Letzten Sommer war ich drei Wochen in Italien. Robert (ja, mein Starter hat einen Namen) blieb im Kühlschrank. Kein Nachbar zum Füttern, kein Timer, nichts. Als ich zurückkam und das Glas aufschraubte, war er grau und eingefallen, fühlte sich an wie ganz weicher Ton und roch nach Alkohol. Müde, nicht tot. Ein Esslöffel aus der Mitte, zweimal gefüttert, und zwei Tage später hat Robert gebacken, als wäre nichts gewesen.
Du willst wegfahren oder eine Weile nicht backen und fragst dich, ob dein Starter das übersteht. Ja, fast immer. Wie du ihn aufbewahrst, richtet sich nach der Pausenlänge: im Kühlschrank für die Backwoche, getrocknet oder eingefroren für Monate. Schwerer als die Methode ist oft die Frage, ob das graue, müde Glas vor dir noch lebt. Genau das lernst du hier zu unterscheiden.
Wie lange machst du Pause? Die Methode auf einen Blick
Du musst dich für keine Methode entscheiden, die du gar nicht brauchst. Wie du deinen Sauerteig aufbewahrst, richtet sich allein danach, wie lange du wegbleibst. Ein verlängertes Wochenende verlangt nichts weiter als den Kühlschrank, für die Sommerpause lohnt sich eine Trockenkopie.
| Pausenlänge | Methode | Was du tust | Wieder backbereit |
|---|---|---|---|
| Bis ~1 Woche (Wochenend- oder Kurztrip) | Kühlschrank | Normal weiterfüttern, Deckel zu | Sofort, direkt in den Vorteig |
| 1–3 Wochen (klassischer Urlaub) | Kühlschrank | Vor der Abreise frisch füttern, kurz antreiben lassen, Deckel zu | Eine Auffrischung, ein paar Stunden |
| 3 Wochen bis Monate (lange Pause, Sommer) | Kühlschrank, einfach stehen lassen | Nichts. Einmal vergessen ist erlaubt | 2–3 Tage, 2× täglich füttern |
| Monate bis Jahre / Sicherheitskopie | Trocknen (oder Verkrümeln; Einfrieren bis ~3 Mon.) | Aktiven Starter trocknen, dunkel und trocken lagern | 3–5 Tage, 2× täglich füttern |
Und egal, wo du landest: Das Aufwecken ist jedes Mal dasselbe, zweimal täglich 1:5:5 füttern. Du lernst es einmal und nutzt es für jede Methode.
Der Kühlschrank – so übersteht dein Starter jede normale Backwoche
So sieht mein Back-Alltag aus: Mein Starter Robert wohnt im Kühlschrank. Mittwochs füttere ich ihn mit 20 g Anstellgut, 20 g Roggenmehl Type 1150 und 20 g Wasser. Freitagabend setze ich einen Vorteig an, samstags wird gebacken. Diese Routine läuft seit Jahren, und mehr braucht es nicht.
Dass einmal pro Woche füttern reicht, liegt an der Temperatur. Bei 4 Grad fallen die Hefen und Bakterien in eine Art Winterschlaf. Sie verbrauchen kaum Futter, produzieren wenig Säure, und dein Starter bleibt stabil. Wer täglich backen will, lässt den Starter bei Raumtemperatur stehen, aber für die meisten Hobbybäcker ist der Kühlschrank die entspanntere Variante.
Selbst den genauen Wochentag nimmt der Starter nicht so genau. Manchmal vergesse ich das Füttern und mache es erst donnerstags oder freitags. Ein, zwei Tage hin oder her machen keinen Unterschied, solange der Rhythmus ungefähr stimmt.
Deckel zu oder auf? Was der Parmesan damit zu tun hat
Braucht der Starter im Kühlschrank Luft zum Atmen? In Anfänger-Gruppen wird das oft und viel diskutiert. Manche legen nur Frischhaltefolie übers Glas, andere ein Tuch mit Gummiband. Bei mir ist der Deckel fest zugeschraubt. Das war aber nicht immer so.
Am Anfang hab ich den Deckel nur locker aufgelegt, weil ich dachte, er muss atmen können. Als ich dann mal zwei Wochen krank war und nicht füttern konnte, hatte sich oben eine graue, trockene Haut gebildet. Und der Starter roch plötzlich nach Käse. Kein Wunder – er stand direkt neben dem Parmesan.
