Sauerteigbrot für Anfänger in Scheiben, dahinter der Laib im Gärkörbchen
Sauerteig

Sauerteigbrot für Anfänger backen – einfaches Rezept ohne Hefe

TriebmittelSauerteig
Reifezeitlang
Garekalt

Sauerteigbrot für Anfänger aus Roggen und Weizen, getrieben allein von deinem Roggen-Anstellgut. Kein Kneten, nur einmal falten, über Nacht in den Kühlschrank, am nächsten Tag im Topf backen.

Gesamtzeitca. 1 Tag 6 Std
SchwierigkeitAnfänger
Menge1 Brot
Inhalt18 Min. Lesezeit

Bei uns daheim hat Oma immer gesagt „Ein gutes Brot braucht Zeit und Geduld – und sonst nix.“ Genau das ist die beste Voraussetzung fürs erste eigene Brot, denn beim Sauerteigbrot für Anfänger ist das Schwierigste nicht das Backen, sondern das „Loslassen“.

Du musst nichts können, was du nicht eh schon kannst. Kein Kneten, keine Maschine, kein Schwaden. Du rührst Mehl, Wasser, Salz und deinen Sauerteig zusammen, stellst die Schüssel über Nacht in den Kühlschrank, und am nächsten Tag backst du. Die Kälte baut in der Zeit das Aroma auf, das Sauerteigbrot so besonders macht, und sie verzeiht dir, wenn du mal eine Stunde zu spät dran bist.

Dein erstes Brot sieht vielleicht nicht aus wie aus der Bäckerei … hat meins auch nicht. Aber den Moment, wenn du den Topfdeckel abnimmst und die ganze Küche nach frischem Brot duftet, bekommst du sonst nirgends. Es ist dein Brot, du hast es gebacken … nur mit Sauerteig, ohne ein Gramm Hefe.

Du hast noch keinen Sauerteig-Starter? Hier zeige ich dir, wie du in 7 Schritten deinen eigenen ansetzt.

Robert sagt

„Du lässt den Teig in Ruhe, ich erledige den Rest. Faulenzen und trotzdem die Hauptrolle spielen, das kann nicht jeder.“

Backzeiten-Rechner

Wann muss ich anfangen?

Dein Backplan richtet sich nach deinem Tag, nicht umgekehrt. Sag dem Backzeiten-Rechner, wann du fertig sein möchtest, und er rechnet dir jeden Schritt bis zum Start zurück.

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Sauerteigbrot backen – kein Kneten, lange Gare und wenig Aufwand

25 bis 35 Stunden steht im Rezept, und das klingt nach einem Riesenprojekt, aber es klingt eben nur so. Von der ganzen Zeit hast du vielleicht eine halbe Stunde wirklich was zu tun, den Rest macht der Teig von allein, ganz ohne dich.

Am Vormittag rühre ich den Vorteig an, ein Löffel Anstellgut, etwas Roggenmehl, Wasser. Der steht dann acht bis zehn Stunden und blubbert vor sich hin. Abends kommt der Hauptteig dazu, eine Stunde darf er anspringen, dann wandert die ganze Schüssel über Nacht in den Kühlschrank.

In der Kälte legen sich die Hefen im Teig fast schlafen. Er gärt kaum weiter, baut aber über Nacht das Aroma auf, das wir am Sauerteigbrot so mögen. Und dieser Teig ist wirklich geduldig. Ob du am nächsten Tag um neun backst oder erst um eins, ist ihm ziemlich egal. Du formst ihn zum Laib, gibst ihm noch zwei bis vier Stunden bei Raumtemperatur, und dann ab in den Topf

18 °C oder 26 °C? So passt du die Zeiten an

Alle Zeiten gelten für ungefähr 22 °C in der Küche. Ist es wärmer, geht alles schneller, ist es kälter, dauert es länger. Als Faustregel verschieben fünf Grad mehr oder weniger die Gärzeit um etwa ein Drittel. Schau weniger auf die Uhr und mehr auf den Teig, der zeigt dir, wann er so weit ist.

Diese Zutaten brauchst du für dein erstes Sauerteigbrot

Zutaten für den Vorteig (Roggensauerteig)
Roggen-Anstellgut (ASG) 10 g
Wasser 50 g
Roggenvollkornmehl (oder Roggen 1150) 50 g
= Vorteig gesamt ca. 110 g
Zutaten für den Hauptteig
Reifer Vorteig 110 g
Wasser (davon ca. 30 g zurückhalten) 305 g
Roggenmehl Typ 1150 175 g
Weizenmehl Typ 1050 300 g
Salz 13 g
Wert Menge
Hydration ca. 68 %
Teiggewicht ca. 900 g

Anstellgut, Starter, ASG. Die drei Wörter meinen dasselbe: deinen Sauerteig aus dem Kühlschrank, von dem du etwas abnimmst, fütterst und reifen lässt. Für dieses Brot brauchst du ein Roggen-Anstellgut, keinen Weizenstarter. Wenn du also einen Roggen-Starter hast, geht’s direkt los. Dein Starter sollte fit sein, darauf kommt es am meisten an. Wenn du dir unsicher bist ob dein Starter reif genug ist, füttere ihn vorher einmal frisch und warte, bis er Blasen zeigt. Ein träges ASG ist der häufigste Grund, warum das erste Brot flach bleibt.

Beim Salz bin ich mit 13 g bewusst einen Tick über dem Üblichen. Beim Roggen hilft das, es bremst die Enzyme, die sonst die Krume klitschig machen, und gibt Würze. Magst du es milder, nimm 11 g.

Das Roggenvollkorn im Vorteig lässt sich durch Roggen 1150 ersetzen, kostet nur ein bisschen Aroma. Und beim Wasser halte ich anfangs rund 30 g zurück. Roggen bindet viel davon, aber jede Tüte Mehl ist ein bisschen anders, also kommt der Rest erst dazu, wenn der Teig zu fest wirkt.

Angeschnittenes Roggen-Weizen-Sauerteigbrot mit Scheiben auf einem Holzbrett

Sauerteigbrot ohne Kneten backen – Schritt für Schritt

Ein Brot ohne Kneten? Das fühlt sich beim ersten Mal komisch an. Mir ging’s genauso. Ich hab den Teig bei meinem ersten Brot komplett mit der Hand durchgeknetet, weil ich nicht glauben konnte, dass es ohne geht. Beim zweiten Mal hab ich mich getraut, einmal gefaltet und sonst die Zeit arbeiten lassen. Seitdem backe ich am liebsten ohne Kneten. Der Weizen im Teig baut sein Gerüst in den Stunden im Kühlschrank von allein auf, und der Roggenanteil ist genau der Grund, warum langes Kneten hier ohnehin nichts bringen würde.

