ja, die Temperatur macht einen spürbaren Unterschied. Im Sommer bei 25 bis 28 °C geht alles schneller, dein Starter verdoppelt sich manchmal schon nach 12 Stunden. Im Winter bei 18 °C kann es doppelt so lang dauern. Ich stelle das Glas dann auf die Heizung oder in den Backofen mit eingeschaltetem Licht. So bleiben die 24 bis 28 °C auch im Januar machbar.

Mein Starter blubbert kaum noch. Lebt er noch?

Ja, fast sicher. Er hat wahrscheinlich Hunger. Füttere ihn zwei bis drei Mal hintereinander an einem warmen Ort (24 bis 28 °C) und er kommt fast immer wieder. Wenn er trotzdem nicht anspringt, wechsel das Mehl. Ein frisches Vollkornmehl kann manchmal den Unterschied machen.

Brauche ich zusätzlich Hefe, um meinen Starter in Gang zu bringen?

Nein. Die wilden Hefen sitzen bereits auf dem Mehl und brauchen nur Wasser und Zeit, um aktiv zu werden. Bäckerhefe würde den Starter zwar schneller aufgehen lassen, aber die falschen Organismen fördern. Der ganze Sinn eines Sauerteig-Starters ist, dass sich die natürlichen Hefen und Milchsäurebakterien von alleine ansiedeln. Das braucht Geduld, aber keine Starthilfe.

Mehr rund um Sauerteig-Grundlagen

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Zwei Scheiben Sauerteigbrot mit Butter auf einem Teller, daneben eine Tasse Kaffee, eine Leinenserviette und Weizenähren am Fenster

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Bine, Hobbybäckerin und Brotback-Mentorin

Über die Autorin

Hallo, ich bin Bine

Bei mir lernst du Brotbacken so, dass du es wirklich verstehst – mit Blick fürs Warum hinter dem Wie. Seit Jahren backe ich in meiner eigenen Küche, teste Rezepte und halte fest, was sich bewährt.

Hast du noch Fragen?

22 Kommentare

  1. Avatar von Gerhard

    Hallo Bine, wenn dein Starter fertig ist und Du noch nicht backst, Du stellst dein Starter in den Kühlschrank, zwei Tage später backst du, brauchst 20g Sauerteig, wie geht’s weiter.
    Lässt Du den kalten Sauerteig erst warm werden, oder kann man den Sauerteig sofort verwenden? Wenn Du 20g entnommen hast, füllst Du mit 20g Mehl und Wasser auf, oder 50g

    1. Avatar von Bine

      Guten Morgen Gerhard,

      lieben Dank für deinen Kommentar und die wirklich gute Frage die du da hast. Das werde ich tatsächlich recht oft gefragt.
      Um ehrlich zu sein, ich mache es mal so, mal so 😉

      Wenn ich ein Brot backe, dass auch einen Hefe-Anteil hat, dann verwende ich den Starter direkt aus dem Kühlschrank. Die Gare des Teiges braucht dann etwas länger, aber es funktioniert in der Regel problemlos.
      Ehrlicherweise muss ich aber erwähnen, dass mein Starter Robert ein echter Kraftprotz ist und keinerlei Probleme macht.

      Ich empfehle dir, deine Back-Sessions so zu planen, dass du höchstens einen Tag vor dem Backen deinen Starter fütterst. Besser wäre es, wenn du deinen ihn fütterst, nach dem Füttern 3-4h bei Raumtemperatur wartest bis er sich verdoppelt, dann die benötigte Menge abnimmst und den Rest in den Kühlschrank stellst. Damit habe ich auch gute Erfahrungen gemacht.

      Ich erstelle in vielen Fällen zuerst einen Vorteig. D.h. ich entnehme z.B. 20g Anstellgut dem Starterglas, der Rest geht in den Kühlschrank. Mit dem entnommenen Anstellgut mache ich mit einem Teil der Gesamtmehlmenge und der Gesamtwassermenge des Rezepts einen Vorteig, den ich 10-12h gehen lasse. (z.B. 10% Mehl und 10% Wasser des Rezeptes plus den 20g Anstellgut).