Seitdem ist der Deckel fest zu. Im Kühlschrank ist das sogar wichtiger als bei Raumtemperatur, weil dort Schimmelsporen und fremde Bakterien von anderen Lebensmitteln unterwegs sind. Ohne Deckel können die in deinen Starter gelangen und ihn verderben. Außerdem trocknet die Oberfläche ohne Deckel aus und bildet eine zähe Haut, die das Füttern erschwert. Die Hefen und Bakterien kommen auch ohne Luftaustausch gut zurecht. Alle paar Tage bauen sie etwas CO₂-Druck auf, dann drehe ich den Deckel kurz auf, lasse es zischen und schraube wieder zu. Beim Behälter selbst brauchst du übrigens nichts Besonderes: Ein normales Schraubglas reicht, groß genug, dass der Starter sich beim Aufgehen nicht selbst aus dem Deckel drückt.
Wie lange hält dein Starter ohne Fütterung?
Ein gut gepflegter Starter hält im Kühlschrank eine Woche problemlos durch. Zwei Wochen funktionieren auch noch gut, besonders wenn er vorher frisch gefüttert war. Ab drei Wochen wird es grenzwertig, dann bildet sich oft eine graue, wässrige Schicht auf der Oberfläche.
Als ich diese Schicht zum ersten Mal gesehen habe, hab ich zuerst an Schimmel gedacht. Die graue Flüssigkeit ist aber kein Schimmel, sondern Fusel (im Englischen Hooch). Eine Mischung aus Alkohol und Wasser, die die Hefen produzieren, wenn sie länger kein frisches Futter bekommen haben. Sieht unangenehm aus, ist aber harmlos. Ich gieße den Fusel ab und nehme einen Esslöffel Starter aus der Mitte des Glases, weil sich oben die meiste Säure sammelt. Dann füttere ich ihn ganz normal.
Meistens braucht der Starter danach zwei Fütterungen im Abstand von 8 bis 12 Stunden, um wieder richtig fit zu sein. Die erste Fütterung weckt ihn auf, die zweite bringt die Triebkraft zurück.
Schimmel sieht anders aus als Fusel. Pelzige Flecken, meistens grün oder schwarz. In über sieben Jahren ist das bei mir nie passiert, und im Kühlschrank mit geschlossenem Deckel ist es auch extrem selten. Falls doch mal pelzige Flecken auftauchen, muss der Starter leider weg. Da lässt sich nichts mehr retten.
Wie schnell ist dein Starter wieder backbereit?
Wenn mein Starter weniger als eine Woche im Kühlschrank stand, nehme ich ihn direkt für einen Übernacht-Vorteig. Dafür mische ich 10 g Starter mit 50 g Mehl und 50 g Wasser und lasse den Vorteig 12 Stunden bei Raumtemperatur reifen. Morgens mische ich den Hauptteig.
Nach zehn bis vierzehn Tagen gönne ich ihm vor dem Vorteig eine extra Fütterung und lasse ihn anspringen, also nach dem Füttern kurz bei Raumtemperatur stehen, bis er in Gang kommt. Auf die Uhr schaue ich dabei kaum, ein, zwei Stunden sind ein Richtwert, mehr nicht. Ich schaue auf den Starter. Wenn die ersten Bläschen an Oberfläche und Glaswand stehen, er sich leicht angehoben hat (nicht verdoppelt, nur angeschoben, vielleicht 20 bis 30 Prozent) und frisch-aktiv riecht statt nach rohem Mehl-Wasser-Brei, ist er so weit. Dann zurück in den Kühlschrank, am nächsten Abend setze ich den Vorteig an. Die extra Fütterung gibt den Hefen den Schub, bevor sie den ganzen Vorteig heben müssen.
Wenn du deinen Starter frisch gefüttert hast, lass ihn erst ein, zwei Stunden bei Raumtemperatur stehen, bevor er zurück in den Kühlschrank kommt. Den richtigen Moment erkennst du nicht an der Uhr, sondern an den ersten Bläschen an Oberfläche und Glaswand. Dann Deckel zu und rein. Stellst du ihn sofort kalt, schlafen die Hefen ein, bevor sie überhaupt losgelegt haben. Lässt du ihn über Nacht draußen stehen, überreift er und baut zu viel Säure auf.