Schritt 1: Vorteig ansetzen (Tag 1, z. B. vormittags)

Gib 10 g Roggen-Anstellgut in eine Schüssel, rühr 50 g Wasser ein, bis sich das ASG aufgelöst hat, und misch dann 50 g Roggenvollkornmehl (oder Roggen 1150) unter, bis keine trockenen Stellen mehr da sind. Füll die Masse in ein sauberes Glas ab einem halben Liter, streich die Oberfläche glatt und markier die Starthöhe mit einem Haushaltsgummi. Deckel locker auflegen, nicht zuschrauben, der Vorteig muss atmen. Dann 8 bis 10 Stunden bei Raumtemperatur reifen lassen, bis er deutlich aufgegangen ist und Blasen zeigt.

Roggen-Anstellgut in einer weißen Schale, der erste Schritt für den Vorteig
Anstellgut mit Wasser glattgerührt in der Schale
Fertig angerührter Roggen-Vorteig fürs Sauerteigbrot, vor dem Reifen
Angerührter Roggen-Vorteig in ein sauberes Glas gefüllt
Vorteig im Glas mit Gummiband an der Starthöhe markiert, Deckel locker aufgelegt
Reifer Roggen-Vorteig im Glas, über die Markierung aufgegangen und voller Blasen

Schritt 2: Hauptteig mischen (Tag 1, z. B. abends)

Gib den reifen Vorteig in eine große Schüssel und verrühr ihn mit etwa 275 g Wasser. Die restlichen 30 g hältst du erst mal zurück. Dann kommen 175 g Roggenmehl 1150 und 300 g Weizenmehl 1050 dazu, grob verrühren, und zum Schluss die 13 g Salz einarbeiten. Mehr als ein gleichmäßiger, weicher Teig muss daraus nicht werden, kneten ist nicht nötig. Wirkt er zu fest, gib das zurückgehaltene Wasser dazu. Er soll weich und gerade noch verrührbar sein, nicht suppig.

Schritt 3: Anspringen lassen und einmal falten

Deck die Schüssel ab und lass den Teig 1 bis 2 Stunden bei Raumtemperatur anspringen. In der ersten Stunde machst du die Hände nass und faltest ihn einmal rundum: eine Seite hochziehen, zur Mitte legen, Schüssel drehen, bis du einmal herum bist. Dieser eine Handgriff gibt dem Teig etwas mehr Stand, ganz ohne Kneten.

Schritt 4: Kalte Stockgare über Nacht

Stell die abgedeckte Schüssel über Nacht in den Kühlschrank, etwa 12 bis 16 Stunden. Bis ungefähr 20 Stunden ist unkritisch, falls du am nächsten Tag später dran bist. Hier musst du nichts tun, die Kälte und die Zeit machen die Arbeit.

Schritt 5: Formen (Tag 2)

Bestäub ein Gärkörbchen (für etwa 1 kg) kräftig mit Roggenmehl, das haftet besser als Weizenmehl und klebt weniger. Stürz den Teig auf eine bemehlte Arbeitsfläche und wirk ihn rund: von außen immer wieder zur Mitte einklappen, einmal rundum, bis eine straffe Kugel entsteht. Leg sie mit dem Schluss nach unten ins Körbchen.

Teig auf bemehlter Fläche von außen zur Mitte eingeklappt
Rundgewirkter Teigling mit glatter, straffer Oberfläche
Geformter Teigling im bemehlten Gärkörbchen vor der Stückgare

Schritt 6: Stückgare und Fingertest

Deck das Körbchen ab und gib dem Teigling 2 bis 4 Stunden bei Raumtemperatur. Geh hier nach Augenschein, nicht nach der Uhr. So weit ist er, wenn er sichtbar aufgegangen ist und feine Risse an der Oberfläche zeigt. Zur Sicherheit der Fingertest: drück mit einem nassen Finger leicht in den Teig. Federt die Delle langsam zurück und bleibt ganz leicht sichtbar, kann er in den Ofen. Springt sie sofort komplett zurück, braucht er noch Zeit. Bleibt sie ganz stehen und füllt sich gar nicht, war er schon einen Tick zu lang.

Schritt 7: Ofen und Topf vorheizen

Stell den gusseisernen Topf mit Deckel auf die unterste Schiene und heiz den Ofen auf 250 °C Ober-/Unterhitze. Der Topf heizt mindestens 30 Minuten mit. Er muss richtig heiß sein, sonst fehlt dem Brot in den ersten Minuten der Schub.

Schritt 8: Backen

Einschneiden musst du dieses Brot nicht. Die raue Schluss-Seite, die im Körbchen unten lag, zeigt beim Stürzen nach oben, und genau dort reißt das Brot im Ofen von allein auf. Das gibt ihm das rustikale Aussehen, für das man bei feineren Broten extra zum Messer greift.

Stürz den Teigling aus dem Körbchen vorsichtig auf ein Stück Backpapier. Heb das Papier an den Ecken an und senk das Brot damit in den heißen Topf, so bleibst du mit den Händen weg vom Rand und der Laib liegt mittig. Deckel drauf und 20 Minuten bei 230 °C anbacken, ohne Schwaden, der geschlossene Deckel hält die Feuchtigkeit im Topf. Dann auf 220 °C zurückdrehen, Deckel bleibt drauf, und weitere 15 Minuten backen. Zum Schluss den Deckel abnehmen, auf 200 °C reduzieren und 10 bis 15 Minuten rösch fertigbacken, bis die Kruste dunkelbraun ist. Bei 96 bis 98 °C Kerntemperatur ist das Brot durch.

Dicke Handschuhe, keine Topflappen

Der Topf hat nach dem Vorheizen weit über 200 °C. Trag beim Anfassen immer dicke Backhandschuhe, auch beim Deckel abnehmen und beim Herausheben des Brots. Normale Topflappen sind zu dünn. Ich hab mir einmal ohne Handschuhe am Deckelgriff die Finger verbrannt. Das passiert dir echt nur einmal.

Schritt 9: Auskühlen

Nimm das Brot aus dem Topf und lass es auf einem Gitter vollständig auskühlen, bevor du anschneidest. Beim Roggenanteil ist das Pflicht, keine Kür. Schneidest du zu früh, ist die Krume innen noch klitschig, weil sich die Feuchtigkeit noch nicht gleichmäßig verteilt hat.

Dein Backzeiten-Rechner

Fertig gebackenes Sauerteigbrot für Anfänger im gusseisernen Topf, rustikal aufgerissene Kruste

Worin backst du dein Sauerteigbrot?