      Hier führen wirklich viele Wege nach Rom.

      Zu deiner zweiten Frage: Nein bitte nicht einfach nur auffüllen. Du kannst den Starter so wie er ist zurück in den Kühlschrank stellen und bei der nächsten Routine-Fütterung wieder 1:1:1 füttern.

      Ich hoffe ich hab das jetzt einigermaßen verständlich erklären können. Zu diesem Thema gibt es viele unterschiedliche Meinungen und Ansätze … und bei jedem funktioniert es ein bisschen anderes.
      Vielleicht hast du schon meinen Artikel zum Füttern deines Starters entdeckt: https://bine-backt.de/sauerteig-fuettern/. Da habe ich u.a. auch aufgeschrieben wie ich das mit meinem Starter mache, wenn ich backe.

      Und falls du noch mehr Fragen hast, einfach fragen 🙂

      LIebe Grüße von der Bine

  2. Avatar von Laura

    Hallo Bine! Ich wollte nur mal Danke für den schönen Beitrag sagen. In diesen überstimulierenden Zeiten von Instagram und schnellen, lauten Reels und Short Content ist es eine Wohltat sondergleichen, mal wieder einen Blog zu lesen. Danke Danke Danke!!! <3

    1. Avatar von Bine

      Hallo Laura,

      vielen lieben Dank für deinen netten Kommentar <3
      Ich bin ganz bei dir, ich fühle mich zu alt für Insta & Co. 😀
      Ich freu mich wirklich riesig, dass dir mein Blog gefällt und es tatsächlich noch Menschen gibt die Blogs LESEN und über den Rand der Social Media Bubble gucken.

      Den Beitrag überarbeite über das Ansetzen von Sauerteig überarbeite ich im Moment ein wenig. Es waren einige Formulierungen drin, die ein bisschen unklar waren. Und das ist das tolle an einem Blog, es ist Content der „lebt“.

      Ich freu mich, wenn du wieder mal vorbei schaust <3
      Hab ein tolles Wochenende,
      es grüßt ganz lieb die Bine

  3. Avatar von Ani

    Hey, ich muss mal kurz ne blöde Frage stellen. Bleibt der Starter dann immer im Kühlschrank wenn man ihn genug gezüchtet hat? man füttert ihn, dann nur noch einmal die Woche, aber die fütterung läuft genauso ab wie beim ersten füttern, nur das man ihn dann immer in der Kühlschrank stellt ? ganz liebe Grüße und vielen Dank für die tolle Anleitung 😍

    1. Avatar von Bine

      Hallo Ani,
      das ist überhaupt keine blöde Frage – klingt ja auch komisch .. überall liest man, dass es ein Sauerteig warm haben möchte und ich packe ihn in den Kühlschrank. Das ist aber tatsächlich eine sehr gängige Methode für Hobbybäcker die nicht jeden Tag backen können oder wollen.

      Dein Starter wohnt dauerhaft im Kühlschrank. Einmal pro Woche holst du ihn raus und fütterst ihn genauso wie beim ersten Mal – ein Teil Starter, ein Teil Mehl, ein Teil Wasser.
      Der einzige Unterschied zum Anfang ist, dass du ihn nach dem Füttern für 1 bis 2 Stunden bei Raumtemperatur „anspringen“ lässt, bevor er zurück in den Kühlschrank darf. In dieser Zeit kommen die Hefen in Schwung und fangen an zu arbeiten. Danach bremst die Kälte sie wieder aus und er kann bis zur nächsten Fütterung in Ruhe vor sich hin leben.
      So halte ich meine Starter seit Jahren, und Robert geht’s damit prächtig.
      Liebe Grüße von der Bine

  4. Avatar von Jochen
    Jochen

    Hey Bine!
    Super tolle Seite, danke für die vielen tollen Anleitungen, Tipps, Rezepte etc 🙂
    Ich habe meinen Sauerteig angesetzt wie von Dir erklärt. Bin nun bei Tag vier und er gedeiht so langsam.
    Jetzt fahre ich morgen Abend weg, komme erst Sonntag Abend wieder zurück. Was mache ich denn dann so lange mit dem Sauerteig?
    Kann ich ihn so lange in den Kühlschrank stellen? Oder geht das alles nicht während der Phase, wo ich ihn quasi „herstelle“?