Drei bis sechs Wochen Pause – einfach stehen lassen
Wenn du weißt, dass du eine Weile nicht backen wirst, kannst du deinen Starter einfach im Kühlschrank vergessen. Kein Füttern, kein Umsorgen. Ich hab das schon mehrfach gemacht, einmal sogar vier Monate lang, weil ich im Job viel zu viel zu tun hatte.
Nach drei Wochen ohne Futter sieht ein Starter nicht mehr einladend aus. Die Oberfläche ist grau, der Fusel steht fingerbreit obendrauf, und der Geruch erinnert an Nagellackentferner mit Essig-Note. Trotzdem lebt er. Hefen und Milchsäurebakterien sind zäher, als sie aussehen, und solange kein Schimmel drauf wächst und der Deckel fest zu war, erholt sich der Starter fast immer.
Woran du erkennst, ob dein Starter noch lebt
Kein Schimmel auf der Oberfläche ist das erste gute Zeichen. Wenn du dann eine kleine Menge fütterst und sich innerhalb von 24 Stunden Blasen oder ein säuerlicher Geruch zeigen, lebt er noch. Falls nach 48 Stunden gar nichts passiert, füttere nochmal. Manche Starter brauchen zwei Anläufe, bevor sie aufwachen.
Wieder aufpäppeln nach drei bis sechs Wochen
Ich gieße den Fusel ab und werfe den alten Starter bis auf etwa 10 g weg, weil die alte Säure die Hefen beim Neustart ausbremst. Dann füttere ich zweimal täglich bei Raumtemperatur im Verhältnis 1:5:5 (10 g Starter, 50 g Mehl, 50 g Wasser). Das höhere Verhältnis gibt den Hefen deutlich mehr frisches Futter als das übliche 1:1:1.
Nach zwei bis drei Tagen verdoppelt sich der Starter wieder zuverlässig und riecht fruchtig. Ich mache dann trotzdem noch einen Test-Vorteig, bevor ich ein ganzes Brot backe. Wenn der Vorteig nach 10 bis 12 Stunden schön aufgegangen ist und die Oberfläche sich wölbt, ist der Starter bereit. Geht der Vorteig nicht auf, füttere ich den Starter einfach noch ein, zwei Mal – lieber eine Fütterung extra als ein flaches Brot.
Verkrümeln – in zehn Minuten zum Backup
Verkrümeln ist die schnellste Methode, um deinen Starter außerhalb des Kühlschranks haltbar zu machen. Du mischst aktiven Starter mit Mehl, bis eine krümelige Masse entsteht, und lässt die Brösel trocknen. Bis die Brösel auf dem Blech liegen, vergehen keine zehn Minuten.
50 g Starter, 100 g Mehl – so entstehen die Brösel
Ich füttere meinen Starter und warte, bis er sich verdoppelt hat und die Oberfläche schön gewölbt ist. Dann nehme ich 50 g davon und vermische sie in einer Schüssel mit 100 g Mehl. Das Verhältnis ist ungefähr 1:2. Mit den Fingern verreibe ich alles, bis die Masse gleichmäßig bröselig ist, ähnlich wie Streuselteig vor dem Backen. Klumpen zerdrücke ich, bis alles locker durchrieselt.
Die Brösel breite ich auf einem Blech mit Backpapier aus und lasse sie bei Raumtemperatur trocknen. Nicht in den Ofen und nicht in die Sonne, weil zu viel Hitze die Hefen abtötet. Nach ein bis zwei Tagen sind die Brösel komplett durchgetrocknet und rieseln leicht zwischen den Fingern. Dann fülle ich sie in ein sauberes Schraubglas und lagere es im Küchenschrank. Solange es dort dunkel und trocken ist, halten die Brösel monatelang.
Schnell gemacht, aber etwas mehr Mehl nötig
Durch das Verreiben entsteht eine lockere, krümelige Masse mit viel Oberfläche. Deshalb trocknen die Brösel schnell, meistens in ein bis zwei Tagen. Dafür brauche ich doppelt so viel Mehl wie Starter, und die Reaktivierung dauert einen Tick länger, weil das überschüssige Mehl beim Einweichen erst aufquellen muss. Beim ersten Füttern nehme ich deshalb etwas mehr Wasser, um das auszugleichen.
Gerade wenn es schnell gehen muss, etwa vor einem Urlaub, ist Verkrümeln die unkomplizierteste Variante.