Im gusseisernen Topf, dem Dutch Oven. So backe ich fast alle meine Brote, und es ist auch die Methode dieses Rezepts. Der geschlossene Deckel fängt den Dampf auf, den der Teig in den ersten Minuten abgibt. Dieser Dampf hält die Oberfläche geschmeidig, sodass das Brot voll aufgehen kann, bevor sich die Kruste bildet. Im Profi-Steinbackofen macht ein Schwadensystem genau das, im Topf passiert es von allein.

Am besten passt ein Topf mit 24 bis 26 cm Durchmesser, ofenfest bis 250 °C, mit Deckel. Gusseisen ist ideal, aber auch eine Cocotte, ein Römertopf oder ein schwerer Bräter mit Deckel tun es, solange sie die Hitze aushalten. Nimm ihn nicht zu groß, sonst läuft der Teig flach, statt nach oben zu gehen. Bei dieser Menge soll der Laib den heißen Topf etwa zur Hälfte füllen.

Ein Backblech ohne Abdeckung funktioniert nicht. Ohne Dampf bekommt das Brot eine blasse, ledrige Kruste und geht deutlich weniger auf. Wenn du ohne Topf backen willst, brauchst du eine andere Methode, um Dampf in den Ofen zu bringen. Wie das geht, steht unten bei den häufigen Fragen.

Was du an Ausstattung brauchst

Viel ist es nicht. Eine große Schüssel, eine Küchenwaage (ohne geht es beim Brotbacken nicht), ein Gärkörbchen oder ersatzweise eine Schüssel mit einem gut bemehlten Geschirrtuch, und einen gusseisernen Topf mit Deckel, 24 bis 26 cm. Dazu ein Stück Backpapier, mit dem du den Laib in den heißen Topf senkst.

Mein Zubehör, das ich benutze

Digitale Küchenwaage mit schwarzer Glasfläche und Display
Küchenwaage*
Beim Brotbacken wieg ich alles in Gramm ab, auch das Wasser. Meine wiegt sogar in 0,1-Gramm-Schritten, damit kriegst du auch das eine Gramm Hefe genau hin.
Schwarzer Silikon-Backhandschuh mit Noppenmuster auf hellem Untergrund
Backhandschuhe*
Der heiße Topf kommt bei mir nur mit diesen Handschuhen aus dem Ofen. Sie halten richtig was aus und ich fass beherzt zu, statt mit einem dünnen Lappen zu balancieren.
Runde Silikon-Backmatte mit Griffen in einem gusseisernen Topf
Backmatte für den Topf*
Die kommt bei mir unter den Teig, zum Formen und zum Backen. Da klebt nichts an und das Saubermachen ist schnell erledigt.

Die Links mit * sind Affiliate-Links. Das heißt: Wenn du über diese Links einkaufst, bekomme ich eine kleine Provision – du zahlst aber keinen Cent mehr. Mehr dazu kannst du hier nachlesen.

Flach, blass oder zu sauer? Beim nächsten Mal wird’s besser

Beim ersten Brot läuft selten alles rund, und das ist völlig normal. Diese vier Stolperstellen erwischen beim ersten Brot die meisten.

❌ Das Brot bleibt flach oder geht kaum auf

Meistens lag es am Vorteig. War er noch nicht reif, als er in den Teig kam, fehlt schlicht der Trieb, der das Brot nach oben drückt. Schau ihn dir beim nächsten Mal genau an, bevor er reinkommt: deutlich aufgegangen und viele Blasen, dann passt es. Wenn nicht, gib ihm noch Zeit oder setz einen frischen an. Die zweite Stelle ist die Stückgare am Tag 2. Bleibt die Delle beim Fingertest komplett stehen und füllt sich gar nicht, ist der Teig zu lang gegangen und hält die Gase nicht mehr. Beim nächsten Mal etwas früher backen. Woran es sonst noch liegen kann, hab ich dir in zehn Ursachen, warum dein Brot nicht aufgeht zusammengetragen.

❌ Die Kruste ist blass und nicht knusprig

Für eine dunkle, knusprige Kruste braucht das Brot in den ersten Minuten viel Hitze und Dampf. Beides liefert der geschlossene Topf, aber nur, wenn er vorher richtig durchgeheizt ist. Mindestens 30 Minuten bei 250 °C, lieber etwas länger. War der Topf zu kalt, fehlt der Anfangsschub und die Kruste bleibt blass. Und nimm den Deckel nicht zu früh ab, solange er drauf ist, hält der Dampf die Oberfläche geschmeidig. Trau dich am Ende auch bei der Farbe. Ein gutes Sauerteigbrot ist dunkelbraun, nicht goldgelb. Die Röstaromen entstehen erst in den letzten Minuten.

❌ Die Krume ist klitschig und feucht

Fast immer wurde das Brot zu früh angeschnitten. Auch wenn die Kruste schon fest ist, arbeitet es innen weiter. Direkt nach dem Backen sitzt die Feuchte ungleich im Laib, innen feuchter als außen. In den ein bis zwei Stunden auf dem Gitter gleicht sich das aus, die Krume setzt sich und wird elastisch. Beim Roggenanteil ist das Pflicht, keine Kür. Schneidest du zu früh, ist innen alles feucht und gummig.

Ich schneide grundsätzlich erst an, wenn das Brot komplett ausgekühlt ist. Wenn du unsicher bist, ob es überhaupt durch ist, hilft ein Einstichthermometer* Bei 96 bis 98 °C Kerntemperatur ist es fertig. (Affiliate-Link)

❌ Das Brot schmeckt zu sauer

Etwas Säure soll drin sein, dieses Brot ist von sich aus mild-säuerlich, nicht spitz. Wird es dir trotzdem zu sauer, hat meist die kalte Gare zu lang gedauert. Bleibt die Schüssel deutlich länger als die 12 bis 16 Stunden im Kühlschrank, bauen die Bakterien auch in der Kälte langsam weiter Säure auf. Halt dich beim nächsten Mal eher ans untere Ende. Die zweite Quelle ist ein überreifer Vorteig. Setz ihn ein, wenn er gerade gut aufgegangen ist, nicht Stunden später, wenn er schon wieder zusammenfällt.

Erst füttern, dann ansetzen

Ein munteres Anstellgut macht fürs Gelingen den größten Unterschied. Setz den Vorteig erst an, wenn dein ASG frisch gefüttert ist, sich zuverlässig verdoppelt und blubbert. Den Rest verzeiht dir die kalte Gare.