    Danke für die Hilfe! 🙂

    1. Avatar von Bine

      Hallo Jochen,

      ganz lieben Dank für deinen netten Kommentar – das freut mich riesig, dass dir die Seite weiterhilft! 🙂

      Zu deiner Frage: Kein Stress, das kriegen wir hin. Dein Sauerteig stirbt nicht, nur weil du übers Wochenende weg bist – auch nicht in der Ansetz-Phase. Er macht einfach Pause.

      Du kannst folgendes probieren:
      Morgen vor der Abreise fütterst du ihn nochmal ganz normal (1:1:1, also gleiche Teile Anstellgut, Mehl und Wasser). Lass ihn dann 1–2 Stunden bei Raumtemperatur stehen, damit er anspringt – und dann ab in den Kühlschrank.
      Sonntag Abend, wenn du zurück bist, holst du ihn raus und lässt ihn über Nacht bei Raumtemperatur ankommen.
      Montag früh fütterst du wieder normal und machst mit dem Ansetzen weiter, wo du aufgehört hast.

      Im Kühlschrank schaltet dein Starter quasi auf Standby. Die Hefen und Bakterien arbeiten viel langsamer, „lernen“ also weniger in dieser Zeit. D.h. die Ansetz-Phase verlängert sich um ein paar Tage. Wenn er Montag/Dienstag noch etwas träge wirkt – nicht ungeduldig werden, einfach weiterfüttern. Tag 7 fühlt sich dann eher an wie Tag 5 sich angefühlt hätte, wenn du durchgemacht hättest.
      Das ist völlig normal und kein Rückschritt. Im Gegenteil – das ist genau der Moment, in dem Sauerteig zeigt, dass er in dein Leben passt und nicht umgekehrt. 🙂

      Viel Spaß beim Wegfahren und melde dich gerne wieder, wenn du Fragen hast!

      Liebe Grüße
      Bine

      1. Avatar von Jochen
        Jochen

        Hola Bine!
        Riesen Dank! Dann werde ich das mla genau so versuchen! 🙂
        Er darf gar nicht aufgeben. Freu mich doch schon auf das erste gemeinsame Backerlebnis 🤗

        1. Avatar von Bine

          Hola Jochen 🙂
          sehr gern geschehen.

          Und denk immer dran .. das Schlimmste was passieren könnte ist, dass du einfach nochmal anfangen musst. Aber das glaub ich tatsächlich weniger.

          Liebe Grüße von der Bine

  5. Avatar von Stefan
    Stefan

    Hallo Sabine,
    vielen Dank für deine tolle Schritt-für-Schritt-Anleitung. Anfangs lief alles nach Plan, aber seit 2 Tagen tut sich praktisch nichts mehr 🤔.
    Ich habe Samstag zum ersten Mal seit Jahren wieder Sauerteig angesetzt und Sonntag Morgen zum ersten Mal gefüttert. Abends hatte er sich dann verdoppelt, aber da ich dachte, ich müsste mindestens 12 Stunden warten habe ich ihn über Nacht stehen lassen und er hatte sich am nächsten Morgen nochmal verdoppelt. Ich habe ihn dann gefüttert, aber seit dem ist praktisch Stillstand. Ich dachte erst Schritt 3 wurde praktisch übersprungen, weil er sich ja 2 Mal verdoppelt hat, aber den ganzen Montag und den ganzen Dienstag tat sich praktisch nichts. Gestern habe ich ihn noch gefüttert, aber heute Morgen, am Mittwoch, habe ich es mal ausgelassen, weil ich die Milchsäurebakterien nicht zu sehr verdünnen will.
    Sonntag war es noch deutlich wärmer als die folgenden Tage, aber wenn mein Kühlschrankmotor gerade läuft, sind es da auch knapp 30°C.
    Ist das normal Sabine? Soll ich ihn heute Abend wieder füttern, oder weiter warten?
    Danke für deine Hilfe.
    LG
    Stefan