Brösel wieder aktivieren
Ich nehme 10 bis 20 g der getrockneten Brösel, gebe sie in ein Glas mit 50 g lauwarmem Wasser und lasse sie eine Stunde einweichen. Dann verrühre ich alles gut und gebe 50 g Mehl dazu. Ab jetzt füttere ich zweimal täglich im Verhältnis 1:5:5. Nach drei bis fünf Tagen geht der Starter wieder auf und riecht fruchtig. Woran du genau erkennst, ob er wirklich bereit fürs nächste Brot ist, erkläre ich in Wann ist mein Sauerteig fertig zum Backen?

Trocknen auf Backpapier – mein Sicherheitsnetz seit Jahren
„Falls Bine mich mal aus Versehen umbringt – zu heiß gespült, Deckel offen gelassen, was auch immer – steht im Vorratsschrank eine Trockenkopie von mir. Kluge Frau. Empfehle ich allen Starter-Besitzern.“
Trocknen ist die zuverlässigste Methode für lange Pausen. Seit Jahren hab ich getrockneten Starter in einem kleinen Schraubglas im Vorratsschrank stehen. Falls der Starter im Kühlschrank mal nicht mehr zu retten ist – Schimmel, runtergefallen, zu lange vergessen – kann ich ihn daraus wiederherstellen.
Dünn auf Backpapier und warten
Bevor ich etwas zum Trocknen abnehme, füttere ich meinen Starter und warte, bis er richtig aktiv ist – voller Blasen und mit gewölbter Oberfläche. Nur ein aktiver Starter bringt genug lebende Hefen mit, um nach dem Trocknen wieder anzuspringen. Dann streiche ich eine dünne Schicht auf ein Stück Backpapier, ungefähr 2 bis 3 mm dick, fast wie ein Crêpe. Das Backpapier lege ich aufs Blech, und das Blech kommt auf die Arbeitsfläche. Wie bei den Bröseln gilt auch hier: nur bei Raumtemperatur trocknen, weil Hitze die Hefen abtötet.
Nach zwei bis drei Tagen ist der Starter komplett durchgetrocknet. Er fühlt sich dann an wie dünnes Knäckebrot, hart und brüchig. Ich breche ihn in Stücke und zerbrösle sie mit den Fingern oder einem Mörser. Je feiner die Krümel, desto leichter lösen sie sich später in Wasser auf. Die Krümel kommen in ein Schraubglas, Deckel fest zu. Im Vorratsschrank halten sie locker sechs Monate, oft ein Jahr oder länger.
Ungefähr alle sechs Monate tausche ich die Starter-Krümel gegen frische aus. Nicht weil ich muss, sondern weil es mich beruhigt. Sind ja auch nur zehn Minuten Arbeit und zwei Tage Trocknungszeit.
Beim Trocknen verlieren die Hefen und Bakterien ihr Wasser. Sie sterben dabei nicht, sondern fallen in eine Art Ruhezustand, ähnlich wie Samen, die jahrelang in der Erde liegen und keimen, sobald Wasser kommt. Getrockneter Starter braucht keinen Strom, ist unempfindlich gegen Temperaturschwankungen und übersteht auch einen Umzug ohne Probleme.
Wie ich mein Backup getestet habe
Die Reaktivierung läuft genauso wie beim Verkrümeln. Einweichen, Mehl dazu, zweimal täglich füttern. Ich hab das zweimal ausprobiert, nicht weil mein Starter im Kühlschrank kaputt war, sondern weil ich wissen wollte, ob mein Backup auch wirklich funktioniert. Beim ersten Mal hat es nur zwei Tage gedauert, beim zweiten fast eine Woche. Die Krümel waren da allerdings schon fast ein Jahr alt, und je älter sie sind, desto länger brauchen die Hefen, um wieder in Gang zu kommen.
Einfrieren – funktioniert, aber Trocknen ist einfacher
Einfrieren wird oft empfohlen und funktioniert auch, jedenfalls für ein paar Monate. Ich hab es ausprobiert und bin trotzdem beim Trocknen geblieben.
Vom Ablauf her ist es die einfachste Methode. Starter füttern, warten bis er aktiv ist, dann Portionen von 30 bis 50 g in Eiswürfelformen oder kleine Gläser füllen, jeweils genug für eine Reaktivierung.
Im Gefrierfach verliert der Starter mit der Zeit an Kraft, weil die Eiskristalle die Zellen nach und nach beschädigen. Nach etwa drei Monaten merkt man das bei der Reaktivierung – sie dauert länger und der Starter springt zögerlicher an als nach dem Trocknen.