Krume des Sauerteigbrots in Nahaufnahme, locker mit feinen und groben Poren

So wandelst du dein Sauerteigbrot ab

Mit Dinkel statt Weizen

Tausch das Weizenmehl 1050 gegen Dinkel, dann wird das Brot nussiger im Geschmack. Dinkel hat ein empfindlicheres Klebergerüst als Weizen, das größte Anfänger-Risiko dabei ist sonst das Überkneten. Bei diesem Rezept fällt genau das weg, weil du ohnehin nicht knetest, deshalb ist der Dinkel-Tausch hier einfacher als in vielen anderen Rezepten. Geh nur mit dem Wasser etwas vorsichtiger um und taste dich heran, Dinkelteig mag es nicht zu nass.

Kräftiger oder milder über den Roggenanteil

Das Brot lebt vom Verhältnis Roggen zu Weizen. Mehr Roggen macht es kräftiger, dunkler und saftiger, dafür klebriger im Teig und dichter in der Krume. Weniger Roggen macht es milder und lockerer. Für dein erstes Brot bleib beim Rezept, danach verschiebst du das Verhältnis in kleinen Schritten, bis dir Geschmack und Krume gefallen. Wie sich die Mehltypen unterscheiden, hab ich dir in welches Mehl zum Brotbacken passt aufgeschrieben.

Rundes Sauerteigbrot ohne Hefe mit bemehlter, aufgerissener Kruste und angeschnittener Krume

Sauerteigbrot selber backen – häufige Fragen

Geht Sauerteigbrot wirklich ohne Hefe?

Ja, dieses Brot kommt komplett ohne zugesetzte Backhefe aus. Den Trieb liefern allein die wilden Hefen und Milchsäurebakterien in deinem Sauerteig. Das dauert länger als mit Backhefe, dafür bekommst du das typische Aroma und ein Brot, das tagelang frisch und gut verträglich bleibt.

Funktioniert Sauerteigbrot wirklich ohne Kneten?

Ja. Den Stand gibt hier der Weizen, der sein Gerüst in der langen kalten Gare von allein aufbaut, und der Roggenanteil ist der Grund, warum langes Kneten ohnehin nichts bringen würde. Eine einzige Faltrunde in der ersten Stunde reicht, damit der Teig genug Stand für den Topf bekommt.

Woran erkenne ich, dass mein Teigling reif genug ist?

Drück mit einem nassen Finger leicht in den Teig. Federt er langsam zurück und die Delle bleibt ganz leicht sichtbar, ist er fertig. Federt er sofort komplett zurück, braucht er noch Zeit. Bleibt die Delle komplett stehen und füllt sich gar nicht, ist der Teig schon übergärt. Zusätzlich sollte er sich deutlich vergrößert haben und Blasen an der Oberfläche zeigen.

Kann ich Sauerteigbrot ohne Topf backen?

Nur mit einem Trick. Der geschlossene Topf hält den Dampf im Brot, ohne ihn wird die Kruste blass und ledrig und das Brot geht weniger auf. Ohne Topf brauchst du eine andere Dampfquelle im Ofen, etwa eine Schale mit heißem Wasser. Wie das zuverlässig klappt, zeige ich dir unter Schwaden beim Brotbacken.

Welches Mehl eignet sich, Roggen, Dinkel oder Weizen?

Für dieses Brot die Mischung aus Roggen 1150 und Weizen 1050, sie macht es saftig und gut verträglich für Anfänger. Reiner Weizen wird heller und lockerer, mehr Roggen kräftiger und dichter, Dinkel nussiger. Bleib fürs erste Brot beim Rezept und tausch das Mehl erst, wenn du den Ablauf sicher kannst.

Bei wie viel Grad und wie lange backe ich das Brot?

Den Topf zuerst mindestens 30 Minuten bei 250 °C mitheizen. Dann bei 230 °C anbacken, 20 Minuten mit geschlossenem Deckel. Danach auf 220 °C zurückdrehen und weitere 15 Minuten mit Deckel backen. Zum Schluss Deckel ab, auf 200 °C reduzieren und 10 bis 15 Minuten rösch fertigbacken, bis die Kruste dunkelbraun ist. Sicher durch ist das Brot bei 96 bis 98 °C Kerntemperatur.

Brauche ich Anstellgut oder reicht ein Starter?

Das ist dasselbe. Anstellgut, ASG und Starter sind drei Wörter für deinen Sauerteig aus dem Kühlschrank. Für dieses Rezept nimmst du ein Roggen-Anstellgut, keinen Weizenstarter. Wichtig ist nur, dass es munter ist und sich nach dem Füttern zuverlässig verdoppelt, dann geht dein Brot auch richtig auf.

Brauche ich unbedingt ein Gärkörbchen?

Nein. Eine Schüssel mit einem sauberen, gut mit Roggenmehl bestäubten Geschirrtuch tut es genauso. Das Gärkörbchen hat zwei Vorteile, das Mehl haftet besser und es gibt dem Brot das typische Ringmuster. Backst du öfter, lohnt sich eins ab etwa acht Euro. Fürs erste Brot reicht die Schüssel.

Warum muss ich das Brot so lange auskühlen lassen?

Weil die Krume sich erst beim Abkühlen setzt. Frisch aus dem Ofen sitzt die Feuchte ungleich im Laib, innen feuchter als außen. In den ein bis zwei Stunden auf dem Gitter gleicht sich das aus und die Krume wird elastisch. Beim Roggenanteil gilt das besonders, sonst ist innen alles klitschig und gummig.

Rezeptkarte für dein erstes Sauerteigbrot zum Ausdrucken

Sauerteigbrot für Anfänger in Scheiben, dahinter der Laib im Gärkörbchen

Sauerteigbrot backen für Anfänger – dein erstes Brot mit Sauerteig

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Vorbereitung 30 Minuten
Backzeit 50 Minuten
Teigruhe 1 Tag 4 Stunden 40 Minuten
Gesamtzeit 1 Tag 6 Stunden
Sauerteigbrot backen für Anfänger: einfaches Rezept im Topf, komplett ohne Hefe. Schritt für Schritt erklärt – gelingt auch beim ersten Mal.
1 Brot
Roggenmischbrot, Sauerteigbrot

Zutaten

Für den Vorteig
  • 10 g Roggen-Anstellgut aus dem Kühlschrank
  • 50 g Roggenvollkornmehl (oder Roggen 1150)
  • 50 g Wasser Raumtemperatur
Für den Hauptteig
  • 110 g Reifer Vorteig
  • 305 g Wasser davon ca. 30g zurückhalten
  • 175 g Roggenmehl Type 1150
  • 300 g Weizenmehl Type 1050
  • 13 g Salz