    1. Avatar von Bine

      Hallo Stefan,
      vielen Dank für deine Nachricht.
      Keine Sorge … ich denke mit deinem Starter ist alles in Ordnung. Du steckst gerade nur in dem berüchtigten Durchhänger, den fast jeder neue Sauerteig durchmacht. Bei den meisten passiert das an Tag 3, 4 oder 5. Es sieht aus als wäre er hin, aber das ist nur die Phase in der die weniger gewünschten Bakterien gehen und sich die „guten“ Bakterien durchsetzen.
      Du hast also nichts übersprungen und nichts falsch gemacht … die eigentlichen Hefen müssen sich jetzt erst durchkämpfen. Das zieht sich meistens bis ungefähr Tag 7.
      Und die Hitze der vergangenen Tage hat da auch noch kräftig mitgemischt. Knapp 30 °C am Kühlschrank sind zu warm. Bei der Hitze schießt die Säure nach vorne, aber die Hefen fürs Aufgehen mögen’s ein kleines bisschen kühler und kommen deshalb nicht hinterher. Dein Starter wird sauer, geht aber nicht auf.

      Was ich machen würde:
      Such dir einen Platz für deinen Starter wo es konstant 22–26 °C hat. Füttere ruhig weiter, einmal am Tag reicht da schon … heute Abend auch wieder. Es ist auch nicht so, dass du die Milchsäurebakterien verdünnst damit. Das Gegenteil ist der Fall. Frisches Futter ist genau das, was die guten Kulturen jetzt brauchen. Der beste Zeitpunkt ist tatsächlich der Peak, aber ein bisschen vorher oder nachher ist dabei nicht so tragisch.
      Ich würde deinem Starter bis etwa Tag 7 Zeit geben. Wenn sich nach Tag 10 immer noch gar nichts rührt, meld dich nochmal.

      Liebe Grüße Bine

  6. Avatar von Stefan
    Stefan

    Hallo Bine,
    danke für die guten Tipps. Am 8. Tag, also Samstag, ist der Starter wieder deutlich gewachsen. Sonntag hat er sich innerhalb einer Stunde fast verdoppelt, aber ich kam erst heute, 2 Tage später, zum backen. Ich habe mich für ein relativ einfaches Sauerteigbrotrezept entschieden und es ist wunderbar aufgegangen, ganz ohne Hefe.
    Woher weißt du das mit den Milchsäurebakterien, wilden Hefen und richtigen Temperaturen eigentlich alles? Bist du Biologin? Die meisten scheinen ja einfach zu früh aufzugeben und das hätte ich ohne deine Hilfe wohl auch getan. Den Rest meines Starters – ich habe ihn Sauerteig Roggen Natur genannt, oder kurz Sauron – habe ich wieder gefüttert und er wartet jetzt im Kühlschrank auf seinen nächsten Einsatz.

    Liebe Grüße
    Stefan

    1. Avatar von Bine

      Hallo Stefan,

      lieben Dank für dein Update 🙂
      Oh das freut mich aber … das Sauron (hahahahah .. genial :D) jetzt so schön mitspielt und leckere Brote für dich backt. 🙂
      Und du hast auch vollkommen recht damit, dass die meisten Sauerteig-Einsteiger zu früh aufgeben, weil Sauerteig in vielen Blogs einfach kompliziert klingt. Oder anderes, einfach klingt aber am Anfang schwer umzusetzen ist, weil man Sorge hat etwas falsch zu machen.
      Ich sage ja immer: „Mein Sauerteig hat mich Geduld und Demut gelehrt“ … und für mich ist Backen so was wie Yoga und diese Ruhe und Besonnenheit der Ausgleich zu meinem recht stressigen Alltag im Büro. Und nein, ich bin keine Biologin, ich bin bin von der Technikseite und arbeite in der Betriebsleitung eines Metallbaubetriebs 😉 Woher ich das alles weiß? Wenn ich jetzt sage: jahrelange Erfahrung, dann ist das zwar richtig, aber nur die halbe Wahrheit. Ich habe einfach irgendwann 2016 aus Interesse mit Brot backen angefangen. Durch Corona wurde das auch immer tiefer und so ist über die Jahre durch viel Lesen, Backkurse und Selberbacken ein „Erfahrungspool“ entstanden … und dieses Blog. 😉