Dazu kommt ein praktisches Problem beim Auftauen. Die äußere Schicht taut zuerst auf und die Hefen fangen dort schon an zu arbeiten, während der Kern noch gefroren ist. Das macht die Reaktivierung unberechenbar.
Zum Reaktivieren lasse ich die Portion im Kühlschrank auftauen, nicht bei Raumtemperatur. So bleiben die Hefen im Winterschlaf, bis alles gleichmäßig durchgetaut ist. Die Mikrowelle wäre noch schlechter, weil die ungleichmäßige Hitze einen Teil der Hefen zerstören kann. Nach dem Auftauen füttere ich zweimal täglich, bis der Starter wieder aktiv ist. Bei mir hat das drei bis sieben Tage gedauert, meistens etwas länger als nach dem Trocknen.
Wer ein langfristiges Backup will, ist mit Trocknen besser bedient.
Sauerteig im Urlaub – welche Methode für welche Reisedauer?
Natürlich kannst du in den Urlaub fahren. Du musst deinen Starter nicht verschenken, keinen Sitter organisieren und ihn schon gar nicht wegwerfen. Ein Sauerteig ist robuster, als die meisten denken, er übersteht zwei, drei Wochen Alleinsein im Kühlschrank ohne Weiteres.
Welche Methode du wählst, hängt nur an der Reisedauer. Bis etwa drei Wochen bleibt er im Kühlschrank, gut gefüttert reicht das locker. Für drei Wochen bis ein paar Monate lässt du ihn einfach stehen und weckst ihn nach der Rückkehr wieder auf. Wird es länger oder willst du ganz ohne Sorge fahren, machst du vorher eine Trockenkopie.
Vor der Abreise füttere ich Robert noch einmal kräftig, im Verhältnis 1:10:10. Das viele frische Mehl gibt ihm Vorrat für die Pause. Dann lasse ich ihn anspringen, bis die ersten Bläschen kommen, und stelle ihn kalt. Meine feste Lievito Madre, Luigi, bekommt dasselbe in ihrem Verhältnis 1:2:1. Deckel zu, ab in den Kühlschrank, fertig.

Wenn du zurückkommst, sieht das Glas oft trostlos aus. Grau und eingefallen, eine trübe Schicht obendrauf, beim Umrühren weich wie ganz weicher Ton, und es riecht nach Alkohol. Keine Blasen, kein Leben auf den ersten Blick. Das ist müde, nicht tot. Gieß die Flüssigkeit ab, nimm einen Esslöffel aus der Mitte und füttere zwei- bis dreimal im Abstand von 8 bis 12 Stunden, ganz normal 1:5:5. Nach ein, zwei Tagen riecht er wieder fruchtig und hebt sich.
Nur wenn pelzige Flecken draufsitzen, grün oder schwarz, ist wirklich Schluss. Wie du Schimmel von einem harmlosen Alkoholgeruch unterscheidest, habe ich in Sauerteig riecht nach Aceton auseinandergenommen.
Fünf Methoden im Vergleich – welche passt zu deiner Pause?
| Methode | Pausenlänge | Aufwand | Zuverlässigkeit | Reaktivierung |
|---|---|---|---|---|
| Kühlschrank (wöchentlich füttern) | 1–2 Wochen | 5 Min. pro Woche | Sehr hoch | nicht nötig |
| Kühlschrank (ohne Füttern) | 3–6 Wochen | Keiner | Hoch | 2–3 Tage, 2× täglich füttern |
| Verkrümeln | Wochen bis Monate | 10 Min. + 1–2 Tage trocknen | Hoch | 3–5 Tage, 2× täglich füttern |
| Trocknen auf Backpapier | Monate bis Jahre | 10 Min. + 2–3 Tage trocknen | Sehr hoch | 3–5 Tage, 2× täglich füttern |
| Einfrieren | Bis ca. 3 Monate | 5 Min. | Mittel | 3–7 Tage, 2× täglich füttern |
Mein System – und was für dich passen könnte
In meinem Back-Alltag komme ich mit zwei Methoden aus. Der Starter lebt im Kühlschrank, getrockneter Starter liegt als Backup im Vorratsschrank. In über sieben Jahren hab ich das Backup nie gebraucht, aber falls mal was schiefgehen sollte, kann ich meinen Starter innerhalb einer Woche daraus wiederherstellen.