Kochutensilien

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Zubereitung

Schritt 1 – Vorteig ansetzen (Tag 1, vormittags, 8–10 Std. Reifezeit)
  • 10 g Roggen-ASG mit 50 g Wasser glattrühren, 50 g Roggenvollkornmehl einrühren. In ein Glas ab einem halben Liter füllen, Oberfläche glatt streichen, Starthöhe mit Haushaltsgummi markieren, Deckel locker auflegen. 8 bis 10 Stunden bei Raumtemperatur reifen, bis deutlich aufgegangen und blasig.
Schritt 2 – Hauptteig mischen (Tag 1, abends)
  • Reifen Vorteig mit ca. 275 g Wasser verrühren (30 g zurückhalten). 175 g Roggen 1150 und 300 g Weizen 1050 zugeben, grob verrühren, 13 g Salz einarbeiten. Kein Kneten. Bei Bedarf das Restwasser ergänzen, bis ein weicher, gerade verrührbarer Teig entsteht.
Schritt 3 – Anspringen + einmal falten (1–2 Std.)
  • Abgedeckt 1 bis 2 Stunden bei Raumtemperatur anspringen lassen. In der ersten Stunde mit nassen Händen einmal rundum falten.
Schritt 4 – Kalte Stockgare über Nacht (12–16 Std.)
  • Abgedeckte Schüssel über Nacht in den Kühlschrank, ca. 12 bis 16 Stunden (bis ~20 Stunden unkritisch).
Schritt 5 – Formen (Tag 2)
  • Gärkörbchen kräftig mit Roggenmehl bestäuben. Teig auf bemehlte Fläche stürzen, rundwirken, mit dem Schluss nach unten ins Körbchen legen.
Schritt 6 – Stückgare + Fingertest (2–4 Std.)
  • Abgedeckt 2 bis 4 Stunden bei Raumtemperatur, nach Augenschein. Fertig, wenn sichtbar aufgegangen, feine Risse zeigt und die Delle beim Fingertest langsam zurückfedert.
Schritt 7 – Ofen und Topf vorheizen (30–40 Min.)
  • Gusseisernen Topf mit Deckel auf unterster Schiene, 30 Minuten auf 250 °C Ober-/Unterhitze vorheizen. Dicke Backhandschuhe bereithalten.
Schritt 8 – Backen (ca. 45–50 Min.)
  • Teigling auf Backpapier stürzen (nicht einschneiden) und am Papier in den heißen Topf senken. Deckel drauf, 20 Minuten bei 230 °C. Auf 220 °C zurückdrehen, Deckel bleibt drauf, weitere 15 Minuten. Deckel ab, auf 200 °C reduzieren, 10 bis 15 Minuten rösch fertigbacken, bis die Kruste dunkelbraun ist. Kerntemperatur 96 bis 98 °C.
Schritt 9 – Auskühlen lassen (1–2 Std.)
  • Brot aus dem Topf nehmen und auf einem Gitter vollständig auskühlen lassen. Nicht vorher anschneiden.

Nährwerte

Serving800g

Notizen

Wassermenge anpassen. Roggen 1150 bindet je Mehlcharge unterschiedlich viel. Erst ca. 275 g Wasser einrühren, die letzten 30 g nach Gefühl ergänzen, wenn der Teig zu fest wirkt. Lieber etwas fester als suppig.
Topfgröße. 24 bis 26 cm ist ideal. Größer wird das Brot flach. Der Laib soll den heißen Topf etwa zur Hälfte füllen.
Immer mit Ober-/Unterhitze backen. Umluft funktioniert auch, aber die Kruste wird manchmal zu dunkel und das Brot zu trocken.
 

Hast du das Rezept schon ausprobiert?

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Zwei Scheiben Sauerteigbrot mit Butter auf einem Teller, daneben eine Tasse Kaffee, eine Leinenserviette und Weizenähren am Fenster

Aus meiner Backstube

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Bine, Hobbybäckerin und Brotback-Mentorin

Über die Autorin

Hallo, ich bin Bine

Ich backe mein Brot selbst, autodidaktisch und neben einem Vollzeit-Job. 2019 ist Robert eingezogen, mein Roggensauer, und mit ihm eine ganze Reihe flacher Brote.

Hast du’s nachgebacken?

22 Kommentare

  1. Andrea Klenner

    Hallo Bine,
    Vielen Dank für deinen tollen Blog. Ich habe jetzt schon 5 Brote nach deinem Anfängerrezept gebacken, dabei auch mit Dinkelmehl experimentiert, und alle Brote sind wunderbar gelungen und haben super geschmeckt, das ganze mit einem frisch von mir angesetzten Sauerteig, auch das hab ich hier gelernt.
    Danke und liebe Grüße aus Wien
    Andrea

    1. Hallo Andrea,

      vielen Dank für deine wundervolle Nachricht. Da freu ich mich wirklich sehr drüber, gerade wenn Menschen durch mich zum Sauerteigbacken kommen und dann so einen grandiosen Erfolg haben wie du <3

      Fünf gelungene Brote hintereinander, und das mit einem Sauerteig, den du selbst angesetzt hast, das ist eine wirklich tolle Bilanz. 🙂

      Genau das Selbstansetzen ist ja der Schritt, vor dem die meisten am längsten zögern. Und wenn der Starter dann läuft, bist du nie wieder auf gekauftes Anstellgut angewiesen. Hat dein Starter schon einen Namen bekommen?

      Dass du dich gleich an Dinkel getraut hast, gefällt mir. Dinkel hat reichlich Gluten, aber es ist weicher und empfindlicher gebaut als beim Weizen und reißt schneller. Deshalb wird ein Dinkelteig, den man zu lange knetet, irgendwann wieder weich und schlapp statt fester. Wenn du da tiefer einsteigen magst, hab ich alles dazu unter https://bine-backt.de/dinkelbrot-backen/ aufgeschrieben.

      Liebe Grüße nach Wien <3
      von der Bine

      PS: Ich war erst Anfang Juli mit meiner Mom in Wien … schon zum dritten Mal und ich bin immer noch schockverliebt. <3

  2. Hallo Bine,

    vielen Dank für deine tolle Anleitung!
    Ich habe vor einer Woche angefangen, meinen Sauerteig-Starter anzusetzen und würde demnächst gerne mein erstes Brot damit backen. Da es sich hierbei um einen sehr jungen Starter handelt, hattest du empfohlen, am besten etwas Hefe zu Anfang hinzuzufügen. Darum hätte ich ein paar Fragen:
    Wie viel Hefe genau müsste für dieses Rezept benutzt werden? Entsteht durch die Zugabe von Hefe auch ein Unterschied bei der Kühlschranktemperatur zur Lagerung über Nacht? (Welche Temperatur wäre für beide Fälle empfohlen? – Ich bin etwas verwirrt darüber, ob es gewünscht ist, dass die Hefe – ob reines Sauerteig-Brot oder mit Hefe gemischt- weiter im Kühlschrank arbeitet.)