      Ich hab noch einen Tipp für dich: Wenn du deinen nächsten Backtag planst, dann füttere Sauron einen Tag vorher 1:5:5 lass ihn anspringen und ab in den Kühlschrank, dann ist er zum Backen fit für dein Brot, mit zwei Tagen wie bei dir jetzt geht das auch noch, aber länger sollte dein Starter vor dem Backen nicht ungefüttert sein.

      Liebe Grüße, auch von Robert an deinen Sauron,
      von der Bine

  7. Avatar von Stefan
    Stefan

    Liebe Grüße zurück von Sauron 😄
    danke für den Tipp! Ich habe jetzt diesen Vorteig und dein Rezept auf der Seite hier probiert. Klappt beides. Ich muss nur noch ein bisschen schauen, wie lange ich den Hauptteig vor dem Backen gehen lasse, wenn er bzw. der Vorteig im Kühlschrank waren und wie das ideale Vorteig/Hauptteig Verhältnis ist (und dran denken , Salz in den Teig zu tun 😖)
    Im Moment will ich nämlich 2 mal die Woche backen und die verbliebenen 50 g wieder auf 150 g hoch füttern.
    Viele liebe Grüße von Sauron und mir 😀

    1. Avatar von Bine

      Lieber Stefan, lieber Sauron 😄,

      oh ich freu mich, dass es jetzt klappt 🥰

      Wie lange der Hauptteig gehen muss ist, gerade bei diesem heißen Wetter einen knifflige Sache. Ich kämpfe selber mit fast 30 Grad in meiner Küche und so gehen die meisten meiner Teige im Sommer im Kühlschrank. Und meistens sind die Zeitangaben in den Rezepten für mich nur noch Richtwerte. Ich backe gerade ein Baguette-Rezept für das Blog hier und aus 1h Stockgare bei Raumtemperatur sind gestern 30 min geworden, weil es einfach zu warm ist. Jetzt stehen die Baguette in der Stückgare im Kühlschrank und wandern gleich in den Ofen. Mein Tipp also: Schau dir den Teig genau an, nimm die Rezeptzeiten als Richtwerte und mach den Fingertest … mit der Zeit bekommst du ein prima Gefühl dafür wie lange der Hauptteig gehen muss.

      Viel Spaß und gutes Gelingen weiterhin,
      und viele liebe Grüße von Robert und mir 😀

  8. Avatar von Stefan
    Stefan

    Hallo Bine, hallo Robert,
    ich hoffe ihr fühlt euch wohl 🙂
    Meinem Sauron geht’s gut (er hat ja immer seinen (Gummi)Ring um das Glas) und das mit dem Fingertest habe ich inzwischen auch raus. Zwei kleine Fragen habe ich aber noch. Du hast mir hier am 10.6. den Tipp gegeben, den Vorteig bis zu 2 Tage vor dem Backen 1:5:5 anzufüttern, anspringen zu lassen und dann im Kühlschrank zu lagern, damit er am Backtag fit für mein Brot ist. Wie genau meintest du das?
    Ich habe die Woche für den Vorteig 15 g Starter mit je 75 g Wasser und Mehl gefüttert und der ist auch gut aufgegangen. Nur als ich es dann in den Hauptteig gemischt habe, ist der auch nach 4-5 Stunden wenig aufgegangen. Er war ja auch nicht mehr über Nacht im Kühlschrank. Davor habe ich das schon mehrmals mit 50 g Sauron und je 250 g Mehl und Wasser gemacht, diesen Vorteig am Backtag mit Mehl aufgefüllt, damit das Verhältnis stimmt und den Hauptteig dann 2-4 Stunden gehen lassen. Das hat besser geklappt.
    Meine zweite Frage ist nur, ob ich Backutensilien, an denen noch Reste vom Starter oder Sauerteig kleben, in die Spülmaschine geben kann. Du schreibst irgendwo, dass man den Starter auf keinen Fall im Abfluss entsorgen darf, aber solche Reste in der Spülmaschine sollten kein Problem sein, oder?