Wer nur alle paar Wochen backt, braucht nicht mal das Trocknen. Einfach den Starter im Kühlschrank stehen lassen und vor dem nächsten Backen ein paar Tage aufpäppeln. Verkrümeln oder Trocknen lohnt sich, wenn du wirklich Monate pausieren willst oder ein Sicherheitsnetz haben möchtest.
Ein Backup legt man am besten an, wenn der Starter gerade fit ist und zuverlässig aufgeht. Ich trockne meistens direkt nach dem Füttern, wenn er sowieso schön aktiv ist. Zehn Minuten Arbeit, zwei Tage trocknen lassen, und das Glas wandert in den Vorratsschrank. Wenn der Starter im Kühlschrank erst mal schimmelt oder nicht mehr anspringt, ist es für ein Backup zu spät.
Häufige Fragen zum Sauerteig aufbewahren
Was mache ich mit meinem Sauerteig im Urlaub?
Für Reisen bis etwa drei Wochen bleibt dein Sauerteig einfach im Kühlschrank, vorher einmal kräftig gefüttert. Bei längeren Pausen lässt du ihn entweder stehen und weckst ihn nach der Rückkehr mit zwei, drei Fütterungen auf, oder du legst vorher eine getrocknete Sicherheitskopie an. Wegwerfen musst du ihn nie.
Kann man Sauerteig einfrieren?
Ja, du kannst Sauerteig einfrieren, und für ein paar Monate übersteht er das gut. Fülle aktiven Starter in Portionen, lass ihn zum Reaktivieren im Kühlschrank auftauen und füttere ihn zweimal täglich. Nach etwa drei Monaten springt er allerdings zögerlicher an. Für lange Pausen ist Trocknen die zuverlässigere Wahl.
Sauerteig einfrieren oder trocknen – was ist besser?
Für die meisten Fälle Trocknen. Es ist genauso wenig Aufwand, hält deutlich länger, braucht keinen Strom und der Starter springt zuverlässiger wieder an. Einfrieren ist die Notlösung, wenn du nur ein paar Monate überbrücken musst und gerade keine zwei Tage Trocknungszeit hast.
Wie lange kann man Sauerteig aufbewahren?
Das hängt von der Methode ab. Im Kühlschrank hält dein Starter ein bis drei Wochen problemlos, ungefüttert auch mehrere Monate. Getrocknet übersteht er Jahre, eingefroren etwa drei Monate. Solange kein Schimmel draufsitzt und der Deckel zu war, lässt er sich fast immer wieder aufwecken.
Kann man Sauerteig ohne Kühlschrank aufbewahren?
Ja. Getrocknet oder verkrümelt liegt er dunkel und trocken im Küchenschrank, ganz ohne Strom, und das ist sogar die robusteste Lagerung überhaupt. Frisch und feucht bei Raumtemperatur geht nur, wenn du täglich fütterst, das lohnt sich eigentlich nur, wenn du ohnehin fast jeden Tag backst.
Muss ich den Fusel abgießen oder kann ich ihn einrühren?
Kommt drauf an, wie streng er riecht. Ist der Fusel nur leicht grau und mild säuerlich, rühre ich ihn einfach unter. Ist er dunkelgrau und riecht stechend nach Essig oder Nagellack, gieße ich ihn ab und nehme den Starter aus der Mitte des Glases, weil sich oben die meiste Säure sammelt.
Was mache ich, wenn mein Starter nach der Reaktivierung nicht aufgeht?
Weiterfüttern. Manche Starter brauchen nach einer langen Pause fünf bis sieben Tage statt der üblichen drei bis fünf. Füttere mit Roggen-Vollkorn statt Weizen, das bringt mehr Nährstoffe, und stell das Glas an einen warmen Ort mit 24 bis 28 Grad. Tut sich nach einer Woche täglichem Füttern immer noch nichts, ist er wahrscheinlich nicht mehr zu retten.
Woran erkenne ich, ob mein Starter nur müde oder wirklich schlecht ist?
Ein müder Starter ist grau, eingefallen und riecht nach Alkohol oder scharf nach Essig. Das ist normal und geht mit zwei, drei Fütterungen weg. Wirklich schlecht ist er nur bei pelzigen Flecken, grün oder schwarz, oder einem fauligen Geruch. Dann muss er weg, alles andere lässt sich aufwecken.







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