    Nochmals großen Dank für diese genaue Anleitung!

    LG Lilian

    1. Hallo Lilian,

      vielen Dank für deine ausführlichen Fragen, da hast du beim Lesen wirklich mitgedacht. 🙂

      Zur Menge: 1 bis 2 Gramm Frischhefe, und zwar in den Hauptteig, nicht in den Vorteig. Der Vorteig läuft weiter nur mit deinem Anstellgut, da siehst du nämlich am besten, wie fit dein Starter schon ist. Bei einem Anstellgut, das noch keine sechs Wochen alt ist, ist diese kleine Sicherheitshefe einfach klug. Ich nenne sie Angsthefe, und ein Sauerteigbrot bleibt es trotzdem. Mehr dazu steht bei mir unter https://bine-backt.de/sauerteig-starter-geht-nicht-auf/

      An der Kühlschranktemperatur ändert sich dadurch nichts, derselbe Kühlschrank für beide Fälle. Und ja, es ist gewollt, dass im Kühlschrank noch etwas passiert. Die Kälte legt die Hefen fast schlafen, der Teig gärt kaum weiter, baut aber über Nacht genau das Aroma auf, für das wir die lange Gare überhaupt machen. Das gilt für die Backhefe genauso wie für deinen Sauerteig.

      Was sich mit Hefe ändert, ist das Tempo. Die Gare läuft etwas schneller, halt dich deshalb eher ans untere Ende der 12 bis 16 Stunden und geh am Tag 2 nach dem Fingertest statt nach der Uhr. Und wenn dein Vorteig nach 8 bis 10 Stunden noch nicht deutlich aufgegangen ist, gib ihm ruhig länger. Ein junger Starter braucht da oft mehr Zeit, als im Rezept steht.

      Liebe Grüße und viel Freude mit deinem ersten Brot <3
      von der Bine

  3. Sabrina

    5 Sterne
    Danke für dieses Rezept und den ausführlichen Hilfen bis zum Backen.
    Mein Starter heißt Shrek, und Shrek hatte die Eigenart als reiner Roggenstarter mich immer wieder zu überraschen.
    Mein Weg bis zum ersten Sauerteigbrot hat sage und schreibe 3 Wochen gedauert, bis Shrek stabil war.
    Und so sieht mein Brot auch aus. super Kruste, toller Kern und das obwohl ich knapp 380 ml Wasser brauchte, weil der Hauptteig einfach zu fest wurde beim anrühren, weil Shrek immer mehr Wasser aufnahm, als die Anleitungen her gaben. Mein erster Bissen erinnerte mich heute an das Doppelback vom Bäcker. Saulecker.
    Danke für die Zeit, die du dir für diesen Blog genommen hast.

    1. Liebe Sabrina,

      vielen Dank für deinen wundervollen Kommentar <3
      Wenn ich solche Zeilen von meinen Leser:innen bekommen, dann freu ich mir immer ein Loch in die Mütze.

      Und wenn ich dann noch lese, dass störrische Starter wir Shrek, auf Anhieb wundervolle Brote backen, dann weiß ich, dass ich vieles richtig mache mit meinem kleinen Blog.

      Ich wünsch dir weiterhin so tolle Brote.
      Sag dem Shrek liebe Grüße von Robert, der auch heute nach über 7 Jahren manchmal noch seine Macken hat.

      Es grüßt ganz lieb, die Bine

  4. Moin. Zum ersten mal Brot gebacken, weil ich einen Sauerteig vom Bäcker geschenkt bekommen hatte. Dieses Rezept klappt gut. ist etwas zu salzig geworden, die Kruste ein klein wenig zäh, innen etwas feucht, aber nicht klitschig.
    Kann ich weniger Salz nehmen?
    Wie wird die Kruste knuspriger?
    Warum gelten alte Sauerteiges als so gut?

    1. Grüß dich Uwe,

      das freut mich, dass dein erstes Brot gleich so gut geworden ist. Und dann noch mit einem Starter, den du vom Bäcker geschenkt bekommen hast. So einer ist meistens schon richtig fit und eingespielt, da hast du wirklich einen guten Start gehabt.

      Weniger Salz kannst du auf jeden Fall nehmen. Bäcker rechnen das Salz immer im Verhältnis zum Mehl, in sogenannten Bäckerprozent. Bei diesem Brot sind die 13 g rund 2,5 Prozent vom Mehl, und das ist mit Absicht ein bisschen mehr als sonst üblich. Beim vielen Roggen tut das nämlich gut, das Salz bremst die Enzyme, die die Krume sonst feucht und klitschig machen, und es bringt Würze. Die meisten Brote liegen eher so bei 2 Prozent. Wenn du auf 11 g runtergehst, bist du genau da, und es schmeckt spürbar milder. Viel weiter würde ich bei dem vielen Roggen nicht runtergehen, sonst wird dir die Krume innen wieder feuchter.

      Die Kruste und das bisschen Feuchte innen hängen übrigens zusammen. Frisch aus dem Ofen ist ein Roggenbrot innen immer noch etwas feucht, das gehört so. Es braucht die Zeit zum Auskühlen, damit sich die Feuchtigkeit gleichmäßig verteilt und die Krume schön schnittfest wird. Gib dem Laib ruhig ein bis zwei Stunden, bevor du ihn anschneidest. Das Warten ist ehrlich der schwerste Teil beim ganzen Backen. Willst du ganz sichergehen, ob er durch ist, stich einmal mit einem Thermometer in die Mitte. Bei so einem roggenlastigen Brot darf die Temperatur da drin ruhig Richtung 98 Grad gehen, dann ist er sicher fertig und innen weniger klamm.

      Knusprig wird die Kruste dann vor allem beim Auskühlen. Leg das Brot dafür freistehend auf ein Gitter, damit die Feuchtigkeit rundherum entweichen kann. Liegt es noch warm auf einem Brett oder steckt in einer Tüte, wandert die Feuchte zurück nach außen, und die Kruste wird weich und ledrig statt rösch. Magst du sie kräftiger, dann lass den Laib beim nächsten Mal einfach ein paar Minuten länger offen backen, bis er etwas dunkler ist. Je dunkler die Kruste, desto knuspriger wird sie.