    Ganz liebe Grüße und noch viel Spaß beim Backen und diesem Blog von uns aus Mordor 😀

    1. Avatar von Bine

      Hallo Stefan, hallo Sauron (der Gummiring als der eine Ring – herrlich 😄),

      freut mich, dass Sauron so brav mitspielt und leckere Brote für dich backt!

      Ich glaub, ich hab dich mit meinem Tipp vom 10.6. selbst ein bisschen auf die falsche Fährte geschickt – sorry! Da haben sich zwei Sachen vermischt, die ähnlich aussehen, aber verschiedene Jobs haben.

      Streng genommen ist Füttern und einen Vorteig ansetzen sogar dasselbe … ASG, Mehl, Wasser, verrühren, stehen lassen. In der Bäckerwelt hält man die beiden trotzdem auseinander, weil die Mengen und Verhältnisse so unterschiedlich sind, dass man sonst schnell durcheinanderkommt. Und genau das ist glaub ich hier passiert:

      Das eine ist Sauron selbst. Mein „einen Tag vorher 1:5:5 füttern, anspringen lassen, ab in den Kühlschrank“ war auf ihn gemünzt … den Starter fit machen fürs Wochenende, damit er vor dem Backen nicht zu lange ungefüttert rumsteht. Kleine Menge, das Kühlen betrifft nur Sauron.

      Das andere ist der Vorteig … der große Ansatz, der wirklich ins Brot geht. Den machst du nicht im Kühlschrank, sondern lässt ihn bei Zimmertemperatur hochkommen, bis er schön gewölbt und blubbrig ist, und gibst ihn dann in den Hauptteig. Genau auf diesem Hochpunkt hat er die meiste Kraft.

      Diesmal hast du die beiden zusammengelegt: aus 15 g + je 75 g einen kleinen Ansatz gemacht und den direkt ins Brot gegeben. Zwei Sachen haben ihm da gefehlt:
      Die Menge … 165 g sind für ein ganzes Brot recht wenig. Bei deinem guten Lauf hattest du 50 g Sauron mit je 250 g angesetzt, also 550 g. Das ist ein ganz anderes Kraftpaket.

      Das nächste Mal machst den Vorteig wieder wie in deinem guten Teig … die größere Menge, am Backtag nochmal mit etwas Mehl aufgefrischt und gib ihn rein, wenn er oben schön gewölbt ist, kurz bevor er wieder einsackt. Und Sauron gönnst du davor seine Auffrischung, damit er fit an die Sache geht.

      Wie ich Anstellgut, Sauerteig und Vorteig auseinandersortiere, hab ich hier mal aufgeschrieben: „Was ist Anstellgut?“. Und wie du den Vorteig ansetzt, steht hier: „Sauerteig-Vorteig ansetzen: Ja oder nein?“

      Zur Spülmaschine: Ja, das kannst du bedenkenlos so machen. Ich mach’s genau wie du und spül vorher ab … nur aus Vorsicht fürs Rohr. Der Handgriff, der zählt: das Gröbste (Teigklumpen, ein Rest im Glas) mit dem Schaber oder Küchenpapier in den Müll, bevor du unters Wasser gehst. Der dünne Film, der dann noch dranhängt, ist harmlos. Die Abfluss-Warnung meinte ich die andere Nummer … größere Mengen Anstellgut in einem Schwung runterkippen, das ist der Kleister, der die Rohre zusetzt.

      Liebe Grüße nach Mordor an dich und Sauron, auch von Robert,
      von der Bine

  9. Avatar von Janine
    Janine

    Hi Bine,

    ich habe zum ersten Mal einen Sauerteig angesetzt. Nach deiner Anleitung natürlich😅. Einen LM hatte ich schon mal aber da ist mir das Glas runtergefallen und zersprungen. War mir dann zu heikel mit Splittern 🥴.

    Ich habe sogar 2 angesetzt. Einmal mit Champagnerroggen und dann mit der Vollkornversion davon. Nun hab ich beide heute das erste Mal nach 24 h (und Verdoppelung) richtig gefüttert. Jetzt haben aber beide sich schon wieder verdoppelt und das nach 2 h 🫪. Warte ich jetzt trotzdem 24 h oder soll ich sie morgen früh füttern? Außer ich sollte lieber jetzt noch, dann würde ich wieder aufstehen aber ich will auch nicht zu vorschnell sein😅.

    Hab vielen lieben Dank für all deine Mühen!

    Liebe Grüße

    Janine

    1. Avatar von Bine

      Liebe Janine,

      vielen Dank für deine Late-Night-News 😅😅😅

      Ich wollte grad ins Bett gehen und hab wie immer noch mal auf dem Blog vorbeigeschaut. Und du stehst jetzt natürlich nicht auf 😅

      Das, was da grad passiert, ist am zweiten Tag ganz normal. Diese schnelle Verdopplung nach zwei Stunden sieht wild aus, kommt aber noch gar nicht von den Kulturen, die du am Ende im Glas haben willst. Ganz am Anfang tummeln sich da erst mal andere Bakterien. Die machen mächtig Wirbel und schießen hoch, verschwinden dann aber von selbst wieder, sobald es im Glas saurer wird. Erst danach übernehmen die echten Sauerteig-Kulturen. Bei vielen Startern kommt dazwischen sogar ein, zwei Tage, an denen sich fast nichts tut. Das gehört einfach dazu.

      Für dich heißt das: Bleib liegen und schlaf 😴. Füttere morgen früh ganz normal weiter. Du musst dafür nachts nicht ran, auch wenn er noch so hochkommt. Und wenn du ihn in dieser ersten Zeit mal ein paar Stunden länger stehen lässt, ist das kein Problem.

      Wenn dein Starter dann erst mal richtig läuft, wird das alles viel ruhiger und gleichmäßiger. Und sobald er fertig ist und im Kühlschrank wohnt, reicht einmal die Woche füttern völlig. Von dem täglichen Gefüttere, das man überall liest, bist du dann weit weg.

      Schön übrigens, dass du dich gleich mit zwei Gläsern reinstürzt 🙌

      Die einzelnen Schritte zum Ansetzen findest du hier: [Sauerteig ansetzen für Anfänger]. Und für später, wenn es ums Füttern und Pflegen geht: [Sauerteig füttern].

      Ganz liebe Grüße und gute Nacht 🌙
      Bine

      1. Avatar von Janine
        Janine

        Guten Morgen liebe Bine,

        vielen Dank für deine prompte Antwort. Hat mir ein paar Minuten mehr Schlaf beschert 😅.

        Theoretisch wären die 24 h erst heute Nachmittag um und wenn du sagst, der schafft das, werde ich ihn wohl erneut ein paar Stunden ignorieren.

        Ich tendiere zu den Namen Schwieger und Mutter, die ist nämlich auch öfter mal sauer 😂😂. Mal schauen, was mein Mann dazu sagt 🤭😂.

        Hab einen wundervollen Tag.

        Liebe Grüße aus Berlin

        Janine

        1. Avatar von Bine

          Liebe Janine,

          jetzt komme ich erst dazu, dir zu antworten, entschuldige bitte. Die letzten Tage waren bei mir ziemlich stressig.

          Aber schön, dass ich dir beim letzten Mal ein paar Minuten Schlaf retten konnte 😅

          Am Nachmittag die 24 Stunden voll zu machen, passt genau. Und wenn doch ein paar Stunden mehr draus werden, weil der Tag dazwischenkommt, macht das in dieser ersten Zeit überhaupt nichts. So ein junger Starter nimmt dir das nicht übel.

          Schwieger und Mutter, herrlich 😂😂 Ein Sauerteig wird ja wirklich ab und zu sauer, und „Mutter“ passt sogar doppelt, so ein Starter ist die Mutter von jedem Brot, das du damit backst. Ich bin gespannt, was dein Mann dazu sagt 🤭

          Hab auch du einen wundervollen Tag.

          Ganz liebe Grüße zurück nach Berlin
          Bine

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