      Bleibt deine letzte Frage, warum alte Sauerteige so einen guten Ruf haben. Das liegt weniger am Alter selbst, sondern daran, dass so ein Starter über Wochen und Monate immer wieder gefüttert wurde. Mit der Zeit pendelt sich die Mischung aus wilden Hefen und Milchsäurebakterien auf ein stabiles Verhältnis ein, und das schmeckst und siehst du dann auch. So ein eingespielter Starter treibt kräftig und zuverlässig und bringt ein volleres, leicht säuerliches Aroma mit. Ein ganz junger aus den ersten Wochen ist da oft noch launisch, mal geht er gut, mal schwächelt er. Das mit den 100 Jahre alten Sauerteigen ist dabei ein bisschen Legende, denn die Hefen und Bakterien darin erneuern sich bei jeder Fütterung. Der Sauerteig selbst ist also nie wirklich uralt. Es kommt nicht aufs Alter an, sondern darauf, dass er regelmäßig gefüttert wird und munter ist. Ein junger, gut gepflegter Starter backt nach ein paar Wochen genauso gutes Brot. Deiner kommt vom Bäcker und ist damit schon eingespielt, da musst du dir gar keine Sorgen machen.

      Viel Freude beim nächsten Brot und ebenso gutes Gelingen.
      Liebe Grüße von der Bine

  5. Kristina

    3 Sterne
    Hallo, in der Beschreibung steht das Brot bei 230 Grad 20 Minuten mit Deckel backen, in der kurzen Rezeptübersicht steht wiederum erst nach 40 Minuten bei 250 Grad den Deckel abnehmen. Ich backe zum ersten Mal mit Sauerteig und bin daher etwas verwirrt…

    1. Hallo Kristina,

      du hast vollkommen recht.
      Vielen Dank für den Hinweis, ich hab das gerade korrigiert.
      Tut mir leid, dass das der Fehelr für Verwirrung gesorgt hat 🌻

      Liebe Grüße von der Bine

  6. Guten Abend Bine,
    Ich habe mittlerweile 5-6 Sauerteigbrote hiernach gebacken. Wollte heute Abend, für Morgen früh, wieder eins vorbereiten und hab festgestellt das nun das Rezept hier aktualisiert wurde. Nun sind die Mengen u.a. komplett anders. Habe die Angaben zum Glück noch im Kopf gehab und auch den Ablauf. Hast Du das alte Rezept noch?
    LG

    1. Hallo Sascha,

      oh weh .. erwischt.
      Du hast vollkommen recht, ich habe das Rezept erst am Wochenende mehr oder minder notdürftig neu zusammengestellt.
      Ich hatte Anfang April einen Datencrash und deshalb sind alte Daten auf dem Rechner nicht mehr vorhanden. Deshalb werden jetzt alle Rezepte von mir Peu a Peu neu aufgesetzt.
      Zeitgleich habe ich durch Zuschriften festgestellt, dass meine Leser mit dem alten Rezept größtenteils nicht ganz so zurecht kommen wie ich mir das wünsche.
      Deshalb die Änderung – allerdings muss ich sagen, dass ich selber mit dem neuen Rezept auch nicht so ganz zufrieden bin und es wohl am Wochenende nochmal anpassen werde.

      Wenn du die Zutaten und die Zubereitungsschritte noch hast …magst du mir die vielleicht schicken?
      Ich würde das „alte Brot“ dann als Einsteigerrezept 1.0 aufnehmen.

      Liebe Grüße von der Bine

      1. Hallo Bine!

        Ich möchte ein wenig eine Lanze für die Version 1.0 brechen.

        Ich bin absolute Anfängerin und habe bisher 10 Brote nach dem Rezept 1.0 gebacken. Und alle Probleme die ich damit hatte waren meiner Unerfahrenheit geschuldet.

        Die letzten Brote waren dennoch so gut, dass ich mehrfach nach dem Rezept gefragt worden bin. Auch die doppelte Menge hat wunderbar geklappt.

        Die Zutaten und den Ablauf kann ich inzwischen auswendig und hab ihn für mich (frei gebacken, Schwaden, Temperatur) für mich angepasst.

        Ich würde mich sehr freuen wenn du den Rechner erneut aufsetzen würdest!

        Der hat mir total toll geholfen und es so viel einfacher gemacht den Überblick zu behalten.

        Liebe Grüße
        E. S.

        1. Guten Morgen Eike 🙂

          lieben Dank für deinen Kommentar 🙂
          Ich bin ganz gerührt, wie sehr meine Leser das Einsteigerbrot 1.0 lieben. 🙂

          Und auch, dass der kleine Backzeiten-Rechner am Ende des Rezepts so nützlich war. Ich werde mich über das lange Wochenende hinsetzen und einen neuen Rechner konzipieren, den ich dann suggesive wieder in die Rezepte einfügen werde. Aber als erstes sollt ihr alle das Einsteigerbrot 1.0 wieder bekommen.

          Klingt jetzt blöd, aber kannst du mir bitte die Zutaten und den Ablauf nochmal schicken? Kurz in Stichworten an bine[at]bine-backt.de? Ich hab im Moment grad gar keine Daten mehr von den Sachen die ich mal gemacht hab und sitze regelrecht auf dem Trockenen 🙁 .. das wäre superlieb.

          Ganz liebe Dank und liebe Grüße
          Sabine

  7. 5 Sterne
    Hallo Bine,
    danke für deinen Blog – er ist mein Einstieg ins Sauerteigbrot backen!
    Mit diesem Rezept ist mir mein erstes Brot direkt gelungen.

    Könnte ich den Teig auch kneten und mit dann das dehnen und falten sparen und den Teig einfach eine Stunde (mehr) ruhen lassen?

    1. Hallo Zoe,
      oh, das freut mich riesig! Dass dein erstes Sauerteigbrot direkt gelungen ist, ist ein super Start. 🙂

      Kneten geht natürlich – Dehnen und Falten ist nur die sanfte Alternative dazu, beides baut am Ende dasselbe Glutengerüst auf. Von Hand rechne mit 8–10 Minuten, mit der Küchenmaschine etwa 5 Minuten auf Stufe 1 und 3–4 Minuten auf Stufe 2.
      Einen Denkfehler muss ich aber kurz aufklären: Die 4 Stunden Stockgare im Rezept beinhalten das Falten bereits – die Zeit läuft ja ohnehin, während der Teig ruht. Wenn du vorweg knetest und dann durchgehend gehen lässt, bleibst du bei denselben 4 Stunden. Eine Stunde zusätzlich brauchst du also nicht.
      Kleine Ausnahme: Mit der Maschine wird der Teig durch die Reibung etwas wärmer und gärt schneller. Da kann er auch schon nach 3 bis 3,5 Stunden so weit sein. Schau lieber auf den Teig als auf die Uhr – wenn er sich verdoppelt hat und die Delle beim Fingertest langsam zurückfedert, ist er fertig.

      Zeigst du mir dein nächstes Brot? Ich bin gespannt!
      Liebe Grüße von der Bine

      Hinweis: Das Rezept wurde im April 2026 überarbeitet. Die aktuelle Stockgare beträgt 2,5–3,5 Stunden bei Raumtemperatur (Variante „Heute Abend“). Die Antwort oben bezieht sich auf eine frühere Rezeptversion.

      1. Danke für die schnelle Antwort, das probiere ich beim nächsten Brot aus!

        Wie kann ich dir ein Foto schicken?

        1. Hallo Zoe,

          sehr gerne 😉
          Ich habe übrigens das Rezept am Wochenende komplett auf eine „Kneten“-Version umgeschrieben. No Kned ist zwar toll, aber mit einem reinen Weizenbrot ist das für Einsteiger schon einen Nummer … deshalb die Rezept-Revision.

          Bin Bild von deinem Brot kannst du mir gerne an bine[at]bine-backt.de schicken … ich freu mich drauf.

          Alles Liebe von der Bine

  8. Gerhard

    Hi nochmal, ich habe den Sauerteig mitgerechnet, als Gesamtteigmenge, Du hast nur die reine Mehlmenge gerechnet. Daher kam ich auf 60 Gramm.
    Hat sich somit erledigt.
    Könnte ich statt Mehl 550, auch Emmer nehmen? Müsste dann mehr Wasser rein?
    Liebe Grüße
    Gerhard

    1. Hallo Gerhard,
      das ist eine spannende Idee! Den Weizen 550 durch Emmer zu ersetzen, verleiht dem Brot ein wunderbar nussiges Aroma.
      Hierbei solltest du jedoch zwei wesentliche Punkte beachten, damit das Experiment gelingt. Erstens saugt Emmer tendenziell etwas mehr Wasser auf als der helle Weizen 550, weshalb du die Wassermenge vorsichtig um etwa 5 bis 10 % erhöhen und das Wasser schluckweise zugeben solltest, bis die Konsistenz stimmt.
      Zweitens ist Emmer beim Kneten eine kleine Diva, da sein Klebergerüst viel empfindlicher ist als das von modernem Weizen. Wenn du ihn zu lange oder zu intensiv bearbeitest, überknetet der Teig blitzschnell, verliert seine Struktur und läuft dir im Ofen breit. Hier ist also eher sanftes Mischen und anschließendes Falten angesagt, um die Stabilität zu sichern.

      Grundsätzlich ist es wichtig zu wissen, dass Backrezepte oft wie Präzisionsuhrwerke funktionieren und man nicht einfach ein Mehl gegen ein völlig anderes austauschen kann, ohne das gesamte Ergebnis zu verändern. Jedes Getreide hat seine ganz eigenen Backeigenschaften, die im jeweiligen Rezept genau aufeinander abgestimmt sind.

      Ich habe hier auf dem Blog Beiträge zum Thema „Backen mit Urgetreide“ und auch schon Emmerrezepte, falls du in die Urgetreide-Bäckerei einsteigen möchtest. 🙂

      Liebe Grüße und frohe Ostern,
      Bine

  9. Hallo Bine,
    ich versuche mich jetzt auch als Hobbybäcker und möchte mit diesem Anfängerbrot beginnen. Mein Starter ist mir bereits gut gelungen und „arbeitet“ im Kühlschrank.
    Bevor es losgeht und ich alles richtig machen will, habe ich noch 2 Fragen.
    Zum einen, wenn ich keinen gusseisenerne Topf habe, könnte ich dafür auch einen Römertopf verwenden? Habe darin schonmal ein Hefebrot gebacken.
    Zum anderen beschreibst du unter Schritt 1, der Teig muss insgesamt 4-6 Stunden ruhen. Im Schritt 2 fängt das Dehnen und Falten nach 30 Minuten Ruhezeit an. Heißt das, dass ich diese 4-6 Stunden bereits nach 30 Minuten unterbreche und mit Dehnen und Falten beginne, oder beginnt das Dehnen und Falten erst nach den 4-6 Stunden?
    LG Wolf

    1. Hallo Wolf,

      vielen Dank für deine Nachricht. Klasse, wenn es dich jetzt auch gepackt hat 🙂

      Zu deinen Fragen:

      Du kannst das Brot auch wunderbar im Römertopf backen. Ich empfehle ihn nur deshalb nicht für Anfänger, weil du im Gegensatz zum gusseisernen Topf auf ein paar Dinge achten musst.

      Ton ist ein bisschen empfindlicher gegenüber Temperaturschocks. Du solltest eventuell prüfen ob du deinen Römertopf vor dem Vorheizen wässern musst und ob er so hohe Temperaturen verträgt. Aber du hast ja schon ein Hefebrot darin gebacken, kennst also einen Römertopf.

      Ich muss zugeben, mir persönlich ist ein gusseiserner Topf lieber, weil ich den einfach mit vorheize und gut. Aber das ist letzlich Geschmacksache. Funktionieren tuts auch im Römertopf.

      Ein wichtiger Punkt beim Römertopf ist die Kerntemperatur. Ton leitet die Hitze sanfter als Metall, deshalb braucht dein Brot vielleicht 10 bis 15 Minuten länger. Dein fertigs Brot sollte eine Kerntemerpatur von 96° bis 98° Celsius haben, dann ist es perfekt durchgebacken. Messen kannst du die Kerntemperatur ganz mit einem einfachen Einstichthermometer.

      Zu deiner 2. Frage mit der Teigruhe: Dehnen und Falten zählt zur Ruhezeit dazu um es einfach zu sagen. Gesamtruhezeit in dem Fall 4-6h und während dieser Zeit Dehnen und Falten.

      Ich hoffe ich konnte dir weiterhelfen. Falls du noch weitere Fragen hast, immer her damit. 😉

      Zeigst du mir dein Brot wenn es fertig ist? Ich bin schon ganz gespannt.

      Liebe Grüße von der Bine

      Hinweis: Das Rezept wurde im April 2026 überarbeitet. Die aktuelle Stockgare beträgt 2,5–3,5 Stunden bei Raumtemperatur (Variante „Heute Abend“). Die Antwort oben bezieht sich auf eine frühere Rezeptversion.

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